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DER PREIS DER WELT

die welt
läuft aus, die bodenpreise
steigen
und wer noch große kinder will
muß kräftig gießen.
auch wenn die letzte zucht
zu wasserköpfen neigte
die zeichen stehen gut
die neuen mittel helfen
auch wenn die brut stattdessen nun
zum schießen neigt, die schönheit steigt
und auch der IQ läßt, soweit wir sehn
nicht grund zur sorge. nur dies:
die welt läuft aus
und keiner weiß wohin.

(1989)
































































































































































































TAGEBUCH 2008     TAGEBUCH 2009


TAGEBUCH 2010
:


04. Januar 2010. Einige der Bäume verlieren Blätter - vor allem Koroneiki und jene Leccino, die nach dem Winter 2008/09 nur aus dem unteren Stammbereich neu ausgetrieben hatten.
In der vergangenen Nacht bei Außentemperatur von -3,9 Grad ein Temperaturgewinn von 3,5 Grad unter den Vliesen! Für kommende Woche bis -18 Grad angekündigt. Mal schauen, was daraus wird!

07. Januar 2010. Traurig: Koroneiki - eine wunderschöne, leider aber als frostempfindlich bekannte Sorte - hat einen tiefen Daisysenkrechten Riss unten am Stamm von etwa 7 cm Länge bekommen. Auslöser ist ein gekappter, vernarbter Astansatz (Wasser eingesickert und gefroren?). Dazu hat die Pflanze noch einige kurze klaffende Risse an jungen Zweigen. Ich versorge mit Wundbalsam und umwickle mit Bast.

09. Januar 2010. "Daisy" konnte kräftig zuschlagen und die Vliestunnels unter Schneelast begraben. Die Oliven blieben dabei jedoch unbeschädigt und das Vlies ist bei sechs Tunnels mit je vier Pfosten nur an einer Pfostenauflage ca. 20 cm eingerissen. Die Federstahlstäbe waren völlig verbogen, mit bis zu drei Knicks von etwa 90 Grad - ließen sich aber problemlos wieder in die alte Position zurückbringen. Auf dem Foto sieht man hinter dem von Schnee eingedrückten Tunnel eines, das ich bereits ausgegraben und wieder hergerichtet habe.

20. Januar 2010. Die für Januar immer wieder angekündigten Tiefsttemperaturen blieben bislang aus, unter den Vliesen ausgeglichene Temperaturen bis minimal -2 Grad. Seit einigen Tagen Tauwetter. Unter der Schneelast und bei Winddruck hat sich besonders das engere und niedrige Tunnel (1.40 m Höhe, 1.90 m Breite - hier stehen nur kleinere Pflanzen) gut bewährt sowie das hauszeltartige Tunnel bei dem ich das Vlies nur über die Pfosten und die Rolladengurtverspannung geworfen und durch groben Mulch von den Pflanzen abgehalten habe. Bei den anderen sind die Federstahlstäbe teilweise erheblich verbogen, was sich aber wieder "hinbiegen" läßt.

25. Januar 2010. Stammrisse unten bei Pendolino, Ascolana, Maurino und einem schwachen Leccino bei feuchter Witterung und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Stresssymptom? Auch 2009 Stammrisse im Januar! Mit Bast umwickelt und Rindensalbe drüber, dann alle Stämme in Vlies eingepackt bis 50 cm Höhe. Hatte das bislang unter Vliestunnels/Vliesiglus für überflüssig gehalten, bin auch nicht sicher, ob es etwas hilft. Vergangenen Winter gab es dieses Phänomen nicht bzw. nur an dünnen Zweigen bei tiefem Frost.

28. Januar 2010. Welch ein Winter! In der Nacht vom 26. auf den 27. Januar zum zweiten Mal Frost im zweistelligen Minusbereich (außen -12, unter Vlies -6). Heute zum dritten Mal die Vliestunnels unter Schnee/Schneeverwehungen freigegraben. Bei den Iglus gibt es nichts zu tun. Im nächsten Winter also die Tunnels enger/steiler bauen, damit der Schnee besser abrutschen kann. Und wenn es dann statt Schnee nur Stürme gibt? Da hilft nur "flexible response".

