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kulturaustausch


von unseren häusern bleibt
die styroporhülle.

warum soll es uns besser gehen
als den römern
mit ihren tonscherben.

wer dauer möchte
kauft sich ein dauergrab.

im weinberg häufen sich
die rebschnitte
zu scheiterhügeln.

geopfert werden
würstchen.

während der abendmesse
macht sich die sonne
davon.

draußen ist es drinnen
am schönsten.

(2014)








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TAGEBUCH 2014
:

06. Januar 2014 Ein ungewöhnlich milder Winter bisher und für die Oliven gnädig. Bislang war die dicke Einpackung noch nicht notwendig geworden. Aber wie ich gerade in den Kalenderblättern für den Duc de Berry (Anfang des 15. Jahrhunderts) gesehen habe, war es damals durchaus normal für unsere Breiten, dass erst der Februar massiven Frost und Schnee brachte. Vielleicht treten wir ja wieder in eine ähnliche Klimaepoche ein. Die wenigen Oliven (bescheidene Wildaustriebe aus Unterlagen), die ich nicht eingepackt habe, stehen ohne Risse und sichtbare Frostschäden da, allerdings lassen sich die Blätter abzupfen - vermutlich werden die Pflanzen ihre Blätter im Frühjahr abwerfen.
Die Temperaturen haben mich schon einige Male erwägen lassen, die Pflanzen doch wieder auszupacken. Auch jetzt sieht es für weitere zwei Wochen nicht nach strengen Frösten aus. Aber schon in den ersten Wintern habe ich ja die Erfahrung gemacht, dass wiederholtes Ein- und Auspacken den Pflanzen mehr schaden kann als gar nicht einzupacken. Also Geduld bis Ende Februar zumindest. Schön wäre es ja für mein Projekt (für die Skiliftbetreiber im Schwarzwald sicherlich nicht), wenn die strengen Winter seit 2008/09 nur ein kurzes Intermezzo waren, das, wie einige längerfristige Klimakurven der Region und aus Mitteleuropa nahelegen, nun zu Ende geht. Spannend wird nun wohl noch die Entwicklung im Februar.

08. Januar 2014 Für 2014 hatte ich nach den Erfahrungen mit dem Winter 2008/09 und meinen Studien zur Klimageschichte umfangreiche Neupflanzungen vorgesehen. Nach den Erfahrungen im gerade vergangenen Jahr, mit minimalem Wachstum trotz relativ mildem Winter, bin ich im Zweifel. Auch meine sonstigen Studien zum Olivenanbau haben erbracht, dass tiefer Winterfrost nur ein limitierender Faktor für den Olivenanbau unter vielen ist. Feuchte Winterhalbjahre und Kühle im Frühling zählen ebenso dazu.
Ein weiteres Problem ist der absehbare Aufwand, der mit einem Olivenhain in unserer Region verbunden ist. Also auch die Frage nach der Nachhaltigkeit eines solchen Projektes. Materiell hält sich der Aufwand in Grenzen. Die angeschafften Vliese halten sicherlich noch mindestens 10 Jahre durch. Und dann sind die Pflanzen hoffentlich "aus dem Gröbsten raus". Doch der Arbeitsaufwand ist groß. Und der Erfolg absehbar minimal. Olivenöl aus Obergrombach dürfte noch für etliche Jahrzehnte ein Traum bleiben. Da hilft es auch nichts, dass ich über die Feiertage einen Ölmüller unter meinen Vorfahren gefunden habe ....

15. Januar 2014 Weiterhin kein Winter in Sicht. Die Informationen des ECMWF (European Centre for Medium-Range Weather Forecasts) lassen es bis 24. Januar nicht kälter werden als heute. Also könnte äußerstenfalls wieder ein Frostfebruar wie 2012 kommen. Allerdings kam 2013 bei ähnlichem Wetterverlauf auch keiner. War also bereits 2012 das Analogon zu 1929, 1956 und 1985 mit Abständen von 27 bzw. 29 Jahren? Eine Serie sollte nicht zu vorschnell angenommen werden. Um 1900 gab es lediglich den Extremfebruar von 1895, dem erst 34 Jahre später der von 1929 folgte. Bei aller Kaffeesatzleserei bleibt festzuhalten: Wer Toskana möchte, muss weiterhin über die Alpen fahren.

22. Januar 2014 Ich wiederhole mich: Weiterhin kein ernstzunehmender Winter hierzulande in Sicht. Zum Monatsende wird es wohl etwas frostiger, vor allem im Nordosten, aber das kann sich wohl kaum in den Februar hinein halten oder gar verstärken. Dann wird es vom Frühling abhängen, ob ich in diesem Jahr mit einer Nachpflanzung ansetze. An den Weinreben erstes Knospenschwellen, teilweise schon Wolleansätze. An der Feige Knospenöffnung und erster Fruchtkörperansatz! Könnte fatal werden.

26. Januar 2014 Ein erster Blick unter die Umhüllungen zeigt: Die Blätter grün und intakt, kein Einrollen, keine Verbräunungen. Und die Blätter sind zugfest. Im Unterschied zu einigen Wildoliven, deren magere Triebe vom vergangenen Jahr ohne Hülle draußen standen. Allerdings sind auch dort zugfeste Blätter vorhanden. Temperaturmessungen zeigen wieder die Zwiespältigkeit von Bodenabdeckungen aber auch von Vlieshüllen. Darunter ist es tagsüber derzeit kühler als außerhalb. Da dort die Nachtkühle konserviert wird. Große Lust, auszupacken. Ein größerer Februarfrost zeichnet sich nicht ab. Gilt für diesen Winter nicht einmal die Verschiebung in den Februar hinein? Ist das Kältetief vorbei? Kann der Schwarzwaldtourismus seine Lifte endgültig abbauen? Die Wetterkarten zeigen gelegentliche Kältezungen von Nord und Ost, aber sie können sich nicht durchsetzen. Von Süden und Westen dringen immer wieder Hitzezungen mit ihren Ausläufern Richtung Mitteleuropa vor.

31. Januar 2014 Oliven wird es wohl so bald keine geben, aber heute konnten wir Ackersalat ernten von den Baumscheiben um die Oliven. Dort ist der Boden locker, offen und nährstoffreich genug. Köstlich, gleich frisch von der Wiese am Abend zubereitet! Und überall blüht es auf der Wiese und im Weinberg, Gänseblümchen sowieso, aber auch Taubnessel und persischer Ehrenpreis. Und die ECMWF-Karten zeigen einen möglichen witterungsbezogenen Frühlingsbeginn rund um den 10. Februar, will sagen: Einen Wärmefuß von Süden - statt Kältefuß von Norden wie im Februar 2012. Dann können Fröste danach fatal werden für Weinberge oder manche Obstsorten.

08. Februar 2014 Von "arteFakt. Olivenölkampagne" gerade ein Hilferuf zur Unterstützung qualitäts- und umweltorientierter Olivenanbauern auf Kreta und in anderen Teilen Griechenlands. Eine Verkettung ungewöhnlicher Klima- und Wetterverhältnisse führte teilweise zum kompletten Ausfall der Ernte 2013 bei Kleinbauern. Und hier versagt offensichtlich unsere EU-Agrarförderung vollkommen. Für im Blick auf eine nachhaltige Entwicklung sinnlose, umweltschädliche und qualitätszerstörende Agrarmaßnahmen werden Jahr für Jahr Milliarden ausgegeben. Die zu denen gehen, die eh schon viel haben. Und die Kleinen werden zu Sozialhilfeempfängern (sofern es dergleichen im betreffenden Lande in ernstzunehmendem Maße gibt), wenn es mal nicht gut geht. Angeblich soll ja künftig mehr zu "den Kleinen" gehen - doch gemeint sind damit nicht die mit 15 Hektar oder weniger. Sondern die mit 150 Hektar. Die EU-Landwirtschaftspolitik muss sich radikal ändern. Und bis dahin wird "arteFakt" um Hilfe bitten müssen:

http://www.artefakten.net/jahresbericht-2013/

12. Februar 2014 Zumindest im Norden und Osten Deutschlands könnte es um den 20. Februar nochmal richtig kalt werden.

16. Februar 2014 Da zu uns hier kein relevanter Frost mehr kommen dürfte, habe ich eine Ascolana von 2012 schon mal ausgepackt. Steht gut da, die Rinde etwas warzig, aber das kenne ich ja Ascolana Februar
              2014schon, vor allem von Seggianese und Maurino. Die Blätter und Zweige intakt, nur ganz oben einige Blätter violett verfärbt, erfroren. Weitere Auspackaktionen erfolgen in den nächsten Tagen.

06. März 2014 Nochmals eine Frostnacht, aber Werte über -5 Grad. Auf der Wiese intensives Blühen von Ehrenpreis, Taubnessel, Hirtentäschel, Greiskraut, Vogelmiere und Gänseblümchen. Ansonsten blüht der Rosmarin und Schisandra treibt eifrig Blätter.

