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ÄLTERE TAGEBÜCHER - ZUSAMMENFASSUNGEN





An Aton

Die Vögel
die bei der Sonnenfinsternis schweigen
wissen mehr.

Meine Nachbarin
Reinkarnation einer altägyptischen Prinzessin
hat es mir erklärt.

Nach Schichtende bei Penny
spricht sie mit den Spatzen
auf dem Dachboden.

Es ist schön dort,
schräg zwar,
aber näher zur Sonne.

Neben den Kollektoren
verbrenne ich die schwarzen Engel
in meiner Brust.

Mit Korkpatronen
schießen wir auf Dionysos
der wieder zu spät kommt.

Am Morgen danach
ist die Sonne ausgeblieben.


































































24.03.15

for you, nein five - too five
nur mal zur toilette
too spät








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TAGEBUCH 2015



03. Januar 2015 "Ein ungewöhnlich milder Winter bisher" - Zitat aus dem Tagebuch 2014. Dies gilt bislang auch für den Winter 2014/15 - allerdings mit einer Einschränkung: Im Dezember gab es mit -12,6 Grad (Rheinstetten-Forchheim) in einer Nacht den viertniedrigsten Dezemberwert seit 1977 (nach dem frostigen Dezember 1976).

Für die nächsten sieben Tage sind weiterhin vergleichsweise milde Temperaturen prognostiziert - will sagen, Minimaltemperaturen nicht wesentlich unter Null Grad, tagsüber über Null Grad bis weit darüber. In der Ukraine wird es aber ab Dienstag recht kalt (zieht hinunter bis Nordgriechenland) und die Krim muss mit härterem Frost rechnen. Ich wünsche den weniger privilegierten und von der Krise besonders betroffenen Menschen in der Ukraine, dass die Heizungen funktionieren - und drücke den Oliven im Botanischen Garten von Nikitskij die Daumen.

06. Januar 2015 Klassisches Winterfrostwetter: Hochdruck, sonnig. Zum Glück sind die oberen Luftschichten relativ warm, sonst gäbe es jetzt knackigen Frost. So aber bleibt es erträglich. Aber eben doch etwas weniger als prognostiziert und immerhin -6 Grad hier (um exakt zu sein: Rheinstetten -6,4) dank der Strahlungsverluste in der klaren Witterung. Ein kleiner Schalter etwas anders gelegt und ich müsste wieder um meine Pflanzen bangen. Und die ECMWF-Charts sehen nun ganz anders aus als vor drei Tagen! Es tut sich einiges da oben in der Wetterküche. Die Skifahrer können sich freuen, die warmen Lüftchen kommen vorläufig nicht wirklich durch.

08. Januar 2015 Nun aber doch, die Temperaturen steigen massiv. Verbunden damit ist allerdings auch Regen hier unten und selbst auf der Schwarzwaldhochstraße, auf den letzten Schnee. Und einige heftige Winde gibts.

10. Januar 2015 Für die kommenden zehn Tage wird das Wetter wohl alternierend zwischen zu mild und wieder frostig, um den 17./18. Januar herum könnte es auch nochmal böse kalt werden bei uns. Ich werde schauen, davor die Bodenabdeckung zu verbessern bei einigermaßen trockener Witterung.

Dieser Winter wird wohl vor allem als wind- und regenreich in Erinnerung bleiben. Gerade frage ich mich bei orkanartigen Winden, ob dEingehüllte
              Oliven Januar 2015as Einpacken wegen einmal kurzfristig zweistelligen Minustemperaturen angemessen war, ob die Pflanzen nicht mehr daran leiden, nun mit der Verpackung kräftig durchgeschüttelt zu werden. Die nicht eingepackten bodennahen Wildolivenaustriebe haben den Frost offensichtlich gut überstanden. Es gibt nicht einmal geplatzte Rinde an den jungen Zweigen - bisher.

17. Januar 2015 Am Wettertrend keine Änderung, eher mild mit wenig frostig im Wechsel. Erst in einer Woche, um den 24., könnte es kurz nochmal unter -5 Grad geben. Aber unter Null könnte es schon heute oder morgen mal gehen mit neuem Sonnenschein. Ich sollte also die vom Orkan freigewehte Pflanze wieder einpacken. Oder zu Versuchszwecken frei lassen? Es handelt sich um eine 2013 gepflanzte Moufla. Sie sollte schon einigermaßen akklimatisiert sein - hat alledings in den vergangenen beiden Sommern sehr wenig an Holz zugelegt, zeigt noch immer eher eine Heister-Charakteristik. Mit etwas warzigem Holz und Verdickungen in Bodennähe, als Hinweise darauf, dass sie doch schon auf eine kleine Geschichte zurückblicken kann.

29. Januar 2015 Der Null-Grad-Winter! Mal bisschen drüber, mal bisschen drunter. Aktuell etwas drüber, aber es zeichnen sich nun ab Sonntag, Montag wieder etwas tiefere Temperaturen ab, die eine Woche bleiben könnten. Eine klassische Eiszunge von Norden her könnte sich ab dem 7. Februar bilden - im Auge behalten! Rosmarin und Feige sind ja ungeschützt. Und bisher gab es auch keinen Grund, die einzuhüllen.

30. Januar 2015 Es sieht nach Entwarnung aus. Die nördliche Eiszunge ab 7. Februar löst sich in den Prognosen bereits auf. Nach dem relativen Kälteeinbruch nächste Woche dürfte es wieder wärmer werden.

06. Februar 2015 Wieder heftige Rüttel-Winde - ziemliche Turbulenzen zwischen Hochs und Tiefs, ein kalter Ostwind, aber gegenhaltende Wärme von Nord und West. Wir in BaWü mittendrin. Ab Montag kommt dann, bei auf West drehenden Winden, ein kräftiger Kältefuß aus dem Norden. Allerdings stampft der weiter östlich auf, Griechenland dürfte einiges davon abbekommen, jedoch nur für kurze Zeit.

Von den Wurzelaustrieben meiner Oliven, die ich nicht eingepackt habe, stehen einige noch immer gut da, das Laub ist fest, keine Risse in den Ästen/Zweigen. Die Koroneiki-Basisaustriebe (nicht Koroneiki, aber auch nicht eindeutig Wildolive) allerdings sind weitgehend abgestorben, ohne Blätter, mit schwarzen Zweigen.

09. Februar 2015 Der Null-Grad-Winter, wie ich ihn schon genannt habe, macht diesem Namen heute wieder Ehre. Morgens leichtes Schneetreiben, die Gegend weiß gepudert - und um die Mittagszeit wieder alles weggetaut. Wies aussieht, ist der "klassische" Winter nun für uns hier im Badischen unterhalb der Schwarzwaldhöhen vorbei. Bis 18. Februar ist kein ernstzunehmender Frost mehr in Sicht. Was natürlich nicht heißt, dass schon ausgepackt werden könnte. 2005 gab es noch am 1. März bei Karlsruhe -14,6 Grad.

23. Februar 2015 Mal wieder Schneefall gegen Morgen, aber um die Mittagszeit nur noch Nieselregen. Vergangenen Freitag tagsüber +13 Grad, in der Nacht davor -4 Grad.

27. Februar 2015 Dieser eigentlich milde Winter zeichnet sich weiterhin dadurch aus, dass er immer wieder mit Frostnächten aufwartet. Und dass er keineswegs, trotz zahlreicher frühlingshafter Tage, enden möchte. Ab 5. März könnte es sogar wieder tagsüber mal frostig werden. Dies scheint Prognosen zu bestätigen, die für die Klimaentwicklung bei uns hier schon vor zehn Jahren abgegeben wurden, dass nämlich unser Klima kontinentaler werde. Dazu fügt sich die zunehmende Häufigkeit von Ostwindlagen. Wir hier im Rheingraben liegen im Zwischenbereich, zwischen zunehmender kontinentaler Prägung und einer durch die Klimaerwärmung hochgetriebenen maritimen Wärmesphäre. Im Süden Frankreichs dürfte der Olivenanbau künftig profitieren (sofern die Olivenfliege mitspielt). Bei uns werden einschlägige Träume wohl weiterhin Träume bleiben, nur mit hohem Aufwand im Winter zu realisieren.

03. März 2015 Leider hat der Rosmarin etwas gelitten, den ich in diesem Winter nicht eingepackt habe. Und zwar durch -4 Grad am 23. Februar. Einige Nadeln sind verbräunt. An der Trockenmauer am Nachmittag der erste Schmetterling, ein Kleiner Fuchs, der sich sonnte. Die Regenwürmer sind sehr weit oben, früher als in den vergangenen Jahren (beim Weinberghacken bemerkt). Erste Olive ausgepackt, eine Bianchera. Mit den anderen will ich noch die kleine Kältedelle ab Donnerstag abwarten.

