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Requiem für einen Käfer


Natürlich bist auch Du nur
Ausgestorben bald und rot gelistet und
So überflüssig dass es jeden graust
Der deinetwegen eine Wiese
Nicht betreten soll vor so viel übermütgem Anspruch. Und doch
Tut es mir leid, dass ich
Mit wenig Vorsicht der Atriden dickes Abenteuerbuch hab abgelegt
Auf dieser Gartenbank, die deine war.

So traf es dich, gehockt auf eben dieser Bank in sonnigem Verweilen
In schlecht gefügter Schickung. Und das Gewicht
Der leichthin scheints gefügten Worte
Samt ihrem Träger, dem Papier aus jenen Wäldern
Die deine Ahnen einst bewohnten mit den meinen
Hat dich zu einem Teil erfasst
Und dir den Hinterleib zerpresst. Nun hockst du da
Auf deinen Eingeweiden.

Die Bank schweigt weiter, weiß
Von dir nichts und dem Kummer der Atriden
Kennt keine Dichter und singt
Keine Lieder, steht da und harrt nur der Gesäße
Die ihr sich neigen nach des Tages Last
In knarrendem Erbarmen. Du aber hebst die Fühler
Klagend zum Gesang, wirst Hohlform
Für ein anderes Beginnen.


(2011)














































































































































































































































































































TAGEBUCH 2008   TAGEBUCH 2009   TAGEBUCH 2010




TAGEBUCH 2011
:


03. Januar 2011 Das Jahr beginnt in Schnee gehüllt, allerdings hat die Sonne schon einige Zentimeter vom Dezemberschnee weggeschmolzenJanuar 2011 Schnee
                Olivenhain.

07. Januar 2011 Tauwetter. Beim Auspacken von Testpflanzen muss ich leider entdecken: Einige verlieren ganz kräftig ihre Blätter. Vor allem die schöne Leccio del Corno. Astrisse oder gar Stammrisse sah ich noch keine. Extreme Bodenkälte, auch unter Abdeckungen. Nur erklärbar durch Verdunstungskälte. Der Boden ist nass wie ein Schwamm. Fünf Wochen Dauerfeuchte, auch unter den Tunnels - darauf habe ich keine Antwort. Die höheren Niederschläge im Winterhalbjahr im Zuge der aktuellen Klimaentwicklung bei uns sind ganz offensichtlich Fakt, da decken sich Statistiken, Klimaprognosen und meine eigenen Beobachtungen leider vollständig. Nicht primär der Frost im Winter, vor allem Feuchtigkeit wird den Olivenanbau in unseren Breiten auf absehbare Zeit unmöglich machen! Denn Bäume, die im Winter komplett die Blätter verlieren, weil sie ständig kalte, feuchte "Füße" haben, können sich nicht entwickeln.

08. Januar 2011 Tauwetter - das heißt auch wieder: Stürmische Winde. Heute wehten die ersten. Als ich gegen 16:30 Uhr zum Hain kam, waren die heftigsten schon vorbei, ein Tunnel abgedeckt. Ich konnte aber immer noch 46 kmh Windgeschwindigkeit messen, aus Südsüdwest. Die neuangelegte Nord-Süd-Ausrichtung der Tunnels hat sich bewährt, da die Tunnels nun gegen Süden durch die zwei Zelte und die Hütte etwas geschützt sind. Am Mittwoch werden die nächsten Sturmwinde erwartet.

23. Januar 2011 Stürme vorbei, Frühlingswetter vorbei. Wieder Fröste. Und die zarten neuen Triebe an den Blattachseln erfroren. Es war eine dilettantische Illusion, beim Olivenanbau in Deutschland käme es nur darauf an, die Frostextreme zu kappen. Dazu kommen das schon häufiger erwähnte Problem Feuchtigkeit, insbesondere bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, und zudem das Problem der Fröste nach Zwischenerwärmung. Oder, anders gesagt: Olivenbäume müssen im Winter bei uns nicht nur gegen Frost, sondern auch gegen Wärme geschützt werden, sofern noch eine Frostphase zu erwarten ist - sie sind einfach zu treibfreudig! Im vergangen Winter haben sie nach der zweiten Frostphase mit dem Frühjahrsaustrieb sehr lange auf sich warten lassen - zu Recht frustriert nach dem ersten vergeblichen Unternehmen!

05. März 2011 Wunderschönes Wetter, nachts allerdings wieder Frost seit einigen Tagen. Die vergangenen Wochen waren sehr angenehm, nur gelegentlich Winde, bei denen ich zweimal die Vliese abnehmen und mich um das große Zelt kümmern musste (nachspannen, Heringe neu einstecken, Balken als Gewicht auf die Heringe platzieren). Eine Pflanze, die nur mit Luftpolsterfolie eingepackt war, hat an den Blättern gerade massiv gelitten. Ich vermute mal, die Blätter sind in der Sonne unter der Folie verbrannt, Hitzeschaden. Ich hatte nicht aufgepasst, dass sie ohne schützendes Tunnelvlies dastand. Im kommenden Winter werde ich nur noch Vlies einsetzen, das hat sich - soweit ich das bisher beurteilen kann - sehr bewährt, vor allem, wo es mehrlagig um die Pflanzen gehüllt war. Sicher ist schon jetzt, dass die Pflanzen insgesamt besser durch den Winter gekommen sind als 2008/09 und 2009/10. Mit Auspacken warte ich noch, die beiden Zelte haben wir aber schon abgebaut. Die Zelte werden im kommenden Winter nicht wieder aufgebaut, der Aufwand ist zu groß mit den häufigen Starkwinden.

09. März 2011 Nordgriechenland -15 Grad. Giovanni Presta, ein kluger und noch heute gelesener italienischer Mediziner und Agronom des 18. Jahrhunderts, schreibt in "Degli ulivi, delle ulive e della maniera di cavar l'olio" zu Griechenland den bemerkenswerten Satz "ha l'inverno siccome l'ha la Germania"("hat einen Winter wie ihn Deutschland hat") - und zwar "a motivo dei frequenti ed altissimi nevosi monti e delle vaste e profonde valli".

13. März 2011 Fukushima und die Karlsruher "art" - die gleiche Botschaft: Die Welt läuft aus, und keiner weiß, wohin. Auf der "art" zahlreiche Bilder mit nicht vollständig ausgemaltem Hintergrund, Bilder aus Japan in einem schmerzhaft monadisierenden Duktus.

Fukushima März 2011. Mein persönliches Lehrbild des Jahres stammt von der Agentur Reuters und zeigt ein kleines Kind mit erhobenen Armen, das von einem Arzt mit einem Messgerät abgetastet wird. Da der Abmahnwahn auch schon meine Seite ins Visier genommen hat (nicht veranlasst von Reuters, sondern von AP - man entschuldigte sich allerdings für die Rechnung von einer Anwaltskanzlei über 445 Euro, ein Automatismus sei da aktiv gewesen), verzichte ich vorläufig, bis zum Einzug der Piratenpartei (externer Link) in den Bundestag, auf die Präsentation dieses Bildes als Zeitdokument hier.

02. April 2011. Abräumen des Mulches um die Pflanzen. Bei einigen Pflanzen mache ich einen Probeschnitt und finde erstaunlich viel grünes Cambium. Offensichtlich haben die Pflanzen in der Summe diesen besonders schwierigen Winter (kalt, feucht, stürmisch) besser überstanden als die beiden Winter davor. Ich habe allerdings auch effektiver geschützt.

Unter dem Mulch hatten sich häufig Maulwürfe ein Winterheim eingerichtet. Die nach den vergangenen Frostschäden tief zurückgeschnittenen Pflanzen waren teilweise unter hoch aufgeworfener Erde fast verschwunden. Die Blätter sind unter der Erde abgefallen und die Rinde hat sich stark verfärbt, aber das Cambium ist intakt. Mulchen werde ich künftig stark einschränken.

Seggianes nach
              Winter 10/11Optimal erhalten sind die Pflanzen, die doppelt eingepackt waren, mit Luftkammerfolie und Vlies, z.B. ein Seggianese (s. Foto). Im kommenden Winter werde ich weder Zelte noch Tunnels aufbauen. Der Arbeitsaufwand war dank Wind und Schneemassen grotesk und der Nutzen dieser beiden Maßnahmen ist unter den örtlichen Bedingungen fraglich. Feuchtes Tunnelvlies könnte, ähnlich wie feuchter Mulch, als Kühlschrank wirken. Zudem hebeln die starken Winde den Schutzeffekt häufig aus. Und ein zusammenbrechendes Zelt (wie leider im vergangenen Dezember geschehen) ist der schlechteste Winterschutz.

Vorläufige Bilanz: Offensichtlich sind ALLE Pflanzen noch zumindest in der Unterlage vital. Keine Pflanze hat Frostrisse bekommen. Vier der ältesten Pflanzen mit intakter Krone (1x Ascolana, 1x Leccino, 2x Seggianese) sind weitgehend im gleichen Zustand wie vor dem Winter. Allerdings ist es nach meinen bisherigen Erfahrungen weiterhin möglich, dass sie die Blätter als Reaktion auf den Winterstress noch abwerfen - wenngleich die Blätter wesentlich vitaler wirken als nach dem Winter 2009/10. Vor Mitte Mai werde ich keine endgültige Bilanz wagen. Auffallend wie gut manche Grundlagentriebe den Winter überstanden haben! Die Auffassung von der Frostempfindlichkeit der Wildolive bestätigt sich nicht durchgängig

Traurigerweise sind die beiden schönen, 2010 neu gepflanzten Leccio del Corno und Bianchera in der Krone und vermutlich auch im oberen Stammbereich abgestorben. Ebenso der Leccino mit den Propfungen in der Krone. Schuld war unzureichender Schutz. Die beiden Jungen hatte ich nur in Vlies, nicht auch in Thermofolie eingehüllt. Und der Propfungsbaum stand beim Zusammenbruch des Ebay-Zeltes einen Tag offen in Schnee und Eiskälte und war später teilweise nur in Vlies gehüllt.

Erste Schmetterlinge flattern durch den Hain und am Abend einzelne frühe Maikäfer! Unzählige Blüten auf der Wiese.

05. April 2011. Ein Leccino rollte die Blätter ein und verlor einige am Sonntag (3. April). Am Abend hat es geregnet und nun sind die verbliebenen Blätter wieder stabil. Nach der Winterpause ans Gießen denken bei Bäumen, die noch Blätter haben!

07. April 2011. Die erste Eidechse an der Mauer gesichtet, ein Eidechse jungjunges Exemplar. Auch sonst sind die ersten Eidechsen unterwegs, im Komposthaufen ein prächtiges, intensivgrünes Männchen und durch den Grobmulchhaufen huschen drei Jungtiere. Man sieht: Die Tierchen halten sich nicht an die Vorschriften der Fachleute. Die Trockenmauer besuchen sie zwar gelegentlich auch mal - aber viel wichtiger sind ihnen Komposthaufen und Grobmulch. Dort gibt es zahlreich Insekten und sonstige Nahrung und der dunkle Grobmulch wird auch schön warm in der Sonne. Mauselöcher schätzen sie auch - als Zufluchtsorte.

Am Abend vor glutrotem Sonnenuntergangshimmel etwa 15 Minuten Schwarmflug von Maikäfern, mehrere Hundertschaften kamen aus dem Tal hoch zum Waldrand geflogen. Einzelne Fledermäuse jagen ihnen nach.

Die Pflanzen entwickeln sich rasant, ein extrem blütenreiches Frühjahr ist zu erwarten. Waldveilchen haben nach vereinzeltem Auftreten im vergangenen Jahr nun vom Waldrand her geschlossene Bestände gebildet - dank der Ameisen, die den Samen verbreiten. Der eingebrachte Lein hat sich gut weiter ausgesät, Wiesensalbei, Skabiose und Witwenblume sind zahlreich in Lauerstellung.

Im Kompost massenhaft Rosenkäfer-Engerlinge. Ein rosa gefärbter schlanker Engerling, den ich nicht bestimmen kann.

