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SEITENINHALT:

Frostproblematik - Reaktionen auf Frost - Vorbeugen gegen Frostschäden - Maßnahmen bei Frostschäden - Geschichte der Frostkalamitäten - Klimaentwicklung in Deutschland - Klimaentwicklung im Mittelmeerbecken

Pilzkrankheiten - Bakterienerkrankungen - Xyllela fastidiosa - Olivenfliege, Läuse - Sonstige Schädlinge - Schermausbekämpfung

Probleme bei Zimmeroliven - Spezifische Probleme im Deutschland - Sortenwahl - Sorteneigenschaften - "Geheimtipps" zu Sorten - Resistenzförderung - Biotop Olivenhain 










Auf dieser Seite biete ich praxisorientierte Informationen zu Krankheiten, Schädlingen und Frostproblemen im Olivenanbau. Genannt werden die wichtigsten biologischen und klimatischen Probleme im Olivenanbau und Hilfsmittel dagegen. Einen besonderen Schwerpunkt bilden meine eigenen sowie historisch verbürgte Erfahrungen mit Frostereignissen und den Reaktionen der Olivenpflanzen darauf. Zu jedem Thema gibt es, mit expliziter Verneigung vor Francesco Petrarca, ein Sonett (bzw. einmal auch ein Madrigal als Referenz vor der Vielstimmigkeit der Olivenanbauländer im Mittelmeerraum) - dessen Nummerierung sich auf einen Text aus dem Canzoniere bezieht, den ich thematisch verbunden sehe.

Ich schätze den Ansatz von Aby Warburg, der für die Kunstgeschichte sogenannte "Pathosformeln" konstatierte. Ohne wissenschaftlichen Anspruch erlaube ich mir, solche Formeln in Petrarcas Canzoniere aufzuspüren und mit der "agri cultura" zu verbinden, deren "Pathosformeln" (dies ganz ohne Ironie gesagt) mir aus gartenbaulicher Praxis und ökologischem Engagement sehr vertraut sind. Ich meine damit nicht das Funktionärspathos vom "Nährstand" und seine modernen Varianten, sondern Formeln des Naturverhältnisses, in der ganzen Ambivalenz, die unsere gesellschaftlichen Beziehungen zur Natur ausmacht.

Antworten auf Probleme und Fragestellungen rund um die Olive und den Olivenanbau gebe ich auf meiner Seite zu FAQs, auf einer weiteren Seite finden Sie konkrete Technikhinweise, Tipps und Tricks zu Anbau sowie Pflege des Olivenbaums/-busches und mein Tagebuch informiert Sie über den Jahresablauf in meinem experimentellen Olivenhain.

Wenn Sie vertiefende Angaben, Hintergründe, Handbücher, Fachliteratur, Studien und Materialien suchen zum Olivenanbau und weiter einsteigen wollen in die Geschichte und Gegenwart des Olivenanbaus und der Olivennutzung in Europa und weltweit, in Sortencharakteristika und Untersuchungen zur Frosttoleranz bei Oliven, in die Klimageschichte und Klimagegenwart, in Kulinarik und Pharmazeutik der Olive finden Sie auf einer weiteren Seite dieses Angebotes eine Fülle an Literaturtipps, Links, PDFs, thematisch geordnet und praxistauglich dicht beschrieben in zwei Spalten mit insgesamt 25 Rubriken.

















Bilder zur
Frostthematik

Rindenpilz
Frostrisse Cambium
                gesund Cambium geschädigt

Frostholz
                Leccino Erholung nach Frost
Totholz
                Rinde Unbeschnittener
                Frostschaden Christbaumeffekt


















I


Petrarca hatte Laura, Holder Dima
Von Bellay ward Cousine Olive besungen
Und ich hab mir zur Übung abgerungen
Sonette auszudenken auf das Klima.

Es ist gefährdet wie die Liebe, ist das Prisma
Wo jede Glut sich bricht in tausend Zungen
Und jedes Eis. Es bleibt stets unbezwungen,
Als Durchgang, Spiegel, Bogen oder Schisma.

Gesundheit folgt auf Krankheit, Frost auf Hitze
Und zwischendrin vollzieht sich aller Wandel
Uns bleibt die Wahl, gemeinsam kann gelingen:

Den Raubbau zu verlassen, Dürren, Blitze
Zu nutzen und zu teilen, Pflege, Handel,
Die Lieder der Allmende neu zu singen.








FROSTPROBLEMATIK


Frostschäden an Olivenbäumen treten auch in den Olivenanbauländern auf. Denn Oliven gedeihen und fruchten nur da gut, wo es im Winter auch mal kühl wird. Die entscheidende Frage lautet nur: Wie kühl. Die langanhaltende Kälte in Deutschland, verbunden mit hoher Feuchtigkeit, führt hier zu Schadensbildern, die in Olivenanbauländern keine Bedeutung haben. Problematisch sind auch die intermittierenden Frostverläufe mit eingeschobenen Erwärmungsphasen, da Oliven ihren Frostschutz nur langsam aufbauen, rasch jedoch wieder verlieren. Blattverlust über mehrere Winter nacheinander schwächt die Pflanzen und kann sie zerstören. Vor allem aber beeinträchtigt dies die Fruchtbarkeit der Pflanzen. Auf eine kontinuierliche Ölproduktion in Deutschland zu hoffen, ist daher mehr als verwegen. Und ohne gelegentlichen Winterschutz läuft auf Dauer nichts. Weniger problematisch als der Blattverlust ist ein Pilz (Fumago vagans),  der vor allem bei Oliven, die im Winter in ein Kühlhaus kommen, die Rinde und auch Blätter mit einem schwarzen Überzug besetzen kann. Dass die Pflanzen damit leben und sogar kräftig fruchten können, zeigt diese Kübelolive (A).

Grundsätzlich sind drei Frostschäden zu unterscheiden: Frostschäden an den Wurzeln, Frostschäden durch Risse an Stamm und Zweigen, Frostschäden durch ein zerstörtes Cambium/Xylem. Wurzelbereiche sind in unserer Region (südwestdeutsche Weinbaulagen) ernsthaft nur bei Extremereignissen wie dem Frostfebruar 2012 gefährdet. Frostrisse treten gehäuft bei bestimmten Sorten (Seggianese, Maurino, Aglandaou) auf, wenn starker Saftstrom auf Frost trifft, also bei wechselnden Temperaturen um den Gefrierpunkt herum. Auch das Zusammentreffen von Rindenfeuchtigkeit und Frost kann, insbesondere bei Rindenverletzungen, dazu beitragen. Die Zerstörung von Cambium/Xylem ist das Hauptproblem für Olivenanbauexperimente in Deutschland. Die Ursachen sind vielfältig und nicht einfach nur an magischen Fixpunkten wie einer noch tolerierten "Tiefsttemperatur" festzumachen. Neben Tiefsttemperatur, Temperaturverlauf, Temperaturspreizung und Dauer der Einwirkung einer bestimmten Temperatur sind auch Sorte, Sortenherkunft, Wachstumsverlauf, Bodenqualität, Düngung, Topografie, Wind, Feuchtigkeit, Salzgehalt der Luft, Sonneneinstrahlung und Schnittregime von Bedeutung - um nur die augenfälligsten Einflussfaktoren zu nennen. Leider ist die Forschung in diesem Bereich noch ganz am Anfang, weshalb auch Untersuchungen zur Frosttoleranz von Oliven nur bedingt aussagekräftig sind und mit Erfahrungswerten korreliert werden müssen.




XXXII


Frostiger nähern sich die Tage der Extreme
Als die Propheten der Erwärmung sagten,
Mehr noch zittern, die das Neue wagten
Nun gießen über sie die Schlauen ihre Häme.
 
Ich aber sage mir: Wann je war denn das Neue
Schon das, was alle wußten ohne Fragen?
Auch wo Zitronen blühen, drohen Plagen
Und nur wer kämpft, macht dass die Welt sich freue.

Denn mit dem Riss des Eises durch das Hoffen
Der Gärtner, die das kalte Land verrammeln,
Zieht auch ein Lächeln durch das Grämen, offen

Steht das Land dem Wind, wo wir uns fröstelnd sammeln
Treibt Saatgut an, noch schauen wir betroffen,
Doch morgen werden wir dann dankbar stammeln.







REAKTIONEN DER OLIVEN AUF FROST



Zerstörtes Holz zeigt sich bei jungen Pflanzen außen an einer typischen Schrumpfung und Braunfärbung der Rinde, die im feuchten Zustand gut zu erkennen ist (F). Die berühmte "Nagelprobe" - also Rinde ankratzen, ob da noch Grün zu sehen ist - bringt erst etwa zwei Monate nach dem letzten Frost ein einigermaßen zuverlässiges Ergebnis, da die chlorophylltragende Rindenschicht noch lange nach Schädigung grün bleiben kann. Einen Schaden an Cambium bzw. wasserführendem Xylem (D) enthüllt die Nagelprobe z.B. nicht - wie ja deutlich an der außen liegenden grünen Schicht zu erkennen ist. Die Holzzerstörung auf mittlerer Stammhöhe, die Abbildung (F) zeigt, könnte auf meine Kerzenheizung zurückzuführen sein. Warzig-rissiges Holz ist keineswegs notwendig zerstört, wie (EE) gut zeigt. Der Laie würde von außen betrachtet, ohne Anschnitt, den linken Teil des Astabschnittes für "gesünder" halten als den rechten. Links ist im Winter 2010/11 abgestorben, rechts fiel erst dem Winter 2011/12 zum Opfer.
Bei älteren Pflanzen (ab etwa fünf Jahren) sagt der optische Eindruck des Holzes nur noch sehr bedingt etwas über den Zustand der Pflanze aus! Und eine "Nagelprobe" wird dann vollkommen sinnlos.

Zerstörtes Cambium ist erkennbar daran, dass die Rinde sich nicht mehr einfach ablösen lässt wie auf (C), sondern verklebt erscheint. Die Verklebung ist auf einen gestörten Glykol- und Zuckerstoffwechsel zurückzuführen. Geschädigtes Cambium kann sich durchaus wieder erholen, wie der Baum auf Abbildung (G) zeigt. Diesen Baum hatte ich nach dem Frostwinter 2008/09 nicht zurückgeschnitten. Ich konnte dann erleben, wie sich das geschwächte Holz vom Stamm und den ungeschädigten Astteilen in Stammnähe ausgehend teilweise wieder erholte. Interessanterweise zeigte dieser unbeschnittene Jungbaum zunächst nicht den "Christbaumeffekt" der beschnittenen Bäume (H). An der Basis bildeten sich überhaupt keine Neutriebe, die Neutriebe am Stamm bildeten sich bei alten (auch abgestorbenen) Zweigen und Ästen und entwickelten sich auf verschiedenen Höhen fast gleich stark. Erst im Juli entwickelte sich hier eine Kegelform/Tannenform, wie sie vor allem für Leccino nach meiner bisherigen Erfahrung charakteristisch ist als spontane Wuchsform.

Als "Christbaumeffekt" bezeichne ich den pyramidalen Aufbau von Neutrieben an einem stark zurückgeschnittenen Stamm (H). Dieser Effekt ist nach meiner Einschätzung weniger eine Reaktion auf Frostschäden als vielmehr auf den Rückschnitt. Während gesunde Olivenpflanzen auf Schnitt zumeist mit der Entwicklung zweier einander gegenüberliegender neuer Triebe direkt unterhalb des Schnittes reagieren (acrotonisch), produzieren frostgeschädigte Pflanzen bei starkem Rückschnitt eher Neutriebe nahe am Boden (basitonisch). Daher kann ich nur raten, mit dem Rückschnitt erfrorener Zweige bis Mitte/Ende Juni zu warten - es sei denn, ein Neuaufbau der Pflanze von unten ist geplant. Dies gilt selbstverständlich (wie auch alle anderen Hinweise) nur für Deutschland und ähnliche Regionen, in Olivenanbauländern sollte rasch geschnitten werden, um einen Befall mit Schädlingen zu vermeiden!


