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WO UND WIE WERDE ICH FÜNDIG?


Grundlegende Ressourcen mit Informationen zum Olivenanbau sind trotz Internet weiterhin gedruckte Quellen. Dabei bieten historische Lehrwerke zum Olivenanbau interessantes Material insbesondere für Leute, die Wege abseits des Massenanbaus suchen, sei es als Biobauern, sei es als Stadtflüchter mit Olivenleidenschaft, Landlust-Rentner oder Landschaftspfleger. Mit Italienischkenntnissen sind dabei vor allem norditalienische Bibliotheken hilfreich. Aktuelle Lehrwerke sind in der Regel für die Massenproduktion geschrieben. Doch bei Gucci/Cantini (Gucci, Riccardo/Cantini, Claudio: Pruning and Training Systems for Modern Olive Growing. Collingwood: CSIRO, 2000) finden auch andere Interessen Hinweise und Anregungen.

Internetressourcen zum Thema gibt es in überwältigender Fülle. Das mag daran liegen, dass unterschiedlichste Anbieter das Terrain bearbeiten: Agronomen, Tourismusagenturen, Lebensmittel- und Kulinarikhändler, Baumschulen, Lebens-Künstler, Kulturwissenschaftler, Autoren vieler Couleurs. Dazu finden sich Oliventhemen in den verschiedensten Zeitschriften und Magazine mit Online-Präsenz: Ernährungs- und Kochzeitschriften, Öko-Magazine, Test-Zeitschriften, Landleben-Magazine, Lifestyle-Magazine, Reisemagazine. Das Thema Olivenanbau und Olivenkultur ist ein globales Thema, mit Beiträgen aus verschiedenen Weltregionen, insbesondere aus europäischen Ländern.

Daher sollte die Suche nach Informationen im Netz sinnvollerweise mit deutschen, englischen und italienischen Suchwörtern erfolgen. Ja, auch mit deutschen, denn obgleich der Olivenanbau in deutschsprachigen Regionen geringe (z.B. in Südtirol) bis keine Bedeutung hat, gibt es doch brauchbare Ressourcen von deutschsprachigen Anbietern, von hiesigen Exotengärtnern, von Wissenschaftlern und Enthusiasten. Spanischkenntnisse sind gleichfalls hilfreich für eine fundierte Beschäftigung mit dem Thema, allerdings sind spanische Erfahrungen für Anbauversuche in mitteleuropäischen Grenzlagen nur bedingt zu übertragen. So zeichnen sich spanische Sorten aus nachvollziehbaren Gründen vor allem durch Hitze- und Trockenheitsresistenz aus, weniger durch Frosttoleranz.

Leider sind die russisch-ukrainischen Erfahrungen mit dem Olivenanbau und der Olivenzucht auf der Krim verschüttet. Wenn die im Internet zugänglichen Informationen stimmen, war der Botanische Garten von Nikita im 19. Jahrhundert auf die Zucht froststabiler Olivensorten spezialisiert, die auch in den mitteleuropäischen Raum exportiert wurden. So scheint die französische Sorte Aglandaou mit der Krim-Züchtung Nikitskaja identisch zu sein. Hier besteht Forschungsbedarf.


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Fachliteratur: Historisch - Aktuell botanisch - Aktuell agronomisch - Veredelung, Züchtung - Olivenanbau Frankreich - Klimageschichte - Kulturgeschichte

Online-Ressourcen: Olivenanbau und Ölproduktion - Museen - Praxis Anbau - Praxis Verwertung - Praxis Vermehrung - Gerätschaften - Krankheiten, Schädlinge, Frostbekämpfung - Skandale Olivenanbau - Skandale Olivenöl - Umweltprobleme durch Olivenanbau - Politikum Olive - Olivenhaine der Kulturgeschichte - Wetter - Klimageschichte - Klimaprognosen - Klimawandel und Olivenanbau - Züchtung zur Klimaanpassung - Anbaualternativen - Selbstverwirklichung - Streuobstwiesen - Wiesenpflege - Baumpflege - Flora - Fauna - Interaktion - Heckenbiotope - Kulinarik - Gesundheit - Sonstige Nutzungen - Medienspiegel Kraichgau-Hain


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Datensammlungen zu Olivensorten - Internetseiten zur Frosthärte verschiedener Olivensorten - PDFs zur Frosthärte - Portraits italienischer Olivensorten - Portraits sonstiger Olivensorten - Baumschulen/Lieferanten

Anbauländer: Spanien - Portugal - Frankreich - Italien - Piemont - Veltlin - Südtirol - Tessin - Toskana - Grosseto - Marken - Umbrien - Apulien - Slowenien - Kroatien - Montenegro - Albanien - Mazedonien - Griechenland - Kreta - Zypern - Türkei - Syrien - Irak - Jordanien - Libanon - Israel - Palästinensische Autonomie - Ägypten - Libyen - Tunesien - Algerien - Marokko - Südafrika - Krim - Georgien - Iran - Pakistan - Indien - Nepal - China - Australien - Neuseeland - Argentinien - Peru - Mexiko - USA 




FACHLITERATUR HISTORISCH ZUR OLIVE UND ZUM OLIVENANBAU VON DER ANTIKE BIS ZUR AUFKLÄRUNG


In seinem Basiswerk zum Landbau, "De agri cultura", beschreibt der römische Politiker, Feldherr, Autor und Gutsbesitzer Marcus Porcius Cato auch, wie ein Olivenhain angelegt und bewirtschaftet wird. Entworfen wurde das Werk zunächst für seinen Sohn, als Teil der "Libri ad filium" (etwa 185-180 v. Chr.), dann von Cato später erweitert zu "De agri cultura" (etwa 154 v. Chr.). Die Olivenölherstellung, das Einlegen von Oliven und andere zum Olivenanbau gehörige Themen werden gleichfalls angesprochen. Catos Ausführungen sind heute überwiegend von eher historischem als von praktischem Interesse. Ich schätze jedoch seine Auffassung vom Landbau als verbindlichem Lebensstil - in einer Zeit, in der viele wohlhabende Römer die Landwirtschaft längst vollkommen ihren Untergebenen überlassen hatten.

Das bedeutendste italienische Lehrwerk der Landwirtschaft aus der frühen Aufklärungszeit stammt von dem Pistoieser Cosimo Trinci, "L'agricoltore sperimentato", erstmals erschienen 1726. Über den Autor (gestorben 1756) ist wenig bekannt, er war Agronom und korrespondierendes Mitglied der "Accademia dei Georgofili" Florenz. In seinem vielzitierten Werk geht er auch ausführlich auf den Olivenanbau ein. Heute noch interessant aus Sicht des Olivenanbaus ist vor allem seine Auflistung fataler Frostereignisse in der Toskana von 1216 bis 1709 mit den Schlussfolgerungen, die er daraus zieht: Windschutz, tiefer Rückschnitt und die Bevorzugung wurzelechter Sorten.

Unter den historischen Werken zum Olivenanbau, zur Olivenernte und zur Olivenölgewinnung sticht das Handbuch des Aufklärers Giovanni Presta (1720-1797) hervor, "Degli ulivi, delle ulive e della maniera di cavar l'olio". Presta war ein kluger Mediziner und Agronom, der sich besonders mit dem Tabakanbau und der Olivenölproduktion im Salento beschäftigte. Er bietet, weitgehend basierend auf Trinci, auch ein ausführliches Verzeichnis der für Mittelitalien relevanten Extremfrostereignisse 1216 bis 1789 sowie Portraits der zu Prestas Zeiten in Süditalien gebräuchlichen Olivensorten.

Lehrreich ist auch der zweibändige "Trattato teorico-pratico completo sull'ulivo" von Giuseppe Tavanti, zuerst erschienen 1819, unterstützt von der
"Accademia dei Georgofili" Florenz. Das umfangreiche Werk deckt alle Bereiche des Olivenanbaus, der Olivenernte und der Olivenverarbeitung ab. Tavanti hat sich vor allem um die Erfassung und Beschreibung der in der Toskana gebräuchlichen Olivensorten verdient gemacht.


Cato, Marcus Porcius: Landbau. Fragmente = De agri cultura. Düsseldorf/Zürich: Artemis und Winkler, 2000


Trinci, Cosimo: L'agricoltore sperimentato. Venezia: Giuseppe Rossi, 1763

Presta, Giovanni: Degli ulivi, delle ulive e della maniera di cavar l'olio. Lecce: Tipografia editrice salentina, 1871 (zuerst 1794 Neapel)

Tavanti, Giuseppe: Trattato teorico-pratico completo sull'ulivo, Firenze 1819



AKTUELLE BOTANISCHE FACHLITERATUR ZUR OLIVE


Inzwischen gibt es eine Fülle botanischer, insbesondere genetischer und morphologischer Untersuchungen zur Geschichte der Olivenkultur und zum Sortenspektrum. Die meisten davon allerdings mit einem sehr engen thematischen Fokus (etwa auf Frosthärte oder Ölertrag) oder mit eingeschränktem regionalen oder nationalen Forschungsschwerpunkt.

Eine rühmliche Ausnahme bietet die von den Populationsbiologen
André Bervillé und Catherine Marie Breton herausgegebene Publikation "Histoire de l'olivier", die neben den grundlegenden botanischen Fragestellungen auch gleich noch agronomische, ökonomische und kulturwissenschaftliche Themen auf 224 Seiten abhandelt. Das Buch ist direkt bei der "Librairie Eyrolles" zu beziehen, mit Lieferung nach Deutschland für 36 Euro (Stand 2018). Hier finden sich herausragende Ansätze zu einer umfassenden Geschichte der Kultivierung und Ausbreitung des Zuchtoliven-Genoms im Mittelmeerraum, vor allem in den Kapiteln "L'histoire de l'olivier reconstituée à partir de données génétiques", "La domestication de l'olivier en Méditerranée nord-occidentale révélée par l'archéobiologie". Das Anliegen, auch Frankreich als frühgeschichtliches Olivenanbauland ins Bewußtsein zu heben, ist unüberhörbar, aber keine Barriere.

Als Open Access Dateien der einzelnen Kapitel auch im Internet zugänglich ist das umfassende botanische und agronomische Werk zur Olive von Wissenschaftlern der  "Università della Calabria" in Arcavacata di Rende und anderer Forschungseinrichtungen, "Olive Germplasm - The Olive Cultivation, Table Olive and Olive Oil Industry in Italy" von 2012. Das Werk enthält substantielle Beiträge zur Geschichte und Systematik der Olivenkultur, zur Botanik des Olivenbaums und zum Genom von Olea europaea. Darunter ist auch ein Forschungsüberblick zu Ursprung und Geschichte der Zuchtolive von Catherine Marie Breton et al.. Daneben finden sich wie im Titel angesprochen auch weitere für Wissenschaft und Anwendung gleichermaßen relevante Themen.


Bervillé, André/Breton, Catherine Marie (Hrsg.): Histoire de l'olivier, Versailles: Éditions Quae, 2012

Muzzalupo, Innocenzo: Olive Germplasm - The Olive Cultivation, Table Olive and Olive Oil Industry in Italy, InTech, 2012



AKTUELLE AGRONOMISCHE FACHLITERATUR ZUR OLIVE UND ZUM OLIVENANBAU


Die grundlegende Publikation des 20. Jahrhunderts zur Geschichte des Olivenanbaus und der Olivenölgewinnung, zum Olivenbaum, zum Olivenanbau und zur Olivenverarbeitung stammt von Alessandro Morettini (1887-1979), einem pädagogisch, züchterisch und wissenschaftlich vielseitig aktiven Agronomen. Sein Basiswerk erschien erstmals 1950, unter dem Titel "Olivicoltura". Darin finden sich wertvolle Ausführungen zu Sortencharakteristika, Schnitt und Veredelung.

1994 erstmals aufgelegt wurde das Handbuch für die Olivenproduktion von Steven Sibbett und Louise Ferguson in Kalifornien. Ihr "Olive Production Manual" wurde rasch zu einem Standardwerk nicht nur in den USA, sondern weltweit. Es umfasst von der Planung einer Olivenplantage und ihrem Betrieb über die Ernte bis zur Olivenverarbeitung alles, was kommerzielle Anbauer wissen müssen. Es bietet unter anderem auch differenzierte Darstellungen zur Physiologie und Biochemie des Olivenbaums.


Das maßgebliche Lehrwerk zum Olivenschnitt stammt aus italienischen Federn, verlegt wurde es im Jahr 2000 erstmals in Australien. 2008 erschien auch eine kroatische (!) Ausgabe, "Pruning and Training Systems for Modern Olive Growing". Die Autoren Riccardo Gucci und Claudio Cantini wollen nicht nur ein Bündel anwendbarer Technik vermitteln, sondern auch notwendiges Hintergrunds- und Zusammenhangswissen. Mit grundlegenden Informationen zur Morphologie und Biologie des Olivenbaumes sowie zahlreichen hilfreichen Fotos und Skizzen sowie einem umfangreichen Literaturverzeichnis für weitere Studien ist diese Publikation unverzichtbar für den reflektierten Olivenanbau.

Mit Italienischkenntnissen empfiehlt sich auch die Lektüre des populär geschriebenen Olivenhandbüchleins "L'olivo. Coltivazione, raccolta e utilizzo" von Adriano Del Fabro. Der Kultur- und Kulinarik-Journalist hat 2004 ein für Einsteiger brauchbares Werk mit zahlreichen Abbildungen zum Olivenanbau und zur Ölgewinnung geschrieben.


Morettini, Alessandro: Olivicoltura, Rom: Ramo Editoriale degli Agricoltori, 1950

Sibbett, Steven/Ferguson, Louise: Olive Production Manual. University of California, 2004 (2nd edition, 1st 1994)

Gucci, Riccardo/Cantini, Claudio: Pruning and Training Systems for Modern Olive Growing. Collingwood: CSIRO, 2000


Fabro, Adriano Del: L'olivo. Coltivazione, raccolta e utilizzo. Florenz/Mailand: Giunti, 2004



VEREDELUNG UND ZÜCHTUNG


Wer verstehen möchte, wie Veredelung und Pflanzenvermehrung in Baumschulen funktioniert, der ist gut beraten mit Erich Maurers Werk "Die Unterlagen der Obstgehölze" von 1939, das sich bemerkenswert sachlich gegen eine Vereinnahmung durch die Ideologie des Nationalsozialismus behauptet, auch wenn einige Zugeständnisse unüberhörbar sind. Der Pomologe Erich Maurer, geboren 1884 bei Dresden, gestorben 1981 in Berlin, hat sich zeitlebens besonders um frostresistente Obstbaumunterlagen bemüht.

Umfassend angelegt ist das Handbuch für den professionellen Obstanbau, "Lucas' Anleitung zum Obstbau". Ein Nachschlagewerk, das von der Sortenkunde über die Veredelung, Züchtungsmethoden, Anbausysteme und die Schädlingsbekämpfung bis zur Vermarktung alle Themenbereiche abdeckt, primär aus konventionell-integrierter und erwerbsorientierter Sicht, aber doch auch abseits dieser Orientierungen äußerst hilfreich.

Für gut begründete Entscheidungen bei Sortenwahl, Anbau, Veredelung und Züchtung unverzichtbar ist das Buch "Physiologische Grundlagen des Obstbaues". Das Buch möchte den Obstbauern zu selbständigen Einsichten und Urteilen auf der Basis fundierter Information anleiten. Pflanzenentwicklung, Ertragsbildung, Veredelung, Schnitt und Züchtung stehen im Fokus. Mit 119 Tabellen und 263 Zeichnungen auch anschaulich und unmittelbar instruktiv.

Eric Lichtfouse hat ein wichtiges Buch über "Climate Change, Intercropping, Pest Control and Beneficial Microorganisms" herausgegeben, in welchem sich auch ein Beitrag von Georgios Banilas u.a. findet, der sich mit der "Olive and Grapevine Biodiversity in Greece and Cyprus" auseinandersetzt. Der Beitrag enthält ein nachdrückliches Plädoyer dafür, sowohl das genetische Potential der Wildoliven als auch das lokal verbreiteter Olivensorten zu erhalten um den Herausforderungen der Klimaveränderung züchterisch erfolgreich begegnen zu können.


Maurer, Erich: Die Unterlagen der Obstgehölze. Berlin: Parey, 1939

Link, Hermann: Lucas' Anleitung zum Obstbau. Stuttgart: Ulmer, 2002 (32. Auflage)

Fischer, Manfred/Friedrich, Gerhard: Physiologische Grundlagen des Obstbaues. Stuttgart: Ulmer, 2000


Lichtfouse, Eric (Ed.): Climate Change, Intercropping, Pest Controll and Beneficial Microorganisms. Dordrecht, Heidelberg, London, New York: Springer, 2009



FACHLITERATUR ZUM OLIVENANBAU IN FRANKREICH


Da die Klimabedingungen in französischen Olivenlagen am ehesten denen in deutschen Weinlagen entsprechen, die für Olivenanbauexperimente in Frage kommen, hier einige Hinweise auf die inzwischen gut entwickelte einschläge französische Fachliteratur.

Der Gärtner und Journalist Michel Courboulex hat ein wunderbares Buch über den Olivenanbau und französische Olivensorten geschrieben, das sich vor allem an Kleinbauern, Hobbygärtner und Liebhaber wendet, aber auch weiterführende Interessen bedient. Fachkenntnis und persönliche Erfahrung ergänzen sich hier vorzüglich. Er nennt Olivière als besonders froststabil (im Winter 1956). Wird in der Forschungsliteratur bestätigt.

Wer sich spezieller für französische Olivensorten interessiert, der findet in "Identification et caractérisation des variétés d’olivier cultivées en France", 1. Band von 2004, 45 Sorten ausführlich beschrieben, mit zahlreichen Abbildungen. Hier werden Aglandaou, Bouteillan und Moufla als besonders froststabil charakterisiert - was ich für Aglandaou und Bouteillan bestätigen kann, während ich Moufla nicht empfehle. Im 2. Band von 2011 werden weitere 60 lokal interessante Sorten und ausländische Olivensorten, die in Frankreich angebaut werden, behandelt. Darunter Picual aus Spanien und Koroneiki aus Griechenland, die allgemein als weniger froststabil gelten.

Bereits jetzt darf das vom Oleologen Christian Pinatel (Centre technique de l'olivier, Aix-en-Provence) herausgegebene Publikationsprojekt "L'olivier"
als Standartwerk zum französischen Olivenanbau gelten. Bislang ist 2015 der Band "Oliviers de Haute Provence" erschienen. Vorgesehen ist zunächst noch ein Band zur Haute Var. Die überaus differenzierten Analysen der einzelnen Öle werden nicht jeden interessieren, aber es gibt genügend Lektürestoff von allgemeinerem Interesse. Zahlreiche Tabellen und Abbildungen - auch zur Anbaugeschichte in Frankreich - machen das Buch zusätzlich für alle Lesergruppen, ob wissenschaftlich oder laienhaft interessiert, wertvoll.


Courboulex, Michel: Oliviers. Plantation, Entretien, Espèces. Paris: Rustica, 2016

Moutier, Nathalie et al.: Identification et caractérisation des variétés d’olivier cultivées en France. Turriers: Naturalia Publications, 2004/2011

Pinatel, Christian (Hrsg.): L'olivier. Histoire ancienne et contemporaine. Oliviers de Haute-Provence. Turriers: Naturalia Publications, 2015



KLIMAGESCHICHTE


Die beiden Palmenexperten Mario Stähler und Tobias Spanner legten mit "Winterharte Palmen" 2007 ein Buch zum Thema "Palmen in Mitteleuropa erfolgreich auspflanzen, pflegen und überwintern" vor, das auch für Oliven- und sonstige Exotenpflanzer von großem Interesse ist - etwa durch die umfangreiche Sammlung von Klimazonenkarten und Klimatabellen zu Mitteleuropa. Wobei die Klimazonenkarten natürlich unter dem Vorbehalt zu lesen sind, dass lokale Gegebenheiten, Mikroklimata und die Klimaentwicklung die Werte modifizieren.

Unverzichtbar zur Beschäftigung mit der Klimageschichte ist das Werk von Rüdiger Glaser, "Klimageschichte Mitteleuropas. 1200 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen. Mit Prognosen für das 21. Jahrhundert" von 2001. Erhellend für Exotengärtner ist die Tabelle auf Seite 42 zu "Witterungsregelfällen in Mitteleuropa". Sie zeigt u.a., wie heterogen die Jahreszeiten schon immer waren, wie abstrakt unsere Jahreszeiteneinteilungen letztlich sind.

Im Zentrum der historischen Klimatologie stehen für Glaser gleichberechtigt neben physikalischen Informationen die biologischen. Praktisch wird dies in seinem Werk allerdings kaum ausgeführt, der Titel seines Werkes zeigt auch schon die thematische Einschränkung. Auf Seite 44 beschäftigt Glaser sich allerdings kurz mit dem Weinbau, unter dem Titel "Im Wein liegt Klima". Klimarekonstruktionen über Daten des Weinbaus sind inzwischen weit entwickelt, zum Obstanbau allgemein ist die Datenerfassung noch rudimentär.

Der Berner Historiker und Geograph Christian Pfister hat schon weit früher eine Klimageschichte der Schweiz geschrieben, die modellhaft auf die Beziehung zwischen Klimageschichte und landwirtschaftlicher Entwicklung eingeht. Oliven kommen auch darin nicht vor, dennoch ist das Werk äußerst instruktiv und es bleibt zu hoffen, das bald Vergleichbares zu Regionen mit Olivenanbau erarbeitet wird. Vielversprechende Ansätze dazu gibt es bereits in Norditalien.


Stähler, Mario/Spanner, Tobias W.: Winterharte Palmen. Berlin: Medemia, 2007

Glaser, Rüdiger: Klimageschichte Mitteleuropas. 1200 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen. Darmstadt: WBG,  2001

Pfister, Christian: Das Klima der Schweiz von 1525-1860 und seine Bedeutung in der Geschichte von Bevölkerung und Landwirtschaft. 2 Bde. Bern: Haupt Verlag, 1984



KULTURGESCHICHTE


Der Kulturhistoriker Victor Hehn lebte von 1813 bis 1890. 1870 erschien sein noch heute lesenswertes Hauptwerk "Kulturpflanzen und Hausthiere in ihrem Übergang aus Asien nach Griechenland und Italien sowie das übrige Europa". Er nannte Wein, Olive und Feige "die drei Urgewächse der frühesten höheren Zivilisation". Hehn vertritt teilweise krude Theorien, die im Zeithorizont gelesen werden müssen. Anregend und historisch aufschlussreich sind seine Ausführungen zur Klimageschichte und zu Landschaftsveränderungen allemal, auch heute noch und wieder.

Hehns Zeitgenosse Carl Nikolaus Fraas (1810-1875), promovierter Mediziner, Botaniker an der Universität Athen, Agrarwissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität München, publizierte 1847 seine bemerkenswerte klimahistorische Untersuchung "Klima und Pflanzenwelt in der Zeit". Schwerpunkte sind Persien, Mesopotamien, Palästina, Ägypten und das südliche Europa, historisch greift er zurück bis in die Gründungszeit der Hochkulturen an Euphrat, Tigris und Nil.

Horst Schäfer-Schuchardt, Jurist, Kulturwissenschaftler, Autor, Filmemacher, veröffentlichte 1993 die erste "Kulturgeschichte" der Olive neuerer Zeit, mit Befunden aus dem alten Ägypten, der Levante, der griechischen und römischen Antike, dem frühen Christentum, dem mittelalterlichen Apulien und dem heutigen Anbau im Mittelmeerraum. Grundlage waren die Arbeiten zu einem Dokumentarfilm im Auftrag des Bayrischen Fernsehens und des Landwirtschaftsministeriums Apulien. Die Publikation bietet auch interessante Angaben zur Olivenvermehrung und Rezepte.

Der amerikanische Journalist Mort Rosenblum machte sich 1986 mit dem Kauf eines Olivenhains in der Provence auf den Weg, den Olivenanbau am Mittelmeer auf ausgedehnten Reisen zu erkunden. Seine Rechercheergebnisse, samt Rezepten der Olivenküche, fasste er in einem 1996 auf Englisch, 1999 auf Deutsch veröffentlichten Buch zusammen. Eine "Kulturgeschichte" der Olive, wie der deutsche Titel suggeriert, ist dabei allerdings über die Sammlung einiger Anekdoten hinaus nicht entstanden, wie Dieter Richter in einer Rezension vom 18. November 1999 anmerkte. Auf Englisch trägt das Buch den Titel "The Life and Lore of a Noble Fruit".

Ralph Dutli verdanken wir inspirierende Essays und hübsche Anekdoten zur Kulturgeschichte der Olive und zur Olive in der Kulturgeschichte. Er hat einiges von dem zusammengetragen, was vom Alten Testament über die Sonettdichtung der Renaissance bis zu den Romanen Sándor Márais an kulturellen Wechselspielen mit dem Olivenbaum bedeutsam wurde. Seine Ausführungen sind nicht immer belastbar, etwa seine Herleitung der Sortenbezeichnung "Cornicabra" aus Ziegenhörnern, die in Tunesien noch heute (so Dutli) gelegentlich zur Ernte eingesetzt werden. Wahrscheinlicher ist die Namensherkunft von der länglichen, spitz zulaufenden Form der Früchte dieser Sorte.



Hehn, Victor: Kulturpflanzen und Hausthiere in ihrem Übergang aus Asien nach Griechenland und Italien sowie das übrige Europa. Berlin 1870

Fraas, Carl Nikolaus: Klima und Pflanzenwelt in der Zeit, ein Beitrag zur Geschichte beider. 1847

Hehn, Victor: Olive, Wein und Feige. Frankfurt (Main): Insel, 1992 (Auszüge aus obigem Werk)

Schäfer-Schuchardt, Horst: Die Olive - Kulturgeschichte einer Frucht. DA Verlag 1993

Rosenblum, Mort: Oliven. Kulturgeschichte einer göttlichen Frucht. Kabel-Verlag 1999

Dutli, Ralph: Liebe Olive. Eine kleine Kulturgeschichte. Zürich: Ammann, 2009



ONLINE-RESSOURCEN ZUM OLIVENANBAU UND ZUR ÖLPRODUKTION


Eine hervorragende Sammlung von Daten zu Oliven, Olivenanbau, Olivenöl, Herstellung und Vermarktung von Olivenprodukten bietet die englischsprachige Seite "The Olive Oil Source" aus Kalifornien. Von der blinkenden Startseite sollte man sich nicht verwirren lassen, sondern gleich ins Menü einsteigen. Hier verbergen sich immense Schätze, darunter zahlreiche Tabellen, Grafiken und Datensammlungen sowie ein "Olictionary", ein - englisches - Wörterbuch der einschlägigen Begriffe, Namen, Abkürzungen. Von allgemeinem Interesse sind "Facts and Definitions", Hobbygärtner und Profis kommen bei "Making Olive Oil" und "Olive People" weiter, Feinschmecker unter "Enjoying Olive Oil". Teilweise gerät man leider an tote Links (die Seite wurde 1998 bis 2012 aufgebaut).

Ein vielseitiges viersprachiges Webangebot zur Olivenkultur mit dem Titel "Esencia de Olivo", kommt aus der südspanischen Provinz Jaén, einem bedeutenden Zentrum des spanischen Olivenanbaus. Die Texte sind teilweise stark touristisch orientiert und es gibt auch einen eigenen Hauptmenüpunkt "Oleoturismo". In der Tiefe der Site verbergen sich immense Info-Schätze mit professionellem Wert zum Olivenanbau und zur Olivenkultur allgemein, besonders aber in Spanien - diese sind in der Regel nur auf Spanisch zu haben. Fleißig auf die zahlreichen Abbildungen klicken, dahinter geht es oft weiter.

Die Food and Agriculture Organisation der Vereinten Nationen bietet unter "Production" differenzierte Angaben zur weltweiten Olivenernte und zur Olivenölproduktion. Die Zahlen weichen teilweise erheblich von anderen Angaben ab, die sich auf die Statistiken des International Olive Oil Councils (inzwischen unter dem Namen "International Olive Council") beziehen, in denen Abfüllmengen erfasst werden. So produziert Italien 2013/14 lediglich ca. 0,3 Mio Tonnen Olivenöl, füllt jedoch ca. 0,5 Mio Tonnen ab. Auch die Türkei füllt weit mehr ab als sie produziert. Die Inhalte der  Seite des International Olive (Oil) Council werden weitgehend auf Englisch angeboten, das Menü erfreut auch auf Französisch, Italienisch, Spanisch und Arabisch.


Kalifornien (engl.):
http://oliveoilsource.com

Provinz Jaén (span., dt., engl., frz.):
http://www.esenciadeolivo.com


FAOSTAT (engl.)
http://faostat3.fao.org

IOOC
http://www.internationaloliveoil.org



DIE OLIVENMUSEEN


24 "Museums of the olive in the Mediterranean" stellt eine 2006/07 vom Olivenmuseum Sparta erarbeitete Website vor. Bedauerlicherweise sind die Angaben teilweise höchst unvollständig: Das namhafte Olivenmuseum von Nyons etwa wird ohne genauere Ortsangabe unter "France" vorgestellt, mit einer äußerst knappen Beschreibung. Dennoch ist die Sammlung hilfreich als Überblick und Anregung. Zugang zum Verzeichnis auf der englischen Seite über "Mediterranean Museums of Olive" oder "Site Map". Das Olivenmuseum Sparta selbst lohnt einen Besuch unbedingt mit Objekten aus der Kulturgeschichte der Olive, breiten Informationen zur Geschichte des Olivenanbaus in Griechenland und ehrwürdigen Gerätschaften.

Spanien bietet weltweit die höchste Olivenmuseen-Dichte. Bei den meisten handelt es sich um Anhängsel zu Verkaufsräumen, die mit einigen historischen Objekten aus dem Themenkreis der Olivenölgewinnung angereichert sind. Ein gutes Dutzend jedoch verdient die Bezeichnung "Museum" durchaus. Besonders malerisch ist das Olivenmuseum von Baena/Cordoba. Es ist in einer historischen Ölmühle untergebracht und zeigt auf ca. 800 qm Austellungsfläche vor allem Objekte zur spanischen Olivenölproduktion des 19. Jahrhunderts. Wissenschaftlich belastbarer und gänzliche frei von Verkaufsinteressen ist das "Museo Activo del Aceite de Oliva y la Sostenibilidad" in Mengíbar/Jaén, das auch gerne von Schüler- und Studentengruppen genutzt wird. Von allgemeinem Interesse ist das "Museo de la Cultura del Olivo" von Baeza/Jaén mit einem reichhaltigen Sortengarten und bemerkenswerten historischen Objekten - allerdings auch deutlichen Verkaufsinteressen.

Das Museum in Nyons ist angeschlossen an die Verkaufsräume der Wein- und Olivenbauerngenossenschaft Nyons. Die Räumlichkeiten sind beengt, dienen zugleich Vorträgen und Verkostungen, die didaktische Aufbereitung ist dürftig. Wer viel Geduld, ausreichende Französischkenntnisse und die Standfestigkeit, sich nicht von Gruppen mit Einkaufskörben verschieben zu lassen, mitbringt, wird mit einigen Entdeckungen über die allerorten übliche Präsentation historischer Olivenpressen hinaus - etwa zu Geschichte des Olivenanbaus und zu historischen Frostereignissen - belohnt.


Olivenmuseen (gr., engl., frz.):
http://www.oliveoilmuseums.gr

Baena (engl.):
http://www.torresyribelles.com

Mengíbar (sp.):
http://www.terraoleum.es

Baeza (sp.):
https://www.museodelaculturadelolivo.com

Nyons (frz.):
http://www.vignolis.fr



ZUR PRAXIS DES OLIVENANBAUS


Eine knappe, aber vorzüglich informative praxisorientierte Einführung in den Olivenanbau auf Englisch bietet online eine Seite von "Olive Australia". Unter "Olive Trees" gibt es noch Sortenportraits und unter "Equipment" Auskünfte zu den Gerätschaften von der Baumschere bis zur Ölpresse.

"Come Coltivare gli Olivi" in "Wiki How" bietet informativ und mit reichlichen Illustrationen eine Schritt-für-Schritt-Anleitung von der Auswahl des Geländes über die Bewässerung bis zur ersten Ernte. Hier finden sich auch Angaben zum idealen PH-Wert des Bodens (wobei es allerdings sortenabhängige Differenzen gibt) und zur Düngung. Den gleichen Beitrag gibt es in der englischen und in der deutschen "Wiki How".

Eine sehr nützliche Anleitung zum Baumschnitt mit der Behandlung der häufigsten Schnittfehler findet sich in der für Olivenenthusiasten mit Italienischkenntnissen sehr brauchbaren Online-Zeitschrift "Teatro Naturale". Allerdings kann nicht alles von hier 1:1 auf die Bedingungen in Grenzlagen übertragen werden. So müssen Formschnitte bei zu erwartenden Winterschäden zurückhaltender ausfallen, als hier empfohlen. Grundsätzlich halte ich für unsere Lagen buschnahe Erziehungsmodelle für die sinnvollsten Schnittformen.

Umfangreiche Materialien und Handreichungen zum wirtschaftlich erfolgreichen Olivenanbau bietet der Internet-Auftritt des EU-geförderten Projektes "Olea 2020" von 2005 auf Französisch unter "A) Suivi et gestion administrative" und "B) Amélioration".

