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⇒ EINE KLEINE GESCHICHTE
DES OLIVENANBAUS IN DEUTSCHLAND




der eisbär

ist ein tier
das schweigt
in unseren augen
spielt
und trauert
mit den plastikeimern.

es taut und auf dem eisbärfell
wächst algenhaar.
der alte jäger
lässt die scholle los

und von den betonwänden
fällt ein reiher
in den zoo.









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>>> TAGEBUCH 2014


TAGEBUCH 2013
:

11. Januar 2013 Interessante, aber auch beunruhigende Parallele zum vergangenen Jahr: Milder Winterverlauf bisher, und nun werden für Mitte Januar tiefere Temperaturen angekündigt, aber nur für einige Tage. Im vergangenen Jahr kam dann Ende Januar/Anfang Februar eine extreme Dauerfrostperiode nach diesem Zwischenfrost. Anders als im Winter 2011/12 hatten wir aber in diesem Winter schon einen sehr frühen Frosteinbruch im November. Außerdem befinden sich die Troglagen weiter östlich als in den vergangenen Wintern. Ich bin daher optimistisch und erwarte keine negativen Frostüberraschungen (zweistellig) mehr. Auch wenn die Winde gerade gerne wieder mal auf Ost drehen - Daumen drücken ist angesagt! Den Rosmarin habe ich zumindest schon mal ausgepackt, und der hat sich gut weiter entwickelt unter der Verpackung. Es herrschten teilweise ja frühlingshafte Temperaturen tagsüber im bisherigen Winterverlauf, auch wenn man nachts meist merkte, dass wir eben doch im Winterhalbjahr sind.
Olivenhain im
              Frost mit Vlieshuellen
15. Januar 2013 In der Tat, wir befinden uns im Winterhalbjahr und zum ersten Mal gibt es über einige Tage hin anhaltenden Frost. Wer seine Pflanzen nicht eingepackt hat, muss sich jetzt Sorgen machen. Aber auch ich schaue etwas bang auf dieses Wetterbild, das uns das ECMWF zeigt: Eine von wärmerer Luft fast rings eingeschlossene Kälteblase, die über Südskandinavien hängt - kein arktischer Kältefuß oder -trog, keine von Sibirien her sich vorschiebende Zunge. Ihre Ausläufer kühlen unsere Region. Die Klimaentwicklung der kommenden Jahrzehnte dürfte noch einige Überraschungen bereit halten. Klar ist eines: Nichts ist sicher! Auch die Olivenanbauer in südlicheren Gefilden sollten sich wärmer anziehen rsp. sich Gedanken über ihre Sortenauswahl machen! Tipps dazu gibt es auf meinen Seiten "Krankheiten", "Technik" und "Informationsquellen" (Suchwort "Sorten"). Grundsätzlich gehe ich jedoch weiterhin von meiner bereits 2009 notierten These aus, dass wir uns in einem zyklischen Kältetief mit etwa 28-jähriger Wiederkehr befinden, das bald endet.

23. Januar 2013 Nach zwischenzeitlichem leichtem Tauwetter gering über Null ist nun nochmals von Nordosten her Frost unter -5 Grad für die kommenden Tage angesagt. Danach könnte sich, laut ECMWF, eine Kälteblase mit einem Tiefdruckgebiet nach Süden verschieben und auf dem Balkan Probleme für Olivenhaine bringen - während es bei uns schon wieder wärmer wird.

01. Februar 2013 Lediglich sieben Eistage gab es im Januar, keine zweistelligen Minustemperaturen, selten (4x) geringer als -5 Grad. Von den Prognosen für die Wetterentwicklung bewahrheitet sich für unsere Region (Baden-Württemberg) vor allem dies: Die Winterhalbjahre werden nässer, die Sommerhalbjahre trockener. Und nach einem Blick auf die Website des ECMWF kann ich im Blick auf die Temperaturen optimistisch sein. Wie es aussieht, ist nicht mehr mit strengen (zweistelligen) Frösten zu rechnen. Der Winter dürfte zum ersten Mal seit 2007/08 wieder ohne für hiesige Oliven fatale Frostereignisse zu Ende gehen! Mit dem Knallen von Sektkorken warte ich aber bis Mai, soviel habe ich in den vergangenen Jahren gelernt.

05. Februar 2013 Diese Woche und kommende könnte eine klassische Kältetrog-Lage sogar nochmal einige Tage Dauerfrost bringen. Aber nach der Erwärmung bisher wird es wohl kaum in den zweistelligen Bereich gehen.