14. März 2014 Der Tag war fast heiß, am Abend aber stechende Kühle. Wird unser Klima hier in BaWü "kontinentaler"? Schon seit einigen Jahren beobachte ich die Entwicklung hin zu einer stärkeren Tag-Nacht-Differenz. Allerdings habe ich das noch nicht faktenfest bestätigt gefunden.

Am Abend habe ich jedenfalls nun alle Oliven vollends ausgepackt, die Hitze tagsüber kann ich ihnen auch mit weißem Vlies nicht länger zumuten. Dabei auffallend, dass wesentlich mehr Blattfall nun stattfand als beim Auspacken der ersten vier Mitte Februar (Abfallen lockerer Blätter durch die Bewegung/Reibung beim Enthüllen)! Ich vermute, den Pflanzen wurde es zu warm unter der Verpackung in den letzten sonnigen, fast heißen Tagen. ECMWF zeigt ab 21. März nochmal ein Vordringen von Kaltluft aus dem Norden.

16. März 2014 Am Wochenende eine Feige auf dem Gelände gepflanzt mit Maschendrahteinhüllung gegen die Schermäuse. Die haben mir ja auf der Olivenwiese in den vergangenen Jahren eine Feige, eine Kiwi und drei frisch gepflanzte Oliven (2013) zuschanden gemacht. Im März sind drei Schermäuse jeweils am frühen Abend in die Fallen gegangen. Aber mindestens drei sind noch aktiv, das verraten zugewühlte Gangöffnungen und Fallen.

Ich ärgere mich über die Arroganz, mit der ich noch vor wenigen Jahren die üblichen Neugärtner-Ideologien vom weitgehenden Verzicht auf Bodenbearbeitung, von Mulchen und so fort vertreten habe. "Die Natur für sich arbeiten lassen." Die Natur hat das getan und ich habe nun u.a. erhebliche Schermausprobleme. Außerdem verwandelt sich unser Lössboden ohne Bodenbearbeitung ziemlich zügig in Beton und die stickstoffzehrenden Horstgräser freuen sich. "Konventionelle" und "Alternative" sollten im Landbau doch noch mehr als bisher voneinander lernen, auch im Kleinbereich. Meinen Maschinen-Verzicht werde ich jedenfalls nicht aufrecht erhalten können ohne meine Kulturen (Reben und Obstbäume) erheblich zu beeinträchtigen oder meinen Rücken (durch Hacken und Umgraben) zu ruinieren. Natürlich ist Mulchen ökologisch wunderbar, die Insekten und die Eidechsen freuen sich. Aber Umgraben und Hacken sowieso, gelegentlich auch Pflügen oder Grubbern und Eggen haben auch Berechtigung. Auch unter "kulturökologischen" Gesichtspunkten.

Der Frühling kommt mit Macht, der erste Löwenzahn blüht und die Eidechsen zeigen sich - doch zuerst wieder nicht an der Trockenmauer, sondern auf dem Rebholzhaufen und am Mulch. Das Material dort ist dunkler und wärmt sich natürlich zunächst intensiver auf, auch wenn es nicht so gut speichern kann.

24. März 2014 Vor dem angekündigten Frost vergangene Nacht blieben wir verschont - dafür kam die Kälte nordischer Luftschichten (vom ECMWF bereits am 14. März korrekt prognostiziert) heute in Form eines kräftigen Hagelschauers herunter. In der kommenden Nacht kann es für die Pfirsichblüten nochmal kritisch werden. Gestern sah ich die ersten Weinbergschnecken, gleich in Gruppen aktiv. Auch eroberten in den vergangenen Tagen - bei Sonnenschein - die Eidechsen die Trockenmauer wieder.

02. April 2014 Ein trauriger Tag. Nun hatten die Oliven den Winter unbeschadet überstanden. Nun hatte ich das Schermaus-Problem im Griff. Und heute abend komme ich in den Olivenhain und sehe Verwüstung! Rehe haben die Oliven fast systematisch abgeweidet, dabei nicht nur die Blätter weitgehend verzehrt, sondern Seggianese mit
              Rehfraßauch Triebspitzen und Zweige erheblich beschädigt. Besonders wütend bin ich über den Schaden an der Seggianese von 2008 (der vitalsten Überlebenden aus der ersten Pflanzung!), die sich hervorragend entwickelt hatte. Selbst der starke neue Leittrieb, der unter dem Korb gebogen war, stand hervorragend - und nun ist er brutal gerupft und geknickt! Und verstehe wieder einmal, wie schwierig die Arbeit als Gärtner, Obstbauer und Landwirt ist - mit all den Widrigkeiten, die der "Naturzusammenhang" so bringen kann.

20. April 2014 Nach dem Märzwinter" 2013 gab es in den vergangenen Tagen nun so etwas wie einen "Aprilwinter", mit Frostschäden an Walnussbäumen hier in der Region in Talsenken. Allerdings ohne Schaden für die Pflanzen auf meinen Olivenstück. Nur am chinesischen Gemüsebaum (Gewürzbaum) sind einige bodennahe Blattaustriebe abgefroren, ebenso an einer Feige. Ansonsten ist alles in bestem Zustand, üppige Flächen mit blühendem Wundklee, andere mit blühendem Staudenlein, sehr malerisch! An der Asimina Triloba ein riesiger Rosenkäfer, die Rote Liste Art Protaetia aeruginosa offensichtlich! Die Blüte selbst interessiert ihn nicht, offensichtlich saugt er an der Basis der fleischigen Blütenblätter Pflanzensaft. Bald werde ich mein Gelände nicht mehr betreten dürfen, da es unter Komplettschutz gestellt wird ;-). Andererseits bekäme ich dann sicherlich ein Ehrenamt als "Ranger" (Ironie aus).

Aus Pescia (SPO) haben wir 2x Ascolana, 2x Bianchera, 2x Verzola und 1x Maurino mitgebracht und gestern gepflanzt. In Pescia wurde ich vom SPO-Chef auf eine interessante Frostschutzmaßnahme aufmerksam gemacht: Kupfermitteleinsatz im Herbst. Die weitere Recherche führte mich zu einer Untersuchung der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Dort wird auch die Wirkungsweise erklärt: Kupfer bekämpft die INA-Bakterien, Kristallisationskeime für Frost. Andere Fungizide dürften also den gleichen Effekt haben.

Für die neugepflanzten Oliven sind die Wetterprognosen eher erfreulich. Stürme stehen wohl keine mehr an für einige Zeit und es bleibt weiterhin eher frisch, so dass ich nicht ständig ans Gießen denken muss und die Pflanzen keinen Trockenstress bekommen, trotz magerer Niederschläge. Moderate, kommode Bedingungen, um sich an das Leben außerhalb der Baumschule einzugewöhnen! Die Feigen haben schon üppig Früchte entwickelt, hoffentlich kommt keine Kälte mehr, die sie zum Abwerfen bringt! Nach Erwärmung sieht es für die nächsten Wochen nicht aus, eher nach nochmaliger leichter Abkühlung, auch noch Anfang Mai.

26. April 2014 Den Oliven geht es gut, die von Rehen abgeknabberten treiben neu aus, die neu gepflanzten stehen gut da, haben allerdings kräftig Occhio di Pavone mitgebracht. An einer 2013 gepflanzten Moufla haben vermutlich Engerlinge die Feinwurzeln und Teile der Hauptwurzeln abgefressen. Mir war aufgefallen, dass es keine Neuaustriebe gibt - und beim Ziehversuch hatte ich die Pflanze in der Hand.

10. Mai 2014 Neuaustriebe bei den Oliven gehen weiter, teilweise entwickeln sich auch Blütenstände an den alten Pflanzen, denen die Rehe ein paar Blätter mehr belassen hatten. Bei der Hütte nistet auf der Lampe ein Hausrotschwanz-Paar. Das Nest existiert bereits seit etwa vier Wochen, erst heute habe ich die scheuen Vögel beobachten können, als ich einige Zeit im Auto bei der Hütte saß, wie sie zwischen Hütte und Weinbergweg, wo sie Insekten pickten, hin und her flogen. Als ich anschließend auf der Bank bei der Hütte saß, kam einer von ihnen angeflogen, setzte sich in der Nähe des Nestes auf die Regenrinne, nahm mich wahr und flog wieder weg, um nicht auf sein Nest aufmerksam zu machen.

16. Mai 2014 Nun, die kalte Sophie ist vorbei. Meine neuen Oliven habe ich zwar lange vor ihr gepflanzt, aber mit einer neuen Asimina triloba Sunflower kam ich heute zufällig passend zur alten Bauernregel "Pflanze nie/Vor der kalten Sophie". Die Wetterkurven zeigen jetzt auch steil nach oben bei den Temperaturen. Die Asimina von Horstmann war voll mit Schildläusen und hatte eher dürftiges Wurzelwerk, machte dennoch insgesamt einen ganz guten Eindruck. Die Versuchung war groß, sie zwischen die Oliven zu setzen, um dort mal eine Pflanze zu haben, die auch Frostwinter gut übersteht. Aber es wäre mir wie ein Verrat an den Oliven erschienen. Zudem ist Asimina eine sehr windempfindliche Pflanze mit ihren großen fleischigen Blättern, ich musste ihr einen etwas geschützteren Standort suchen.