Aus Spanien, genauer der Provinz Jaén, kommt ein Angebot von "Esencia de Olivo" zu den Systemen des Olivenanbaus, vor allem zum Intensivanbau. Auf die Bilder klicken zur Vergrößerung und nochmals klicken um wieder zur Seite zu kommen. Nebenbei ist hier zu erfahren, dass es immerhin noch ca. 25% traditionelle, nicht mechanisierte Olivenanlagen in Spanien gibt und nur ca. 25% Intensiv(st)anbau.


About Olive Trees (engl.):
http://www.oliveaustralia.com.au

Come Coltivare gli Olivi (it.):
https://www.wikihow.it

Olivenschnitt (it.):
http://www.teatronaturale.it

Olea 2020 (frz.):
http://afidol.org

Olivenanbausysteme Spanien (sp.):
http://www.esenciadeolivo.es



ZUR PRAXIS DER OLIVENVERWERTUNG


Das "Handbuch des Olivenmüllers" von der ANAPOO (Vereinigung der Olivenverkoster) gibt von der Ernte bis zum fertigen Olivenöl wertvolle Hinweise zur Olivenölproduktion. Auf einer Seite der ökologisch orientierten italienischen Online-Gartenbauzeitschrift "Orto da Coltivare" von Matteo Cereda gibt es äußerst informative Erklärungen zum Bezug zwischen Erntezeitpunkt, Geschmack und Ölgehalt.

Entscheidend für die Produktion eines qualitätsvollen Olivenöls ist die möglichst umgehende Verarbeitung der Ernte innerhalb von 12 Stunden, unter kühlen Bedingungen. Bei Zerkleinerung und Pressung sollte auch Sauerstoffkontakt weitgehend reduziert werden, um Oxidationsprozesse zu unterbinden. Unter den Vorzeichen der Klimaerwärmung werden aktuell aktive Maßnahmen zur Kühlung während der Ölgewinnung untersucht.

Eine Marketingseite für den Vertrieb von Olivenöl nach der Veronelli-Methode in Österreich und Deutschland informiert allgemein über Qualitätsmerkmale von Olivenöl und speziell zu den Eigenschaften des Öls aus entsteinten Oliven nach der Methode des italienischen Weinkenners, Gastronomiekritikers und Intellektuellen Luigi Veronelli (1926-2004). Vorgestellt wird auch der "Veronelli-Olivenöl-Kodex", der etwa sortenreine Öle vorschreibt. Veronelli hat sich zeitlebens nicht nur gastronomiekritisch, sondern auch politisch engagiert, etwa für die Interessen kleiner Winzer gegen die Weinindustrie. Bei der Olive kamen sich seine beiden Interessen, die des Feinschmeckers und die des politisch Engagierten offensichtlich in die Quere.

Es gibt nämlich durchaus informierte und kritische Olivenölexperten, die darauf verweisen, dass gerade traditionelle Olivenhaine mit hohem ästhetischem und ökologischem Begleitwert nicht sortenrein angelegt waren. Und es gibt auch geschmackliche Gründe, Verschnitte/Cuvées nicht grundsätzlich zu verdammen. Nicht immer steckt dahinter Panscherei aus ökonomischen Gründen. Neben Sorten-Verschnitten gibt es auch den Verschnitt von Öl grüner/unreifer und schwarzer/reifer Oliven. Insbesondere in Kroatien und Slowenien hat sich eine Kultur der Cuvées aus Ölen verschiedener Sorten entwickelt. Und die Entsteinung von Oliven ist für viele Kleinbauern nicht leistbar.

Eine Seite aus Australien von Amanda Bailey beschreibt die verschiedenen Methoden, Tafeloliven aufzubereiten. Eine weitere australische Seite, von Vera Sergeeva, beschäftigt sich mit dem Einfluss von Frost auf die Qualität des Olivenöls und der Tafeloliven.


Handbuch des Olivenmüllers (it.)
http://www.anapoo.it

Erntezeitpunkt (it.)
https://www.ortodacoltivare.it

Kühlung (engl.)
https://www.sciencedirect.com

Veronelli-Methode (dt.)
http://www.oliosecondoveronelli.at

Cuvées/Verschnitte/Blending (engl.)
https://www.oliveoilsource.com

Aufbereitung von Tafeloliven (engl.)
https://amandabaileyonolives.blog

Frost und Olivenqualität (PDF engl.)
http://olivediseases.com



ZUR PRAXIS DER VERMEHRUNG


Gerade bei experimentellen Anlagen und in Grenzgebieten kann es sinnvoll werden, selbst Vermehrungen durchzuführen, etwa bei besonders bewährten Selektionen. So haben bei mir zwei von 8 Olivastra Seggianese, die 2008 gepflanzt wurden, stabil überlebt. Ebenso eine Leccino von 18. Weshalb ich 2018 mit Versuchen zur vegetativen Vermehrung startete.

Geschnitten werden die Stecklinge im April, vor dem Austrieb. Einjährige Zweige, Stücke von ca. 8 Zentimeter Länge, mit einem Blattpaar oben, schräger Anschnitt ein oder zwei Blattpaare (die über dem Stil abgeschnitten werden) tiefer, direkt unter den Augen/Blättern.

Ein spanisches Video auf Youtube führt ein in die Olivenvermehrung allgemein. Youtube bietet noch zahlreiche weitere Clips zum Thema. Netterweise gibt es auch ein Video auf Deutsch, zur Vermehrung mit Stecklingen auf dem Substrat Kokoserde, alternativ mit und ohne Hormone - leider ohne das Ergebnis vorzustellen!

Die Baumschule Molendi in Pescia informiert ohne Text, mit reichhaltigem Bildmaterial über die verschiedenen Methoden, Oliven zu vermehren aus Früchten, durch Stecklinge und über Propfung.

Die privat von Friedlinde Pfaefflin und Nino Montagna erstellte Website zum Cilento-Nationalpark Süditalien, der berühmt ist unter anderem für seine alten Olivenbestände,  informiert in Text und Bild über die Olivenvermehrung mit Stecklingen und aus Kernen.


Olivenvermehrung (sp.)
https://www.youtube.com

Olivenstecklinge mit/ohne Hormone (dt.)
https://www.youtube.com

Bilderstrecken von Molendi (it.)
http://vivaimolendi.com

Cilento-Nationalpark (dt.)
http://www.cilento-nationalpark.de



GERÄTSCHAFTEN


Was die Profis benötigen, findet sich z.B. auf einer Seite des australischen Olivenanbaus, von "The Olive Centre". Hier gibt es von Geräten zur Bodenbearbeitung über Erntehilfen bis zur Ölpresse und Lagereinrichtungen alles. Geordnet ist das Angebot nach Arbeitsbereichen ("Categories") und nach Herstellern ("Manufacturers"). Einzelne Geräte davon benötigt auch der Hobby-Anbauer, so vor allem eine taugliche Garten- oder Rebschere, die nicht mit Amboss, sondern mit zwei Klingen (Bypass-System) arbeitet.

Unter den Rebscheren bevorzuge ich die von Felco. Daneben benötigt man für größere Äste auch eine Astschere, wobei ich Fiskars-Scheren benutze. Das Angebot ist groß und jeder muss selbst die zu seiner Hand, seinem Arbeitsstil und seiner Anlage passende Schere finden. Die Zeitschrift "Mein schöner Garten" stellt 5 Garten- und 5 Astscheren zur Orientierung vor, die im August 2017 von der Stiftung Warentest untersucht wurden. Bei größeren Bäumen benötigt man dann irgendwann sicherlich auch eine Säge. Handsägen fördern die körperliche und geistige Fitness und freuen den Nachbarn/Spaziergänger. Wer etwas mehr zu schneiden hat und keine ganzen Bäume zerkleinern muss: es gibt inzwischen auch taugliche Akku-Sägen.

Der "Sensenverein Österreich" macht sich verdient um die "Renaissance der Sense", bietet Infos, Kurse und auch einen Sensenshop. Ein Ziel der Arbeit ist es, "ein europaweites Netzt mit vielen Sensenlehrern aufzubauen". Dazu werden einwöchige Ausbildungen anbegoten. Die im Partnershop von "Silvanus Forstbedarf" angebotenen Sensen sind üblichen Baumarktsensen weit überlegen. Ohne gutes Sensenblatt verliert man rasch die Freude am Mähen, die Investition in eine qualitätsvolle Sense lohnt sich auch für den Rücken!

Wunderschöne Sensen gibt es in der Sensenwerkstatt von Bernhard Lehnert in Gersheim/Saarland, die Museum, Beratungsstelle und Verkaufsladen in einem ist. Lehnert führt auch Sensen für Linkshänder und bietet Sensenkurse, Dengelvorführungen sowie eine Wanderausstellung an. Seine Homepage präsentiert nebenbei auch eine kleine Kulturgeschichte der Sense in Bildern. 2018 feiert er 15 Jahre Sensenwerkstatt!


Geräte für den Profianbau (engl.)
http://www.theolivecentre.com

Reb- und Baumscheren (dt.)
https://www.mein-schoener-garten.de

Sensenverein Österreich (dt.):
http://www.sensenverein.at

Sensenwerkstatt Lehnert (dt.):
http://www.sensenwerkstatt.de



ONLINE-RESSOURCEN ZU OLIVENKRANKHEITEN, SCHÄDLINGEN UND FROSTSCHÄDEN


Von der ARSIA Toscana stammt eine nützliche Seite zu den problematischsten Olivenkrankheiten und Olivenschädlingen sowie zu Behandlungsmethoden. Hier sollte man sich unter "Diagnosi" rechtzeitig kundig machen - sofern man des Italienischen mächtig ist. Wobei die Abbildungen und die lateinischen Fachbegriffe auch ohne Sprachkenntnisse weiterhelfen können.

Auf Englisch bietet etwas weniger differenzierte, knappe Angaben zu Olivenkrankheiten die Seite der russisch-australischen Agronomin und Konsultantin für Pflanzenkrankheiten Dr. Vera Sergeeva. Hilfreich ist dieses Angebot vor allem durch die umfangreiche Sammlung von Bildern zu Olivenkrankheiten. Eine weitere englische Homepage, die des spanischen Produzentenverbandes "Sabor Artesano", liefert ein sehr brauchbares Verzeichnis von Olivenkrankheiten und hilfreiche Hinweise zur Krankheitsvorbeugung und zur Behandlung. Diese Seite kann auch auf Spanisch abgerufen werden.

Die italienische Online-Landlebenzeitschrift "Teatro Naturale" ("Settimanale Telematico di Letture, Visioni e Approfondimenti dal Mondo Rurale") bietet zahlreiche interessante Beiträge zum Olivenanbau. Unter anderem einen Essay von Alberto Grimelli, März 2005, mit Erläuterungen zum Frostfebruar 2005 und seinen Auswirkungen auf Olivenplantagen (oliveti) in Italien. Mit interessanten Zahlen und Fakten zu den fatalen Januar-/Februarfrösten 1929, 1956 und 1985. Bemerkenswert ist hier nebenbei der Rhythmus von 28 Jahren +/-1, der sich mit dem Frostfebruar 2012 fortsetzte! 2005 war im Vergleich ein weniger gravierender Winter. Hier finden sich auch Empfehlungen zu Schnittmaßnahmen nach Frostwintern.

Über die biologische Bekämpfung der Olivenfliege informiert der Bericht zu einem Insektenfallenprojekt der Manfred Hermsen Stiftung von 2012 auf Sizilien, das der Olivenfliege galt. Beschrieben werden Klebefallen, Vino-Rosso-Fallen und Pheromonfallen.


Krankheiten und Schädlinge (it.):
http://agroambiente.info.arsia.toscana.it


Krankheiten (engl.):
http://www.olivediseases.com
 
Krankheiten (engl., span.):
http://www.sabor-artesano.com


Frostschäden (it.):
http://www.teatronaturale.it


Biologische Bekämpfung der Olivenfliege (PDF dt.):
http://m-h-s.org



SKANDALE IM UMKREIS DES OLIVENANBAUS



In einem Spiegel-Beitrag aus dem Heft 36/2001 werden die Verwüstung alter Olivenhaine und die Rodung geschützter Bäume durch Geschäftemacher für "förderungswürdige" EU-Olivenhaine (größer als 10 Hektar, jünger als 50 Jahre) und den Verkauf von Baumpatriarchen angeprangert. Der Beitrag mit dem Titel "Großer Batzen" (gemeint sind die Subventionen) basiert auf einem WWF-/Bird Life-Bericht von 2001. Dieser Bericht kommt zum Schluss, die von der EU geförderte Intensivierung des Olivenanbaus sei "derzeit eines der größten Umweltprobleme der Europäischen Organisation". Die Olivenanbauländer Griechenland, Italien, Frankreich, Spanien und Portugal, der "Club Med", seien für eine verfehlte Subventionspolitik verantwortlich.

Eine Site zur Kulturgeschichte verschiedener Holzarten von "Federargumenteuropa", einer Kommunikationsagentur, bietet auch eine informative Seite zum Olivenbaum, seiner Ökologie, seiner Rolle in der Kulturgeschichte und seiner ökonomisch-politischen Bedeutung. Die Autoren gehen unter anderem ein auf Olivenölpanschereien, auf Monokultur-Probleme und auf das brisante Thema der Rodung palästinensischer Olivenhaine durch israelische Siedler oder durch israelisches Militär in grenznahen Bereichen.

Verhalten kritisch äußert sich ein Beitrag der Süddeutschen Zeitung (Magazin) zum Handel mit Olivenbaumpatriarchen aus Spanien. Nachdem Italien und Frankreich 2001 das Geschäft mit der Ausrodung alter Olivenbäume per Gesetz unterbunden haben floriert das Geschäft in Spanien, mit Preisen im fünfstelligen Eurobereich für Bäume, die über eintausend Jahre alt sind. Der Beitrag stammt von 2006, die Situation hat sich aber auch 2018 noch nicht geändert.


Zu einem Skandal weiten sich das Auftreten des Feuerbakteriums, Xylella fastidiosa, und die Maßnahmen dagegen in Apulien 2014 und 2015 aus. Forscher im Umkreis von Monsanto und BASF, Immobilieninvestoren und die Baumafia sind mitbeteiligt. Darüber berichtet Petra Reski auf ihrem Blog. Beiträge von ihr zum Thema erschienen im Magazin GEO und in der ZEIT.


Großer Batzen (dt.):
http://www.spiegel.de


Kulturgeschichte des Olivenbaumes (dt.)
http://baumwoodch.federargumenteuropa.eu


Baumverpflanzungen aus Spanien (dt.)
http://sz-magazin.sueddeutsche.de

Feuerbakterien in Apulien (dt.)
http://www.petrareski.com



SKANDALE IM UMKREIS DER OLIVENÖLINDUSTRIE


Von Tom Mueller erschien 2007 im Magazin der Süddeutschen Zeitung Nr. 48/2007 ein aufrüttelnder Bericht zu Panschereien und sonstigen Betrügereien im Olivenölgeschäft. Ähnlich ergiebig wie das Kokain-Geschäft sei das Olivenölgeschäft, aber weit weniger risikobehaftet. Im Jahr 2011 hat er mit einem Buch zum Thema nachgelegt. Besprochen wurde das Buch sehr enthusiastisch im Guardian von Alex Renton, der auch eigene Erfahrungen mit einem Olivenöltest beiträgt. Der Titel des Buches (und der Rezension) lautete vieldeutig "Extra Virginity". Lesenswert sind auch einige der Online-Kommentare zu Rentons Buchbesprechung.

Was Mueller publiziert und Renton bespricht, stand von der Substanz her allerdings schon im Oktoberheft 2005 der Zeitschrift "test", unter dem Titel "Schmutziges Gold". Dort berichteten Prüfer von Geschmackserfahrungen wie "modrig, stichig, ranzig". Auf "unerlaubte Wärmebehandlung" und "kritische Weichmacher" wurde hingewiesen.

2011 erfolgte dann einen Neuauflage des Themas.
Da berichtete im Dezember "La Repubblica" über die "agromafia", die "mafia dell'olio". Etwa 80% des "Olio extra vergine" sei falsch oder irreführend deklariert. Zum einen handelte es sich oft nicht um diese Qualität, zum anderen stimmte häufig die Herkunftsangabe nicht oder es war kaum zu erkennen, dass das in Italien abgefüllte Öl aus anderen Quellen stammte, aus Spanien, Griechenland oder Tunesien.

Spiegel Online griff das Thema unmittelbar auf unter dem Titel "Die schmierigen Geschäfte der Olivenöl-Mafia". Billig-Öl werde verschnitten und zu teurer Premiumware umetikettiert. Minderwertiges, teilweise schimmeliges Öl werde "aufgehübscht" durch Chemikalieneinsatz. Bisweilen würden diese Panschprodukte auch als "Bio" vermarktet. Die Süddeutsche Zeitung nahm sich des Themas gleichfalls an und titelte "Ölkrise im deutschen Supermarkt".

Die Ölanbauländer verhindern bis in die Gegenwart eine ökologisch effektive und qualitätsorientierte Reform der EU-Olivenölverordnung, kritisiert Conrad Bölicke 2015. Anschaulich zeigt das Problem der Vergleich von Olivenölproduktion und Olivenölhandel in der Zeitschrift "Merum" 5/2007.
 

Extra Virginity (engl.):
http://www.guardian.co.uk

Schmutziges Gold (dt.):
https://www.test.de

La Mafia dell'Olio (it.):
http://inchieste.repubblica.it

Schmierige Geschäfte (dt.):
http://www.spiegel.de
 

Conrad Bölicke (dt.):
https://www.artefakten.net



UMWELTPROBLEME IM OLIVENANBAU


In einem Bericht des WWF  von 2001 finden sich differenzierte Anmerkungen zur EU-Förderpolitik im Olivenanbau aus Naturschutzsicht. Bemängelt werden vor allem die Vernichtung landschaftsprägender Olivenhaine, schlechtes Bodenmanagement und der überbordende Pestizideinsatz (insbesondere Herbizide, gelegentlich Insektizide). Insgesamt führe die Förderpolitik zu einem nicht-nachhaltigen Olivenanbau, so das Fazit des Berichtes.

Die Missstände hielten auch über 2001 hinaus an. 2010 kritisiert der WWF die Förderung der Wasserverschwendung, u.a. im Olivenanbau, durch die EU.

Ein Beitrag des Deutschlandfunkes von 2013 thematisiert die Probleme mit den Ausweitungen des Olivenanbaus weltweit.
Es geht dabei vor allem um den Wasserverbrauch und die Belastung durch die Abwässer, die beim Pressen nach dem 3-Phasen-Verfahren entstehen. Diese bringen Kläranlagen und Gewässer zum Kippen.

Gerade kleine Familienbetriebe in Israel und Palästina arbeiten mit dem problematischen 3-Phasen-Prozess, wobei die Oliven zerkleinert und mit Wasser vermischt werden. Das Gemisch wird so geschleudert, dass sich Wasser und Öl voneinander trennen. Es wird also nicht gepresst. Das entstehende Abwasser enthält v.a. Polyphenole, Bitterstoffe der Olive, die in hohen Konzentrationen bodenschädigend sind. Der SWR berichtet von einem Projekt an der Universität Koblenz-Landau, das untersucht, unter welchen Bedingungen die Abwässer auf die Olivenplantagen geleitet werden können, ohne negative Auswirkungen, eventuell gar mit Düngewirkung.

Da die meisten Olivensorten stabil gegen Schädlinge und Krankheiten sind und die Kosten für einen Pestizideinsatz sich kaum rechnen (schwierige Applikation bei hohen Bäumen, große Flächen), spielte der Pestizideinsatz in Olivenhaine lange eine untergeordnete Rolle. An Speiseoliven wurden in verschiedenen Tests, etwa von Öko-Test 2010, kaum Rückstände von Pestiziden gefunden. Problematische Substanzen gelangen vor allem bei Lagerung und Verarbeitung an die Oliven und ins Öl.


WWF: EU-Förderpolitik (dt. PDF):
http://assets.panda.org

Wasserverschwendung (dt.):
http://www.sueddeutsche.de

Ausdehnung des Olivenanbaus
(dt.):
http://www.deutschlandfunk.de

Abwasserproblematik (dt.):
http://www.swr.de

Pestizide (dt.)
http://www.fohrerolivenoel.de



OLIVENANBAU ALS POLITIKUM


Innerhalb der EU ist die Olivenanbauförderung einer der problematischsten Bereiche der Landwirtschaftsförderung. In regelmäßigen Abständen bemängelt der EU-Rechnungshof Subventionsbetrügereien im Bereich des Olivenanbaus. Der Höhepunkt war im Jahr 2000 erreicht, als der Rechnungshof in seinem Bericht von einem "erschreckenden Szenario von Betrug und Unregelmäßigkeiten zu Lasten des EU-Haushaltes" schrieb. 2014 musste Griechenland 260 Millionen Euro zurückzahlen, die 2003 bis 2005 zu viel an Olivenanbauförderung gezahlt wurden.

Der Olivenanbau findet in Mitgliedsstaaten statt, die im Korruptionswahrnehmungsindex unter den EU-Staaten ganz hinten stehen, wie Griechenland (69) und Italien (60), oder zumindest nicht gut platziert sind, wie Spanien (40) - Stand 2016. Allerdings führen auch strukturelle Probleme, von Lobbygruppen durchgesetzte problematische Förderrichtlinien und mangelnde Kontrolle zu den Missständen.

Anfang 2016 verabschiedete das EU-Parlament eine Erhöhung der zollfreien Einfuhr tunesischen Olivenöls für 2016 und 2017 um 35.000 Tonnen/Jahr - um die von islamistischen Anschlägen erschütterte Demokratie in Tunesien zu unterstützen, nachdem die Einnahmen im Tourismussektor eingebrochen waren. Italien, Griechenland und Spanien protestierten. Zuvor waren regulär 56.000 Tonnen/Jahr aus Tunesien zollfrei. Italien importiert jährlich über 200.000 Tonnen Olivenöl - überwiegend aus der EU. Türkisches Olivenöl darf seit 2013 zollfrei auf den europäischen Markt, ohne Beschränkung.

Auf dem "Transatlantikblog" wird 2008 eine kritische Materialsammlung zum "Olivenbaumkrieg" jüdischer Siedler in der Westbank gegen palästinensische Olivenhaine bereit gestellt. Die Seite enthält eine Chronik dieses "Krieges" und einen Videobeitrag von einer durch Soldaten gesicherten Olivenrodung für den Zaun zwischen israelischen und palästinensischen Gebieten. 2012 fasst "reliefweb" die weitere Entwicklung zusammen.


Subventionsbetrug (dt.):
https://www.berliner-zeitung.de

Korruptionswahrnehmungsindex (dt.):
http://www.laenderdaten.de

Zollfreies tunesisches Olivenöl (engl.):
https://www.oliveoiltimes.com

Transatlantikblog. Olivenbaumkrieg (dt.):
http://www.transatlantikblog.de

Reliefweb. Olivenbaumkrieg (engl.)
https://reliefweb.int



OLIVENHAINE DER KULTURGESCHICHTE


Ob Sokrates auch Olivenbäume meinte, als er einmal sagte "Bäume wollen mich nichts lehren" (Phaidros 230d), muss dahingestellt bleiben. Er sprach von "ta dendra" - zu denen Oliven im antiken Griechenland nicht gehörten. Das Gebiet der späteren Platonschen Akademie wurde von Sokrates gerne aufgesucht - und dort stand ein bedeutsamer "heiliger" Olivenhain, 423 v. Chr. von Aristophanes in den "Wolken" besungen. Dieser Bereich wurde ab 1930 überbaut, "der berühmte Olivenhain mit Platons Akademie und den botanischen Gärten verschwand", schreibt Regine Keller in "Re-Integrate Votanikos, Athens" zu ihrer Veranstaltung an der TU München im Wintersemester 2016/17.

Der bekannteste Olivenhain in der christlichen Kulturgeschichte ist der von Gethsemane (hebräisch für "Ölpresse"). Im Garten von Gethsemane verbrachte Christus der Legende nach die Nacht vor seiner Hinrichtung, dort wurde er von Judas verraten. Die genaue Lage des historischen Ortes ist nicht gewiss. Der heute den zahlreichen Touristen und Pilgern als "Gethsemane-Garten" präsentierte Ort bietet durchaus auch einige ehrwürdige Olivenbäume - die allerdings nicht aus biblischen Zeiten stammen, denn Titus ließ bei der Zerstörung Jerusalems 70 n.Chr. auch alle Ölbäume fällen.

Rudbar in der Region Gilan im Elburs-Gebirge, die "Stadt am Fluß", am Sefid Rud (Weißer Fluß), der unterhalb der Stadt ins Kaspische Meer mündet, verdankt seinen Ruf als Persiens "Olivenstadt" den zahlreichen Olivenhainen auf den Hängen rund um die Stadt. Olivenanbau ist hier seit dem 2. nachchristlichen Jahrhundert dokumentiert. Heute sind die Olivenhaine von Rudbar von besonderem Interesse zur Dokumentation und zum Erhalt des spezifischen Genbestandes der persischen Olivenvarietäten.

Aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ist ein Olivenhain im Distrikt San Isidro überliefert mit 2000 Olivenbäumen. Im Jahr 1821, dem Jahr der Unabhängigkeitserklärung Perus, ist dieser Bestand auf 3.000 Olivenbäume angewachsen. 1959 wurde der Hain, als "Parque El Olivar", zum Nationaldenkmal erklärt und vor Rodung für Neubaugebiete der Megapolis Lima geschützt. Eine wissenschaftliche Altersuntersuchung erbrachte für einen der Bäume ein Alter von ca. 374 Jahren.

In Kalifornien gibt es eine "Colony Olivenhain", in unmittelbarer Nachbarschaft zu Mexiko, an der heißen und trockenen Pazifikküste. Gegründet wurde sie 1884 von siebenundsechzig deutschsprachigen Siedlern, die dort Oliven anbauen wollten. Daraus wurde dann allerdings nichts. Heute leben etwa 1500 Familien in "Olivenhain", inzwischen ein Stadtteil von Encinitas. Dank moderner Bewässerung wächst Wein in "Olivenhain" und einige Olivenbäume gibt es auch. Im nahegelegen "Sylmar" ("Baumsee" - benannt nach den Olivenbeständen) standen einst die ältesten Olivenhaine Kaliforniens, aus franziskanischer Gründung, die zunächst für Luxuswohnsiedlungen reduziert, dann 2008 von desaströsen Waldbränden weitgehend eliminiert wurden.

Chinareisende stoßen früher oder später in einem Reiseführer auf den "Olivenhain von Menghan". Menghan heißt auch Ganlanba, was wörtlich übersetzt "Oliven-Damm" bedeutet. Wer etwas genauer nachschaut, wird sich wundern, wie im tropischen Regenwald Oliven gedeihen können. Die Erklärung ist, dass es sich bei den gemeinten Oliven nicht um Olea europaea handelt, sondern um Canarium album, der in Xishuangbanna gut gedeiht. Seine Früchte wurden im Chinesischen noch vor den Olea Oliven als "Gan3 Lan3" bezeichnet.


Platons Akademie (dt.):
http://www.lao.ar.tum.de

Gethsemane (dt.):
https://www.bibelwissenschaft.de

Olivengärten von Rudbar (dt.)
http://web.irankultur.com


Parque el Olivar (engl.)
https://www.oliveoiltimes.com

Colony Olivenhain und Sylmar (engl.):
https://www.olivenhain.org

Olivenhain von Menghan  (dt.):
http://www.china-guide.de



INFO-LINKS ZUM WETTER, WETTERPROGNOSEN


Den globalen Überblick zum Wetter und auch für Europa brauchbare Prognosen bietet das Klimaportal der NASA. Wer wissen möchte, was "Wetter" bedeutet und wie es untersucht und prognostiziert werden kann, wird hier fündig.

Das Wetterprognosemodell des ECMWF - "European Centre for Medium-Range Weather Forecasts" in Reading (UK) - ist Informationsquelle erster Wahl zur Früherkennung von Frost- und Sturmgefahren für Olivenanbauer innerhalb eines Fensters von zehn Tagen. Der Zugang (über Vorhersagen/Forecasts) ist seit dem Relaunch Mai 2014 etwas komplizierter geworden, mit älteren Browsern gibt es auch Probleme. Angeboten werden Karten/Charts mit Windstärken ("Wind 850 and mslp") und Temperaturvorhersagen ("Geopotential 500 hPa and Temperature at 850 hPa"). 850 hPa bedeuten etwa 1500 Meter über Meer. Quelle vieler Prognosedienste, interpretationsbedürftig für den Laien.

Die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) am U.S. Department of Commerce (sic!) bietet Langfristprognosen zu den Temperaturen und Niederschlägen in Europa (Mittelwert-Abweichungsprognosen). Für unsere Zwecke vor allem hilfreich ist in der Tabelle "Monthly mean spatial anomalies" die letzte Spalte "Europe T2m" (E1, E2, E3).

Brauchbar und für Laien lesbarer sind die Langfristprognosen von Michael Hoffmann auf der Basis von NOAA und ECMWF. Auch das Team von "Das Wetter" mit Hauptsitz in Spanien und 9 Länderredaktionen bringt verlässliche, wohltuend unaufgeregte und verständliche Langfristprognosen, auf der Basis von ECMWF.

Eine taugliche Klimazonenkarte Deutschland präsentiert die Homepage von "Garten pur". Mit sehr kundigen und differenzierten Ausführungen zur Winterhärte von Exoten in Grenzlagen wird hier eigenen Anbauversuchen eine solide Grundlage angeboten. Auch sonst ist das Gartenportal von Thomas Corzelius und Nina von Wahlberg empfehlenswert für die Pflege der GärtnerInnenLeidenschaften. Für Olivengärtner hilfreich ist zum Beispiel unter "Bäume, Sträucher" auch der Beitrag "Wann sind Gehölze bei uns heimisch?".

Sehr lehrreich sind die Klimatabellen weltweit, die Karl Itten zusammengetragen hat. Deren Studium kann dazu beitragen, den eigenen Standort realistisch im Blick auf seine Besonderheiten, Möglichkeiten und Perspektiven zu bewerten.

Im Winter sollten Exotengärtner auch regelmäßig beim Agrarwetter des Deutschen Wetterdienstes vorbeischauen. Auf dessen Internetseiten gibt es Angaben zu Bodentemperatur, Frosteindringtiefe, Bodenfeuchte und Phänologie. Vor allem für die Vermeidung von Wurzelschäden sind diese Daten wichtig! Erhellend ist insbesondere, wie wenig in der Regel in Weinbaugebieten der Frost in den Wurzelbereich eindringt. Die phänologischen Daten helfen, die Entwicklung der eigenen Pflanzen besser einzuschätzen.


NASA Wetterdaten (engl.):
http://science.nasa.gov

ECMWF (engl., frz., dt.):
http://www.ecmwf.int

NOAA Langfristprognosen (engl.)
http://www.cpc.ncep.noaa.gov

Michael Hoffmann Prognosen (dt.)
https://www.wetterprognose-wettervorhersage.de

Vorhersagen "Das Wetter" (dt.)
https://www.daswetter.com

Klimazonenkarte Deutschland (dt.):
http://www.garten-pur.de

Klimatabellen weltweit (dt.)
http://www.iten-online.ch

Agrarwetter (dt.):
http://www.dwd.de



KLIMAGESCHICHTE


Die Seite mit der GISS Surface Temperature Analysis (GISTEMP) des Goddard Institute for Space Studies der NASA bietet die üblicherweise zitierten relevanten Daten zur allgemeinen Erderwärmung mit historischen Verläufen und aktuellen Trends. Die Karten zeigen Abweichungen vom Mittelwert einer Referenzzeit ("Anomaly vs 1951-1980").

Der Deutsche Wetterdienst stellt vorzügliche Daten zur Klimageschichte und Klimaentwicklung insbesondere in Deutschland bereit unter "Klima und Umwelt". Besonders instruktiv sind der "Deutsche Klimaatlas" (Referenzzeitraum 1961-1990) unter "Klimawandel" und das Archiv mit den Datenreihen der angeschlossenen Wetterstationen.

Die meines Wissens umfangreichste Sammlung von Tabellen, Grafiken, Rekonstruktionen zur Klimageschichte im Netz hat der Biologielehrer Ernst-Georg Beck (1948-2010), Kritiker der Auffassung einer überwiegend anthropogenen Klimaerwärmung, zusammengetragen. Nach seinem Tod wurde seine Seite geschlossen. Auf der Seite von EIKE (Europäisches Institut für Klima & Energie) sind Teile davon veröffentlicht (suchen unter Ernst-Georg Beck).

Ein Meer an Daten bietet die "Historische Klimadatenbank" HISKLID, aufgebaut und betreut an der Universität Freiburg seit 1997, initiiert durch Rüdiger Glaser, den Autor der "Klimageschichte Mitteleuropas". Hier werden im weitesten Sinne kulturgeschichtlich überlieferte Daten zu extremen Klima-/Wetterereignissen gesammelt. Zugang über Schlagworte, Zeiträume, Regionen. Sehr komplex, nicht auf Anhieb zugänglich, für den wissenschaftlichen Gebrauch.

Die italienische Wikipedia führt ein interessantes Verzeichnis der strengen Winter in Europa seit dem 15. Jahrhundert, "Inverni freddi in Europa". Schwerpunkte sind dabei die Ereignisse in Italien, mit einer besonderen Bedeutung für den Olivenanbau.