08. März 2015 Tagsüber frühlingshaft warm, nachts weiterhin kühl nahe null Grad, der Nullgrad-Winter ist noch lange nicht zu Ende, dauert noch mindestens eine Woche, bei häufigen Ostwindlagen. Heute habe ich dennoch die Hälfte der Oliven ausgepackt, wegen der starken Sonnenwärme tagsüber. Es bleibt abzuwarten, welche Sorten mit diesem ausgesprochen "kontinentaler" werdenden Klima besser zurecht kommen. Blattverlust gab es unter der Einpackung teilweise intensiv, vereinzelt bis ca. 50% - wohlgemerkt überwiegend nicht abgefroren, sondern in intaktem Zustand abgestoßen. Vermutlich ein Symptom für die Belastung durch das monatelange Eingepacktsein. Bianchera stark mit Occhio di Pavone befallen unter der Einpackung (allerdings kamen sie schon mit dieser Pilzkrankheit aus der italienischen Baumschule im vergangenen Frühjahr).

In den Olivenanbauregionen des Mittelmeerraumes beträgt die Temperaturdifferenz Tag-Nacht aktuell ca. 8-12 Grad, bei uns geht sie bis 15 Grad. Auf den ersten Blick kein großer Unterschied, aber es sind eben die paar Grad näher Null bei Nacht, die den Unterschied machen.

09. März 2015 Am Abend noch die zweite Hälfte der Oliven ausgepackt. Danach alle eingesprüht mit Wasser, um sie mit Feuchtigkeit zu versorgen. Bei dieser Wärme tagsüber könnten die Blätter und schwachen Zweige sonst Probleme mit dem Feuchtigkeitsstoffwechsel bekommen. Immerhin waren die Blätter nun drei Monate von Oberflächenfeuchtigkeit (Regen, Tau) freigehalten durch die Hüllen.

14. März 2015 Die kalten Nächte gefallen dem Rosmarin gar nicht. Die Tageswärme bringt ihn zum Blühen, doch der leichte Nachtfrost lässt einige Nadeln verbräunen, absterben. Auch er mag, der Name verrät es schon (-marin), eher ausgeglichen maritimes Klima.

Ich habe an einen Teil der Oliven nun Erde angehäuft, kleine Hügel gestaltet (max. 30 Zentimeter). Ein Testlauf mit verschiedenen Sorten - Aglandaou, Ascolana, Bianchera, Bouteillan, Leccino, Wildolive. Die Hoffnung: Dass sie Wurzeln in diese Anhäufungen ziehen, an Vitalität gewinnen. Auch ein Versuch, ob Hügel wärmetechnisch günstiger sind als Senklage - in der Provence waren/sind diese Hügel ja gebräuchlich, als "montecules". Solche sind etwa auf den Olivenhain-Bildern van Goghs zu erkenne.

Die Erde dazu habe ich von einem Mulchhaufen, den ich nach vier Jahren nun umgeschichtet habe. Dabei gab es eine interessante Entdeckung: Im Kern des Haufes befand sich eine Zone mit weitgehend unverrottetem, trockenem Material. Daraus sprang auch eine Spitzmaus. Ein ideales Winterquartier und auch sonst wohl komfortabel für Kleingetier, möglicherweise auch Schlangen. Trocken und ausgeglichen temperiert - zumindest wenn die Gärphase vorbei ist. Das heißt aber: Mulchhaufen entwickeln erst ab einer bestimmten Größe ihr ganzes ökologisches Potential!

Hacken ist jetzt angesagt, denn der Winterschutz hat auch Mäuse angelockt - und der Boden um die Oliven ist teilweise üppig mit Gängen durchzogen. Nicht gut für das Wurzelwerk.

15. März 2015 Ein wenig gespenstisch ist das schon. Zunächst wird es kommende Woche auch nachts etwas wärmer und tagsüber bis 20 Grad. Aber zum Wochenende kommt dann nochmal eine kühlere Phase - mindestens eine Woche! - mit möglichen leichten Nachtfrösten. Stress für mediterrane Pflanzen.

Wir haben nun zum dritten Mal nach einem eher milden Winter ein insbesondere nachts kühles Frühjahr zu gewärtigen. Wird also das Klima hier kontinentaler (s. häufige Ostwindlagen)? Eine andere Deutung ist auch möglich, dass nämlich die Erwärmung einen paradoxen phänomenologischen Effekt hat, der auf Schwellenwerte zurückzuführen ist. Ein grobes Beispiel hierzu, mit extremen Werten: Haben wir im zeitigen Frühjahr Nachttemperaturen von -7 Grad und Tagestemperaturen von +8 Grad, halten wir (und die Pflanzenwelt) dies für normal winterlich und verhalten uns entsprechend. Haben wir Tagestemperaturen von +12 Grad und Nachttemperaturen von -3 Grad, fühlen wir uns betrogen und empfinden die Differenz als extrem, obgleich es beide Male gleichermaßen 15 Grad Differenz sind. Die psychologisch und auch phänomenologisch relevante Schwelle hier wären etwa 10 Grad als "Frühlingssignal".

Ich neige allerdings zur Annnahme, dass wir eine Verschiebung zu stärker kontinental geprägtem Klima bei uns hier im Rheingraben erleben. Vorteilhaft könnte dies sein für den Wintertourismus im Schwarzwald. Aktuell ist selbst rund um die Hornisgrinde (Nordschwarzwald) noch Abfahrtskilaufen und Langlauf möglich, Mitte März! Was früher mal "normal" war.

18. März 2015 Die erste Eidechse im Gelände gesichtet, flüchtet in ein Mäuseloch.

22. März 2015 Noch eine weitere Woche Kühle, allerdings über Null und nun mit ausgeglicheneren Temperaturen - mit häufigem Regen. Magnesium und Kalium habe ich bereits ausgebracht, auf dass die Oliven sich Frostschutz für den kommenden Winter einlagern. Nach dem Winter ist vor dem Winter ...

Im nördlichen Italien und in der Provence dagegen ist der Frühling nun da. In Süditalien werden aktuell die Folgen der Xylela-Epidemie des vergangenen Jahres diskutiert. Was tun mit den kranken Bäumen, ausroden? Sollen Pestizide eingesetzt werden? Ökologen befürchten, das "Heilmittel" sei schlimmer als die Krankheit. Zumal in Apulien der Pestizideinsatz ohnedies bereits überdurchschnittlich sei. Details siehe einen Beitrag in "Famiglia cristiana" vom 13. März 2015, "XYLELLA, LA PESTE DEGLI ULIVI ORA È UN DRAMMA SOCIALE". Cesare Padrone, Leiter der italienischen Forstverwaltung und mit dem höchsten Umweltpreis Italiens ausgezeichnet, vergleicht die Situation der Olivenhaine in Apulien mit der "Terra dei Fuochi", der mafios vermüllten und verbrannten Landschaft bei Neapel. Überbordender Pestizideinsatz, unkontrollierte Brunnenbohrungen, Giftdüngungen (Klärschlamm), Verwahrlosung (Subventionen statt Ernte) und brutaler Rückschnitt vieler Anlagen hatten Xylella offensichtlich den Boden bereitet. Den Anteil der "Agromafia" beleuchtet auch ein Beitrag von Paul Kreiner im "Tagesspiegel" vom 13. März 2015.

Die Entwicklung ist dramatisch: Eine Million Olivenbäume sollen in einem Sicherheitsstreifen von 15 Kilometern Breite gefällt werden!

26. März 2015 Winterluft, Winterstimmung. Allerdings Krähen, die Nester bauen, Optimismus.

29. März 2015 Beim Vergleich unseres Wetters in den vergangenen beiden Woche mit dem in nördlichen Bereichen von Olivenanbauländern zeigt sich, dass die Hauptunterschiede vermutlich gar nicht im Winter und im Sommer liegen, sondern in den Übergangsjahreszeiten. Während es bei uns jetzt noch winterlich ist und kühl, zumindest in den Nächten, herrscht dort schon wunderbares Frühlingswetter.

Habe ein kleines "Insektenhotel" im Gelände aufgehängt um zu sehen, ob sich trotz der Vielfalt an "wilden" Angeboten bei mir für Insekten (immer wieder offener Boden, Mulch, Komposthaufen, Holzhaufen, Steinhaufen, Hütte mit Einflugmöglichkeiten etc.) dort etwas ansiedelt. Ich bin ein Anhänger "wilder" Angebote, möchte meine Auffassung aber auch auf den Prüfstand stellen.

02. April 2015 "Grandiose" Aussichten. Regen ohne Ende und in der Nacht dann Frost bis -3 Grad. Fatale Frühjahrsbedingungen für die Oliven. Das Kölner Becken bleibt wohl verschont davon. Der dritte unfreundliche Frühling in Folge - nach vier strengen Wintern (wobei 2011/12 nur durch den fatalen Februar auffiel). Ein Positivum: Die Oliven haben noch nicht neu ausgetrieben. Gefahr besteht jetzt vor allem für die junge Rinde.

04. April 2015 "Vom Eise befreit ..."?? Auch für die nächsten Nächte noch geringe Minustemperaturen angekündigt "hier im Weinbaugebiet". Allerdings gab es bislang April-Eis nur in den Morgenstunden. Ansonsten gilt eher: Ostern in Matsch.

Das Holz der jüngeren Olivenzweige sieht jetzt nach den Regentagen und dem Frost nicht gut aus. An fast allen Oliven gibt es massive Frostwarzen - kleine Risse in der Rinde mit nekrosem Gewebe.