15. Februar 2013 In der Tat, die zweistelligen Werte und längerer Dauerfrost wie 2012 blieben uns in diesem Februar erspart. Heute wieder einmal Schneefall, es sieht so aus, als wolle sich der Februar zum eigentlichen Wintermonat entwickeln. Ein Blick in die Geschichte belehrt allerdings, dass der Februar schon immer ein wichtiger Wintermonat war für Kälte- und Schneeereignisse. Und zwei der großen Frostkalamitäten für Olivenanbauer von 1929, 1956 und 1985 hatten ihren Höhepunkt (Tiefpunkt wäre wohl passender) im Februar! 1985 hatte zwar der Januar mehr und strengeren Frost im zweistelligen Bereich, doch auch der anschließende Februar brachte nach einer kräftigen Zwischenerwärmung Extremfrost (am 30.01.85 hatte z.B. Karlsruhe in der Rheinebene eine Maximaltemperatur von 10,4 Grad, am 12.02.85 dann eine Minimaltemperatur von -14,4 Grad).

22. Februar 2013 Bemerkenswert sind in diesem Winter die Bildungen von Kälteblasen über Mitteleuropa. Auch aktuell ist es auf eintausendfünfhundert Metern Höhe (850hPa) über Skandinavien und Weißrussland wärmer als bei uns!

27. Februar 2013 Am 9. März droht der Krim ein gewaltiger Frostfuß von Norden laut ECMWF. Das könnte für die wenigen Olivenbäume, die es dort noch gibt, gefährlich werden.

01. März 2013 Mit dem Februar konnte ich zufrieden sein, achtzehn Frosttage und neunmal nachts Temperaturen niedriger -5. Lediglich zwei Eistage bei durchgängig maximal einstelligen Minustemperaturen. Januar/Februar 2012 gab es fünfzehn Eistage am Stück und zwölf Tage mit zweistelligen Minustemperaturen!

07. März 2013 Unter Exotenpflanzern grassiert gerade die Angst vor der "Russenpeitsche" (die schon Ende November 2012 medial geschwungen wurde). Weniger dramatisch geht die Rede von einer "Arktispeitsche". Von -12 Grad in der Rheinebene wird gemunkelt. Angesichts der bereits gut aufgewärmten Böden bei uns habe ich selbst keine Befürchtungen - aber natürlich bleiben die Vlieshüllen noch dran! Die ECMWF-Prognosekarten zeigen, dass wir ohnedies nur an der Spitze der westlichsten Ausläufer liegen dürften, denen von Süden und Westen Warmluftzonen gegenüberstehen.

Ein erster Blick unter die Vlieshüllen lässt mich auch schon sehr optimistisch sein im Blick auf die Winterbilanz. Aber nun muss ich mich an meine eigene Mahnung der vergangenen Jahre erinnern: Nicht vor Mai die Sektkorken knallen lassen!

12. März 2013 Und wieder ein Frosteinbruch in den Bereich von -5 Grad, der dritte in diesem März. Heute abend wollte ich im Weinberg noch den Rebschnitt vom Wochenenende sichten und die Fruchtruten kürzen. Nach einer halben Stunde Eisregen habe ich aufgegeben. Aber dramatisch sind die Temperaturen nicht, kein Grund zur Sorge um die Oliven. Den unbedeckten Wildoliven, die den Winter ganz gut überstanden hatten, tut der Wechsel nun zwischen warmen Tagen und gelegentlichem Frost nicht gut, sie verlieren teilweise jetzt die Blätter, die noch vor zwei Wochen stabil waren.

15. März 2013 Das kalte Wetter geht weiter und hat jetzt auch einen Namen: "Märzwinter". Der liege zwischen Vorfrühling und Hauptfrühling. Meteorologen haben für alles zumindest hübsche Namen, auch wo sie keine überzeugende Erklärung haben. Das Wetter aktuell sei eine Wettersingularität oder ein Witterungsregelfall. Also ein regelmäßiger Einzelfall - alles klar? Dazu zählen die Schafskälte, das Weihnachtstauwetter und der Altweibersommer. Und eben auch der Märzwinter. Typischerweise komme der nach eher milden Wintern. Wird er also mit einer Klimaerwärmung häufiger? 2005 gab es einen, 2010 (wobei der Winter 2009/10 keineswegs mild war) und nun 2013.

04. April 2013 Im März ein Eistag und achtzehn Frosttage, fünfmal Frost unter -5 Grad! Der "Märzwinter" hält sich nicht an seinen Namen und geht noch fleißig im April weiter, was nun unter "Aprilwetter" laufen kann. Der Artikel über Olivenöl aus der "Apotheken Umschau" vom Februar, in welchem meine Oliven erwähnt werden, steht inzwischen auch im Netz.