Meteorologische Karten und ausführliche Deutungen zu den europäischen Extremfrostereignissen 1929, 1956 (Februar bei Karlsruhe 25 Tage zweistellige Minustemperaturen bis -21,8), 1985 (Jan/Feb bei KA 22 Tage zweistellig bis -15,3) und 2012 (Feb bei KA 11 Tage zweistellig bis -15, 9) bietet eine weitere nützliche Seite aus Italien, von Alessio Grosso auf "Meteo Live". Nach hinten ließe sich die Liste ergänzen durch den Winter 1900/01 mit seinen über mehrere Wintermonate verteilten extremen Tiefsttemperaturen (bis -17,2 bei KA). Nach vorne sind zu erwähnen der frostige Januar 2017 bis -12 bei KA (5 Tage zweistellig Minus), der Februar 2018 gleichfalls bis -12 (2 Tage zweistellig Minus) und der Februar 2021 mit -15,6 (4 Tage zweistellig Minus)!


GISTEMP (engl.)
http://data.giss.nasa.gov

Deutscher Wetterdienst (dt.):
http://www.dwd.de

EIKE (dt.):
http://www.eike-klima-energie.eu

HISKLID (dt., engl., frz., pl., ru., chin.)
https://www.tambora.org

Strenge Winter in Europa seit 1454 (it.)
https://it.wikipedia.org

Meteorologische Daten zu 1929, 1956, 1985 und 2012 (it.):
https://www.meteolive.it



KLIMA- UND WETTERENTWICKLUNG


Der "Regionale Klimaatlas Deutschland" der Helmholtz-Gemeinschaft widmet sich den Feinprognosen zur Klimaentwicklung in Deutschland. Für potentielle Olivenanbauer und Pflanzenexotenfreunde können diese unterstützend hilfreich sein zur langfristigen Bewertung des eigenen Standortes und für die Risikoabwägung.

Eine Seite des Umweltbundesamtes liefert weitergehende spezielle Informationen zur Klimaentwicklung in Baden-Württemberg, dessen Rhein-Region neben der Kölner Bucht (NRW) und einigen Regionen in Rheinland-Pfalz (Mosel, Randlagen der Rheinebene) in Deutschland am ehesten für Olivenhainexperimente geeignet ist.

Als Grundlage für meine eigenen lokalen mittel- bis langfristigen Klimaeinschätzungen benutze ich die Datenreihe zum Wetter in Karlsruhe unter "www.klimadiagramme.de". Die Wetterstation Karlsruhe wurde 1876 eingerichtet, gemeinsam mit Berlin-Dahlem. Temperaturdaten wurden in Karlsruhe seit 1799 erfasst. Älter ist lediglich die Bergwetterwarte Hohenpeißenberg, 1781 als erste weltweit eingerichtet. Auf "www.klimadiagramme.de" finden sich auch Daten für andere Regionen in Deutschland. Die äußerst nützliche Seite "Klimadiagramme" wird von Bernhard Mühr/Karlsruhe betreut, Autor auch des "Karlsruher Wolkenatlas".

Für Werte seit Ende 2008 orientiere ich mich an den Daten der Wetterstation Rheinstetten/DWD. Einen Rückblick auf die Temperaturen und Niederschlagsmengen der jeweils letzten 48 Stunden/72 Stunden/7 Tage/30 Tage/365 Tage bietet "www.wetter.com" (vollgepackt mit Werbung, aber tauglich) - jeweils spezifisch für eine ausgewählte Station, also zunächst den Ort wählen, dann "Rückblick".

Ohne Werbung und umfangreicher liefert für meine Region das Institut für Meteorologie und Klimaforschung der Uni Karlsruhe/KIT anschaulich aufbereitete Wetterdaten vom Segelflugplatz Rheinstetten (nicht identisch mit der Wetterstation Rheinstetten des DWD), für einen Zeitraum von 180 Tagen.


Regionaler Klimaatlas (dt.):
http://www.regionaler-klimaatlas.de

Klimaentwicklung in Baden-Württemberg (dt.):
http://www.umweltbundesamt.de

Datenreihe Karlsruhe 1876 bis 2007 (dt.):
http://www.klimadiagramme.de

Daten der Wetterstation Rheinstetten seit Winter 2008/09 (dt.):
http://www.klimadiagramme.de

Rückblicke (dt.)
http://www.wetter.com

Rückblick Segelflugplatz Rheinstetten (dt.)
http://imk-tro.kit.edu/7753.php



KLIMAWANDEL UND OLIVENANBAU


"Oliven am Matterhorn" prophezeit der "Spiegel" bereits am 18.11.1991 mit Bezug auf Untersuchungen von David Pitt und Sten Nilsson. Danach werde sich in den Alpen noch über die einschlägig schon bekannten Regionen (Tessin, Südtirol) hinaus ein Mittelmeerklima ausbilden, mit milden Wintern, langen Trockenzeiten und heftigen Regengüssen - "wie in den Pyrenäen". Damit könne sich der Olivenanbau bis in die Nähe des Matterhorns bewegen. "Die Welt" titelt im Februar 2015 "Italien produziert Oliven jetzt in eisigen Höhen" - im Veltlin/Valtellina. Ich möchte ergänzen: Dass am Aletschgletscher im Mittelalter Kirschbäume wuchsen, ist inzwischen allgemein bekannt.

Mit den Einflüssen des Klimawandels auf den Olivenanbau vor allem in Italien beschäftigt sich ein Beitrag auf der Seite "Science Guide". Bekanntlich sei der Mittelmeerraum ein "Hotspot" des Klimawandels. Gefürchtet wird unter anderem ein Anstieg der Olivenfliegen-Populationen. Der Beitrag geht darüber hinaus allgemein auf sich ändernde Bedingungen für die Landwirtschaft durch die Erwärmung ein, insbesondere auf die zunehmenden Probleme mit der Wasserversorgung, Versalzung der Böden durch Bewässerung, Versalzung des Grundwassers an den Küsten durch Abpumpen des Süßwassers, erodierende Starkregenfälle. Für den Weinbau wird ein Qualitätsverlust durch höhere Süße befürchtet. Auch das Aromenspektrum der Oliven dürfte sich verändern.

Ein Team am Centro Ricerche Casaccia in Rom um den Agronomen Luigi Ponti hat sich mit dem Einfluss des Klimawandels auf den Olivenanbau im Mittelmeerraum insgesamt beschäftigt. Das Team kommt im Blick auf die Olivenfliege zu einer differenzierteren Bewertung. Danach würde sich deren Bestand durch Klimaeffekte insgesamt verringern - mit massiver Abnahme etwa in Nordafrika und einer Zunahme im Mittleren Osten. Prognosezeitraum ist die Periode 2041-2050, Referenzzeitraum 1961-1970. Zur Untersuchung am Centro Ricerche Casaccia gibt es auch einen Beitrag in "Bild der Wissenschaft" auf Deutsch.

Von der anderen Seite nähern sich Projekte der Thematik, die den Olivenanbau als Werkzeug zur positiven Klimagestaltung untersuchen und entwickeln. Dazu gehören Projekte gegen Desertifikation, wie sie vor allem in Indien und Pakistan entwickelt werden (siehe rechte Spalte unter diesen Ländern). In Griechenland wurde 2012 bis 2017 ein Projekt zum "Climate Management" durch Olivenanbau durchgeführt, das "oLIVE CLIMA" Projekt.


Oliven am Matterhorn (dt.):
http://www.spiegel.de

Oliven in eisigen Höhen (dt.):
https://www.welt.de

Klimawandel auf der Olivenplantage (dt.):
http://www.science-guide.eu

Klimawandel und Olivenanbau (engl.)
http://www.pnas.org

Klimawandel und Olivenanbau (dt.)
http://www.wissenschaft.de

oLIVE CLIMA (engl.)
http://ec.europa.eu



ZÜCHTUNGEN ZUR KLIMAANPASSUNG



In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden zunächst in Europa, dann weltweit verschiedene Institutionen und Vereine gegründet, deren Ziel die Akklimatisierung von Tieren und Nutzpflanzen war. Erste Gründung war die französische Société Zoologique d‘Acclimatation 1854 in Paris. Ihr folgten 1856 und 1859 zwei Einrichtungen in Deutschland und 1860 zwei Einrichtungen im Vereinigten Königreich, in London und Glasgow. Zunächst standen diese Einrichtungen im Kontext zoologischer Gärten und konzentrierten sich auf die Tierwelt. Doch mit den deutschen und britischen Gründungen trat der Nutzpflanzenanbau (auch im kolonialen Austausch) in den Vordergrund.

Im 19. Jahrhundert war der Botanische Garten von Nikita auf der Krim spezialisiert auf die Züchtung froststabiler Sorten, die bis -15 Grad ertrugen. Diese wurden auch in den Mittelmeerraum exportiert, nach Italien, Frankreich und Spanien: "Дело дошло до того, что „крымские вариететы“ оливкового дерева, обладающие свойством переносить морозы до –15°С, начали закупать Италия, Франция, Испания, где местные изнеженные сорта часто вымерзали." Wie es scheint, finden sich unmittelbare Folgen davon noch in der französischen Sorte Aglandaou, die in den OLEA Databases auch als "Nikitskaya 7" bekannt ist.

In der Sowjetunion entwickelte sich eine agrarisch teilweise hocheffiziente, durch den Lyssenkoismus aber auch oft katastrophale Züchtungstradition zum Austausch und zur Ausbreitung nützlicher Pflanzen innerhalb des Reiches. Verbunden ist dies vor allem mit Iwan Wladimirowitsch Mitschurin (1855-1935). Er bemühte sich bereits im Zarismus, weitgehend ohne Anerkennung, um die Züchtung frostresistenter Obstbaumsorten. Als Pädagoge setzte er sich für die Einrichtung von Schulgärten ein. Durch seine wissenschaftlichen Irrtümer bereitete er allerdings auch die problematische Karriere seines Schülers und Mitarbeiters Trofim Lyssenko vor. Ein Beitrag aus der Berliner Zeitung von 2009 (Autor: Erhard Weinholz) stellt dies gut informiert dar.

In der Sahara wuchsen 8000 bis 4000 vor Christus Oliven, deren genetisches Erbe sich in Restvorkommen erhalten hat, die unter extem ariden Bedingungen existieren können. Um die Bewahrung ihres Genbestandes kümmern sich insbesondere französische Forscher am IRD (Institut de Recherche pour le Développement).


Europäische Akklimatisierungsvereine (dt.)
http://www.europa.clio-online.de

Botanischer Garten von Nikita (ru.)
http://nikitasad.ru

Mitschurin und Lyssenko (dt.)
https://www.berliner-zeitung.de

Oliven der Sahara (engl., frz., sp.)
https://en.ird.fr



ANBAU-ALTERNATIVEN
 


Die naheliegende Alternative zum EU-finanzierten agroindustriellen Olivenanbau in großflächigen Anlagen mit kurzer Umtriebszeit ist der traditionelle Anbau. Eine Seite zu tunesischem Olivenöl von "Perle noire" feiert diesen Anbau mit guten Gründen als "biologisch und nachhaltig". Allerdings kann dieser Anbau bestehen, wenn moderne Erkenntnisse und Hilfsmittel, insbesondere zu Ernte, Transport und Verarbeitung, eingesetzt werden. Denn der beste Anbau nützt nichts, wenn die Oliven falsch geerntet oder beim Transport ranzig werden.

Auch wenn der Verdacht nahe liegt, dass ich mit dem Permakulturansatz von Sepp Holzer sympathisiere (siehe zu diesem Ansatz etwa den Brandeins-Beitrag über Zitronenbäume in den Alpen, "Der Paradieswächter", Heft 6/2009): Mir liegen bescheidenere Permakulturprojekte näher am Herzen, wie sie sich auf den Seiten des Vereins "Permakultur Austria" präsentieren. Gut gefällt mir auch das Hortus-Projekt von Markus Gastl in Ostbayern. Was Permakultur in Regionen mit Subsistenzwirtschaft positiv bewirken kann, zeigt ein Beitrag von "oya" mit Beispielen aus dem südöstlichen Afrika.

Wichtig ist für mich weiters der Ansatz von "Slow Food" - die kluge und zukunftsweisende Verbindung von Ökologie, Nahrungsmittelproduktion, Esskultur und Politik. Auf der Seite des internationalen Verbandes findet sich eine Weltkarte mit Links zu nationalen Seiten. Darunter punktet die Homepage der deutschen Sektion mit Beiträgen unter anderem zur EU-Agrarpolitik und zu SF-Projekten unter dem Themenfeld "Biokulturelle Vielfalt". Bei den "Publikationen" besonders beachtenswert sind die "Positionspapiere", etwa zur Agrarpolitik.

Vom "Parco Tecnologico Agroalimentare Dell'Umbria" stammt eine inspirierende Seite zur Mischkultur im Olivenhain mit Wildspargel und "Pollo rustico". Dazu gibt es als Download auch ein "Manuale" - und das ist hier ganz wörtlich zu nehmen, die Publikation geht in die Details der Anlage und der Hühnerhaltung, mit Bedarfs- und Kostenanalysen, und bietet konkrete Produktvorschläge.


Biologischer und nachhaltiger Anbau (dt.)
http://www.perlenoire.de

Permakultur Austria (dt.):
http://www.permakultur.net

Hortus-Projekt zur Permakultur (dt.)
http://hortus-insectorum.de

Permakultur in Afrika (dt.)
http://www.oya-online.de

Slow Food (engl.):
http://www.slowfood.com

Projekt Mischkultur (it.):
https://www.innovarurale.it

Handbuch Mischkultur (PDF it.)
http://www.bachetoni.it



OLIVENHAIN UND SELBSTVERWIRKLICHUNG
 


In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts war es das Weingut in der Toskana, das dem deutschen Wohlstandsbürgertum Genuss, Lebenssinn und Geborgenheit jenseits von Glykolskandal und Tennisplatz versprach. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Weinbau unerwartet viel Arbeit bedeutet und regelmäßiger Weinkonsum nur eine besonders gepflegte Form von Alkoholismus ist. Die besondere landwirtschaftliche Aufmerksamkeit betuchter Sinnsucher gilt nun dem Olivenhain. Der macht erstens weniger Arbeit (bzw. mehr davon lässt sich delegieren) und sein flüssiges Endprodukt ist zweitens gesünder. Der Theaterregisseur Peter Stein ist der wohl bekannteste spätberufene Olivenbauer aus Deutschland.

"Neulich im Olivenhain" betitelt die Süddeutsche Zeitung einen Bericht über den erfolgreichen Schweizer Autor Martin Suter. Darin geht es, ganz unaufgeregt, um ein gelingendes Leben. Und ein Olivenhain auf Ibiza spielt darin eine bedeutsame Rolle. Der den Olivenhain betreibt, muss davon nicht leben. Aber er lebt besser dadurch und trägt dazu bei, dass andere durch den Hain auch ein wenig besser leben können.

In homöopatischen Dosierungen gibt es den Olivenhain auch als einzelnen Baum. Die Oliven-Enthusiasten von "arteFakt" bieten Olivenbaumpatenschaften für den Erhalt historischer Olivenhaine auf Kreta und in Apulien. Näher am individuellen Egoismus sind die Patenschaftsangebote von "Olivenland". Sie versprechen besseres Öl vom eigenen Olivenbaum, "Ars Vivendi - die Kunst das Leben zu genießen - ist die Botschaft des Olivenbaums" heißt es auf der Website des Unternehmens. Ähnliches wird auch von anderen Unternehmen angeboten.

Meditations-, Yoga- und Taiji-Kurse finden gerne in einem Olivenhain statt. "Kraftvoll wie das Meer - Still wie der Olivenhain", "Wir träumen uns in einen Olivenhain" - Sätze wie diese sind in einschlägigen Programmen und Angeboten zu lesen. Eine schnelllebige Luxusgesellschaft schätzt an diesem Baum seine ausdauernde Zähigkeit unter kargen Bedingungen. Sein immergrünes Laub scheint dem Kreislauf von Geburt und Tod enthoben zu sein. Eine brauchbare und liebenswerte, gelegentlich mit Nachsicht zu lesende, Zusammenfassung zur Symbolik des Olivenbaums, mit Zitaten aus unterschiedlichen Zeiten und von unterschiedlichsten Autoren, bietet die Seite der Olivenölmacher Joachim Trott und Vasilis Thomopoulos, "Lakonikos".


Neulich im Olivenhain (dt.):
http://sz-magazin.sueddeutsche.de

Olivenbaumpatenschaften arteFakt (dt.):
http://www.artefakt-stifterfonds.de

Olivenbaumpatenschaften Olivenland (dt.):
https://www.olivenland.de

Symbolik, Zitate (dt.):
http://www.lakonikos.de



STREUOBSTWIESEN


Eine Tagung an der Uni Hohenheim widmete sich 2010 dem Erhalt von Streuobstwiesen unter dem hübschen Titel "Schwäbische Olivenhaine". Erstaunlicherweise wurde dort davon gesprochen, dass Streuobstwiesen in Deutschland am Verschwinden seien, während ihre Oliven-Pendants in Südeuropa erhalten blieben.

Dabei hätte man auch 2010 durchaus schon wissen können, dass jene traditionellen Olivenhaine im Mittelmeerraum, die den Streuobstwiesen entsprechen, bereits großflächig verschwunden waren oder doch massiv bedroht. Und zwar zum einen durch Baumaßnahmen und die Preisgabe der Bewirtschaftung. Vorrangig aber durch eine schlechte Landwirtschaftspolitik der EU, die einseitig auf die Steigerung der Produktionsmengen setzte und wirtschaftlich starken Lobbygruppen folgte.

Streuobstwiesen in Deutschland sind durch ähnliche Mechanismen bedroht bzw. teilweise schon großflächig verdrängt. Allerdings wurden sie selten durch großflächige Ertragsanlagen mit Obst ersetzt, sondern in der Regel durch Neubaugebiete, Umgehungsstraßen und Maisäcker - oder durch pflegeleichte Mähwiesen. In NRW sind die Streuobstwiesenflächen nach 1945 auf etwa 25% geschrumpft. Die im Jahr 2016 vereinbarten Schutzmaßnahmen der "Allianz für Streuobstwiesen" von Landesregierung, Bauernverbänden und Naturschützern wurden vom BUND NRW als unwirksam kritisiert, daher unterzeichnete er die Vereinbarung nicht. Der Kern seiner für NRW vorgetragene Kritik gilt cum grano salis auch in anderen Bundesländern.

Unter den Prämissen der Klimaveränderung könnten neue Obstsorten oder eben auch Olivenbäume langfristig eine bedeutsame Rolle spielen. Bislang beschränken sich Klimawandelüberlegungen von amtlichen Streuobstwiesenpflegern allerdings auf Warnungen vor der Kirschessigfliege und anderen Schädlingen. Naturschutzverbände fokussieren auf die Förderung des tradierten Pflanzenbestandes und der damit verbundenen Arteninventare. Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung in Berlin weist im Kontext einer "ökonomischen Bewertung von klimaoptimierten Landnutzungsstrategien" auf den positiven Beitrag von Streuobstwiesen zur Klimaanpassung hin, etwa durch Erosionsschutz und die Prävention gegen lokale Extremwetterereignissen.


Streuobstwiesen (dt.):
https://www.uni-hohenheim.de

BUND kritisiert Streuobstwiesenpolitik (dt.)
http://www.bund-dueren.de

Streuobstwiesen und Klimawandel (PDF dt.):
https://www.bfn.de



WIESENPFLEGE


Egal ob man nun alte Apfelsorten pflegen möchte oder angesichts der Klimaerwärmung mit Obstsorten experimentieren, die bislang bei uns noch nicht eingebürgert sind, wie Kaki, Paw Paw, chinesischer Dattel oder eben Oliven: eine ökologisch wertvolle Wiese unter diesen Bäumen benötigt die gleiche besondere Aufmerksamkeit. Aus substantiellen ökologischen Gründen sollte man hier auf Experimente mit Exoten oder das Ausbringen von "bunten Wiesenmischungen" verzichten.

Eine Seite der Obstbauberatung Baden-Württemberg widmet sich ausführlich der Wiesenpflege und dem Grasschnitt. Zunächst geht sie auf das Problem der Sukzession, der urwüchsig folgenden Verbuschung bei fehlender Wiesenpflege ein. Für den Wiesenschnitt wird sowohl auf die Ökonomie der Bewirtschaftung wie die Ökologie eingegangen. Als eine Zeilsetzung, die den Prinzipien der Permakultur entspricht, wird das Zusammenspiel von Ausmagern der Flächen zwischen den Bäumen und Nährstoffversorgung um die Bäume durch Mähgutentnahme einerseits, Mulchanlage andererseits vorgestellt. Wichtige Hinweise gibt es auch zur Kontrolle der Mäusepopulationen durch das Mahd-/Mulchregime.

Neophyteneintrag ist auf der Wiese unbedingt zu verhindern und ein eventueller Bestand zu kontrollieren, wo möglich zu entfernen. Während Obstexoten sich aufgrund ihrer Pflegeansprüche nicht invasiv vermehren können, sieht dies bei Wiesenpflanzen ganz anders aus. Von Imkern, Jägern und Gärtnern wurden in der Vergangenheit etwa die Kanadische Goldrute und der Japanknöterich in die Landschaft ausgebracht - Pflanzen, die teilweise zur ernsthaften Bedrohung wertvoller Ökosystem werden. Weshalb sie in der Schweiz schon einer strengen Kontrolle unterliegen.

Eine Wohltat für die Wiese um die Olivenbäume und das beste Workout für Brust und Schultern ist bei richtiger Handhabung das Mähen mit der Sense. Da kann kein Fitness-Studio mithalten. Eine vorbildliche Technik wird unter anderem von Sensen-Großmeister Peter Vido vermittelt: Mit der Sense tanzen. Seine Beispiele und viele andere nützliche Vorbilder und Tipps enthält die Seite von "Scythe Connection".

Zur Pflege von Streuobstwiesen gehört auch das Reizthema "Schermaus". Schermäuse sind vor allem ein Problem bei Neupflanzungen. Doch sie können durchaus auch ältere Pflanzen noch durch Wurzelfraß zerstören. Andererseits sind sie auch Teil der Biodiversität und wenn ich hier einen Link aus dem "Bundesprogramm Ökologischer Landbau" nenne, möchte ich nicht zu einem Ausrottungsfeldzug auffordern, sondern zu abwägendem Verhalten, das auch Maßnahmen der Wiesenpflege umfasst.


Grasschnitt (dt.):
http://www.vbogl.de

Neophyten (dt., frz., it., engl.):
https://www.infoflora.ch

Sensenschule (engl.):
http://www.scytheconnection.com

Wühlmäuse (PDF dt.):
http://www.biozid.info



SORTENWAHL UND BAUMPFLEGE


Für die Nutzer einer Streuobstwiese steht in der Regel der Obstbaumbestand im Vordergrund, nicht der Rasen. Und beim Obstbestand liegt der Akzent auf altbewährten Obstarten wie Äpfeln und Birnen, und darunter wiederum auf traditionsreichen, möglichst standorttypischen Sorten, deren Genbestand mit gepflegt und erhalten werden soll. Das möchte ich hier auch keinesfalls unterlaufen! Meine Anregungen zielen darauf, bei Neuanlagen auch mal interessante Exoten ins Auge zu fassen. Vergessen wir nicht, auch die Walnuss oder der Pfirsich waren vor nicht allzu langer Zeit Exoten!

Zunächst aber zu den traditionellen Arten und Sorten. Hierzu gibt es das Apfelsortenverzeichnis Brogdale (1971 Sorten), mit Internetlinks zur "National Fruit Collection" an der University of Reading aufgearbeitet von Willi Hennebrüder, zur Verfügung gestellt vom Pomologen-Verein Deutschland. Für herkömmliche Birnensorten nützlich ist ein Verzeichnis aus Niederösterreich von der "Arche Noah", zugänglich gemacht von "Austria-Forum" und "Servus TV".

Eine Broschüre der Beratungsstelle für Obst- und Gartenbau im Landkreis Ludwigsburg geht immerhin schon 2004 so weit, auch Kiwi, Maulbeere und Feige aufzunehmen in eine Sortenliste für Streuobstwiesen und Hausgarten.

Der Landesbund für Vogelschutz Bayern hat einen praxisorientieren Arbeitskalender für die Pflege von Streuobstwiesen zusammengestellt, mit dem Schwerpunkt Baumpflege. Er ist stichwortartig nach Jahreszeiten gegliedert. Daneben gibt es über die Menüleiste Zugang zu weiteren knapp gehaltenen Informationen über die Geschichte und zur Anlage und Pflege von Streuobstbeständen.

Der NABU bietet überaus differenzierte Handreichungen zur Sortenwahl, zur Baumpflege allgemein und zum Baumschnitt.

Der Freundeskreis des Botanischen Gartens Aachen stellt im Rahmen seines Arbeitsprogramms für Ökologie und Umweltkommunikation "BIOZAC" (Biokybernetisches Zentrum Aachen) wertvolle Erfahrungen zur Pflege der Obstbestände auf Streuobstwiesen zur Verfügung.


Apfelsorten (dt./engl.):
https://www.pomologen-verein.de

Birnensorten (dt.):
https://austria-forum.org

Obst inkl. Exoten (PDF dt.):
http://www.landkreis-ludwigsburg.de

Arbeitskalender Streuobstwiese (dt.):
http://praxistipps.lbv.de

NABU Streuobstbestandsaufbau und Pflege (dt.):
https://www.nabu.de

Pflege Obstbäume (dt.):
http://www.biozac.de



FLORA VON STREUOBSTWIESEN



Die "Pflanzenwelt des Landkreises Karlsruhe" haben Michael Hassler, Ulrike Hassler und Bernd Schmitt verdienstvoll zusammengetragen, aufbereitet und ins Netz gestellt. 2072 Taxa/Arten mit den wichtigsten Merkmalen zur Bestimmung, zur Ökologie und zur Verbreitung werden textlich und auf 6059 Bildern vorgestellt (Stand 2017). Da der Landkreis Karlsruhe auch durch (massiv bedrohte) Streuobstwiesen wesentlich mitgeprägt ist, findet der Streuobstwiesenpfleger hier wertvolle Angaben und Hinweise. Hilfreich nicht nur für die Region Karlsruhe.

Detailreiche Informationen zu Standortansprüchen und zur sonstigen Ökologie von Orchideen in der Fränkischen Schweiz (Ehrenbürg) präsentieren Adolf Riechelmann und Adolf Zirnsack auf ihrer Website. Alle verfügbaren historischen Quellen wurden von den Autoren nach eigenen Angaben ausgewertet. Lesenswert (und betrüblich) sind auch die Ausführungen zur Gefährdung der Orchideen durch Freizeitansprüche. Leider fehlt ein kritischer Hinweis auf Orchideenfotografen, die mit Kameraausrüstung behängt drei Orchideen niedertreten um eine zu fotografieren.

Über Orchideen in Rheinland-Pfalz informiert der NABU Rheinland-Pfalz. Der ursprüngliche Hinweise auf einen bestimmten Standort wurde inzwischen herausgenommen. Stattdessen wird allgemein hingewiesen auf die Standorte Wälder mit kalkreichen Böden, Feuchtwiesen und Trockenwiesen. Trockene Streuobstwiesen und kalkreiche Streuobststandorte kommen daher auch in Frage. Hier sind die Ausführungen zur Orchideengefährdung etwas breiter, eingegangen wird auch auf die Verdrängung durch intensive forstliche Waldbewirtschaftung. Aber auch hier fehlt der Hinweis auf schädigendes Verhalten von Orchideenfotografen (überwiegend ein Männerhobby - Analogien zum Lied "Heidenröslein" kommen in den Sinn).

Wichtig sind Wiesenpflanzen auch als Indikatoren für die Bodenbeschaffenheit. Dazu hat "Der Bio-Gärtner" auf seiner Website ein wertvolles Zeigerpflanzen-Verzeichnis eingestellt.

Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora bietet umfassende, wissenschaftlich basierte Informationen zum Pflanzenbestand der Schweiz, eine "Flora Helvetica" online. Im Aufbau (2017), nicht durchgängig in allen vier angegebenen Sprachen. Unbedingt lohnend, sollte man im Auge behalten - auch wenn die "Flora Helvetica" schon im Bücherschrank steht!


Pflanzenwelt des Landkreises Karlsruhe (dt.):
http://worldplants.webarchiv.kit.edu

Orchideen in Franken (dt.):
http://www.orchideen.walberla.de

Orchideen in Rheinland-Pfalz (dt.):
http://rlp.nabu.de

Zeigerpflanzen (dt.)
http://www.bio-gaertner.de

Flora Helvetica (dt., frz., it., engl.):
https://www.infoflora.ch



FAUNA VON STREUOBSTWIESEN



Ein herausragendes Portal zu Schmetterlingen sowie ihren Raupen und Puppen stellt der BUND bereit, koordiniert von Walter Schön. Mit mehr als 800 Artenportraits und Hilfen zur Raupenbestimmung. Zahlreiche hochwertige Abbildungen machen das Angebot auch für Laien interessant und nützlich. 160 Tagfalter und einige Nachtfalter Bayerns finden sich auf einem reichhaltigen Bilderangebot von Markus Schwibinger, das auch Hinweise auf förderliche Bedingungen für Schmetterlinge und ihre Raupen gibt und die Gefährdungen durch Siedlungsbau, Forst- und Landwirtschaft deutlich anspricht. Interessant auch seine sonstigen Bildersammlungen, insbesondere zu Heuschrecken und Libellen.

Umfangreiche Informationen zur Wildbienen-Biologie, Bestimmungshilfen für Wildbienen und Hummeln, Artenportraits und sehr hilfreiche, differenzierte Angaben zu Schutzmaßnahmen (auf das Insektenhotel klicken) stellt die Seite "Wildbienen.de" von Hans-Jürgen Martin bereit. Mit hervorragenden Fotografien!

Ameisen sind schwer zu bestimmen. Klare Bestimmungsmerkmale wie Farb- oder Formbesonderheiten sind rar. Für einen ersten Überblick gibt es eine verdienstvolle Zusammenstellung einheimischer und neu eingewanderter Ameisenarten von einer Seite zur Schädlingsbekämpfung im Haus. Wer sich weiter einarbeiten möchte, ist mit dem Buch "Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas" von Bernhard Seifert gut beraten.

Obgleich meine Wiese vom nächsten Teich einiges entfernt liegt, kommen immer wieder mal Libellen vorbei. Und als ich nach einer hilfreichen Bestimmungsseite suchte, stieß ich auf die liebenswerte Libellen-Homepage von Dirk Pape-Lange und Barbara Bargmann. Sehr anspruchvoll gemacht ist auch der Libellenvergleich zur Bestimmungsunterstützung.

Vögel finden auf Streuobstwiesen günstige Lebensbedingungen. Allerdings nur, wenn auf Biozide verzichtet wird. Das einschlägige Artenspektrum auf Streuobstwiesen ist äußerst breit und umfasst zahlreiche bedrohte bis extrem bedrohte Arten, von Körnerfressern wie dem Ortolan über Insektenjäger wie dem Neuntöter bis hin zum kleinsäugerjagenden Steinkauz. 64 Arten wurden in einem Langzeitprojekt von Remco Nöhren in Bassum-Eschenhausen erfasst. Beispielhaft im Aufbau unter den im Internet zugänglichen Artenlisten ist das leider noch sehr lückenhafte Vogelverzeichnis NRW, zusammengestellt von Axel Steiner.


Schmetterlinge (dt.):
http://www.schmetterling-raupe.de

Tagschmetterlinge (dt.):
http://www.tagschmetterlinge.de/

Wildbienen und Hummeln (dt.):
http://www.wildbienen.de

Ameisen (dt.):
http://www.rentokil.de

Libellen (dt.)
http://www.libellen.tv

Vögel (dt.):
https://www.natur-in-nrw.de



INTERAKTION VON FLORA UND FAUNA



Über 5000 Tier- und Pflanzenarten leben auf Streuobstwiesen. Ein spannendes und "weites" Feld für Obstbauern ist dabei die Interaktion von Flora und Fauna. Die öffentliche Aufmerksamkeite für das Bienensterben und den dramatischen Rückgang der Insektenpopulationen insgesamt hat ins allgemeine Bewußtsein gerückt, welche Bedeutung etwa Insekten als Bestäuber und Vogelnahrung haben, ökologisch aber auch wirtschaftlich.

Nützliche Informationen zu Pflanzen, die als Bienenweiden besonders geeignet sind, mit Angaben zur Wertigkeit als Pollen- bzw. Nektarspender liefert das in drei Gruppen (Gehölze, Ausdauernde Kräuter/Stauden, 1-2-Jährige) alphabetisch (nach den lateinischen Bezeichnungen) geordnete Verzeichnis von Thomas Lamp. Mit zahlreichen weiteren Tabellen und Angaben zum Themenbereich Gartenbau, etwa über Pflanzendüfte und Rindenbeschaffenheiten.

Wissenschaftlich tiefer geht der äußerst differenzierte und verdienstvolle Bienenweidepflanzenkatalog vom Ministerium für Ländlichen Raum Baden-Württemberg. Zugänglich über die deutschen und lateinischen Pflanzennamen, über Blüatezeit, Blütenfarbe und weitere Parameter. Da Imker auch für einige Neophytenproblematiken mitverantwortlich sind, wird auf diese Thematik auch eingegangen. Invasive Neophythen sind im Verzeichnis nicht enthalten.

Auf einer Unterseite von "Tier und Natur" gibt es ein schön gemachtes, umfangreiches Verzeichnis von Blütenpflanzen, die den Nektar- und Pollensammlern nützen. Die Hauptseite beschäftigt sich darüber hinaus auch mit Vogelschutz, warnt etwa vor naturferner Winterfütterung und plädiert für den Erhalt bzw. den Aufbau naturnaher Lebensräume für Vögel.