Nach dem Frost im Februar 2012 haben sich fast alle Pflanzen, die in den vergangenen Jahren schon den Stamm verloren hatten, recht zügig aus dem Wurzel-/Basisbereich wieder erholt. Ausgerechnet die vier Pflanzen, die mit Stamm bislang überlebt hatten, zeigten noch bis Mitte Juni keine oder nur sehr verzögert Neutriebe im Basisbereich. Neutriebe zeigten just die zwei Pflanzen, die ich als eindeutig am Stamm geschädigt  (Rindenrisse) bis etwa 15 Zentimeter über den Boden gekappt hatte! Es schien so, als "warteten" die anderen beiden noch auf Signale aus dem Kronenbereich.




CCCXV


Zerstörtes Holz zeigt sich bei wintermüden Pflanzen
Nicht immer gleich, drum lasst euch nicht verrücken
Das Urteil, akkompagniert aus freien Stücken
Wenn um das Frostholz junge Mücken tanzen.

Es bleibt genug, was aus des Winters kargem Ranzen
Neu knospt und aufsteigt in der Kronen Lücken
Das Eis taut auf, die Wärter zu beglücken
Mit kühlem Feuer aus dem alten Ganzen.

So bindet sich die Wut an klug verborgne Liebe
Es ist die gleiche Luft: Zu atmen, zu ersticken
Liegt nur an uns. Wer mag, kriegt immer Hiebe

Und nur der Tod kennt scheidendes Entzücken,
Doch wer gut schneidet, bindet neue Triebe
Im Sommer hoch und legt sich ruhig auf den Rücken.








VORBEUGEN GEGEN FROSTSCHÄDEN
 


* Frostschäden an den Wurzeln können in unseren Weinbauzonen vermieden werden durch Mulchen und sonstiges isolierendes Abdecken des Bodens, welches im Idealfall Aufwärmung (nicht Aufheizung!) durch Sonne zulässt, aber Auskühlung in der Nacht vermeidet - wie jeder gute Frostschutz. Mulch sollte abgedeckt werden, um Kühleffekte bei Feuchtigkeit zu vermeiden. Gelegentlich angebotene "Wurzelheizungen" sind in der Regel überflüssig oder sogar kontraproduktiv, da sie der Pflanze widersprüchliche Signale vermitteln können, wenn sie schlecht konstruiert sind. Fatal ist es, wenn Teile des Wurzelbereichs in gewärmtem Erdreich, andere in frostexponiertem liegen. Gleichfalls negativ wirkt sich auch eine große Temperaturdifferenz zwischen gewärmtem Erdreich und dem Frost ausgesetztem Kronenbereich aus.
 
* Frostrisse (B - an einem Maurino) können mit entsprechender Sortenwahl (Leccino und Ascolana sind nach meiner Erfahrung am stabilsten) und durch geeigneten Frostschutz, etwa Einpacken der Pflanzen (wasserabweisendes aber atmungsaktives Vlies), weitgehend vermieden werden. Wo sie dennoch auftreten, ist möglichst umgehend die Rissstelle etwa mit Strohband zu umwickeln und dafür zu sorgen, dass dort kein Wasser hinkommt und gefrieren kann. Daher sollte auch unbedingt darauf geachtet werden, dass Einhüllmaterial wasserabweisend ist. Leinensäcke sind ungeeignet.
 
* Das größte Problem ist die Zerstörung der Wachstumsschicht der Pflanze mit nachfolgendem Austrocknen und Verholzen. (C) zeigt ein vitales Cambium, (D) ein geschädigtes Cambium - erkennbar an der braunen Verfärbung der wasserleitenden Fasern/Xylem - und (E) zerstörtes Holz. Das Cambium liegt zwischen Xylem (innen) und Phloem (außen). Es kann zerstört werden durch Verkleben mit dem zuckerleitenden Phloem oder gefrierendes Wasser im Xylem. Daher sind sowohl der Zucker- als auch der Wasserstoffwechsel bei Vorbeugemaßnahmen zu beachten. Der erstere ist durch geeignete Wuchsbedingungen (Stickstoff, verhaltener Schnitt, Sonneneinwirkung, Wässerung bei Bedarf), letzterer etwa mit
ausreichend verfügbarem Kalium im Boden (Pottasche, Patentkali) zu fördern. Auch hilft Sorgfalt schon bei der Sortenwahl - wobei in der Regel Lehrgeld zu bezahlen ist, denn die Eignung von Sorten ist von zahlreichen Standortfaktoren abhängig.


Weitere Angaben finden sie unter "Technik, Tipps und Tricks".




LX


So sanfte Bäume können hart uns plötzlich strafen
Wenn wir versäumen was die Klugheit bietet
Drum achtet stets auf Blüten wer die Früchte liebet
Und lässt die, welche Unheil lieben, schlafen.

Grausames Holz, betrügst auch oft die fleißig Braven
Dein süßes Phloem küsst den Frost, es klebet
Unlöslich sein Verlangen an den Nachbarn, hebet
Den Saftstrom auf und ruft der Dürre Sklaven.

Was bleibt zu tun dem, der aus Achtung handelt
Wenn neue Rhythmen stolpern aus den Sternen
Soll er noch vliesen, heizen, will er nicht verlieren?

Jupiter hilft nicht mehr, wenn Klimagase brennen
Die alte Weisheit stirbt, die Sonne wirft und wandelt
Ein neues Kleid der Welt, wird es ersticken, wird es zieren?








MAßNAHMEN BEI FROSTSCHÄDEN


* Wurzelschäden sind an schwachen Neuaustrieben oder welkenden Blüten zu erkennen. Oder auch beim Zugtest, wenn sich die Pflanze leicht anheben lässt - wozu natürlich bekannt sein muss, wie die Pflanze auf Zug vor dem Winter reagiert hat. Wurzelschäden können durch Lockern des Bodens, gezielte Vermeidung von andauernder Nässe und Gießen mit Weidenrindenansatz (Aspirin oder sonstige Acetylsalicylsäuremedikamente in Wasser gelöst tuns auch) geheilt werden. Der Zugtest kann auch Wurzelschäden durch Schermäuse identifizieren helfen.

* Kleinere Frostrisse, zu denen beispielsweise Olivastra Seggianese neigt, verheilen in der Regel im kommenden Frühjahr/Sommer mit einer Narbe. Wo die Rinde sich geschält hat, was meist bei kleineren Zweigen geschieht, sollte geschnitten werden, da der Zweig davon zu sehr geschwächt ist. Stärkere Risse am jungen Stamm sind fatal und bedeuten meist ein Absterben der Pflanze ab Rissbeginn. Hier muss meist unterhalb des Risses der Stamm gekappt werden. Dabei zeigt sich dann auch, ob das Cambium/Zylem an der Schnittstelle noch intakt ist. Eindeutig wird das allerdings häufig erst gegen Ende Mai.

* Bei nicht umfänglich zerstörtem Cambium kann das noch vitale die Pflanze weiter erhalten und entlang der Saftbahn, die zu einem jungen Trieb führt, stabiles Stammgewebe bilden. Das ist  bei (EE) sehr gut zu erkennen. Das Cambium im Neuzuwachs nach Frostschaden, zu sehen rechts im Bild/am Holz ist erst dem darauf folgenden Winter weitgehen zum Opfer gefallen. Daher nicht zu früh schneiden nach Frost, um solche Bahnungen durch neue Knospen/Triebe zu ermöglichen, wo solche Knospenanlagen noch vital sind. Unterstützend können restvitale Bereiche abends mit Wasser/Blattdüngung besprüht werden, um lokal die Versorgung der Pflanze zu unterstützen. Das Absterben geschädigter Cambium-/Zylembereiche - und im Gefolge vitaler Zweige und Blätter - kann sich in extemen Fällen bis Juni hinziehen!





CCCXVIII


Als das Signal nicht kam und dürre Kronen schwiegen
Zum Frühling keine Blätter nach dem Wasser fragten
Kehrten die Wurzeln in sich und es blieben
Die Knospen tot. Verrußte Stämme klagten

Zur Sonne, warfen Schatten nach den Trieben
Die aus den Strünken längst gefällter Bäume ragten
Die von ganz unten wieder aufwärts stiegen,
Wie eine neue Liebe sich aus Asche wagten.

So klärt sich oft erst, wenn der Zauberblock erloschen
Was da geschrieben stand in dünnen Spuren
Den Narben gleich, die alte Wunden zeigen,

Dem, der schon eh das Korn gedroschen
Das Brot erkennt und aus den leeren Fluren
Den Sommer liest in dem die Furchen heilen.









KLEINE GESCHICHTE DER FROSTSCHÄDEN IN OLIVENANBAULÄNDERN


Dass auch viele der Mittelmeerregionen, die für den Olivenanbau genutzt werden, mit zerstörerischen Frostereignissen zu rechnen haben, zeigt ein Blick in die Geschichte. Aus dem Beginn der Kleinen Eiszeit gibt es einen bemerkenswerten Bericht aus Damaskus, wonach dort am 16. April 1583 im Frühfrost die Oliven erfroren sind (Heinz Grotzfeld 2009).

Giovanni Presta, ein kluger und noch heute gelesener Mediziner und Agronom des 18. Jahrhunderts, schreibt in "Degli ulivi, delle ulive e della maniera di cavar l'olio" (1794) von Olivenanbauländern, in welchen das Thermometer im Winter häufig bis -8 oder gar -10 Grad sinke. Er schrieb dies in der gerade ausklingenden Periode der "kleinen Eiszeit". Bei ihm entdeckte ich zu Griechenland auch den bemerkenswerten Satz "ha l'inverno siccome l'ha la Germania" - und zwar "a motivo dei frequenti ed altissimi nevosi monti e delle vaste e profonde valli". Aus Griechenland ist für die jüngere Zeit besonders die Kälte im Februar 1956 überliefert, als etwa auf Lesbos in den Bergregionen (vor allem bei Agiassos) ein Großteil der Olivenbäume erfroren ist und die Einwohner teilweise ihre alten Kastanienwälder wieder aktivierten als Produktionsalternative. Ein weiteres bedeutsames griechisches Olivensterben wird aus dem Winter 2000/2001 berichtet.

Am Gardasee herrschte im Winter 1708/09 ein Extremwinter mit durchschnittlich -6,7 Grad (zum Vergleich: 2009/10 hatte -1,3 Grad), der den See zugefrieren ließ. Am Lago Maggiore sind im Winter 1749/1750 die legendären Olivenbestände der Isola Madre erfroren. Schäden im gleichen Winter werden auch aus dem Gebiet um Genua, den Cinque Terre, berichtet. Giovanni Presta überliefert für die Toskana Frostfatalitäten in den Olivenbeständen 1216, 1510, 1600, 1709, 1749, 1782 und 1789. Von 18. bis 20. April 1767 herrschte im Lyoner Gebiet ein dreitägiger Frost mit Schneefällen, der Weinberge und Obstbäume zerstörte. Aus dem 19. Jahrhundert, nach dem Ende der kleinen Eiszeit, gibt es nur für 1840 Zeugnisse von Olivensterben in der Toskana. Doch 1928/29 erfroren dort wiederum große Teile der Olivenbestände. Dabei bewährte sich in der Kommune San Casciano Val di Pesa bei Florenz  eine Varietät als besonders frostresistent: Leccio del Corno. Davon habe ich 2010 auch zwei Exemplare gepflanzt, eines wurde von Wildschweinen niedergemacht, das andere litt im Winter 2010/11 sehr, hat aber vital dann neu ausgetrieben - um dem Februarfrost 2012 dann endgültig zum Opfer zu fallen. Im Februar 1956 erlebte die Toskana einen drei Wochen andauernden strengen Frost bei Ostwind. Fast zum Schlusspunkt für den Olivenanbau in der Toskana wurde dann der Winter 1984/85, in welchem mehr als 80% des Bestandes erfroren. Nur durch eine radikale Umorientierung mit neuen Schnittformen, die von der "Azienda sperimentale Santa Paolina" bei Follonica in Zusammenarbeit mit den Universitäten Pisa und Florenz den Olivenbauern auch in Kursen vermittelt wurden, konnte der Olivenanbau erhalten bleiben. Dies bedeutete allerdings den Abschied vom hochstämmigen Olivenbaum, wie er die Landschaft der Toskana lange mitprägte. Die EU-Subventionspolitik hätte dieser Form allerdings auch ohne Frostereignis früher oder später den Garaus gemacht.