Auf dem Rebholzhaufen bei der Hütte "wohnen" inzwischen drei Eidechsenmännchen, die sich heute gleichzeitig zeigten in schönster Hochzeitsfärbung, gleichmäßig verteilt auf dem Haufen, jeder in einem Drittel. Wobei sie offensichtlich auch ohne Sichtkontakt einander wahrnehmen.

Drei
              Eidechsenmännchen auf Rebholz

Sie widersprechen den gängigen Theorien zum strengen Revierverhalten von Eidechsen. Gelegentlich sehe ich sie zwar einander verjagen, aber nicht wirklich nachhaltig vertreiben, schon gar nicht bekämpfen. Sie zeigen sich auch an verschiedenen Stellen des Haufens, haben das Gebiet nicht klar zwischen sich geteilt. Ein Weibchen spazierte heute auch mal rasch dazwischen rum.

19. Mai 2014 Aus dem "Altbestand" entwickeln eine Ascolana und eine Bouteillan Blütenstände! Trotz Rehfraß! Die Austriebe bei den verschiedenen Olivensorten im Gelände sind sehr unterschiedlich, die Ascolanas entwickeln sich am freudigsten. Bouteillan zeigt sich auch in diesem Jahr unter den französischen Sorten Aglandaou überlegen. Moufla bleibt noch abzuwarten, bislang nicht so überzeugend. Verzola ist eine wirklich schöne, vitale Pflanze - aber ich fürchte, ihre Froststabilität ist für Grenzregionen nicht zuverlässig genug, in der Literatur sind leider keine Angaben zu finden, sie erinnert vom Holz an Leccino, von Blättern und Zweigen an Maurino.

Die sieben "Neuen" von SPO Pescia haben üppig Occhio di Pavone mitgebracht, das jetzt heftig ausbricht. Befall deutlich über 30% - ich behandle mit Metiram. Mein Altbestand ist gesund, es gibt nur vereinzelt Blätter mit ODP, dort behandle ich nicht.

Mein Respekt vor Landwirten, die nicht zur Technikkeule mit Riesengerät und Chemie greifen, wächst weiter. Fast bei jedem Besuch in Weinberg, Olivenhain und Streuobstwiese stoße ich auf neues "Ungemach". Im Weinberg sind es in diesem Jahr vor allem Milben, die nach dem milden Winter sich ausgebreitet haben (wir bekämpfen natürlich nicht, die Raubmilben haben das einigermaßen unter Kontrolle). An den Triebspitzen knabbern Rehe, auch bei meinen Obstpflanzungen. Der Boden meiner Wiesen verwandelt sich unter dem tätigen Wühl- und Bauwerk von Mäusen und Ameisen und anderen in eine Achterbahn (wer mit "angemessenem" technischem Gerät mäht, hat das Problem nicht). Bei den Oliven droht nun Occhio di Pavone mit Ausbreitung von den neu Angepflanzten. Die Pfirsiche haben neben einigermaßen eingedämmter Kräuselkrankheit nun diffuse Blattschäden, die vom Hagel vor einigen Tagen und/oder Sonnenbrand der letzten Tage herrühren könnten. Und so geht es munter weiter, man braucht ein "dickes Fell", besser große Gelassenheit für die Arbeit im "Naturzusammenhang".

25. Mai 2014 Die Wiese ist bereits reif für den Schnitt, die Schafgarbenblüte beginnt. Hummeln und Wildbienen füllen die Luft mit ihrem Gesumme. Es fällt jedes Jahr schwer, gerade dann zu schneiden - aber anders geht die Blütenfülle verloren, werden Gräser überhand nehmen und Neophyten wie kanadische Goldrute oder kanadisches Berufkraut, die nur wenige Insekten ansprechen. Allerdings sei auch gesagt, dass beide Neophyten als Heilkräuter bedeutend sind. Ein Schnitt mit Beginn der Schafgarbenblüte führt auch zu einer zweiten intensiven Blütephase, die den Hummeln und Wildbienen dann wieder nutzt.

Am Eidechsenholz hat sich eine Neuentwicklung ergeben: Von den Männchen ist nun nur noch eines zu sehen, dazu ein Weibchen. Allerdings sind die beiden einander keineswegs freundlich gesinnt, das Weibchen wehrt bei Annäherung das Männchen heftig ab (reckt beide Vorderbeine hoch und macht mit den Zehen Krallbewegungen - bekannt auch aus dem Musical "Cats" ;-) und dieses weicht zurück.

26. Mai 2014 Es ist zum Weinen, ich schaue kurz im Olivenhain vorbei und sehe eine neu gepflanzte, aufwendig aus Italien hergebrachte, blühende Ascolana mit massiven Fegespuren eines Rehbocks.

Fegeschaden
              an OliveDas Problem ist klar: Rehe sind eigentlich keine Waldbewohner, "der Mensch" hat sie zu Waldbewohnern gemacht - ohne ihnen im Wald oder am Waldrand auch ausreichend geeignete Lichtungen und Freiflächen anzubieten. Also kommen sie in geeignetes sonstiges Gelände. Und mein Gelände ist ideal für sie: in Waldnähe, umgeben von ungeeigneten Flächen wie Weinberge und Äcker, spritzmittelfrei, mit einem breiten Angebot an "Biofutter" und Fegepflanzen.

Die Jägerschaft hat es in mehreren hunderttausend Jahren zwar geschafft, immer perfektere Waffen und in den vergangenen Jahren auch standesgemäße Geländewagen sowie Lodenoutfits zu kreieren. Doch gegen Fege- und Verbissschäden sind sie in der Steinzeit geblieben: Zäune ums Gelände (im Außenbereich mit strengen Auflagen dank, sic, Jägerlobby) - und die muss der Geschädigte anlegen und zahlen. Die Konsequenz? Noch mehr Maisäcker. Und in die kommen dann die Wildschweine ....

Wer Jäger pauschal für die eigentlichen Naturschützer hält, die "das schon richtig machen", der möge einmal hier nachlesen: <http://www.gmn-ev.de/index.php?id=45>. Versammelt sind auf dieser Seite so ziemlich alle von Jägerseite gegen Naturschützer vorgebrachten Argumentationstypen. Beim Schutz von Orchideenwiesen konnte ich als AGNUS-Aktiver von einem Jäger einmal folgendes "Argument" hören: Orchideen benötigen Düngung, die wachsen hier doch gar nicht. Er meinte wohl die Orchideen aus dem Gartenmarkt. Zugestanden, auch von Naturschützerseite hört man gelegentlich groteske Äußerungen.

Ich halte Jäger keineswegs pauschal für naturschutzfeindlich. Aber nach meinen Erfahrungen gibt es nicht wesentlich mehr Jäger mit einem substantiellen Verständnis für die Anliegen des Naturschutzes als Naturschützer mit einem substantiellen Verständnis für die Anliegen der Jagd.
Ascolana-Blüte Juni 2014 mit Gelände und Hütte
12. Juni 2014 Die Oliven blühen üppig, teilweise ist die Blüte schon abgängig und es zeigen sich erste Fruchtköpfchen. Es blühen überwiegend die sieben Neuanschaffungen von 2014 (auch die heftig gefegte Ascolana hält noch mit), aber auch eine ältere Ascolana und eine Bouteillan (beide etwa eine Woche später mit der Blüte als die "Neuen"). Von den Pflanzen 2008 sind noch zwei Seggianese und zwei Leccino als Edelformen erhalten, dazu kommen einige Wildolivenaustriebe von 2008er Leccinos. Die beiden Seggianese sind in weit besserem Zustand als die Leccino. Die Sorte Leccino hatte sich zwar nach den ersten strengen Wintern besser aufgerappelt als Seggianese, aber den längeren Atem hat nun offensichtlich Seggianese! Glückwunsch an das Team Becker/Marzak zu dieser Sortenwahl! Die Abbildung zeigt im Vordergrund links allerdings Ascolana, rechts (klein) Aglandaou und im Hintergrund mittig Maurino. Die von Engerlingen ihrer Feinwurzeln beraubte Moufla (s. 26. April) scheint sich erholt zu haben, sie treibt neue Blätter. Ich hatte sie nach Umgraben tiefer wieder eingesetzt und regelmäßig gegossen.

Die Maulbeeren werden zügig reif. Allerdings hat eine winzige Ameisenart die Frucht entdeckt und schon ihr Lager aufgeschlagen exakt im Zentrum zwischen den drei Maulbeerbäumen! Die reifen Maulbeeren sind nun daran zu erkennen, dass sie sich "bewegen". Na gut, es gibt lästigere "Mitesser", z.B. die Rehe, die auch gleich Triebspitzen und Blätter mit verzehren (etwa bei Oliven und bei der Felsenbirne).