Am jungen Rosmarin Fegespuren vom Rehbock.

06. April 2015 Die Wildkamera zeigt zweimal Besuch von Rehen in der vergangenen Nacht, um 23:43 und um 2:17. Beide Male grasen sie auf der Wiese, die Oliven interessieren sie nicht. Die zweite Anzeige dokumentiert bereits für 2:17 Uhr eine Temperatur von nur noch 0 Grad. Die Aufnahme von 23:43 (alle Angaben Sommerzeit) zeigt noch 3 Grad. Wieder also Frost in den frühen Morgenstunden!

26. April 2015 Trotz des warmen Wetters zeigen sich an den Oliven keine Neuaustriebe in den Blattachseln. Es war eben nachts doch noch lange zu kühl in diesem April. Vom Vorjahr ist mehr oder weniger (je nach Pflanze 10 bis 70%) Laub verblieben. Teilweise eher ungesund, viel Befall mit Occhio di Pavone.

Von den Maulbeeren sind die beiden schwarzen schon üppig in jungem  Laub, die weiße hat noch immer geschlossene Knospen, rührt sich nicht. Beide Rosmarin blühen wunderschön und hängen voll mit Wildbienen - Arp hat keinerlei Erfrierungen aus diesem Winter, die unbekannte Sorte zeigte leichte einzelne Erfrierungen von den Aprilfrösten, die ich weggeschnitten habe. Interessant, dass auch der im Winterhalbjahr kräftig gewachsene junge Rosmarin eine ausgesprochene Neigung zu Südost im Wachstum zeigt, Nordwest die kalte Schulter hinhält. Von den Himbeeren treibt Blissy am üppigsten, mit großem Abstand zu den beiden anderen Sorten. Die ältere Paw Paw/Indianerbanane blüht grandios.

Leichte Rehbock-Fegespuren am Faulbaum.

01. Mai 2015 Weiße Maulbeere noch immer ohne Knospenöffnung, während die beiden schwarzen schon üppig Früchte entwickeln. Olivenholz und Blätter in schlechtem Zustand - nun beginnen auch massive Vergilbungen der Blätter, ob wegen der nächtlichen Kühle oder Wassermangel, kann ich nicht entscheiden. Nach dem Regen gestern und heute mal schauen, was sich verändert.

02. Mai 2015 Interessant: Trotz Klimawandel scheint sich das Wetter an alte Erfahrungsregeln zu halten. Jedenfalls wird es pünktlich zu den "Eisheiligen" ab dem 10. Mai wohl, v.a. östlich, spürbar kühler von Norden her. In der vergangenen Nacht gab es trotz Regen eifrig Besuch auf der Olivenwiese, 21:12 ein Fuchs, ein Reh um 3:53, dann ein junger Rehbock um 4:35, der eine Olive inspizierte, um 5:15 (alle Angaben Sommerzeit) nochmals ein Reh zum Grasen.

04. Mai 2015 Keine Sorge, in den aktuelleren Prognosen des ECMWF löst sich der Kältekeil zu den Eisheiligen weitgehend auf und verschiebt sich noch mehr nach Osten.

10. Mai 2015 Ein blauer Frühling ganz und gar. Derzeit blühen Rosmarin, Lein, Wiesensalbei, Skabiosen gemeinsam, dazu kommen noch eine Etage tiefer die ins Rote gehenden Blautöne des Wiesen-Storchenschnabels, der in diesem Jahr besonders üppig und früh da ist, sowie Olivenhain mit Wiesensalbei und StaudenleinGundermann, Ehrenpreis und Günsel. Gelb hält sich allerdings auch wacker, der Löwenzahn ist schon weitgehend verblüht, aber Butterblumen, Wundklee, Hornklee, Habichtskraut und erste Hopfenkleeblüten halten diese Farbe hoch - auch wenn sie gegen die Blaufraktion aktuell nicht ankommen.

Im Rebholzhaufen das erste Zauneidechsen-Männchen im "Hochzeitskleid". Pfirsiche mit massiv Kräuselkrankheit. Gefördert durch den milden Winter? Die Olivenblätter übersät mit Occhio di Pavone, grausig. Allerdings fast überall neue Austriebe.

16. Mai 2015 Immerhin einen kleinen Einschub der Eisheiligen gab es, vergangene Nacht ging die Temperatur auf 5 Grad zurück. In der Schweiz gab es zur Heiligen Sophie Schnee bis herab auf 600 Meter.

Am Rebholzhügel tummelten sich gestern abend um 19 Uhr drei Zauneidechsenweibchen und ein Männchen. Amüsant: Vor exakt einem Jahr habe ich drei Männchen auf dem Rebholz versammelt gesehen. Das Männchen gestern hatte gerade seinen Schwanz verloren, noch nichts nachgewachsen. Auffallend: Ich habe noch nie Weibchen mit Schwanzstummel gesehen, Männchen schon zahlreiche. Die Weibchen sind wohl klüger auf der Flucht, verkriechen sich z.B. in Mäuselöcher. Außerdem sind sie besser getarnt, Männchen fallen schon sehr auf, vor allem wenn sie in der Paarungszeit leuchtend schillern.

Olivenbaumscheiben entgrast, gehackt und mit Hornspänen gedüngt. Dabei Unmengen kleiner Ameisen entdeckt, die sich vor allem in den Hügeln eingenistet haben und teilweise unter den Fegemanschetten. Und jede Menge Mäuselöcher um die Oliven.

Bouteillan
hat schon ganz entwickelte neue Triebe und Blätter, desgleichen Olivastra Seggianese, ansonsten sind die Austriebe besonders positiv beim neuen Maurino und teilweise bei Leccino. Bescheidene Blütenansätze gibt es bei Aglandaou und Ascolana! Nicht gut stehen die Verzola da, die besonders mit Occhio di Pavona befallen sind. Teilweise scheinen auch die Neuastriebe schon infiziert, sehen nicht gesund aus. Die wilden Bodenaustriebe, die ich nicht eingepackt hatte im Winter, sind alle - mit Ausnahme eines ehemaligen Maurino - abgestorben inzwischen, obgleich sie teilweise optisch ok aus dem Winter kamen! Aus dem Wurzelbereich kommen bei allen schon wieder neue Austriebe.

Insgesamt ist die Vegetation etwas später dran als im vergangenen Jahr, das zeigt sich auch im Weinberg. Allerdings ist aktuell gerade Aufholwetter, mit vielen Sonnentagen und gelegentlichen Niederschlägen.

Am weißen Maulbeerbaum noch immer keine Knospenöffnung. Die beiden schwarzen dagegen hängen schon voll mit Früchten. Ober dem weißen die Nächte noch immer zu kühl sind? Im antiken Griechenland galten Maulbeerbäume ja als weise, da sie ihre Knospen erst öffenen, wenn keine Nachtfröste mehr drohen. Ist der weiße also "klüger"? Abwarten. In den vergangen Jahren war er mit den schwarzen gleichauf. Und die sind inzwischen ganz belaubt und hängen voller Früchte. Ziziphus war in diesem Jahr sehr früh mit seinen Blättern da.

23. Mai 2015 Der bisherige Austrieb bei den Oliven verspricht ein gutes Wachstumsjahr. Sind die "sieben mageren Jahre" vorbei? Wobei es genau genommen nur sechs dann gewesen wären, denn 2008 war ja auch ein sehr gutes Wachstumsjahr für die Oliven. Die vergangene Nacht war übrigens nochmals eher "eisheilig" - einige Leute hier haben sogar die ausgepflanzten Tomaten wieder eingehüllt. Bis 4 Grad (plus wohlgemerkt) ging die Temperatur runter.

Mit dem Balkenmäher habe ich die Wiese um die Oliven zum größten Teil geschnitten. Einen Teil musste ich einfach stehen lassen, die Blüte ist so üppig, ich brachte es nicht übers Herz, alles wegzunehmen - auch wenn ich natürlich weiß, dass die Blütenpracht ohne mindestens einen Schnitt im Jahr nicht erhalten bleibt. Ich werd im Juli dort schneiden, wenn der jetzt geschnittene Bereich wieder Blüten getrieben hat.

09. Juni 2015 Am chinesischen Gemüsebaum/Gewürzbaum/Maggibaum wurde ein starker Austrieb in Bodennähe vom Rehbock heftig angefegt. An einem der beiden schwarzen Maulbeerbäume sind Blätter und Früchte abgestorben. Möglicherweise wegen Wassermangel in der Hitze der letzten Woche (als ich weg war). Der weiße Maulbeerbaum hat noch immer keine Knospenöffnung. Ich fürchte, die Ursache ist doch eine andere als "Weisheit". Paw Paw hat die meisten Fruchtansätze abgeworfen, nur vier sind geblieben. Vermutlich ist es ihr einfach zu windig in der empfindlichen Phase der langen Fruchtstiele. Oder es war ihr auch zu heiß-trocken während meiner Abwesenheit.

Den Oliven geht es dagegen blendend, die Hitze der letzten Tage hat ihnen sichtlich gut getan. Es gibt auch einige Blüten, wobei vor allem Ascolana wieder positiv auffällt.