Rettung der Erinnerung. Mein persönliches zweites Lehrbild des Jahres aus Fukushima zeigt eine junge Frau, die Familienfotos aus den Trümmern nach dem Tsunami bei Fukushima sichtet und stammt von Associated Press. Nach einer Schadenersatzforderung im pauschalen Auftrag von dapd in Höhe von 445 Euro habe ich das Foto (das im Begleittext mit Quellenangabe versehen war und in einer Dateigröße, die eine kommerzielle Nutzung ausschloss) gelöscht. Allerdings hat mir dapd umgehend auf meine Mitteilung hierzu versichert, dass private Websites ohne Werbung und ohne Links zu kommerziellen Plattformen von der weiteren Verfolgung der Ersatzforderungen ausgenommen seien. Da ich das gewählte Verfahren nicht gut heißen kann, verzichte ich dennoch auf eine Wiedereinstellung des Bildes und verweise gerne auf die Anliegen der Piratenpartei (externer Link) und deren Bemühen, Abmahnkanzleien, die sich auf Privatpersonen stürzen (externer Link), künftig arbeitslos zu machen.

17. April 2011. 
Schön: Bereits 25 blühende Blütenpflanzenarten auf der Olivenwiese. An der Feige zahlreiche Fruchtknollen, es könnte wieder eine kleine Ernte geben, nachdem im vergangenen Jahr keine Frucht zur Reife kam. Weniger schön: Der anhaltende kalte trockene Ostwind der letzten Tage mit Temperaturen nachts gelegentlich unter dem Gefrierpunkt hat teilweise Knospen und Triebe der voraufgegangenen sonnig-warmen Wochen an den Oliven ausgetrocknet/erfroren - Ausnahme: Ascolana und einige Triebe aus den Grundlagen!

Erster Schwalbenschwanz in diesem Jahr!

20. April 2011. Wieder zeigt sich leider die "postinvernale Tristess", bei zweien der vier Olivenbäume, die alle drei Winter bisher ganz gut überstanden haben. D.h., einzelne Zweige und Äste, die vital schienen und mit gesunden Blättern bestückt waren, sterben nun innerhalb von Tagen ab. Eventuell ist dies ein Vertrocknen nach Vorschädigung im Winter - verschärft durch die anhaltende sonnige Trockenperiode.

28. April 2011. Fast bei allen Oliven erstaunlicherweise Neutriebe, junge Blättchen - von den Vertrockneten vom 17. April müssten sich also einige wieder erholt haben. Ich mache Ikea Olive April 2011mich jetzt schon an den Schnitt - zumal das Wetter stabil bleiben dürfte, keine Eisheiligen mehr, wie ich hoffe. Beim Schneiden wird deutlich, dass in den vergangenen drei Wochen noch einiges an Blättern und Zweigen abgestorben ist, was den Winter scheinbar gut überstanden hatte!

Am kräftigsten entwickelt sich, horribile dictu, der Neuaustrieb von vergangenem Jahr an einer No-Name-Olive von Ikea (s. Foto)! Sie hat bereits komplett ausgewachsene diesjährige neue Blätter entwickelt und vitale Triebspitzen! Sehr schön entwickelt sich auch der Neutrieb am Propfungs-Leccino, der so sehr unter dem Zeltzusammenbruch gelitten hat - daraus könnte ein neuer Stamm werden.

Fast alle Pflanzen sind noch im Veredelungsbereich vital. Holder und Diotima scheinen es auch nochmals als Leccini zu packen, obgleich sie überdurchschnittlich (bezogen auf Leccinos) gelitten haben.



Links (Westen) auf dem großen Foto Seggianese, rechts Leccino, beide 2008 gepflanzt. Nach drei harten Wintern keine repräsentativen Bäume, aber vital - zwei der vitalsten "Überlebenden" aus dem ersten Jahr. Auffallend das Wachstum weg von der Wetter-/Windseite (links). Was nicht am Wachstum alleine liegt, sondern auch daran, dass die Winterschäden an den Westästen stets stärker waren! Ein interessantes Phänomen - Austrocknen durch den Wind? Windchill-Factor? Was da blüht sind v.a. Lein (hellblau), Wundklee (gelb) und Wiesensalbei (dunkelblau).

30. April 2011. Das Realitätsprinzip meldet sich mächtig. Sensen ist zwar wunderbar, gesund, lautlos, umweltfreundlich. Was ich nicht bedacht habe: Die Maulwurfhügel allüberall und sonstige Wühler und Werkler (Mäuse, Ameisen, Füchse ....), die Wermut Olivenhaindas Gelände allmählich in ein Modelleisenbahn-Mittelgebirge verwandeln. Mit der Sense mähen wird da zum Kampfsport. Und für mein Edelblatt zur Beleidigung.

Beim Wermut hatte ich einen wunderschönen Liegeplatz (s. Foto), um in einer Wolke von Duft in den Himmel zu schauen - durch die dürren Blütenstände des vergangenen Jahres mit den sternförmigen, getrockneten Blüten. Just wo ich bisher den Kopf platzierte, hat sich nun eine Kolonie von Sklavenameisen eingerichtet. Die auch die Kamera sofort untersuchten. Und die ich natürlich nicht vertreiben darf. Da sie sich abends früh diskret in ihren unterirdischen Bau zurückziehen, werden wir eine friedliche Koexistenz pflegen können.

Bestand an Blütenpflanzen aktuell über vierzig! Ein Freund nennt das kritisch "botanischen Garten". Was insofern stimmt, als einiges eingesät ist, etwa Lein und Wundklee - aber inzwischen stabilisiert und sich standortselektiv ausbreitend. Die Bodenverhältnisse im Gelände sind stark different, mit drei unterschiedlichen Bewirtschaftungsgeschichten und unterschiedlichen Abtragungs- bzw. Anschwemmungsbedingungen. Hinzu kommen nun Veränderungen durch die Bodenbearbeitung um die Oliven herum (Mulchen, regelmäßiges Umgraben). Das tendiert ohnedies schon zu "botanischem Garten". Käfer- und Ameisenbestand steigen exponentiell an, mit deutlich breiterem Artenspektrum als im vergangenen Jahr. Kräuselkrankheit an Pfirsichen ist leider auch stärker als im vergangenen Jahr, allerdings scheint es noch ausreichend gesunde Blätter zu geben.

07. Mai 2011. Seit einigen Tagen die ersten Heuschrecken, noch sehr zerbrechlich, durchschimmernd, lindgrün. Mähen - wieder mit der Sense, ich kann mich nicht zum Motormäher "bekehren". Neben der Sense dabei ist eine Hacke, um die gröbsten Unebenheiten (Maulwurfhügel etc.) vor dem Mähen auszugleichen. Geht auch ganz gut, macht Spaß, ist Ausgleichssport - kostet aber viel Zeit. Nebenbei vertiefe ich meine Pflanzenkenntnisse und knabbere an abgemähten Fenchel- oder Wiesensalbeistengeln, erstklassige Durstlöscher bei der sengenden Hitze. Auch eine Form von "Learning by doing" im Pflanzenwahrnehmen - die beim Motormähen nicht stattfinden könnte. Mit der Sense mähen verhält sich zu Motormähen wie Wandern zu Motorradfahren.

10. Mai 2011. Im Newsletter zum ökologischen Weinbau, den ich aus Rheinland-Pfalz beziehe, ist heute zu lesen:

"In der Nacht vom 3. auf den 4. Mai sind die Temperaturen gebietsweise deutlich unter den Gefrierpunkt gefallen und es gab vor allem in der Pfalz, Rheinhessen und der Nahe lagenweise erhebliche Spätfrostschäden. Vergleichbare Schäden gab es zuletzt 1945 und 1953."

Ähnliches gilt auch für Württemberg, Baden blieb verschont. Den neu austreibenden Oliven ist nichts passiert, obgleich ich an meinem Auto vor dem Haus im Tal am Morgen Eis von den Scheiben kratzen musste!

14. Mai 2011. Nun leiden vereinzelt auch Oliven an der langen Trockenheit; die wachstumsaktive Ikea-Olive lässt Triebspitzen hängen, die richten sich nach Wassergabe allerdings schnell wieder auf.

Zeit für die Winterbilanz. Auch in diesem Jahr hat sich wieder gezeigt, dass vor Mitte Mai eine Abschlussbilanz keinen Sinn macht. Noch Ende April Frostschaden Aprilist mir an einer ohnedies stark zurückgefrorenen Pflanze ein vitaler Zweig abgestorben, die Blätter braun (s. Foto rechts - oberer Zweig).

Insgesamt bestätigt sich meine Einschätzung vom 2. April, allerdings mit weiteren Blatt- und Zweigverlusten von bis zu 50% (Einzelfall), bezogen auf den Zustand am 2. April. Ganz erstaunlich ist die hervorragende Triebentwicklung einzelner Pflanzen, insbesondere einer namenlosen Ikea-Olive (war dick in Vlies eingepackt), eines in der Krone komplett erfrorenen Leccino von 2008 (Austrieb am unteren Stammdrittel war vor einem desaströsen Zeltzusammenbruch separat mit Vlies umhüllt) und einer Ascolana (kompakte Wuchsform, zypressenartig, war gut einzuhüllen). Erfreulich auch, dass einer der Maurinos von 2008 einen vitalen neuen Stammaufbau verspricht! Den Traum von knorrigen Olivenbäumen in Deutschland mit weit ausladender Krone lege ich allerdings vorläufig ad acta.

Dieser Winter hat einige Stämme zerstört, die nach dem Winter 2009/10 mit Restvitalität überlebt hatten und neu - wenngleich i.A. eher schwach - ausgetrieben hatten im vergangenen Sommer. Die vier Neupflanzungen vom Frühjahr 2010 (Bianchera und Leccio del Corno) sind in der Krone zerstört, drei treiben allerdings oberhalb der Veredelung neu aus, Bianchera besonders wacker! Von den fünf Pflanzen, die Anfang 2010 noch eine Krone hatten, blieben vier erhalten. Die fünfte wurde Opfer eines Zeltzusammenbruchs unter Schneelast.

Mulchen alleine ist in feuchten Wintern eher tötlich, da Verdunstungskälte entsteht. Zelte und Vliestunnels sind vom Verhältnis Arbeitsaufwand-Nutzen her sinnlos, die Einzeleinpackung - ohne Heizung - ist bei jungen Pflanzen die optimale Maßnahme. Die erstaunlichste und wichtigste Erfahrung dieses Winters ist zweifellos, dass die Pflanzen recht gut damit zurechtkommen, vier Monate komplett eingepackt zu sein! Ich hatte mir da nach allen Berichten kompletten Blattabwurf erwartet. Wie ältere, entwickelte Kronen in windigen Lagen im Winter geschützt werden können, ist mir vorläufig noch ein Rätsel.

Holder April
                2011An einem Leccino (den ich zu Demonstrationszwecken nicht geschnitten habe - s. Foto links) lässt sich sehr klar studieren, wie die Vitalität der Pflanze von Winter zu Winter abnahm. Nach dem Winter 2008/09 trieb die im Sommer 2008 nach Pflanzung gut entwickelte Pflanze (1) aus dem Stamm und teilweise auch aus Ästen wieder neu aus (2). Nach dem Winter 2009/10 war sie oben abgestorben und lebte nur noch aus dem unteren Stammbereich knapp oberhalb der Veredelung (3). Und nun, nach dem erneut harten Winter 2010/11, kommen lediglich bislang kaum sichtbare Austriebe aus der Unterlage (4) (Nachtrag 21. August: Es handelt sich offensichtlich um einen wurzelechten Leccino, die Austriebe haben sich erstaunlich gut entwickelt, vergleichbar mit 2010). Vergrößerung durch Klick auf das Bild.