Eines hat die Klimadebatte bislang - neben einer massiven Mittelstandsförderung im Bau- und Installationshandwerk u.ä. - auf jeden Fall gebracht: Man bekommt nun, bei entsprechender Recherche, gute Materialien für eine eigene Wetterentwicklungsabschätzung. Auf die Extremfrostnächte war ich dank http://www.wetter24.de/ vorbereitet.

14. Februar 2010. Ich habe es aufgegeben, mir die Namen der Tiefs seit "Daisy" zu merken, die meine Vliestunnels unter Schnee begruben. Ich beschäftige mich wieder intensiver mit Klimageschichte und bin überzeugt, dass in der Römerzeit - und vermutlich auch während des mittelalterlichen Temperaturoptimums - Olivenbäume in Deutschland standen. Hildegard von Bingen empfiehlt Olivenblättertee bei Verdauungsproblemen. Ich halte es eher für unwahrscheinlich, dass sie sich die Blätter aus Italien kommen ließ (obgleich die Klöster gewiss intensive "interkulturelle" Kontakte pflegten). Kannte Hildegardis vielleicht Olivenbäume aus ihrem direkten Umfeld? Die "kleine Eiszeit" ab dem 15. Jahrhundert hat davon, sollte es so gewesen sein, nichts mehr übergelassen.

Vliestunnels20. Februar 2010. Winter ade? Pünktlich zum Faschingsende setzte Tauwetter ein. Allerdings hat es in diesem Winter schon öfter mal Tauwetter gegeben. Was also? Ich habe zumindest einmal angefangen, die Bäume unter dem Vlies mit Goldrute-Ansatz zu besprühen, da bei einigen die Blätter leicht eingerollt sind, vor allem bei denen, die Stammrisse bekommen haben. Wenn jetzt der StoffÖlheizungwechsel wieder anspringt, sollen sie mir nicht vertrocknen.

Kerzen und Öllichter habe ich auch eingesammelt (Foto rechts). Mit extremen Minustemperaturen rechne ich nicht mehr - zudem wärmt sich tagsüber nun der Boden unter den Vliesen kräftig auf, das schafft auch einen Puffer für die Nacht. Das ganze Jahr wird den Langfristprognosen zufolge eher kühl - ich hoffe, das bezieht sich wie im vergangenen Sommer vor allem auf die Nächte.

27. Februar 2010. Die ersten warmen Frühlingstage bringen Trauriges zutage: Ein großer Teil der optisch gut durch den Winter gekommenen Blätter rollen sich nun ein, verfärben sich braun. Ist also wieder in den jungen Zweigen das Kambium erfroren? Nur die beiden Bäume, die im Zelt standen, stehen nach wie vor gänzlich ungetrübt da. Wie lange noch? Für morgen ist ein Orkan angekündigt, wir haben gerade das Zelt abgebaut, das schon gestern bei den Sturm-Vorboten leicht eingeknickt ist. Nun bleibt nur zu hoffen, dass kein weiterer Frost kommt.

28. Februar 2010. Xynthia hat es geschafft, drei von den Stützpfählen zu knicken - vermutlich weil der Wind ein am Boden liegendes Vlies dagegen pressen konnte. Bäume sind nicht erkennbar geschädigt. Aber einige sind nun kahl, haben (fast) alle Blätter verloren. Und für die kommenden Nächte ist Frost bis -5 Grad angesagt.