30. Juni 2015 Die Chinesische Dattel/Ziziphus jujuba ist nun heimisch geworden. In den ersten Jahren sind nur Ameisen dort gelegentlich zu den Blüten gekrabbelt. Dann kamen einzelne Schwebfliegen. Heute aber ein herrliches Gesumme und eine bunte Vielfalt an Insekten dort. Wobei vor allem Wespen, große Schwebfliegen und Schmeißfliegen dominieren. Dazu kleinere Fliegenarten, einzelne Käfer, auch Marienkäfer, und Ameisen. Der Duft ist extrem intensiv gerade. Die Hitze tut auch dieser Pflanze gut.

Samenreife bei Staudenlein, Skabiose, Ziest, Karthäusernelke, Wiesensalbei, Malve, Leimkraut. Dieses Jahr wieder zahlreich Schafgarbe präsent und Steinklee, die im vergangenen Jahr kaum in Erscheinung getreten sind. Der kleine Wiesenknopf ist heuer auch sehr gut vertreten.

04. Juli 2015 Schaut man sich die ECMWF Prognosekarten der nächsten Tage an, so zeigt sich ein sehr interessantes Bild. Wir liegen in einem Warmluftkeil, der von Afrika hochsteigt. Im Osten steigt ein weiterer, breiterer Warmluftkeil von der arabischen Halbinsel auf. Dazwischen, Griechenland, Balkan, Osteuropa, liegt ein kühlerer Bereich. Und nach einem Absenker in der kommenden Woche Mittwoch/Donnerstag bleibt das Wetter im Süden Deutschlands wohl noch eine Weile heiß. Wobei durch den Kühleeinbruch Turbulenzen zu erwarten sind und damit eine eher unklare Entwicklung.

11. Juli 2015 Aktuell haben wir sommerlich warmes, nicht ausgesprochen heißes Wetter. Allerdings dürften ab Mitte kommender Woche die Temperaturen wieder weit über 30 Grad ansteigen. Und es bleibt trocken, alle Gärtner rufen nach Regen! Gegen den Befall mit Occhio di Pavone hilft dieses Wetter jedoch gerade ideal.

Trockenstress bei der jungen Feige, der jungen Paw Paw, dem verbliebenen Maulbeerbaum, der Schisandra und der Kaki.

Ich habe vor allem diese und auch die im vergangenen Jahr neu gepflanzten Oliven gegossen. Es bilden sich schon erste Fruchtköpfe bei den Oliven. Die vom Rehbock im vergangenen Jahr (Mai) angefegte Ascolana verliert allerdings ihre üppige Blüte ohne Fruchtbildung.

Der chinesische Gemüsebaum wurde erneut heftig angefegt. Ziziphus zeigt erste Fruchtansätze. Die beiden Feigenbäumchen gedeihen üppig und entwickeln zahlreiche Früchte. Der erhaltene Maulbeerbaum bildet neue Früchte/zweite Ernte. Die beiden anderen Maulbeerbäume rühren sich nicht (mehr).

17. Juli 2015 Nach dem erneut eher milden Winter und offensichtlich auch sonst günstigen Bedingungen gibts nun eine heftige Mäusevermehrung. Überall Löcher, leider auch in Pflanzennähe. Den ganzen Bereich mal zu pflügen wäre sicherlich hilfreich. Mäusebussarde lassen sich selten sehen - sind da mal wieder Jäger aktiv? Oder was hält die Population noch immer so klein nach dem Einbruch vor einigen Jahren (2011, als auch die massenhaften Vergiftungsfälle in der Region bekannt wurden)? Man sieht häufiger wieder Rebhühner hier im Landkreis Karlsruhe. Und wenn Jäger Rebhühner aussetzen, sinkt in der Regel das Ansehen der Greifvögel erheblich. Man liest dann in der Zeitung auch gehäuft von Joggern, die von Greifvögeln angegriffen werden - und dass der Bestand zu groß sei ...

22. Juli 2015 Hitzesommer wie dieser, mit Temperaturen über 35 Grad, sind seit dem Sommer von 1990 nicht mehr ungewöhnlich, sondern eher die Regel. Seit 2002 haben wir in fast jedem Sommer (Ausnahmen 2004 und - knapp verfehlend - 2011) Temperaturen über 35 Grad hier bei Karlsruhe. Was den Sommer 2015 auszeichnet ist, dass es nun häufig nachts nicht abkühlt, was in den durchaus auch gelegentlich heißen Sommern in den Jahren davor oft sehr massiv der Fall war, so dass man abends nicht mehr gemütlich draußen sitzen konnte. Was den aktuellen Sommer weiters auszeichnet ist, dass die Tagestemperaturen sich wiederholt der 40-Grad-Linie nähern. In Karlsruhe (Wetterstation Hertzstraße) wurde diese Linie im August 2003 überschritten, mit 40,2 Grad - ein bundesweiter Rekord.

Vor 1990 gab es an der Wetterstation Karlsruhe im 20. Jahrhundert Temperaturen über 35 Grad in den Jahren 1921 (38,2 Grad am 28.07.), 1928 (35,4 Grad am 27.07.), 1937 (35,2 Grad am 10.06.), 1943 (37,0 Grad am 19.08.), 1947 (38,6 Grad am 29.07.), 1949 (36,2 Grad am 13.07.), 1952 (38,8 Grad am 02.07.), 1957 (36,2 Grad am 04.07.), 1964 (36,9 Grad am 18.07.), 1971 (36,4 Grad am 19.08.), 1974 (35,6 Grad am 16.08.), 1976 (36,3 Grad am 16.07.), 1983 (38,5 Grad am 31.07.), 1984 (36,2 Grad am 11.07.), 1986 (36,9 Grad am 03.08.) und 1989 (37,3 Grad am 16.08.). Allerdings hatten wir in den 60er Jahren auch eine Reihe sehr warmer Sommer unter der 35-Grad-Marke.

Bemerkenswert auch, dass den (zumindest zeitweise) auffallend frostigen Wintern 2008/09 bis 2011/12 keineswegs auffallend kühle Sommer folgten. Das Klima ist ein kompliziert Ding ...

01. August 2015 Bizarr: Machen Pflanzen zeigen jetzt schon Herbstsymptome. So die Jujube an einzelnen Blättern und der chinesische Gemüsebaum stärker. Eine verzögerte Reaktion auf die lange Trockenheit? Oder Antwort auf die kühlen Nächte? Ansonsten gute Entwicklung. Der Weinberg steht so gut da wie bisher in noch keinem Jahr. An der großen Feige konnte ich schon Früchte ernten, die Datteln an der Jujube entwickeln sich ausgezeichnet, ebenso die - wenigen - Paw Paw Früchte. Schlecht geht es der Wu Wei Zi, Schisandra. Die Blätter in desolatem Zustand, matt, vergilbt, nekros. Definitiv keine Pflanze für Weinberge!!

09. September 2015 Weinernte beim Auxerrois. Großartig! Etwas weniger Ertrag als in den vergangenen Jahren, aber von bester Qualität geschmacklich. Gesundheitlich auch in Ordnung, eine Woche früher wäre vermutlich ein besserer Erntetermin gewesen, hätte einiges an Botrytis erspart. Die teilweise von den Witterungsbedingungen aufgeplatzten Beeren sind überwiegend gut getrocknet, leckere Rosinen geworden! Der Zuckergehalt der Ernte ist eher zu hoch (99 Oechsle), Säure gibt es wenig.

15. September 2015 Die Blätter der Wu Wei Zi sind im August weitgehend vertrocknet, es war ihr wohl zu heiß tagsüber und zu trocken - ich bin leider längere Zeit weg gewesen, in der Mongolei. Ein Land mit extremen Klimabedingungen, unter denen Spezialisten wie das Edelweiß gedeihen, aber keine Oliven.

Überraschend positiv ist die grandiose Fruchtentwicklung bei den Ziziphus Jujube: Richtig schöne, große Früchte - allerdings nur wenige, die meisten sind offensichtlich während meiner Abwesenheit abgefallen (oder wurden von Vögeln gefressen?). Die Reh weidet am Granatapfel 2015Olivenfrüchte sind mickrig, auch die Laub- und Astentwicklung ist bei den meisten Oliven spärlich geblieben. Besonders löbliche Ausnahme ist eine Seggianese von 2008, die sich mit ihren Neuastrieben von 2012 (nach dem Februarfrost) weiter sehr gut entwickelt hat.

Ein junges Reh (dokumentiert durch die Wildkamera) hat inzwischen den Granatapfel für sich entdeckt und großzügig Triebspitzen abgeknabbert. Ein anderes Reh hat sich eine bestimmte Olive ausgesucht und sich dort regelmäßig gerieben. Einige Zweige sind davon abgedrückt und der Stützstab steht hier schon schräg auf dem Foto.

26. September 2015 Ich habe die Baumscheiben gesäubert und Kalium plus Magnesium für die Winterhärte verteilt. Lediglich eine Aglandaou hat einzelne größere Olivenfrüchte gebildet. Gut entwickelt haben sich eine Leccino, eine Olivastra Seggianese, eine Ascolana und eine Aglandaou. Enttäuschend sind Moufla, Bouteillan, Bianchera und Leccio del Corno.