Vögel sind zur Schädlingskontrolle auf einer Obstwiese auch von unmittelbar praktischer Bedeutung - unabhängig von ästhetischen oder ethischen Überlegungen und Einstellungen. Geeignete Strukturen schaffen Futter-, Nist- und Aufenthaltsmöglichkeiten für Vögel. Das Life+ Projekt "Vogelschutz in Streuobstwiesen des Mittleren Albvorlandes und des Mittleren Remstales" lief 2009-2014. Auf seiner Website werden umfangreiche Informationen zum Thema angeboten, insbesondere unter der Rubrik "Infomaterialien".


Bienenweiden (dt.):
http://me.in-berlin.de

Bienenweidepflanzenkatalog (dt.)
http://144.41.33.58

Tier und Natur (dt.):
http://www.tierundnatur.de/pflanzen/pflanzen.htm

Vögel auf der Streuobstwiese (dt.):
http://www.life-vogelschutz-streuobst.de



HECKENBIOTOPE


Hecken können für Olivenhaine in Grenzlagen vielfältige Funktionen erfüllen. Neben ihrer ökologischen Wertigkeit können sie erheblich dazu beitragen, ein günstiges Mikroklima für den Olivenanbau zu schaffen, Starkwinde zu reduzieren und Rehe (knabbern, fegen) sowie Wildschweine (graben) vom Hain fernzuhalten.

Heckenbiotope sind von moderner Landnutzung noch intensiver bedroht als Streuobstwiesen, da sie keiner unmittelbaren menschlichen Nutzung mehr unterliegen. Waren sie früher als Kleinholz- und Kleinobstlieferanten noch geschätzt, als Erosionsschutz und Unterstand für Niederwild anerkannt oder zur Einzäunung von Weideland genutzt bzw. als Schutz gegen Weide- und Wildtiere, werden sie heute aus eigennützigen Erwägungen nur noch von Jägern geschätzt - wenn überhaupt.

Eine grundlegende Publikation, die im Internet zugänglich ist, bietet die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft mit "Hecken, Feldgehölze und Feldraine in der landwirtschaftlichen Flur". Hier wird auf die ökologische Vernetzungsfunktion von Hecken hingewiesen und auf die vielfältigen Interaktionen mit der umliegenden Landschaft. Ihren ganzen Reichtum können Hecken allerdings nur entfalten in der Nachbarschaft ökologisch gepflegter Flächen. So ist etwa für den Neuntöter, einen typischen Heckenbewohner, großinsektenreiches Grünland notwendig zur Nahrungssuche.

In der Permakultur erfüllen Hecken eine wichtige Funktion als mittlere Ebene zwischen Kraut- und Baumschicht, zur Behausung von Schädlingsvertilgern und zur Abgrenzung gegen ein konventionell bewirtschaftetes Umfeld und dessen Schadstoffeintrag. Eine lesenswerte Abhandlung zu Hecken als "Grüne Netze" hat Marlies Ortner für die "Permakultur-Akademie im Alpenraum" verfasst. Mit einer kommentierten Auflistung von Heckengehölzen.

Der "Arbeitskreis Heckenschutz" informiert über die ökologische und landschaftserhaltende Funktion von Hecken, Wegrainen, Straßenbegleitgrün. Er kümmert sich bundesweit um Missstände wie die ungesetzliche, oft noch indirekt subventionierte Beseitigung von Hecken, Böschungen und Wegrändern durch schwarze Schafe unter den Landwirten. Mit ausführlicher Dokumentation der rechlichen Rahmenbedingungen.


LfL. Hecken, Feldgehölze und Feldraine (PDF dt.):
http://www.lpv-fo.de

Permakultur und Hecken (dt.):
https://www.permakultur-akademie.com

Arbeitskreis Heckenschutz (dt.):
http://www.hecke.wg.vu



ONLINE-RESSOURCEN ZUR KULINARIK



Von der "Agenzia Servizi Settore Agroalimentare Marche" (ASSAM) und dem "Istituto di Biometeorologia" in Bologna stammt eine grandiose Seite zu den geschmacklichen Eigenschaften von 169 Olivensorten, die in Italien gebräuchlich sind, unter "Banca dati". Zugänglich über ein Sortenverzeichnis von Arbequina bis Zampello, eine Tabelle der italienischen Regionen und über die Geschmackstypologie! Mit exakten Angaben zu den Inhaltsstoffen des Öls und ihren organoleptischen Dimensionen.


Der bedeutendeste Vergleich von Olivenölen weltweit findet jährlich im April in New York statt. Die Seite der "New York International Olive Oil Competition" bietet einen interessanten Überblick zum qualitätsbewußten Olivenanbau weltweit - auch wenn nicht alle Länder vertreten sind.

Über die geschmacklichen Besonderheiten von Olivensorten, die in Spanien gebräuchlich sind, informiert das spanisch-portugiesische Kulturportal "Casa Abril". Hier finden sich auch Beschreibungen der verschiedenen Regionen des spanischen Olivenanbaus (einschließlich der eventuellen Kennzeichnung als D.O.) mit ihren Hauptsorten. Kleine Steckbriefe mit exzellenten Fruchtabbildungen zu zwölf besonders markanten spanischen Olivensorten wurden der Zeitschrift "Spain Gourmetour" entnommen.

Im deutschsprachigen Raum ist "arteFakt. Olivenölkampagne" von besonderer Bedeutung als gesellschaftlich und ökologisch verantwortungsbewußter und aktiver Olivenhändler. Der Internet-Auftritt gilt vor allem den gesundheitlichen und kulinarischen Dimensionen des Olivenöls, thematisiert aber auch exemplarisch soziale, politische und ökologische Dimensionen.

Zum Einsatz von Oliven in der Küche bieten die einschlägigen Rezepte-Seiten üppiges Material. Ich möchte hier nur auf die wunderbare Rezeptesammlung von Alisseos hinweisen, die man nicht auf Anhieb findet. Alisseos, betrieben von einer deutschstämmigen Familie, produziert selbst ein exquisites Olivenöl in einem Hain auf der griechischen Halbinsel Mani (südliche Peloponnes), aus Koroneiki-Oliven.


Geschmackseigenschaften von 169 Olivensorten (it.)
http://www.olimonovarietali.it

Ergebnisse Olive Oil Competition (engl.)
https://bestoliveoils.com

Geschmack spanischer Oliven (engl.)
http://www.casaabril.com

Olivenöl-Kampagne (dt.):
https://www.artefakten.net

Alisseos-Rezepte (dt.):
http://www.alisseos.de



ONLINE-RESSOURCEN ZU GESUNDHEITSWIRKUNGEN


Kulinarik und Gesundheit lassen sich bei Olivenöl noch weniger trennen als bei anderen Lebensmitteln. Inzwischen gilt gutes Olivenöl allgemein als wesentlicher Beitrag zur individuellen Gesundheitspflege und Gesundheitsvorsorge. Doch nicht nur die Früchte und das Öl, auch die Blätter (in der Regel als Tee) haben positive Effekte für die Gesundheit - wie schon Hildegard von Bingen und ihre antiken Quellen wussten.

Die Bandbreite der gesundheitsorientierten Anwendungen ist groß, von der Nutzung positiver Wirkungen des Öls auf die Haut in Seifen, Pflegemitteln und Kosmetika über den Einsatz in Ölziehkuren zur Entgiftung bis hin zur Teezubereitung aus den Blättern für Verdauung und Stoffwechsel.

Die großartige Seite "Kräuterweisheiten" der Pharmazeutin Ursula Stumpf gibt einen substantiellen Einblick in die Heilwirkungen und Einsatzmöglichkeiten der verschiedenen Pflanzenteile und Olivenprodukte. Die Seite bietet auch Kräuterwanderungen von Ursula Stumpf und weiteren Heilerfahrenen. Es geht also nicht nur um Phytopharmazie, sondern allgemeine Lebensführung. Dazu bietet die Seite auch interessante weitere Veranstaltungen.

Eine Seite von "Sacred Earth" zur Ethnobotanik bietet auf Englisch umfangreiche Daten zur Geschichte des Olivenanbaus, zu Gesundheitswirkungen von Olivenöl und Olivenblättern. Mit ausführlichen Angaben zu den konkreten Inhaltsstoffen von Blättern, Früchten und Öl. Das Angebot umfasst auch praktische Hinweise zu Anwendungen bei Gesundheitsproblemen und ein paar Rezepte für die gesunde Küche. Die Erklärungen folgen dabei den Prinzipien der Naturheilkunde, wissenschaftliche Untersuchungen werden allerdings auch knapp angeführt.

Über die Warzenbekämpfung durch Extrakte aus Olivenblättern informiert auf Englisch die "Livestrong Foundation", eine Stiftung zur Förderung der Krebshilfe. Der Beitrag bezieht sich auf eine Untersuchung der Universität von Maryland. Ich selbst habe Warzen schon erfolgreich mit Olivenöl bekämpft.

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem "Mythos Mittelmeer-Diät", in dessen Zentrum ja das Olivenöl steht, leistet die Diplompsychologin und Rohköstlerin "Olivia". Sie weist unter anderem auf die dürftige Datengrundlage hin und vernachlässigte Faktoren wie Lebensstil, körperliche Tätigkeit und sonstige Ernährung.
 

Kräuterweisheiten (dt.):
http://www.kraeuterweisheiten.de

Sacred Earth (engl.):
http://www.sacredearth.com

Livestrong (engl.):
http://www.livestrong.com

Mythos Mittelmeer-Diät (dt.):
https://fruchtvegan.wordpress.com



SONSTIGE NUTZUNGEN VON OLIVENPRODUKTEN


"Geo" berichtet über eine  Untersuchung an der Universität Bonn ("Regulierung einer Mikroorganismenflora mit Oliventresterextrakten") von 2007 zum Einsatz von Extrakten aus Oliventrester als Fungizid im Pflanzenschutz für den ökologischen Anbau. Diskutiert wird die Anwendung von Oliventresterpräparaten als Ersatz von Kupfer- und Schwefelpräparaten, die mittelfristig ersetzt werden müssen.

Dies ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass Oliven recht gut darin sind, sich selbst zu schützen. Daher eignen sie sich vorzüglich für den ökologischen Anbau. Ihre Pflege sollte vor allem darauf abzielen, die pflanzeneigenen Abwehrkräfte gegen Krankheiten - und im übrigen auch gegen Frost, die gibt es ja auch - zu stärken!


In Reutlingen bei Stuttgart mit einer alten Gerbertraditon wurde ein umweltfreundliches Verfahren zur Ledergerbung mit Wirkstoffen aus Olivenblättern entwickelt. Federführend ist die Firma Wet-Green. Das bereits 2006 in Darmstadt (N-Zyme Biotec) angedachte, aber erst 2011 in Reutlingen produktionsreif entwickelte Verfahren hat keine Rohstoffprobleme wie andere Gerbverfahren mit Naturstoffen und erzeugt darüber hinaus auch elastischeres Leder. Anfang 2012 kam auch die Firma Heller aus dem Weserbergland mit olivengegerbtem Leder auf den Markt. Das Verfahren könnte zu einer Wiederbelebung der europäischen Lederindustrie führen. 2014 hat "brandeins", 2015 die "taz" aus Reutlingen berichtet.

Am Fraunhofer Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik in Stuttgart wurde der Einsatz von Oliventrester in Biogasanlagen untersucht.

Das Holz von Olivenbäumen wurde traditionell gerne für Schnitzereien und zur Herstellung von Schüsseln, Essbesteck und ähnlichen Gerätschaften verwendet. Darüber hinaus wurde es natürlich auch verbrannt, wobei das Material des regulären Baumschnitts in der Regel nicht für Heizzwecke verwendet, sondern ungenutzt im Hain verbrannt wurde. Das ist inzwischen nicht mehr erlaubt. In jüngster Zeit ist daher auch die energetische Nutzung des Schnittmaterials in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Dabei kam es zu einer engen Zusammenarbeit zwischen der deutschen Firma Jordan (Forstgeräte - "Forst Tec") und der Versuchsanstalt für den Olivenanbau "Santa Paolina" bei Follonica.

Und auch der Duft von Oliven wird eingesetzt, in Parfums. Nicht häufig, aber signifikant. Aufzuspüren auf der mit großer Leidenschaft und Kenntnis von einer Enthusiasten-Community aufgebauten Parfum-Seite von "Parfumo". Besonders hilfreich finde ich die Rubrik "Verzeichnis", dort unter "Duftnoten" könnt Ihr die verschiedenen Duftstoffe finden und Parfums suchen lassen, die diese Duftnote in Kopfnote, Herznote oder Basisnote enthalten. "Olive" findet sich unter "Fruchtige Noten".


Oliventrester als Fungizid (dt.)
:
http://www.geo.de

Gerben (dt.)
http://www.stuttgarter-zeitung.de


Energetische Nutzung von Trester (PDF dt.)
https://www.igb.fraunhofer.de

Brennmaterial Olivenschnitt (dt.)
http://www.forst-tec.com

Duftstoffe (dt.)
https://www.parfumo.de/



MEDIENBERICHTE ÜBER DEN KRAICHGAU-HAIN


Eine liebenswerte knappe Meldung zu meinem Olivenhainprojekt veröffentlichte Conrad Bölicke in seinen "Auskünften" zur Olivenölkampagne von "Artefakt" 2010. PDF Deutsch.

http://www.artefakten.net


Die "Apotheken Umschau" vom Februar 2013 hat in einem Bericht über Olivenöle und ihre Gesundheitswirkung auch über meine Erfahrungen mit Olivenbaumpflanzungen in Deutschland berichtet.

http://www.apotheken-umschau.de


Praktikanten von Kraichgau TV, einem lokalen Fernsehsender, haben über einige Jahre Bildmaterial im Olivenhain gesammelt und im September 2013 einen Beitrag dazu geschnitten, der online verfügbar ist.

http://www.landfunker.de


Im ZEIT-Magazin "Wissen", Heft 3/21 von April/Mai 2021 erscheint ein Beitrag unter der Rubrik "Junges Wissen - altes Wissen" zum Thema "Oliven" mit einem Portrait meines Projektes.

https://shop.zeit.de





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DATENSAMMLUNGEN ZU OLIVENSORTEN


Zugang zu wissenschaftlichen Datensätzen und Forschungsarbeiten bezogen auf die in Europa gebräuchlichen Olivensorten bietet OLEA. "The OLEA databases is a comprehensive olive (Olea europaea L.) science portal established in 2007 by olive researchers in Europe." Überblicke zu Merkmalen wie Froststabilität, Krankheitsresistenzen, Befruchtungspartnern, Verrieselung. Angaben zu genetischen Verwandtschaften. Diese Datensammlung dokumentiert die herausragende Bedeutung, die Italien für die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Olivenkultur, für die Bewahrung und Weiterentwicklung des Olivenanbaus weltweit zukommt!

Unentbehrlich für die Beschäftigung mit dem Olivenanbau unter Grenzbedingungen sind insbesondere die Auswertungen und Zusammenfassungen zu den einzelnen Sorten in der Datenbank "Olive Germplasm" unter dem Stichwort "abiotic stress" (Kälte, Wind, Feuchtigkeit u.a.). Für die Pflanzung in Deutschland interessant sind nach meinen Erfahrungen unter den gelisteten Sorten v.a. Leccino, Olivastra Seggianese und Ascolana aus Italien, Aglandaou und Bouteillan aus Frankreich.

Etwa 80 Olivensorten stellt die Seite "Das Olivenfenster" von Christa Hartwig auf Deutsch vor. Mit sehr differenzierten Pflanzenportraits einschließlich Fotografien. Chapeau! Die Seiten bietet auch ein interessantes Verzeichnis von Olivenölen.

Paul Vossen von der University of California ist Autor des "Organic Olive Production Manual" und Gründer des California Olive Oil Council. Er hat einen herausragenden Vergleich von etwa 60 für Amerika relevanten Olivensorten verschiedener Herkunftsländer nach Sorteneigenschaften, Olivenölqualität, Reifezeit, Frosthärte und Krankheitsresistenzen zusammengestellt. Sehr wertvoll sind auch die zahlreichen Abbildungen der Früchte! Die Top Level Domain führt zu weiteren nützlichen Ressourcen.

35 Olivensorten weltweiter Herkunft, die in Australien eingesetzt werden, zeigt "Australisplants" mit sehr taugliche Kurzbeschreibungen und zahlreiche Abbildungen von Bäumen und Früchten.


Über die Performance verschiedener - vor allem italienischer - Olivensorten informiert überblickshaft eine Seite von "The Olive Centre", einer weiteren australischen Plattform zum Olivenanbau. Größe der Früchte, Ölgehalt, Erntezeit.

Ein ausgezeichnetes Portrait von Olea europaea subsp. cuspidata/africana liefert ein Forschungsbericht zur invasiven Potenz der Spezies in Australien von Peter Cuneo und Michelle Leishman.

"Monumental Trees" bietet ein unvollständiges Verzeichnis der ältesten Olivenbäume weltweit.


OLEA Database. Italienisch, Englisch
http://www.oleadb.it

Sortenverzeichnis italienisches Landwirtschaftsministerium. Italienisch
http://www.pianidisettore.it

Das Olivenfenster. Deutsch
https://olivenfenster.com

Paul Vossens Bildatlas. PDF Englisch
http://cesonoma.ucdavis.edu


In Australien gebräuchliche Sorten. Englisch
http://www.australisplants.com

Performance von 46 Sorten. Englisch
http://www.theolivecentre.com

"African Olive as an environmental weed". PDF Englisch
https://core.ac.uk

Monumental Trees. Deutsch
https://www.monumentaltrees.com



INTERNETRESSOURCEN ZUR FROSTHÄRTE VERSCHIEDENER OLIVENSORTEN


Untersuchungen zur Frosthärte verschiedener Olivensorten im analytischen Vergleich gibt es zuhauf, einen Literaturüberblick bietet die OLEA Database (ganz oben in dieser Spalte). Einige sind auch im Internet zugänglich, in sehr unterschiedlichen Angeboten, als PDF-Volltext, nur als Abstract, im Kontext komplexerer Untersuchungen mit mehreren Untersuchungsparametern oder eingebunden in einen allgemeineren Beitrag zum Olivenanbau. Hier zunächst die Websites, PDF-Adressen im nachfolgenden Beitrag.

Eine nützliche Seite aus der Region Monferrato (Piemont), genauer von der Kommune Coniolo, informiert über Olivensorten, die mit den regionalen kalkhaltigen, tonigen Böden bei rauhen Witterungsbedingungen (bis -14 Grad werden genannt) zurechtkommen ("
da quelle che si adattano nel modo migliore alla tipologia di terreno (calcareo/argilloso), ma un fattore predominante resta la resistenza al freddo invernale delle nostre zone"). Weitere Beiträge widmen sich der Anlage von Olivenhainen und dem Olivenschnitt. Interessant sind auch die Kommentare!

Eine Seite des "Institut de l'information scientifique et technique" zur Bereitstellung wissenschaftlicher Aufsätze bietet das Abstract einer Untersuchung zur Frosthärte einiger italienischer und einer französischen Sorte, wobei vor allem Bouteillan und Nostrale di Rigali hervorstachen. "Differential thermal analysis did not allow for any discrimination among the cultivars studied, whereas results from the electrolytic conductivity indicated that 'Bouteillan' (from France) and 'Nostrale di Rigali' had the least negative response to freezing, (...)." Die Dokumentenbereitstellung selbst ist derzeit (Januar 2014) eingestellt.

Eine ausgesprochen inhaltsreiche Untersuchung zur Frosthärte französischer Olivensorten hat Thibault Rochier an der Universität Clermont-Ferrand erstellt. Starker Akzent auf dem Zuckerstoffwechsel, der den Frostschutz der Pflanzen wesentlich reguliert. "Il serait, en effet, particulièrement intéressant de quantifier le rôle joué part les tissus morts (xylème) et les tissus vivants (cellules des parenchymes) dans la résistance au gel, de découvrir le devenir des sucres solubles au plus fort de l’endurcissement ou bien encore de savoir si l’Olivier possède des mécanismes de réparation contre l’embolie des vaisseaux." Leider inzwischen (Januar 2014) nicht mehr öffentlich zugänglich.

Der Dokumentenservice der Cambridge University Press stellt das Abstract zu einer Untersuchung aus Madrid an zehn in Spanien gebräuchlichen Olivensorten bereit. Unter den Sorten auch die immer wieder in populären Quellen als frosthart genannten Sorten Frantoio und Hojiblanca (beide mit schlechtem Ergebnis). Bewährt haben sich in dieser Versuchsreihe Cornicabra und Arbequina.


Sorten unter den Klimabedingungen des Piemont. Italienisch
http://www.coniolofiori.com


Italienische und französische Sorten. Englisch
http://cat.inist.fr

Französische Sorten. Französisch
http://www.prodinra.inra.fr

Spanische Sorten. Englisch
http://journals.cambridge.org



PDFs ZUR FROSTHÄRTE VERSCHIEDENER OLIVENSORTEN


Von Giorgio Bargioni, dem profunden Kenner und rührigen Förderer des Olivenanbaus in Norditalien stammt der Essay "Undici varietà di olivo adatte agli ambienti con inverni freddi." Veröffentlicht in "Vita in Campagna" 11/2007. Er liefert eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema "Frosthärte" im Blick auf Oliven sowie hilfreiche Beschreibungen zu elf in Mittel- und Norditalien gebräuchlichen Olivensorten, die stabil auf Frost reagieren, darunter Leccino, Leccio del Corno, Ascolana, Bianchera - Sorten, die sich auch bei mir bewährt haben.

An der Universität Florenz führten P. Fiorino und S. Mancuso eine Untersuchung zur Frosthärte von vier italienischen Sorten durch, die 2000 publiziert wurde. Untersucht wurde die Frostwirkung in verschiedenen Gewebestrukturen und Pflanzenteilen. Ascolana macht hier das Rennen, noch vor Leccino. Auch untersucht wurden Frantoio und Coratina.

In einer Zusammenarbeit der Polytechnischen Universität Madrid und der Universität Cordoba wurde 2005 eine agronomische Untersuchung zur Frosthärte von acht spanischen Olivensorten erstellt, wobei eine "lethal freezing temperature" indiziert wurde als Maß für die Frosthärte. Arbequina und Picual ragten positiv heraus, Cornicabra wird relativ früh geschädigt, jedoch, ähnlich wie die Erstgenannten, erst bei etwa -13,5 Grad weitgehend zerstört. Hojiblanca ist nach dieser Untersuchung bis etwa -8 Grad durchaus stabil, erreicht jedoch bereits bei -11 Grad einen Zerstörungswert, der bei den anderen erst zwischen -12,5 (Arbequina) und -14 (Picual) Grad erreicht wird. Dafür bleibt Hojiblanca bei noch niedrigeren Temperaturen nach dieser Untersuchung etwas stabiler.

Höchst interessant ist auch eine von Springer bereitgestellte Studie (Abstract und kostenfreier PDF-Download) zum Bezug zwischen Winterfrost und Blüte bei Olivenbäumen, konkret an den Sorten Ascolana (Mittelitalien) und Giarraffa (Süditalien). Oliven benötigen bekanntlich die Winterkälte zur Stimulation der Blütenentwicklung. Es zeigte sich u.a., dass Ascolana eine höhere Initialtemperatur benötigt, um die Blütenentwicklung einzuleiten. Dies könnte ein Mechanismus sein, der das Erfrieren bei Spätfrösten verhindert. Dies könnte den eigentlich limitierenden Faktor für einen Olivenanbau in Deutschland anzeigen: Zu später Blühtermin und damit kein Ausreifen der Früchte!


Elf italienische Sorten. PDF Italienisch
http://www.informatoreagrario.it

Vier italienische Sorten. PDF Englisch
http://www.lithium.it

Acht spanische Sorten. PDF Englisch
http://hortsci.ashspublications.org

Ascolana, Giarraffa. Bezug Frost-Blüte. Abstract und PDF Englisch
http://www.springerlink.com




FROSTHARTE OLIVENSORTEN AUS ITALIEN


Ascolana kommt aus Mittelitalien, ist gehoben froststabil, windstabil, anpassungsfähig. Ihr Wuchs ist kompakt, schlank und aufrecht. Wird als schmackhafte Öl- und Tafelolive geschätzt.
Canino kommt aus dem nördlichsten Latium und ist allgemein robust, gerne im Bioanbau eingesetzt.
Coratina kommt aus Mittelitalien, ist frosttolerant und sehr anpassungsfähig in anderen Klimata und auf verschiedenen Böden. Das Aroma wird als fruchtig-herb mit pfeffriger Note beschrieben.
Ghiacciolo/Ghiacciola wird in der Provinz Ravenna angebaut, gemeinsam mit Nostrana di Brisighella als Befruchter. Kommt gut mit feuchter Kühle im Winterhalbjahr zurecht. Strenges Öl.
Leccino ist eine weltweit verbreitete Olivensorte mit toskanischer Herkunft, gehoben froststabil, feuchtigkeits- und windtolerant. Befruchtersorte. Wuchsstark, ertragreich, im Aroma mild-würzig, wird auch als Tafelolive verwendet.
Leccio del Corno aus der Toskana ist frost- und feuchtigkeitsstabil, hat einen schwachen Wuchs mit geringeren Erträgen, liefert jedoch ein besonders qualitätsvolles Öl.
Maurino ist eine weitere Varietät aus der Toskana, froststabil, neigt jedoch zu Frostrissen, ist nicht sehr feuchtigkeitstolerant. Der Wuchs ist ansprechend, mit leicht hängenden Zweigen und silbrig-grünen, länglich-schlanken Blättern. Auch geschätzt als Befruchtersorte. Das Öl mit seinem fruchtig-aromatischen Charakter ist begehrt vor allem für Verschnitte mit herben Sorten.
Morchiaio wächst unter raueren Klimaverhältnissen in Umbrien und in bergigen Gebieten der Toskana. Seine Frosthärte fand ich bei Pistoia, bei Arezzo und bei Orvieto selbst bestätigt. Ist sehr anfällig für Occhio di Pavone. Guter Befruchter, aufrechter Wuchs.
Nostrale di Rigali trägt seine Herkunft im Namen, Rigali ist eine Ortschaft an der toskanisch-umbrischen Grenze. Die Varietät gilt als sehr froststabil, ist allerdings anfällig für Pilzkrankheiten und von schwachem Wuchs. Das Öl aus dieser Olive ist ausgesprochen fruchtig.
Olivastra Seggianese wächst an den Ausläufern des Monte Amiato in der südlichen Toskana auf tonig-steinigem Grund. Die Sorte ist extrem froststabil und vital - nach eigenen und fremden Erfahrungen. Die Früchte sind klein, der Geschmack ist mild-aromatisch.
Orbetana gilt als froststabil und hat einen aufrechten Wuchs mit ausladender Krone. Das Öl ist kräftig-herb.

Rosciola stammt aus bergigen Lagen des Latio. Ist verbreitet auch in den Marken. Gilt als robust und froststabil, fruchtet früh mit kleinen, zahlreichen Früchten. Anfällig für die Olivenfliege. Mildes, aromenreiches Öl.
Verzola wird in den Marche und in Umbrien angebaut und ist nach meiner Erfahrung vital und froststabil. Ausladende Kronenbildung. Anfällig für Occhio di Pavone und Frostrisse. Das Öl ist schmackhaft und aromenreich.

Mit *Stern markiert sind die Sorten, die ich selbst bereits gepflanzt habe.


Ascolana
*
http://chartaolives.com

Canino
http://www.delministro.com

Coratina
http://www.oliveoilpakistan.com

Ghiaccciolo*
http://agricoltura.regione.emilia-romagna.it

Leccino*
http://www.spoolivi.it

Leccio del Corno*
http://www.spoolivi.it

Maurino
*
http://www.spoolivi.it

Morchiaio
https://excelentesprecios.com

Nostrale di Rigali*
http://www.nostraledirigali.it

Olivastra Seggianese*
http://www.consorzioolioseggiano.it

Orbetana
http://www.consorziomarcheextravergine.it


Rosciola*
https://en.excelentesprecios.com

Verzola*
http://www.spoolivi.it




FROSTHARTE OLIVENSORTEN ANDERER PROVENIENZ



Aglandaou ist eine froststabile französische Varietät (Herkunft Krim als Nikitskaja7?) mit gestrüppartigem Wuchs und frühem, gutem, aber schwankendem Ertrag. Hitzetolerant aber feuchtigkeitssensibel. Gilt als selbstfruchtbar. Das Öl ist schmackhaft-kräftig mit einer ausgeprägt herben Note.
Arbequina ist eine spanische Varietät, gilt als sehr froststabil und feuchtigkeitstolerant, kleinfruchtig mit hohen Erträgen. Wuchsschwach, buschig. Mag Kalkböden nicht. Stabil gegen Occhio di Pavone. Befruchtersorte. Ihr nussiger, nuancenreicher Geschmack macht sie auch zur Tafelolive geeignet
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Bianchera oder Belica wird vor allem in Kroatien, aber auch im benachbarten Veneto angebaut und ist sehr froststabil sowie feuchtigkeits- und windtolerant. Gilt als selbstfruchtbar. Der Wuchs ist aufrecht, etwas verspielt, eher verhalten. Ihr Aroma ist dominierend würzig-herb, weshalb sie gerne für Verschnitte mit milderen Sorten eingesetzt wird.
Bouteillan ist eine alte französische Sorte, Region Var/Provence, südwestliche Alpenrandlage, rustikal, hartes Holz, sehr froststabil aber spätfrostempfindlich. Früh reifend. Der Ertrag ist gut, ölreich, das Aroma fruchtig-herb.

Cornicabra, das Ziegenhorn (Form der Frucht), wird in Spanien häufig angebaut. Die Sorte gilt als froststabil, trockenheitsresistent und allgemein anspruchslos. Das fruchtig-intensive Öl macht sie vor allem für die Salatküche geeignet.
Grossane aus Frankreich ist doppelt nutzbar, vor allem als schwarze Tafelolive beliebt. Sehr frost- und trockenheitsstabil - aber feuchtigkeitssensibel und empfindlich für Occhio di Pavone. Wird auch in China und im Iran angebaut.
Moufla wurde vor allem im französischen Hérault und im Lodévois angebaut, ist inzwischen aber weitgehend verschwunden. Lieblich-zierliche Gestalt. Gilt auf Basis einer einzigen fachlichen Quelle als besonders froststabil. Wuchs und Ertrag sind verhalten. Anfällig für Occhio di Pavone.
Oblica ist die zweite wichtige froststabile Sorte aus Kroatien, sie ist auch besonders windstabil und salztolerant, fühlt sich wohl an der Küste. Fruchtet eher bescheiden.
Olivière wird als französische Sorte (Pyrenäen) genannt, die nach dem Frost 1956 am vitalsten wieder ausgetrieben habe. Benötigt Fremdbefruchtung. Wuchsstark, fruchtreich. Anfällig für Schädlinge und Pilze.
Picual aus Spanien wird als frosthart schon in jungen Jahren und als trockenheitsstabil charakterisiert. Anfällig für Occhio di Pavone. Früchte lösen sich leicht. Das Aroma erinnert an frisches Heu und ist süß-mild mit nur leichten Bittertönen.
Tanche, auch "Olive noire de Nyons", ist eine alte französische Varietät mit kleinen Früchten, sehr froststabil aber hitzeempfindlich. Sie liefert ein hervorragendes mild-aromatisches Öl, auch als Speiseolive geschätzt.

Mit *Stern markiert sind die Sorten, die ich selbst bereits gepflanzt habe.


Aglandau*
http://www.agrumes-baches.com

Arbequina*
http://www.oregonolivetrees.com


Bianchera oder Belica*
http://www.rivistadiagraria.org

Bouteillan*
http://www.cochetfrederic.com

Cornicabra
http://www.alvaoliva.com

Grossane
http://www.fruitiers.net

Moufla*
http://www.pepinieredubosc.fr

Oblica
https://www.olio-olivo.de

Olivière
http://www.olidoc.com

Picual
http://unter-blau.com

Tanche*
http://www.nyons-aoc.com



BAUMSCHULEN, LIEFERANTEN


Bei den wichtigsten Lieferanten gibt es auf deren Website auch detaillierte Auskünfte und teilweise Fotos zu den einzelnen Olivensorten, was diese Internetauftritte allgemein wertvoll macht.

Innerhalb Deutschlands liefert Flora Toscana eine kleine Auswahl von Olivenbäumen, die nach meinen bisherigen Erfahrungen sehr gut entwickelt sind. Suchen nach "Olea europaea". Geliefert werden Pflanzbäume/Heister, aber auch ältere Exemplare. Für Selbstabholer gibt es in Deutschland Heister und ältere Bäume auch bei der Baumschule Becker in Pulheim-Stommeln, die selbst einen Olivenhain pflegt.

Wer in größeren Mengen und zu günstigem Preis Pflanzen für einen eigenen Olivenhain sucht, der wird in Pescia-Pistoia fündig, einem Zentrum italienischer Baumschulenkultur. Der Vivaio SPO präsentiert auf seiner Internetseite Sortenbeschreibungen mit Angaben zu Krankheitsresistenz und Frosthärte (unter "Cultivar"). SPO bietet keinen Versand, man muss sich schon selbst auf den Weg dorthin machen! Ein eigener Einkauf etwas älterer Exemplare (3-4 Jahre) war massiv mit Occhio di Pavone befallen! Also unbedingt zuhause in den ersten Jahren kontrollieren!