Der Extremfrost im Februar 1956 suchte auch die Olivenhaine in Spanien und Südfrankreich heim. In Frankreich erfroren 2,5 Millionen Olivenbäume. Dies bedeutete das Ende des kommerziell relevanten Olivenanbaus in Frankreich, die meisten Haine wurden aufgegeben beziehungsweise auf Obstbau (Kirschen v.a.) umgestellt, der größte Teil der französischen Ölmühlen wurde stillgelegt. Für Nordspanien sind Kältewellen auch aus den Jahren 1921 und 1932 überliefert, Südspanien erlebte (wie auch Griechenland) im Winter 2000/2001 für seine Olivenanlagen fatale Fröste.


Detailreiche Dokumente (kommentierte Buchtitel und Internetressourcen) zu diesen Frostkalamitäten finden Sie auf meiner Unterseite "Informationsquellen".





CXXXIV


Klarheit wollt ich finden und ich fragte die Geschichte
Auch nach des Klimas trügerischen Wirren
Und fand nur kreisend wiederkehrende Berichte
Von Eis und Hitze, Regenfluten, Dürren.

Des einen Kälte wird zur Glut für die Verzichte
Des anderen, die jenem neue Fröste kirren;
Und vor den Schranken der olympischen Gerichte
Fällt Schnee auf Hänge voll von ausgebrannten Myrrhen.

In der Kastanienwälder halb vergrabenen Gebärden
Klingt auf der Taube Wildschweinruf aus alten Zeiten
Gefangen in des wandelhaften Wetters Zangen.

Wo heute Subventionen wachsen wie Beschwerden
Des Adamsfluches, läßt der frostigheiße Reigen
Uns morgen bitter zwischen Tod und Leben hangen.









KLIMAENTWICKLUNG IN DEUTSCHLAND



Im Frühjahr 2008 hatte ich meine ersten Olivenbäume gepflanzt. Der unerwartet strenge Winter 2008/09 war für mich dann Anlass, mich intensiv mit der Klimageschichte allgemein, mit der Klimageschichte in Olivenanbauländern und besonders der Klimageschichte und den Klimaprognosen für Deutschland zu beschäftigen. Dabei stieß ich zunächst auf die großartige Sammlung von tagesgenauen Wetterdaten der Wetterstationen Karlsruhe seit 1876. Diese Daten zeigten im Frostbereich eine langwellige Periodizität, die für den Zeitraum um 2013 herum eine Kältephase erwarten ließ. Daher nahm ich den gerade vergangenen strengen Winter nicht als Ausnahmeerscheinung, sondern als Teil einer Kältephase an, was sich in den folgenden Wintern auch als Hypothese bestätigte. Für eine Periodizität zumindest seit Beginn des 20. Jahrhunderts stand auch die Beobachtung, dass 1928/29, 1955/56 und 1984/85 aus Olivenanbauländern Frostkatastrophen berichtet wurden, in einem mittleren Abstand von 28 Jahren zu einander, was bei einer Fortschreibung für die Zeit um 2012/13 auffallend strenge Winter erwarten ließ. Der Winter 2011/12 mit seinem zunächst milden Verlauf und dann einem extremen Februarfrost passt sehr gut in dieses Modell, das nicht von Durchschnittstemperaturwerten ausgeht, sondern von der Phänologie. 2012/13 hatten wir dann erneut einen eher milden Winter, der jedoch extem lange anhielt. Noch am 24. und 25. Mai 2013 gab es im Weinbaugebiet nächtliche Temperaturabstürze bis nahe an den Frostpunkt.

Quer dazu fand ich eine Hypothese der Klimaforschung, die im November 2009 in einer Studie von Vladimir Petukhov (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung)
publiziert wurde. Die Studie untersuchte mögliche Ursachen für den relativ strengen Winter 2005/06 und kam zum Schluss, dass gerade die Klimaerwärmung zu kalten Wintern in Mitteleuropa führen könnte, durch die Bildung von Hochdruckgebieten über der Barents- und Karasee, die winters auf zunehmend größeren Flächen eisfrei bleiben. Diese Hochdruckgebiete leiten kalte arktische Luft mit Ostwinden nach Mittel- und Südeuropa. Auch der Februarfrost 2012 wird so erklärt, auch wenn dessen Wetterlage weitgehend der vom Frostfebruar 1956 entspricht - lange vor dem Anstieg der "Hockeyschlägerkurve", der etwa 1975 einsetzte.

Der Regionale Klimaatlas der Helmholtz-Gemeinschaft gibt detaillierte Auskunft über erwartete Entwicklungen in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern/Regionen Deutschlands in den Bereichen Temperaturen und Niederschläge. Für die Temperaturen wird eine gravierende Abnahme von Frosttagen bis zur Jahrhundertmitte prognostiziert. Zu den Niederschlägen im Winter geben die Berechnungen kein klares Bild, während andere Quellen für Baden-Württemberg eine Zunahme der Niederschläge im Winterhalbjahr erwarten (zu finden etwa auf der Website des BUND Baden-Württemberg). Mit der Abnahme an Frosttagen dürften in jedem Falle häufiger Niederschläge als Regen ankommen und damit für Oliven bedrohlicher sein als Niederschläge in Form von Schnee. Begründet zum einen darin, dass Schneebedeckung am Boden als Wärmeisolator fungiert, zum anderen darin, dass Regen mit anschließendem Frost (in den frühen Morgenstunden etwa) die Rinde massiv schädigt.
 




CCCLIII


Es schwitzen und zittern im Zug der Geschichte
Verweht und gefesselt sich windende Werte;
Es schweigen in streitend vereinter Gebärde
Hockeyschläger und Eiszeit vor Gerichte.

Ein Vogel klagt in einem Liebesgedichte
Von den Eulen Athens kam die gleiche Beschwerde
Es gäbe Gerechtigkeit auf der Erde
Allein für die Tiere im Rampenlichte.

Das Licht ist erloschen, du kannst nun gewinnen
Kannst gründen ohne die Gründe zu gefährden
Wenn neu sich die Sphären zusammenstimmen:

Durch frostige Haine ziehen Ziegenherden,
Nichts nutzt die Erinnerung an altes Gelingen
Zum Süden könnte der Norden werden.









KLIMAENTWICKLUNG IN OLIVENANBAULÄNDERN


Auch in den Olivenanbauländern wird die Klimaveränderung massive Auswirkungen im Agrarbereich haben, wobei ich mich hier vor allem auf den Mittelmeerraum konzentriere. Die Prognosen sprechen von Temperaturerhöhungen, vor allem aber von trockeneren Sommern, mit noch geringeren Niederschlägen als ohnedies schon in der Region üblich. Ein Forscherteam am "Centro di Ricerche Casaccia" der ENEA in Rom unter Luigi Ponti hat sich 2013 gezielt mit den Einflüssen der Klimaerwärmung auf die Olivenfliege beschäftigt und daraus sehr weitgehende Schlüsse auf "winners and losers" im künftigen Olivenanbau im Mittelmeerbecken abgeleitet. Die Ergebnisse wurden am 24.03.2014 veröffentlicht. Grundsätzlich stellt die Studie fest "The Mediterranean Basin is a climate change hotspot of global relevance". Konkret kommen die Forscher anhand komplexer Rechenmodelle zu dem Ergebnis, dass die Olivenfliege teilweise profitieren wird, überwiegend jedoch unter den veränderten Klimabedingungen zurückgedrängt werde, da sie eher feucht-warme Entwicklungsbedingungen bevorzugt. Allerdings beziehen sich die Modellrechnungen auf den Zeitraum 2041-2050, mit erheblichen Vorbehalten zur Validität. Insgesamt werde der Olivenertrag zunehmen, legt man lediglich die klimatische Entwicklung als Veränderungsgröße zugrunde. Allerdings würden kleinere und weniger profitable Anlagen aufgrund unzureichender Bewässerung und unprofessioneller Maßnahmen gegen die Olivenfliege erheblich gefährdet sein. In der Zeitschrift "bild der wissenschaft" wurde die Untersuchung von Luigi Ponti und seinem Team ausführlich gewürdigt unter dem Titel "Olivenanbau: Gewinner und Verlierer beim Klimawandel".

Das Auftreten von Xyllela fastidiosa an Olivenbäumen im südlichen Italien, Schwerpunkt Apulien, in den Jahren 2013 und 2014 wurde gleichfalls mit der Klimaerwärmung in Verbindung gebracht - insbesondere mit den extrem trockenen Sommern. Allerdings gibt es Hinweise, dass die Trockenheit insbesondere durch neue Tiefbrunnen für Gemüseanlagen derart fatal wurde, da der Grundwasserspiegel in Teilen Apuliens dramatisch abgesunken ist. Festzuhalten bleibt, dass auch die abzusehenden Veränderungen in der Niederschlagsverteilung auf den Olivenanbau massive Einflüsse haben werden.

Die klimatischen Verschiebungen könnten den Olivenanbau in gemäßigten Grenzlagen, also z.B. in Südfrankreich, Norditalien und Slowenien, wieder interessanter und erfolgreicher machen, zumindest im Qualitätssegment. Schon jetzt zeichnet sich eine Wiederbelebung des Olivenanbaus in Frankreich und im Piemont ab. Detaillierte Informationen hierzu finden Sie auf meiner Quellenseite, in der rechten Spalte, unter "Internetressoucen und PDFs zum Olivenanbau in Italien - Schwerpunkt Norditalien Plus Tessin/Ch" sowie "Internetressourcen zum Olivenanbau in Frankreich".





LIV


Der Sturz der  Zeichen ritzt den harten Boden
auf mit den Searchprofilen neuer Märchen
Aus dürren Quellen wächst nun teurer Loden,

Die Brunnen gehen tiefer als die alten Wurzeln
Und oben staubt es wie von Hochzeitspärchen,
von Fröschen, die um die Zisternen purzeln.

Es kommt ein Regen, doch er kommt von hinten
geschlichen wie ein Dieb, im Flug der Lerchen
gibt er das Feuerzeichen zum Verschwinden.

Auf blinden Augen steht ein Licht von Pferchen.










SONSTIGE KLIMA- UND STANDORTPROBLEME


Ich musste in meiner eigenen Anlage sehr rasch die Erfahrung machen, dass es nicht genügt, die Frostspitzen zu kappen. Die vermeintlich entscheidende Frage bei der Auswahl geeigneter Olivensorten für Grenzlagen/Extremlagen nach der tiefsten Temperatur, die eine Sorte ertragen könne, führt gleich mehrfach in die Irre. Ebenso die Hoffnung, mit Maßnahmen in Tieffrostphasen wie Einhüllungen oder Zusatzheizungen seien die klimatischen Probleme in Grenzlagen für den Olivenanbau wie bei uns in Deutschland in der Kölner Bucht, am Kaiserstuhl oder eben hier bei mir am Kraichgaurand in den Griff zu bekommen.