02. Oktober 2015 Einzelne Feigen der zweiten Runde, chinesische Datteln und Paw Paws erntereif. Von der roten Donaunuss gibt es wieder nur eine spärliche Ernte.

Was das Wetter/Klima betrifft, zeichnet sich weiter ab, dass unser regionales Klima kontinentaler wird, mit größeren Differenzen zwischen den Tages- und Nachttemperaturen, aber möglicherweise auch größeren Differenzen zwischen Sommer und Winter - also genau das, was Oliven nicht mögen! So erkläre ich mir die Weigerung der Pflanzen, trotz der vergangenen drei eher milden Winter, nennenswert zuzulegen. Lediglich Olivastra Seggianese scheint sich aktuell wirklich wohl zu fühlen.

Seggianese ist eine Varietät, die an den Hängen des Monte Amiata (erloschener Vulkan) gedeiht und mit Feuchtigkeit und Lehm/Löss eigentlich nicht so gut klar kommt. Die toskanische Gemeinde Seggiano, nach der die Varietät benannt ist, liegt in der Nähe von Grosseto, auf 500 Meter über Meeresniveau, vom Meer etwa 60 Kilometer entfernt.

03. November 2015 Den Olivenpflanzen geht es schlecht, die kühlen, feuchten Nächte im Oktober haben ihnen nicht gefallen. Jetzt steht ein ungewöhnlich warmer November an, wie sie das dann finden? Bis zur Monatsmitte ist jedenfalls noch kein Einpackbedarf in Sicht. Und die Bauernregeln prognostizieren einen milden Winter. Die russischen Zwergschwäne, die angeblich im Oktober einen strengen Winter prognostizierten, wurden wohl eher vom kalten Oktoberwetter als von ihren Prognosefähigkeiten gen Südwesten geschickt. Übrigens wurden in Deutschland auch 2014 Zugschwäne beobachtet, die früher eingetroffen sind "als sonst" - und der Winter 2014/15 war dann ausgesprochen mild.

Ganz prächtig in diesem Jahr sind die Kaki-Früchte, einige hängen noch.

09. November 2015 Die Oliven genießen sichtlich den warmen November, heute dazu noch eine schöne Brise, die anderen Bäume weitgehend laubfrei. Oliven"ernte": 2x Aglandaou. Grausig bitter und wässrig statt ölig! Ist das die Perspektive für deutsches Olivenöl: Wenig Öl, viele Bitterstoffe? Aber Farbe und Form waren wunderschön, rund und tiefviolett.
Rehbock hat
              Anfang November gefegt!
Frost wird erst ab 21. November prognostiziert, und lediglich einige Grad unter Null. Mit dem Einpacken kann ich also noch warten.

Dafür mal wieder ein anderes Problem: Anfang November fegt ein Rehbock einen vitalen Stamm! Mit tiefen Kerben. Ob dies dem ungewöhnlich warmen Wetter zuverdanken ist? Seinem Übermut? Jedenfalls wirft es alle Regeln über den Haufen und bedeutet, ich kann es mir nicht erlauben, die Stämme ohne den - hässlichen - Fegeschutz zu belassen.

24. November 2015 Nun ist ein erster Frost da bei Nacht, aber nur wenig unter Null. Dazu feucht-regnerisch. Das neben anhaltendem Tieffrost schlimmste Wetter für Oliven. Und das wird wohl noch einige Tage anhalten. Mit leichter Erwärmung Anfang Dezember.

07. Dezember 2015 Löwenzahn mit Pusteblumen und neuen Blüten! Bis Weihnachten kein signifikanter Frost in Sicht. Ganz ähnliche Situation wie in den Wintern 2013/14 und 2014/15. Allerdings kein Grund zur Nachlässigkeit: Am 28. Dezember 2014 gab es dann zweistellige Minustemperaturen. Während Weihnachten 2012 mit 18 Grad plus im Süden auftrat.

20. Dezember 2015 Nun ist es gleichsam amtlich. Die Wetterkarten des ECMWF zeigen bis Ende des Jahres keinen nennenswerten Frost, der wärmste Dezember seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zeichnet sich deutlich ab. Verschiedentlich blühen Kirschbäume in der Rheinebene. Einpacken oder Nicht-Einpacken, das ist hier die Frage. Vorteil Einpacken: Regenschutz und Fegeschutz für alle Fälle.

27. Dezember 2015 Heute Oliven eingepackt. Demnächst dürfte wohl relevanter Frost kommen. Davor mit Salzlösung und einem Kupferpräparat eingesprüht.

Monatsthema Januar: Niederschläge und Wind
Auch bei mildem November- und Dezemberverlauf und vielen Versprechen auf einen weiterhin milden Winter sollten allerspätestens Anfang Januar die Frostschutzmaßnahmen stehen, denn vorläufig gibt es einfach keine zuverlässigen Langfristprognosen. Und eine Nacht unter -5 Grad kann nach warmen Tagen schon Rinde zum Platzen bringen und Cambium schädigen. Lieber ein bisschen pessimistischer sein.

Januar ist der Monat, in welchem vor allem gefrierende Niederschläge Probleme bereiten können. Schneeregen, der das Holz junger Bäume nässt und anschließend dort gefriert, zerstört die Rinde. Daher benötigt der Januar, zumindest in unseren Breiten, frost- und nässefeste Einhüllungen. Ich habe gute Erfahrungen mit Thermovlies M85 gemacht, das schon bei zwei Lagen weitgehend sicher ist gegen das Durchschlagen von Nässe.

Ansonsten kann Januar als ein selten mit Extremfrost betrübender Monat gelten, da die Temperaturen in der Regel nicht allzu sehr schwanken, der niedrige Sonnenstand verhindert die großen Tag-Nacht-Temperaturdifferenzen, die durch Aufwärmung tagsüber bei Nachtfrost in den Monaten November und vor allem im Februar den Pflanzen Probleme bereiten können. So können die Pflanzen ihren eigenen Frostschutz kontinuierlich aufrecht erhalten. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen, etwa den Januar 2012. Zudem genügen für böse Rindenrisse auch geringe Schwankungen um den Gefrierpunkt, vor allem bei Nässe.

Besonders nerven können im Januar die gelegentlichen Stürme, die mich 2010 (Daisy und Co.) und 2011 geplagt haben. Da müssen öfter mal die Einhüllungen überprüft werden und neu festgezurrt. Denn die beste Hülle nützt nichts, wenn der Wind darunter greifen kann und die Pflanzen auskühlt. Zudem werden Oliven auch von Wind selbst gestresst. Es sind vor allem Januarwinde, die Frostschutzeinhüllungen oder -bauten in ausgesetzten Lagen sehr schwierig machen. Dafür bietet der Monat oft schöne Fotomotive, mit Schnee und Eis auf den Schutzverpackungen vor blauem Himmel.

Monatsthema Februar: Dauerfrost
Da der Winter in der Regel im Januar oder Anfang Februar schon mal intensiver pausiert und eine Erwärmungsphase eintritt, wird man als Exotengärtner dazu verleidet, vorzeitig aufzuatmen. Der Februar sollte jedoch als Wintermonat von Olivenhainbesitzern selbst im nördlichen Mittelmeerraum sehr ernst genommen werden! Gerade der Februar hat in der Geschichte immer wieder mit fatalen Frostereignissen überrascht. Das verdankt sich vor allem den häufigen lang anhaltenden Ostwindperioden in diesem Monat, die zum Beispiel 1956 die Olivenhaine in Südfrankreich sowie teilweise im nördlichen Italien und 1985 die Olivenhaine in der Toskana weitgehend zerstört haben.

Problematisch im Februar sind einmal starke Temperaturdifferenzen, die den Pflanzen zu schaffen machen. Tagsüber kann es gerade unter falsch angelegten Einhüllungen zu enorm hohen Temperaturen bei Sonneneinstrahlung kommen, während es nachts bis in den zweistelligen Bereich bei Strahlungsnächten abkühlen kann. Das zweite gravierende Februarproblem ist der Dauerfrost, der vor allem ohne Schneebedeckung zu massiven Schädigungen auch im Wurzelbereich führen kann. Der Dauerfrost unterkriecht nach etwa fünf Tagen auch die Einhüllungen der Bäume. Damit entsteht ein zusätzliches Koppelungsproblem aus den beiden Hauptproblemen: Frost im Wurzelbereich und starke Erwärmung im Kronenbereich bei Sonneneinstrahlung.

Es ist also besonders der Februar, der Einhüllungen mit Kunststofffolien oder anderen Folien und Einhüllungen (etwa dunkles Vlies), die sich bei Sonnenbestrahlung stark erwärmen, problematisch macht. Für den Februar sollte gegebenenfalls auch die Bodenabdeckung nochmal überprüft und verbessert werden, um die Auswirkungen von Dauerfrost auf den Wurzelbereich zu mildern. Das kann durch Laubanhäufung geschehen oder durch Vliesabdeckungen - mit einem Radius von mindestens eineinhalb Metern. Allerdings sollte diese Abdeckung dann bei Erwärmung (spätestens im März) wieder entfernt werden, da sie nicht nur den Frost vom Boden zurückhält, sondern natürlich auch anschließend die Kälte im Boden gegen Erwärmung "schützt".