Zurück zum noch Ende April vertrockneten Zweig: Nach meiner Einschätzung war das Cambium im tragenden Aststück vom Winter geschädigt, aber die Versorgung hat noch notdürftig ausgereicht - bis das Verhältnis Verdunstung zu Nachschub sich durch Erwärmung und Sonnenstrahlung negativ verschoben hat und/oder das Cambium vollends kollabiert ist.

Daher die Bitte: Schicken Sie mir keine Fotos vom Februar, die zeigen, wie wunderbar Ihr Olivenbaum den Winter überlebt habe. Maifotos gerne. Auch wenn ich schon erleben musste, dass im Mai neugepflanzte Oliven als Altbestand ausgegeben wurden, die angeblich den Winter im Freien überstanden haben. Mit einem leichten Zug am Stamm ist das einfach zu überprüfen. Vertrauen ist gut, Kontrolle erspart eigene Enttäuschungen bei Pflanzabenteuern.

24. Mai 2011. Wenn das Wetter sich weiter so entwickelt, wird zumindest in diesem Sommerhalbjahr niemand mehr über das Projekt Olivenanbau in Süddeutschland schmunzeln. Sonne, Sonne, Sonne - und kein Regen!

"Das Umweltministerium Baden-Württemberg ist davon überzeugt, dass Südwest-Deutschland aufgrund seiner westzyklonalen Wetterlagen besonders von extremen Wetterlagen – und als Folge von Schadensfällen – betroffen sein wird." - BUND zur Klimaentwicklung in BaWü.

03. Juni 2011. Wachstumsruhe bei den meisten Oliven - zumindest oberirdisch im Bereich der Blätter und der Neutriebe. Ich vermute mal, jetzt sind die Wurzeln dran oder das Holz. Wie wenig wir doch von den elementaren Naturprozessen wissen. Bäume sollten ja nicht gerade dann geschnitten werden, wenn sie die Assimilationsfläche zur Entwicklung ihrer Wurzeln benötigen! Doch wer weiß schon, wann das bei welchen Bäumen der Fall ist? Oder benötigen sie die Blätter gar nicht - Wurzelwachstum findet ja auch im Winterhalbjahr statt! Mir fehlt da Erfahrungswissen, das uns rasant verloren geht.

Meine anderen Exoten entwickeln sich mit unterschiedlichem Erfolg - allerdings alle besser als die Oliven. Assimina triloba oder Indianerbanane habe ich 2008 gepflanzt, sie hatte einen guten Blütenansatz auch in diesem Jahr aber noch immer keine Fruchtentwicklung. Der chinesischer Gemüsebaum oder Chop Suey Baum wächst nett, aber von einem Baum, selbst einem Bäumchen ist er noch weit entfernt, zumal im vergangenen Winter 10 Zentimeter Triebspitze erfroren sind. Am meisten Kopfzerbrechen bereitet mir Schisandra chinensis oder Wu Wei Zi. Nach zweimaligem Standortwechsel und Bodenaustausch wächst sie nun zwar lebhafter, aber noch immer sterben dann Blätter und ganze Ranken plötzlich ab. Schön entwickelt sich Ziziphus jujuba oder Chinadattel. Aber auch in diesem Jahr ist noch keine Fruchtentwicklung zu erkennen, obgleich der 2008 gepflanzte Baum als selbstfruchtbar angegeben war.

11. Juni 2011. Weinbergschnecken und Junikäfer feiern Pfingstpartys - trotz kühler Temperaturen am Abend. Erdbeersaison leider fast schon wieder vorbei, stattdessen findet nun fleißige Ablegerproduktion statt auf meinem kleinen Erdbeerfeld.

Rehe haben an Erdbeeren Blätter, an Felsenbirne und Haferschlehe Triebspitzen abgefressen und fast alle Früchte der beiden Felsenbirnen. Zwei Schermausopfer in diesem Jahr bisher: ein junger Weinstock und ein riesiger Fenchel. Nachdem die im Winterhalbjahr 2008/09 einer Feige die Wurzeln abgefressen hatten, war 2009 und 2010 Ruhe gewesen.

Kein gutes Schmetterlingsjahr (externer Link) bislang, der Winter war wohl zu hart und zu lange.

27. Juni 2011. Weiterhin Wachstumsruhe bei den Oliven. Auch sonst scheint dies eher ein Frucht-, denn ein Wachstumsjahr zu sein, auf der Wiese bemerkbar und bei anderen Pflanzen wie Brombeeren, Weinbergpfirsiche oder Feige. Was ist Schuld daran? Der strenge Winter? Das lange Trockenheitssignal im Frühjahr? Nach dem Wachstumsschub im Mai ist jedenfalls trotz des Wachstumswetters der vergangenen Wochen wenig passiert bei den meisten Pflanzen oberirdisch. Nur Rosmarin bildet fleißig Triebspitzen, auch der chinesische Gewürzbaum freut sich kräftig nach oben. Kiwi ganz erbärmlich, Schisandra nicht viel besser.

01. Juli 2011. Phantastische Blütenentwicklung auf der Wiese in den vergangenen Tagen, insbesondere von Origanum vulgare und  bei den Flockenblumen (Centaurea jacea und scabiosa). Und freudiges Schmetterlingstreiben nun, vor allem bei den üppigen Schwalbenschwanz Dost OlivenhainOriganum-Beständen. Plötzlich sind sie da, die Schmetterlinge, allerdings weniger variantenreich als im vergangenen Jahr. Heute auch ein Schwalbenschwanz, der Eier an Wilder Möhre ablegt und sich dazwischen an Dost erholt. Am Thymian Bläulinge.

Und über den Weinbergen am Himmel drei Bussarde endlich wieder! Lange war es leer dort oben in diesem Jahr, gelegentlich Turmfalken oder von der Rheinebene hochziehende Milane, mal ein Bussard auf Durchzug. Nachdem 2010 bis zu drei Bussardpaaren hier bei Obergrombach kreisten. Ich hatte schon befürchtet, die Bussardvergiftungen bei Rastatt und Wiesloch im Frühjahr hätten auch unsere Bestände betroffen. Von fachkundiger Seite wurde mir gesagt, dass dies kaum der Fall sein könne, die achzigfachen Bussardvergifter hätten wohl Wintergäste aus anderen Regionen getötet.

Im Weinberg Spuren von Feinschmeckern: Weinblätter werden seit einigen Tagen regelmäßig abgeweidet von Rehen. Im Unterschied zu vielen Menschen können Rehe offensichtlich genau zwischen biologischem und konventionellem Anbau unterscheiden: Unser Weinberg ist das einzige Weideopfer weit und breit.

08. August 2011. Nach drei Wochen Abwesenheit finde ich die Oliven fast ohne Zuwachs vor. Arbeiten sie an ihren Wurzeln oder ist ihnen nun der Sommer zu kühl? Am Feigenbaum ist eine einsame Frucht ausgereift, die anderen Feigen sind kaum weiterentwickelt. Ziziphus blieb wieder gänzlich ohne Früchte, trotz reicher Blüte und Befruchtungspartner. Schizandra und chinesischer Gemüsebaum haben sich gut entwickelt. Kiwi kümmert, Paw Paw stagniert. Die Weinbergpfirschbäume hängen voller Früchte, aber nur eine Frucht ist schon gereift - in Notreife, da von Insekten befallen. Versuche mich an induzierter Notreife, erreiche aber nur starke Fäulnis.

14. August 2011. Auch wenn sie gerupft dastehen nach den drei harten Winter, ein bisschen Optimismus strahlen sie doch aus, Seggianese
                Leccino Wermutmeine "Überlebenden" der ersten Pflanzung von 2008, links ein Seggianese von Becker, rechts ein Leccino von Flora Toskana (s. Foto rechts). Wenn ich mit dem Foto von Ende April vergleiche (siehe oben) zeigt sich doch, dass sie ein bisschen gewachsen sind, auch wenn eine deutliche Abnahme verglichen mit dem Wachstum nach den Wintern 2008/09 und 2009/10 zu sehen ist - obgleich sie doch besser dastanden im Frühjahr, mehr Laub noch hatten als nach den Wintern zuvor. In der Mitte der mächtige Wermutbusch, der mit seiner wilden "Frisur" eine Stimmung von "Sturm und Drang" schafft, Beethoven trägt auf manchen Abbildungen eine ähnliche Haarpracht. Der herbe Wermut-Duft dominiert derzeit das Gelände, ergänzt durch die schwere Süße von verrottendem Fenchel.

Die Pfirsiche reifen zügig und reichlich, bis zur Ernte im nächsten Jahr muss ich mir einen Dörrapparat anschaffen, um die Menge zu bewältigen. Die ersten Kaki kann ich auch schon verzehren, auch wohl eher Fälle von Notreife, "vorgesehen" ist als Reifetermin Ende Oktober/November, sie schmecken vorzüglich. Und mit den Blättern des chinesischen Gemüsebaums habe ich mir schon einige schmackhafte Suppen gekocht. Das entschädigt etwas für den Frust bei den Oliven. Der könnte weitergehen: Auch für den Winter 2011/12 sehen die Prognosen eher "zu kalt" voraus. Das nervt! Ob die "Überlebenden" das verkraften, nochmal einen Kälteschock, den vierten in Folge!? Jetzt hoffe ich erst einmal auf einen gnädigen Restsommer und einen milden Herbst.

16. August 2011. Das schwache Wachstum der Oliven veranlasst mich, mal wieder Temperaturmessungen durchzuführen. Mich interessiert dabei besonders, ob die Mulden eher Kältekammern oder Wärmefallen sind und ob es Unterschiede gibt zwischen Pflanzen, die in tiefen Mulden sitzen, und solchen in flachen. Auffallend ist schon, dass die extrem schwachwüchsigen Wurzelaustriebe allesamt bei Pflanzen zu beobachten sind, die sehr tief sitzen. Auffallend auch, dass die Mulden teilweise extrem feucht sind. Es gibt allerdings einzelne eher trockene Mulden mit außergewöhnlich hohen Temperaturen - augenscheinlich Mulden mit stark durchlässigem Untergrund. Insgesamt lag das Temperaturspektrum in den Mulden zur Mittagszeit zwischen 20 und 31 Grad! Ich habe nun einzelne Mulden nach Süden/Hangunten geöffnet und erwarte mir davon mehr Sonneneinfall, weniger Feuchtigkeitssättigung bei Regen und rascheres Abtrocknen. Und in Folge besseres Wachstum.

Vincent van
              Gogh Olivenhain Saint RemyDie Temperaturmessungen in den folgenden Tagen ergeben jedoch kein klares Bild, ich kann nicht begründet angeben, ob eine Pflanzposition in voller Mulde, in nach Süden offener Mulde, flach oder gar erhöht für das Wachstum und die Frostresistenz besser seien. Gemälde van Goghs von französischen Olivenhainen zeigen allerdings eher erhöhte Pflanzpositionen - um Feuchtestaus zu vermeiden? Um stärkere Sonnenerwärmung zu erreichen qua größerer der Sonne ausgesetzter Bodenfläche? Oder ist die Struktur eher zufällig durch Bodenabschwemmung entstanden? Ich weiß es schlichtweg nicht. Ich weiß nur sicher, dass geschlossene Mulden Feuchtigkeit "fangen". Theoretisch könnten sich dort auch im Winter "Kältenester" bilden und halten - selbst bei Einhüllung bilden und besonders bei EinhIkea Olive
              Bodenaustriebüllung halten. Sicher ist auch, dass nach Süden offene Mulden im Schnitt bei starker Sonneneinstrahlung etwas wärmer sind als geschlossene Mulden oder eine ganz flache Setzposition. Bei erhöhter Position könnte der Temperaturgewinn nach Süden negativ ausgeglichen werden durch Temperaturverlust gegen Norden. Ich werde wohl nach Frankreich reisen müssen, zu den Hainen van Goghs in Saint Rémy, um den Sinn dieser Gepflogenheit zu erfahren ...