Asimina hat leider alle Fruchtansätze abgeworfen! Ich frage mich, ob ich zu intensiv während der Blüte gegossen habe. Möglicherweise hat dies ein falsches Signal gegeben, das Signal, im Holz zu wachsen, statt Früchte zu bilden. Andere Pflanzen reagieren auf gute Wasserversorgung eher mit Fruchtbildung. Nach dem Motto: Guter Standort, hier kann ich mich gut mit Früchten vermehren. Aber am Ende "denken"/reagieren Pflanzen auch nach ganz anderen Kategorien/Mustern.

Kaki dagegen fruchtet, trotz Rindenschaden, gewaltig, ich musste etwa 2/3 der Fruchtansätze entfernen, die sonst die schwachen Äste geknickt hätten, vor allem bei Wind. Kaki ist eine merkwürdige Pflanze, mit einer starken Diskrepanz zwischen schwachem, sprödem Holz und üppigem Laub sowie saftreichen, schweren Früchten. Beim Schneiden abgestorbener Äste fiel mir eine rußige Schwarzfärbung auf, als seien die Äste verbrannt/verkohlt. Ein Pilz?

16. Juni 2014 In den Nächten wieder rasante Temperaturrückgänge, von sengender Hitze tagsüber auf unter 10 Grad! Der Granatapfelbaum scheint zu leiden darunter, die Blüte stockt, die offene Blüte ist abgefallen, die anderen gehen nicht auf. Seltsame Schadbilder bei Kaki und Asimina, die Blätter wirken wie von Säure angefressen, teilweise eingerollt, gebeult. Die Zibarthe gedeiht auch in diesem Jahr wieder nicht, viele Blätter, aber alle wirken ungesund, stumpf, gelblich. Dazu sind sie von Insekten angefressen, durchlöchert. Dafür entwickelt sich der Pulverbaum prächtig, ein Insektenparadies, worunter er aber nicht leidet.

02. Juli 2014 Inzwischen blühen beide Granatapfelbüsche, einer üppig, der kleinere eher verhalten. Der Regen und die Wärme (nun auch nachts, wenngleich es gelegentlich immer noch recht frisch wird am Abend) haben ihnen gutgetan. An den Oliven erste größere Fruchtknoten, bei Ascolana und Bouteillan.

17. Juli 2014 Die Regenperiode Ende Juni, Anfang Juli haben sehr gut getan, Weinberg steht gut da, vor allem die Kräuter kommen - die Gräser haben unter der Trockenperiode (mit Schnitt zu Beginn) sehr gelitten, was ja für die Entwicklung des Geländes vorteilhaft ist. Zwischen den Rebstöcken wieder einmal ein Eidechsenweibchen gesichtet.

Die Oliven halten sich nach wie vor mit Wachstum  zurück, bilden allerdings zügig neues Blattwerk, wo Occhio di Pavone zugeschlagen hatte. Die Olivenfrüchtchen sind überwiegend abgefallen, nur bei Ascolana und Bouteillan gibt es noch einige, die sich weiter entwickeln.

Bei den Maulbeeren und Felsenbirnen ist die Ernte zuende. Brombeeren gibt es weiter reichlich. Die ersten Früchte von der im Frühjahr gepflanzten Feige sind reif!! Eine gelbe Sorte mit großen, süßen, eher wassrigen Früchten. Am Wochenende waren wir im Schwarzwald Blaubeeren/Heidelbeeren pflücken. Der Boden hier im Kraichgau ist für Blaubeeren zu basisch. Aber vielleicht bekomme ich bald Früchte von den Maibeeren, die ich im Frühjahr gepflanzt habe, die ertragen angeblich auch weniger saure Böden gut und gedeihen bisher recht ordentlich.

04. August 2014 Das dritte Jahr in Folge, in welchem die Oliven kaum Zuwachs haben. Olivenfrüchte entwicklen sich auch nur spärlich. Ausgerechnet die fast kaputt gefegte Ascolana trägt wacker eine kräftig sich rundende Frucht! Die anderen sind bislang kaum über die anfängliche Stecknadelkopfgröße hinausgekommen.

Auf der Wiese auffallend die Ausbreitung von Wilder Möhre und Skabiose. Den Weinbergpfirsichen geht es sehr gut. Und die Kakizweige biegen sich unter der Fruchtlast, einer ist schon gebrochen. Wirklich gut geht es der Kaki allerdings nicht, die Blätter und das Holz wirken instabil, zeigen Wachstumsschäden. Ziziphus bildet erneut keine Früchte in diesem Jahr. Paw Paw legt nach den ersten Früchten im vergangen Jahr eine Pause ein - während die Paw Paw am Augustenberg in diesem Jahr phantastisch dastehen, mit üppigstem Fruchertrag und starken Stämmen. Einen schönen Fruchtertrag hat Schisandra, allerdings ist das Laub weiter in schlechtem Zustand.

Ich vermute, dass einige der Exoten mit den seit drei Jahren auffallenden starken Differenzen zwischen kühlen Nachttemperaturen und heißen Tagen Probleme haben. Teilweise dürfte auch der stark kalkhaltige Boden die Probleme mit bedingen (etwa bei Paw Paw und Schisandra).

24. August 2014 Die einsame Ascolana-Frucht am gefegten Baum ist bei etwa 1,5 Zentimeter Länge abgefallen. Bouteillan-Früchte entwickeln sich noch, sehr verhalten, büschelartig. Auch der August brachte keinen Wachstumsschub der Kronenbereiche. Wie auch, nachts ist es herbstlich kühl, tagsüber häufig bewölkt und regnerisch. Die Schwalben sammeln sich seit einigen Tagen zum Flug.

Aus Frankreich werden abfallende Olivenfrüchte berichtet, nicht nur meine Oliven haben wohl Probleme mit diesem Sommer:
http://www.rczeitung.com/index.php/provence-cote-dazur-artikel/items/schadet-das-durchwachsene-sommerwetter-dem-olivenanbau.html

14. September 2014 Es sammeln sich nochmals Schwalben über meiner Hütte. Die zweite, recht späte Runde - was hoffentlich auf einen milden Winter vordeutet.

27. September 2014 Das Wetter ganz ähnlich wie vor einem Monat, tagsüber recht sonnig-warm, nachts bei 10 Grad.

Gut, fast schon prächtig zugelegt an Astwerk und Blättern hat in diesem merkwürdigen Sommer mit den kühlen Nächten lediglich eine Olivastra Seggianese. Eine ältere Ascolana hat immerhin eine reife Frucht entwickelt, ansonsten gibt es an Früchten einige verhutzelte Ascolana und Bouteillan.

Auf der Wiese blühen die Kalkastern, einige gehen schon über zur Samenbildung. Allerdings hat auch die Wiese wohl unter den kühlen Nächten gelitten, es gibt zwar einiges an zweiten Blüten, aber nur bei wenigen Pflanzen kommt es noch zur Samenbildung. Schafgarbe hat ein schlechtes Jahr, ebenso Flockenblume. Vom Wiesensalbei schaffen es die meisten wohl nicht einmal zu einer zweiten Blüte. Ich bin sehr gespannt, wie die Wiese im kommenden Jahr aussehen wird. Offensichtlich habe ich für die Witterung in diesem Jahr zu spät geschnitten (28. Mai, Beginn Schafgarbenblüte). Fenchel geht es sehr gut. Hummeln und Schmetterlinge noch einige unterwegs.

19. Oktober 2014 Wieder Tage, in denen man um die Mittagszeit kaum in der Sonne sitzen kann, so heiß wird das! Und dies Mitte Oktober! Den Pflanzen im Weinberg gefällt es, die Oliven bilden weiter neue Blätter, Feigen reifen in Fülle, die Flockenblumen schaffen es doch noch zur Samenreife. Mit einem Treibhauseffekt ist das allerdings nur schwer zu erklären, denn im Schatten und nachts bleibt/wird es kühl. Es besteht ganz offensichtlich ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der hiesigen aktuellen Tageshitze und Sonneneinstrahlung. Allerdings kann bei den minimalen Differenzen zwischen höchster und geringster Sonnenaktivität die Sonne selbst nicht ursächlich sein. Bislang habe ich noch keine befriedigende Erklärung gefunden. Dass in den vergangenen sieben Jahren diagnostizierte Hauterkrankungen durch Sonneneinstrahlungen zugenommen haben, mehr als verdoppelt, könnte als Hinweis gewertet werden, dass sich tatsächlich etwas diesbezüglich verändert, ich keiner subjektiven Einschätzung oder regulären Schwankungen aufsitze. Es könnte aber auch auf medizinische Aufklärung/Diagnostik oder geändertes Freizeitverhalten zurückzuführen sein.