Oliven ausgepackt
              Fruehjahr 201309. April 2013 Auspacken, es wird Frühling! Dabei überwiegend positive Eindrücke. Fast alle Oliven haben noch vitales Laub und Gezweig, teilweise vollständig! Negativ fallen die Leccinos auf. Der einzige noch nennenswert als Veredelung vitale Leccino von 2008 hat alle Blätter verloren, die beiden neu gepflanzten Leccino von 2012 haben fast die Hälfte der Blätter verloren. Außerordentlich positiv steht der Neuaustrieb 2012 der verbliebenen Olivastra Seggianese von 2008 da, die unter einem Korb mit Vlies (ohne Laub!) stand. Sehr positiv auch Ascolana, Bouteillan und Aglandaou. Der mickrige Neuaustrieb 2012 von Bianchera hat den Winter nach aktuellem Stand auch relativ gut überstanden. Offensichtlich hatte die kroatische Bianchera im Vorfrühling neu ausgetrieben, diese jungen Blätter sind dem Märzwinter zum Opfer gefallen und nun beim Auspacken abgefallen bzw. waren lose. Abwarten, was nun in der Frühjahrs-Entwicklungsphase passiert! Die einzelne Bouteillan-Olive war noch dran, schmeckte leicht ranzig.

16. April 2013 Bei einem der Leccino trocknen nun die verbliebenen Blätter ab, sie sind offensichtlich in der Vitalfunktion gestört, an Wassermangel kann es nicht liegen, es hat beim und nach dem Auspacken geregnet und der Boden ist feucht. Beim Umgraben von Erdhügeln in Olivennähe finde ich zahlreiche Maikäferengerlinge dicht unter der Oberfläche. Zu sehen sind überall Wühlspuren von Wildschweinen, die auf Engerlingsuche hindeuten. Die Engerlinge kommen also Bluehendes
              Tellerpfirsichbaeumchennun aus ihrem Winterquartier nach oben. Einige Regenwürmer sind noch in Winterstellung - eingekringelt in einer kleinen Höhle. Weitere Arbeiten: Stützpfähle teilweise neu ausrichten. Frühjahr ist eine gute Zeit, dann kann sich die Erde bis zur Belastung durch den folgenden Winterschutz noch gut festigen um die Pfähle.

Es blühen Rosmarin und Pfirsiche. Der französische Tellerpfirsich hat mit der Blüte eine Woche vor den Weinbergpfirsichen begonnen. Knospenentwicklung bei den Maulbeerbäumen sehr verhalten - haben sie vom Frostschock im letzten Jahr Mitte April "gelernt"? Erste Schmetterlinge: Tagpfauenaugen.

19. April 2013 Die Weinbergschnecken haben in diesem Winter sehr gelitten. Überall liegen leere Häuser herum. Unter dem Haufen toter Weinstöcke fand ich noch zahlreiche Schnecken eingedeckelt - vermutlich sind sie tot darunter, eine war auch ganz leicht.

Nun schwellen auch die Knospen der Maulbeerbäume und bei der Feige, der Nussbaum öffnet seine Knospen, der chinesische Gewürzbaum treibt an der Spitze ganz vielversprechend, Wu Wei Zi hat seine Blätter schon entfaltet. An einem Granatapfelbaum (vom Winterquartier im Treppenhaus wieder ins Freie gepflanzt) zahlreiche Blüten, aber auch Sonnenbrand an manchen Blättern. Am anderen, der im Freien überwintert hat, regt sich (noch) nichts.

Abkühlung am Abend, aber Frost droht wohl nicht mehr, das beruhigt.

26. April 2013 Erfreulich: Nun treibt auch der Granatapfel aus, der den Winter über unter Vlies draußen stand! Schmerzlich: Ein Rehbock hat den Tellerpfirsich zuschanden gefegt! Und zwar säuberlich den gesamten Neuaustrieb von 2012!

28. April 2013 Welch ein erbärmlicher Frühling. Wieder Temperaturen runter in den Bereich von 5 Grad, was für die Oliven erneut Vegetationsruhe bedeutet. Als neues Schadenssymptom an Oliven nun Schwarzverfärbungen vor allem an den jungen Zweigen. Zahlreiche bislang ungeschädigt scheinende Zweige drohen so nun abzusterben, die Flecken breiten sich zügig aus seit einigen Tagen. Teilweise verfärben sich ganze Zweige dunkel, schrumpfen dabei im Durchmesser erheblich, die Oberfläche wird leicht glänzend, schimmernd.

Ein Rehbock hat nun auch den älteren Maulbeerbaum erheblich geschädigt mit Fegen. Der Granatapfelbaum leidet sehr unter der kühlen Witterung, die Blätter sterben ab. Das ältere Exemplar Wu Wei Zi entwickelt wieder Blüten, das 2011 gepflanzte Exemplar treibt zwar üppig, bildet aber (noch) keine Blüten. Rosmarin blüht wunderbar, auch der kleine Strauch mit leichten Winterschäden an den Nadeln entwickelt Blüten. Ziziphus hat tiefe Risse in der Rinde vom Winter, auch die Kaki. Kaki und Feige entfalten ihre Blätter, Ziziphus rührt sich noch nicht.