Der Februar macht uns darauf aufmerksam, dass unsere Frostschutzmaßnahmen immer auch eine paradoxe Wirkung haben, insofern sie nicht nur Frost abhalten, sondern umgekehrt auch Kälte konservieren.

Monatsthema März: Trockener oder frostiger Boden
Im Märzen der Bauer und so - aber Vorsicht! Der Temperaturverlauf von Karlsruhe seit 1876 belehrt, dass der März durchaus frostige Tücken auch bei uns haben kann. So wurden 2005 am 1. März in der Rheinebene bei der Fächerstadt -14,6 Grad gemessen. Dennoch, in diesem Monat beginnen die Frühjahrsvorbereitungen, die Pflanzen können in der Regel - nach einer kritischen Sicht auf die Prognosen des ECMWF (European Centre for Medium-Range Weather Forecasts) - spätestens Mitte des Monats ausgepackt werden. Dies sollte abends oder bei bewölktem Himmel geschehen, um den Pflanzen die Anpassung an die neuen Verhältnisse zu erleichtern. Nach dem Auspacken gleich pralle Sonne zu erleben, bedeutet vermeidbaren Stress für die Pflanzen.

Auch empfiehlt sich nach dem Auspacken das Besprühen mit einer leichten Salz- und Nährlösung, da der Safttransport unter Umständen durch Schädigungen des Xylems reduziert ist. Aber Achtung: Wo Rehe auftauchen, besser nicht mit Salz in "Weidehöhe", denn das mögen die - und knabbern dann gleich die Triebspitzen weg. Gegen Rindenrisse durch Temperaturspannungen und zur allgemeinen Vitalisierung der Pflanzen kann ein pflegender Kalkanstrich (Baumanstrich, Kalkmilch) auf die Stämme und Äste aufgebracht werden. Auch dies sollte nicht bei praller Sonne, sondern am besten abends geschehen (natürlich nicht, wenn in der Nacht darauf Frost erwartet wird). Bei jungen Pflanzen nicht im ganzen Jahr, denn die benötigen auch Sonne für den Rindenstoffwechsel.

Was häufig vergessen wird: Oliven assimilieren auch im Winter bei Temperaturen ab etwa 5 Grad plus. Das heißt, sie entziehen dem Boden dann auch Feuchtigkeit. Das sollte auch bei Zimmeroliven gebührend berücksichtigt werden. Und natürlich kann der Freilandboden im Winter nur eingeschränkt oder gar nicht Feuchtigkeit von Niederschlägen aufnehmen, wenn er durch Frostschutzmaßnahmen bedeckt ist! Daher ist nach einer winterlichen großflächigen Abdeckung des Bodens (etwa durch Tunnels oder ausgebreitete Vlieseinhüllungen) nun zu gießen, wenn es tagsüber warm und sonnig wird.

Böse Überraschungen kann der März bereiten, wenn sich schon frische Blattknospen gebildet haben und diese dann erfrieren. Für die Pflanzen bedeutet das einen enormen Stress und als Reaktion darauf warten sie mit den Neuaustrieben zum Frühjahr sehr lange, unter Umständen bis Anfang/Mitte Juni!

Monatsthema April: Spätfröste
Noch stärker als im März drohen im April Versorgungsmängel durch Bodentrockenheit oder reduzierte Leistung des Xylems. Da Oliven Feuchtigkeit und Nährstoffe gut durch Blätter und junge Rinde aufnehmen können, hilft hier neben Gießen auch Besprühen. Um Spannungen in der Rinde durch Temperaturdifferenzen bei nun schon starker Sonneneinstrahlung zu reduzieren, bietet es sich an, nun im April (falls nicht schon im März geschehen) die Stämme zu weißen. Die angebotenen Präparate stärken in der Regel auch die Vitalität der Pflanzen. Natürlich ist darauf zu achten, dass nicht vor der Trocknung Frost zu erwarten ist. Auch der April bringt gelegentlich Frostnächte. Besprühen mit leichten Salzlösungen (nicht stärker als 1,5%) empfiehlt sich hier als Unterstützungsmaßnahme. Ein Spätfrost wie der in der Nacht vom 16. auf den 17. April 2012 ist allerdings für frische Blattknospen fatal. Bei -5 Grad sind hier in Obergrombach z.B. die Kiwi-Knospen ganz, Maulbeerknospen teilweise erfroren.

Im April rührt sich die Vegetation auf der Wiese schon kräftig, die Grau- und Brauntöne werden durch frische Grüntöne verdrängt, der Gärtner im Olivenanbauer darf sich freuen. Auch bei den Oliven regt sich nun einiges, die ersten Blatt- und Blütenknospen bilden sich, falls der Winter nicht zu streng war. Je nach Witterung können auch schon junge Triebe wachsen. Jetzt sollte - bei Bedarf - auch mineralischer Dünger ausgebracht werden, damit er in der Wachstumsperiode Mai/Juni den Pflanzen zur Verfügung steht. Bei kalkhaltigen Böden empfiehlt sich Kaliumsulfat, bei eher sauren Böden Kaliumcarbonat (Pottasche). Kalium ist wichtig für den Wasserhaushalt und damit auch die Frosthärte. Bei entsprechendem Bedarf des Bodens ist auch Magnesium zu geben. Für Stickstoffgaben ist es in der Regel noch zu früh.

Durch Schnitte an abgestorbenen Zweigen kann schon die erste Schadenskontrolle stattfinden - allerdings bedeutet Vitalität im April keineswegs, dass der betreffende Zweig/Ast/Stamm den Winter tatsächlich gut überstanden hat. Absterben können vitale Zweige oberhalb von Schädigungen auch noch im Mai, wenn der eigentliche Vegetationsschub für Oliven kommt - und damit auch erhöhter Versorgungsbedarf.

April ist eine günstige Zeit für Pfropfungen, da die Säfte nun (vor allem in der zweiten Monatshälfte) fließen und die notwendigen Knospungshormone bereitstehen. Die Pfropfstellen müssen gut gegen Austrocknen geschützt werden, etwa durch Aluminiumfolie, welche Sonne reflektiert und Feuchtigkeit zurückhält. Ein Spätfrost kann allerdings die Pfropfung schädigen, daher ist man erst Ende April auf der sicheren Seite. Auch für Neupflanzungen ist der Monat günstig, wenngleich man damit noch Anfang Mai gut platziert ist.

Monatsthema Mai: Mäuse und anderes Getier
Nun können die Olivenanbauer in Grenzlagen endlich Aufatmen. Der Winter ist definitiv vorbei, auch für empfindliche Olivenbäume droht nun kein Ungemach mehr, selbst frische Blattknospen sind hier im Badischen Weinbaugebiet nicht mehr durch Spätfröste gefährdet. Erst jetzt ist auch die gültige Bilanz zu ziehen, welche Schädigungen der vergangene Winter jeweils gebracht hat. Denn unabhängig von eventuellen Spätfrösten bringt erst der Mai mit seinen hohen Anforderungen an die Saftleitungsbahnen der Pflanzen zum Vorschein, wo diese vielleicht nicht zerstört, aber doch erheblich geschädigt wurden. Was nun noch grün ist, wird es für dieses Jahr auch bleiben.

Im Mai bilden sich die Blütenknospen, teilweise entfalten sich auch schon die unspektakulären Blüten, die bei Trocken- oder Windstress häufig abfallen vor der Fruchtbildung. In Trockenperioden sollten Jungbäume daher schon jetzt gelegentlich gegossen werden. Dies hilft auch bei der Bildung von Neuholz, die in unseren Regionen möglichst früh im Jahr erfolgen sollte, um vor dem nächsten Winter Stabilität zu erreichen. Im Mai kann daher an Stickstoffgaben gedacht werden - am Besten über Kompost, Hornmehl oder Schnittmaterial von der Olivenwiese, das um die Bäume gehäuft wird, mit gebührendem Abstand zum Stamm.

Schermäuse haben inzwischen unter Umständen schon den ersten Nachwuchs und sind unterwegs auf der Suche nach neuer und frischer Beute. Aus diesem Grund sollte daher schon Anfang Mai in etwa 30 Zentimeter Abstand vom Stamm umgegraben werden, vorzugsweise mit einer Grabgabel. Eine Maßnahme, die auch zur biologischen Stickstofffreisetzung dient, winterliche Grabgänge von anderen Mäusen oder Maulwürfen schließt, Regenwürmer aktiviert und förderliche Biomasse in den Boden einbringt. Anschließend sollte bei Schermausvorkommen regelmäßig der Bereich um die Stämme etwa mit einer Grabgabel sondiert werden. Auch an Rindenschutz ist je nach Lage zu denken, etwa gegen fegende Rehböcke oder knabbernde Kaninchen - mit Kunststoffmanschetten oder Schilfmatten.
Monatsthema Juni: Blüte und erste Fruchtknospen

Auch bei jüngeren Pflanzen bilden sich nun bei frühen Sorten die ersten Fruchtansätze, stecknadelkopfgroß. Andere Pflanzen kommen erst jetzt in die Blüte - das ist stark sorten- und witterungsabhängig. Wenn die Fruchtknöpfe eintrocknen, deutet dies meist auf Wurzelschädigung hin. Wurzelschädigungen können ein Resultat des Winters sein oder auf Schermausfraß zurückgehen. Ein leichtes Ziehen am Stamm bringt hier Aufklärung. Sitzen die Wurzeln sehr locker, war wohl eine Schermaus am Werk. Meist können Sie den Baum dann ohne Widerstand aus dem Boden ziehen. Ansonsten bekommen sie mit behutsamem Freilegen der Wurzeln Klarheit. Die Schermaus-Fraßspuren an den Wurzeln sind biberähnlich. In der Regel ist die Wurzel komplett fast bis zur Bodenlinie abgefressen, diese Tierchen machen keine halben Sachen, sondern volle Ernte. Sollten vor allem Feinwurzeln angefressen sein, könnten auch Maikäfer-Engerlinge beteiligt sein - die werden sie dann beim Angraben schnell entdecken.