Auffallend gut zugelegt hat die namenlose Ikea-Olive (s. Foto rechts), sie fällt auch auf mit durchgängig hohen Bodentemperaturen an ihrer Baumscheibe bei der Messung heute mittag (um 30 Grad herum). An ihr lässt sich gut studieren, wie Neuaustriebe von der Stammbasis bei geschädigte Stämmen erheblich vitaler sind als die Austriebe oben am Stamm. Der Austrieb von unten rechts hat die "Krone" von vergangenem Jahr weit überholt. Das deckt sich mit der Empfehlung in der Fachliteratur, für den Erwerbsanbau frostgeschädigte Oliven radikal bis knapp über dem Boden (natürlich über der Veredelungsstelle, so vorhanden und noch vital) zu kappen. Vermutlich sollte ich das bei meinen beiden verbliebenen "großen" Seggianese machen, deren Stämme und Äste sehen teilweise erbärmlich aus und das Wachstum ist höchst bescheiden - doch das bringe ich nicht übers Herz. Und ein Neuaustrieb ist bei aller Vitalität in einem kommenden frostigen Winter (den ich befürchte) stark gefährdet.

20. August 2011. Heute extrem heißer Tag. Bei Messungen um 13:00 Uhr ergibt sich bei den Bodentemperaturen ein Feld von 23 Grad (absonnig, bewachsen, feucht) bis 54 Grad (zur Sonne geneigt, offen, trocken) - also 31 Grad Differenz! Im Winter waren die Werte nicht ganz so weit gespreizt, aber doch auch weit genug, um die Frage zu stellen, welchen Sinn angesichts dieses Spektrums Maßnahmen machen, mit denen sich Tiefsttemperaturen um plus 3-6 Grad verschieben lassen. Eine Antwort könnte sein, dass die Lufttemperaturen innerhalb des Wuchsbereichs der Oliven nicht diese Differenzen aufweisen - bzw. nur auf einer zeitlichen Schiene, was die Schutzmaßnahmen wie Einhüllen in ihrem Einflussbereich verhindern oder abmildern können.

Es kommen neue Triebspitzen, das sonnig-warme bis heiße Wetter zeigt Wirkung. Wäre schön, wenn nun doch noch ein zweiter Wachstumsschub käme. In der Hoffnung, dass es sich um stabiles Gewebe handelt, das nicht gleich dem ersten Frost zum Opfer fällt.

Interessante Beobachtungen zur Wachstumsrichtung einzelner Pflanzen: Oliven meiden Westen/Winddruck. Desgleichen Walnuss. Ziziphus wächst vorwiegend nach Norden und Osten. Kaki nach Norden und Westen. Paw Paw bevorzugt Norden.

23. August 2011. Nach den neuesten Meldungen von der Klimafront ("Winter bleiben streng") befasse ich mich mit Überlegungen zu einer Kurskorrektur für meinen "Olivenhain". Kein Aufgeben, nein. Aber eine klare Reduktion, mit nur noch 16 Olivenbäumen als Zielvorgabe, um den Arbeitsaufwand im Winter bewältigen zu können. Im Austausch bieten sich Maulbeerbäume, Feigen, Paw Paw und Granatäpfel an. Da Granatäpfel nicht wintergrün sind, könnten sie mit Vliestunnels bei weniger Aufwand besser zurecht kommen als Oliven, für die Vliestunnels (gemessen am Arbeitsaufwand und begründet vor allem durch meine windige Geländelage) unsinnig sind, wie ich leider lernen musste. Einen Versuch ist mir das wert. Ferner werde ich weitere Beerensträucher anpflanzen.

Um meine jetzt schon beachtlichen Fruchtmengen sinnvoll zu nutzen, wollte ich einen Dörrapparat anschaffen. Das ist eine weit kompliziertere Angelegenheit als ich dachte. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt hier einfach nicht, auch nicht die Materialqualität. Geräte um die 400 Euro sind aus teilweise recyceltem Plastik mit undeklarierter Zusammensetzung hergestellt, dünsten gar unangenehme Gerüche aus. Die Temperaturregelungen funktionieren höchst ungenau, der Energieverbrauch ist wenig optimiert. Sehr ärgerlich. Und dabei feiert das deutsche Slow Food Magazin bereits die Rückkehr des Dörrens als Konservierungsmethode. Da muss die Geräteindustrie noch einige Hausaufgaben erledigen.

Mit zugekauften Gitterrösten habe ich meinen Heissluftherd zum Dörrapparat umfunktioniert. Kleine Tricks ermöglichen es, mit vollem Einschubkomfort sieben Etagen unterzubringen, das sind immerhin 985 qcm Dörrfläche! Platzhirsch Excalibur (recyceltes Plastikmaterial im Gehäuse) schafft 1.296 qcm bei 9 Einschüben. Die Klapptür bleibt einen Spalt oben offen, das bringt ein besseres Ergebnis. Über ein Backofenthermometer kann ich die Temperatureinstellung optimieren.

Bin schon gespannt auf meine ersten Dörroliven! Da die deutsche Ernte weniger Öl enthält und mehr Wasser, könnte das interessant werden. Ich erinnere mich an hervorragende Dörroliven auf der Peloponnes - spontan entstanden durch Herumliegen unter den Bäumen auf felsigem Grund während eines Winterhalbjahres. Ob das wohl auch mit einem Einsatz unter einem halben Jahr Dörren hinzubekommen ist?

25. August 2011. Der Umbau der Mulden bei den Olivenbäumen ist abgeschlossen: Durchmesser für alle mindestens 80 Zentimeter, Öffnung der Mulden nach Süden für alle Pflanzen mit Setzpfahl, Abflachen der Muldenränder bei den anderen.

Die zweite Generation Schwalbenschwanz ist unterwegs. Und die Kalkastern (Bergastern) blühen.

28. August 2011. Das bizarre Wetter mit Hochsommer im Mai und in der zweiten Augusthälfte mit langer Kühle dazwischen hat bei den Oliven zu einem zweiten Wachstumsschub mit bis zu 15 Zentimeter Zuwachs innerhalb einer Woche geführt. Insbesondere die beiden verbliebenen Seggianese-Bäumchen haben profitiert und wirken nun wesentlich vitaler. Auf der Wiese blühen manche Pflanzen nun schon zum dritten Mal. Der Faulbeerbaum legt eine zweite Blüte hin, beim Fenchel stehen teilweise ausgereifte Samen neben jungen Blütendolden.

Der Muldenumbau bei den Oliven hat sich schon bewährt. Bei den Niederschlägen der vergangenen Tage erwiesen sich die geschlossenen Mulden als echte Nässefallen, obgleich ich den Durchmesser erweitert und den Rand abgeflacht habe. Bei unserem eher festen, teilweise lehmigen Boden sind geschlossene Mulden vermutlich nicht sinnvoll, sie bleiben in Niederschlagsperioden zu nass (mit zusätzlichem Kühleffekt). Die nach Süden hangabwärts offenen Mulden scheinen jedoch sowohl zur Feuchtigkeits-, als auch zur Wärmeregulation sehr nützlich zu sein. Allzu rasches Abfließen von Wasser wird durch die waagrechte Gestaltung der Baumscheibe verhindert und zugleich wird durch den erhöhten nördlichen Muldenrand der Wärmeeffekt der Hanglage genutzt.

Bei der Neuanlage der Mulden ist mir aufgefallen, wie intensiv der Bereich um die Bäume von Mäusen durchgraben war. Es ist anzunehmen, dass einzelne Pflanzen nicht nur am Frost, sondern auch an den Mäusen gelitten haben. Durch freigelegte Wurzeln insbesondere. Wurzelfraß konnte ich bei den entnommenen Exemplaren ohne oder mit sehr geringer Vitalität nicht erkennen.

An meiner hohen Mäusepopulation sind verschiedene Faktoren beteiligt:

Wiesenbereiche mit hohem Bewuchs.
Mulchen.
Vliestunnels im Winter (Überwinterungshabitat).
Pflügedruck von Westen (Ackerbau).
Greifvögel in diesem Jahr extrem selten bei uns.

Ich habe daher drei Bussardsitzstangen aufgestellt und hoffe auf baldige Wirkung. Auch werde ich mein Mahdregime ändern und die Wiese bei den Oliven durchgängig zweimal im Jahr schneiden. Auf Mulchen werde ich bei älteren Oliven verzichten, dies nur noch bei Neupflanzungen einsetzen. Eine hilfreiche Maßnahme war sicherlich schon die Ausweitung der Baumscheiben.

Drei-Jahres-Bilanz: Gepflanzt habe ich in den drei Jahren 2008, 2009 und 2010 insgesamt 39 Bäume von 9 Sorten und 2 fraglichen Herkünften (Ikea, Gartenmarkt).

14 Leccino
08 Olivastra Seggianese
04 Maurino
02 Aglandaou
02 Ascolana
02 Bianchera
02 Leccio del CornoOlivenhain
                August 2011
01 Koroneiki
01 Pendolino
03 Unbestimmte Sorte

Überlebt haben:

14 Leccino
03 Olivastra Seggianese
03 Maurino
01 Aglandaou
02 Ascolana
02 Bianchera
02 Leccio del Corno
01 Koroneiki
01 Pendolino
03 Unbestimmte Sorte

Davon haben jedoch nur 4 als Bäume (Stamm und Krone) überlebt (2 Seggianese, 1 Leccino, 1 Ascolana), der Rest im Spektrum von "Austrieb nur aus der Wildoliven-Unterlage" bis "Neuaustrieb an Stammrest". Totalverluste gab es  lediglich 7. Allerdings sind/waren weitere 9 ExeMaurino
                Gentausch Olivenhain Kraichgaumplare (5 Leccino, 1 Maurino, 1 Aglandaou, 1 Pendolino, 1 Leccio) sehr schwach im Neuaustrieb und weitere 5 Exemplare (3 Leccino, 2 Gartenmarkt) existieren nur noch als Wildolive. Somit ist von einem faktischen Verlust von 21 auszugehen. Bei einigen Sorten (Aglandaou, Pendolino und Koroneiki) ist nicht eindeutig, ob der Neuaustrieb die jeweilige Sorte ist (wurzelecht, unveredelt) oder eine Unterlage anderer Sorte (unklare Blattcharakteristiken, aber keinesfalls Wildolive). Bei einem Maurino gibt es guten Neuaustrieb von Wildolive, aber teilweise hat dieser Neuaustrieb Blätter mit deutlicher Maurino-Charakteristik (lang, schlank - s. Foto links)! Hier scheint ein Gentausch zwischen Unterlage und Zuchtsorte stattgefunden zu haben, ein Phänomen, das aus der Züchtungsforschung bekannt ist. Da wird die Weiterentwicklung spannend. Bei Leccino habe ich offensichtlich veredelte Exemplare von Baumschule FT, unveredelte von Baumschule B. Bemerkenswert sind auch die hohen Totalverluste bei Olivastra Seggianese, obgleich 2 Seggianese gut als Bäume überlebt haben. Ich führe diese Verluste auf schlechtes Pflanzenmaterial zurück (bei Kauf extremer Längenwuchs, dünner "Stamm", schwach verwurzelt). Auch die Seggianese scheinen unveredelt. Im Vergleich der veredelten Leccino mit den unveredelten zeigt sich zwar, dass die veredelten insgesamt vitaler sind - doch was nützt mir die Vitalität einer Wildolive, wie bei vier der sechs Exemplare (eines davon mit spärlichem zusätzlichem Leccino-Austrieb)? Als Propfgrundlage? Bezogen auf das Überleben als Leccino stehen die unveredelten Exemplare insgesamt erwartungsgemäß besser da.

04. September 2011. Gestern Weinernte. Ein sehr gutes Jahr, etwa 200 Kilogramm Biotrauben in bester Qualität von unserem 60 Jahre alten Auxerrois-Weinberg. Mit unserer Garagenwinzer-Presse ergibt das allerdings nur etwa 110 Liter Saft als Ausbeute. Damit erreichen wir die Qualität des Ausgangsproduktes von Champagner-Cuvée.