Das gilt zunächst einmal bereits im Blick auf das Frostthema. Denn
die Tiefsttemperatur ist keineswegs alleiniger Maßstab. Besonders problematisch sind zum einen lang andauernde Frostereignisse, dann intermittierende Frostereignisse mit Zwischenerwärmung(en) und zum dritten Frostereignisse um den Gefrierpunkt mit Regen.

Dazu kommen Probleme mit der Feuchtigkeit im gesamten Winterhalbjahr (Stress für die Pflanzen, Pilzkrankheiten, Wurzelschwächung) sowie Wachstumsprobleme, die durch kühle Nächte und Trockenphasen (bei im Winterhalbjahr geschwächten Wurzeln) im Sommerhalbjahr bedingt sind. Die Feuchtigkeitsprobleme haben auch Projekte im Himalaya erheblich beeinträchtigt. Und damit nicht genug. Unsere - mit großen Vorbehalten - "geeigneten" Lagen sind Weinbaulagen. Und diese zeichnen sich häufig auch durch gelegentlichen massiven Winddruck aus. Das mögen viele Olivensorten nicht. Zudem erschwert Starkwind im Winter die Schutzmaßnahmen durch Einhüllungen erheblich.

Mit etwas festeren Lössböden, wie sie in vielen Weinlagen bei uns vorkommen, etwa am Kaiserstuhl oder bei mir im Kraichgau, kommen die meisten Olivensorten nicht wirklich gut zurecht. Regelmäßige Bodenbearbeitung ist da unabdingbar. Steinige Böden, vulkanische Böden wie in Randlagen des Odenwalds zur Rheinebene hin oder Schieferböden wie an der Mosel scheinen mir persönlich weit geeigneter. Allerdings ist der einzige entsprechende Anbauversuch, an der Mosel, an den Frostwintern 2008/09ff gescheitert.




CCCXXX


Quergestellt die Hoffnung, es wird wärmer, es wird kälter
Wer sich weiter weiß, verklebt die alten Hügel
Mit kaltem Schweiß, behängt die Kleiderbügel
Mit Larvenhüllen, schließt den Schrank, wird älter

Ganz von allein, zurück blickt nur der Schelter.
Die Hülle, die uns wärmte, schmolz im Tiegel
Das offne Tal liegt aufgestaut, ein weicher  Riegel
Von Gletschereis umschließt die letzte Kelter.

Hell bricht der Abendstern von Berges Zinnen
Wohin die Klugen sich zurückgezogen
Es dampft der See, es taut der Fels, die Rinnen

Füllt roter Wein, das Destillat der Wogen
Aus Noahs Horn, wer vorne geht hört Stimmen.
Der Wind frischt auf, das Tal fühlt sich betrogen.

















Bilder zu Krankheiten und Schädlingen







Russpilz Pfauenauge Olivenfliege Grossaufnahme Olivenfliege













PILZKRANKHEITEN



Olivenbäume sind in ganz unterschiedlichen Maßen krankheitsanfällig bzw. krankheitsresistent, je nach Sorte und Klimaverhältnissen. Wichtigstes Gebot ist die Wahl geeigneter Sorten für den jeweiligen Standort. Besonders gefährdet sind sie, wie andere Obstanlagen auch, durch Pilzerkrankungen.

Bei Überwinterung in geschlossenen feuchten Räumen, an geschädigten Rindenteilen und beim Auftreten von Läusen entwickelt sich gerne ein rußförmiger Pilz, "Fumago vagans", der im Italienischen "Fumaggine" heißt. Er scheint die Vitalität der Pflanzen nicht erheblich zu beeinträchtigen (A, I). Negative Effekte entstehen dann, wenn der Pilz auch die Blätter überzieht und die Photosynthese stört. Dann hilft Abwaschen mit schwacher Kernseifenlauge. Und natürlich müssen die Ursachen beseitigt werden (Läuse, Feuchtigkeit).

Die am weitesten verbreitete Olivenkrankheit ist Spilocaea oleaginea (Occhio di pavone, Cicloconio, Pfauenauge, Augenfleckenkrankheit). Die befallenen Blätter zeigen charakteristische runde Verfärbungen am Blattende ("Pfauenaugen") mit hellem Zentrum und dunklem Ring, dem sich außen eine wiederum hellere Zone anschließt (K). In Gebieten mit kalten Wintern verbreitet sich der Pilz vor allem im Frühjahr und Frühsommer. Die Verbreitung erfolgt vorwiegend über befallene Blätter, die sich noch am Baum befinden, weniger über abgefallene Blätter am Boden. Bei jungen Bäumen kann das Abzwicken der kranken Blätter alleine schon helfen. Bei mehr als 30% Befall werden in Anbaugebieten Fungizide eingesetzt. Bei vergleichbaren Krankheiten werden im deutschen Ökoweinbau Kupferpräparate empfohlen. Die Firma Neudorff bietet ein Kupferpräparat an, das im Gartenbereich eingesetzt werden darf.

Ähnliches wie zu Spilocaea oleagina gilt auch für Mycocentrospora cladosporioides, im Italienischen "Piombatura", eine Pilzerkrankung, die sich durch schwarze Flecken auf den Blättern zeigt und gelbliche Verfärbung der Blätter. Piombatura und Occhio di Pavone sind nicht immer einfach zu unterscheiden. Die Behandlung erfolgt gleichfalls mit Kupferpräparaten.





CCCLXI


Der Winter ist vorbei und aus den Wolken
Fällt schwarzer Ruß, in Spiegelschriften scheinen
Die alten Lieder wider, leises Weinen
Klingt aus den Blättern die zum Himmel wollten.

Nun bist du alt, und deine Wunden kolken
Zur See sich aus und unter deinen Beinen
Aus Wind krümmt sich der Weg zu Lorbeerschreinen
Der Freunde die vor dir den Abschied zollten.

Es neigt sich zu den Wurzeln deine Krone
Du gibst nicht auf, doch auf hat man gegeben
Den Hain, der mit Geborgenheit belohne

Die in ihm stehen, sagt man, neues Leben
Blüht wie mit Pfauenaugen vor dem Throne
Aus Schreddergut, das sie zu Boden legen.









BAKTERIENERKRANKUNGEN



Durch ein Bakterium,
Pseudomonas syringae, wird der Olivenkrebs (it. "rogna dell'olivo") an Olivenbäumen verursacht, eine Zellwucherung an Stamm und Ästen (M). Übertragen wird das Bakterium bei Feuchtigkeit an Holzwunden, durch Schnittwerkzeug und durch die Olivenfliege. Es sitzt in den Zellwucherungen und breitet sich selbsttätig bei Regen aus, dringt über Verletzungen und Spaltöffnungen ein. Eingedämmt wird die Krankheit durch Pflegemaßnahmen. Es sollten keine kranken Pflanzen in den Bestand eingebracht werden, Abschneiden befallener Zweige, Ausschneiden an starken Ästen und am Stamm (dabei Werkzeug mit Eisensulfat, Spiritus o.Ä. desinfizieren), Entsorgung des befallenen Materials, Schneidearbeiten nur bei trockenem Wetter. Eine heilende Behandlung ist nicht möglich. Bekämpfung mit Kupferpräparaten wird verschiedentlich empfohlen, da Kupfer auch als Bakterizid wirkt. Mit scheint diese Anwendung wenig sinnvoll, da die Bakterien tief im Gewebe sitzen bzw. tief eindringen.

Acrobacterium tumefaciens ist ein Bodenbakterium, das auch bei Oliven krebsartige Wucherungen verursacht. Es befällt vor allem junge Bäume im Wurzelbereich oder am Stammansatz. Die Opfer sterben in der Regel innerhalb weniger Jahre ab, da der Saftstrom behindert und damit die Versorgung der oberirdischen Pflanzenteile gestört wird. Auch dieses Bakterium dringt über Verletzungen ein, etwa durch brachiale Wurzelkappung, Mähschäden oder Schermausfraß. Hier helfen nur allgemeine Maßnahmen zur Bodengesundheit, Behutsamkeit bei der Pflanzung und Maßnahmen gegen Schermäuse.

Eine weitere bakterielle Erkrankung wurden von Frederic T. Bioletti Ende des 19. Jahrhunderts an Olivenfrüchten in Kalifornien beschrieben, mit dunklen Verfärbungen und Höhlungen im Inneren der Früchte, die außen intakt erscheinen. Allerdings ist diese Erkrankung für Europa noch nicht beschrieben. Grundsätzlich ist Bakterienerkrankungen durch allgemeine Pflege des Hains zu begegnen. Es empfiehlt sich auch, den Oliventrester im Hain wieder auszubringen, da die enthaltenen Polyphenole stark fungizide und bakterizide Eigenschaften aufweisen.




CXXIII


Die Pest kehrt ein auch in geweihte Räume
In Keller die gefüllt mit Ölamphoren;
Die Liebe die im Schuldturm wir verloren
Bleibt fern und meidet die gestürzten Bäume.

Gerodet steht der Hain der frühen Träume,
Genossenschaftliche Allmend, die uns geboren
Zerbricht im Subventionensturm, den wir erkoren
Zur neuen Heimat weißer Venusschäume.

Das Holz will, dass wir Wucherungen schneiden
Der Wuchs, er kommt von vielerlei Infekten her
Es eitern Wunden, die wir vergessen haben,

Und um uns trauern Schiffe, Meere leiden
Die Küste trägt an unsern Schritten schwer
Wo aus den Sanden geile Masten ragen.










XYLLELA FASTIDIOSA

"Feuerbakterium zerstört Süditaliens Olivenhaine" titelte Spiegel Online am 28.11.2013. Im Salento wurden mehrere hundert Jahre alte Olivenbäume ausgerodet, zerkleinert und verbrannt. Zerstört durch das von Zikaden übertragene Bakterium Xylella fastidiosa. Die Bäume vertrockneten durch Blockaden des Safttransports. Betroffen waren zunächst nur einzelne Standorte in Süditalien, v.a. in Apulien. Dabei vor allem Bäume, die unter Stress durch Pestizide und Trockenheit standen und/oder einen brachialen Rückschnitt erlebt hatten. Die Ausbreitung Richtung Norden sollte durch rigide Kontrollen der Pflanzenausfuhren aus Süditalien verhindert werden. Dass das Bakterium kälteempfindlich ist, dürfte die Nordwanderung zusätzlich einschränken.

2014 breitete sich das Bakterium vor allem in Süditalien weiter aus und führte zu massiven Ernteeinbrüchung im italienischen Olivenanbau. Die Hintergründe sind vielfältig und natürlich war auch gleich der "Klimawandel" als zumindest Mitschuldiger ausgemacht. Es dürfte jedoch weit komplexer sein: Apulien ist eine ohndedies schon sehr trockene Region, in der im letzten Jahrzehnt (mit Unterstützung der EU-Landwirtschaftspolitik) massiv Wasserumleitungen und Brunnenbohrungen zur Versorgung großflächiger Obst- und Gemüseanlagen durchgeführt wurden. Der Grundwasserspiegel sank darauf vor allem in den hügeligen Olivenanbaugebieten drastisch, Quellen und traditionelle Brunnen versiegten. Dazu wurden viele Haine zur Erleichterung der Ernte und für höhere Erträge brachial zurückgeschnitten, was die Vitalität der Pflanzen reduzierte.