05. März 2010. Weitere bislang widerständige Blätter neigen bekümmert ihr Haupt und frische Blattknospen sind erfroren. Vergangene Nacht gab es eine besonders schwierige Wetterlage, die mir bisher erspart geblieben war: Frostig bis -7 Grad und dazu sehr windig. Olivenkillerwetter, gegen das meine Schutzmittel machtlos sind. So sank schon am Abend gestern nach einem Sonnentag die Temperatur unter den Vliesen und in den inzwischen zwei Zelten auf das Niveau der Außentemperatur. "Heizen" macht unter diesen Bedingungen nur eingeschränkt Sinn. Für die Propfungen im großen Zelt hatte ich 10 Kerzen aufgestellt. Damit sank die Temperatur innen immerhin nur auf -2 Grad. Eine Gasheizung/Zeltheizung unter einem Vlies brachte wenig Effekt: -5 Grad Minimaltemperatur in der direkten Umgebung.

Januartemperaturen
                2010Dieser Winter war/ist dramatisch für meine Oliven: Im Januar lange feucht bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, was 2-4jähriges Holz teilweise sprengte. Nun Anfang März trockener Frost mit Wind, der 1-jähriges Holz, Blätter und neue Blattknospen gefrieren und austrocknen lässt.

Und die Prognosen? Stürmisch bei weiterhin frostigen Temperaturen. Allerdings steht Europa recht einsam da mit diesen Minusabweichungen. Wie die NASA-Karte zu den Januartemperaturen andeutet, liegt rings um uns derzeit eine Welt von Plusabweichungen (sehr zum Leidwesen der Kanadier bei der gerade vergangenen Winterolympiade). Ein Teil davon geht jedoch auf das Konto von El Nino.

09. März 2010. Es ist 23 Uhr und ich komme gerade vom Hain, wo ich nun wohl zum letzten Mal in diesem Winter Vliese nach stürmischen Winden festgezurrt und ein paar Kerzen bei Problembäumen aufgestellt habe. Ein seltsam melancholisches Gefühl. Natürlich war es eine Schinderei mit diesem Winter, ich habe einige andere wichtige Dinge vernachlässigt in den vergangenen drei Monaten.  Und doch verdanke ich der Schinderei auch zauberhafte Naturerfahrungen und umwerfend schöne Bilder von den Vliestunnels bei Nacht mit Kerzenflackern, von silbrig schimmernder Winterlandschaft unter Sternen, unter düsteren Wolken, im Schneetreiben. Heute aber kein Schneetreiben, sondern das deutliche Versprechen von Tauwetter. Dem definitiven doch wohl.

Der frostige und lange Winter in Europa hat auch einen signifikanten Effekt auf die Nutzung meiner Website: Seit einigen Tagen kommen fast lawinenartig Zugriffe aus Griechenland und Spanien - Frostschutz für Olivenbäume und die Auswahl frostresistenter Sorten könnte auch in südlichen Ländern zu einem Thema werden.

11. März 2010. Grandioses "Tauwetter": -8 Grad in der vergangenen Nacht! "Im Märzen der Bauer ...." - aber das war vor dem Klimawandel. Aufgeben werde ich noch nicht - Innovationen entstehen auch an Widerständen.