Eine vorbildliche Baumschule in den Marken, Gabbianelli, liefert nach ganz Europa, von der französischen Aglandaou über die kroatische Bianchera bis zu den bei mir bereits besonders bewährten italienischen Sorten Leccino und Olivastra Seggianese - insgesamt etwa 50 Sorten. Pflanzen sind veredelt. Brauchbare Sortenbeschreibungen. Bemerkenswert ist auch die Granatapfelauswahl - für unser Klima ist am ehesten "Dente di Cavallo" zu empfehlen. Ansonsten zu Granatäpfeln bei Lubera schauen.

Weniger prächtig im Internetauftritt, aber vom Olivenangebot her noch überzeugender (vier Altersgruppen, 79 Varietäten in der Kategorie 2/3 Jahre) ist Spallacci, gleichfalls in den Marken angesiedelt. Liefert auch für uns interessante spanische Varietäten (Arbequina, Picual). Versandkosten werden bei Versand ins Ausland online nicht korrekt berechnet (Stand 09/20). Anfragen! Versand etwas teurer als Gabbianelli, dafür aufrechte Lieferung und größere Pflanzen. Pflanzen teilweise wurzelecht, zur Buscherziehung geeignet.

Und wiederum in den Marken, bei Pescara, haben Roberto di Primio und seine Frau Cecilia die Baumschule "Apice Piante" aufgebaut, die gezielt wurzelechte Exemplare anbieten kann. Lieferung nur in großen Mengen, Anfrage notwendig, Bestellung nicht online möglich.

Eine substantielle Liste des Verbandes französischer Baumschulen informiert über die französischen Olivensorten und macht Angaben, bei welchem Mitglied man sie kaufen kann. Als froststabil empfohlen wird vor allem die Sorte "Moufla", ferner sind - auch nach anderen Quellen - interessant "Aglandaou" und "Bouteillan". Unter den genannten Baumschulen/Gärtnereien liefern nach meinen eigenen Erfahrungen auch nach Deutschland die Pépinière du Bosc, die auf alte und rare Sorten allgemein spezialisiert ist, und die Pépinières Fruitière de Variétés Anciennes et Ardéchoises von Frederic Cochet.


Eine spektakuläre ökologische Baumschule an der Atlantikküste, bei Couëron, "La maison du bananier", bietet preisgünstig ein überzeugendes Angebot französischer und einiger sonstiger Olivensorten, mit transparenten Versandkosten und Lieferung in zahlreiche Länder.


Flora Toscana. Deutsch
http://www.flora-toskana.de

Vivaio SPO. Italienisch Französisch
http://www.spoolivi.it

Vivai Gabbianelli, Marche. Italienisch
https://www.vivaigabbianelli.it

Vivai Spallacci, Marche. Italienisch
https://www.piantedafrutto.com

Apice Piante. Italienisch
https://www.apicepiante.eu

Französische Sorten. Französisch
http://www.pommiers.com


Öko-Baumschule Couëron. Französisch
https://www.lamaisondubananier.com



INTERNETRESSOURCEN ZUM OLIVENANBAU IN SPANIEN

Umfangreiche, teilweise eher touristisch-populäre, teilweise fachlich-wissenschaftlich orientierte Angaben zum Olivenanbau in Spanien finden sich auf der Seite einer andalusischen Interessengemeinschaft zur Förderung des dortigen Olivenanbaus. "En esta sección se presenta una selección de artículos en Español que extienden la información presentada en este portal web y que han servido como base para su elaboración junto con algunas de las web de la sección Enlaces y las publicaciones referidas en la sección Bibliografía." Was bedeutet: Man muss sich etwas mühsam durchs Menü klicken, ehe man zu den verborgenen Schätzen kommt, deren Nutzung überdies in der Regel Spanischkenntnisse voraussetzt. Auch wenn die Website selbst in mehreren europäischen Sprachen angeboten wird (teilweise wohl maschinell übersetzt, mühsam zu lesen).

Spanische Olivensorten sind verständlicherweise vor allem durch Hitze- und Trockenheitsresistenz ausgezeichnet. Auf dem Weg zum weltweit unangefochten größten Olivenöl- und Tafelolivenproduzenten wurden in Spanien massiv Junganlagen mit ertragreichen Sorten aufgebaut, die intensive Bewässerung erfordern. Die Niederschläge sind in Spanien jedoch in den vergangen Jahren zurückgegangen und konzentrieren sich teilweise in  Starkregenereignissen, denen längere Trockenphasen korrespondieren. In den vergangenen Jahren häufen sich die Ernteeinbrüche durch Trockenheit. Darüber informiert ein Beitrag auf "Telepolis" (Heise online) vom 09.04.2015.

Die zahlreichen Neubürger (in "Vollzeit" oder "Teilzeit") deutschsprachiger Herkunft in Spanien, insbesondere auf Mallorca haben dazu beigetragen, dass es auch interessante Ressourcen zum spanischen Olivenanbau auf Deutsch gibt. Etwa die Seite der Reiseautorin Renate Gabriel, die sich für das Verständnis kulturgeschichtlicher und ökologischer Bezüge einsetzt. Der Spiegel widmete der Neubelebung des traditionellen Olivenanbaus auf Mallorca 2010 eine hübsche Reisereportage mit dem Titel "Olivenöl-Wandern auf Mallorca".

Olivenanbau in Spanien. Spanisch
http://www.esenciadeolivo.com

Trockenheit. Deutsch
https://www.heise.de

Renate Gabriel: Mallorca. Deutsch
http://www.mallorca-erleben.info

Olivenöl-Wandern auf Mallorca. Deutsch
http://www.spiegel.de



PORTUGAL

Portugal steht als Olivenanbauland im Schatten Spaniens.  Mit seiner Produktionsmenge an Olivenöl steht es weltweit an achter Stelle, an vierter Stelle in Europa, mit 66.532 Tonnen 2014. Sechs herkunftsgeschützte Olivenanbaugebiete hat Portugal aufzubieten, Alentejo Interior, Beira Interior, Moura, Norte Alentejano, Ribatejo, Trás-os-Montes.

Der Olivenanbau in Portugal setzt vermutlich bereits mit der römischen Einrichtung der Provinz Lusitania ein, spätestens mit der maurischen Eroberung. Möglich ist auch, das bereits mit den Phönizieren Olivenanbau nach Portugal kam. Einige Atlantologen gehen gar davon aus, dass der Olivenanbau in Portugal bis in die mythischen Zeiten von Atlantis, situiert in der Algarve, zurückreiche.

Unter den portugiesischen Sorten ist nur Cobrançosa, eine Varietät des Nordens, als froststabil bekannt. Stark marketinggesteuerte Informationen gibt es auf der Seite von Gallo Portugal, ein 1919 in Abrantes begründetes Olivenölunternehmen.

In Portugal haben sich bereits einige internationale Permakulturprojekte etabliert. Sepp Holzer hat neben drei Projekten in Spanien auch "Alentago" in der portugiesischen Region Alentejo betreut, initiiert von der Tamera-Gemeinschaft. Daneben gibt es noch weitere Projekte, die sich nicht alle auf Sepp Holzer berufen. Der Permakulturansatz arbeitet mit Mischkulturen. Olivenbäume spielen in diesen Mischkulturen unter den Klimabedingungen Portugals eine bedeutende Rolle.

Auch in Portugal schreitet die vom Nachbarland Spanien vorexekutierte Industrialisierung des Olivenanbaus voran. Es droht die Entwicklung der vergangenen Jahre in Spanien, mit massiven Einbrüchen in der Ernte durch Trockenheit. Das maßgebliche Unternehmen Sovena sitzt in Ferreira do Alentejo, 50 Kilometer Luftlinie von Tamera entfernt. Claus Bunk, der seit 1998 selbst einen Olivenhain in Portugal pflegt, berichtet substantiell und bestens unterrichtet in der Portugal-Post Nr. 53 vom Mai 2013.

Olivenanbau in Portugal. Deutsch
https://gallooliveoil.com

Olivenernte Tamera. Deutsch, Englisch
https://www.tamera.org

Industrialisierung der Olivenölproduktion in Portugal. PDF Deutsch
http://info.phg-hh.de



FRANKREICH

Die informative, allerdings gelegentlich sehr subjektive Seite des Olivenbaumhändlers Alain Perales in Sarrians bei Carpentras informiert zum Olivenanbau in Frankreich/Provence. Insbesondere wichtig ist eine Unterseite zum Thema "Frost". Empfohlen werden Aglandaou und Cipressino - wobei ich zu Cipressiono von wissenschaftlicher Seite eher kritische Angaben finde. Als Tipp für frostgefährdete Gebiete schreibt Alain: "Rappelons que pour bien résister au froid, il convient de planter des oliviers d’au moins 4 ans d’âge." Man möge also Bäume mit mindestens vier Jahren Alter pflanzen. Das mag ein wenig auch aus der Sicht des Händlers geschrieben sein und kann unterschiedlich bewertet werden. Standortanpassung und finanzielle Belastung sollten mit erwogen werden.

Jean Gallian hat eine ausgezeichnete Site zur Geschichte seiner Gemeinde Caromb bei Carpentras erarbeitet. Darin enthalten ist auch eine umfangreiche Geschichte des Olivenanbaus in Frankreich im 17. und 18. Jahrhundert (kleine Eiszeit!). Genannt werden als am Mont Ventoux gebräuchliche Sorten "Glandaou" (Aglandaou) für den Südhang und Tanche gegen Norden. Gallian bietet auch eine beeindruckende Zusammenstellung von Frostereignissen mit Olivenkalamitäten in Frankreich.

Das Portal "Persée" für wissenschaftliche Literatur stellt einen Beitrag von Jean Nicod, "Grandeur et décadence de l'oléiculture provençale" aus der "Revue de géographie alpine", Heft 44/1956 (Jahr des für den französischen Olivenanbau katastrophalen Frostes) zur Verfügung. Eine wichtige Schlussfolgerung zu Frostereignissen ist: "En fait, les circonstances du gel et du dégel interviennent dans les effets de celui-ci. Ils sont plus graves après une période chaude et pluvieuse qui a favorisé la végétation, ou en cas de dégel brutal." Also: Frostschäden sind vor allem gravierend nach Perioden einer Zwischenerwärmung bzw. in stark alternierenden Perioden - somit in der Situation, die wir in Deutschland haben. Der Beitrag enthält auch ein Verzeichnis der Frostkatastrophen des 18. Jahrhunderts für den Olivenanbau in der Provence. Für Nicod ist der französische Olivenanbau eher ein Opfer ökonomisch-politischer Entwicklungen als klimatischer Krisen.

Zur Entwicklung der Olivenproduktion unter den Bedingungen anhaltender Trockenheit informiert bedauernd ein Beitrag in "Le Parisien" vom 12. Juli 2017. Ausgangspunkt ist die schwache Fruchtentwicklung in jenem Jahr. Beklagt wird aber auch ein Verlust an Kompetenz bei den Olivenbauern, die geringe Produktivität des französischen Olivenanbaus, die Vernachlässigung vieler Olivenhaine.

Im April 2019 berichtet die Olive Oil Times optimistisch von den Bemühungen, die traditionellen Olivenhaine in Frankreich zu bewahren und neu zu beleben.

Positiv stimmen kann auch die Seite von Frédéric und Katia Ratto, die um die Jahrtausendwende bei Cucuron/Luberon 10 Hektar mit Oliven bepflanzt haben, um die Domäne "Oliversion" zu begründen. 2003 kam der Bau einer modernen Olivenmühle dazu, die auch Oliven anderer Olivenbauern verarbeitet. Frédéric stammt aus einer Olivenbauernfamilie, deren Geschichte bis in das Jahr 1885 zurückreicht. Er bezeichnet den Olivenbaum als den "Phönix der Provence". Die Anlage und Ausrüstung der beiden Enthusiasten kann als Modell für den zeitgemäßen französischen Olivenanbau gelten!

Auf der Seite der Vereinigung französischer Olivenbauern, AFIDOL, findet sich unter "Carte oléicole" eine interessante Karte zum Olivenanbau in Frankreich.

Alains Olivenseite. Französisch
http://www.mon-olivier-de-provence.com

Jean Gallians Seite zum Olivenanbau in Frankreich. Französisch
http://jean.gallian.free.fr

Jean Nicod: "Grandeur et décadence ...". Französisch
http://www.persee.fr


Französische Ernte 2017. Französisch
http://www.leparisien.fr

Wiederbelebung traditioneller Olivenhaine. Englisch
https://www.oliveoiltimes.com

Domäne Oliversion bei Cucuron. Französisch
https://www.domaineoliversion.fr

Karte zum frz. Olivenanbau. Französisch
http://afidol.org



ITALIEN ALLGEMEIN 

Italien steht weltweit in der Olivenölproduktion an zweiter Stelle, mit 0,29 Mio Tonnen 2014 (FAO-Angabe). Abgefüllt wird in Italien etwa die doppelte Menge (Angabe des International Olive Oil Council). Zur Geschichte der Olivenkultur in Italien informiert die Zeitschrift "Cultura Salentina" - über den Niedergang mit dem römischen Reich, die Bewahrung in byzantinischen Klöstern im Süden und die "Renaissance" des italienischen Olivenanbaus im 11. Jahrhundert.

In Norditalien wurde diese Renaissance von Benediktinerklöster eingeleitet. Bedeutsam waren dabei vor allem die Benediktiner von Lerins (auf einer Insel vor Cannes), die auch in Südfrankreich den Olivenanbau förderten, und die beiden Schwesterklöster San Dalmazzo di Pedona bei Cuneo (Piemont) und Saint-André von Sestri Ponente bei Genua (Ligurien). Darauf weist eine Seite von "mondoligure" hin, die sich der Namensherkunft von "Taggiasca" widmet.

Wissenschaftlich fundiert und umfassend informiert über den Olivenanbau in Italien ein Konferenzbericht (PDF) von 2009, herausgegeben von Claudio Di Vaio. Die 370 Seiten starke Publikation deckt alle Aspekte des konventionellen Olivenanbaus in Italien ab, mit einem starken Akzent auf superintensivem Anbau. Der traditionelle Anbau und ökologische Themen kommen nicht eigenständig vor. Das Stichwort "sostenibile" (nachhaltig) erscheint ein einziges Mal, das Stichwort "eco" zweimal (davon einmal in "eco-sostenibile").

"FrantoiOnline" ist ein äußerst engagiertes und lohnendes Portal für die kleinen Olivenölproduzenten Italiens, unter anderem gegründet um sich gegen die "concorrenza sleale dei giganti", die "unfaire Konkurrenz" der Großproduzenten, zu behaupten. Hier finden sich Materialien zu den Olivenanbauregionen in Italien, zum Anbau und zur Ölerzeugung, zur Frantoio-Ausbildung und zu verwandten Themen sowie aktuelle Meldungen zur Ernteentwicklung und zu Problemen wie Xyllela. Geduld beim Recherchieren ist notwendig, der Ertrag kann dann aber überzeugen!

Die ältesten Olivenbäume Italiens ("ulivie secolari") werden auf einer Seite von "Looking for the perfect food" vorgestellt.

Geschichte Olivenanbau Italien. Italienisch
http://culturasalentina.wordpress.com

Benediktiner im Olivenanbau Norditalien. Deutsch
http://www.mondoligure.com

Convegno Nationale dell'Olivo e dell'Olio. PDF Italienisch
http://www.agricoltura.regione.campania.it

Plattform für italienische Olivenölproduzenten. Italienisch
http://www.frantoionline.it

Die ältesten Olivenbäume Italiens. Deutsch, Englisch
https://www.lookingfortheperfectfood.eu



PIEMONT

Das Piemont ist eine Olivenanbauregion mit besonderer Indikatorfunktion für die Klimaentwicklung. Während des frühen Mittelalters erlosch hier der Olivenanbau, um im 11. Jahrhundert von Benediktinern wiederbelebt zu werden. In der Kleinen Eiszeit ging der Anbau erneut massiv zurück, mit dem Extremwinter von 1709 fast auf Null. Erst seit der letzten Jahrtausendwende mehren sich im Kontext der Klimaerwärmungsdebatte Anstrengungen, den Olivenanbau und die Olivenverarbeitung im Piemont zu revitalisieren.

Einen Überblicksartikel zur Geschichte, mit dem Schwerpunkt Kleine Eiszeit, und zur aktuellen Wiederbelebung des Olivenanbaus im Piemont bietet das italienische Netzmagazin "Climatemonitor". Hier findet sich auch eine instruktive Landkarte mit den Produktionsanteilen der italienischen Regionen.

Giancarlo Durando vom landwirtschaftlichen Forschungsinstitut
"Luparia" hat 2004 eine Konferenz zur Geschichte des Olivenanbaus im Piemont/Monferrato geleitet, mit interessanten Details zur Auswirkung der "kleinen Eiszeit" und zum Neubeginn des Olivenanbaus danach. Die Luparia macht sich auch verdient um den Erhalt des Genbestandes regional spezifischer Olivensorten und um die Erfassung historisch bedeutsamer Einzelbäume.

Die Homepage der Asspo - Associazione Piemontese Olivicoltori - liefert Informationen zum Olivenanbau im Piemont und allgemein in Grenzlagen. Gegründet wurde die Asspo Oktober 2003 zur Neubelebung des Olivenanbaus im Val d'Aosta.

Auf der Seite der Regionalverwaltung des Piemont findet sich eine Untersuchung zum Olivenanbau in Norditalien/Piemont unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten als Download. Hervorgehoben wird die Bedeutung des Olivenanbaus zur wirtschaftlichen Stärkung entwicklungsschwacher Regionen sowie der Qualitätsaspekt als entscheidender Faktor der Vermarktung ertragsarmer Produktionsstandorte. Interessante Tabellen und Grafiken zu den Olivensorten (über 50% Leccino) und zur Produktion in der Region.

"Olivicoltura in Aree Marginali", 2011 herausgegeben von der Università degli Studi di Torino, liefert verschiedene aktuelle Studien und Forschungsergebnisse zur Förderung des Olivenanbaus in Norditalien.

Oliven im Piemont. Italienisch
http://www.climatemonitor.it

Konferenz Olivenanbau im Monferrato. Italienisch
http://www.osservatoriodelpaesaggio.org

Olivenanbau in Grenzlagen. Italienisch
http://www.asspo.it


Ökonomie. PDF Italienisch
http://www.regione.piemonte.it

Olivicoltura in Aree Marginali. Italienisch
http://www.researchgate.net



VELTLIN

Zwei Beiträge in "La Provincia di Sondrio" vom Januar 2015 und vom November 2016 beschäftigen sich mit der "Ankunft der Oliven" im Valtellina/Veltlin,
das zusammen mit dem Valchiavenna die nördlichste lombardische Provinz Sondrio bildet. Seit etwa 10 Jahren seien von Carlo Baruffi und anderen Pionieren etwa 10.000 Oliven (Stand Anfang 2015, eine Quelle von August 2017 nennt 16.000) gepflanzt worden. Carlo Baruffi, geboren 1944, hauptberuflich Autohändler, berichtet, er sei zunächst als verrückt angesehen worden, als er  mit dem Olivenanbau auf 2 Hektar angefangen habe - inzwischen bitte man ihn um Ratschläge.

Die Beiträge stellen die Entwicklung in den Kontext der Klimaerwärmung. Die sogenannte "linea della palma" habe sich nach Norden verschoben.  Darin läge eine neue Chance für Landwirtschaft und Landschaft. Der Präsident von Coldiretti Sondrio wird zitiert mit: "La capacità dell'agricoltura è sempre stata quella di trovare l'innovazine nella traditzione, cercando di ottenere il meglio dai mutamenti economici e climatici." Man möchte also das Optimum herausholen aus den ökonomischen und klimatischen Veränderungen.

Die "Welt" hat das Thema dann am 17.02.2015 aufgegriffen, unter dem Titel "Italien produziert Oliven jetzt in eisigen Höhen". Die Menge sei allerdings noch bescheiden, insgesamt wird die Olivenölproduktion für 2014 auf lediglich 772 Tonnen in den nördlichen italienischen Provinzen Lombardei, Piemont und Trentino-Südtirol geschätzt. Aber hervorzuheben sei, dass so neue Arbeitsplätze in krisenanfälligen ländlichen Regionen entstünden. Darüber hinaus könnten positive Effekte für die Landschaftspflege und den Lawinenschutz erreicht werden. Und langfristig könnten die frostigen Grenzanbaugebiete Ernteeinbrüche in traditionellen Anbaugebieten - bedingt durch die Klimaerwärmung und Trockenheiten - abfedern.

Die Stiftung Fojanini in Sondrio unterstützt den Olivenanbau im Veltlin als Beitrag zur ländlichen Entwicklung, da der Weinbau im Veltlin unter Absatzproblemen leidet. 2015 stehen im Veltlin auf 30 Hektar Fläche etwa 10.000 Olivenbäume, die annähernd 20.000 Liter Olivenöl liefern.

"Arriva l'olio". Italienisch
http://www.laprovinciadisondrio.it

Olivenanbau im Veltlin. Deutsch
https://www.welt.de


Fondazione Fojanini: Oliven im Veltlin. Italienisch
https://www.fondazionefojanini.it



SÜDTIROL

In Südtirol formieren sich seit der Jahrtausendwende die Olivenenthusiasten zu einer Revitalisierung des dortigen Olivenanbaus, wie die Provinzverwaltung in einem Beitrag berichtet. 25 Landwirte haben sich Anfang 2012 zu Information und Austausch im landwirtschaftlichen Versuchszentrum Laimburg bei Bolzano/Bozen versammelt. Referentin des Treffens war Barbara Alfei von der "Agenzia Servizi Settore Agroalimentare delle Marche". Sie brachte die Erfahrungen mit Olivenanbau in Grenzlagen mit, denn die Marche/Marken haben mit ähnlichen klimatischen Schwierigkeiten für den Olivenanbau zu kämpfen wie Südtirol.

Schloss Trauttmansdorff bei Meran rühmt sich, den nördlichsten Olivenhain Italiens zu hegen. 2007 wurden hier 320 Kilogramm Oliven geerntet. Der 700jährige Olivenpatriarch, auf den man besonders stolz ist, stammt allerdings aus Sardinien und wurde mit großem Aufwand und 5,8 Tonnen Ladegewicht nach Südtirol verpflanzt.

2016 fand in Kurtatsch die erste Verkostung von sechs regional produzierten Olivenölen mit etwa 100 Teilnehmern statt. Ökonomisch sei die Olivenölproduktion im Vergleich zum Weinbau allerdings nicht relevant, es handele sich um ein Hobby oder um einen Zuverdienst, erklärte der Bauernverbandsobmann Otto Pomella. In Kurtatsch werden Oliven per Hand geerntet, das wurde mit dem Tourismusverband so abgestimmt. Im Südtiroler Unterland standen bereits im Mittelalter Olivenbäume - denen dann die Kleine Eiszeit zu frostig wurde.

Die Initiative "Kurtatscher Olivenöl" wurde bereits 2008 gegründet. Damals brachten die Gründungsmitglieder 170 Kilogramm Oliven zusammen. 2018 betrug die Erntemenge 5.320 Kilogramm, geliefert wurden von inzwischen 170 Teilnehmern Einzelmengen zwischen 300 Gramm und 200 Kilogramm. Gepresst wurde in der Ölmühle Agririva am Gardasee, mit der es ein langjähriges Abkommen gibt. 548 Liter Olivenöl waren die Ausbeute.

Olivenanbau in Südtirol. Deutsch
http://www.provinz.bz.it

Olivenernte Schloss Trauttmansdorff. Deutsch
http://www.provinz.bz.it

Olivenölverkostung Kurtatsch. Deutsch
https://www.sbb.it

Rekordernte 2018. Deutsch
https://www.rainews.it


TESSIN

Ein Beitrag von "Swissinfo" 2003 beschäftigt sich knapp mit der Geschichte des Olivenanbaus im Tessin. Olivenanbau habe es dort seit Jahrhunderten gegeben, für den Niedergang in der Mitte des 20. Jahrhunderts sei das Wirtschaftswunder mit einem preisgünstigen Angebot anderer Öle und Fette sowie neuen Arbeitsplätzen verantwortlich. Inzwischen werden gezielt alte Olivenanlagen wieder hergestellt. Eine spektakuläre Anlage bei Gandria gar im Konflikt mit dem Naturschutz, ist im Beitrag zu lesen.

2005 legt "Swissinfo" nach und berichtet vom Tessiner Olivenpionier Luciano Turcati, der 1991 die ersten Neuanlagen im Tessin begründet habe. Turcati ist der Meinung, die Kalamität von 1870, als im Tessin die Olivenbäume erfroren, sei verantwortlich dafür, dass es keine Olivenanbautradition im Tessin mehr gebe. Die Olivenmühle in Manno bei Lugano aus dem Jahr 1846 belegt, dass es zuvor zu einer Renaissance des Olivenanbaus im Tessin gekommen war. In dieser Mühle presst heute der Weinhändler Claudio Tamborini das Öl seiner 350 Bäume bei Coldrerio.

Ausführlich informiert die NZZ in einem Beitrag von 2006 über die Geschichte des Olivenanbaus im Tessin (entscheidender Einschnitt sei die Kalamität von 1708/09 gewesen) und den Olivenbaumpfad von  Gandria nach Castagnola-Cattaneo. Dieser 3,5 Kilometer lange "Sentiero dell'olivo" vermittelt auf 18 viersprachigen Informationstafeln Grundwissen zur Olive und zum Olivenanbau. Ein äußerst informativer Prospekt dazu ist auf der Website von "Luganoturismo" zu finden. Gandria kann mit einem etwa 100jährigen Olivenbaum am Schiffslandesteg auch dokumentieren, dass Oliven am Luganersee eine lange Tradition haben.

Über die Wiederbelebung des Tessiner Olivenanbaus seit 1991 informiert ein Beitrag zur Olivenernte in Gandria 2016. Inzwischen stehen, so wird berichtet, im Tessin wieder ca. 4.000 Olivenbäume, die etwa 600 Liter Olivenöl ergeben.

"Benvenuti in Ticino!". Italienisch
https://www.swissinfo.ch

Olivenanbau im Tessin. Deutsch
http://www.swissinfo.ch


Geschichte. Olivenlehrpfad. Deutsch
https://www.nzz.ch

Olivenernte in Gandria. Deutsch
http://epaper2.tessinerzeitung.ch



TOSKANA

Unser Bild von der Toskana ist bestimmt durch eine leicht gewellte Hügellandschaft mit kleinzelligen landwirtschaftlichen Strukturen, mit Bewaldung oder malerischen Siedlungen auf den Kuppen und eingestreuten Gehöften in der offenen Landschaft. Als Charakterbäume gelten die Säulenzypressen und Olivenbäume.

Einen substantiellen Abriss zur Geschichte des Olivenanbaus in der Toskana seit dem Mittelalter bietet die Zeitschrift "Teatro naturale" am 19.06.2004 mit einem Beitrag von Claudio Cantini und Alberto Grimelli. Besonders bemerkenswert die Ausführungen zur Förderung des Olivenanbaus durch die "Mezzadria" (Halbpachtsystem Hoch- und Spätmittelalter) und zur Nachkriegszeit mit einem Niedergang der toskanischen Olivenkultur, der durch soziale Entwicklungen, Landflucht und Billigölkonkurrenz bedingt war. Hier werden auch die wichtigsten Olivensorten der Toskana vorgestellt - unter anderem Olivastra Seggianese als besonders geeignet für frostige Klimazonen, mit allerdings schlechten agronomischen Eigenschaften.

In jüngster Zeit werden Versuche unternommen, den "heroischen" Olivenanbau in ganz Italien, besonders aber in der Toskana wiederzubeleben. Gemeint ist ein Olivenanbau in schwierigem Terrain, mit Terrassierungen, mit charakteristischen alten Bäumen, als Teil des Landschaftsbildes und der Biodiversität, ohne Einsatz großer Erntemaschinen. Davon berichtet die Olive Oil Times am 8. August 2018. Sie zitiert u.a. Giampiero Cresti, Direktor der "Olivicoltori Toscani Associati" (OTA), dem es um die sozialen und ökologischen Belange der traditionellen Olivenanbaugebiete der Toskana geht, um Arbeitsplätze, Landschaftsbild und Biodiversität.

Goethe gab der deutschen Italiensehnsucht im Lied "Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn" seine modellhafte Gestaltung. Die Toskana spielte in den historischen Ausprägungen dieser Sehnsucht eine besondere Rolle, deutlich etwa in der "Toskana-Fraktion" der SPD, wie die neuen Bürgerlichen der traditionsreichen Arbeiterpartei in den 90er Jahren genannt wurden. Zwei Auswanderer aus Deutschland, Margit Watzinger und Hannes Schneider, haben sich in den Hügeln des Montalbano bei Pistoia den Traum vom eigenen Bauernhof erfüllt und produzieren seit 1980 ihr eigenes Bio-Olivenöl. Auf ihrer Website informieren sie auch detailliert über die Geschichte des Olivenanbaus in der Toskana, ihren Hof, ihre Arbeit im Olivenhain und die Ölproduktion.

Geschichte des Olivenanbaus in der Toskana. Italienisch
https://www.teatronaturale.it

Wiederbelebung des "heroischen" Olivenanbaus. Englisch u.a.
https://www.oliveoiltimes.com

Toskanisches Bio-Olivenöl von Margit und Hannes. Deutsch
http://www.bio-olivenoel.net



GROSSETO

Auch im mittleren Italien gibt es im Landesinneren Grenzlagen, deren Sorten und Erfahrungen für Anbauversuche in Deutschland relevant sein können.

Besonders faszinierend ist für mich die Provinz Grosseto, von den Einheimischen in den tieferen, meernahen Lagen "Maremma" genannt, mit ihren Berglagen um 500 Meter über Meer am Monte Amiata, wo Olivastra Seggianese angebaut wird, eine Sorte, die sich dort und auch bei mir durch enorme Vitalität, Frosthärte und Resistenz gegen Occhio di Pavone auszeichnet. Olivastra Seggianese wird vor Ort als "weibliche" Olivensorte bezeichnet, da sie autosteril ist. Sie fällt auf durch intensivgrünes, dunkles Laub und ausladende Kronen. Als "männliche" Befruchter werden ihr vor allem Leccino, Moraiolo und Pendolino beigesellt, die sich im Landschaftsbild blasser und kleinwüchsiger präsentieren.

Olivastra Seggianese wurde vermutlich von den Mönchen des 743 gegründeten Benediktinerklosters San Salvatore di Monte Amiata in die Region eingeführt, mit unbekannter Herkunft. Als gebietsheimisch ist sie ausschließlich für die Hanglagen des Monte Amiata dokumentiert. Gelegentlich wird daher auch darüber spekuliert, ob die Varietät auf einen etruskischen Olivenanbau zurückverweist.

Die Provinz Grosseto beherbergt mit der 1966 gegründeten Forschungseinrichtung von Santa Paolina bei Follonica auch die größte Olivensammlung der Welt. Derzeit (bis 2022) wird dort unter Claudio Cantini an der Kontrolle von Xylella fastidiosa geforscht.

Sehr hilfreich ist die Klimastation der ARSIA ( Agenzia Regionale per lo Sviluppo e l'Innovazione nel settore Agro-forestale) in Seggiano, deren seit 2016 ausführlich online dokumentierten Wetterbeobachtungen (unter "Dati meteo") einen direkten Vergleich mit Daten der eigenen Grenzlage ermöglichen! Es können neben den meteorologischen Daten auch Daten zur phänologischen Entwicklung der Oliven und zum Weinbau abgefragt werden. Klimadaten aus Seggiano seit 2002 finden wir auf einer älteren Seite der ARSIA.

Zwei der sieben ältesten Olivenbäume Italiens, die "Strega di Magliano" und der "Olivone di Fibbianello" (von Honks 2016 in Brand gesetzt), stehen in der Provinz Grosseto.

Olivenkultur der Provinz Grosseto. PDF Italienisch
https://www.researchgate.net

Azienda Sperimentale Santa Paolina. Italienisch
https://www.ibe.cnr.it

Klimadaten Seggiano aktuell. Italienisch
http://agroambiente.info.regione.toscana.it

Klimadaten Seggiano seit 2002. Italienisch
http://agroambiente.info.arsia.toscana.it



MARKEN

Der Olivenanbau in den Marken (it. "Marche") nimmt eine eher randständige Position in der landwirtschaftlichen Produktion ein, was unter anderem am etwas rauen Klima in den Hügelagen mit dominierenden Nordostpositionen liegt und an der dortigen hohen Erosionsgefahr. 2001 waren 7.000 Hektar, nach anderen Angaben 10.000 Hektar, mit Oliven bepflanzt. 2018-2020 wurden Anstrengungen unternommen, durch Ausbildungsprogramme für Olivenanbauer den Olivensektor zu stärken.

Doch gerade ihres prägnanten Hügellandes wegen, das zum Apennin hin ansteigt, bieten die Marken einige interessante Sorten mit Potenzial für andere Grenzlagen. Unter den Stichworten "Biodiversität" und "Klimaanpassung" erklärte die Vorsitzende des Olivenölpanels von ASSAM, Barbara Alfei, 2019 auf einer Konferenz am Gardasee zum Thema "Il futuro dell'olivicoltura italiana legato a varietà e terroir" die Bedeutung lokaler Olivensorten für die Weiterentwicklung des Olivenanbaus unter veränderten Klimabedingungen.