05. Mai 2013 Die Wiese steht voll mit blühendem Ackersalat. Nun gibte es auch vereinzelt Blüten an der neuen Wu Wei Zi, der Duft der Blüten im Sonnenlicht atemberaubend. Sie schmecken auch ganz gut. Der chinesische Gewürzbaum zeigt, wo er hin will: Nach oben! Die Knospen am Stamm ruhen noch, aber oben entfaltet sich ein ganzes Wedelbüschel. Der Granatapfelbaum hat sich nun, wo es endlich wärmer geworden ist, wieder erholt. Die Blüten sind allerdings abgefallen. Überall huschen Eidechsen herum. Die Weinbergschnecken sind fleißig am Paaren.

Schwalbenschwanz bei der Eiablage. Die Wiese steht voll mit junger kanadischer Goldrute. Meine Bekämpfungsmaßnahmen bisher (Ausroden, Blütenansätze abreißen) waren weitgehend sinnlos. Die Samen wehen offensichtlich von überall her ein, es gibt zahlreiche neue Standorte. Also arrangieren damit, durch Schnitt eindämmen. Was allerdings wohl bedeutet, dass meine Kalkastern verschwinden werden. Denn arrangieren heißt auch im Herbst die Wiese schneiden - wenn die Kalkastern noch nicht Samen gebildet haben.

09. Mai 2013 Rosenkäfer (metallisch grün glänzend - nicht zu verwechseln mit Mai- und Junikäfern - Käfer des Jahres 2000, geschützt, kurze Engerlinge im Kompost) in Fülle an den Blüten der Roten Heckenkirsche. Auch sonst zahlreiche Insekten dort. Im Rosmarin schwirrt und brummt es. Ziziphus treibt nun kräftig aus, an den Maulbeerbäumen und an der Feige zahlreiche Fruchtansätze. Auch an den Pfirsichbäumen erscheinen die ersten Fruchtrundungen.

16. Mai 2013 Kühl, regnerisch - welch ein Mai! Aber eine freudige Botschaft: Mein Sorgenkind Schisandra (Wu Wei Zi) bildet nun auch Früchte, zum ersten Mal seit der Pflanzung 2008. Ob es die eher regenerisch-kühle Witterung ist, die ihr gut tut? Dass sie die Sonne/Hitze bei uns in der badischen Weinberglage nicht sonderlich mag, habe ich ja bereits in den vergangenen Jahren registriert und sie Junge Olive im Mai auf einer Wiese
              mit bluehendem Leinentsprechend halbschattig umgepflanzt.

28. Mai 2013 Die meisten der im vergangen Jahr gepflanzten Oliven treiben nun trotz insgesamt kühler Witterung (mit aufkommender Sonne und Wärme gestern und heute) eifrig aus den Achseln der im Winter erhalten gebliebenen Blätter. Im Hintergrund blüht blau der Lein. Einen der 2012 gepflanzten Leccino musste ich bis auf 15 Zentimeter über dem Boden zurückschneiden, er ist im Winter abgefroren, totes Kambium.

Allen Ökologen und aktiven Naturfreunden sollte ermöglicht werden, drei Jahre ein kleines Landstück mit Weinstöcken oder Streuobst selbst zu bewirtschaften, 2 ar dürften dabei genügen. Was ich mit den Oliven und meinem kleinen Weinberg gelernt habe, ist nicht theoretisch einzuholen und ergänzt vortrefflich meine Beschäftigung mit Naturkonzepten und Ökologie. Heute im aufkommenden Sturm um die Rebstöcke Gras rupfen und Mausgänge hacken war einerseits eine wunderbare Erfahrung, andererseits weckte es auch ein gewisses Verständnis für konventionelle Weinbergpflege mit Motorgerät und Herbiziden im Stockbereich.

05. Juni 2013 Historischer Tag für meine Olivenanlage: Ich habe die fünf von der ersten lockeren Pflanzung 2008 noch - rudimentär - verbliebenen Oliven in die Reihen umgesetzt. Damit kann die Pflege und auch der Winterschutz effektiver werden. Der "Erholungswert" des Grundstücks - und damit mein Interesse, dort mehr Zeit als unbedingt notwendig zu verbringen - geht ohnedies dank der Aktivitäten eines bestimmten Landwirts merklich zurück.