19. März 2010. Nun aber. Alle Ensemble-Prognosen sprechen dafür und wir bauen Zelte und Vliestunnels endgültig ab für diesen Winter. Fünf Meter breite Vliesbahnen von 25 Metern Länge sind nicht ganz einfach zu handhaben - zumal immer wieder Käfer und Raupen gerettet werden müssen, die es sich im Kuschelvlies gemütlich gemacht haben. Das Vlies (85 Gramm/qm) hat gut gehalten, Respekt. Ob der Aufwand sich gelohnt hat, weiß ich nicht. Es hängen zwar noch mehr Blätter an den Bäumen als im vergangenen Jahr - aber die Stämme sind teilweise in desolatem Zustand, warzig, rissig, braun verfärbt, und die Blätter verschrumpelt und braun. Optimal bewältigt haben den Winter fünf Pflanzen, darunter die beiden im großen SteilwandzeltPropfung
                Oliven und eine im vergangenen Winter bis zum Boden abgefrorene Pflanze mit ihren Jungtrieben, die unter Mulch heil überstanden hat!  Von den Zeltpflanzen besonders wichtig ist der Leccino mit Profungen Leccio del Corno, Bianchera und Grappolo (Foto links). Er musste nie Temperaturen unter -5 Grad erleben und war auch gegen Wind optimal geschützt. Eine Überraschung ist jedoch die Mulchpflanze, denn die Jungtriebe stammten aus der Unterlage, aus der frostempfindlichen Wildolive (Foto rechts). Sie stand in einem Vliestunnel und war zusätzlich geschützt durch einen übergestülpten, großzügig durchbrochenen Gartenkorb, der mit einer 20 ZentimeteMulcheffektr starken Mulchschicht eingehüllt war. Was eine gängige Überzeugung widerlegt, dass nämlich Oliven im Winter nicht dunkel gestellt werden dürften. Diese Pflanze hat drei Monate lang nur das durch Vlies, Mulch und Korb reduzierte Licht abbekommen. Und die Blätter (Wildolive-Charakteristik) stehen da im blendenden Olivgrün an vital wirkenden Zweigen! (Die braunen Blätter in der Mitte gehören zu einem schwach entwickelten Bianchera-Propfling.)

25. März 2010. Die erste Zauneidechse kam zur Begrüßung angekrabbelt, als ich gerade die Vliese einsammelte, die zum Trocknen auslagen. Die Vliese riechen wie Kaninchenstall. Ich vermute mal, das ist der Duft der Mäuse, die sich in meiner Anlage im Winter ganz wohl fühlten. Beim Besprühen der Oliven mit Goldrute-Ansatz (anti-fungizid und allg. stärkend) wird durch die Feuchtigkeit deutlich, wie stark das Stammholz vieler Bäume geschädigt/fleckig ist.

16. April 2010. Aus dem italienischen Baumschulenzentrum Pescia (Nordtoskana) habe ich mir zwei Leccio del Corno und zwei Bianchera im Fluggepäck mitgebracht und heute gepflanzt. Es war mir unmöglich, eine Versandmöglichkeit aus Italien nach Deutschland zu finden, UPS wollte 240 Euro, GLS Italien versendet keine Pflanzen ins Ausland.

Vorläufige Bilanz Winter 2009/2010: Gut überstanden haben den Winter von 33 Pflanzen nur eine Wildolive unter Mulch (s.o.), eine Olive unbekannter Sorte (Ikea - als Propfgrundlage gepflanzt), zwei Leccino (davon einer im Zelt), zwei O. Seggianese (davon eine im Zelt), eine Ascolana (perfekt! - die zweite jedoch bis an die Stammbasis erfroren!) und die Propfungen von Leccio und Bianchera (im Zelt). Sie haben alle noch immer intakte Blätter und weitgehend gesunde Stämme und/bzw. Zweige.

23. April 2010.  Der erste Schwalbenschwanz in diesem Jahr!

16. Mai 2010.  An den Oliven, denen grüne Blätter geblieben sind, zeigen sich erste neue Blattknospen und frische Blättchen! Von den abgestorben wirkenden Oliven sind viele mit Rußpilz überzogen - ist es das, was nach dem Frostwinter 1984/85 in Italien und Frankreich als "Feuerbrand" bezeichnet wurde?

22. Mai 2010. Auch von den geschädigten Individuen zeigen einige nun schon Neuaustrieb aus der Veredelung, Neuaustrieb
                Seggianese 2010teilweise sogar weit oben an Stamm und Zweigen. Allerdings nur Leccino und Seggianese - letztere aus Holz in äußerlich desolatem, rissig-warzigem Zustand (Foto links)! Maurino, Aglandaou, Pendolino, Koroneiki und die Propfung von Grappolo schweigen oder melden sich nur aus der Unterlage.