"Fastidiosa" - also "Kummer bringend" - ist hier nicht so sehr das Bakterium, als vielmehr kurzsichtiges menschliches Handeln. Für Einzelinteressen wurde das Wohl einer ganzen Region aufs Spiel gesetzt - obgleich die Problematik von Brunnenbohrungen in Trockengebieten längst wohl bekannt ist. Besonders trockene Witterungsverläufe haben das Problem noch verschärft. Zahlen müssen nun vor allem die traditionellen Olivenbauern und die Steuerzahler der EU. Der Klimawandel dient hier als vorgeschobene Kulisse zur Verhüllung regional festzumachender zivilisatorischer Fehlentwicklungen.

Über einen weiteren möglichen Hintergrund wurde in Italien auch spekuliert, nämlich die Rolle der Baumafia. Das Hinterland Apuliens soll für den Tourismus erschlossen werden, Straßen zu den Stränden, Golfplätze, Ferienanlagen sind geplant. Da stören die Olivenhaine bisweilen. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob das Bakterium nicht gezielt in Olivenanlagen eingebracht worden sei. Darüber berichtet "Die Zeit" vom 25. Juni 2015 unter der Überschrift "Alles muss raus". Danach hätten Forscher aus Berkeley, die für Monsanto arbeiten, 2010 zu einem Kongress in Bari Stämme des Bakteriums mitgebracht und vor der Gefahr für Olivenhaine gewarnt. Laut Staatsanwaltschaft existiert kein Protokoll zur vorgeschriebenen Vernichtung dieser Bakterienstämme. Drei Jahre später brach die Epidemie aus. Allerdings scheinen andere Stämme verantwortlich als die in Bari verwendeten.


Siehe hierzu auch die Informationen zu kriminellen Geschäften im Umkreis des Olivenanbaus auf meiner Quellenseite. und auf der Seite "Vorbilder, Geschichte(n)"





CXXIII


Sie steht auf Baugrund mit den festen Wurzeln
Den Straßenlärm hört sie nur ganz von fern
Die Kinder spielen in den Zweigen gern
Wenn spät im Herbst die ersten Früchte purzeln.

Der Bauplan führt zum Meer, soll die Touristen bringen
Aus kühleren Gefilden an den Tisch der Herrn
Bestückt von durstigen Plantagen, des Pudels Kern
Steht Pate. Tiefe Brunnen lassen ihre Kassen klingen.

Stark sind die Wurzeln noch, doch trocken ist der Boden
Sie fällt, Apuliens Bäume fallen. Das ist der Preis
Der Beute. Diomedes lässt Feuerbrand die Haine roden.

Harmloses Fleisch liegt an den Stränden, weiß
Das Hinterland verdorrt, Asphalt klebt an den Hoden
Der Subventionen, am Wegrand sitzt ein Greis.








SPEZIFISCHE OLIVENSCHÄDLINGE

Unter den Schädlingen an Olivenbäumen ist besonders die Olivenfliege gefürchtet, Bactrocera oleae (N). Das zweite Foto (O) - freundlicherweise von Claudio Cantini von der Azienda Sperimentale di Santa Paolina zur Verfügung gestellt - zeigt eine Fliege beim Stechen an einer reifen Olive. Die Fliege legt so ihre Eier in der Frucht ab, wo sich die madenartigen Larven entwickeln. Werden die Oliven in einem frühen Wachstumsstadium befallen, bildet sich Fäulnis und die Früchte fallen ab. In einem späten Stadium können die Früchte nicht mehr als Speiseoliven verwendet werden. Bei der Ölpressung mindert ein Anteil befallener Oliven ab 20% die Qualität des gewonnene Öles erheblich. Der Olivenfliege wird auch die Verbreitung der Rogna nachgesagt. Sie profitiert von warm-feuchten Bedingungen - etwa durch Bewässerung von oben.

In Deutschland dürfte die Olivenfliege aus nahe liegenden Gründen bis auf Weiteres keine Verbreitungschancen haben. In Olivenanbaugebieten wird die Fliege nach alten Hausrezepten mit Flaschenfallen gefangen, in die z.B. eine Lösung aus Wasser, Essig und Zucker gefüllt wird. Weiter entwickelte Fallen arbeiten mit Pheromonen, die männliche Fliegen anlocken und durch ein Kontaktinsektizid töten. Allerdings sind diese Fallen recht teuer (etwa 1,50 Euro pro Stück) - was bei den bescheidenen Olivenanlagen in Deutschland nicht zu einer unangemessenen finanziellen Belastung führen sollte, falls die Fliege mal auftaucht/eingeschleppt wurde.

An Zimmeroliven schmarotzen gerne Schildläuse und Wollläuse. Beide können auch in Plantagen, vor allem bei dichtem Wuchs, zur Plage werden. Ein Auslichtungsschnitt und Sonne wirken dem entgegen. Die Vermehrung von Läusen wird auch dadurch begünstigt, dass die Zimmerpflanzen im Winter keinem Frost ausgesetzt sind, was die Überwinterung der Schädlinge erleichtert.
Oft hilft es, die Pflanzen im Sommer für einige Wochen ins Freie zu stellen. Schildläuse können mit Olivenkrebs (Abbildung N) verwechselt werden. Das Missverständnis kann durch genaues Hinschauen und gegebenenfalls Kratzen aufgeklärt werden. Das Gespinst der Wolläuse hat dieser Läuseart den Namen gegeben. Hinter ihrem weißen Gespinst sind die Wollläuse gegen Bekämpfungsmittel recht gut geschützt. Gegen beide Lausarten wird in Anbauländern Mineralöl eingesetzt. Es gibt auch verschiedene Hausrezepte, etwa eine Mischung aus Olivenöl, Spülmittel (um eine Emulsion zu erzeugen) und Wasser.

Fleotribo oder Phloeotribus scarabaeoides richtet in der Rinde und in den Blättern des Olivenbaums Fraßschäden an, ist allerdings von untergeordneter Bedeutung.





XCIV


Und wollen wir Natur gehorchen hörn wir Ziegen
Die an den Trieben der Olivenbäume nagen
Ein Traum war wie der Löwe weidet mit den Schafen
Doch immer muss das Leben Lebendes bekriegen.

Auf Schwäche folgt ein Pilz, auf Pilze Fliegen
Die Ordnung der Natur lässt dich nicht schlafen
In süßer Träumerei entkommen deinen Plagen:
Wir fielen stets zurück, so hoch wir stiegen.

Springtanz der Zicken, die sich Fliegen fangen
Damit auch uns das Flötenspiel gelinge
Hier ist dein Rhodos, zu den Wölfen springe.

Dabei geht es uns allen nur um schöne Dinge
Um Rosen ohne Dornen, Umsturz ohne Bangen
So geht der Fortschritt, den wir uns verlangen.









POTENTIELLE SONSTIGE SCHÄDLINGE



Auf meinem Gelände sind mir Büffelzikaden (Stictocephala bisonia) als potentielle Schädlinge aufgefallen. Seit 1966 ist dieses Neozoon für Süddeutschland belegt. Weibliche Büffelzikaden konnte ich verschiedentlich beobachten, wie sie den Legestachel in Olivenrinde bohrten. Da die Larven im folgenden Jahr zunächst an der Legestelle fressen, ist von einer Schädigung der jüngeren Pflanzen auszugehen. Der Bestand sollte also kontrolliert werden! Da die - fatalerweise recht putzigen - Tierchen nicht sehr flink sind, ist dies in bei überschaubaren Olivenbeständen ohne größere Schwierigkeiten möglich.

Mäuse werden vor allem durch Mulchringe und eventuelle wärmende Wintermaßnahmen zu den Oliven gelockt und können die Wurzeln junger Pflanzen durch ihre Wühlarbeiten lockern und von der Wasserversorgung abschneiden. Dies kann durch regelmäßiges Hacken und angemessenen Abstand des Mulchringes zum Baumstamm vermieden werden.

Wurzelfraß durch Schermäuse erlebte ich 2012, im fünften Anbaujahr, zunächst Mitte Mai an einer neu gepflanzten Aglandaou. Auch die Rinde war bis etwa 15 Zentimeter über Boden rumum abgeknabbert. Mitte Juni waren an weiteren zwei Pflanzen (Leccino) die Wurzeln abgenagt. Schon zuvor war ich bemüht, Schermäuse auf meinem Gelände zu kontrollieren, da sie Feigenwurzeln z.B. sehr mögen und mir auch schon an einem jungen Rebstock die Wurzel abgenagt haben. Indikatoren für Schermäuse sind bei mir plötzlich absterbende Fenchel- oder Luzernenstöcke, die sich einfach aus dem Boden heben lassen und unten an den Wurzeln biberzahnähnliche Fraßstellen haben.

Unter den größeren Säugern haben sich Wildschweine einmal bemerkbar gemacht durch das Ausbuddeln zweier frisch gepflanzter Bäumchen. Rehböcke können junge Olivenbäume ganz zuschanden fegen - und zwar von März bis in den Juli hinein, selbst im November habe ich schon Schäden registiert durch "spielende" Jungböcke! Dagegen helfen Kunststoffeinhüllungen am Stamm. Vergrämungsmittel sind rausgeschmissenes Geld! Größere Fraßschäden durch Rehwild konnte ich noch keine beobachten. Allerdings kommt es schon gelegentlich zu angeknabberten Blättern oder Triebspitzen.




CCLXXX


Es ist der gleiche erste Schritt, der arglos
Uns vor das Auto führt oder zur andern Seite;
So nagt die Maus die schlanke Wurzel haltlos
Und kippt den Baum auf wurzelreiche Weide.

Ein strammer Bock fegt mit dem Horn das Holz bloß
Die schönste Zirpe sägt zum ärgsten Streite;
Es stürzt der Bussard auf die Maus im Raubstoß
Und tut Marienwürmchen nichts zu Leide.

Der Einklang der Natur kennt raue Töne
Wer mit ihr singen möchte muss gut tanzen
Ein kluger Sprung erspart so manch Gestöhne.

In süßen Beeren hausen gerne Wanzen
Denn wo gehobelt wird da fallen Späne
Die Welt passt nicht in einen Lederranzen.









SCHERMAUSBEKÄMPFUNG



Schermäuse gehen vor allem an die Wurzeln von Olivenbäumen. Eine "Ablenkfütterung" scheint dabei keine Wirkung zu haben. Mein Gelände steht voll mit Klee, Luzernen, Fenchel u.a., die ein gehaltvolles Wurzelwerk - dennoch wurden mittendrin, zwischen all den leckeren Wurzeln, drei Oliven von unten benagt und zerstört. Zur direkten Bekämpfung wird gelegentlich das Einbringen von CO2 in das Gangsystem empfohlen. Ich konnte damit keine Wirkung feststellen. Etwas brachialere Empfehlungen sprechen von Abgasen (etwa eines Mopeds), die man ins Gangsystem einbringen könne. Ich denke, das tut dem Bodenleben insgesamt nicht gut.

Zahlreich sind auch die üblichen Ökotipps mit Knoblauchpflanzung, übelriechenden Jauchen oder geräuscherzeugenden Apparaten. Vergebliche Mühe, zumindest auf größerer Fläche.

Effektiver sind laut verschiedenen Berichten die Schweizer Schermausfallen "topcat", die allerdings einen recht hohen Aufwand erfordern, von klugen Mäusen ausgetrickst werden und nur bei oberflächennahen Gängen funktionieren. Außerdem besteht die Gefahr, damit Maulwürfe zu fangen, die z.B. Engerlinge wegfressen und im übrigen geschützt sind. Maulwurfgänge sind von Schermausgängen dadurch zu unterscheiden, dass sie eher breitoval sind, Schermausgänge hochoval. Schermausgänge werden bei Eröffnung zügig wieder zugeschoben, sofern sie noch begangen sind. Maulwürfe lassen sich dazu einige Stunden Zeit. Da Schermausgänge auch von Maulwürfen begangen werden, sollten nur Gänge, die innerhalb einer halben Stunde wieder zugeschoben wurden, mit einer Falle bestellt werden. Und diese Falle sollte nicht länger als eine Stunde stehen.