06. Juni 2013 Ich hab die Wiese gesenst, da hat ein Landwirt in der Umgebung großflächig seine Maisäcker mit Herbiziden besprüht (einige Tage später erkennbar geworden). Als ich brennende Augen, Kratzen im Hals und Jucken auf der Haut bekam, bin ich gegangen. Zuhause haben meine Hände - noch nach dem Waschen! - nach Chemie gestunken, der Geruch, den ich von Baygon kenne (aus Kasachstan, dort gegen Kakerlaken sehr beliebt) - kein Herbizid. Wie lange wird diese Absurdität noch weitergehen, dass wir uns und die Umwelt vergiften um etwas zu erzeugen, das dann zur (weitgehend ineffizienten und in der Ökobilanz hoch problematischen) Energiegewinnung eingesetzt wird oder zur Produktion von Unmengen Billigfleisch dient, das uns krank macht!?

09. Juni 2013 Zeit für die

WINTERBILANZ:

Zu den Pflanzen von 2008: Ein Leccino ist vollständig abgestorben, habe ich entnommen. Zwei Leccino sind oberirdisch abgestorben und zeigen keinen Neuaustrieb, sind aber stark verwurzelt, hab ich noch belassen. Ein Maurino ist oberirdisch abgestorben, hab ihn entnommen. Er hatte starke intakte Wurzeln (weißes, gesundes Gewebe), aber ohne jeden Ansatz von Neuaustrieb. Drei in den vergangenen Seggianes mit
              Neuaustrieb nach dem Frost 2012Jahren fast bis zum Boden zurückgefrorene Leccino haben edle Zweigansätze und Blätter vom Vorjahr erhalten und treiben neu. Zwei treiben aus der Unterlage. Die große positive Überraschung ist Olivastra Seggianese. Zwei der drei von 2008 verbliebenen Exemplare haben den Winter mit vitalen Zweigen und Blättern überstanden und treiben intensiv neu aus! Eine davon ist komplett mit einem schon 2011 angesetzten Austrieb von 2012 (als ich den Stamm nach dem Frostfebruar gekappt hatte) erhalten (s. Foto) - wobei die Blätter auf Wildolive hindeuten, alledings erstaunlich groß sind! Argument dafür, "Succer" stehen zu lassen bei uns. Die dritte hatte schon im vergangenen Jahr nicht mehr ausgetrieben.

Die Ikea-Olive von 2009 ist abgestorben oberirdisch und zeigt keinen Neuaustrieb, ist aber gut verwurzelt. Das Ascolana-Exemplar von 2009 treibt aus der Unterlage. Die zwei Gartencenter-Oliven von 2009 treiben fleißig Wildolive aus der Unterlage.

Der 2012er Austrieb einer der beiden Bianchera von 2010 hat den vergangenen Winter vorzüglich überstanden und treibt gut aus. Die andere Bianchera treibt bodennah zaghaft, offensichtlich Wildolive. Der verbliebene Leccio von 2010 treibt schwach neu.

Ein Leccino von 2012 ist weitgehend am Winterschaden abgestorben, treibt aber aus den unteren 15 Zentimeter Stamm gut neu aus. Überwiegend gut mit Laub erhalten blieben alle anderen Neupflanzungen von 2012, wobei der zweite Leccino nicht in sonderlich gutem Zustand ist, nur ganz spärlich in einzelnen Blattachseln austreibt. Bouteillan treibt lebhafter aus als Aglandaou. Die beiden Ascolana von 2012 sind in sehr gutem Zustand.

Die mit Laub gefüllten Körbe haben sich als Winterschutz nicht wirklich bewährt. Die Blätter und Zweige der Pflanzen darunter sind weitgehend abgestorben. Vlies taugt mehr!

10. Juni 2013 Weiterhin bizarre Wetterentwicklung. Weiter Regenfälle, obgleich nun längere Zeit ohne Regen vorhergesagt war. Wetterberichte weitgehend sinnlos geworden über einen Tag hinaus. Vorherrschende Windrichtung seit mindestens einem halben Jahr nach meiner Wahrnehmung Ostwind! Zunehmende Ostwindlagen hatte ich schon in den vergangenen Jahren beobachtet. Zugegeben: Subjektive Eindrücken, nicht verifiziert durch Aufzeichnungen. Doch meine Beobachtungen werden von verschiedenen Seiten bestätigt, so etwa in diesem Frühjahr am Flughafen Düsseldorf und insbesondere vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Dort wird im Blick auf eine Analyse der Hochwasserereignisse in Ost- und Süddeutschland von einer Zunahme von Ostwind-Wetterlagen in den vergangenen 20 Jahren gesprochen. Bald werden die Bäume auf der Ostseite angemoost sein und die Pfadfinder umlernen müssen!

12. Juni 2013 Die ersten Blütenknospen an einzelnen Olivenpflanzen, die ich 2012 pflanzte. Und zwar an vier Aglandaou (von sechs) und einer Ascolana (von zwei). Zu erwarten sind also die ersten Blüten an Pflanzen, die den Winter über im Freien standen! Was nach dem relativ milden Winter 2012/13 - keine zweistelligen Fröste - auch nicht erstaunt.