Was auffällt: Am besonders stabilen, einzelstehende Leccino sind doch Zweige teilweise erfroren - vor allem auf der Westseite. Er ist insgesamt nach Osten vitaler im Wuchs, wie andere Oliven und mein Nussbaum auch - was offensichtlich eine Reaktion auf den häufigen starken Westwind ist.

06. Juni 2010 Kein Zweifel: Das Überleben der Oliven im Winter hängt auch stark vom Bodenzustand ab. Direkt neben der Seggianese, die ohne besonderen Winterschutz nun dennoch optimal dasteht, entwickelt sich der vitalste, chlorophyllreichste Fenchel des Geländes. Was gibt es hier besonders? Magnesium? Kalium? Eisen? Stickstoff?

10. Juli 2010 Das heiße Wetter tut den Oliven gut, sie entwickeln sich schön, auch wenn im Vergleich zum Vorjahr weiterhin ein Nachhinken auch bei gesunden Bäumen von mindestens zwei Wochen wahrnehmbar ist.

Mehr Pflanzen als erwartet treiben nun doch noch im Stammbereich aus. Aus den Wurzelbereichen kommen sehr unterschiedliche Triebe, teilweise ganz offensichtlich nicht KoroneikiWildolive. Was dafür spricht, in Deutschland zunächst nur mit wurzelechten Pflanzen zu arbeiten.

Meine ehemals ausgesucht schöne Koroneiki z.B. ist zwar im Stamm tot, aber aus der Wurzel treibt sie massiv und zweifellos als Zuchtform (Foto links). Leider kann ich nicht beurteilen, ob das Koroneiki oder eine andere - als Grundlage verwendete - Zuchtsorte ist, was da kommt.
Leccino
Bei den Leccino scheine ich wurzelechte (Becker) und veredelte (Flora Toskana) Pflanzen zu haben. Das Foto rechts zeigt eine veredelte Pflanze. Aus der Unterlage treibt die dunkelgrüne Wildolive mit kleinen Blättern und rötlichen Triebspitzen, oben am Stamm die hellere, großblättrige Leccino-Veredelung. Auffallend zweierlei: Der offensichtlich geschädigte Stamm (erkennbar an Verfärbungen und am sehr späten Austrieb) gewinnt Vitalität zurück. Daneben zeigen die (bislang nur drei) Triebe am Stamm sehr schön den für Leccino typischen spontanen pyramidalen Aufbau, die "Tannenform".

Bei den Brombeeren am Waldrand steht ein Herzgespann, Leonurus marrubiastrum. Wo der wohl herkommt?

14. August 2010 Es herbstet bereits, zumindest von den kühlen Nächten her. Und die Schwalben (Mehl- und Rauchschwalben gemeinsam) sammeln sich schon wieder über meinem Hain - zwei Tage früher als 2009! Im Internet finde ich einige Beobachtungen Anderer dazu, dass 2009 die Schwalben früher gezogen seien als sonst. Ein passender Spruch wird auch geliefert: "Wenn die Schwalben jetzt schon ziehen, sie den harten Winter fliehen." Und noch einer: "Wie der August war, wird der künftige Februar." Na denn!! Dafür zeigen sich die ersten Postillons in diesem Jahr und junge Eidechsen.

Viel an Zuwachs an den Oliven ist bislang in diesem Jahr nicht passiert. Der Juni-Schub war spärlich und der August-Schub scheint auszufallen. Kümmern sie sich um ihr Wurzelwachstum? Die große Überraschung ist eine der beiden Ascolana, die im zugigen Tunnel perfekt überlebt hat und die sich zwar bescheiden aber schön weiterentwickelt. Während das zweite Exemplar nur aus der Basis - als Zuchtform allerdings - schwach neu austreibt.