Die Kaki-Frucht ist eine wirklich positive Überraschung. Von einem abgebrochenen Zweig musste ich vier grüne und harte Früchte ernten. Nach wenigen Tagen zusammen mit einem reifen Apfel in einer Box sind sie genußfähig! Sind zwar teilweise matschig, aber das macht nichts aus, es gibt keinerlei Fäulnis- oder Gärungsgeschmack! Eine Frucht, die Aufmerksamkeit verdient! Allerdings dürfte sie Vielen zu süß sein. Schmeckt fast so, als würde man einen Löffel Fruchtzucker pur in den Mund nehmen. Und ganz wohl scheint sich die Pflanze in unserem Klima nicht zu fühlen, das brüchige Holz könnte zu einem Problem werden.

An den frischen Oliventriebspitzen haben wieder einmal üppig Rehe geknabbert. Und, wie sollte es anders sein bei dieser wählerischen Spezies, vor allem bei dem schön erholten Einzelexemplar Leccio del Corno.

10./11. September 2011. Pflanzung von zwei weiteren Kaki (Tipo, Rojo Brillante), einem Tellerpfirsich und einem weißen Maulbeerbaum (zwei schwarze folgen demnächst). Auf dem Gelände blühen derzeit zugleich Ackerglockenblume, Berufkraut, Braunelle, Breitwegerich, Brennessel, Dost, Ehrenpreis, Esparsette, Feldklee, Fenchel, Flockenblume, Gänseblümchen, Goldrute (virgaurea), Habichtskraut, Hornklee, Johanniskraut, Kalkaster, Karthäusernelke, Königskerze, Kreuzkraut, Labkraut, Leimkraut, Lein (perenne), Löwenzahn, Luzerne, Margerite, Moschusmalve, Odermennig, Pippau, Pulverbaum (Faulbaum), Rosmarin, Rossmalve, Rotklee, Schafgarbe, Skabiose, Spitzwegerich, Steinklee, Taubnessel, Thymian, Wegwarte, Weißer Gänsefuß, Weißklee, Wiesensalbei, Wilde Möhre, Wirbeldost, Ysop, Zaunwicke, Ziest.
Nagelprobe Cambium
                zerstört
Bei einer Recherche nach dem Überleben des berühmten "Mainzer Olivenbaum" in den vergangenen Wintern musste ich erfahren, dass es diesen Baum nicht mehr gibt. Gefunden habe ich bei dieser Gelegenheit aber mal wieder die Fehlinformation zur "Nagelprobe" bei Olivenbäumen, die sich unerschütterlich hält. Sie wird aktuell weiter verbreitet auf der Homepage des SWR. Zum Bild aus einer "Grünzeug"-Sendung vom 12. Juli 2011 wird angesichts eines erkennbar ruinierten Cambiums (s. Foto rechts) erklärt: "Da ist noch Leben im Baum", da über dem verbräunten Cambium noch Grün zu finden sei. Eben das Grün, das sich beim Anritzen ("Nagelprobe") zeigt, bis Äste endgültig abgestorben sind. Und das auch bei abgeschnittenen Zweigen noch sehr lange erhalten bleibt.

01. Oktober 2011. Schermäuse machen sich gerade bemerkbar durch absterbende Fenchelpflanzen und Luzernen. Vermutlich sammeln sie Wintervorräte. Ein sicheres Indiz für Gänge von Schermäusen, und nicht zu verwechseln mit Maulwurfgängen: Abgestorbene Pflanzen hochheben, wenn die Wurzeln abgenagt sind, im Umkreis Erde mit Spaten ausstechen bis sich klar eine Gangöffnung zeigt. Dann nach etwa zwanzig Minuten schauen, ob Öffnung zugeschoben ist - falls ja, handelt es sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit um eine Schermaus, die da am Werke ist. 

12. Oktober 2011.
In den vergangenen Tagen die ersten Herbstwinde, ungemütliches Blasen auf meiner Kuppe bei ansteigenden Temperaturen. Was ist mit den Schwalben in diesem Jahr los? Vor zwei Wochen sah ich einige bei der Hütte beim Jagen, aber eine größere Gruppe, die auf Sammeln zum Vogelzug hindeutete, habe ich in diesem Jahr noch nicht gesehen. Aktuelle Winterprognosen gehen von einem insgesamt eher milden Winter aus, mit einem allerdings langen Verlauf. Das könnte zu Beginn 2012 wieder Probleme mit feuchter Kälte um den Gefrierpunkt bedeuten.

Ich habe, nicht sehr begeistert, die Sinnhaftigkeit des Hackens in diesem Jahr entdeckt. Um Mäuse vom Wurzelbereich der Pflanzen fernzuhalten, um den Boden für die Sonneneinwirkung offen zu halten (für Reben und Oliven sicher sinnvoll) und um flaches Wurzeln (problematisch bei anhaltender Trockenheit und Frost) zu verhindern. Während der Wachstumsperiode dient das Hacken zudem der Stickstoffversorgung ("Dünger des armen Bauern").  Auch soll es durch Zerstörung der Bodenkapillaren und durch Entwurzeln des Beiwuchses das Austrocknen der Nutzpflanzen in Hitzeperioden verhindern.

30. Oktober 2011. Die Marienkäfer sammeln sich zum Winterschlaf bei der Wassertonne und an der Hütte. Sehr viel mehr als in den vergangenen Jahren. Wieder/immer noch eher spätsommerliches Wetter. Die Prognosen sehen noch zwei Wochen milde Witterung vor, trotzdem lasse ich schon mal das Wasser aus dem Regenfass.

29. November 2011. Das Wasser habe ich zu früh aus der Tonne gelassen. Die Oliven hätten in diesem trockenen und milden November durchaus einmal Gießen vertragen können. Bis runter auf ca. 4 Grad findet ja noch Assimilation statt bei dieser wintergrünen Spezies.

Für den Winter eingepackt habe ich sukzessiv in den vergangenen zwei Wochen. Die letzten Pflanzen sollten bald dran sein, denn nun soll es Ernst werden mit dem Frost. Dummerweise kommt nun mit dem Nebel teilweise immer wieder Feuchtigkeit, die Einpacken riskant macht. Und ab morgen soll es auch regnen und ich möche ungern nasse Pflanzen einwickeln, die mir dann unter der Hülle nicht trocknen und irgendwann gefrieren. Der Nebel hat heute die von den vergangenen Wintern gefurchte Rinde älterer Äste und Stämme in ein schwammartiges, feuchtes Gewebe verwandelt. Vermutlich der Effekt von Feuchtigkeit und leichtem Gefrieren. Könnte es sein, dass Meeresnähe Oliven auch deshalb gut tut, weil die salzige Luft/Salzablagerungen an der Rinde den Gefrierpunkt der Feuchtigkeit herabsetzen?
Winterschutz
                2011
In diesem Jahr packe ich die Pflanzen nur einzeln ein, keine Zelte werden aufgebaut und keine Tunnels. Die beiden Methoden haben sich nicht bewährt, das Aufwand-Effekt-Verhältnis war sehr ungünstig, bedingt einmal durch Mäuse und Maulwürfe, die es sich in den Zelten und Tunnels gemütlich machten, einmal durch die häufigen heftigen Winde in meiner Grundstückslage und schließlich auch durch die enormen Schneelasten. Ich habe Stunden, zusammengenommen wohl Tage in den vergangenen Wintern damit verbracht, Vlies bei Sturm abzudecken, danach neu auszurichten, Schnüre neu zu spannen, Schnee von den Zelten und Tunnels zu schippen. Der Temperaturunterschied war phasenweise sogar negativ! Bedingt durch Verdunstungskälteeffekte des Vlieses, gelegentlich geringere Aufwärmung bei Sonnenschein tagsüber unter dem Vlies, Kältefalle unter dem Vlies/keine Abströmung von Kaltluft. Die Einzelverpackung mache ich in zwei Modellen: Bei niedrigen Neuastrieben mit einem übergestülpten Kartoffelkorb, gefüllt mit Laub, darüber Vlies oder Luftpolsterfolie. Bei höheren Pflanzen mit Laub im Bodenbereich, einer Umhüllung aus Luftpolsterfolie (für Gartenbedarf, keine Verpackungsfolie!), darüber doppeltes bis vierfaches Vlies.

02. Dezember 2011.  Der Winterbeginn wird immer weiter hinausgeschoben. Mit längerem und tieferem Frost als bisher (nachts gelegentlich mal bis -2 Grad) ist nach den aktuellen Wetterberichten erst Mitte Dezember zu rechnen. Da es bis dahin jedoch öfter und stärker regnen könnte, bin ich ganz zufrieden, die Pflanzen bereits eingepackt zu haben. Bin sehr gespannt, wie sich das Laub als Isolationsmaterial bewährt und ob die Pflanzen darunter nicht ihre Blätter abwerfen.

16. Dezember 2011. Ich kann sehr dankbar sein, zu diesem Winter die Zelte und Vliestunnels nicht aufgebaut zu haben! Die hätte es mir spätestens heute zerfetzt. Beim aktuellen Sturm muss ich sogar befürchten, dass einige von den eingehüllten Oliven beschädigt werden. Und der Winter? Nicht in Sicht!

19. Dezember 2011.  Orkan "Joachim" war huldvoll hier im Kraichgau, meine Oliveneinpackungen haben alle gehalten, kein Bündel wurde zerfetzt, kein Baum entwurzelt. Mit größeren Kronen wäre das schwierig geworden, die Kaki z.B. hatte ich ausgepackt nachdem schon bei geringeren Windstärken vor "Joachim" klar war, dass deren Verpackung nicht halten kann.

31. Dezember 2011. Zum vierten Mal in diesem Winterhalbjahr musste ich die zerfledderten Hüllen von Kaki und Feigenbaum neu herrichten. Die Hüllen der Oliven halten gut. Aber die sind vorläufig auch noch recht bescheiden im Umfang. Was bedeutet, dass die Kronen nicht wesentlich größer werden dürfen, als sie jetzt sind, sonst bin ich beschäftigt mit Auf- und Abbauen der Hüllen in stürmischen Phasen. Also haben bei uns vorläufig nur Zwergoliven eine Überlebenschance, schlanke, kleine Formen. Alles andere ist wegen des Winterschutzes im freien Gelände nicht bei vertretbarem Aufwand möglich.

TAGEBUCH 2012




MONATSBERICHTE UND EINZELTHEMEN 2011



Januar
Das Jahr beginnt in Schnee gehüllt, allerdings hat die Sonne schon einige Zentimeter vom Dezemberschnee weggeschmolzen. Dann kommt Tauwetter und ich möchte schon mal schauen, was der Dezember 2010 mit seiner Schneefracht und seinen kalten Stürmen angerichtet hat. Beim Auspacken einiger Pflanzen muss ich leider abgefallene und lose sitzende Blätter in Mengen entdecken, vor allem die schöne Leccio del Corno hat gelitten und besitzt kaum mehr Laub. Astrisse oder Stammrisse finde ich keine. Die Temperaturmessungen ergeben extreme Bodenkälte in den Tunnels, vor allem unter den Mulchhaufen. Die ist nur erklärbar durch Verdunstungskälte. Der Boden ist nass wie ein Schwamm. Fünf Wochen Dauerfeuchte - darauf habe ich keine Antwort. Die höheren Niederschläge im Winterhalbjahr im Zuge der aktuellen Klimaentwicklung bei uns sind ganz offensichtlich Fakt, da decken sich Statistiken, Klimaprognosen und meine eigenen Beobachtungen leider vollständig. Nicht primär der Frost im Winter, vor allem Feuchtigkeit wird den Olivenanbau in unseren Breiten auf absehbare Zeit unmöglich machen!

Tauwetter - das heißt auch wieder: Stürmische Winde. Immer wieder werden Tunnels abgedeckt. Die neuangelegte Nord-Süd-Ausrichtung der Tunnels hat sich bewährt, da die Tunnels nun gegen Süden durch die zwei Zelte und die Hütte etwas geschützt sind. Gegen Osten schützen die Weinberge und der Westwind kann nun nicht mehr alle Tunnels gleichförmig beim Drüberstreichen anheben, sondern greift nur am westlichsten wirklich heftig an. Das muss besonders stabilisiert werden.