Ich setze künftig auf Drahtkörbe als Schutz - das ist allerdings finanziell recht aufwendig und kostet 7-10 Euro pro Jungpflanze, bei größeren Pflanzen/Wurzelstöcken noch mehr. Übrigens: Schermäuse schätzen lockeren Boden, es hilft daher gegen diese Spezies wenig, regelmäßig um den Stamm herum die Erde zu lockern. Wichtiger ist das Freihalten von deckendem Bewuchs.




XXXIV


Natürlich kann ich dich dem Gott empfehlen
Er möge mir für dich die Maus erhaschen
Doch besser ist ein Netz mit dichten Maschen
Damit dir nicht die Nager Wurzeln stehlen.

Zumal die Götter gerne größre Opfer wählen
Sie schützen lieber Menschen die Dianen waschen
Und holen sich ihr Preisgeld aus gefüllten Taschen
Statt es aus grauem Fell ins Laub zu zählen.

Gälte der Götter Schutz für dich, Olive
Es gäbe keine Prämie, dich zu fällen
Und im Regal kein Öl mit falschem Glanze;

Der Markt erfände eine Perspektive
Für all die übervollen Kräftequellen
Von denen ausgeht uns das große Ganze.









PROBLEME BEI ZIMMEROLIVEN UND BEIM ÜBERWINTERN



An Stelle der Frostproblematiken treten bei Zimmer-, Wintergarten- und Überwinderungsoliven das Trockenheitsproblem sowie Lichtmangel- oder Wärmestress. Viele Olivenbesitzer vergessen schlichtweg, ihre Oliven häufig genug zu gießen, im Vertrauen auf die Trockenheitsresistenz der Spezies. Doch in kleinen Töpfen und unter Raumbedingungen müssen Oliven durchaus regelmäßig gegossen werden, unter Umständen auch abends oder morgens eingesprüht. Verkannt wird auch, dass Oliven im Winter bei Temperaturen über plus 5 Grad durchaus Stoffwechsel haben und weiter wachsen, etwa Stammunfang zulegen. Dazu benötigen sie natürlich auch im Winter eine ausreichende Wasserzufuhr. Übersehen wird häufig auch, dass Oliven zum Gedeihen durchaus einen Wechsel zwischen kühlem bis kaltem Winterhalbjahr und warmem bis heißem Sommerhalbjahr benötigen. Oliven sind keine Gewächshauspflanzen, im Winter benötigen sie gegebenenfalls ein Kalthaus, keineswegs einen Heizungskeller! Der Lichtbedarf im Winter ist eher bescheiden (aber vorhanden!), sofern auf kühle Temperaturen geachtet wird, die den Stoffwechsel der Olivenpflanzen herabsetzen.

Raumbedingungen fördern auch in erheblichem Umfang Pilzerkrankungen, unter wärmeren Bedingungen etwa
Spilocaea oleagina und ähnliche Fleckenerkrankungen, in Kalthäusern Fumago vagans, den einen schwarzen Überzug bildenden "Rußpilz". An Schädlingen werden vor allem Wollläuse zum Problem, die gute Durchlüftung und direkte Sonnenbestrahlung nicht mögen.

Bei Winterschutzmaßnahmen im Freien sollte man daher auch streng vermeiden, Treibhausbedingungen zu simulieren. Luftdichte Kunststofffolien und übermäßige Heizung sind schädlicher als gelegentliche Frosteinwirkungen, auch wenn diese bis an die Schwelle des zweistelligen Bereiches reichen (wobei jüngere Oliven schon ab -5 Grad Schaden nehmen können, zumal bei hohen Temperaturschwankungen). Dazu trocknet unter diesen Bedingungen der Boden aus und die ab 5 Grad plus stoffwechselnden Oliven können dann schlicht vertrocknen.




XXXV


Die dunklen Räume sucht wer friert im Herzen
Wer vor der Weite flieht hüllt sich in Mauern
Wo er dann vorgibt in der Öd' zu trauern
Doch was er fürchtet ist nur falsches Scherzen.

Auch träumt der Kaktus von der Wolken Schwärzen
Bisweilen unter heißen Sonnenschauern;
Wo Pilze auf die Wintergäste lauern
Stößt Fenster auf der Wind im lauen Märzen.

Drum geh auch du im Sommer in die Klause
Und such im Winter mal das luftig Freie
Es ist der Gegensatz der uns beflügelt.

Doch gibt der Unterschied noch kein Zuhause
Erst aus der Risse Fügung wird die Reihe
Die uns dem Ganzen einfügt und uns zügelt.









SPEZIFISCHE FROST-, KRANKHEITS- UND SCHÄDLINGSPROBLEME IN DEUTSCHLAND



Die entscheidenden Frostprobleme für Olivenpflanzungen in Deutschland dürften mittelfristig weniger von Tieffrost verursacht sein als vielmehr durch die Verbindung von Frost und Feuchtigkeit sowie die Verbindung von Frost und Starkwind, der Wintereinhüllungen unwirksam macht oder zerstört, ferner durch die Einwirkung von intermittierendem Frost. Nach meinen bisherigen Erfahrungen kommen Oliven durchaus damit zurecht, wenn es im Winter nach einer Zwischenerwärmung nochmals kalt wird. Geschieht dies jedoch mehrmals, wie unter unseren Klimabedingungen, schwächt dies die Vitalität der Pflanzen über Gebühr.

Welchen Einfluß der Salzgehalt der Luft in Olivenanbauländern (zumindest denen am Mittelmeer - in Asien stehen auch Olivenanlagen fernab von Meeren) auf das Gedeihen von Oliven hat, kann ich noch nicht abschätzen, mir ist dazu auch keine Untersuchung bekannt. Ich vermute allerdings, dass die bei uns wegfallende gelegentliche "Salzdusche"
einen positiven Effekt auf Krankheitsverläufe und Frostreaktionen hat. Der Salzgehalt der Luft ist noch in bis zu mehreren 100 Kilometern Entfernung vom Meer unter entsprechenden Bedingungen signifikant: "In some locations, coastal salt ist only a factor within the first 1.6 km (1mi) from shore; in others, significant concentrations have been found hundreds of kilometers inland" -  International Molybdenium Association, "Stainless Steel Selection in Coastal Environments". Daher experimentiere ich auch mit gelegentlichen Salzwassersprühungen. Aber VORSICHT bei Rehen in der Nachbarschaft: Rotwild mag Salz und kann eine Jungpflanze dann schon mal kahlrupfen.

Unter den Krankheiten sollten vor allem Pilzerkrankungen beachtet werden, da die höhere Feuchtigkeit im Vergleich zu den traditionellen Anbauländern Pilzwachstum fördert, insbesondere in den Übergangsjahreszeiten. Hier können Kupferpräparate und Auszüge aus entsprechenden Kräutern (Schafgarbe, Kanadische Goldrute) und Oliventrester helfen, vorbeugend aber vor allem Standortwahl, Sortenwahl, Schnitt und geeignete Formen des Winterschutzes - also Verzicht auf luftdichte Kunststoffeinhüllungen.





CCXXIV


Wenn Wege stets in Labyrinthen enden
Und aus den Pfirsichbäumen Blüten stäuben;
Wenn aus den Kinderträumen Tränenteufen
Zu Erzen gehen, Feuer an den Händen;

Wenn uns die Stirnen rote Rosen spenden,
Zu Schlägen an die Mauern die wir beugen,
Zur Lust der Quadraturen die wir häufen;
Und dunkle Faune an den Kirchenwänden;

Wenn süß der Abschied, bitter die Begrüßung
Von fern uns wird im Orgelklang der Messen
Uns Frost, Hitz', Regen gleicherweise spreiten

Wenn glühend uns das Eis der Augen Trübung
In Weisheit wandelt, wir die Ohren essen
So bleibt die Schuld bei dem, der sucht das Leiden.









BEDEUTUNG DER SORTENWAHL


Wenige Kulturpflanzen sind derart breit in Varietäten aufgesplittert wie die Olive, was angesichts der bis in die Bronzezeit zurückreichenden Geschichte ihres Anbaus nicht erstaunt. Weltweit werden schätzungsweise 1.200 Sorten kultiviert (es kursiert auch eine Zahl von "bis zu 2.000" - SPO Pescia), davon alleine in Italien mehr als 700, von denen 442 exakt erfasst sind
- von der Oliva Aitana (Sizilien) bis zur Oliva Zinzifarica (Kalabrien). Allerdings droht dieser Fülle wie auch bei anderen Nutzpflanzen die rasante Erosion dank landwirtschaftlich-ökonomischer Unvernunft, falscher Subventionspolitik in der EU und kurzsichtiger Profitgier. Bislang existiert allerdings noch ein breites Spektrum an Standortanpassungen, Krankheitsresistenzen, Hitze- und Frosttoleranzen und Widerstandskraft gegen Schädlinge. Unterschiedliche Olivensorten reagieren sehr unterschiedlich auf Krankheiten, Schädlinge, Frost und Feuchtigkeit. Es macht daher Sinn, ausgehend von den Anbauzielen, den geografischen Besonderheiten des Terrains, der Bodenbeschaffenheit und den klimatischen Bedingungen, eine gezielte Sortenauswahl besonders bei Anbauversuchen in Grenzlagen zu treffen.

Konventionell spielen bei der Sortenwahl auch Kriterien wie Geschmack, Erntemenge und Vermarktbarkeit eine Rolle. Diese treten bei Anbauversuchen in Grenzlagen in den Hintergrund. Die ersten beiden können sekundär eine Rolle spielen und sollten daher mit bedacht werden, sobald größere Exemplarzahlen zur Pflanzung anstehen. Eine Frage dabei ist auch das Produktionsziel, ob die Oliven eher eingelegt oder zu Öl verarbeitet werden. Was die Vermarktbarkeit betrifft, ist diese durch das Alleinstellungsmerkmal "Oliven/Olivenöl aus Deutschland" zunächst unabhängig vom Geschmack gegeben. Zu Erntemengen dürften die Werte aus Olivenanbauländern nicht ohne weiteres übertragbar sein auf Deutschland. Zumindest sprechen meine ersten Erfahrungen 2008 mit Leccino und Olivastra Seggianese dagegen, als die ertragreicher eingeschätzte Sorte Leccino mit 14 Pflanzen gerade einmal eine Olive zur Reife brachte, meine 8 Exemplare der Sorte Olivastra Seggianese, die ertragsärmer eingeschätzt wird, jedoch mehr als ein Dutzend.

Für Anbauversuche in deutschen Weinberglagen sollte vor allem auf Frosthärte geachtet werden, das versteht sich von selbst. Und zwar auf Frosthärte bei Sorten, die in ansatzweise vergleichbaren Lagen angebaut werden, also im nördlichen Bereich des Mittelmeers. Eine in Süditalien als "frosthart" gepriesene Sorte ist unter unseren Bedingungen nicht notwendig als frosthart einzustufen. Ein zweites wichtiges Kriterium bei der Auswahl ist die Feuchtigkeitstoleranz. Und da deutsche Weinberglagen häufig mit Starkwinden zu tun haben, sollte auch die Windstabilität bei der Sortenwahl in die Überlegungen mit einbezogen werden.




CCLXXXV


Es sind der Wünsche viele die uns plagen
Zu denen treiben die die Waren preisen,
Man sagt uns wie die rechten Wahlen heißen
Wir müssten nur den Kauf beherzt dann wagen.