Manchmal beginnt im Juni schon die sommerliche Holzwachstumsruhe, nach dem ersten Schub im Mai. Das ist alleine kein Anlass zur Sorge - wenn die Wurzeln geschädigt sind, macht sich dies deutlicher durch schlappe Triebspitzen oder trocknende Fruchtknöpfe bemerkbar. Die Wachstumspause im Juni lässt vermuten, dass sich die Pflanze nun auf Wurzelwachstum und Fruchtbildung konzentriert. Nicht zu sehr gießen, das würde die Wurzelbildung negativ beeinträchtigen, Wurzeln nach oben statt in die Tiefe ziehen.

An Neupflanzungen und bei Jungbäume mit Fruchtknospen sollte bei heißem Juniverlauf der Boden auf Trockenheit hin untersucht werden und gegebenenfalls gegossen. Aber bitte nicht einschlämmen oder sonst wie ertränken! Oliven mögen keine Stau- oder Dauernässe. Die Kompost-/Wiesenschnittringe um die Bäume sollten nun auch mal gelockert werden, damit sich dort nicht die Mäuse zu wohl fühlen. Machen sie sich keine Sorgen, wenn dort Tausendfüßler, größere Spinnen oder Käfer zu sehen sind. Das sind Zeichen für ein intaktes Ökosystem. Auch Maulwurfsgrillen, die in lockerer Erde und Kompost vorkommen, sind entgegen häufiger Gärtnermeinung unschädlich. Sie ernähren sich von Insekten, lediglich beim Graben können sie mal Feinwurzeln stören.
Monatsthema Juli: Beobachten und sich freuen
Nach strengen Wintern kann es sein, dass erst im Juli nennenswerte Austriebe stattfinden! Hier sollte dann auf keinen Fall ein "Erziehungsschnitt" angewendet werden. Alles wachsen lassen, die Pflanzen brauchen alle Blätter für die Zuckereinlagerung - also den Frostschutz - vor dem Winter! Überhaupt muss bei uns gelten: Sehr zurückhaltend schneiden.

Im Juli entwickeln sich bei guter Blüte im Mai/Juni teilweise schon Früchte zu ansehnlichen Formen, selbst bei Neupflanzungen zweijähriger Heister können sich einzelne Früchte entwickeln. Dabei gibt es große Sortenunterschiede. Bouteillan entwickelt eher bescheiden Blüten, dafür kräftige Früchte. Leccino, in Olivenanbauländern bekannt für seine üppigen Ernten, bildet auch in Deutschland zahlreiche Blütentrauben und viele Stecknadelkopf-Früchtchen. Ähnlich bei Ascolana. Davon gehen allerdings Juni/Juli schon viele verloren, fallen ab - auch bei ausreichendem Gießen. Es entwickeln sich in der Regel mehr Früchte als bei Bouteillan, dafür sind diese auch kleiner. Bei Jungbäumen ist weiter auf den Bodenzustand zu achten und gegebenenfalls während einer anhaltenden Trockenperiode zu gießen.

Ansonsten darf man sich im Juli freuen an den Pflanzen und an der Wiese allgemein! Bei zahlreichen ökologisch bedeutsamen Blütenpflanzen kann man nun schon Saatgut sammeln, je nach Lage etwa von Hain- und Karthäusernelke, Hauhechel, Büschelglockenblume, Lein, Braunwurz, Odermenning, Ziest und Moschusmalve. Das kann an anderen Stellen des Geländes ausgebracht oder weiterverschenkt werden. Es gibt nun auch im Insektenbereich jede Menge zu beobachten, Schmetterlinge tauchen vermehrt auf, Schlangen und Eidechsen sind sehr aktiv. Leider auch die Rehe, die nun erneut ihre Feinschmeckertouren machen und gerne von Triebspitzen knabbern.

Anfang Juli kann - zurückhaltend - zum letzten Mal Stickstoff bereit gestellt werden, etwa durch Hornspäne. Ende Juli (es reicht ggf. auch noch Anfang August) sollte Magnesium und vor allem Kalium angeboten werden - etwa in Form von Pottasche. Kalium ist für die Frostfestigkeit des Gewebes (neben Zuckereinlagerungen) besonders wichtig.
Monatsthema August: Hitze und Hacken  Im August kann es nochmal richtig heiß werden, die Oliven freuen sich darüber, das spüre ich immer wieder. Es kann nun, vor allem bei lehmig-lössigen Böden, im Wechselspiel von Regen und Sonnenhitze zu Bodenverdichtungen und oberflächlichem Bodenverschluss kommen. Hier hilft Hacken. Auch sonst empfiehlt es sich, im August mal durchzuhacken, das setzt nochmals Stickstoff für die zweite Holzwachstumsphase frei (keinesfalls dazu noch mit Stickstoff düngen, bestenfalls Kalium geben) und vertreibt Mäuse aus der Baumnähe. Doch aufgepasst: Schermäuse lieben leider lockere Böden. Um sie fernzuhalten, muss der Boden um die Stämme vor allem bewuchsfrei sein oder mit kurz gehaltenem Bewuchs gepflegt. Auch grobe, unterbrochene Erdschollen durchqueren sie ungern, da sie Licht meiden.

Früher hieß es zu Recht: Hacken ist der Dünger des armen Bauern. Heute macht das auch ökologisch Sinn. Kunstdünger ist Oliven in unseren Breiten eher schädlich, verzichten Sie besser weitgehend darauf, das schafft oft schwammiges Gewebe, welches anfällig ist für Occhio di Pavone (eine Pilzkrankheit) und Winterfrost.

Natürlich kann im August dann auch Trockenstress für die Oliven auftreten. Doch sollte selbst bei Jungpflanzen nun nicht zu oft gegossen werden, um die Wurzelentwicklung nicht negativ zu beeinträchtigen und Wassertriebe zu vermeiden. Auch sollten die Pflanzen Gelegenheit haben, sich an Trockenperioden zu gewöhnen.

Die Nächte können in der zweiten Augusthälfte schon wieder kühl werden, so kündigt sich der Herbst an, vielleicht sammeln sich bei Ihnen (so Sie eine Hügellage haben) auch schon Schwalben zum Vogelzug. Mit den ersten Herbstgefühlen kann man sich langsam Gedanken über den Winterschutz machen und eventuell noch Umbauten im Gelände vornehmen, Stürzpfähle versetzen etwa. Notfalls können nun auch noch einzelne Bäume verpflanzt werden, allerdings nur mit Erdballen, nicht wurzelnackt. Das sollte wohlgemerkt in der zweiten Augusthälfte geschehen, wenn es nicht mehr so heiß wird, und kann bis hinein in den September stattfinden.
Monatsthema September: Wachstum, Pflege

Im September wird es dann Ernst mit dem Herbst. Aber an den Oliven können Sie sich vielleicht gerade jetzt erfreuen. Die Verbindung kühlerer Nächte mit warmen, oft um die Mittagszeit immer noch heißen Tagen scheint ihr Wachstum zu stimulieren. Nun sollten Sie aber entschieden nicht mehr gießen, auch bei jungen Pflanzen nicht. Sonst bekommen Sie hypertrophiertes Wachstum, das Ihnen im Winter dann vermutlich erfriert. Verzichten Sie ab nun auch auf das Hacken, da dies Stickstoff freisetzt und das Wachstum zusätzlich anregt.

Auch wenn andere Obstgärtner nun im September an Neupflanzungen gehen, sollten Sie sich bei Oliven dessen enthalten. Es kann gut gehen, dann haben Sie Glück gehabt mit dem Winter. Wahrscheinlicher aber ist, dass Sie die Neupflanzungen gleich im ersten Winter verlieren oder diese zumindest starke Schäden davontragen. In jedem Falle ist natürlich nur Pflanzung von Containerware möglich, also mit Erdballen. Wurzelnackte Oliven sind ohnedies kaum zu bekommen. Sollten Sie aus irgendwelchen Gründen gerade an solche Ware kommen: April bis Mai pflanzen und im Sommer regelmäßig gießen.