Am 23. Januar sind die Stürme vorbei, und mit ihnen das mildere Wetter. Neue Fröste erfrieren die zarten neuen Triebe an den Blattachseln, die sich nach dem Blattverlust im Dezember gebildet hatten. Es war eine dilettantische Illusion, beim Olivenanbau in Deutschland käme es nur darauf an, die Frostextreme zu kappen. Dazu kommen das schon häufiger erwähnte Problem Feuchtigkeit, insbesondere bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, und zudem das Problem der Fröste nach Zwischenerwärmung. Oder, anders gesagt: Olivenbäume müssen im Winter bei uns nicht nur gegen Frost, sondern auch gegen Regen und Wärme geschützt werden, sofern noch eine Frostphase zu erwarten ist!


März
Wunderschönes sonniges Wetter, nachts herrscht allerdings zum Monatsbeginn wieder stärkerer Frost. Ich schaue nach einer Pflanze, die nur mit Luftpolsterfolie eingepackt ist, da ich die Sonnenerwärmung fürchte. Und in der Tat, sie hat an den Blättern massiv gelitten. Ich vermute mal, die Blätter sind unter der Folie verbrannt, Hitzeschaden. Im kommenden Winter werde ich nur noch Vlies einsetzen, das hat sich - soweit ich das bisher beurteilen kann - sehr bewährt, vor allem, wo es mehrlagig um die Pflanzen gehüllt war. Sicher ist schon jetzt, dass die Pflanzen insgesamt besser durch den Winter gekommen sind als 2008/09 und 2009/10. Mit Auspacken warte ich noch, die beiden Zelte habe ich schon wieder abgebaut. Die Zelte werden im kommenden Winter nicht wieder aufgebaut, der Aufwand ist zu groß mit den häufigen Starkwinden.

Am 9. März 2011 werden in Nordgriechenland -15 Grad in Olivenanbaugebieten gemessen. Giovanni Presta, ein kluger und noch heute gelesener italienischer Mediziner und Agronom des 18. Jahrhunderts, schreibt in "Degli ulivi, delle ulive e della maniera di cavar l'olio" zu Griechenland den bemerkenswerten Satz "ha l'inverno siccome l'ha la Germania"("hat einen Winter wie ihn Deutschland hat") - und zwar "a motivo dei frequenti ed altissimi nevosi monti e delle vaste e profonde valli". Immer wieder stapfe ich durch den Hain und messe Temperaturen in den Tunnels, unter den Vliesen, den Luftpolsterfolien und außerhalb. Die Wirkungen meiner Schutzmaßnahmen werden dabei zum Teil fragwürdig. Mulchen scheint wenig sinnvoll, schafft Verdunstungskälte und zudem Mäuse- und Maulwurfhabitate.

Der März 2011 wird auch in Erinnerung bleiben durch Fukushima. Meine Probleme mit dem Olivenanbau in einer Grenzlage werden von diesem Thema völlig überlagert. Eine Beziehung gibt es allerdings: die starken Stürme in diesem Winter, seien sie zyklisch, zufällig oder von der Klimaveränderung verursacht. Mein persönliches Lehrbild des Jahres stammt von der Agentur Reuters und zeigt ein kleines Kind mit erhobenen Armen, das von einem Arzt mit einem Messgerät abgetastet wird.

April
Anfang des Monats räume ich den Mulch um die Pflanzen weg, damit der Boden austrocknen und sich erwärmen kann. Bei einigen Pflanzen mache ich einen Probeschnitt und finde erstaunlich viel grünes Cambium. Offensichtlich haben die Pflanzen in der Summe diesen besonders schwierigen Winter (kalt, feucht, stürmisch) besser überstanden als die beiden Winter davor. Ich habe allerdings auch effektiver geschützt, mehr Vlies eingesetzt.

Optimal erhalten sind die Pflanzen, die doppelt eingepackt waren, mit Luftkammerfolie und Vlies, z.B. ein Seggianese (s. Foto). Im kommenden Winter werde ich weder Zelte noch Tunnels aufbauen. Der Arbeitsaufwand war dank Wind und Schneemassen grotesk und der Nutzen dieser beiden Maßnahmen ist unter den örtlichen Bedingungen fraglich. Feuchtes Tunnelvlies könnte, ähnlich wie feuchter Mulch, als Kühlschrank wirken. Zudem hebeln die starken Winde den Schutzeffekt häufig aus. Und ein zusammenbrechendes Zelt (wie leider im vergangenen Dezember geschehen) ist der schlechteste Winterschutz.

Ein Leccino rollte um den Monatswechsel die Blätter ein und verlor einige. Nach einem Regen waren die verbliebenen Blätter wieder stabil und vitaler. Ich hätte die Bäume, denen noch Blätter geblieben waren, wohl gießen müssen.

Nach dem Regen Trieb- und Knospenbildung bei den Oliven, die übrige Pflanzenwelt entwickelt sich rasant. Mitte April zähle ich fünfundzwanzig Blütenpflanzenarten auf der Olivenwiese. Leider gibt es anhaltenden Ostwind, der die Temperaturen nachts gelegentlich unter den Gefrierpunkt treibt und teilweise Knospen und Triebe der voraufgegangenen sonnig-warmen Wochen an den Oliven austrocknet/erfriert. Ascolana hält sich dabei auffallend gut. Ebenso Basistriebe von Wildolive.

Ob durch den Ostwind verursacht oder als Spätfolgen des Winters: Bei zweien der vier Olivenbäume, die alle drei Winter bisher ganz gut überstanden haben, sterben einzelne Zweige und Äste, die vital schienen und mit gesunden Blättern bestückt waren, innerhalb von Tagen ab. Gegen Ende des Monats bilden jedoch fast alle Oliven Neutriebe, junge Blättchen. Ich mache mich an das Wegschneiden der Winterschäden. Dabei wird deutlich, dass in den vergangenen drei Wochen noch einiges an Blättern und Zweigen abgestorben ist, was den Winter scheinbar gut überstanden hatte! Fast alle Pflanzen sind noch im Veredelungsbereich vital.

Mai
Im Newsletter zum ökologischen Weinbau, den ich aus Rheinland-Pfalz beziehe, ist am 10. Mai von den heftigen Spätfrösten in der Nacht vom 3. auf den 4. Mai zu lesen. Die Schäden werden verglichen mit denen von 1945 und 1953 - seitdem seien keine vergleichbaren Schäden aufgetreten. Ähnliches gilt auch für Württemberg, Baden blieb verschont. Den neu austreibenden Oliven ist nichts passiert, obgleich ich an meinem Auto nach dieser spektakulären Nacht Eis von den Scheiben kratzen musste!

Mitte Mai leiden vereinzelt Oliven an der langen Trockenheit; die wachstumsaktive Ikea-Olive lässt Triebspitzen hängen, die richten sich nach Wassergabe allerdings schnell wieder auf. Die erstaunlichste und wichtigste Erfahrung dieses Winters ist zweifellos, dass die Pflanzen recht gut damit zurechtkommen, vier Monate komplett eingepackt zu sein! Ich hatte mir da nach allen Berichten kompletten Blattabwurf erwartet. Blattabwurf kam teilweise erst lange nach dem Auspacken, wobei vermutlich auch Wassermangel bei geringer Vitalität Schuld war.

An einem Leccino lässt sich sehr klar studieren, wie die Vitalität der Pflanze von Winter zu Winter abnahm. Nach dem Winter 2008/09 trieb die im Sommer 2008 nach Pflanzung gut entwickelte Pflanze aus dem Stamm und teilweise auch aus Ästen wieder neu aus. Nach dem Winter 2009/10 war sie oben abgestorben und lebte nur noch aus dem unteren Stammbereich knapp oberhalb der Veredelung. Und nun, nach dem erneut harten Winter 2010/11, kommen lediglich bislang kaum sichtbare Austriebe aus der Unterlage.

In der zweiten Monatshälfte entwickeln sich das Wetter weiter prächtig und so, wie es nach den Klimaerwärmungsprognosen zu erwarten ist. Sonne, Sonne, Sonne - und kein Regen! Die Oliven wachsen, aber längst nicht so wie im Pflanzjahr 2008. Die strengen Winter haben ihnen offensichtlich Vitalität genommen. Gegen Ende des Monats verlangsamt sich das Triebwachstum auffallend.

Juni
Wachstumsruhe bei den meisten Oliven - zumindest oberirdisch im Bereich der Blätter und der Neutriebe. Ich vermute mal, jetzt sind die Wurzeln dran oder das Holz. Wie wenig wir doch von den elementaren Naturprozessen wissen. Bäume sollten ja nicht gerade dann geschnitten werden, wenn sie die Assimilationsfläche zur Entwicklung ihrer Wurzeln benötigen! Doch wer weiß schon, wann das bei welchen Bäumen der Fall ist? Oder benötigen sie die Blätter gar nicht - Wurzelwachstum findet ja auch im Winterhalbjahr statt! Mir fehlt da Erfahrungswissen, das uns rasant verloren geht.

Meine anderen Exoten entwickeln sich mit unterschiedlichem Erfolg - allerdings alle besser als die Oliven. Assimina triloba oder Indianerbanane habe ich 2008 gepflanzt, sie hatte einen guten Blütenansatz auch in diesem Jahr aber noch immer keine Fruchtentwicklung. Der chinesischer Gemüsebaum oder Chop Suey Baum wächst nett, aber von einem Baum, selbst einem Bäumchen ist er noch weit entfernt, zumal im vergangenen Winter zehn Zentimeter Triebspitze erfroren sind. Am meisten Kopfzerbrechen bereitet mir Schisandra chinensis oder Wu Wei Zi. Nach zweimaligem Standortwechsel und Bodenaustausch wächst sie nun zwar lebhafter, aber noch immer sterben dann Blätter und ganze Ranken plötzlich ab. Schön entwickelt sich Ziziphus jujuba oder Chinadattel. Aber auch in diesem Jahr ist noch keine Fruchtentwicklung zu erkennen, obgleich der 2008 gepflanzte Baum als selbstfruchtbar angegeben war.

Die Wachstumsruhe bei den Oliven hält den ganzen Juni über an. Auch sonst scheint dies eher ein Frucht-, denn ein Wachstumsjahr zu sein, das ist auch auf der Wiese bemerkbar und bei anderen Pflanzen wie Brombeeren, Weinbergpfirsiche oder Feige. Was ist Schuld daran? Der strenge Winter? Das lange Trockenheitssignal im Frühjahr? Nach dem Wachstumsschub im Mai ist jedenfalls trotz des Wachstumswetters der vergangenen Wochen wenig passiert bei den meisten Pflanzen oberirdisch. Nur Rosmarin bildet fleißig Triebspitzen, auch der chinesische Gewürzbaum freut sich kräftig nach oben.

Juli
Im Juli findet eine geradezu phantastische Blütenentwicklung auf der Wiese statt, insbesondere von Origanum vulgare und bei den Flockenblumen (Centaurea jacea und scabiosa). Verbunden ist das mit freudigem Schmetterlingstreiben. Plötzlich sind sie da, die Schmetterlinge, allerdings weniger variantenreich als im vergangenen Jahr. Gesichtet habe ich auch wieder ein Schwalbenschwanzweibchen, das Eier an Wilder Möhre ablegt und sich dazwischen an Dost erholt. Am Thymian finden sich zahlreiche Bläulinge ein.

Und über den Weinbergen am Himmel zeigen sich drei Bussarde endlich wieder! Lange war es leer dort oben in diesem Jahr, gelegentlich Turmfalken oder von der Rheinebene hochziehende Milane, mal ein Bussard auf Durchzug. Ob die Lücke durch Bussardvergiftungen oder zusammengebrochene Mäusepopulationen bedingt war, läßt sich schwer entscheiden. Die von den strengen Wintern reduzierten Mäusepopulationen scheinen sich jedenfalls wieder erholt zu haben. Das musste ich leider an zwei Schermausopfern registrieren: Einem jungen Weinstock und einem riesigen Gewürzfenchel. Nachdem Schermäuse im Winterhalbjahr 2008/09 einer Feige die Wurzeln abgefressen hatten, war 2009 und 2010 Ruhe gewesen.