Doch aus der Menge immer welche ragen
Die keiner lobt, und die mit eignen Weisen
Leis ihre Zukunft singen und von Reisen
Auf denen ihre Qualitäten Früchte tragen.

Es gibt Oliven für den harten Winter
Und solche die beim ersten Frost schon darben
Doch vor der Perlen Abglanz kommt das Tauchen,

Drum nennt genau der alten Bäume Narben
Es gibt Geliebte, Mütter, Enkelkinder
Wählt gut und klug was eure Gründe brauchen.









SORTENSPEZIFIKA ZU KRANKHEITEN, FROST, SCHÄDLINGEN


Zur informierten Begründung einer gezielten Sortenwahl gibt es hervorragende Internetangebote, allerdings nur auf Italienisch oder in anderen Fremdsprachen. Die nach meiner Kenntnis und Einschätzung wichtigsten Darstellungen und Untersuchungen habe ich unter "Informationsquellen" beschrieben und verlinkt. Nachfolgend biete ich eine Zusammenstellung und Charakterisierung der Olivenvarietäten, die mir aus eigener Erfahrung für die Pflanzung in Deutschland - unter den prinzipiellen Einschränkungen durch unser Klima - geeigneter scheinen als andere.

Aglandaou ist eine froststabile französische Sorte, die negativ auffällt durch die Sensibilität des Holzes für Feuchtigkeit. Aglandaou leidet stark unter Temperaturen um den Gefrierpunkt bei feuchter Witterung. Gegen anhaltende tiefe Temperaturen ist die Sorte recht beständig und die Vitalität insbesondere der Wurzeln spricht auch für diese Sorte. Sehr empfindlich für Occhio di Pavone.

Ascolana kommt aus Mittelitalien (Marche, hügelige Lagen mit teilweise erheblichen Winterfrösten) und ist weltweit verbreitet und geschätzt als Frucht- und Ölolive. Ihre Froststabilität ist außerordentlich, was auch am verhaltenen oberirdischen Wuchs liegt, der für stabiles Gewebe sorgt. Da der Baum zu einer zylinderförmigen, dichten Krone neigt, lässt er sich gut für den Winter einpacken. Anfällig für Occhio di Pavone.

Bianchera ist im Veneto und in Istrien verbreitet. Verhaltenes Wachstum und schlanker Wuchs erleichtern den Winterschutz für diese Varietät, die auch durch sehr gute Froststabilität positiv hervorsticht. Anfällig für Occhio di Pavone.

Bouteillan wird in der Provence angebaut und in mehreren Quellen als frosthart beschrieben. Meine Erfahrungen mit dieser Sorte sind gut, sie überzeugt bei mir bislang durch passend dosierte Vitalität (sehr verhalten im Winterhalbjahr, zügig ab Juni). Allerdings sehr anfällig für Occhio di Pavone.

Leccino ist eine der am weitesten verbreiteten Toskana-Sorten, die auch in Deutschland am häufigsten angeboten wird unter den benannten Zuchtsorten (No-Name-Olivenbäume sind noch häufiger im Angebot, unter der unspezifischen Bezeichnung "Olea europea"). Leccino ist frost- und feuchtigkeitsstabil, wuchsfreudig und allgemein vital. Er ist stabil gegen Pfauenauge und Olivenkrebs, allerdings auffallend anfällig für den Rußpilz/Fumaggine, der jedoch bei entsprechender Pflege keine wirkliche Gefahr darstellt.

Leccio del Corno wurde im Extremwinter 1928/29 als froststabile Variante im Val di Pesa (bei Florenz) selektioniert. Die sehr wuchsfreudige und ausladende Krone bringt Probleme beim Winterschutz, da sie sich ungern einhüllen lässt. Hier muss dann bei entsprechenden Erfolgen gezielt geschnitten werden. Leccio del Corno ist auch als pilzresistent bekannt.

Maurino kommt aus der Region um Lucca und ist vor allem in der Toskana verbreitet. Gilt als stabile Pflanze mit guter Resistenz gegen Pilzerkrankungen (kann ich bestätigen). Ästhetisch ist er mit Pendolino (Maurino fiorentino) vergleichbar, doch seine Froststabilität ist höher! Er verkraftet insbesondere kurze Frostperioden ganz gut, bei anhaltendem Frost ist Maurino jedoch eher empfindlicher als die meisten anderen hier besprochenen Sorten. Als dekorative Kübelolive mit ihren hängenden Zweigen und schlanken Blättern eine Alternative zum frostsensiblen Pendolino.

Moufla aus Frankreich wird gelegentlich als Geheimtipp gehandelt. Schwer zu bekommen und nach meinen Erfahrungen nicht zu empfehlen, da extrem schwachwüchsig.

Olivastra Seggianese zeichnet sich durch froststabiles, schlank-ausladendes, elastisches Holz aus, das unter feuchten Bedingungen zu Warzen- und Kurzrissbildungen neigt und stark unter feuchtkühler Witterung leidet. Der erste Eindruck nach dem Winter kann dazu führen, Äste oder gar den Stamm vorschnell als zerstört abzuschreiben. Hier heißt es abwarten, nicht vor Ende Mai zurückschneiden! Recht stabil gegen Pfauenauge und Olivenkrebs.

Verzola ist eine vitale Varietät aus Umbrien und den Marche, mit ausladender Kronenbildung. Gilt als froststabil, neigt zu Frostrissen. Die Risse verheilen allerdings erstaunlich gut, wie auch Fegeschäden, die ich an einer Pflanze hatte. Wird von Occhio di Pavone befallen, treibt aber zügig neues, vitales Laub.




LX


Ist‘s so, dass wir nur wählen sollen, was wir kennen?
Oder hat auch die rasche Wahl ihr Recht im Garten?
Wer kennen möchte, läuft Gefahr zu lang zu warten
Wer sich dem Fatum anvertraut, wird schneller brennen.

Du treibst mich an, Olive, hinter dir zu rennen
Ich Hase, Igel du und Zwilling aller Sparten
"Ick bün all weg" - sagst du in über tausend Arten
Und hilfst mir nicht die rechte Sorte zu erkennen.

Der Lorbeer ist nur einer, du bist steter Wandel
Das Leben will die zweierlei von Lüften Gnaden
Hechelt und brennt uns um des Paradieses Pforte!

So gerne würden wir in Kehrgewässern baden
Doch du, der Ruhe Irrtumsmutung, willst den Handel
Bist Rußlicht, Salbung, zweite Sonne dunkler Orte.









"GEHEIMTIPPS" ZU SORTEN



Dank der Flüsterbüchse Internet kann sich eine Sorte, die einmal irgendwo prominent als frosthart bezeichnet wurde, schnell als "Geheimtipp" etablieren. Auch Olivenöl- und Pflanzenhändler geben gerne Tipps weiter, die ihnen von ihren Lieferanten genannt wurden. Nun mag eine bestimmte Sorte bei einem süditalienischen Olivenölproduzenten durchaus als frosthart auffallen, in Norditalien dagegen könnte sie sich eher als frostempfindlich erweisen. Auch gelten in besonders trockenen Gebieten andere Kriterien für Frosthärte als in gemäßigten oder leicht feuchten. Meine eigenen Einschätzungen hier basieren weitgehend auf wissenschaftlichen Untersuchungen, ergänzt durch eigene und fremde Erfahrungen und Erkenntnisse.

Canino ist eine robuste Art aus dem Latium und wird gerne im Bioanbau eingesetzt. Einer der inzwischen wieder aufgegebenen Kölner Olivenhaine setzte auf diese Varietät, der noch existierende Hain bei Pulheim-Stommeln hatte einige Exemplare zu Versuchszwecken gepflanzt, aber aufgegeben. In der Forschungsliteratur wird der Sorte überwiegend mittlere Frosttoleranz zugesprochen - aber immerhin acht von achtzehn Quellen sprechen von einer hohen Frosttoleranz.


Cipressino oder Frangivento ("Windbrecher") wird gelegentlich als geeignet für Deutschland bezeichnet, was an der schlanken Wuchsform liegen mag, die ein Einpacken im Winter leicht macht. Es gibt nur eine wissenschaftlich akzeptierte Quelle, die sich zur Frosthärte äußert, und diese bezeichnet die Sorte als sehr frostsensibel.

Hojiblanca ist in Andalusien zuhause und wird in Deutschland als froststabile Sorte gehandelt. Von fünfzehn in der OLEADB genannten Quellen bezeichnen fünf die Frostempfindlichkeit als hoch, vier als gering und sechs als mittel. Die für Grenzregionen relevante "Wahrheit" dürfte hier also in der Mitte liegen, womit von kostspieligen Experimenten eher abzuraten ist. Ich kenne auch nur einen persönlichen, negativen, Erfahrungsbericht von ernsthaften Anpflanzversuchen im Freiland in Deutschland. Der späte Reifetermin spricht auch nicht für den Anbau in Grenzregionen.

Moufla ist eine französische Sorte, die auf Basis einer einzigen
in der OLEADB genannten Quelle als froststabil gilt. Moufla ist schwer zu bekommen und gilt als "fast verschwunden" in einem Olivenverzeichnis der französischen Baumschulen. 2013 habe ich drei Exemplare gepflanzt. Stand 2017 kann ich die Sorte nicht empfehlen. Wenig Vitalität und große Anfälligkeit für Occhio di Pavone.

Nostrale di Rigali (Umbrien, Marche) wird immer wieder als froststabil genannt und hat sich auch bei wissenschaftlichen Untersuchungen besonders bewährt. Fünfzehn von fünzehn Quellen der OLEADB sprechen ihr eine geringe Frostempfindlichkeit zu! Ich habe eine starke Anfälligkeit für Occhio di Pavone wahrgenommen, die gleichfalls in der Literatur beschrieben wird. Daher habe ich die Varietät bei mir wieder aussortiert. Sollte aber im Blick bleiben, insbesondere für niederschlagsarme Regionen!

Pendolino ist in der Toskana als Befruchter-Olivenbaum ("maschio") bekannt und wird auch "Maurino fiorentino" genannt. Mit Maurino hat er die hängende Kronenform gemein. Er wird in Deutschland gelegentlich angeboten und ist ästhetisch sicherlich einer der schönsten Olivenbäume. Leider sind seine Frostresistenz und die Vitalität mittelmäßig, weshalb ich ihn nur als Kübelolive mit Winterquartier empfehlen kann. Auch für Pilzkrankheiten und Schädlingsbefall (Fleotribo) ist er anfällig. Maurino halte ich für die bessere Alternative.

Bei Händlern tauchen gelegentlich als frostharte Geheimtipps auch die Sortennamen "Lessini" und "Orvieto" auf. Vorsicht, diese "Sorten" werden in keinem offiziellen Verzeichnis geführt, geschweige dass es irgendwelche gesicherten Angaben zur Frosthärte gibt. Bei "Lessini" könnte es sich um Leccino (pl. "Leccini") handeln, eine froststabile Toskana-Sorte, die ihrer sehr guten Eigenschaften wegen weltweit anzutreffen ist. Hinter "Orvieto" könnte sich gleichfalls Leccino verbergen, der in Umbrien sehr häufig angebaut wird, speziell in den Hügeln um Orvieto.





CXLIV


Im Atemholen sind zweierlei Gaben
Dazwischen liegen Husten und Stolpern
Der Bogen ist bunt, überspannt das Holpern
Nur er kann das Eine und Alles haben.

Drum sei klug, lass Regen die Wangen schaben
Erst muss Wasser über die Dächer poltern
Das Leben unsere falschen Träume foltern
Ehe wir an den guten Plätzen graben.

Nicht an Bogenenden, mitten im Leben
Da finden wir was uns wirklich bringt Nutzen
Mitte ist überall wo wir uns mühen.