Daraus und aus der Winterbilanz also nun klar für meine Boden- und Klimaverhältnisse die - natürlich nur relative - Empfehlung für Aglandaou, Ascolana und O. Seggianese! Wobei Winterschutz gegen Frost notwendig ist und besonders O. Seggianese im Winter auch gegen Feuchtigkeit geschützt werden muss! Vielversprechend ist auch Belica/Bianchera. Also wären in meinem Idealhain Frankreich, Italien und Kroatien vertreten. Schade nur, das Belica/Bianchera und Olivastra Seggianese für mich nicht einfach zu bekommen sind.

Granatapfel
              blüht18. Juni 2013 Die kurze Hitzewelle tut meinen Pflanzen sehr gut. Die Oliven treiben und bilden weitere Blütenstände. Beide Granatapfelbüsche blühen! Paw Paw könnte in diesem Jahr die ersten Früchte bilden, vielversprechende Ansätze dazu sind da. Auch Schisandra hat zum ersten Mal Beerentrauben entwickelt, die bald reifen dürften, und entwickelt nun dunkelgrünes Laub - wobei ich Schisandra bisher als eher hitzeempfindlich kennen gelernt hatte, diese Pflanze irritiert mich weiterhin. Ziziphus genießt die Hitze ohne Zweifel. Auch Kaki und Feige freuen sich, dass die kühle Periode nun vorbei ist. Ich bin gespannt, wie sie auf den erneuten - aber wohl nicht mehr so gravierenden - Temperaturrückgang reagieren werden.

23. Juni 2013 Bambi hat erneut zugeschlagen: Eine Bouteillan ist halb zuschanden gefegt. Dazu hat Bambi fast alle Felsenbirnen aufgefuttert - und die umliegenden Blätter und Triebe gleich mit. Wie Menschen häufig: Im Genuss wird das zerstört, was den Genuss bringt. Schisandra leidet wieder, die Blätter vergilben, Triebe sterben ab. Windstress? Temperaturdifferenzen-Stress?

06. Juli 2013 Die Feige treibt nun zahlreich neue Früchte, nachdem die ersten in den Fast-Frostnächten Ende Mai (24. und 25. Mai) abgefallen sind. Die schwarzen Maulbeeren sind großteils schon reif, bei den weißen nur vereinzelte Exemplare. An der Paw Paw entwickeln sich fünf Früchte weiter - das wird spannend! Die beiden Granatapfelbüsche blühen weiter üppig. Schisandra irritiert sehr: Vereinzelt stehen nun strotzend gesunde, tiefgrüne Blätter zwischen der eher blässlichen, teilweise mit braunen, nekrotischen Punkten gesprenkelten Mehrheit. Im Weinberg erheblicher Peronospera-Befall.

Bei den Oliven verbräunen bereits erste Blüten, bald dürften die ersten Fruchtknöpfchen kommen. Während direkt daneben teilweise noch Blütenknospen geschlossen sind.

15. Juli 2013 Die Rehböcke geben sich große Mühe, dem Frost als Bouteillan
              gefegt von Rehbockmeinem Hauptgegner den Rang abzulaufen.  Nun hat ein Bock meinen großen Granatapfel zuschanden gefegt. Der vor dem 23. Juni gefegte Olivenzweig (s. Foto rechts, rechter Zweig) von Bouteillan wirkt - trotz Sommerhitze und Trockenheit - noch vollkommen vital . Obgleich die Blätter keinerlei Feuchtigkeitsnachschub mehr haben. Sehr trügerisch. Aber das Phänomen kenne ich ja schon von abgerissenen Zweigen, die den ganzen Winter über perfekt konserviert bleiben. (Einschub: Ende Juli trocknet der Zweig dann zügig ab, die Blätter verbräunen.)

Bei den Oliven die ersten Stecknadelköpfchen. Schisandra hat sich erholt, treibt nun auch aus dem Wurzelbereich intensiv neu aus. Die Wiese wächst wie närrisch, da ist nichts mehr vom Frühsommerschnitt zu sehen. Maulbeerblätter vergilben, sie haben wohl Trockenstress.

03. August 2013 In den frühen Morgenstunden pflanze ich drei Moufla, eine rare französische Varietät, deren Frosthärte oft gepriesen aber nur einmal primär belegt ist - von dieser einen Quelle scheinen alle anderen abzuschreiben. Die zweijährigen Pflanzen machen einen sympathischen Eindruck und haben ein auffallend vitales Wurzelwerk. Ich habe die Pflanzen von einem anderen Olivenenthusiasten erworben, der sich eine Lieferung von einer Baumschule in Südfrankreich hatte schicken lassen. Er experimentiert schon seit 2004 mit Oliven und kann sogar Erfolge mit Stecklingen vorweisen! Zwei- oder dreijährige Zweige haben, im Frühling 2012 direkt in die Erde in einem Kalthaus gesteckt und mit Wurzelungshormonen vom Gärtner behandelt, zu 50% gewurzelt!