Rehe sind schon seit Juni auf der Olivenwiese und nun auch im Weinberg sichtbar unterwegs. Sie haben an Erdbeeren Blätter, an Felsenbirne, Haferschlehe und Oliven Triebspitzen abgefressen und dazu fast alle Früchte der beiden Felsenbirnen vertilgt. Weinblätter werden nun im Juli zusätzlich regelmäßig abgeweidet. Im Unterschied zu vielen Menschen können Rehe offensichtlich genau zwischen biologischem und konventionellem Anbau unterscheiden: Unser Weinberg ist das einzige Weideopfer weit und breit.

Bei den Oliven tut sich nicht viel in diesem Monat. Da es nach dem wieder strengen Winter keine Blütenbildung gegeben hatte, ist nun auch nicht von Fruchtentwicklung zu berichten.

August
Nach drei Wochen Abwesenheit finde ich am 8. August die Oliven fast ohne Zuwachs vor. Arbeiten sie an ihren Wurzeln oder ist ihnen nun der Sommer zu kühl? Das Wachstum hinkt deutlich dem nach den Wintern 2008/09 und 2009/10 hinterher, obgleich sie in diesem Frühjahr besser dastanden als nach den vorangegangenen Wintern - Ausdruck eines allgemeinen Vitalitätsverlustes? Oder spezifisch für dieses Jahr mit Hochsommer im Mai und danach relativer Kühle? Immerhin strahlen meine "Überlebenden" der ersten Pflanzung von 2008, ein Seggianese von Becker, zwei Leccino von Flora Toskana, starken Optimismus aus.

Auch für den Winter 2011/12 sehen die aktuellen Prognosen eher "zu kalt" voraus. Das nervt, auch wenn von Langfristprognosen eigentlich wenig zu halten ist! Immerhin deckt sich die Prognose mit meinen eigenen zyklischen Berechnungen, die erst 2012/13 den Frosttiefpunkt ansetzen. Ob die "Überlebenden" das verkraften, nochmal einen Kälteschock, den vierten in Folge!? Jetzt hoffe ich erst einmal auf einen gnädigen Restsommer und einen milden Herbst.

Das schwache Wachstum der Oliven veranlasst mich in der Monatsmitte, mal wieder Temperaturmessungen durchzuführen. Dabei zeigt sich, dass es starke Unterschiede vor allem in den Temperaturen innerhalb der Mulden gibt, zwischen 20 und 31 Grad bei einer Referenzmessung. Kühler sind die feuchten Mulden - und davon gibt es einige, da die Mulden richtige Feuchtigkeitsfallen sind. Daher öffne ich alle Mulden nach Süden und spekuliere über die Vor- und Nachteile einer erhöhten Pflanzposition.

Auffallend gut zugelegt hat die namenlose Ikea-Olive, sie fällt auch auf mit durchgängig hohen Bodentemperaturen an ihrer Baumscheibe bei der Referenzmessung (um 30 Grad). An ihr lässt sich gut studieren, wie Neuaustriebe von der Stammbasis bei geschädigten Stämmen erheblich vitaler sind als die Austriebe oben am Stamm. Ein diesjähriger Neuaustrieb von unten hat die "Krone" von vergangenem Jahr weit überholt. Das deckt sich mit der Empfehlung in der Fachliteratur, für den Erwerbsanbau frostgeschädigte Oliven radikal bis knapp über dem Boden (natürlich über der Veredelungsstelle, so vorhanden und noch vital) zu kappen.

Am 20. August 2011 ergeben Messungen um 13:00 Uhr bei den Bodentemperaturen ein Feld von 23 Grad (absonnig, bewachsen, feucht) bis 54 Grad (zur Sonne geneigt, offen, trocken) - also 31 Grad Differenz! Im Winter waren die Werte nicht ganz so weit gespreizt, aber doch auch weit genug, um die Frage zu stellen, welchen Sinn angesichts dieses Spektrums Maßnahmen machen, mit denen sich Tiefsttemperaturen um plus 3 bis 6 Grad verschieben lassen. Eine Antwort könnte sein, dass die Lufttemperaturen innerhalb des Wuchsbereichs der Oliven nicht diese Differenzen aufweisen - bzw. nur auf einer zeitlichen Schiene, was die Schutzmaßnahmen wie Einhüllen in ihrem Einflussbereich verhindern oder abmildern können.

Das bizarre Wetter mit Hochsommer im Mai und anschließender langer Kühle dazwischen hat bei den Oliven in der heißen zweiten Augusthälfte zu einem zweiten Wachstumsschub mit bis zu 15 Zentimeter Zuwachs innerhalb einer Woche geführt.

September
Anfang des Monats bin ich mit der Weinernte beschäftigt. Wir können ein sehr gutes Erntejahr feiern, etwa 200 Kilogramm Biotrauben in bester Qualität von unserem 60 Jahre alten Auxerrois-Weinberg. Mit der Garagenwinzer-Presse ergibt das allerdings nur etwa 110 Liter Saft als Ausbeute. Damit erreichen wir die Qualität des Ausgangsproduktes von Champagner-Cuvée!

Der Kaki-Baum trägt einige Früchte. Leider ist das Holz brüchig und von einem geknickten Zweig musste ich vier grüne und harte Früchte ernten. Nach wenigen Tagen zusammen mit einem reifen Apfel in einer Box sind sie genussfähig! Das Fruchtfleisch ist zwar teilweise matschig, aber das macht nichts aus, es gibt keinerlei Fäulnis- oder Gärungsgeschmack! Eine interessante Frucht, die allerdings den meisten Leuten zu süß sein dürfte. Schmeckt fast so, als würde man einen Löffel Fruchtzucker pur in den Mund nehmen.

An den frischen Oliventriebspitzen von August haben wieder einmal üppig die Rehe geknabbert. Und, wie sollte es anders sein bei dieser wählerischen Spezies, vor allem bei dem schön erholten Einzelexemplar Leccio del Corno, das nun eher gerupft dasteht. Es gibt also weit mehr Widrigkeiten zu beachten bei der Pflanzung von Oliven hier bei uns, als ich anfangs erwogen habe. Um nicht ganz auf das Olivenexperiment angewiesen zu sein, pflanze ich Mitte September zwei weitere Kaki, einen Tellerpfirsich, einen weißen und zwei schwarze Maulbeerbäume. Sie sollen die Oliven natürlich nicht verdrängen, es bleibt auf meinen 1600 Quadratmetern genug Platz noch für Oliven, zumal mir inzwischen klar geworden ist, dass ein Setzabstand von 2,50 bis 3,00 Metern bei uns durchaus Sinn machen kann bei einer Buscherziehung mit regelmäßigem Auf-den-Stock-Setzen.

Bei einer Recherche nach dem Überleben des berühmten "Mainzer Olivenbaum" in den vergangenen Wintern musste ich erfahren, dass es diesen Baum nicht mehr gibt. Gefunden habe ich bei dieser Gelegenheit aber mal wieder die Fehlinformation zur "Nagelprobe" bei Olivenbäumen, die sich unerschütterlich hält. Bei oberflächlichem Ritzen/Schaben kommt man auf chlorophyllhaltige Schichten, deren Zustand nichts über den Zustand des Cambiums aussagt.

Oktober
Die Schermäuse machen sich nun bemerkbar durch absterbende Fenchelpflanzen und Luzernen. Vermutlich sammeln sie ihre Wintervorräte. Ein sicheres Indiz für Gänge von Schermäusen: Abgestorbene Pflanzen mit gründlich, biberartig abgenagt Wurzeln. Wenn sie solche entdecken, sollten sie im Umkreis die Erde mit einem Spaten senkrecht abstechen, bis sich ein Gang zeigt. Den offen lasse und nach etwa zwanzig Minuten schauen, ob die Öffnung zugeschoben ist. Falls ja, handelt es sich mit äußerst hoher Wahrscheinlichkeit um eine Schermaus, die da am Werke ist.

In der ersten Monatshälfte setzen die Herbstwinde ein und es wird bisweilen ungemütlich auf meiner Kuppe. Was ist mit den Schwalben in diesem Jahr los? Im September sah ich einige bei der Hütte beim Insektenfang, aber eine größere Gruppe, die auf Sammeln zum Vogelzug hindeutet, habe ich in diesem Jahr noch nicht gesehen. Sie scheinen es nicht eilig zu haben - im Unterschied zu den Jahren davor. Aktuelle Winterprognosen gehen nun (August-Prognosen korrigierend) von einem insgesamt eher milden Winter aus, mit einem allerdings langen Verlauf. Das könnte zu Beginn 2012 wieder Probleme mit feuchter Kälte um den Gefrierpunkt bedeuten.

Nach ersten Einsichten im August geht mir nun im Oktober die Sinnhaftigkeit des Hackens deutlich auf. Es hilft, den Boden für die Sonneneinwirkung offen zu halten (für die Oliven gewiss sinnvoll) und flaches Wurzeln (das problematisch werden kann bei anhaltender Trockenheit und Bodenfrost) zu verhindern. Während der Wachstumsperiode dient das Hacken zudem der Stickstoffversorgung ("Dünger des armen Bauern").  Auch kann es durch Zerstörung der Bodenkapillaren und durch Entwurzeln des Beiwuchses das Austrocknen der Nutzpflanzen in Hitzeperioden verhindern. Jetzt im Oktober hält es hoffentlich die Schermäuse von meinen Oliven fern.

November
Ein fast durchgängig milder November lässt die Oliven noch weiter geringfügig wachsen, vor allem die Blattmasse nimmt zu. In der zweiten Novemberhälfte beginne ich dennoch Zug um Zug mit dem Einpacken der Pflanzen, beginnend bei den stärkeren Pflanzen, die mehr Aufwand erfordern.

Dummerweise kommt nun mit dem typischen Novembernebel teilweise auch erheblich Feuchtigkeit an die Pflanzen, die ich nicht unbedingt mit einpacken möchte. Teilweise verwandelt die Nebelfeuchte die gefurchte Rinde etwas älterer Äste und Stämme in ein schwammartiges, feuchtes Gewebe. Was bei Frost fatale Konsequenzen haben könnte. Ich besprühe daher mit 1,2%iger Salzlösung. Vielleicht tut Meeresnähe Oliven auch deshalb gut, weil die salzige Luft zu Salzablagerungen an der Rinde führt, die den Gefrierpunkt dort herabsetzen?

In diesem Jahr packe ich die Pflanzen nur einzeln ein, keine Zelte werden aufgebaut und keine Tunnels. Die beiden Methoden haben sich nicht bewährt, das Aufwand-Effekt-Verhältnis war sehr ungünstig, bedingt einmal durch Mäuse und Maulwürfe, die es sich in den Zelten und Tunnels gemütlich machten, einmal durch die häufigen heftigen Winde in meiner Grundstückslage und schließlich auch durch die enormen Schneelasten. Ich habe Stunden, zusammengenommen wohl Tage in den vergangenen Wintern damit verbracht, Vlies bei Sturm abzudecken, neu auszurichten, Schnee von den Zelten und Tunnels zu schippen, Schnüre neu zu spannen. Und der Temperaturunterschied war phasenweise sogar negativ - bedingt durch Verdunstungskälteeffekte des (bei Tunnels einlagigen) Vlieses, gelegentlich geringere Aufwärmung bei Sonnenschein tagsüber unter dem Vlies, Kältefalle unter dem Vlies/keine Abströmung von Kaltluft.