Die klassische Wiesenpflegemahd erfolgt im September. Sollten Sie aber wertvolle Spätblüher wie Kalkastern haben, können Sie noch warten bis zu deren Samenreife - oder die entsprechenden Standorte aussparen. In jedem Fall aber müssen Sie nun Kanadische Goldrute mähen, sofern dieser invasive Neophyt auf ihrem Gelände steht - und zwar noch vor oder gleich zu Beginn der Blüte, da diese Pflanze sehr vital ist und es fertig bringt, auch geschnitten noch Samen aus Blüten zur Reife zu bringen. Das Schnittgut der Kanadischen Goldrute können Sie sehr gut verwenden für hochwirksame Kräuteransätze (Kaltauszug, nicht vergären/faulen lassen!), die aufgesprüht gegen Pilzerkrankungen helfen und auch sonst die Pflanzen vitalisieren mit zahlreichen ätherischen Ölen.

Ob mit Goldrutenauszügen, Auszügen von Schafgarbe oder Kupferpräparaten für den Hausgarten: Jetzt sollten Sie gegen Pilzerkrankungen der Oliven, vor allem Occhio di Pavone, sprühen, wenn Sie größeren Befall festgestellt haben. Bei wenig Befall empfiehlt sich das Abpflücken der betroffenen Blätter mit den charakteristischen runden Verfärbungen. Infektion erfolgt von vitalen Blättern, was also am Boden liegt, muss Ihnen keine Sorge bereiten. Eine Spritzung mit Kupferpräparaten kann nach Expertenmeinung auch gegen Frostschäden bei Temperaturen um den Gefrierpunkt schützen, insofern sie Pilze als mögliche Eiskristallisationskerne abtötet.
Monatsthema Oktober: Schermausbekämpfung

Falls Sie die Wiese noch nicht gemäht haben, sollten Sie es jetzt tun und aus dem Mähgut Haufen machen, die Ihnen im Winter Material zur Bodenabdeckung liefern oder jetzt schon Schnittgut für Mulchringe um die Bäume (in gebührendem Abstand, mind. 30 cm), die das Bodenleben aktivieren und allgemein die Biodiversität auf Ihrem Grundstück fördern. Einen der Mähguthaufen sollten Sie unberührt belassen zur Kompostbildung und für das Insektenleben. Dort werden sich dann auch Zauneidechsen wohlfühlen, da sie üppig Futter finden.

Andere Tierchen können leider ein echtes Problem für Obstgrundstücke werden: Schermäuse. Da Menschen ihre natürlichen Feinde (Eulen, Greifvögel, Füchse, Mauswiesel, Iltis, Marder, Spitzmäuse) erheblich reduziert oder in ihren Aktionsradien eingeschränkt haben und die moderne Kulturlandschaft ihnen Vorteile bietet, vermehren die sich wacker. 2013 habe ich drei neugepflanzte Oliven (von 16) durch Schermäuse verloren (und noch eine Kiwi dazu). Oktober ist eine gute Zeit zur Bekämpfung. Die kann mit speziellen Fallen (ich verwende die bayrische Schlagfalle) ökologieverträglich erfolgen. Allerdings ist das sehr mühsam und erfordert einige Übung. Und unbedingt muss man zunächst lernen, Schermausgänge (hochoval, wurzelfrei) von Maulwurfgängen (queroval, durchwurzelt) zu unterscheiden. Zu erkennen sind Schermausvorkommen auch an plötzlich absterbenden Fenchelpflanzen oder Luzernen, wenn Sie solche auf Ihrem Grundstück haben. Gewürzfenchel als Schermausindikator gezielt auszusäen macht durchaus Sinn, zudem verträgt er sich gut mit Oliven, ist schmackhaft und gesund und trägt positiv bei zur Ökologie der Wiese. Bei Abmagerung wird er sich allerdings zurückziehen, er schätzt gedüngte Böden.

Oliven wachsen auch bei uns im Oktober noch weiter, nun allerdings in der Regel sehr verhalten. Als wintergrüne Pflanzen stellen sie erst bei Temperaturen unter 5 Grad die Assimilation weitgehend ein. In der zweiten Monatshälfte kann mit Blick auf den Winterschutz behutsam bei älteren Pflanzen auf Kompaktheit hin geschnitten, Überstehendes (das nicht der Einhüllung dienen kann) gekappt werden. Doch bitte nun keinen Auslichtungs- oder gar Formschnitt vornehmen! Die gehören in den April, sofern überhaupt sinnvoll und notwendig. Eine dichte Krone überlebt den Winter besser als eine schüttere.
Monatsthema November: Überraschungsfröste

Der November kann bereits mit Frost gefährlich werden, vor allem für junge Bäume und junge Triebe an älteren Bäumen. Problematisch sind vor allem gefrierende Niederschläge, die zu Schädigungen der empfindlichen Rinde führen, zu Rissen und Zerstörungen von Cambium und Xylem. Und zwar schon bei geringem Frost!

Daher sollten Sie nun beginnen, regelmäßig die Wettervorhersagen  zu konsultieren, vor allem auf die Verbindung von Niederschlägen und Frostgefahr hin, besonders geeignet sind die Prognosen des DWD (Deutscher Wetterdienst) und des ECMWF (European Centre for Medium Range Weather Forecasts). Links zu beiden finden Sie unter meinen Informationsquellen.

Einhüllung im November sollen vor allem Niederschläge abhalten und erste Frostereignisse abpuffern. Empfehlenswert dafür ist z.B. das Thermovlies M85, das schon in doppelter Lage weitgehend regendurchschlagsicher ist und dennoch kein Stauklima schafft. Es trocknet auch nach Nässe zügig ab. Die Anbringung darf nicht stattfinden, wenn die Oliven gerade durch einen Regen nass sind. Sonst kann es unter der Hülle zu Pilzvermehrung oder bei Frost zu Rindenschädigungen kommen. Daher lieber etwas früher einpacken als plötzlich nach einer Regenperiode von Frosteinbruch überrascht zu werden.

Die Einhüllungen sollten auch sturmfest sein, denn das beste Vlies nützt wenig, wenn es vom Wind unterfasst oder davongetragen wird. Daher empfiehlt es sich, die Stützpfähle für die Oliven zur Hauptwindrichtung hin anzubringen, also nach Westen. Ausladende Kronen sind zunächst einmal schwieriger einzuhüllen als schlank-kompakte. Und bei Sturm bieten sie mehr Angriffsfläche. Daher schon beim Pflanzenaufbau und Erziehungsschnitt an die Einhüllungen im Winter denken!

Zur Vorbereitung auf die ersten Fröste empfiehlt sich vor dem Einpacken das Besprühen mit leichter Salzlösung (etwa 1%ig). Damit wird bei den im November üblichen geringen Minusgraden Eisbildung auf der Rinde und in leichten Rissen oder Verwarzungen der Rinde verhindert.

Monatsthema Dezember: Winterschutz ausbauen

Spätestens Ende Dezember muss der "richtige" Winterschutz stehen, der nicht nur Regen abhält und leichte Fröste puffert, sondern noch bei tiefem Frost tauglich ist. Dies gilt auch, wenn der Winter sich bislang mild gezeigt hat und irgendwelche Langfristprognosen einen weiteren milden Verlauf vorhersagen. Im Januar wird es ernst mit der Möglichkeit tiefer Fröste. Alle großen Olivensterben des 20. Jahrhunderts haben im Januar oder im Februar stattgefunden.

Das heißt nicht, dass in unseren Breiten der Dezember harmlos für Oliven ist. Im Dezember 2009 gab es eine Woche Dauerfrost im Kraichgau mit Temperaturen bis in den zweistelligen Bereich. Da musste der Winterschutz schon Anfang Dezember vollständig sein. Vollständig heißt, dass um die Bäume herum der Boden gegen Dauerfrost zu schützen ist mit Laub oder Erde (die aber im Frühjahr wieder entfernt werden muss, da die Wurzeln sonst nach oben wachsen). Zudem muss die Vliesumhüllung bei jungen Bäumen nun mindestens vierlagig sein, am Boden gut abschließen und einen Bereich von mindestens 50 Zentimeter Durchmesser mit dem Stamm als Zentrum abdecken.

Auch der Dezember kann heftige Stürme bringen. 2011 haben Orkan "Joachim" und Konsorten meinen Einhüllungen teilweise Probleme bereitet. Was im November hielt, kann im Dezember noch davonfliegen. Da gilt es, regelmäßig die Verzurrungen des Winterschutzes zu überprüfen und gegebenenfalls nachzubessern. Dazu kann der Dezember auch gewaltige Schneemassen bringen, wie etwa 2010. Dann kann es notwendig werden, die Einhüllungen je nach Bauart vom Schnee freizuräumen.

Ansonsten ist Dezember ein guter Monat, um sich mit den Kapriolen der Temperaturverläufe vertraut zu machen. Für mich war es immer wieder höchst überraschend, die Beziehungen zwischen Temperaturen im Außenbereich und unter den Vlieshüllen zu studieren. Unter bestimmten Bedingungen können die Temperaturen gerade im Dezember mit seinen häufigen abrupten Temperaturwechseln unter dem Vlies niedriger sein als draußen. Denn, das wird gerne übersehen: Alles was gegen Frost schützt, schützt mehr oder weniger auch gegen Wärme.