06. August 2013 Die lange hitzige Trockenheit hat den Olivenfrüchtchen nicht gutgetan. Die meisten sind abgefallen, nur an Aglandaou hängen noch einige Stecknadelköpfe. Aber bald kommt ja Regen. Für die neugepflanzten Moufla war die Witterung der letzten Tage ganz passend. Zwar immer noch heiß, aber häufig auch bewölkt und somit nicht allzu stressig. Gegossen habe ich die natürlich, während ich sonst mit Gießen bei den Oliven sehr zurückhaltend bin.

09. August 2013 Für die anderen Exoten ist es ein Jahr der Früchte. Nach Schisandra und Paw Paw fruchtet nun auch der Ziziphus zum ersten Mal (gepflanzt 2008!) - allerdings extremst bescheiden, bislang habe ich gerade einmal drei Fruchtansätze zu "Datteln" gezählt. Es ist zu vermuten, dass die wärmeliebenden Bäume und Sträucher mit den vorangegangenen strengen Wintern Probleme hatten, die das Fruchten negativ beeinflussten.

Wachstum der Oliven jämmerlich in diesem Jahr! Der kühle Mai hat die wohl alle erschreckt. Auch die Maulbeerbäume kümmern und die Kaki hat ungesunde, gelbe Blätter in der Krone, während die Neuaustriebe von der Basis stabil grün sind und der Fruchtertrag gut. Hervorragend geht es in diesem Jahr den Weinbergpfirsichen und der Paw Paw (dürfte an den gut verteilten Niederschlägen liegen).

15. September 2013 Ein bemerkenswertes Jahr für die Oliven: Der mildeste Winder (trotz seiner Länge) seit 2008 - aber kaum Wachstum im Jahresverlauf danach. Nun setze ich noch mehr Hoffnung als bisher schon auf das Jahr 2014. Vielleicht an einem neuen Standort, denn um das Grundstück herum breiten sich die Maisäcker aus - mit entsprechenden Einträgen, Maschinenaufmärschen und so fort. Dem Wein und den Weinbergpfirsichen fehlen nun Wärme und Sonne. Kommt da noch was?

22. September 2013 Am Kaki-Baum löst sich die Rinde in Bodennähe - und zwar ringsum. Oberhalb etwa 20 Zentimeter vom Boden ist das Lösen gestoppt durch die Ausbildung einer harten Borke unter der weichen Jugendrinde, ebenso nach unten bei etwa 5 Zentimeter über dem Boden. Es könnte sich um den Bereich handeln, der bei Frost besonders gefährdet ist, also um einen Spätschaden zum Februar 2012 mit seinem Extremfrost. Erstaunlich, dass trotz dieses Rindenschadens sich üppig Früchte gebildet haben und die Blätter noch relativ grün sind. Kaki scheint in der Tat eine Pflanze mit erstaunlichen Überlebensstrategien zu sein. Unter der abgestorbenen Rinde zeigte sich das Kambium schwarz. Ich habe mit Wundwachs eingeschmiert und warte ab. Es gibt auch einige schöne Basisaustriebe, die ich wohlweislich stehen ließ, da mir der Baum schon im vergangenen Jahr nicht wirklich gesund schien.

13. Oktober 2013 Ostwind, Ostwind, Ostwind. So könnte die Überschrift für dieses Gärtnerjahr lauten. Oder auch Kühle, Kühle, Kühle. Für die Oliven war es kein ganz schlechtes Jahr, insofern sie weitgehend mit intaktem Gezweige und Laubwerk aus dem Winter kamen. Und doch auch kein gutes Jahr, insofern sie im Sommerhalbjahr kaum oberirdisch zugelegt haben. Nun hoffe ich einmal, dass sie stattdessen unterirdisch zugelegt haben. Wie hieß es früher einmal in Olivenanbauländern: Olivenbäume pflanzt man für die Enkel. Für Deutschland könnte der Spruch wieder gelten. In den Wetterberichten wird nochmal Wärme versprochen.