Egal was du wählst, ihm gelte dein Streben
Vertrau nicht dem Schwarm, er will Fenster putzen
Nur Einfalt bringt dir die Vielfalt zum Blühen.









MANGELERSCHEINUNGEN UND STRESS



Meine Oliven neigen zu Chlorose/Blattvergilbung (Mangelerscheinung bzw. Störung im Eisen- oder Magnesiumstoffwechsel). Das dürfte an unseren eher festen und kalkhaltigen Kraichgau-Böden liegen, die auch im Weinbau häufig zu Chlorose führen. Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht mit Blattdüngung zur Beseitigung der Chlorose (z.B. mit Eisenchelat, gibt es in jedem Gartencenter). Zudem sollte fester Boden regelmäßig gelockert werden und bei Neupflanzungen nicht mit kalkhaltigem Wasser gegossen werden.

Fruchtende Olivenbäume entziehen dem Boden mehr Magnesium als etwa Weinberge. Da ist nach entsprechenden Bodenanalysen eine Zusatzversorgung eventuell sinnvoll. Vor allem die Kaliumversorgung muß für die Entwicklung der Frostresistenz sicher gestellt sein, im Bedarfsfall durch Patentkali (enthält auch Magnesium), Kaliumsulfat oder Potasche. Dies ist für den Wasserstoffwechsel der Pflanzen von großer Bedeutung. Als eigentlicher Frostschutz im Winter dienen Zuckereinlagerungen, die können nur durch ausreichende Blattmasse gesichert werden.

Auch Windstress kann Olivenbäume negativ zusetzen und Frostschäden ausweiten, weshalb in einschlägigen Lagen an eine Windschutzpflanzung gedacht werden sollte, falls der Klimawandel uns tatsächlich einmal mediterranes Klima beschert. Hier gibt es auch große Sortenunterschiede - Angaben hierzu unter "Informationsquellen" in der rechten Spalte ganz am Ende.

Bei feuchter Witterung im Winter um den Gefrierpunkt ist Besprühen mit einer leichter Salzlösung (maximal 12 Gramm/Liter) sinnvoll gegen Rindenfrost. Aber besser nicht wenn gelegentlich Rehe durchs Gelände streifen, die mögen Salz! Um den Olivenpflanzen die Bewältigung des Winterstresses zu erleichtern, ist im Frühjahr bei Trockenheit ein Besprühen mit Wasser am Abend zu empfehlen. Dabei kann auch in mäßiger Konzentration ein Blattdünger zugesetzt werden, etwa Magphos - mit Magnesium, phosphoriger Säure und einem geringen Stickstoffanteil. Wobei die phosphorige Säure nebenbei auch fungizid wirkt.




CCCXX


Der Mangel noch, du wurdest mir genommen
Ich schaue wie die alte Traufe dauert
Den Frosch, der bei den dürren Brunnen lauert
Du gingst verloren, um zurück zu kommen.

Nun bauen wir das Haus für frische Wonnen
Die Traufe hoch, den Brunnen tief gemauert
Verwaiste Weiden liegen, wo uns schauert
Vor Gegenwart, im Sonnenlicht geronnen.

Du schaust uns an aus allen deinen Wunden
Zur späten Küste kommt das Meer in Tropfen
Zum Ahorn, wo die weiße Kuh gebunden.

Du bist das Fass, wir sind der blinde Stopfen
Dein Krebs steht wie die Zeiger neuer Stunden
Wir haben uns gefunden, leises Klopfen.









RESISTENZFÖRDERUNG,
STÄRKUNG, DÜNGUNG


Die Resistenz von Olivenbäumen gegen Krankheiten, Frost und Schädlinge ist nicht nur von der Sortenwahl, sondern natürlich auch von Bodenbeschaffenheit, Nährstoffversorgung und allgemeiner Pflege abhängig. Grundsätzlich gilt: Einmal im Jahr sollte der Boden bei Neigung zu Verfestigungen gelockert werden. Oliven sind in der Rinde (bei jungen Exemplaren bzw. jungen Zweigen) und in den Blättern stark rezeptiv, Blattdüngung oder Wirkstoffversorgung durch Besprühen (nur am frühen Abend) haben eine gute Wirkung.

Um der Situation in den traditionellen Olivenanbauländern möglichst gut zu entsprechen, fördere ich wärmeliebende Pflanzen auf der Olivenwiese und mache auch Kräuteransätze aus diesen Pflanzen, mit denen ich die Oliven besprühe oder wässere. Zudem besprühe ich die Pflanzen zwei bis vier Mal im Jahr mit leichten Salzlösung (maximal 12 Gramm/Liter). Auszügen aus Schafgarbe, kanadischer Goldrute (invasiver Neophyt, bitte nicht eigens dazu anpflanzen, sondern bestehende Bestände nutzen!), Salbei und Fenchel stärken auch die pflanzeneigenen Abwehrkräfte gegen Pilzerkrankungen bzw. wirken selbst fungizid.
Brennesselauszüge sind auch hilfreich, insbesondere bei Chlorose (keine Jauche auf die Blätter sprühen!). Auszüge unterscheiden sich von Jauchen vor allem dadurch, dass noch keine Gärung begonnen hat.

Das Wachstum der Pflanzen wird im Frühjahr oder Sommer durch Umgraben gefördert (Stickstoffmineralisation). Dabei können Wurzelschädigungen durch gebührenden Abstand vom Stamm und den Einsatz einer Grabgabel vermieden werden. Als Nebeneffekt werden damit auch Wühlmäuse von den Wurzeln der Olivenbäume ferngehalten. Ich gebe gelegentlich auch Hornspäne zur Stickstoffversorgung. Ansonsten sollten Oliven zurückhaltend gedüngt werden, da ein Zuviel eher Krankheiten, Schädlingsbefall und Frostanfälligkeit fördert.

Als Gründünger empfehle ich die wärmeliebenden Steinkleearten sowie Mittelmeerpflanzen wie Wermut, Thymian, Salbei, Rosmarin und Gewürzfenchel, die Boden und Luft mit ätherischen Ölen anreichen. Gründüngung bedeutet dabei für mich nicht nur Stickstoffversorgung, sondern allgemeine Belebung und Anreicherung des Bodens und der Luft für die Bedürfnisse der Olive.





XXXIII


Die alte Glut zu schüren wie den Teig, den
Ötzi mit sich trug, ins Folgende zu mischen
Das nicht mehr kam für ihn, der zwischen
Die Zeiten fiel und aus der Dinge Reigen.

Zum Bären trieb die Nymphe auf im Steigen
So braucht die Liebe stets der Sterne frischen
Antrieb, neu ausgelesen an den Tischen
Von Zukunft, die uns Kinderspuren zeigen:

Wenn eine Hoffnung aufgeht wie ein Atem
Gezogen aus der Achtsamkeit der Blätter
Hebt Staub sich fruchtbar aus vergessnen Pfaden,

Wenn dann der Zuschlag geht an jene Bretter
Am Rand der Welt, die aus Privatem
Uns kehren, werden wir die Früchte laden.









BIOTOP OLIVENHAIN


Eine Tagung an der Universität Hohenheim stellte 2010 die hiesigen Streuobstwiesen unter den Titel "Schwäbische Olivenhaine". Und in der Tat, Olivenhaine können als die südlichen Vorläufer der Streuobstwiesen gelten: Als ökologisch höchst vitale Obstanlagen auf sonst wirtschaftlich nicht sonderlich gut zu nutzenden Böden oder in topografisch ungünstigen Lagen. Und bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts haben Olivenhaine diese von den Streuobstwiesen gut bekannte Funktion als reichhaltige, wertvolle Biotope mit hohem "Nebennutzen" für die Besitzer erfüllt. Streuobstwiesen gaben Fruchtsaft und Most, Olivenhaine Öl. Und beide waren Heimat vieler Wildpflanzen, Insekten und Vögel. Was im Falle der Olivenhaine leider unter anderem durch eine verfehlte EU-Subventionspolitik weitgehend zerstört wurde.

Hiesige Streuobstwiesen sind als Biotope vor allem durch Aufgabe der Nutzung und falsche Pflege bedroht. Doch unter den Bedingungen des Klimawandels könnten sie auch durch Wassermangel gefährdet werden. Es macht also Sinn, über Alternativen nachzudenken. Nutzbäume, die mit wenig Wasser und zusätzlichem Hitzestress im Sommer zurechtkommen, sind rar. Olivenbäume können dies. Wer dies verwegen findet, sei daran erinnert, dass auch Kirschen und Pfirsiche zu verschiedenen Zeiten als Exoten galten und dass Feigenbäume seit einigen Jahrzehnten dabei sind, die Gärten in Süddeutschland zu erobern - zumal nach der Züchtung einer unseren Bedingungen angepassten "Bayernfeige" und ähnlicher frosttoleranter Sorten. Die Serie strenger Winter 2008 bis 2012 hat Rückschläge für den Feigenanbau in Deutschland gebracht, doch wie zu vermuten ist, nur vorübergehend.

Oliven kommen mit kargen Böden zurecht und bevorzugen warme, südliche exponierte Hanglagen - exakt die Bedingungen, die besonders wertvolle Magerwiesenbiotope hervorbringen. Die AGNUS (Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz) Bruchsal, bei der ich Mitglied bin, pflegt Magerwiesen auf dem Michaelsberg, einem der bedeutendsten Orchideenbiotope in Deutschland. Von daher lag es für mich nahe, das Olivenhainprojekt mit einem Magerwiesenprojekt zu verbinden. Allerdings verfolge ich dies nicht orthodox, was auch von den Bodenbedingungen her nicht möglich ist. Der Boden wurde über Jahrzehnte als Weinberg benutzt und dann offensichtlich als Gülleentsorgungsfläche eines Landwirts missbraucht und zuletzt mit Herbiziden behandelt.

Aber der Umbau zeigt schon erste Erfolge und insbesondere konnte ich viele wärmeliebende Pflanzen wie Wermut, wilden Thymian, Gewürzfenchel, Dost (wilder Majoran), Wiesensalbei und echten Salbei ansiedeln. Ich gehe davon aus, dass diese Pflanzen auch zur Bodenverbesserung im Interesse der Olivenbäume beitragen und als verrottetes Material die Oliven ernähren und widerstandsfähig gegen den Winterstress machen.

Darüber hinaus ist das Biotop Olivenhain auch für Insekten aller Art, Heuschrecken, Schmetterlinge, Wildbienen, Hummeln, Wanzen, Spinnen, Ameisen, Feldgrillen und andere von unschätzbarem Wert. Im Gefolge hat sich eine stabile Zauneidechsenpopulation angesiedelt, die vor allem Steinhaufen, Totholzhaufen und Mulchablegen schätzt. Und denen folgte bereits eine Schlingnatter, die bei mir ihr Revier hat. Auch Erdkröten sehe ich immer wieder mal vereinzelt unter Reisighaufen.




CCLXXXI


Das war einst Erde. Durch Traktorenfurchen
Kreuzt Reiterei. Und kreuzen Laborgene.
Ein Reiter meint, dass er sich tiefer sehne
Und gibt dem Pferd die Sporen zu den Lurchen.

Die tummeln sich in letzten feuchten Pfützen
Inmitten einer hoch boukol'schen Szene
Und wider alle Regeln der Hygiene
Labt sich das Pferd, damit die Wasser nützen.

Ob Lurch, ob Pferd, das steht doch eins zu einse
Ein Apfel fällt auf Moos als gute Gabe
Der Mensch gibt gerne, wo er ein was heimse;

Besonders tugendhaft ist er als Plage
Am Busen der Natur, da ruft er: reim se!
Er will sie pur, gemeinsam mit der Schabe.











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