08. Dezember 2014 Das war ein November wie aus dem Bilderbuch: Grau, nieselig und nebelig. Bis in den Dezember hinein hielt dieses Wetter an. Heute der erste längere Lichtblick. Am Abend hole ich im Olivenhain die letzten Kaki-Früchte. Eine Frucht ist noch immer hart, die anderen sind weich bis matschig.

An den Oliven Blattverfärbungen ins Dunkelviolette, nur bei Aglandaou, Bouteillan und Ascolana - also harten Sorten! Sieht aus wie Frostschaden, vor allem an den äußeren Blättern. Der Farbton gleicht der Reifefärbung der Früchte. Die Tiefsttemperaturen waren bislang allerdings nur vereinzelt knapp unter Null. Bis Weihnachten scheint es keinen Einpackbedarf zu geben.

14. Dezember 2014 Kein Winter in Sicht. Aber starke Vergilbungen an vielen Blättern. Die ersten fallen schon und es wird noch deutlicher, wie wenig Zuwachs es in diesem Jahr gab.

20. Dezember 2014 In einer kurzen trockenen Phase habe ich die beiden Granatäpfel in Vlies gewickelt und vier Oliven, die nur unten ausgetrieben hatten, unter Körbe mit Vliespolstern gepackt. Die anderen folgen in den nächsten Tagen. Ab 29. Dezember könnte es Ernst mit Minustemperaturen hier bei uns werden.

28. Dezember 2014 22:00 Uhr: - 11 Grad bei den Oliven (am Boden teilweise bis -15 Grad). Eines ist sicher: Auch dieser Winter hat ein ganz eigenes Gepräge im Rahmen dessen, was Klimaerwärmung genannt wird. Sehr milder Verlauf bislang, dann eher abruptes Kippen in starken Frost. Und Anfang Januar wirds dann wohl schon wieder mild. In den vergangenen 30 Jahren gab es acht Winter mit zweistelligem Frost im Dezember in Karlsruhe: 1985/85 (der Oliventodwinter für die Toskana), 1991/92, 1992/93, 1996/97, 1999/00, 2001/02, 2009/10 und 2010/11. Dazu kommt nun der Winter 2014/15. Wobei alle sich im Bereich von 10-12 Minusgraden bewegten, mit Ausnahme von Dezember 2001 mit -14,1 Grad. Wie man sieht, sind allgemeine Aussagen zur Klimaerwärmung für diese Daten irrelevant. Natürlich sind Monatsgrenzen gleichfalls sehr selektiv und erheblich einschränkend gewählt. Allerdings zeigt sich, dass man auch bei tiefsten Minustemperaturen für den Gesamtwinter bei den gleichen Wintern und/oder ihren Nachbarn landet. Nimmt man etwa Winter mit Tiefsttemperaturen in Karlsruhe unter -15 Grad in den vergangenen 30 Jahren, so kommt man zu den sieben Wintern 1984/85, 1986/87, 1996/97, 2001/02, 2008/09, 2010/11 und 2011/12. Unter -16 Grad bleiben nur noch drei Winter, 1984/85, 1986/87 und 2010/11.

Ein (notwendiges) Spezifikum der aktuellen Klimabetrachtungen ist die Orientierung an Durchschnittstemperaturen. Durchschnittstemperaturen sind von Computerprogrammen gut zu errechnen und zu vergleichen und sie sind relevant für global beeinflussende Phänomene wie Gletscherentwicklungen oder Wetterturbulenzen. Schaut man jedoch qualitativ nach Höchst- und Tiefsttemperaturen und deren Auftreten, ergibt sich ein erheblich differenzierteres Bild der Klimaentwicklung, mit teilweise konträren Schlussfolgerungen (verglichen mit der Klimaerwärmung) etwa für Agrarstrukturen. Durchschnittstemperaturen besagen über die Möglichkeiten etwa eines Olivenanbaus schlichtweg gar nichts. Hier sind Tiefsttemperaturen und deren Verteilung, Schwankungsbreiten der Temperaturen, Dauer von Frostereignissen, Verbindung von Feuchtigkeit und Frost, Windchills etc. pp. relevant.

Schlussfolgerung? Vergessen Sie den Olivenanbau in Deutschland. Kaufen Sie sich einen Olivenhain in Süditalien. Und kämpfen sie dort dann gegen die Trockenheit ... Oder wie wäre es mit Äpfeln?

Monatsthema Januar: Niederschläge und Wind
Auch bei mildem November- und Dezemberverlauf und vielen Versprechen auf einen weiterhin milden Winter sollten allerspätestens Anfang Januar die Frostschutzmaßnahmen stehen, denn vorläufig gibt es einfach keine zuverlässigen Langfristprognosen. Und eine Nacht unter -5 Grad kann nach warmen Tagen schon Rinde zum Platzen bringen und Cambium schädigen. Lieber ein bisschen pessimistischer sein.

Januar ist der Monat, in welchem vor allem gefrierende Niederschläge Probleme bereiten können. Schneeregen, der das Holz junger Bäume nässt und anschließend dort gefriert, zerstört die Rinde. Daher benötigt der Januar, zumindest in unseren Breiten, frost- und nässefeste Einhüllungen. Ich habe gute Erfahrungen mit Thermovlies M85 gemacht, das schon bei zwei Lagen weitgehend sicher ist gegen das Durchschlagen von Nässe.

Ansonsten kann Januar als ein selten mit Extremfrost betrübender Monat gelten, da die Temperaturen in der Regel nicht allzu sehr schwanken, der niedrige Sonnenstand verhindert die großen Tag-Nacht-Temperaturdifferenzen, die durch Aufwärmung tagsüber bei Nachtfrost in den Monaten November und vor allem im Februar den Pflanzen Probleme bereiten können. So können die Pflanzen ihren eigenen Frostschutz kontinuierlich aufrecht erhalten. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen, etwa den Januar 2012. Zudem genügen für böse Rindenrisse auch geringe Schwankungen um den Gefrierpunkt, vor allem bei Nässe.

Besonders nerven können im Januar die gelegentlichen Stürme, die mich 2010 (Daisy und Co.) und 2011 geplagt haben. Da müssen öfter mal die Einhüllungen überprüft werden und neu festgezurrt. Denn die beste Hülle nützt nichts, wenn der Wind darunter greifen kann und die Pflanzen auskühlt. Zudem werden Oliven auch von Wind selbst gestresst. Es sind vor allem Januarwinde, die Frostschutzeinhüllungen oder -bauten in ausgesetzten Lagen sehr schwierig machen. Dafür bietet der Monat oft schöne Fotomotive, mit Schnee und Eis auf den Schutzverpackungen vor blauem Himmel.

Monatsthema Februar: Dauerfrost
Da der Winter in der Regel im Januar oder Anfang Februar schon mal intensiver pausiert und eine Erwärmungsphase eintritt, wird man als Exotengärtner dazu verleidet, vorzeitig aufzuatmen. Der Februar sollte jedoch als Wintermonat von Olivenhainbesitzern selbst im nördlichen Mittelmeerraum sehr ernst genommen werden! Gerade der Februar hat in der Geschichte immer wieder mit fatalen Frostereignissen überrascht. Das verdankt sich vor allem den häufigen lang anhaltenden Ostwindperioden in diesem Monat, die zum Beispiel 1956 die Olivenhaine in Südfrankreich sowie teilweise im nördlichen Italien und 1985 die Olivenhaine in der Toskana weitgehend zerstört haben.

Problematisch im Februar sind einmal starke Temperaturdifferenzen, die den Pflanzen zu schaffen machen. Tagsüber kann es gerade unter falsch angelegten Einhüllungen zu enorm hohen Temperaturen bei Sonneneinstrahlung kommen, während es nachts bis in den zweistelligen Bereich bei Strahlungsnächten abkühlen kann. Das zweite gravierende Februarproblem ist der Dauerfrost, der vor allem ohne Schneebedeckung zu massiven Schädigungen auch im Wurzelbereich führen kann. Der Dauerfrost unterkriecht nach etwa fünf Tagen auch die Einhüllungen der Bäume. Damit entsteht ein zusätzliches Koppelungsproblem aus den beiden Hauptproblemen: Frost im Wurzelbereich und starke Erwärmung im Kronenbereich bei Sonneneinstrahlung.

Es ist also besonders der Februar, der Einhüllungen mit Kunststofffolien oder anderen Folien und Einhüllungen (etwa dunkles Vlies), die sich bei Sonnenbestrahlung stark erwärmen, problematisch macht. Für den Februar sollte gegebenenfalls auch die Bodenabdeckung nochmal überprüft und verbessert werden, um die Auswirkungen von Dauerfrost auf den Wurzelbereich zu mildern. Das kann durch Laubanhäufung geschehen oder durch Vliesabdeckungen - mit einem Radius von mindestens eineinhalb Metern. Allerdings sollte diese Abdeckung dann bei Erwärmung (spätestens im März) wieder entfernt werden, da sie nicht nur den Frost vom Boden zurückhält, sondern natürlich auch anschließend die Kälte im Boden gegen Erwärmung "schützt".