Mache mir schon die ersten Gedanken über den Winterschutz, da ich erneut mit einem strengen Winter rechne. Für die Tunnels muss ich eine andere Lösung finden. Der Aufwand 2009/10 war v.a. dank Schneelasten gigantisch und hat wegen der heftigen Sturmböen bei tiefer Kälte wenig gebracht. Ich werde für stammvitale Bäume (14) wieder Zelte und "Iglus" - in weiterentwickelter Form - aufbauen. Die Wurzel- oder Stammansatzaustriebe (16) werde ich mit Körben abdecken und darüber Mulch schichten. Vier Pflanzen haben bis heute noch nicht neu getrieben, dazu kommen vier, die ich im Frühjahr schon ersetzt habe durch Neupflanzungen - macht einen Totalverlust von 25%. Drei weitere Pflanzen treiben nur aus der wilden Unterlage.

20. August 2010 Zwei Gänsegeier kreisen für wenige Minuten über Obergrombach.

22. August 2010 Beginn des Umbaus der Reihenanlage von 6 Reihen zu 4 Pflanzen auf 4 Reihen mit je 7 Pflanzen (halber Pflanzabstand in den Reihen, 3 Meter statt bisher 6). Dabei mache ich beim Entnehmen einer abgestorbenen Olivastra Seggianese eine interessante Entdeckung: Bei dieser zu tief gesetzten Pflanze (Erdkante etwa da, wo der Strunk oben endet), gepflanzt als zweijähriger Heister 2008, sind die Wurzeln teilweise Wurzel Seggianesezunächst nach oben gewachsen (s. Foto rechts, linker Wurzelbereich). Der von Erdreich bedeckte Stammteil wurde zudem von Insekten angeknabbert. Die Lehre daraus lautet für mich, Oliven flach zu setzen, eher Wurzelansätze rausragen zu lassen als Stammteile mit Erde zu bedecken. Das Setzen in Mulden ist zu überdenken, da hier immer die Gefahr von Einschwemmungen in den untersten Stammbereich besteht. Ich pflanze versuchsweise beim Umsiedeln der zwei aufgelösten Reihen in die halben Abstände nun ohne Mulde. Der Pflegeaufwand dürfte geringer sein und der obere Wurzelbereich wie der untere Stammbereich trocknen leichter ab in Regenjahren wie diesem. Beim Winterschutz der Wurzeln ist allerdings dann mehr Aufmerksamkeit notwendig!

27. August 2010 Die warmen Tage (und Nächte) der zweiten Augusthälfte haben zusammen mit den üppigen Niederschlägen doch noch zu einem August-Schub geführt, der sich bei einem Leccio del Corno bizarr niederschlägt: Er entwickelt lange Neutriebe mit riesigen hellgrünen Blättern, Leccio del CornoLänge bis 6,5 Zentimeter, Breite bis 2,2 Zentimeter (s. Foto rechts). Auch hier zeigt sich wieder die Individualität dieser Pflanzen: Der zweite Leccio del Corno entwickelt ganz normale Blätter. Auch bei den anderen Sorten fällt es oft schwer, eindeutige gemeinsame Merkmale zu finden. Die Blattformen hängen offensichtlich ganz stark von Witterung, Alter der Pflanze, Triebentwicklung, Standort u.a. ab. Grundsätzlich allerdings neigen Maurino, Seggianese und Pendolino zu eher länglichen Blättern, die anderen Sorten zu eher ovalen. Sortenspezifika erkenne ich bisher vor allem am Holz. Da ist das glatte, feuchtigkeitsstabile Holz von Leccino, Leccio und Ascolana auf der einen Seite und das warzig-rissige, feuchtigkeitssensible Holz von Seggianese, Pendolino und Aglandaou auf der anderen.

09. September 2010 Mit den Umpflanzungen bisher gute Erfahrungen. Selbst ein Leccino, der zunächst die (ganz frischen) Triebspitzen hängen ließ, hat sich wieder erholt. Unbedingt, auch bei Regenwetter, sofort nach dem Umpflanzen mit ein paar Liter Wasser versorgen!