Allgemeine Informationen zum Olivenanbau in den Marken finden sich auf der Website des "Consorzio Mache Extravergine", vor allem unter "Olivicoltura". Eine anschauliche Geschichte des Olivenanbaus in den Marken bis 2001 hat Bayer CropScience finanziert und unter seinem Label "Coltura & Cultura" bereitgestellt.

Einen informativen Katalog der Olivensorten, die spezifisch in den Marken angebaut werden, liefert die ASSAM, die Landwirtschaftskammer der Marken. Für detaillierte Angaben zu den Sorten jeweils anklicken bei "Download allegati". Typisch sind besonders kleinfrüchtige Sorten wie Mignola, Piantone (froststabil aber Occhio-empfindlich) und Sargano. Eine der besonders froststabilen Sorten der Marken ist Rosciola. Auch Ascolana kommt aus den Marken, eine eher kleine Tafelolivensorte, die sich bei Frost respektabel hält, auch bei mir.

Im Apennin der Marken, an den Hängen der Monti Sibillini, existieren noch autochtone Vorkommen der Wildolive, Olivastra europaea subs. sylvestris, die einst im Mittelmeerraum weit verbreitet war, durch Rodung und Forstwirtschaft aber zurückgedrängt wurde.

Biodiversität und Klimaanpassung. Italienisch
https://www.teatronaturale.it

Consorzio Marche Extravergine. Italienisch
http://www.consorziomarcheextravergine.it

Olivo nelle Marche. Italienisch
https://www.colturaecultura.it

Olivensorten der Marken. Italienisch
http://www.assam.marche.it



UMBRIEN

In der Römerzeit war Umbrien ein bedeutendes Olivenanbauzentrum, darauf verweisen die archäologischen Überreste zahlreicher Ölmühlen. Ein Beitrag im Online-Magazin "Studi Umbri" des Historikers Alberto Sorbini, "Ulivo e olio nella storia alimentare dell’Umbri", nennt die Etrusker als mögliche erste Olivenpflanzer der Region. Olivenkernfunde verweisen allerdings auf die mittlere Bronzezeit als frühestes Auftauchen einer Olivenkultur, während die Etrusker erst um 800 v. Chr. ins Gebiet des heutigen Umbriens kamen.

In weiten Teilen Umbriens hat der Olivenanbau immer wieder mit winterlichen Frostereignissen zu kämpfen. Informativ ist hierzu ein Bericht von Giulio Mela mit zahlreichen Fotografien zum Ausnahmefrost Ende Februar 2018 (ein ähnliches Frostereignis habe es in Umbrien zuletzt 1991 gegeben). Teilweise wurden in Umbrien am 28.02.2018 zweistellige Minustemperaturen erreicht, der "campanello dall'alarme" (-10 Grad) für den Olivenanbau geläutet. Im Extremwinter 1984/85 mit weit tieferen Temperaturen sind in Umbrien etwa 30% der Olivenbäume erfroren.

Der Bericht findet sich auf einer Website aus dem Valtrompia/Lombardei. Er liefert auch differenzierte Ausführungen zur Beziehung Olivenanbau-Frost allgemein und kundige Angaben zu den in Umbrien angebauten froststabilen Sorten Leccino (in Italien und weltweit verbreitet) und Nostrale di Rigali (feuchtigkeitssensibel, anfällig für Occhio di Pavone).

Umbrien stellt Olivenbäume vor besondere klimatische Herausforderungen durch die Binnenlage ohne Meeresküste mit ausgeprägten Gebirgszügen. Angela Canale vom Consorzio Olio DOP Umbria sieht gerade darin die Begründung für die besonderen organoleptischen Qualitäten des umbrischen Olivenöls. Sie stellt die wenigen regional verbreiteten Olivensorten vor und unterstreicht dabei gleichfalls die besondere Frosthärte von Nostrale di Rigali. Interessant scheint unter dem Gesichtspunkt der Frosthärte auch eine Sorte, die unter den Namen Borsciona, Borgiona und Morcona bekannt ist.

Geschichte des Olivenanbaus in Umbrien. Italienisch
https://www.studiumbri.it

Frost 2018 in Umbrien. Italienisch
https://valtrompia.it

Olivensorten Umbriens. Italienisch
http://oliodopumbria.it



APULIEN

Apulien, italienisch "Puglia", ist eine langgezogene Provinz an der südöstlichsten Küste Italiens, zu der auch der "Stiefelabsatz" Italiens, der Salento, gehört. Im italienischen Olivenanbau kommt ihr eine herausragende Position zu.

Zumeist wird der Olivenanbau in Apulien auf die griechische Kolonisation zurückgeführt. Allerdings gab es schon in der Bronzezeit im Gebiet von Tarent eine Hafenstadt, die lebhaften Handel mit Griechenland und mit Nord- und Mittelitalien trieb. Es ist schwer vorstellbar, dass dabei Oliven keine Rolle spielten. Und die Hafenstadt Siponto im Norden Apuliens geht auf die Daunier zurück, eine bronzezeitliche Gruppierung der Illyrer. Im Gebiet der Daunier wurde bereits im 18. Jahrhundert v. Chr. Olivenöl benutzt, nachgewiesen im Ausgrabungsgelände von Coppa Nevigate bei Siponto - der entsprechende archäologische Fund, dokumentiert durch Alberto Cazzella, galt lange als "ältestes Olivenöl" Italiens. Bis 2018 ein Öl bzw. seine Reste in Keramikgefäßen aus Castelluccio in Noto auf Sizilien von Davide Tanasi auf 2000 v. Chr. datiert wurden.

Die griechische Kolonisation begann - nicht eindeutig verbürgten Überlieferungen zufolge - im ausgehenden 8. Jahrhundert vor Christus mit der Gründung von Taras (heute Tarent) durch spartanische Siedler oder Flüchtlinge in einem Gebiet, das dank seiner günstigen Lage seit der Jungsteinzeit wohl fast ununterbrochen besiedelt war. Weitere wichtige Gründungen waren Kallipolis (heute Gallipolis) und Canusium (heute Canosa di Puglia). Spätestens nun kamen sicherlich auch Olivenbäume aus der Peloponnes nach Apulien.

In Apulien stehen die ältesten Olivenbäume Italiens, konzentriert in der "Piana degli ulivi millenari", die sich von Monopoli am Meer über Fasano und Ostani bis Carovigno erstreckt, zwischen Bari im Norden und Brindisi im Süden. Im Salento, südlich von Lecce, steht auch der vermutlich älteste Olivenbaum Italiens, der "Ulivo di Borgagne", geschätzt auf 3000 bis 4000 Jahre.

In den Jahren 2013 folgende geriet der Olivenanbau Apuliens in die Schlagzeilen, da ein Bakterium, Xylella fastidiosa, Olivenbäume vor allem im Salento sterben ließ. Bald kamen irritierende Nachrichten zu möglichen Hintergründen der Epidemie an die Öffentlichkeit, über einen Kongreß in Bari 2010, an welchem Forscher von Monsanto über Xylella referierten und auch Bakterienstämme mit dabei hatten, über Spekulationen der Baumafia, über alte Bäume, die geschwächt waren durch unangepasste, ertragsorientierte Radikalschnitte, über Brunnenbohrungen für Gemüsefelder, die den Grundwasserspiegel in den betroffenen Olivengebieten habe absinken lassen, über das Geschäft mit Xylella-resistenten Olivensorten.

Darüber hat unter anderem Petra Reski in ihrem Blog wiederholt berichtet, zuletzt 2018 mit der Überschrift "Das Bakterium des Neoliberalismus". Andere Stimmen kommen bei "brandeins", im Heft 6/2018, unter dem Titel "Die Wurzeln einer Region" zu Wort. Hier wird auch ausgeführt, dass gerade die beiden im Salento heimischen Sorten "Ogliarola Salentina" und "Cellina die Nardo" besonders anfällig für Xylella sind.

Trotz Xylella erreichte die Olivenernte in Apulien 2019 Rekordwerte. Dies verkündete zumindest "La Gazzetta del Mezzogiorno" am 4. Oktober 2019. 60% der italienischen Produktionsmenge von "Extravergine" sollten diesem prognostischen Bericht zufolge 2019 aus Apulien stammen. Allerdings waren die Zahlen für 2020 dann wieder rückläufig. Es gibt eben viele Faktoren, die für die Olivenernte eine Rolle spielen.

Ausgrabungen von Coppa Nevigate. Englisch
https://www.cambridge.org

Identifikation von Olivenölresten. Englisch
https://pubs.rsc.org

Wanderungen zu den "Ulivi millenari" Apuliens. Italienisch
http://www.ulivisecolaridipuglia.com

"Das Bakterium des Neoliberalismus". Deutsch
https://www.petrareski.com

brandeins. Deutsch
https://www.brandeins.de

Rekordernte Apulien 2019. Italienisch
https://www.lagazzettadelmezzogiorno.it



SLOWENIEN

Das Medienbüro Klaus Kamolz informiert über den innovativen slowenischen Olivenbauer Vanja Dujc, der nach dem Tod Titos seine Arbeit als Ingenieur aufgegeben und bei Koper (südlich von Triest) einen sortengemischten Olivenhain mit inzwischen über 1000 Bäumen (v.a. Belica-Bianchera, Leccino, Maurino) angelegt hat und heute eines der begehrtesten Olivenöle der Region produziert, einen Verschnitt, wie er im traditionellen Olivenanbau üblich war.

Doch nicht nur Dujc produziert hervorragendes slowenisches Olivenöl. Bei der "New York International Olive Oil Competition" 2017 haben 4 slowenische Öle eine Goldmedaille erhalten (neben 13 kroatischen), darunter ein Öl aus der Istrska Belica von der Familie Sabadin und eine Cuvée der Familie Morgan, die gleichfalls bei Koper organisch-biologische Olivenöle aus Belica, Maurino, Leccino und Storta produzieren.

Die meisten slowenischen Olivenhaine liegen im nördlichen Istrien.  Stark tourismus- und werbungsorientiert informiert über sie und auch über die Olivenhaine der Brda-Region (gerne "Toskana Sloweniens" genannt) sowie des Vipava-Tals eine Unterseite des Internetangebotes des Slovenian Tourist Boards (STB). Das Bildmaterial ist beeindruckend, das Informationsangebot dürftig. Man muss schon eine der angebotenen Touren buchen, um etwas mehr über den Olivenanbau in Istrien zu erfahren.

Darko Ogrin von der Universität Ljubljana veröffentlichte bereits 2007 seine Untersuchung "Olive growing in Slovenian Istria and climatic limitations to its development" in den "Moravian Geographial Reports". Ogrin merkt darin an, dass die Klimaerwärmung keinesfalls voreilige Schlüsse zur Ausweitung des Olivenanbaus in nördlichere Regionen zulasse. Er plädiert für eine Beschränkung auf die bereits etablierten Lagen in Slowenien. In diesen Lagen sei allerdings ein weiterer Ausbau durchaus sinnvoll, da der Markt die schwierigen Anbaubedingungen honoriere.

Nach seinen Angaben, wohlgemerkt von 2007, werden auf ca. 1.300 Hektar in Slowenien Oliven angebaut. Sie erbringen etwa 500 Tonnen Olivenöl im Jahr. Die wichtigste Olivensorte, vor allem in Neuanlagen, ist die Istrska belica, bekannt auch als einfach Belica oder italienisch Bianchera, die vor allem in Kroatien verbreitet ist, aber auch in Venetien und anderen Teilen Italiens angebaut wird. Über die in Slowenien gebräuchlichen Olivensorten informiert mit Abbildungen die Seite der Baumschule "Bilje" bei Nova Gorica/Neu-Görz.

Vanja Dujc - Olivenbauer in Slowenien.
Deutsch
http://www.kamolz.at


Olivenanbau Morgan. Slowenisch, Deutsch, Englisch
http://www.olje-morgan.si

Olivenhaine in Slowenien. STB. Deutsch u.a.
https://www.slovenia.info

Olive growing in Slowenian Istria. Englisch
https://www.researchgate.net

Slowenische Olivensorten. Slowenisch
http://www.drevesnica-bilje.si



KROATIEN


Kroatien steht an 5. Stelle unter den olivenölproduzierenden Staaten der EU, hinter Spanien, Italien, Griechenland und Portugal. Dazu tragen vor allem Istrien und die dalmatinische Küste mit ihren Inseln bei. Auf der Seite des Instituts für Landwirtschaft und Tourismus von Poreč/Istrien gibt es Auskunft zum Olivenanbau in der Region. Hier werden die wichtigsten heimischen Sorten auf wissenschaftlicher Grundlage vorgestellt. Allerdings hat sich in der "Istrian Olive Database" seit ihrer Begründung 2007 noch nicht viel getan. Bislang sind 11 unterscheidbare Sorten zumindest namentlich mit Synonymen erfasst. Die meisten sind auch für rauere Klimata geeignet, insbesondere Belica/Bianchera.

Dalmatien, die kroatische Region um Dubrovnik, beansprucht für sich einen Olivenanbau bereits in der Bronzezeit, mit angenommen phönizischen Wurzeln. Gestützt wird diese Auffassung durch spätbronzezeitliche Funde im Gebiet Vranjic im Süden Kroatiens, beim antiken Salona. Aus der mittleren Bronzezeit stammen Funde bei Turanj in Norddalmatien, die bei unterwasserarchäologischen Grabungen 2018 entdeckt wurden, darunter 3500 Jahre alte Olivenkerne, wie die Zeitschrift "Morski" schreibt. Diese können schwerlich auf phönizische Ursprünge zurückgeführt werden und begründen Forschungsbedarf.

In griechischer und römischer Zeit wurde der Anbau in Dalmatien dann intensiviert, da das Öl einen guten Ruf genoss. Heute wird der Olivenanbau gerne als kulturelles Symbol der Region bezeichnet. Hauptsorte ist Oblica, die den stürmischen Winden der Region trotzt, aber unregelmäßigen Ertrag bringt und anfällig für Pilzerkrankungen ist. Die ältesten erhaltenen Olivenbäume Dalmatiens stehen auf der Insel Hvar und verweisen zurück auf die griechische Kolonisation, die dort zu Beginn des 4. vorchristlichen Jahrhundert begann.

Als "Oliveninsel" Kroatiens gilt Brač, die flächenbezogen größte der dalmatinischen Inseln, mit über einer Million Olivenbäumen. Hauptsorte ist "Oblica". Auf der Insel befindet sich 1/10 der kroatischen Olivenanbaufläche. In Škrip steht auch ein Olivenmuseum, basierend auf der Olivenölmühle der Familie Krstulović, deren Geschichte in das Jahr 1864 zurückreicht.

Olivenanbau in Kroatien. Englisch
http://www.iptpo.hr

Unterwasserarchäologie Bronzezeit. Kroatisch
https://morski.hr

Dalmatien. Deutsch
https://www.dubrovniksungardens.com

Brač. Deutsch
https://kroatien-nachrichten.de



MONTENEGRO

Montenegro führt seinen Olivenanbau auf die Römerzeit zurück. 3.200 Hektar, etwa ein Drittel der Obstanbaufläche Montenegros, sind mit Olivenbäumen bestockt. Altersbestimmungen montenegrinischer Olivenbäume wurden EU-finanziert von Forstwissenschaftlern der Universität Istanbul durchgeführt - etliche davon wurden offenkundig vor Christi Geburt gepflanzt, darunter ein berühmter Baum bei Bar. In der Vermarktung sind die montenegrinischen Olivenölproduzenten durchaus erfolgreich. Prinz Charles durfte bei seinem Besuch in Montenegro mit Camilla 2016 auch heimisches Olivenöl verkosten.

In Montenegro wird neben den bekannten italienischen Sorten Leccino, Coratina und Ascolana unter anderem die seltenere Sorte Bosana angebaut, die es ansonsten vor allem auf Sardinien gibt. Verbreitet sind auch die spanischen Sorten Picudo und Arbequina. Autochthone Sorten dominieren, vor allem Zutica (65%), Crnica (15%), Sitnica, Lumbardeska und Sarulja. Einen ausgezeichneten Bericht zum Olivenanbau in Montenegro verfasste Biljana Lazovic von der Universität Bar. Die Autorin hat 2016 auch eine Studie über den Genbestand der Oliven in Montenegro vorgelegt, die zwei aus der Antike stammende, stark differente genetische Linien feststellt, repräsentiert durch die Varietäten "Stara Maslina" und "Zutica".

Hat Lazovic damit die zwei den Mittelmeerraum dominierenden Domestikationszentren erfasst, einmal die über das semitische Wort "ZYT/zait" für Olive identifizierbare Levante, einmal den durch "elaia" (Olea, Maslina) identifizierbaren griechischen Raum (Kreta/Peloponnes)?

Olivenölproduktion in Montenegro. Montenegrinisch, Englisch
http://oliveoilmontenegro.me

Olivenanbau in Montenegro. PDF Englisch
http://www.efncp.org




ALBANIEN

In einem materialreichen Konferenzreferat von 2015 mit dem Titel "Olive in the story and art in Albania" der albanischen Agronomen und Pflanzengenetiker Hairi Ismaili und Belul Gixhari wird der Beginn des Olivenanbaus in Albanien auf ca. 1000 v. Chr. datiert und den Phöniziern zugesprochen. Die Referenten betonen auch den engen Zusammenhang von illyrischen Burganlagen und besonders alten Olivenbeständen. Das Referat bietet äußerst interessantesBildmaterial sowie Karten zur Lokalisierung der heutigen Olivenbestände auf albanischem Gebiet.

Nach einer Phase des politisch-wirtschaftlich begründeten Niedergangs im Mittelalter wurde der albanische Olivenanbau im 15. Jahrhundert erneuert. In der kommunistischen Zeit wurde der Olivenanbau gezielt gefördert. Oliven spielten auch eine wichtige Rolle bei der Annäherung Albaniens an China - damals gelangte im Zusammenhang eines Besuches von Zhou Enlai in Albanien eine größere Sendung mit albanischen Olivenbäumen nach China. Nach dem Systemwechsel kam es jedoch zur Zerstörung vieler Olivenhaine im Zuge der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und zur Vernachlässigung vieler Anlagen.


Der Schwerpunkt liegt in Albanien traditionell bei Speiseoliven, wobei kleinfrüchtige Varietäten dominieren, darüber berichtet das albanische Online-Magazin AgroWeb 2017. Die Albaner würden die Vorteile von Olivenöl noch nicht hinreichend würdigen, klagt der Beitrag, Potentiale lägen brach. Allerdings hat Albanien im Ölsektor zügig auf qualitativ hochwertiges Olivenöl gesetzt und den Fehler vermieden, auf Massenproduktion zu setzen. Auch im Tourismus-Sektor wurde erkannt, dass der traditionelle Olivenanbau beitragen kann zur Entwicklung qualitätsorientierter Angebote.


Die Ölproduktion wird unter anderem durch eine enge italienisch-albanesische Zusammenarbeit entwickelt. Darüber informiert "Teatro naturale", ein italienisches Online-Magazin zum Landleben. Einen ausgezeichneten Überblick zu den 25 wichtigsten albanischen Olivensorten mit detaillierten Angaben zu Anbau und agronomischen Charakteristiken bietet die spanische "Grupo Viveros Sophie".

Ein Konferenzpapier von Hairi Ismaili (Landwirtschaftsuniversität Tirana) von Januar 1995, "Alcuni aspetti dell'olivicoltura albanese", zugänglich bei Research Gate, berichtet, dass die albanische Hauptsorte mit über 50% Anteil Kaninjot sei, die Anbaufläche wird mit 45.000 Hektar angegeben. Ismaili hat auch herausgearbeitet, dass Kaninjot eine erhebliche Differenzierung an den verschiedenen Standorten im Land entwickeln konnte.


Geschichte des Olivenanbaus in Albanien. PDF Englisch
https://oliveresearchstation.files.wordpress.com

Speiseolivendominanz in Albanien. Englisch
http://agroweb.org

Entwicklung des Olivenanbaus in Albanien I. Italienisch
https://www.teatronaturale.it

Entwicklung des Olivenanbaus in Albanien II. Italienisch
https://www.teatronaturale.it

Albanische Olivensorten. Spanisch
http://www.variedadesdeolivo.com

Alcuni aspetti. Italienisch
https://www.academia.edu



MAZEDONIEN

Der griechischen Politik verdankt Mazedonien den offiziellen Namen "Nord-Mazedonien" - sonst hätten die Griechen den EU-Beitrittsverhandlungen nicht zugestimmt. Denn Griechenland reklamiert den Namen "Mazedonien" für sein historisches Erbe. Im Abkommen von Prespa wurde 2018 der 1991 mit dem Zerfall Yugoslawiens aufgeflammte Namenskonflikt formal beigelegt. Als Süd-Mazedonien gelten die Regionen West-, Mittel- und Ost- Makedonien in Griechenland, mit Thessaloniki als Zentrum.

Die Nachbarschaft zu Albanien und Griechenland lässt schon vermuten, dass auch Mazedonien über eine uralte Olivenkultur verfügt. Und in der Tat zeigen historische Untersuchungen, dass Mazedonien in der Antike, trotz seiner meerfernen Lage, auch ein Olivenland war. Insbesondere im Süden des Landes, an den beiden großen Seen, Ochridsee und Prespasee, und an der Grenze zu Griechenland, stehen auch heute noch zahllose Olivenbäume. Gezielt gefördert wird der Olivenanbau durch die Aktivitäten der Firma KM von Kiro Kirov, die 2011 zunächst 13.000 Bäume in der Nähe der Kleinstadt Dojran am Dojransee, dem dritten See des Landes, pflanzte.

In einer Kooperation der Firma KM mit der Landwirtschaftsabteilung der Universität von Skopje (Boris Ristovski) und dem Agronomen Evangelos Sfakiotakis von der Aristotels-Universität Thessaloniki wird an der Züchtung einer neuen Sorte, "Marsela", gearbeitet. Eine in Mazedonien verbreitete Sorte ist Kalinjot/Kaninjot, Hauptvarietät des albanischen Olivenanbaus. Das bisweilen durchaus raue und meerferne Klima macht den Genpool der Oliven in Mazedonien forschungsrelevant und die dortigen Erfahrungen mit dem Olivenanbau interessant etwa für den chinesischen Anbau.

Nord-Mazedonien ist auch Mitglied im EU-Projekt "Routes of the Olive Tree", zusammen mit 13 anderen Ländern (Stand 2020).

Neubegründung des Olivenanbaus in Mazedonien. Englisch
https://balkaninsight.com

Perspektiven. Englisch
https://www.oliveoiltimes.com



GRIECHENLAND

Über Griechenland schreibt der vielgerühmte italienische Aufklärer und Agronom Giovanni Presta 1794, "ha l'inverno siccome l'ha la Germania" - und zwar "a motivo dei frequenti ed altissimi nevosi monti e delle vaste e profonde valli". Der katastrophale Frost vom Winter 1955/56 brachte auch auf den griechischen Inseln erhebliche Schäden für den Olivenanbau und führte etwa auf Lesbos dazu, dass die alten Kastanienwälder wieder aktiviert wurden, um agronomisch nicht so sehr von den Oliven abhängig zu sein. Ein weiteres gravierendes Frostereignis suchte Griechenland im Winter 2000/01 heim.

Eine brauchbare Einführung in die Geschichte des Olivenbaums und des Olivenöls in Griechenland stammt von Mark Cartwright. Auf der Homepage eines der größten griechischen Olivenproduzenten, AGROVIM, mit Sitz in Kalamata, gibt es unter "Olive Encyclopedia" Angaben zur Geschichte des Olivenöls in Griechenland, zu griechischen Varietäten und zum griechischen Olivenmarkt.

In Griechenland werden Oliven traditionell durch trockenes Einlegen in Salz entbittert. "Olives à la Grecque" sind in Frankreich sehr beliebt - und werden aus südfranzösischen und nordafrikanischen Oliven hergestellt. Gebräuchlich ist in Griechenland zum Entbittern auch einfaches Wässern. An der Küste und auf den Inseln wird herkömmlich Meerwasser verwendet. Der Einsatz von Natronlauge ist verpönt. Darüber informiert eine Seite des amerikanischen Internetmagazins für Essen, Haus und Garten "The Spruce".

Über die beiden griechischen Olivenmuseen auf Lesbos (Museum der industriellen Olivenölproduktion) und in Sparta (Museum der Olive und des griechischen Olivenöls) informiert eine Seite des Museums in Sparta. Daneben gibt es teilweise sehr knappe, dennoch hilfreiche Angaben zu weiteren 22 Olivenmuseen im Mittelmeerraum, in Spanien (14), Italien (6), Frankreich (1) und der Türkei (1). Tunesien und Israel sind derzeit (Stand 2017) aufgeführt, aber nicht belegt. Zugang auf der englischen Seite über "Mediterranean Museums of Olive" oder "Site Map".

Mark Cartwright. Geschichte. Englisch
https://www.ancient.eu

Olive Encyclopedia. Englisch
http://www.agrovim.gr

Griechische Oliven in der Küche. Englisch
https://www.thespruce.com

Museen. Griechisch, Englisch, Französisch
http://www.oliveoilmuseums.gr



KRETA

Der Beitrag Kretas zur politischen Geschichte und zur Kulturgeschichte des griechischen Raumes wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts breiter bekannt durch die Arbeit des britischen Archäologen Arthur Evans, dessen Rekonstruktion des Palastes von Knossos inzwischen höchst umstritten ist. 1878 hatte der wohlhabende kretische Kaufmann und Hobby-Archäologe Minos Kalokairinos Knossos entdeckt. Heinrich Schliemann bemühte sich dann um eine Ausgrabungsgenehmigung, die durch exorbitante Geldforderungen des türkischen Grundstückseigentümers verzögert wurden. 10 Jahre nach dem Tod Schliemanns 1890 begann Arthur Evans mit den Grabungen, die bis 1914 andauerten.

Die kretisch-minoische Kultur datiert zurück bis in die Bronzezeit, ihr Ende fand sie mit der Eroberung durch die griechisch-mykenische Kultur nach einem schweren Erdbeben in der Zeit um 1400 v. Chr.

ZYPERN

Die Lage im östlichen Mittelmeer, nahe der Levante-Küste, prädestinierte Zypern für einen frühen Auftakt der Olivenkultur. Spätestens die Phönizier dürften Oliven auf die Insel gebracht haben. In der Folge überlagerten sich jedoch griechische und levantinische Herkünfte. Eine archäologische Ausgrabung in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre hat in der Anlage von Maroni-Vournes eine Olivenmühle aus der Bronzezeit freigelegt. Einen erheblichen Aufschwung erlebte der zypriotische Olivenanbau nach der britischen Annektion 1914 und als britische Kronkolonie ab 1925 mit der systematischen Anlage von Olivenplantagen. Seit 1960 trägt die Nationalflagge Zyperns auch einen Olivenzweig.

Angebaut werden neben autochthonen Sorten vor allem griechische und türkische Sorten. Geerntet werden etwa 10.000 Tonnen Oliven jährlich.

In Zusammenarbeit mit der Agricultural University of Athens haben Wissenschaftler der Cyprus University of Technology um Andreas Katsiotis 2017 den Genbestand von 52 Oliven-Patriarchen auf Nordzypern untersucht. Dabei stellten sie fest, dass zwei Drittel der Bäume veredelte Exemplare waren - was auf historisch sehr frühe gezielte Züchtungsbemühungen hinweist. Zwei genetische Hauptcluster konnten identifiziert werden, von denen jedoch nur einer in den vergleichend untersuchten Exemplaren zypriotischer Sorten präsent
ist. Genetische Übereinstimmung der Centennials besteht vor allem mit Varietäten des Libanon, aber auch mit syrischen Varietäten. Die Wurzelstöcke der Patriarchen verweisen jedoch auf griechische Herkünfte.

Der mit etwa 700 Jahren älteste Olivenbaum Zyperns steht zwischen den Dörfern Agia Marina und Ksiliatos.
Einer der malerischsten Oliven-Patriarchen Zyperns steht bei der Kirche Agia Paraskevi bei Askas in der Region Pitsilia.

"Oleastro" ist eine zypriotische Marke für biologisches Olivenöl, mit der Hauptsorte Koroneiki. Die Firma betreibt neben der Ölproduktion und dem Direktverkauf auch ein Besucherzentrum mit Olivenmuseum, "The House of the Olive". Besichtigt werden kann neben den historischen Olivenmühlen im Museum auch die aktuelle Olivenmühle.

Bronzezeitliche Olivenmühle. Englisch
https://www.cyprusexploration.com

Monumental olive trees of Cyprus. Englisch
https://journals.plos.org

The House of the Olive - Anogyra. Englisch
http://www.oleastro.com.cy



TÜRKEI

Die Ursprünge des Olivenanbaus verlieren sich im geschichtlichen Dunkel. Eine bedeutende Rolle für seine Etablierung und seine Ausbreitung spielten jedoch die Levante und die Phönizier. Daher ist anzunehmen, dass die Mittelmeerküste der Türkei mit zu den ersten Olivenanbauregionen am Mittelmeer gehörte. Mit 0,073 Millionen Tonnen Olivenöl 2014, produziert auf 800.000 Hektar, liegt die Türkei heute etwa gleichauf mit Portugal (0,066), hinter Spanien (1,73), Italien (0,29) und Griechenland (0,2). Diese Zahlen stammen von der FAO. Die Statistiken des International Olive Oil Councils weisen andere Zahlen aus, wobei es hier um die Abfüllung, nicht um die Produktion geht. Dabei werden für Italien 0,48 Mio Tonnen ausgewiesen, für die Türkei 0,16 Mio Tonnen. Mit über 400.000 Tonnen Speiseoliven im Jahr gehört die Türkei auch zu den drei größten Produzenten dieses Sektors, zusammen mit Spanien und Ägypten.

Das Olivenmuseum "Atatepe" in Küçükkuyu zeigt die Bedeutung des Olivenbaums in der türkischen Kulturgeschichte und möchte einen Beitrag dazu leisten, den traditionellen Olivenanbau in der Türkei zu erhalten.  Ein Artikel in der "Olive Oil Times" von 2010 stellt das Museum und einen der Museumsgründer, Mustafa Çakilcioglu, vor.

In der Türkei sind vor allem die Sorten Gemlik, Endremit, Memecik und Halhali verbreitet. Endremit und Gemlik tragen ihre Herkunft im Namen, sie kommen aus den gleichnamigen Regionen. Sie sind als Öl- und Tafeloliven gebräuchlich und werden eher in Küstennähe angebaut. Die etwas kleineren Früchte von Memecik und Halhali werden vorwiegend zur Ölproduktion verwendet. Diese beiden Varietäten gedeihen auch in bergigen Lagen mit frostigen Wintern, werden aber in der wissenschaftlichen Literatur nicht als besonders froststabil geführt. Ausführliche Auskünfte zum Olivenanbau in der Türkei und den Sorten gibt eine Seite von "Marmarabirlik", der 1954 gegründeten türkischen Olivenbauernvereinigung. Auf der englischen Seite unter "Useful Information".

Berühmt ist das Olivenöl aus der Region Milas. Unter den Ölen dieser Region ragt regelmäßig das Öl von Senköy hervor, das noch von Kleinbauern mit traditionellen Anbaumethoden erzeugt wird. Die vor allem angebaute Sorte heißt Memecik. Über den Olivenanbau in Senköy, seine Geschichte und seine gegenwärtigen Nöte berichtet Wolfgang Birkenstock in einer bemerkenswerten Reportage.

Museum Atatepe. Englisch
https://www.oliveoiltimes.com

Marmarabirlik. Türkisch, Englisch
http://www.marmarabirlik.com.tr

Senköy/Milas. Deutsch
http://www.wolfgang-birkenstock.de



SYRIEN

Im westlichen Bereich des "fruchtbaren Halbmondes" liegt möglicherweise der Ursprung der Olivenzucht, im Bereich der Halaf-Kultur im Nordosten Syriens, deren Blütezeit im 6. vorchristlichen Jahrtausend lag ("keramisches Neolithikum"). Sie steht vermutlich in Verbindung mit dem Tongefäß aus dem 6. Jahrtausend v. Chr., das 2013 bei einer Notgrabung in der Nähe von En Zippori in Israel gefunden wurde und Spuren von Olivenöl enthielt.

Im Nordwesten Syriens liegt das Tell Mardikh, wo in der Bronzezeit die Könige von Ebla residierten. Einer der Könige von Ebla besaß, Schriftzeugnissen auf den "Steinen von Ebla" (Lehmtafeln, datiert auf 2500-2250 v. Chr.) zufolge, einen Olivenhain von 1.430 Hektar! Der Olivenanbau wurde dann von den Phöniziern im gesamten Mittelmeerraum verbreitet.

Olivenanbau dürfte wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Kultur von Ebla sich von Mesopotamien (wo es zu feucht für Olivenanbau in großem Stil war) emanzipieren konnte. Interessantes hierzu trug der Agrarwissenschaftler Carl Nikolaus Fraas bereits 1847 zusammen, in der Zeit Victor Hehns, einer frühen Blütezeit der Verbindung von Agrar-, Klima- und Kulturgeschichte.

Das heutige Kerngebiet des syrischen Olivenanbaus liegt um Aleppo, 60 Kilometer nordöstlich des Tell Mardikh, im Nordwesten Syriens. Berühmt ist seit dem frühen Mittelalter auch die Olivenseife von Aleppo, von der arabischen Bevölkerung im 7. Jahrhundert entwickelt durch das Verkochen von Olivenöl und Lauge.