Die Einzelverpackung mache ich in zwei Modellen: Bei niedrigen Neuaustrieben mit einem übergestülpten Kartoffelkorb, gefüllt mit Laub, darüber Vlies oder Luftpolsterfolie. Bei höheren Pflanzen mit Laub im Bodenbereich, einer Umhüllung aus Luftpolsterfolie (für Gartenbedarf, keine Verpackungsfolie!), darüber doppeltes bis vierfaches Vlies.

Dezember
Der eigentliche Winterbeginn wird in den Wetterprognosen immer weiter hinausgeschoben. Nachts hat es gelegentlich mal Frost bis -2 Grad, so fängt der Dezember bescheiden an. Mit längerem und tieferem Frost ist nach den Wetterberichten vom Monatsanfang erst Mitte Dezember zu rechnen. Da es bis dahin jedoch öfter und stärker regnen könnte, bin ich ganz zufrieden, die Pflanzen bereits im November eingepackt zu haben. Ich bin sehr gespannt, wie sich das Laub als Isolationsmaterial bewährt und ob die Pflanzen darunter nicht ihre Blätter abwerfen. Es scheint mir weit geeigneter als Mulchmaterial, lässt weniger Feuchtigkeit eindringen, ist kompakter und damit widerständiger gegen das Eindringen von Frost. Durch die dunkle Farbe wärmt es sich bei Sonne gut auf.

Mitte Dezember bin ich sehr dankbar, für diesen Winter die Zelte und Vliestunnels nicht aufgebaut zu haben! Die hätte es mir spätestens bei Orkan "Joachim" zerfetzt, der mit über 100 Stundenkilometern durch Baden-Württemberg zog. Er war allerdings huldvoll im Kraichgau, meine Oliveneinpackungen haben alle gehalten, kein Bündel wurde zerfetzt, kein Baum entwurzelt. Mit größeren Kronen wäre das schwierig geworden, die Kaki z.B. hatte ich ausgepackt nachdem schon bei geringeren Windstärken vor "Joachim" die großvolumige Verpackung teilweise aufgelöst wurde.

An Silvester durfte ich dann zum vierten Mal die zerfledderten Hüllen von Kaki und Feigenbaum neu herrichten. Die Hüllen der Oliven hielten gut, sind aber auch recht bescheiden im Umfang. Was bedeutet, dass die Kronen nicht wesentlich größer werden dürfen, als sie jetzt sind, sonst bin ich beschäftigt mit Auf- und Abbauen der Hüllen in stürmischen winterlichen Wetterphasen. Daraus folgt, dass bei uns vorläufig nur Zwergoliven eine längerfristige Überlebenschance haben, schlanke Formen oder niedrige Büsche. Alles andere ist wegen des Winterschutzes im freien Gelände nicht bei vertretbarem Aufwand zu empfehlen.

Winterbilanz Winter 2010/11
Auch in diesem Jahr hat sich wieder gezeigt, dass vor Mitte Mai eine Abschlussbilanz keinen Sinn macht, falsche Ergebnisse zeitigt. Noch Ende April ist mir an einer ohnedies stark zurückgefrorenen Pflanze ein vital scheinender Zweig abgestorben, zuerst das Holz, dann auch die Blätter, die als grüne Konserven, dann braune Mumien (unter Sonneneinwirkung mumifiziert) noch lange am toten Zweig hingen. In Grundzügen waren allerdings die Hauptschäden schon Anfang April ersichtlich, es kamen nur noch weitere Schäden dazu, die erst mit der Frühlingswärme und der stärkeren Sonneneinstrahlung geschwächte Pflanzen und Pflanzenteile schonungslos zum Kollaps brachten.

Offensichtlich sind ALLE Pflanzen noch zumindest in der Unterlage vital. Keine Pflanze hat in diesem Winter, der weniger alternierendes Wetter hatte und Feuchtigkeit um den Gefrierpunkt, Frostrisse bekommen. Vier der ältesten Pflanzen mit intakter Krone (1x Ascolana, 1x Leccino, 2x Seggianese) waren Anfang April noch weitgehend im gleichen Zustand wie vor dem Winter, haben dann aber noch zahlreiche Blätter abgeworfen. Nummer fünf der "Veteranen", eine zähe Seggianese, wurde vom Zusammenbruch eines Schutzzeltes unter der Schneelast zerstört. Diesem Zeltzusammenbruch fiel auch mein Leccino mit Pfropfungen zum Opfer, er treibt allerdings aus der Veredelung neu aus. Schuld war letztlich, dass ich unter dem Zelt zu wenig geschützt hatte, so standen sie ohne Zelt mit einer dünnen Vlieshülle in Schnee und Kälte.

Die vier Neupflanzungen vom Frühjahr 2010 (Bianchera und Leccio del Corno) sind in der Krone zerstört, teilweise auch im Stammbereich, drei treiben allerdings oberhalb der Veredelung neu aus, Bianchera besonders wacker! Der im letzten Sommer von Wildschweinen attackierte Leccio del Corno treibt nur als Wildolive aus der Unterlage neu aus. Auffallend ist, wie gut manche Grundlagentriebe den Winter überstanden haben! Die Auffassung von der Frostempfindlichkeit der Wildolive bestätigt sich nicht durchgängig. Ganz erstaunlich ist die hervorragende Triebentwicklung einzelner Pflanzen, insbesondere einer namenlosen Ikea-Olive - die war auch dick in Vlies eingepackt. Bemerkenswert die Vitalität der Ascolana, die mit ihrer kompakten, zypressenartigen Wuchsform auch gut einzuhüllen war.

Den Traum von knorrigen Olivenbäumen in Deutschland mit weit ausladender Krone lege ich ad acta. Schlanke, kompakte Formen sind sicher sinnvoller - genauer: einzig möglich ohne Komplettumbauung.


Bilanz einer Folge strenger Winter

Was "strenge Winter" unter den Bedingungen des Klimawandels bedeutet, möchte ich nicht ausführlich diskutieren. Das Spektrum der Einschätzung für die Winter seit 2008/09 reicht ja von "Ausnahmewinter" bis zu "normale Winter" - die wir nur nicht mehr gewohnt seien. Ich persönlich entscheide mich für "strenge Winter".

Gepflanzt habe ich in den drei Jahren 2008, 2009 und 2010 insgesamt 39 Bäume von 9 Sorten. Von drei Bäumen ist mir die Sorte nicht bekannt (Herkünfte Ikea und Gartenmarkt). Im einzelnen habe ich gepflanzt:

14 Leccino
08 Olivastra Seggianese
04 Maurino
02 Aglandaou
02 Ascolana
02 Bianchera
02 Leccio del Corno
01 Koroneiki
01 Pendolino
03 Unbekannte Sorten

Überlebt haben davon:

14 Leccino
03 Olivastra Seggianese
03 Maurino
01 Aglandaou
02 Ascolana
02 Bianchera
02 Leccio del Corno
01 Koroneiki
01 Pendolino
03 Unbekannte Sorten

Davon haben jedoch nur vier als Bäume (Stamm und Krone) überlebt (2 Seggianese, 1 Leccino, 1 Ascolana), der Rest im Spektrum von "Austrieb nur aus der Wildoliven-Unterlage" bis "Neuaustrieb an Stammrest". Totalverluste, das heißt keine Vitalität mehr, gab es  lediglich sieben. Allerdings sind weitere neun Exemplare (5 Leccino, 1 Maurino, 1 Aglandaou, 1 Pendolino, 1 Leccio) sehr schwach im Neuaustrieb und weitere fünf Exemplare (3 Leccino, 2 Gartenmarkt) existieren nur noch als Wildolive. Somit ist von einem faktischen Verlust von einundzwanzig Edelpflanzen auszugehen. Bei einigen Sorten (Aglandaou, Pendolino und Koroneiki) ist nicht eindeutig, ob der Neuaustrieb die jeweilige Sorte ist (wurzelecht, unveredelt) oder eine Unterlage anderer Sorte (unklare Blattcharakteristiken, aber keinesfalls Wildolive).

Besonders interessant: Bei einem Maurino gibt es einen guten Neuaustrieb von Wildolive, aber teilweise hat dieser Neuaustrieb Blätter mit deutlicher Maurino-Charakteristik (länglich-schlank). Hier scheint ein Gentausch zwischen Unterlage und Zuchtsorte stattgefunden zu haben, ein Phänomen, das aus der Züchtungsforschung bekannt ist. Da wird die Weiterentwicklung spannend. Bei Leccino habe ich offensichtlich veredelte Exemplare von Flora Toskana, unveredelte von der Gärtnerei Becker. Bemerkenswert sind auch die zahlreichen Totalverluste bei Olivastra Seggianese, obgleich zwei Seggianese gut als Bäume überlebt haben. Ich führe diese Verluste auf schlechtes Pflanzenmaterial zurück. Beim Kauf hatten die Pflanzen einen extremen Längenwuchs mit dünnem "Stamm" und schwacher Wurzelbildung. Auch die Seggianese scheinen unveredelt, bei keinem entwickelte sich an der Basis Austrieb von Wildolive. Im Vergleich der veredelten Leccino mit den unveredelten zeigt sich zwar, dass die veredelten insgesamt vitaler sind - doch was nützt das, wenn die Veredelung erfriert und nur Wildolive als Neuaustrieb kommt, wie bei vier der sechs veredelten Exemplare? Bezogen auf das Überleben als Leccino stehen die unveredelten Exemplare insgesamt besser da.

Mulden oder Hügel
Eine der interessantesten Fragen beim Olivenanbau in Grenzgebieten scheint mir die Frage, ob man eher in Mulden oder eher auf Hügeln pflanzen solle.

Auffallend ist, dass die extrem schwachwüchsigen Wurzelaustriebe allesamt bei Pflanzen zu beobachten sind, die in tiefen Mulden sitzen. Hier kommt es teilweise auch zu Wurzelwachstum nach oben, in den Rand der Mulde. Auffallend ist auch, dass die Mulden teilweise extrem feucht sind. Es gibt allerdings einzelne eher trockene tiefe Mulden mit außergewöhnlich hohen Temperaturen - augenscheinlich Mulden mit stark durchlässigem Untergrund. Die Temperatur differiert in den Mulden zur Mittagszeit an sonnigen Sommertagen um bis zu 15 Grad! Ich habe daher einzelne Mulden nach Süden/Hangunten geöffnet und in der Folge höhere Temperaturen in den Mulden gemessen und auch keine Staunässe mehr beobachtet. Es scheint so, dass geschlossene Mulden Feuchtigkeit "fangen". Damit könnten sich dort "Kältenester" bilden und halten. Im Winter scheint das auch bei Einhüllung stattzufinden. Sicher ist, dass nach Süden offene Mulden im Schnitt bei starker Sonneneinstrahlung wärmer sind als geschlossene Mulden oder eine ganz flache Setzposition.

Bei anhaltenden Niederschlägen erwiesen sich die geschlossenen Mulden als echte Nässefallen, obgleich ich den Durchmesser erweitert und den Rand abgeflacht habe. Bei eher festen, teilweise lehmigen Boden sind geschlossene Mulden vermutlich nicht sinnvoll, sie bleiben in Niederschlagsperioden zu nass (mit zusätzlichem Kühleffekt). Die nach Süden hangabwärts offenen Mulden scheinen jedoch sowohl zur Feuchtigkeits-, als auch zur Wärmeregulation sehr nützlich zu sein. Allzu rasches Abfließen von Wasser wird durch die waagrechte Gestaltung der Baumscheibe verhindert und zugleich wird durch den erhöhten nördlichen Muldenrand der Wärmeeffekt der Hanglage genutzt.

Gemälde van Goghs von französischen Olivenhainen zeigen erhöhte Pflanzpositionen. Allerdings wurde mir von verschiedenen Seiten erklärt, dass diese Hügel Aufschüttungen seien, die nach extremen Frostwintern angelegt wurden, um die Entwicklung eines neuen Stammes zu fördern, nachdem der alte abgestorben war. Bei erhöhter Position entsteht sicherlich im Sommer ein Temperaturgewinn nach Süden - der könnte jedoch im Winter negativ ausgeglichen werden durch Temperaturverlust gegen Norden.