Der Februar macht uns darauf aufmerksam, dass unsere Frostschutzmaßnahmen immer auch eine paradoxe Wirkung haben, insofern sie nicht nur Frost abhalten, sondern umgekehrt auch Kälte konservieren.

Monatsthema März: Trockener oder frostiger Boden
Im Märzen der Bauer und so - aber Vorsicht! Der Temperaturverlauf von Karlsruhe seit 1876 belehrt mich, dass der März durchaus frostige Tücken haben kann. So wurden 2005 am 1. März in der Rheinebene bei der Fächerstadt -14,6 Grad gemessen. Dennoch, in diesem Monat beginnen die Frühjahrsvorbereitungen, die Pflanzen können in der Regel - nach einer kritischen Sicht auf die Prognosen des ECMWF (European Centre for Medium-Range Weather Forecasts) - spätestens Mitte des Monats ausgepackt werden. Dies sollte abends oder bei bewölktem Himmel geschehen, um den Pflanzen die Anpassung an die neuen Verhältnisse zu erleichtern. Nach dem Auspacken gleich pralle Sonne zu erleben, bedeutet Stress für die Pflanzen.

Auch empfiehlt sich nach dem Auspacken das Besprühen mit einer leichten Salz- und Nährlösung, da der Safttransport unter Umständen durch Schädigungen des Xylems reduziert ist. Gegen Rindenrisse durch Temperaturspannungen und zur allgemeinen Vitalisierung der Pflanzen kann ein pflegender Kalkanstrich (Baumanstrich, Kalkmilch) auf die Stämme und Äste aufgebracht werden. Auch dies sollte nicht bei praller Sonne, sondern am besten abends geschehen (natürlich nicht, wenn in der Nacht darauf Frost erwartet wird).

Was häufig vergessen wird: Oliven assimilieren auch im Winter bei Temperaturen ab etwa 5 Grad plus. Das heißt, sie entziehen dem Boden dann auch Feuchtigkeit. Das sollte auch bei Zimmeroliven gebührend berücksichtigt werden. Und natürlich kann der Freilandboden im Winter nur eingeschränkt oder gar nicht Feuchtigkeit von Niederschlägen aufnehmen, wenn er durch Frostschutzmaßnahmen bedeckt ist! Daher ist nach einer winterlichen großflächigen Abdeckung des Bodens (etwa durch Tunnels oder ausgebreitete Vlieseinhüllungen) nun zu gießen.

Böse Überraschungen kann der März bereiten, wenn sich schon frische Blattknospen gebildet haben und diese dann erfrieren. Für die Pflanzen bedeutet dies einen enormen Stress und als Reaktion darauf warten sie mit den Neuaustrieben zum Frühjahr sehr lange, unter Umständen bis Anfang/Mitte Juni!

Monatsthema April: Spätfröste
Noch stärker als im März drohen im April Versorgungsmängel durch Bodentrockenheit oder reduzierte Leistung des Xylems. Da Oliven Feuchtigkeit und Nährstoffe gut durch Blätter und junge Rinde aufnehmen können, hilft hier neben Gießen auch Besprühen. Um Spannungen in der Rinde durch Temperaturdifferenzen bei nun schon starker Sonneneinstrahlung zu reduzieren, bietet es sich an, nun im April (falls nicht schon im März geschehen) die Stämme zu weißen. Die angebotenen Präparate stärken in der Regel auch die Vitalität der Pflanzen. Natürlich ist darauf zu achten, dass nicht vor der Trocknung Frost zu erwarten ist. Auch der April bringt gelegentlich Frostnächte. Besprühen mit leichten Salzlösungen (nicht stärker als 1,5%) empfiehlt sich hier als Unterstützungsmaßnahme. Ein Spätfrost wie der in der Nacht vom 16. auf den 17. April 2012 ist allerdings für frische Blattknospen fatal. Bei -5 Grad sind hier in Obergrombach z.B. die Kiwi-Knospen ganz, Maulbeerknospen teilweise erfroren.

Im April rührt sich die Vegetation auf der Wiese schon kräftig, die Grau- und Brauntöne werden durch frische Grüntöne verdrängt, der Gärtner im Olivenanbauer darf sich freuen. Auch bei den Oliven regt sich nun einiges, die ersten Blatt- und Blütenknospen bilden sich, falls der Winter nicht zu streng war. Je nach Witterung können auch schon junge Triebe wachsen. Jetzt sollte - bei Bedarf - auch mineralischer Dünger ausgebracht werden, damit er in der Wachstumsperiode Mai/Juni den Pflanzen zur Verfügung steht. Bei kalkhaltigen Böden empfiehlt sich Kaliumsulfat, bei eher sauren Böden Kaliumcarbonat (Pottasche). Kalium ist wichtig für den Wasserhaushalt und damit auch die Frosthärte. Bei entsprechendem Bedarf des Bodens ist auch Magnesium zu geben. Für Stickstoffgaben ist es in der Regel noch zu früh.

Durch Schnitte an abgestorbenen Zweigen kann schon die erste Schadenskontrolle stattfinden - allerdings bedeutet Vitalität im April keineswegs, dass der betreffende Zweig/Ast/Stamm den Winter tatsächlich gut überstanden hat. Absterben können vitale Zweige oberhalb von Schädigungen auch noch im Mai, wenn der eigentliche Vegetationsschub für Oliven kommt - und damit auch erhöhter Versorgungsbedarf.

April ist eine günstige Zeit für Pfropfungen, da die Säfte nun (vor allem in der zweiten Monatshälfte) fließen und die notwendigen Knospungshormone bereitstehen. Die Pfropfstellen müssen gut gegen Austrocknen geschützt werden, etwa durch Aluminiumfolie, welche Sonne reflektiert und Feuchtigkeit zurückhält. Ein Spätfrost kann allerdings die Pfropfung schädigen, daher ist man erst Ende April auf der sicheren Seite. Auch für Neupflanzungen ist der Monat günstig, wenngleich man damit noch Anfang Mai gut platziert ist.

Monatsthema Mai: Mäuse und anderes Getier
Nun können die Olivenanbauer in Grenzlagen endlich Aufatmen. Der Winter ist definitiv vorbei, auch für empfindliche Olivenbäume droht nun kein Ungemach mehr, selbst frische Blattknospen sind hier im Badischen Weinbaugebiet nicht mehr durch Spätfröste gefährdet. Erst jetzt ist auch die gültige Bilanz zu ziehen, welche Schädigungen der vergangene Winter jeweils gebracht hat. Denn unabhängig von eventuellen Spätfrösten bringt erst der Mai mit seinen hohen Anforderungen an die Saftleitungsbahnen der Pflanzen zum Vorschein, wo diese vielleicht nicht zerstört, aber doch erheblich geschädigt wurden. Was nun noch grün ist, wird es für dieses Jahr auch bleiben.

Im Mai bilden sich die Blütenknospen, teilweise entfalten sich auch schon die unspektakulären Blüten, die bei Trocken- oder Windstress häufig abfallen vor der Fruchtbildung. In Trockenperioden sollten Jungbäume daher schon jetzt gelegentlich gegossen werden. Dies hilft auch bei der Bildung von Neuholz, die in unseren Regionen möglichst früh im Jahr erfolgen sollte, um vor dem nächsten Winter Stabilität zu erreichen. Im Mai kann daher an Stickstoffgaben gedacht werden - am Besten über Kompost, Hornmehl oder Schnittmaterial von der Olivenwiese, das um die Bäume gehäuft wird, mit gebührendem Abstand zum Stamm.

Schermäuse haben inzwischen unter Umständen schon den ersten Nachwuchs und sind unterwegs auf der Suche nach neuer und frischer Beute. Aus diesem Grund sollte daher schon Anfang Mai in etwa 30 Zentimeter Abstand vom Stamm umgegraben werden, vorzugsweise mit einer Grabgabel. Eine Maßnahme, die auch zur biologischen Stickstofffreisetzung dient, winterliche Grabgänge von anderen Mäusen oder Maulwürfen schließt, Regenwürmer aktiviert und förderliche Biomasse in den Boden einbringt. Anschließend sollte bei Schermausvorkommen regelmäßig der Bereich um die Stämme etwa mit einer Grabgabel sondiert werden. Auch an Rindenschutz ist je nach Lage zu denken, etwa gegen fegende Rehböcke oder knabbernde Kaninchen - mit Kunststoffmanschetten oder Schilfmatten.
Monatsthema Juni: Blüte und erste Fruchtknospen

Auch bei jüngeren Pflanzen bilden sich nun bei frühen Sorten die ersten Fruchtansätze, stecknadelkopfgroß. Andere Pflanzen kommen erst jetzt in die Blüte - das ist stark sorten- und witterungsabhängig. Wenn die Fruchtknöpfe eintrocknen, deutet dies meist auf Wurzelschädigung hin. Wurzelschädigungen können ein Resultat des Winters sein oder auf Schermausfraß zurückgehen. Ein leichtes Ziehen am Stamm bringt hier Aufklärung. Sitzen die Wurzeln sehr locker, war wohl eine Schermaus am Werk. Meist können Sie den Baum dann ohne Widerstand aus dem Boden ziehen. Ansonsten bekommen sie mit behutsamem Freilegen der Wurzeln Klarheit. Die Schermaus-Fraßspuren an den Wurzeln sind biberähnlich. In der Regel ist die Wurzel komplett fast bis zur Bodenlinie abgefressen, diese Tierchen machen keine halben Sachen, sondern volle Ernte. Sollten vor allem Feinwurzeln angefressen sein, könnten auch Maikäfer-Engerlinge beteiligt sein - die werden sie dann beim Angraben schnell entdecken.