2016 lag Syrien an 6. Stelle in der Weltolivenölproduktion, mit etwa 0,1 Mio Tonnen, noch vor der Türkei. Als Ölabfüllland lag es an 4. Stelle. Die palästinensischen Autonomiegebiete standen mit 0,024 Mio Tonnen auf dem 11. Platz, es folgten Jordanien (0,023), Libanon (0,019) und Israel (0,015) - laut Angaben der FAO.

Der seit 2011 andauernde Bürgerkrieg in Syrien hat die Olivenproduktion in der Summe nur wenig beeinträchtigt. Lediglich 2018 gab es einen spürbaren Einbruch von etwa 1 Million Tonnen auf 0,7 Millionen Tonnen Oliven, wobei auch andere Faktoren als der Krieg eine Rolle spielten, etwa die Olivenfliege. Das Landwirtschaftsministerium war bemüht, die Schäden durch Neupflanzungen zu kompensieren, wie das Nachrichtenmagazin der chinesischen Regierung, Xinhua, am 26.01.2019 berichtet.

Im türkisch besetzten Afrin in der Provinz Aleppo, einer vorwiegend von Kurden bewohnten Region im äußersten Nordwesten Syriens, kam es im Kontext des syrischen Bürgerkrieges zu Olivenhainzerstörungen und zu Olivendiebstahl in größerem Umfang durch die Besatzer. Dies publiziert die Olive Oil Times am 15. Januar 2019.

Tell Mardikh/Ebla. Englisch
http://www.mycompass.ca

Olivenkultur von Ebla. Englisch
https://ixtheo.de

Fraas: Historische Klimaverhältnisse in der Region. Deutsch
http://www.lexikus.de

Geschichte der Aleppo-Seife. Deutsch
http://www.historische-aleppo-seife.de

Olivenproduktion und Bürgerkrieg. Englisch
http://www.xinhuanet.com

Olivendiebstahl bei Afrin. Englisch, Deutsch u.a.
https://www.oliveoiltimes.com



IRAK

Im Gilgamesch-Epos wird öfter "Öl" genannt, vor allem in der Verwendung zur rituellen Salbung und in der Körperpflege. Es dürfte sich dabei um Olivenöl gehandelt haben, das in den nördlichen Teilen des Landes gewonnen wurde. Belege hierzu fehlen bislang.

In der Bronzezeit dominierte das Königreich von Ebla nicht nur Syrien und den Libanon, sondern auch benachbarte Teile Mesopotamiens. Dabei dürfte es zu einer Intensivierung des Olivenanbaus im nördlichen Mesopotamien gekommen sein.

Ab etwa 1500 n. Chr. wurden vor allem in der Gegend von Bashiqa bei Mosul Olivenhaine angelegt. Eine Verbindung mit dem Jesidischen Glauben ist anzunehmen, denn für die zoroastrisch geprägten Jesiden war das Olivenöl von besonderer Bedeutung als Lichtquelle im Kultus. Neben den Jesiden haben sich vor allem die im Norden des Irak siedelnden Kurden im Olivenanbau engagiert.

Über den irakischen Olivenanbau unter Saddam Hussein ist wenig bekannt, allerdings ist anzunehmen, dass im Zuge der gegen die kurdische Minderheit gerichteten Militäroperation "Anfal" 1988/89 auch Olivenhaine der Kurden zerstört wurden. Erdöl bestimmte das Bild des Landes unter Hussein nach außen. Auch der Lebensmittelsektor schien vom Erdöl dominiert zu sein, wie der "Oil for Food"-Skandal nahelegt, an welchem spanische Olivenölproduzenten beteiligt waren mit Kick-Back-Zahlungen an die irakische Regierung im Kontext des "Oil for Food"-Programms der UN zwischen 1995 und 2003.

Nach dem Irakkrieg wurden mit Unterstützung durch USAID 2011-2014 in der Provinz Ninawa/Ninive, in der Bashiqa liegt, vor allem Anlagen zur Olivenverarbeitung errichtet.

Der Islamische Staat hat ab 2014 in weiten Teilen des irakischen Kurdengebiets die Kontrolle übernommen und großräumig Olivenhaine, Olivenmühlen und andere landwirtschaftliche Anlagen zerstört. Nach der Vertreibung des IS wurde ab 2017 mit einem Neuaufbau der Olivenhaine und der Olivenverarbeitung begonnen.

Südöstlich von Bashiqa, bei Erbil/Arbil, in der Provinz Erbil, werden Olivenhaine gezielt durch kurdische Flüchtlinge aus der syrisch-kurdischen Olivenregion Afrin, mit Setzlingen von dort, aufgebaut. Stand Ende 2020 hatten mit Unterstützung durch die syrischen Kurden in der autonomen kurdischen Republik des Irak 4 Millionen Olivenbäume Wurzeln geschlagen - nach 170.000 im Jahr 2008. Davon berichtet ein Beitrag in "Shanghai Daily" vom 08. September 2020.

Die Routes-of-the-Olive-Tree-Tour 2002 machte auch einen Abstecher in den Irak, um bei Ar-Rutbah einen symbolischen Olivenbaum zu pflanzen.

Jesiden in Bashiqa. Englisch.
https://www.nytimes.com

"Oil for Food"-Skandal. Englisch
https://www.just-food.com

Amerikanisches Hilfsprojekt in der Region Ninawa. Englisch
https://iraqbusinessblog.wordpress.com

Olivenhainzerstörung durch den Islamischen Staat. Englisch
https://www.middleeasteye.net

Wiederaufbau in Bashiqa ab 2017. Video Englisch
https://www.youtube.com

Aufbau in Arbil. Englisch
https://archive.shine.cn

Routes of the Olive Tree. Griechisch, Englisch, Französisch
https://olivetreeroute.gr



JORDANIEN

Eines der ältesten Zeugnisse der Olivennutzung stammt von der kupfersteinzeitlichen Ausgrabungsstätte el/Al-Khawarij im jordanischen Hochland, karbonisierte Olivenkerne vom Ende des 5. vorchristlichen Jahrtausends (zuerst veröffentlicht von der University of Arizona 2010). Der Olivenanbau dort dürfte laut der Untersuchung von Lovell u.a. schon vor dem Jahr 4700 v. Chr. begonnen haben.

Jordanien steht heute auf Platz 12, nach anderen Angaben auf Platz 10 der Welt-Olivenproduktion. Traditionell spielte der Olivenanbau vor allem zur Eigenversorgung und für die Kleinmengenproduktion eine Rolle (Belieferung von bäuerlichen Märkten). In den 1960er Jahren stellte Jordanien seine Landwirtschaftspolitik teilweise von Tierhaltung durch Beduinen auf Bewässerungslandwirtschaft um. König Hussein sprach in den 1980er Jahren von der "grünen Wüste". Dabei standen Oliven bald im Fokus als hitze- und trockenheitstolerant. Außerdem wurde ihr Anbau zu einer Möglichkeit des günstigen Landerwerbs. Denn das Land wurde im Rahmen der "Supergreen Revolution" den Bewirtschaftern zugesprochen.

Besonders in den 1980er Jahren wurden großflächig Olivenplantagen angelegt, die abhängig waren von Brunnenbohrungen. Damit geriet der Olivenanbau in Konflikte mit anderen Zweigen der landwirtschaftlichen Produktion. Die Brunnenbohrungen führten zur Übernutzung der Grundwasserressourcen, 1993 trocknete die Azraq Oase aus und auch andere Regionen bekamen Wasserprobleme. Nach der Jahrtausendwende wurde die weitere Anlage von Olivenhainen verboten und einige Farmen wegen Bodenversalzung, Wasserknappheit und fehlender Rentabilität aufgegeben.

In den vergangenen extrem trockenen Sommern gab es immer wieder Brände, die auch historische Olivenbestände zerstörten. So vor allem 2020, wie die Olive Oil Times berichtet. Betroffen war vor allem die Region Jerash. Gründe waren neben der Hitze auch Vernachlässigung der Geländepflege mit hohen Gräsern und Gestrüpp sowie Fahrlässigkeit.

Die jordanische Olivenernte in den nördlichen Berggebieten wird auch als Touristenattraktion vermarktet.

Frühester Olivenanbau in Jordanien. Englisch
https://www.cambridge.org

Gegenwärtiger Olivenanbau in Jordanien. Englisch
http://oliveoilportal.com/the-olive-oil-industry-in-jordan/

Wasserkonflikt. Deutsch
https://publikationen.uni-tuebingen.de

Brände in der Region Jerash 2020. Englisch, Deutsch u.a.
https://www.oliveoiltimes.com

Olivenernte Jordanien für Touristen. Englisch, Deutsch u.a.
https://www.oliveoiltimes.com



LIBANON

Auch der Libanon beansprucht, wie Kreta und andere, die Heimat des ältesten Olivenbaumes weltweit zu sein. Gleich 16 Bäume sollen bereits auf 6000 Jahre Lebenszeit zurückblicken. Sie werden "Olivenbäume Noahs" genannt und stehen in den Bergen von Bchaaleh/Bcheale bei Douma. Französische Laboranalysen von 2017 bescheinigen allerdings lediglich ein Alter von etwa 2000 Jahren.

Als gesichert kann gelten, dass der Olivenanbau bereits in der Kupferzeit in das Gebiet des Libanon kam, vermutlich vom Gebiet des heutigen Syrien. Über die Phönizier, deren Kernland überwiegend identisch ist mit dem heutigen Libanon, wurde der Olivenanbau im Mittelmeerraum verbreitet.

Historisch spielte der Olivenanbau eine bedeutende Rolle in der Ökonomie des Landes, neben der Nutzung von Speiseoliven und Olivenöl gab es schon früh eine Seifenindustrie auf Olivenölbasis. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts haben allerdings Billigimporte und fehlende Unterstützung durch die Politik den Sektor erheblich geschwächt.

2006 gab es eine Untersuchung des Stanford Research Institutes, die dem libanesischen Olivenöl gute Marktchanchen im qualitätsorientierten Hochpreissegment prognostizierte. Daraus wurde allerdings nichts, nicht nur die Politik versagte, auch die Olivenölindustrie machte durch Verschnitte mit Billigimporten und Schmuggelware den Markt kaputt und 2016 spricht Gareth Smyth in "The Arab Weekly" von einer "lost opportunity".

2017 wurde in Kooperation mit Frankreich eine Initiative von Landwirtschaftsministerium und libanesischer Agrarforschung (Universitäten, LARI) zur Qualitätsentwicklung im Oliven- und Weinsektor gestartet. Bislang scheinen allerdings nur im Weinbau, der gleichfalls zurückreicht bis in die Kupferzeit, Erfolge erreicht zu sein. Es zeichnet sich ab, dass die forcierte Entwicklung des konkurrierenden Weinanbaus die Olivenproduktion im Libanon weiter zurückdrängt, nicht zuletzt auch gefördert durch die starke syrische Position im Olivenölsektor.

Olivenbäume Noahs. Englisch
https://www.greenprophet.com

Lost Opportunity. Englisch
http://www.thearabweekly.com

Qualitätsinitiative. Englisch
https://www.weeportal-lb.org



ISRAEL

Im biblischen Garten Gethsemane ("Olivenmühle") stehen acht ehrwürdige Olivenbäume, von denen der älteste vermutete 2300 Jahre zählt. Aus Israel stammt auch das bislang älteste Dokument der Olivenkultur, ein Tongefäß aus dem 6. Jahrtausend v. Chr., das 2013 bei einer Notgrabung in der Nähe von En Zippori gefunden wurde und Spuren von Olivenöl enthielt. Der Olivenanbau hat auch heute noch eine Bedeutung für die lokale/regionale Versorgung, spielt wirtschaftlich allerdings eine geringere Rolle als in den Autonomiegebieten. Das Israelische Außenministerium verweist gleichwohl auf die besondere Bedeutung des heimischen Olivenanbaus.

Moderne Olivenplantagen machen in Israel ca. 33.000 Hektar aus. Sie produzieren ca. 15.000 Tonnen Olivenöl "extra virgin", von denen nur etwa 1.000 Tonnen in den Export gelangen - vor allem Richtung USA (Stand 2014). Junge israelische Olivenanbauer bemühen sich um die gezielte Entwicklungen hochpreisiger Qualitätsangebote. Der Olivenanbau in Israel leidet seit Jahren an schlechten Marktpreisen durch die Konkurrenz billiger Importöle. Bereits 2012 wurde von Hainrodungen wegen wirtschaftlicher Probleme berichtet.

Olivenkrug 6. Jahrtausend v. Chr.. Englisch
https://www.livescience.com

Außenministerium: Israel als Land des Olivenöls. Englisch
https://mfa.gov.il

Junges Olivenöl aus Israel. Englisch
https://www.israel21c.org

Wirtschaftliche Probleme im israelischen Olivenanbau. Englisch
https://www.haaretz.com



PALÄSTINENSISCHE AUTONOMIE

Der Olivenanbau in den palästinensischen Autonomiegebieten trägt erheblich zur Wirtschaftskraft der Gebiete bei. 45% des kultivierten Landes sind mit Oliven bepflanzt und etwa 100.000 Familien leben vom Olivenanbau. Es fehlt jedoch an einer systematischen Weiterentwicklung des Sektors, beklagt Al-Monitor 2015.

Baumrodungen und Wirtschaftseinschränkungen durch israelische Autoritäten, Konflikte mit israelischen Siedlern, Probleme mit der Wasserversorgung und dem Absatz des Öls erschweren darüber hinaus in manchen Gebieten die Arbeit der Bauern. Daher gibt es zahlreiche Friedensinitiativen und Vermarktungsprojekte, die sich um Unterstützung bemühen, etwa das Fair Trade Projekt "Harvest Peace", das zerstörte Bäume ersetzt und faire Entlohnung garantiert. Die palästinensische Fair Trade Association schafft Netzwerke und wirtschaftliche Unterstützung für Kleinbauern und fördert den ökologischen Anbau.

Erntebericht Westbank von 1990. Englisch
https://www.latimes.com

Portrait des palästinensischen Olivenölsektors. Englisch
https://www.al-monitor.com

Palestine Fair Trade Association. Englisch
http://palestinefairtrade.org



ÄGYPTEN

Der Olivenbaum kam vermutlich bereits in der Kupferzeit nach Ägypten. Auf einem Papyrus aus Illahun werden Oliven als Gaben während eines Stieropfers für den verstorbenen Sesostris II. (19. Jh. v. Chr.) genannt. Sesostris II. hat sich besonders um die Konsolidierung der Wirtschaft im ägyptischen Reich verdient gemacht und die landwirtschaftliche Erschließung des Fajum-Gebietes eingeleitet. Vermutlich auch durch Olivenanbau, wie der Text des Papyrus aus Illahun nahelegt.

Ein weiterer wichtiger archäologischer Hinweis sind Olivenblätter-Ornamente auf einem Silberbecher im Grab des Tutanchamun (1323 v.Chr.). Aus der Mitte des 12. Jahrhunderts v. Chr. stammen die Auffangsteine einer Olivenpresse in Medinet Habu. Mit Ramses III. (1221-1156 v.Chr.) war die Olivenkultur in Ägypten breit etabliert. Ramses III. stiftete einen Olivenhain von  ca. 2.750 Hektar für den Ra-Tempel von Heliopolis.

Der aktuelle ägyptische Olivenanbau verdankt sich vor allem dem landwirtschaftlichen Aufbau seit den 80er Jahren, mit Bevorzugung von Speiseoliven. In der Olivenölproduktion steht Ägypten 2014 nach den Angaben der FAO weltweit an 13. Stelle, mit 0,02 Mio Tonnen. Das entspricht etwa den Mengen in Jordanien und im Libanon. Dazu  kommen etwa 400.000 Tonnen Speiseoliven (Spanien 550.000, Türkei 420.000). 13% der Tafeloliven weltweit kommen aus Ägypten. Olivenbäume stehen auf insgesamt 57.000 Hektar, wobei die Fläche in den vergangenen Jahren (Stand 2018) durch zunehmende Trockenheit (unter der Speiseoliven besonders leiden) abnimmt.

Oliven werden heute an der Mittelmeerküste, in den Oasen Bahariyya, Dachla und Siwa sowie im Nordsinai (v.a. im Gebiet von Bir Qatia) angebaut. Verbreitete autochthone ägyptische Sorten sind "Sewia" und "Maraki", angebaut werden auch spanische (u.a. Coratina und Picual) und griechische (u.a. Kalamata und Koroneiki) Sorten. Ein Vergleich von fünf Varietäten an der Cairo Universität nach morphologischen, agronomischen und genetischen Parametern zeigte, dass die Ölqualitäten der autochthonen Sorten "Sewia" und "Maraki" (beide angebaut in der Oase Siwa) am höchsten waren. Diese beiden Sorten zeigten auch die größten Früchte.

CNFA hat in Ägypten 2011-2013 das Projekt "Zaytun" zur Entwicklung des Olivenanbaus und zur Unterstützung von Kleinproduzenten in den Gouvernements al-Buhaira und Matrouh durchgeführt.

Ägyptische Speiseoliven. Englisch
http://english.ahram.org.eg

Charakterisierung in Ägypten gebräuchlicher Olivensorten. Englisch
http://ejoh.journals.ekb.eg/article_1354.html

Zaytun-Projekt. Englisch
https://www.cnfa.org



LIBYEN

Der Olivenanbau in Libyen reicht zurück vermutlich bis in die Zeit der Phönizier. In römischer Zeit wurde die Provinz Tripolitania - weitgehend identisch mit dem heutigen Libyen - zum wichtigsten Olivenanbaugebiet der Römer. Davon berichtet eine vergleichende Untersuchung zum römischen Olivenanbau in Libyen, Tunesien und Spanien von David John Mattingly, veröffentlicht 1988 im Journal of Roman Archaeology, S. 5.  Zur Bedeutung des Olivenöls für die Wirtschaft des römischen Reiches schreibt Mattingly: "olive oil was a basic food source, the prime lighting fuel and the essential base for numerous medicaments, soaps, skin oils, perfumes, and cosmetics." (Mattingly 1988, S. 33)

In Libyen reicht die Wüste bis fast ans Mittelmeer. Die Anbaubedingungen für Oliven sind zwar klimatisch grundsätzlich günstig, doch stellt die Wasserversorgung ein Problem dar, das bislang durch komplexe Bewässerungsanlagen gelöst wurde. Unter den Bedingungen der Klimaerwärmung könnten sich hier Engpässe ergeben. Eine Studie von Badereddin Algataa ergab allerdings, dass die Lagerbedingungen für Olivenöl in Libyen einen größeren negativen Einfluss auf die Qualität des Olivenöls haben als die Klimaerwärmung.

Libyen stand 2013 an 12. Stelle der olivenölproduzierenden Länder, mit ca. 8 Millionen Olivenbäumen. Die Regierung erklärte 2013 den Willen, die Oliveölproduktion für die Ausfuhr nach Europa anzukurbeln. Ziel war, durch entsprechende Labels eine Nische für libysches Olivenöl auf dem Markt zu eröffnen.

Doch schon 2017 änderte die Regierung ihre Meinung und erklärte, dass der Olivenölexport keinen relevanten Beitrag zur Außenwirtschaft des Landes leiste - eines Landes, das wesentlich Geld durch Erdölexport verdient. Da im Binnenmarkt Olivenölknappheit herrschte, verfügte die Regierung einen Exportstopp für Olivenöl (und nebenbei auch für Honig und Datteln). Dies führte zu erheblichen Protesten bei den Olivenproduzenten.

Römerzeit. Englisch
https://www.cambridge.org

Einfluß von Klimaveränderung und Lagerung. Englisch
https://www.researchgate.net

Olivenanbau in Libyen. Englisch, Deutsch u.a.
https://www.oliveoiltimes.com

Einschränkung des Olivenölexports. Englisch
https://www.arabnews.com



TUNESIEN

Einst Kornkammer des Römischen Reiches, vor der Zerstörung Karthagos Grundlage einer Handelsmacht, die lange der römischen Expansion Widerstand leistete: Tunesien, das Land am nördlichsten Haken Afrikas, viertgrößter Olivenölproduzent der Welt (nach Spanien, Italien und Griechenland) auf ca. 1,7 Mio Hektar und größter Produzent von Olivenöl mit Bio-Siegel - seiner alten, traditionell bewirtschafteten Olivenhaine wegen und dank einer gezielten Qualitätspolitik.

Die Phönizier, Gründer des Karthagischen Reiches, brachten den Olivenbaum im 9. Jahrhundert vor Christus in das Gebiet des heutigen Tunesien, er gedieh hier und das Römische Reich bezog später nicht nur sein Getreide, sondern auch einen Großteil seines Olivenöls aus Tunesien. Über die Bedeutung Tunesiens zur Versorgung des römischen Reiches mit Olivenöl informiert ein Reisebericht aus der NY Times von 1998 sehr anschaulich.

Eine kurze Beschreibung der tunesischen Hauptsorten Chemlali (von der es zahlreiche Untersorten gibt) mit einem Anteil von über 80% und Chétoui mit einem Anteil von über 10% bietet der "Tunesienexplorer". Auf dieser Seite findet sich auch eine informative Karte mit den tunesischen Olivenanbaugebieten und den dort jeweils hauptsächlich vertretenen Sorten.

Da tunesisches Olivenöl weit günstiger im Großhandel angeboten wird als italienisches, findet es sich häufig in "italienischen" Olivenölen - neben Anteilen aus Spanien und Griechenland. Seit einigen Jahren organisieren sich allerdings die tunesischen Olivenöl-Produzenten zunehmend für die direkte Vermarktung ihrer Öle. Dafür haben sich bereits 2010 auch die GTZ und die deutsche Außenhandelskammer in Tunis eingesetzt, insbesondere im Bereich der Bio-Olivenöle.

Anfang 2016 wurde vom EU-Parlament zur Unterstützung der tunesischen Demokratie eine Erhöhung der zollfreien Einfuhr tunesischen Olivenöls um 35.000 Tonnen für 2016 und 2017 gebilligt - zusätzlich zur bisherigen Freigrenze von 57.000 Tonnen. (Nicht nur) von italienischer Seite kam breiter Protest aus dem nationalen Lager und von Landwirtschaftsvertretern, dies würde die italienischen Olivenölproduzenten wirtschaftlich erheblich gefährden.

Tunesischer Olivenanbau in römischer Zeit. Englisch
http://www.nytimes.com

Olivenanbau in Tunesien. Deutsch
http://www.tunesienexplorer.de

Mehr Bio-Olivenöl aus Tunesien. Deutsch
http://bio-markt.info

Kritik an zollfreiem tunesischem Olivenöl. Italienisch
http://www.ilpost.it



ALGERIEN


Zwischen Tunesien und Marokko gelegen verdankt auch Algerien seinen ersten nachweisbaren Olivenanbau den Phöniziern. Und wie bei diesen beiden ist auch hier nicht klar, ob es nicht zuvor schon Olivenbestände gegeben habe. Eine Olivendomestikation aus der afrikanischen Wildolivenvarietät Olea europaea L. subsp. africana ist bislang allerdings noch nicht nachgewiesen.

Hauptanbaugebiet ist die Region Kabylei im Norden Algeriens an der Mittelmeerküste. Dort stehen auch die ältesten Olivenbäume des Landes. Die Firma "Kabylia" reklamiert für ihr Öl, es sei das "meilleure huile d'olive au monde" - eine Meinung zum algerischen Olivenöl, die im Land weit verbreitet ist. Auf der Seite von "Kabylia" gibt es wunderbares Bildmaterial - historisch und aktuell - zum Olivenanbau in Algerien.

Algerien ist als Olivenanbauland weniger bekannt als das Spanien benachbarte Marokko und das von den Römern als Olivenöllieferant bewirtschaftete Tunesien, das schon vom karthagischen Reich der Phönizier intensiv mit Olivenhainen bepflanzt worden war. Was auch daran liegt, dass die Politik den Olivenölexport lange Zeit massiv erschwerte. Das beklagen etwa algerische Produzenten in einem Beitrag der Olive Oil Times 2016 zur Olivenölproduktion in Algerien.

Anfang Dezember 2020 kündigte der Agrarminister eine Verstärkung des Exports von Olivenöl an. Zugleich wurde bekannt, dass die Olivenernte in Algerien 2020 durch Trockenheit und Covid-19 um 40% eingebrochen sei. Darüber informiert die japanische Nachrichtenagentur "aflo".

Hauptsorte für die Ölgewinnung ist die spanische Varietät Cornicabra, deren Herkunftsgebiet ist die Region Toledo. Eine bekannte algerische Olivenvarietät ist Azerdaj (Aradj, Adjeraz) aus der Kabylei, von hoher Ölqualität - deren Ertrag allerdings gering ist. 2014 wurde eine genetische Untersuchung des algerischen Olivenbestandes durchgeführt, die auf Academia und anderen Forschungsplattformen zugänglich ist. Die Forscher Abdessemed, Muzzalupo und Benbouza gehen von weit mehr als 150 algerischen Varietäten aus, untersucht wurden 26 Varietäten, die an unterschiedlichste klimatische Bedingungen angepasst sind. Als ältestes Exemplar wurde ein Baum der Sorte Chemlal (2000 Jahre) in der Region Batna identifiziert.

2019 rangierte Algerien auf Platz 7 der Olivenproduzenten weltweit, mit 0,85 Mio Tonnen.

Olivenöl aus der Kabylei. Französisch
https://www.huileolivekabylie.com

Klage über Exporterschwernisse. Englisch, Französisch
https://www.oliveoiltimes.com

Bericht Dezember 2020. Japanisch, Englisch
https://www.aflo.com

Olivensorten in Algerien. Französisch
https://procesoliva.wordpress.com

Genetische Untersuchung algerischer Varietäten. Französisch
https://www.academia.edu



MAROKKO

Marokko ist mit 1,42 Millionen Tonnen Olivenernte 2015/16 (FAO) einer der großen Olivenproduzenten, hinter Spanien, Griechenland, Italien und der Türkei an 5. Stelle platziert.

Im 2008 aufgelegten "Plan Maroc Vert" der Regierung wird dem Olivenanbau in Marokko und dem Ölexport besonderes Gewicht beigelegt. Bis 2020 soll die Olivenanbaufläche auf 1,2 Millionen Hektar ausgeweitet werden, der Olivenölexport auf 120.000 Tonnen. Faktisch betrug die Anbaufläche 2016 erst 520.00 Hektar, der Ölexport 16.500 Tonnen. Der geringe Exportanteil wird auf die schlechte Qualität des marokkanischen Olivenöls zurückgeführt, die Resultat veralteter Olivenmühlen sei. Es ist also noch einiges zu tun, wie ein Beitrag von "Yabiladi" vom Dezember 2016 anmerkt.

Mit Spanien gab es in der Geschichte immer wieder regen Austausch an Olivenpflanzen und Kompetenzen. So verweist die von spanischen Missionaren in Mittelamerika etablierte Sorte "Mision" genetisch auf "Picholine Marocaine". Und weiter zurück hat die maurische Herrschaft in ihrer Blütezeit den Olivenanbau in Spanien erheblich gefördert durch Bewässerungssysteme und bessere Ölmühlen.

Heute dominiert Picholine Marocaine mit etwa 90% Anteil den marokkanischen Olivenanbau, ihrer Krankheitsanfälligkeit wegen wird sie jedoch zunehmend durch andere Sorten ersetzt oder ergänzt. Ein Beitrag von Agrimaroc vom Dezember 2015 verweist auf diese Problematik und informiert grundsätzlich über die Anstrengungen des Landwirtschaftsministeriums, den Olivenanbau und die Olivenvermarktung in Marokko zu fördern.

Nach einem Ernteeinbruch 2016/17 wurde 2017/18 in Marokko eine "Rekordernte" vermeldet, die allerding nur gering über der Ernte von 2015/16 lag und der von 2009/10 entsprach. Die von Rachid Mohamed betriebene "Maghreb-Post" veröffentlicht hierzu einige Mitteilungen des Landwirtschaftsministeriums, die Einblicke geben in die Situation aus amtlicher Sicht.

Der Olivenanbau bietet in Marokko eine Alternative zum Cannabis-Anbau und kann die Desertifikation stoppen. Darauf hat schon 2007 ein Beitrag auf Proplanta hingewiesen, unter dem Titel "Nordafrikanisches Olivenöl erobert den Weltmarkt".

Olivenanbau im "Plan Maroc Vert". Französisch
https://www.yabiladi.com

Picholine Marocaine, Neuzüchtungen, Förderung des Olivenanbaus. Französisch
http://www.agrimaroc.ma

"Rekordernte" 2017/18. Deutsch
https://www.maghreb-post.de

Nordafrikanisches Olivenöl. Deutsch
https://www.proplanta.de



SÜDAFRIKA

Über die Geschichte des Olivenanbaus in Südafrika seit Begründung der Kapkolonie 1652 und allgemein zu den Bedingungen des Olivenanbaus in Südafrika informiert eine "Production Guideline" des Landwirtschaftsministeriums Südafrika von 2010.

2018 waren in Südafrika 747 Hektar mit Frantoio, 659 mit Mission, 276 Hektar mit Coratina und 231 Hektar mit FS17 (Favolosa) bepflanzt. Weitere Anbausorten sind Picual, Arbequina und Koroneiki. Immerhin kann so etwa ein Drittel des Olivenölverbrauchs vor Ort produziert werden, die restlichen zwei Drittel stammen überwiegend aus Spanien. Grundlegende Informationen dazu gibt es auf der äußerst gehaltvollen Heritage-Site von "SouthAfrica.co.za".

Sehr ergiebig ist auch der Internet-Auftritt des Verbandes der Olivenbauern Südafrikas, SAOLIVE. Vor allem die Rubrik "News & Events" gibt für Außenstehende wertvolle aktuelle Informationen. Am 26. Februar 2021 wurde hier die Olivenfarmerin Briony Coetsee vorgestellt, deren Vater 1997 mit dem Olivenanbau begonnen hatte und die nun mit ihrer ganzen Familie ein mehrfach preisgekröntes Olivenöl auf der Marbrin Farm produziert. Sie hat auch über den Olivenanbau hinaus Treffendes zu einem verantwortungsbewußten Leben im Einklang mit der Natur zu sagen.

In den 1990er Jahren wurde der Olivenanbau in Südafrika intensiviert. Auf Youtube findet sich auch ein Video von 2015 über den chinesischen Unternehmer Shi Ruitai, der ab 1995 in Südafrika eine Olivenfarm und eine Olivenölmühle aufgebaut hat und sich zum größten Olivenproduzenten Südafrikas entwickelte.

Ein weiteres größeres Olivenanbau-Projekt ist die Oakhurst Olive Farm "Lemoendrif" der Familie Du Toit bei Tulbagh mit Kalamata als Tafelolivensorte, Frantoio, Leccino und Coratina als hauptsächlichen Olivenölsorten. Die ersten Olivenbäume wurden hier 2004 gepflanzt. Als Anbaumethode wurde nach Recherchen in Italien und Spanien "High density planting" gewählt. Inwischen sind Oakhurst Olivenöle mehrfach ausgezeichnet. Die Farm verfügt auch über eine eigene Baumschule zur Produktion wurzelechter Pflanzlinge für den südafrikanischen Markt.

Andere mittel- und südafrikanische Länder, in denen - allerdings noch in geringerem Umfang - Olivenanbau betrieben wird, sind Uganda und Tansania. Ein Foto aus Uganda zeigt einen respektablen älteren Olivenbaum. Ist das eine afrikanische Wildolive, die durch Beweidungsdruck einen Stamm entwickelt hat, oder eine europäische Einfuhr?

Production Guideline. PDF Englisch
https://www.dalrrd.gov.za

South African Heritage. Englisch
https://southafrica.co.za

Chinesische Olivenfarm in Südafrika. Englisch
https://www.youtube.com

Oakhurst Olives. Englisch
https://oakhurstolives.co.za

Uganda. Englisch
https://www.africa-uganda-business-travel-guide.com




KRIM

Zum Olivenanbau auf der Krim informiert ein Essay des botanischen Gartens von Nikita bei Jalta. Der Olivenanbau auf der Krim habe danach erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts begonnen: "Возрождение культуры маслины в Крыму началось лишь в первые десятилетия XIX века, с организацией Никитского ботанического сада, где маслине уделялось большое внимание." Im Nikita-Park steht jedoch ein Olivenbaum, dessen Alter auf etwa 700 Jahre geschätzt wird. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Olivenanbau bereits durch die griechische Kolonisation auf die Krim gebracht wurde.

Die Krim sei nach den Angaben auf der Nikita-Website im 19. Jahrhundert spezialisiert gewesen auf froststabile Sorten, die auch in den Mittelmeerraum exportiert wurden. Die OLEA Database führt eine Sorte "Krimskaia", die jedoch nur auf der Krim, in Aserbeidschan und China nachgewiesen wird. Weiters werden verschiedene Varianten einer Sorte "Nichitskaia" geführt, die offenkundig mit "Aglandaou" (nachgewiesen in Frankreich, Aserbaidschan und der Ukraine) eng verwandt sind, nachgewiesen in Armenien, Aserbaidschan, China, Georgien und der Ukraine!

Ein "Spezialprojekt" von "Zerkalo Kryma", eine "Krim-Fibel" von 2017, widmet sich auch den Oliven. Hier wird die These angeführt, dass die griechischen Kolonisatoren bereits autochthone Olivenbestände auf der Krim vorfanden. Wir erfahren hier, dass "heute" im Bereich der ehemaligen Sowjetunion, in Aserbeidschan, Turkmenistan, Georgien und auf der Krim, etwa 200.000 Olivenbäume stünden. Auf die Frage, warum die Krim nicht genutzt wurde zur Massenproduktion von Olivenöl, führt der Beitrag die Konkurrenz von Tabak und Weintrauben an.