20. September 2010 Aktuell blühen über 40 Pflanzen auf der Olivenwiese gleichzeitig, von Aster (Aster amellus) bis Ziest (Stachys recta). Darunter etliche Neophyten (Kanadisches Berufkraut, Einjähriges Berufkraut, Kanadische Goldrute, Riesengoldrute und Nachtkerze - wobei ich die Goldruten möglichst schon vor der Blüte kappe oder rode) sowie Pflanzen aus Gründüngung (Luzerne, weißer und gelber Steinklee, Fenchel, Esparsette).

Eine Nachbarin wundert sich über meine üppigen Kamille-Plantagen. Leider ist es nur Feinstrahl/einjähriges Berufkraut, was da so schön blüht. Für Kamille ist unser Boden zu kalkhaltig. Bei Schmetterlingen und anderne Insekten ist Feinstrahl nicht sonderlich beliebt - ist aber doch ein ganz nettes Kraut, mit einigen ätherischen Ölen. Und einst galt die Gattung ja als zaubermächtig ("Beruf"="Beschwörung").

04. Oktober 2010 Nachdem sich im September schon der Winter ankündigen wollte, ist nun doch noch ein warmer Frühherbst angebrochen. Die Oliven freuen sich, die Wiese auch, die nun einen herbstlichen und einen frühlingshaften Aspekt gleichzeitig zeigt, mit weiterhin weit mehr als 40 blühenden Arten. Sogar unser Wein fährt seine herbstlichen Vergilbungen teilweise wieder zurück und grünt zaghaft neu. Allein die Feige lässt sich nicht mehr umstimmen und wird wohl in diesem Jahr keine Frucht zur Reife bringen. Ich gehe weiterhin von einem eher strengen Winter aus, also einer Fortsetzung von 2008/09 und 2009/10, mit einem harten Dezember und wieder zähem Frühlingsbeginn.

10. Oktober 2010 Ich habe mir ein taugliches Infrarotthermometer angeschafft, um im kommenden Winter genauer bestimmen zu können, welche Temperaturen an den Pflanzen und am Boden herrschen. Der erste Probelauf im Gelände war erschütternd. Ich maß am Abend nach Sonnenuntergang oberflächliche Bodentemperaturen im Olivenhain zwischen 5,4 und 11,2 Grad, je nach Feuchtigkeitsgehalt, Topografie (in Mulde oder exponiert), Bewuchs (blanker Boden, Moose, Gräser, grün, verdorrt), Lage im Gelände und Abschattung. An den Stämmen streute innerhalb eines Meters ab Boden die Temperatur zwischen 7,8 und 12,6 Grad. Ein effektiver und rational begründbarer Frostschutz wird damit sehr schwierig. Pointiert formuliert: Frostschutz ist ein stückweit auch Glückssache ....

30. November 2010 Der Winter ist da. Welch ein Winter! Und wie gerne ich doch Unrecht behalten Leccio del Corno
                im Schneehätte. Aber nein, leider nicht. Die Schwalben sind einfach zu klug, haben sich rechtzeitig aus dem Staub gemacht. Infrarotmessung an Blättern bis -4,6 Grad. Über Schnee Temperaturen bis -10,2 Grad - und zwar um 11:00 Uhr. Heute Aufbau der Tunnels, die beiden Zelte für die "Musterexemplare" haben wir am 21.11. bereits aufgebaut. Die Temperaturen sollen noch weiter fallen. Wohin? Der kälteste Dezemberanfang seit 1953 wird erwartet. Wer war doch gleich der Klimaforscher, der 2000 meinte, wir dürften für die Zukunft keinen Schnee im Winter mehr erwarten? Es war der extrem talkshowgeeignete Mojib Latif, zitiert wird er unter anderem im "Spiegel". Andere schlossen sich an und erzählten bis 2008, wir müssten uns darauf einstellen, in Deutschland keinen Schnee im Winter mehr zu haben, im Dezember schon gar nicht, bestenfalls im Januar. Wir würden nur noch ausnahmsweise mal Winter "wie früher" erleben, mit Schlittschuhfahren, Schnee und so. Also so wie nun in drei aufeinander folgenden Wintern. Ausnahmsweise. Gut, fairerweise muss gesagt werden, dass die Leute sich bei "populären" Äußerungen dabei in der Regel nur auf den Anstieg der Treibhausgase bezogen haben, nicht auf sonstige schwer prognostizierbare Faktoren (Kosmische Strahlung, Sonnenaktivität, Vulkanausbrüche, Meeresströmungen etc.). Wechselwirkungen der Klimafaktoren wurden dabei auch eher schlicht betrachtet oder ausgeblendet. Latif "prognostiziert" inzwischen, belehrt durch die Erfahrung, nicht durch seine Computerberechnungen (die hat er "angepasst"), eine längere globale Kältephase.