Manchmal beginnt im Juni schon die sommerliche Holzwachstumsruhe, nach dem ersten Schub im Mai. Das ist alleine kein Anlass zur Sorge - wenn die Wurzeln geschädigt sind, macht sich dies deutlicher durch schlappe Triebspitzen oder trocknende Fruchtknöpfe bemerkbar. Die Wachstumspause im Juni lässt vermuten, dass sich die Pflanze nun auf Wurzelwachstum und Fruchtbildung konzentriert. Nicht zu sehr gießen, das würde die Wurzelbildung negativ beeinträchtigen, Wurzeln nach oben statt in die Tiefe ziehen.

An Neupflanzungen und bei Jungbäume mit Fruchtknospen sollte bei heißem Juniverlauf der Boden auf Trockenheit hin untersucht werden und gegebenenfalls gegossen. Aber bitte nicht einschlämmen oder sonst wie ertränken! Oliven mögen keine Stau- oder Dauernässe. Die Kompost-/Wiesenschnittringe um die Bäume sollten nun auch mal gelockert werden, damit sich dort nicht die Mäuse zu wohl fühlen. Machen sie sich keine Sorgen, wenn dort Tausendfüßler, größere Spinnen oder Käfer zu sehen sind. Das sind Zeichen für ein intaktes Ökosystem. Auch Maulwurfsgrillen, die in lockerer Erde und Kompost vorkommen, sind entgegen häufiger Gärtnermeinung unschädlich. Sie ernähren sich von Insekten, lediglich beim Graben können sie mal Feinwurzeln stören.
Monatsthema Juli: Beobachten und sich freuen
Nach strengen Wintern kann es sein, dass erst im Juli nennenswerte Austriebe stattfinden! Hier sollte dann auf keinen Fall ein "Erziehungsschnitt" angewendet werden. Alles wachsen lassen, die Pflanzen brauchen alle Blätter für die Zuckereinlagerung - also den Frostschutz - vor dem Winter! Überhaupt muss bei uns gelten: Zurückhaltend schneiden.

Im Juli entwickeln sich bei guter Blüte im Mai/Juni teilweise schon Früchte zu ansehnlichen Formen, selbst bei Neupflanzungen zweijähriger Heister können sich einzelne Früchte entwickeln. Dabei gibt es große Sortenunterschiede. Bouteillan entwickelt eher bescheiden Blüten, dafür kräftige Früchte. Leccino, in Olivenanbauländern bekannt für seine üppigen Ernten, bildet auch in Deutschland zahlreiche Blütentrauben und viele Stecknadelkopf-Früchtchen. Ähnlich bei Ascolana. Davon gehen allerdings Juni/Juli schon viele verloren, fallen ab - auch bei ausreichendem Gießen. Es entwickeln sich in der Regel mehr Früchte als bei Bouteillan, dafür sind diese auch kleiner. Bei Jungbäumen ist weiter auf den Bodenzustand zu achten und gegebenenfalls während einer anhaltenden Trockenperiode zu gießen.

Ansonsten darf man sich im Juli freuen an den Pflanzen und an der Wiese allgemein! Bei zahlreichen ökologisch bedeutsamen Blütenpflanzen kann man nun schon Saatgut sammeln, je nach Lage etwa von Hain- und Karthäusernelke, Hauhechel, Büschelglockenblume, Lein, Braunwurz, Odermenning, Ziest und Moschusmalve. Das kann an anderen Stellen des Geländes ausgebracht oder weiterverschenkt werden. Es gibt nun auch im Insektenbereich jede Menge zu beobachten, Schmetterlinge tauchen vermehrt auf, Schlangen und Eidechsen sind sehr aktiv. Leider auch die Rehe, die nun erneut ihre Feinschmeckertouren machen und gerne von Triebspitzen knabbern.

Ende Juli sollte für die zweite Wachstumsphase, die in der Regel August/September erfolgt, bei Bedarf Stickstoff, Magnesium und Kalium bereitgestellt werden, etwa durch Hornmehl und - falls nicht schon im April geschehen - Pottasche. Magnesium und vor allem Kalium sind für die Frostfestigkeit des Gewebes wichtig.
Monatsthema August: Hitze und Hacken  Im August kann es nochmal richtig heiß werden, die Oliven freuen sich darüber, das spüre ich immer wieder. Es kann nun, vor allem bei lehmig-lössigen Böden, im Wechselspiel von Regen und Sonnenhitze zu Bodenverdichtungen und oberflächlichem Bodenverschluss kommen. Hier hilft Hacken. Auch sonst empfiehlt es sich, im August mal durchzuhacken, das setzt nochmals Stickstoff für die zweite Holzwachstumsphase frei (keinesfalls dazu noch düngen, bestenfalls Kalium geben) und vertreibt Mäuse aus der Baumnähe. Doch aufgepasst: die bösen Schermäuse lieben leider lockere Böden. Um sie fernzuhalten, muss der Boden um die Stämme vor allem bewuchsfrei sein oder mit kurz gehaltenem Bewuchs gepflegt. Auch grobe, unterbrochene Erdschollen durchqueren sie ungern, da sie Licht meiden.

Früher hieß es zu Recht: Hacken ist der Dünger des armen Bauern. Heute macht das auch ökologisch Sinn. Kunstdünger ist Oliven in unseren Breiten eher schädlich, verzichten Sie besser weitgehend darauf, das schafft schwammiges Gewebe, welches anfällig ist für Occhio di Pavone (eine Pilzkrankheit) und Winterfrost.

Natürlich kann im August dann auch Trockenstress für die Oliven auftreten. Doch sollte selbst bei Jungpflanzen nun nicht zu oft gegossen werden, um die Wurzelentwicklung nicht negativ zu beeinträchtigen und Wassertriebe zu vermeiden. Auch sollten die Pflanzen Gelegenheit haben, sich an Trockenperioden zu gewöhnen.

Die Nächte können in der zweiten Augusthälfte schon wieder kühl werden, so kündigt sich der Herbst an, vielleicht sammeln sich bei Ihnen (so Sie eine Hügellage haben) auch schon Schwalben zum Vogelzug. Mit den ersten Herbstgefühlen kann man sich langsam Gedanken über den Winterschutz machen und eventuell noch Umbauten im Gelände vornehmen, Stürzpfähle versetzen etwa. Notfalls können nun auch noch einzelne Bäume verpflanzt werden, allerdings nur im Erdballen, nicht wurzelnackt. Das sollte wohlgemerkt in der zweiten Augusthälfte geschehen, wenn es nicht mehr so heiß wird, und kann bis hinein in den September stattfinden.
Monatsthema September: Wachstum, Pflege

Im September wird es dann Ernst mit dem Herbst. Aber an den Oliven können Sie sich vielleicht gerade jetzt erfreuen. Die Verbindung kühlerer Nächte mit warmen, oft um die Mittagszeit immer noch heißen Tagen scheint ihr Wachstum zu stimulieren. Nun sollten Sie aber entschieden nicht mehr gießen, auch bei jungen Pflanzen nicht. Sonst bekommen Sie hypertrophiertes Wachstum, das Ihnen im Winter dann vermutlich erfriert. Verzichten Sie ab nun auch auf das Hacken, da dies Stickstoff freisetzt und das Wachstum zusätzlich anregt.

Auch wenn andere Obstgärtner nun im September an Neupflanzungen gehen, sollten Sie sich bei Oliven dessen enthalten. Es kann gut gehen, dann haben Sie Glück gehabt mit dem Winter. Wahrscheinlicher aber ist, dass Sie die Neupflanzungen gleich im ersten Winter verlieren oder diese zumindest starke Schäden davontragen. In jedem Falle ist natürlich nur Pflanzung von Containerware möglich, also mit Erdballen. Wurzelnackte Oliven sind ohnedies kaum zu bekommen. Sollten Sie aus irgendwelchen Gründen gerade an solche Ware kommen: April bis Mai pflanzen und im Sommer regelmäßig gießen.