Stalin ließ auf der Krim Zitrusfrüchte und Eukalyptus anbauen. Etwa 100.000 Orangen-, Zitronen- und Mandarinenpflanzen wurden auf seine Anweisung hin auf der südlichen Krim in Kolchosen gepflanzt.

Botanischer Garten von Nikita. Russisch
http://nikitasad.ru

Olivenbestand der ehemaligen Sowjetunion. Russisch
http://zerkalokryma.ru

Stalin auf der Krim. Russisch
http://www.krimoved.crimea.ua



GEORGIEN

Die Anfänge des Olivenanbaus in Georgien sind ungewiss, möglicherweise kamen schon Oliven aus einem der ältesten Olivenanbaugebiete der Welt am Südwestufer des Kaspischen Meeres nach Georgien. Spätestens mit der griechischen Kolonisation ab dem 6. Jahrhundert vor Christus wurden gewiss auch in Georgien Oliven angepflanzt. Zeugnisse gibt es weder zur einen noch zur anderen Annahme. Die Sowjetunion legte dann keinen Wert auf einen Olivenanbau in Georgien. Stalin förderte in seinem Heimatland nur den Weinbau und den Tabakanbau.

Bei der Kirche des Klosters Alawerdi in der Region Kachetien steht inmitten junger Olivenbäume ein Olivenbaumpatriarch, wie Fotos im Internet von 2019 und 2020 zeigen. Allerdings wurde der Baum dorthin erst in jüngerer Zeit verpflanzt, worauf auch sein seltsamer Schnitt verweist. Auf den Fotos der Reiseautorin und Fotografin Ingrid Bunse, die im September 2017 das Kloster besuchte, ist der Baum noch nicht zu sehen, lediglich die jungen Oliven stehen schon am Platz.
Beim Kloster Novy Afon (Neu Athos) in der abtrünnigen Republik Abchasien gibt es Olivenbestände, die auf die Gründungszeit des Klosters 1874 hinweisen, als russisch-orthodoxe Mönche vom Athos auf der Flucht vor den Türken hierher kamen und mit Unterstützung des Zaren ihre prunkvolle Klosteranlage errichteten. Zu sehen sind sie z.B. auf einem informativen Youtube-Video von "Abletr".

Im Mai 2010 wurde ein Neustart der Olivenproduktion in Georgien unternommen mit 20.000 Setzlingen in der östlichen Region Sighnaghi, südwestlich des Dorfes Mashnaari. Wie die Deutsche Wirtschaftsvereinigung berichtet, wird Stand 2020 etwa 20% des inländischen Bedarfes durch eigenes Olivenöl befriedigt. Dieser zügige Erfolg ist auch darauf zurückzuführen, dass in Georgien Olivenernte und Ölausbeute überdurchschnittlich hoch sind. Nach Angaben des Gründers von "Georgian Oil", Giorgi Svanidze, genügten in Georgien 4 kg Oliven für 3,7 Liter Öl - eine Angabe, die sicherlich mit Vorsicht zu behandeln ist, wie der gesamte Beitrag, der Georgien gleich hinter Spanien und Italien einordnet als dritten "hub of olives in Europe". Beschrieben wird, dass georgische Oliven eine dünnere Haut und kleinere Steine als etwa türkische Oliven hätten.

Ein Beitrag in der spanischen "Olive Press" von Juli 2019 geht detailliert auf den Neuaufbau des Olivenanbaus in Georgien ein, zitiert auch Tekuna Gachechiladze, Inhaberin eines gepriesenen Restaurants in Tbilisi, Cafe Littera, und Botschafterin der georgischen Küche: "Olive oil was our tradition, we just lost it." Olive Press führt eine ganze Reihe von Gebieten an mit älteren Olivenbeständen, in den Hügeln von Urta, bei Poti, bei Novy Afon - alle drei am Schwarzen Meer. Bei Novy Afon soll sich auch eine größere neue Olivenpflanzung der von Georgien abtrünnigen Republik Abchasien befinden.

Ein beeindruckender 400jähriger Olivenbaum ziert die Rustaveli Avenue in Tbilisi, Herkunft Italien, ein Geschenk an den Katholikos-Patriarchen Ilia II. von Georgien, gepflanzt 2008. Kritisch kommentiert der Blogger Shioshvili die Symbolik der Pflanzung als Anmaßung -
Georgien habe keine Tradition des Olivenanbaus.

Ingrids Welt. Alaverdi. Deutsch
https://www.ingrids-welt.de

Video Novy Afon von Abletr. Englisch
https://www.youtube.com

DWV - Georgisches Olivenöl. Deutsch
https://dwv.ge

Giorgi Svanidze. Englisch
https://www.orbisrealty.com

Olivenanbau in Georgien. Englisch
https://www.theolivepress.es

Herkunft der Rustaveli Olive. Englisch
http://blog.shioshvili.com



IRAN

Im Westen des Iran, im Grenzgebiet mit der Türkei, wird eines der ersten Domestikationszentren der Olivenkultur vermutet. Der Iran ist auch insofern von besonderem Interesse für die Olivenkultur, als sich hier im Süden noch heute Bestände von Olea europaea subsp. cuspidata finden lassen.

Die Olivenbestände am Kaspischen Meer weisen zurück bis in die Zeit vor der mittelalterlichen Jahrtausendwende. Dabei spielen besonders die Olivenhaine von Rudbar in der Provinz Gilan eine identitätsstiftende und wirtschaftlich bedeutsame Rolle. Rudbar wird auch "Olivenstadt" genannt. Der Name der Stadt bedeutet allerdings lediglich "Am Fluss".

Das Tal des Sefi Rud, in welchem Rudbar liegt, birgt wesentliche Bestände des iranischen Olivensorten-Erbes. Von großem Interesse sind diese Bestände durch ihre Anpassungen an ein durch das Kaspische Meer abgemildertes kontinentales Klima.

Das verheerende Erdbeben bei Rudbar von 1990 hat auch die Olivenproduktion in der Region beeinträchtigt. Dokumentiert ist es in einer filmischen Trilogie von Abbas Kiarostami (Koker-Trilogie: "Wo ist das Haus meines Freundes", "Und das Leben geht weiter", "Quer durch den Olivenhain").

Eine 2019 publizierte Untersuchung zu den langfristigen Perspektiven des Olivenanbaus in der Provinz Gilan erbrachte als Ergebnis: "the olive production systems in Guilan province had the ability to compete with domestic and international competitors".
 
Eine umfangreiche Untersuchung zum Genbestand der Oliven im Iran ist auf "Researchgate" zu finden. Sie stammt aus dem Jahr 2014 und wurde gemeinsam von iranischen und italienischen Experten erstellt.

Die Olivengärten von Rudbar. Deutsch
http://web.irankultur.com

Olivenanbau im Iran. Englisch
http://www.olioofficina.net

Olivenanbau Gilan. Spanisch, Englisch
http://www.scielo.br

Genbestand der Oliven im Iran. Englisch
https://www.researchgate.net



PAKISTAN

Im Himalaya- und Hindukuschgebiet gibt es an den Südflanken ausgedehnte Bestände von Wildoliven. Allerdings sind die heutigen Zuchtoliven vermutlich aus Wildolivenbeständen in Kleinasien hervorgegangen. Eine kupfer- oder bronzezeitliche Olivenkultur ist aus den Ländern am Himalaya- und Hindukuschrand nicht überliefert.

Die ersten Olivenplantagen in Pakistan wurden in den 50er Jahren in Mingora und Rawalpindi angelegt. Das Pakistan Agricultural Research Concil - PARC - startete 1987 experimentelle Olivenpflanzungen in Pakistan, im Rahmen eines Abkommens mit der italienischen Regierung. Danach folgte die Erfassung des Bestandes an Wildoliven, Olea cuspidata. Etwa 80 Millionen Exemplare wurden identifiziert. Es folgten Versuche mit Züchtungen auf der Basis regionaler Olea cuspidata durch das
1995 gegründete Pakistan Oilseed Development Board (PODB). Neben wirtschaftlichen Zielen stand auch das Stoppen von Desertifikation im Fokus.
 
Seit 2007 gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Istituto Agronomico per l'Oltremare, Italien. Davon berichtet der Landwirtschafts-Konsultant Giacomo Morelli in seinem äußerst informativen, datengesättigten Überblick zum pakistanischen Olivenölsektor "Edible Oils in Pakistan. An Overview with a Focus on Olive Oil" von 2008.

Der u.a. auf sozialpolitische und agrarpolitische Themen spezialisierte Kolumnist und Blogger Tahir Ali Khan hat über diesen Prozess 2010 bis 2012 umfangreich berichtet. Seine Bilanz von November 2012 konfrontiert die offiziellen Zahlen mit den Auskünften von Olivenfarmern. Ein Kleinbauer beklagt, dass von 40.000 durch seine Dorfgemeinschaft veredelten Wildoliven lediglich 12% nach 7-8 Jahren Früchte tragen. In den folgenden Jahren fokussierte die Landwirtschaftspolitik die Förderung auf Setzlinge statt auf Wildolivenveredelung.

Im Punjab wurden 2015/16 330.000 Olivenbäume gepflanzt, im Rahmen eines Projektes von BARI, finanziert vom Landwirtschaftsministerium. Insgesamt sollen bis 2020 zwei Millionen Setzlinge ausgebracht werden. Auf der Website von BARI zum "Olive Valley Project" wird auch eine interessante Langzeitstudie zum Ertrag unterschiedlicher Sorten unter den Bedingungen des Punjab vorgestellt.

PARC. Englisch
http://www.parc.gov.pk

Morelli: Edible Oils. PDF Englisch
http://aicsislamabad.org


Pakistan Olive Plantation Initiatives 2012. Englisch
https://tahirkatlang.wordpress.com

Olive Valley Project. Englisch
http://barichakwal.org



INDIEN

Die ersten Olivenpflanzungen in Indien fanden in den 1950er Jahren statt, in Pinjore und im Distrikt Solan. In den folgenden Jahrzehnten wurden immer wieder Projekte von FAO und UNDP initiiert, unter anderem zur Zucht autochthoner Sorten unter Einbeziehung der regionalen Vorkommen von Olea cuspidata. 1984-1993 wurden im Rahmen von indisch-italienischen intergovernementalen Abkommen Olivenanbau und Olivenölindustrie in Indien gefördert.

Über die indisch-israelische Zusammenarbeit bei einem großen Olivenanbau-Projekt in den ariden Weiten Rajasthans informiert "Outlook India". Angeleitet wird das Projekt vom Bewässerungsexperten Gideon Peleg, es wurde 2007 begonnen auf 7 unterschiedlichen Flächen von je ca. 30 Hektar trockenem, unfruchtbarem Land. Eingesetzt wurde die in Israel schon bewährte Tropfbewässerung, mit gezielten Düngergaben verbunden.
Das Projekt sollte in ländlicher Region Einkommen generieren und die Desertifikation stoppen. Inzwischen stehen Olivenbäume auf etwa 800 Hektar in Rajasthan (Stand 2016). Daneben gibt es indischen Olivenanbau in Uttar Pradesh, Himachal Pradesh, Jammu und Kaschmir.

Indien. Englisch
http://www.outlookindia.com



NEPAL

Die FAO hat gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium Nepals 1999 eine bemerkenswerte Dokumentation zum Olivenanbau in Indien und Nepal zusammengestellt. Darin wird auch auf die Wildoliven in Nepal hingewiesen und der erste Olivenanbau in der Region mit Olea europaea in den 1950er Jahren beispielhaft erwähnt, durch die Familie des Maharajas Partiala im Himachal Pradesh bei Solan. Im Gefolge kamen die ersten Olivenbäume aus Indien nach Nepal. 1978 wurden die Sorten Nuovo, Nabali und Manzanilla aus Israel eingeführt und in botanischen Gärten gepflanzt. In den 90er Jahren wurden weitere Sorten gepflanzt und ein eigenes Setzlingsprogramm aufgelegt.

Gleichfalls in den 1990er Jahren startete ein deutsch-nepalesisches Paar den ersten umfangreicheren Olivenanbau in Nepal, in Bisingkhel/Chitlang Valley an der Straße nach Kathmandu, mit 2.400 Bäumen französischer und italienischer Provenienz. Die Bäume litten allerdings bald an Krankheiten (Frantoio mit Pseudomonas savastanoi - 2008 identifiziert) und klimatischen Problemen (Monsun). Nach 2012 ist von diesem Projekt nichts mehr zu hören. Auch der nepalesische "Mister Internet", der Gründer von "Nepal Wireless", Mahabir Pun, beschäftigt sich mit dem Thema Olivenanbau zur Erhaltung nepalesischer Bergdörfer (Interview mit Ambros Gasser 05.07.2016). Allerdings dürfte der Monsun in Nepal ein entscheidender limitierender Faktor sein (was für Rajasthan etwa nicht gilt).

Nepal. PDF Englisch
http://www.fao.org

Chitlang Valley. Englisch
http://ecs.com.np




CHINA


Im chinesischen Oleo europaea Anbau des 20. Jahrhunderts gab es offensichtlich eine Zusammenarbeit mit der Sowjetunion, denn die Sorten Krimskaja und Nikitskij sind für China belegt, in den  Provinzen Hubei, Jiangsu, Shaanxi, Sichuan und Yunnan (s. OLEADB). In den Erinnerungen von Fan Chengzuo, chinesischer Botschafter in Albanien 1986-1989, wird berichtet, nach dem Besuch von Zhou Enlai 1964 seien aus Albanien die ersten Olivenbäume nach China gekommen, 10.000 Exemplare. Dazu gibt es einen Film, der auf YOUKU zu sehen ist und Zhou Enlai beim Pflanzen zeigt. Hairi Ismaili nennt in "The Origin of the Olive in Albania" eine Lieferung von 1.500 Pflanzen - überwiegend Kalinjot (Kalin, Kaninjot, Kanine) - im Jahr 1970. China bietet so ein hochinteressantes Erfahrungsfeld für den Olivenanbau fernab der klassischen Mittelmeerlage.

Die Nachfrage nach Olivenöl steigt in China kontinuierlich an und erreichte 2015 ca. 36.000 Tonnen (nach Angaben der Chinesischen Handelskammer für Nahrungsmittel bereits 2013 43.400). Sie wird weitgehend durch Importe gedeckt, etwa 80% davon kommen aus Spanien. Die erfasste chinesische Eigenproduktion betrug 2015 in 25 Ölmühlen etwa 5.000 Tonnen - vorwiegend in den Provinzen Gansu, Shaanxi und Sichuan.
Die tatsächliche Produktionsmenge dürfte einiges darüber liegen.

Wie auf den Internetseiten des chinesischen Landwirtschaftsministeriums zu erfahren ist, setzt China gezielt auf ländliche Entwicklung durch die Anlage von Olivenhainen (so in Chongqing - der "Größten Stadt der Erde"). Eine andere Meldung des Ministeriums berichtet, dass im Gebiet Wenxian am "Gelben Fluß" in der Provinz Henan im Jahr 2017 ca. 7.000 Hektar mit Olivenbäumen bepflanzt wurden  - bei einem Potential von insgesamt ca. 17.000 Hektar.

Wei Shuqiu, Anbauklimaexperte an der Landwirtschaftsuniversität Peking, sieht 2010 in den Provinzen Henan, Hubei, Jiangsu, Sichuan (Wildolivenvorkommen) und Zhejiang das größte Potential für Olivenanbau. Dazu kommen noch geeignete Gebiete in den Provinzen Gansu (dort stehen, Stand 2016, im Südteil etwa 80% der chinesischen Olivenbäume, im Gebiet Longnan-Weinan), Fujian, Hunan, Jiangxi und Yunnan (Wildolivenvorkommen).

Ein Video von 2017 zeigt an eindrucksvollen Anbau-, Ernte- und Verarbeitungsbildern die Bedeutung der Olivenproduktion in China und präsentiert die zahlreichen Regionen, in denen Olivenanbau möglich ist. China kauft sich zunehmend auch im internationalen Olivenölgeschäft ein. Bright Food, der zweitgrößte Lebensmittelhersteller in China, hat 2014 bei Salov/Italien (Marken Filippo Berio und Sagra) die Mehrheit übernommen.

 
Video zur Pflanzung 1964. Chinesisch
https://v.youku.com

Olivenanbaugebiete in China. Englisch
http://www.oleadb.it

Chinesische Olivenölproduktion. Englisch
https://www.oliveoiltimes.com

Olivenanbau zur ländlichen Entwicklung. Chinesisch
http://www.agri.cn

17.000 Hektar in Wen. Chinesisch
http://www.agri.cn

Gebietspotential des chinesischen Olivenanbaus. Chinesisch
http://www.xinnong.net

Chinesischer Olivenanbau. Video Chinesisch
http://www.iqiyi.com

Bright Food kauft Salov. Englisch
https://www.ft.com



AUSTRALIEN

Die dokumentierte Geschichte des Olivenanbaus in Australien beginnt im Süden, vermutlich mit einer ersten Pflanzung um 1805 in Parramatta bei Sidney (heute bebautes Land). Mit Ausnahme von Tasmanien wurden im 19. Jahrhundert dann in allen Provinzen Olivenbäume gepflanzt. Von wirtschaftlicher Bedeutung wurde der Olivenanbau zunächst nur im Südosten. Auf der Londoner Weltausstellung 1851 wurde australisches Olivenöl bereits lobend erwähnt. 1875 standen im Grünland um Adelaide mehr als 3.000 Olivenbäume, nachzulesen in Michael Burrs Buch "Australian Olives". In Südwestaustralien ging der Olivenanbau in den 1860er Jahren vom New Norcia Kloster (Benediktiner) aus. Über 100 Jahre alte Olivenbäume stehen auch in Perth.

Die Olivenanbaufläche in Australien beträgt nach einer Schätzung von 2012 über 35.000 Hektar. Mit 20.000 Tonnen Ölproduktion im Jahr liegt Australien in der Weltproduktion etwa gleichauf mit Jordanien oder Ägypten. Dazu kommt eine junge, expandierende Speiseolivenproduktion von 4.000 Tonnen, die in den Händen weniger Farmne liegt.

Umfassende Informationen zur Olivenindustrie in Australien liefert die Website von "Olives Australia", einer in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts aktiven Olivenbaumschule. Eine besonders nützliche Unterseite enthält Beschreibungen verschiedener in Australien gebräuchlicher Olivensorten aus Griechenland, Israel, Italien und Spanien.
"Australia is fortunate to have many of the world's most valuable olive cultivars already on its shores." Insgesamt liefert die Seite umfassende Informationen zum Olivenanbau in Australien mit Beiträgen aus dem Newsletter der Baumschule und aus anderen Publikationen, Stand 1997.

Die Australien Olive Association vereinigt alle Olivenanbauer Australiens und informiert über Produktionsdaten, Qualitätsstandards, institutionelle und organisatorische Strukturen, Veranstaltungen. Es gibt auf der Seite Links zu allen Untergliederungen.

Einen guten Einblick in die Ausmaße australischer Olivenfarmen gibt die Seite von "Treetops Plantation", die mehr als 25% der australischen Speiseoliven produziert. Hier werden seit 1999 auf inzwischen 140 Hektar vor allem die Sorten Kalamata, Manzanillo, Mammoth and Ligurian angebaut.

Geschichte. Englisch
http://www.oliveaustralia.com.au

Australische Olivenindustrie. Englisch
http://www.oliveaustralia.com.au

AOA. Englisch
http://www.australianolives.com.au


Speiseoliven-Farm. Englisch
http://treetopsolives.com.au


NEUSEELAND

Neuseeland hat sich im Obstanbau auf Kernobst und - partiell identitätsbildend - auf den Kiwi-Anbau konzentriert. Der Olivenanbau spielt nur eine geringe Rolle, er kam in den 1830er Jahren durch Einwanderer aus Südeuropa nach Neuseeland. Aber erst 1986 begann der systematische Aufbau von Olivenplantagen - zunächst mit Setzlingen aus Israel, dann mit Pflanzenmaterial aus Australien. Aktuell (Stand 2019) stehen ca. 400.000 Olivenbäume in Neuseeland, auf beiden Inseln und in zahlreichen Regionen. Die häufigsten Sorten sind Frantoio und Leccino. Die jährliche Ölausbeute beträgt ca. 400 Tonnen.

"Olives New Zealand" ist der maßgebliche Verband der Olivenanbauer auf Neuseeland. Gegründet 1996, inzwischen (Stand 2021) ca. 200 Mitglieder. Die Mitgliederliste reicht von Hobbyanbauern mit weniger als 100 Bäumen bis hin zu kommerziellen Plantagen mit 40.000 Bäumen. Als "Full Member" (56%) werden nur Mitglieder mit mehr als 250 Bäumen gelistet. Die meisten Hobby-Anbauer sitzen in der Region Wairarapa. In seinem auf der Website zugänglichen Bericht "The New Zealand Olive Industrie" bekennt sich der Verband zur Entwicklung und Förderung der hochtechnisierten Massenproduktion als zentraler Aufgabe.

Ein großartiger Beitrag im französischen Reise-Blog von Mathilde und Matthieu, "In Olio Veritas", beschäftigt sich fundiert und erfahrungsgesättigt mit Geschichte und Gegenwart des neuseeländischen Olivenanbaus (Stand Anfang 2019). Wunderbare Fotos und interessante Hintergrundinformationen! So berichten die beiden Reise- und Olivenenthusiasten von Charles Darwin, der auf seiner Reise nach Neuseeland 1835 auch die Olivenbäume vorfand, die - dem Hörensagen zufolge - von spanischen Seeleuten auf die Insel gebracht worden waren.

Weitere aufschlussreiche Details gibt es zur Olivenplantage Mount Grey auf der Südinsel, die unter trockenheißen Winden von Australien her ebenso leiden wie unter bisweilen heftigem Frost. Gegen den Frost hat der Betreiber John Dodgeson am Ende langer Masten große und teure Ventilatoren montiert. Zur Wirksamkeit gibt es keine zuverlässigen Befunde.

Olives New Zealand. Englisch
https://www.olivesnz.org.nz

In Olio Veritas. Französisch, Englisch
https://inolioveritas.org

Neuseeland Karte Webcams
https://takeabreak.co.nz



ARGENTINIEN

Argentinien steht heute an der Spitze unter den amerikanischen Ländern im Tafelolivenanbau, mit 95.000 Tonnen 2017, gefolgt von Peru mit 71.000 Tonnen. Auch in der Olivenölproduktion steht Argentinien in den Amerikas an der Spitze, weltweit 2014 an 10. Stelle mit 28.100 Tonnen, Chile weltweit an 16. Stelle mit 15.600 Tonnen, gefolgt von den USA mit 12.000 Tonnen. Große Anstrengungen zum Aufbau einer Olivenölindustrie unternimmt Uruguay - wobei vor allem auf Qualität gesetzt wird. Die Produktionsmenge betrug 2012 allerdings nur bescheidene 500 Tonnen, bis 2017 wurde eine Verdoppelung erreicht. Peru möchte seine Olivenölproduktion auch steigern, wie Pressemitteilungen der "Asociación Pro Olivo" von 2017 nahelegen.

In Argentinien sitzt mit 7.000 Hektar Olivenanbaufläche auch der größte Olivenproduzent Südamerikas, die AOG (Argentinia Olive Group). Auf ihrer Website stellt die Gruppe ihre Produktionsprinzipien vor. Dazu gehören genetisch reines Pflanzenmaterial aus Italien, Spanien, Israel und Griechenland, Bewässerung durch israelische Tropfbewässerngssysteme und allgemein nachhaltige Bewirtschaftung.

Hauptanbauprovinz ist Mendoza. Hier arbeiten zahlreiche kleinere Produzenten mit biologischen Anbauprinzipien. Bekannt ist die Region auch für ihren Weinbau. Erntezeit ist hier von April bis Juli. Die regional typische Olivensorte ist Arauco. Einen interessanten Bericht bietet die Seite der Foodtraveller und "Digital Nomads" Rosemary und Claire, "Authentic Food Quest".

Einen brauchbaren Abriss zur Geschichte des Olivenbaums in Argentinien bietet der Blog des italienischen Olivenölproduzenten und Lebensmittelhändlers Lucini. Hier wird die argentinische Sorte Arauco zurückgeführt auf die ersten spanischen Olivenbäume, die im 16. Jahrhundert mit der Conquista nach Argentinien kamen und das Dekret Karls III. von 1777 überlebten, welches die südamerikanische Olivenkonkurrenz ausschalten sollte.

AOG. Spanisch, Englisch
http://exportaog.com

Mendoza. Englisch
https://www.authenticfoodquest.com

Geschichte des argentinischen Olivenanbaus. Englisch
https://lucini.com



PERU

Peru ist einer der weltgrößten Produzenten von Tafeloliven. Die Ernte betrug 2017 71.000 Tonnen - nur etwa ein Neuntel der Ernte Ägyptens, aber genug, um bei den ersten 10 mit dabei zu sein, hinter Ägypten (650 TT), Spanien (520 TT), Türkei (450 TT), Algerien (280 TT), Griechenland (235 TT), Syrien (kriegsbedingt stark schwankend, ca. 150 TT), Marokko (120 TT) und Argentinien (95 TT) - noch vor den USA (66 TT) und Italien (48 TT).

Die frühe Geschichte des Olivenanbaus in Peru wird auf einer spanischen Kochseite ausgesprochen informativ dargestellt. Hier erfahren wir, dass der peruanische Olivenanbau mit dem Konquistador und Prokurator Don Antonio de Ribera beginnt, der 1559 mit 100 Olivensetzlingen an Bord in Sevilla ablegt, bei der Ankunft in Peru allerdings nur noch drei Setzlinge vital an Land bringen kann.

Was folgt ist ungewiss und von Legenden durchsetzt. Die Franziskaner begründeten bereits 1532 ihre erste Mission im Tal von Pachacamac. Anders als in Mexiko sind sie mit Olivenanbau in Peru jedoch nicht prägnant in Erscheinung getreten. Als gesichert kann gelten, dass der in Peru geborene Dominikaner San Martín de Porres 1637 etwa 700 Olivenbäume im heutigen Distrikt San Isidor/Lima pflanzen ließ und damit den Park "El Olivar" begründete, der 1959 zum Nationaldenkmal erklärt wurde. Eine Untersuchung der Polytechnischen Universität Madrid erbrachte 2017 für einen der dortigen Bäume ein Alter von ca. 374 Jahren. Es dürfte sich um das einzige erhaltene Exemplar der Pflanzung von San Martín handeln.

Heute ist der Olivenanbau in Peru vor allem durch Tafeloliven geprägt. Allerdings bemüht sich die Vereinigung der "Procesadores Exportadores de Aceituna", "Pro Olivo" Peru, in den vergangenen Jahren um die Steigerung des Anteils der Olivenölproduktion (2017 ca. 20%). Auf der Website der Vereinigung finden sich umfangreiche Informationen zum Olivenanbau und zum Olivenmarkt in Peru. Besonders aufschlussreich sind das Verzeichnis der "Asociados" und die Pressemitteilungen unter "Noticias". Unter "Información - Estacionalidad de la cosecha"  bemerkenswert ist die Tabelle zu den Erntezeiten. Grüne Tafeloliven werden März bis Mai geerntet, schwarze Mai bis September.

Geschichte. Spanisch
https://www.historiacocina.com

Altersbestimmung "El Olivar". Spanisch
https://elcomercio.pe

Pro Olivo. Spanisch
http://proolivo.com



MEXIKO

Der Olivenanbau in Mexiko beginnt bald nach der Conquista durch Hernán Cortés mit der landwirtschaftlichen Arbeit franziskanischer und jesuitischer Missionare. Als Datum für die erste Pflanzung wird 1524/1531 genannt, in der Nähe des heutigen Mexico City, durch den Franziskaner Martin de Valencia. Im 17. Jahrhundert ließ der Franziskaner Eusebio Francisco Kino Olivenhaine im Nordwesten Mexikos anlegen, aus denen die Varietät "Mission" hervorging, die sowohl als Tafel- wie als Ölolive geeignet ist und die im 18. Jahrhundert auch Kalifornien eroberte . Der mexikanische Olivenanbau wurde zum Erfolgsprojekt, bis der spanische König Carlos/Karl III. 1777 alle Olivenhaine zerstören ließ, um die wirtschaftliche Abhängigkeit des Landes von Spanien zu erhalten.

Interessante Daten und Bilder zur Geschichte des Olivenanbau in Mexiko liefert der Blog "El Cuexcomate". Im Blog gibt es einen weiteren interessanten Beitrag zum Olivenanbau, suchen mit dem Stichwort "aceitunas".

1950 rief der Präsident Miguel Alemán Valdés die "Comisión Nacional del Olivo" ins Leben. 1975 besann sich die Regierung auch auf den traditionellen extensiven Olivenanbau und ließ die Bedingungen für diesen untersuchen und Förderprogramme auflegen. Beides führte zu einem Aufschwung des Olivenanbaus in Mexiko - argwöhnisch beäugt von der US-amerikanischen Olivenindustrie, die Konkurrenz befürchtete. Dokumentiert ist dies in einem Bericht des "United States Department of Agriculture" von 1980.

1990 betrug die Tafelolivenproduktion in Mexiko 14.000 Tonnen, die Olivenölproduktion 2.500 Tonnen. Seit 2006 wird von der FAO nur noch die mexikanische Tafelolivenproduktion erfasst, für 2017 werden 18.000 Tonnen angegeben. Dass es indes weiterhin eine nennenswerte Olivenölproduktion gibt, zeigt ein interessanter Beitrag über den Aufbau einer Olivenölproduktion in der Provinz Tamaulipas von 2010.

Das mexikanische Sortenspektrum umfasst neben der 1777 nach dem Dekret des spanischen Königs Karls III. weitgehend vernichteten Varietät Mision/Mission heute v.a. Arbequina, Arbosana, Buffalo, Coratina, Frantoio, Ibarra, Koroneiki, Manzanilla und Picual/Nevadillo.

Geschichte des mexikanischen Olivenanbaus. Spanisch
http://www.cuexcomate.com

Mexicos Expanding Olive Industry (1980). Englisch
https://archive.org

Olivenölproduktion Tamaulipas. Englisch
https://www.oliveoiltimes.com

Olivensorten in Mexiko. Spanisch
http://procesoliva.blogspot.de



USA

In den USA werden Oliven zu 95% in Kalifornien angebaut (überwiegend Mission und neuere spanische Sorten), dazu kommen Flächen in Florida (Arbequina, Mission, Manzanilla), Arizona, New Mexico, Texas und Hawaii. Eingeführt wurde der Olivenanbau in Kalifornien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. 1769 brachte der spanische Franziskaner Junipero Serra Oliven aus San Blas und pflanzte diese in Mission San Diego de Alcalá. Damit begann die dann von Missionaren und Siedlern - auch aus Deutschland -  vorangetriebene Geschichte des Olivenanbaus in Kalifornien und die Ausbreitung der Sorte Mission.

Die Olivenölproduktion der USA macht lediglich 1% der Weltproduktion aus. Über die sieben Olivenregionen in Kalifornien und die Olivenproduzenten dort informiert unter "Visit a Grove" die Internetseite des California Olive Oil Council, mit genauen Adressen, Einrichtungen/Angeboten (Mühle, Verkostung, Plantage) und Webadresse, so vorhanden. Unter "Educational Videos" findet sich ein instruktives Video zum Olivenanbau und zur Olivenölproduktion in Kalifornien.

Die Geschichte des Olivenanbaus in Kalifornien (unter "Facts and Definitions")", potentiellen Anbaugebiete in den USA (unter "Making Olive Oil") sowie sonstige Themen rund um Olivenanbau und Olivenöl werden knapp, aber informativ auf der Seite von "Olive Oil Source" präsentiert. Kurz beschrieben sind unter "Making Olive Oil - Growing - Tree Selection" die in den USA gebräuchlichen Varietäten Arbequina, Ascolana, Frantoio, Leccino, Manzanilla, Maurino, Mission, Pendolino und Sevillana.

Im Internetarchiv gibt es eine beeindruckende kleine Bibliothek zum Olivenanbau in Kalifornien. Auf der geöffneten Seite finden Sie die bemerkenswerte Abhandlung "Report on the condition of olive culture in California" von 1900. Unten auf der Seite werden "Similar Items" angezeigt. Insgesamt gibt es 10 Titel, von "The Olive Knot", 1898, bis "Olive Pollination in California", 1975.

Bemerkenswert ist die Geschichte der Kalifornien prägenden Olivensorte Mission, die als einzige autochthone US-Olivensorte gilt und die auch in die "Arche des Guten Geschmacks" von Slow Food aufgenommen wurde. Eine Gruppe von Enthusiasten bemüht sich im "Mission Olive Preservation Project" um die Bewahrung des Genpools der Ursprungs-"Mission". Die Varietät kam von Mexiko - und dorthin war sie im 16. Jahrhundert aus Spanien gelangt. Ihr Genbestand hat größte Übereinstimmung mit der Sorte "Picholine Marocaine".

California Olive Oil Council. Englisch
https://www.cooc.com

Anbaugebiete in den USA und Sortenportraits. Englisch

https://www.oliveoilsource.com

Bibliothek Olivenanbau Kalifornien. Englisch
https://archive.org

Mission. Englisch
http://www.oac.cdlib.org