Zeltschaden11. Dezember 2010 Naiverweise hatte ich nach dem letzten Winter gemeint, nun könne es nicht mehr schlimmer kommen. Ich habe mich schwer getäuscht. Alles beginnt nun sogar einen Monat früher als im vergangenen Winter, und zwar heftigst. Tunnels aufbauen, Tunnels von Schneelast freiräumen (bisher bereits 4x!), vor Frostrissen bangen bei Oliven tödlichem Wetter mit Regen um die Nullgradgrenze herum. Schwerer Schneeregen hat eines der beiden Zelte vollkommen geschrottet (bei eBay mit "Sofort kaufen" erstanden, Travelstar "Napoli" - Finger weg, reines Schönwetterzelt! - der niedrige Preis hätte mich warnen müssen) - s. Foto vom 09.12. links. Ausgerechnet die Olive mit den beiden überlebenden Propfungen wurde dabei freigestellt für den Schnee. Die Bianchera-Propfung wurde beim Zusammenbruch abgerissen. Von drei Propfungen 2009 lebt damit nur noch die Leccio-Propfung. Am 11.12. noch ein starker Wind, der die Vliese abhebt und das zerlegte Zelt weiter beutelt.

27. Dezember 2010 "Ich weiß, dass ich nichts weiß." Je mehr Daten ich über Temperaturen sammle, umso unklarer wird mir, wie ich effektiven Frostschutz machen soll. Das Infrarotthermometer ermöglicht nun die genaue Überprüfung gängiger Meinungen. So z.B. der, dass Mulch wärme. Teilweise messe ich in und unter Mulch geradezu schockierende Negativabweichungen (bis zu vier Grad) zur Umgebungstemperatur. Und zwar nicht dadurch erklärbar, dass Mulch natürlich ebenso wie Wärme auch Kälte (z.B. die der Nacht am Tag) konserviert. Mulch scheint vielmehr unter bestimmten Umständen wie ein Kühlschrank zu funktionieren, aktiv Kälte zu produzieren. Vermutlich erklärbar über Verdunstungskälte-Effekte. Eventuell funktioniert Mulch dabei auch wie eine Art Schwamm, der Bodenfeuchtigkeit aufnimmt und über Abdunstung damit kühlt! Denn ich habe den genannten Effekt auch bei Mulch, der im Tunnel vor Niederschlägen geschützt ist!! Die effektivste Bodenwärme-Speicherung erreiche ich durch Luftpolsterfolie direkt auf dem Boden, nicht durch Mulch! Auffallend bei den Messungen auch immer wieder, dass begrünte Fläche unter Tunnel häufig weit kühler ist (2-3 Grad) als offener Boden. Gleichfalls Verdunstungseffekt - nun der Pflanzen? Oder schlichtweg Messfehler durch die Infrarot-Messtechnik?? Dagegen spricht, dass dieser Sachverhalt auch bei größeren Forschungsstudien festgestellt wurde. Der Boden unter der (kühleren) Pflanzendecke ist allerdings dann noch wärmer als der offene.


TAGEBUCH 2011