Die klassische Wiesenpflegemahd erfolgt im September. Sollten Sie aber wertvolle Spätblüher wie Kalkastern haben, können Sie noch warten bis zu deren Samenreife - oder die entsprechenden Standorte aussparen. In jedem Fall aber müssen Sie nun Kanadische Goldrute mähen, sofern dieser invasive Neophyt auf ihrem Gelände steht - und zwar noch vor oder gleich zu Beginn der Blüte, da diese Pflanze sehr vital ist und es fertig bringt, auch geschnitten noch Samen aus Blüten zur Reife zu bringen. Das Schnittgut der Kanadischen Goldrute können Sie sehr gut verwenden für hochwirksame Kräuteransätze (Kaltauszug, nicht vergären/faulen lassen!), die aufgesprüht gegen Pilzerkrankungen helfen und auch sonst die Pflanzen vitalisieren mit zahlreichen ätherischen Ölen.

Ob mit Goldrutenauszügen, Auszügen von Schafgarbe oder Kupferpräparaten für den Hausgarten: Jetzt sollten Sie gegen Pilzerkrankungen der Oliven, vor allem Occhio di Pavone, sprühen, wenn Sie größeren Befall festgestellt haben. Bei wenig Befall empfiehlt sich das Abpflücken der betroffenen Blätter mit den charakteristischen runden Verfärbungen. Infektion erfolgt von vitalen Blättern, was also am Boden liegt, muss Ihnen keine Sorge bereiten. Eine Spritzung mit Kupferpräparaten soll nach Expertenmeinung auch gegen Frostschäden bei Temperaturen um den Gefrierpunkt schützen, insofern sie Pilze als mögliche Kristallisationskerne abtötet.
Monatsthema Oktober: Schermausbekämpfung

Falls Sie die Wiese noch nicht gemäht haben, sollten Sie es jetzt tun und aus dem Mähgut Haufen machen, die Ihnen im Winter etwa Material zur Bodenabdeckung liefern oder jetzt schon Schnittgut für Mulchringe um die Bäume (in gebührendem Abstand, mind. 30 cm), die das Bodenleben aktivieren und allgemein die Biodiversität auf Ihrem Grundstück fördern. Einen der Mähguthaufen sollten Sie unberührt belassen zur Kompostbildung und für das Insektenleben. Dort werden sich dann auch Zauneidechsen wohlfühlen, da sie üppig Futter finden.

Andere Tierchen können leider ein echtes Problem für Obstgrundstücke werden: Schermäuse. Da Menschen ihre natürlichen Feinde (Eulen, Greifvögel, Füchse, Mauswiesel, Iltis, Marder, Spitzmäuse) erheblich reduziert oder in ihren Aktionsradien eingeschränkt haben und die moderne Kulturlandschaft ihnen Vorteile bietet, vermehren die sich wacker. 2013 habe ich drei neugepflanzte Oliven (von 16) durch Schermäuse verloren (und noch eine Kiwi dazu). Oktober ist eine gute Zeit zur Bekämpfung. Die kann mit speziellen Fallen (ich verwende Topcat) am ökologieverträglichsten erfolgen. Allerdings ist das sehr mühsam und erfordert einige Übung. Und unbedingt muss man zunächst lernen, Schermausgänge (hochoval, wurzelfrei) von Maulwurfgängen (queroval) zu unterscheiden. Zu erkennen sind Schermausvorkommen auch an plötzlich absterbenden Fenchelpflanzen oder Luzernen, wenn sie solche auf Ihrem Grundstück haben. Gewürzfenchel als Schermausindikator gezielt auszusäen macht durchaus Sinn, zudem verträgt er sich gut mit Oliven, ist schmackhaft und gesund und trägt positiv bei zur Ökologie der Olivenwiese. Bei Abmagerung wird er sich allerdings zurückziehen.

Die Oliven wachsen auch im Oktober noch weiter, nun allerdings sehr verhalten. Als wintergrüne Pflanzen stellen sie erst bei Temperaturen unter 5 Grad die Assimilation weitgehend ein. In der zweiten Monatshälfte kann mit Blick auf den Winterschutz behutsam bei älteren Pflanzen auf Kompaktheit hin geschnitten, Überstehendes gekappt werden. Doch bitte nun keinen Auslichtungs- oder Formschnitt vornehmen! Der gehört in den April, sofern überhaupt sinnvoll und notwendig. Eine dichte Krone überlebt den Winter leichter als eine schüttere.
Monatsthema November: Überraschungsfröste

Der November kann bereits mit Frost gefährlich werden, vor allem für junge Bäume und junge Triebe an älteren Bäumen. Problematisch sind vor allem gefrierende Niederschläge, die zur Zerstörung der empfindlichen Rinde führen, zu Rissen und Zerstörungen von Cambium und Xylem. Und zwar schon bei geringem Frost!

Daher sollten Sie nun beginnen, regelmäßig die Wettervorhersagen  zu konsultieren, vor allem auf die Verbindung von Niederschlägen und Frostgefahr hin, besonders geeignet sind die Prognosen des DWD (Deutscher Wetterdienst) und des ECMWF (European Centre for Medium Range Weather Forecasts). Links zu beiden finden Sie unter meinen Informationsquellen.

Einhüllung im November sollen vor allem Niederschläge abhalten und erste Frostereignisse abpuffern. Empfehlenswert dafür ist z.B. das Thermovlies M85, das schon in doppelter Lage weitgehend regendurchschlagsicher ist und dennoch kein Stauklima schafft. Es trocknet auch nach Nässe zügig ab. Die Anbringung darf nicht stattfinden, wenn die Oliven gerade durch einen Regen nass sind. Sonst kann es unter der Hülle zu Pilzvermehrung oder bei Frost zu Rindenschädigungen kommen. Daher lieber etwas früher einpacken als plötzlich nach einer Regenperiode von Frosteinbruch überrascht zu werden.

Die Einhüllungen sollten auch sturmfest sein, denn das beste Vlies nützt wenig, wenn es vom Wind unterfasst oder davongetragen wird. Daher empfiehlt es sich, die Stützpfähle für die Oliven zur Hauptwindrichtung hin anzubringen, also nach Westen. Ausladende Kronen sind zunächst einmal schwieriger einzuhüllen als schlank-kompakte. Und bei Sturm bieten sie mehr Angriffsfläche. Daher schon beim Pflanzenaufbau und Erziehungsschnitt an die Einhüllungen im Winter denken!

Zur Vorbereitung auf die ersten Fröste empfiehlt sich vor dem Einpacken das Besprühen mit leichter Salzlösung (etwa 1%ig). Damit wird bei den im November üblichen geringen Minusgraden Eisbildung auf der Rinde und in leichten Rissen oder Verwarzungen der Rinde verhindert.

Monatsthema Dezember: Winterschutz ausbauen

Spätestens Ende Dezember muss der "richtige" Winterschutz stehen, der nicht nur Regen abhält und leichte Fröste puffert, sondern noch bei tiefem Frost tauglich ist. Dies gilt auch, wenn der Winter sich bislang mild gezeigt hat und irgendwelche Langfristprognosen einen weiteren milden Verlauf vorhersagen. Im Januar wird es ernst mit der Möglichkeit tiefer Fröste. Alle großen Olivensterben des 20. Jahrhunderts haben im Januar oder im Februar stattgefunden.

Das heißt nicht, dass in unseren Breiten der Dezember harmlos für Oliven ist. Im Dezember 2009 gab es eine Woche Dauerfrost im Kraichgau mit Temperaturen bis in den zweistelligen Bereich. Da musste der Winterschutz schon Anfang Dezember vollständig sein. Vollständig heißt, dass um die Bäume herum der Boden gegen Dauerfrost zu schützen ist mit Laub oder Erde (die aber im Frühjahr wieder entfernt werden muss, da die Wurzeln sonst nach oben wachsen). Zudem muss die Vliesumhüllung bei jungen Bäumen nun mindestens vierlagig sein, am Boden gut abschließen und einen Bereich von mindestens 50 Zentimeter Durchmesser mit dem Stamm als Zentrum abdecken.

Auch der Dezember kann heftige Stürme bringen. 2011 haben Orkan "Joachim" und Konsorten meinen Einhüllungen teilweise Probleme bereitet. Was im November hielt, kann im Dezember noch davonfliegen. Da gilt es, regelmäßig die Verzurrungen des Winterschutzes zu überprüfen und gegebenenfalls nachzubessern. Dazu kann der Dezember auch gewaltige Schneemassen bringen, wie etwa 2010. Dann kann es notwendig werden, die Einhüllungen je nach Bauart vom Schnee freizuräumen.

Ansonsten ist Dezember ein guter Monat, um sich mit den Kapriolen der Temperaturverläufe vertraut zu machen. Für mich war es immer wieder höchst überraschend, die Beziehungen zwischen Temperaturen im Außenbereich und unter den Vlieshüllen zu studieren. Unter bestimmten Bedingungen können die Temperaturen gerade im Dezember mit seinen häufigen abrupten Temperaturwechseln unter dem Vlies niedriger sein als draußen. Denn, das wird gerne übersehen: Alles was gegen Frost schützt, schützt mehr oder weniger auch gegen Wärme.