29. Oktober 2013 Zurück von einem Wochenende im Piemont. Seit 2003 läuft dort die Wiederbelebung des Olivenanbaus, inspiriert durch den Klimawandel. Mit 30 Euro/Liter Öl wird teilweise spekuliert. Argumentiert wird u.a. mit den lange zurückreichenden Traditionen im Olivenanbau dort, worauf etwa Ortsbezeichnungen wie Monteoliveto bei Cortemilia hinwiesen. Was nicht immer stichhaltig ist, denn Monteoliveto oder ähnliche Namen können auch auf Gründungen durch die Benediktiner von Monte Oliveto hindeuten (bei Cortemilia scheint das der Fall zu sein). Nebenbei weist auch der "Ölberg" am Kaiserdom zu Speyer nicht auf einen Olivenanbau, sondern auf den christlichen Kultus hin. Was wir über den Weinbau im Piemont erfuhren und sahen, war auch nicht sehr ermutigend für den Olivenanbau daselbst. Die traditionelle Dolcetto-Rebe bevorzugt eher feucht-gemäßigtes Klima, das auch zu Reifungsfehlern und Pilzerkrankungen führen kann. Anspruchsvollere Rebsorten reifen oft nicht aus. Wir sahen ähnliche Schäden wie in diesem Jahr hier im Badischen. Im Temperaturvergleich war es teilweise in Bruchsal wärmer als in Cortemilia. Heute ist es allerdings in Cortemilia wesentlich wärmer.

31. Oktober 2013 In der vergangenen Nacht der erste Frost in diesem Winter, knapp unter Null. Das wars dann aber fürs erste schon wieder mit Winter.

18. November 2013 Die ersten Bäume eingepackt für den kommenden Winter. Für die kommenden Tage ist einiges an Regen angesagt, so dass ich den trockenen Tag heute nutzen wollte. Frostabstürze sind zwar noch nicht angekündigt, aber ich habe wenig Vertrauen in den kommenden Winter, erwarte erneut unangenehme Überraschungen bzw. "Auffälligkeiten". Die Klimaentwicklung in diesem Jahr mit erneut häufigen Ostwindlagen und ungewöhnlich kühlen Nächten von Nord- bis Südeuropa lassen wenig Raum für die Erwartung eines milden oder auch nur durchschnittlichen Winters.

25. November 2013 Nun sind alle Oliven in Vlies eingepackt, die Feige und ein junger Ziziphus jujuba (chinesische Dattel) auch. Bei den Oliven habe ich teilweise eine neue Verpackungstechnik erprobt, nach Südwest hin 4-6-lagig, nach Nordost hin mit einem dicken Vliespolster insbesondere in Bodennähe (dort mindestens 20 Zentimeter Stärke). Gegen den andauernden Bodenfrost von Februar 2012 würde auch dies nicht helfen - aber ansonsten sollten die wahrscheinlichen Widrigkeiten abgefangen werden.

11. Dezember 2013 Auf der Seite des European Centre for Medium Range Weather Forecasts (ECMWF) düstere Vorzeichen für den Olivenanbau in Nordgriechenland, Kroatien und Mittelitalien. Ausgeprägte Kälte-Keilformationen von Norden herab über Russland bis in diesen Bereich schon jetzt. Im Januar könnte eine solche Formation zerstörerisch werden. So mal ganz dilettantisch dahin geplappert.

Monatsthema Januar: Niederschläge und Wind
Auch bei mildem Dezemberverlauf und vielen Versprechen auf einen milden Winter sollten allerspätestens Anfang Januar die Frostschutzmaßnahmen stehen, denn vorläufig gibt es einfach keine zuverlässigen Langfristprognosen. Und eine Nacht unter -5 Grad kann nach warmen Tagen schon Rinde zum Platzen bringen und Cambium schädigen. Lieber ein bisschen pessimistischer sein.

Januar ist der Monat, in welchem vor allem gefrierende Niederschläge Probleme bereiten können. Schneeregen, der das Holz junger Bäume nässt und anschließend dort gefriert, zerstört die Rinde. Daher benötigt der Januar, zumindest in unseren Breiten, frost- und nässefeste Einhüllungen. Ich habe gute Erfahrungen mit Thermovlies M85 gemacht, das schon bei zwei Lagen weitgehend sicher ist gegen das Durchschlagen von Nässe.

Ansonsten kann Januar als ein wenig mit Frost belastender Monat gelten, da die Temperaturen in der Regel nicht allzu sehr schwanken, der niedrige Sonnenstand verhindert die großen Tag-Nacht-Temperaturdifferenzen, die durch Aufwärmung tagsüber bei Nachtfrost in den Monaten November und vor allem im Februar den Pflanzen Probleme bereiten können. So können die Pflanzen ihren eigenen Frostschutz kontinuierlich aufrecht erhalten. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen, etwa den Januar 2012. Zudem genügend für böse Rindenrisse auch geringe Schwankungen um den Gefrierpunkt, vor allem bei Nässe.

Besonders nerven können im Januar die gelegentlichen Stürme, die mich 2010 (Daisy und Co.) und 2011 geplagt haben. Da müssen öfter mal die Einhüllungen überprüft werden und neu festgezurrt. Denn die beste Hülle nützt nichts, wenn der Wind darunter greifen kann und die Pflanzen auskühlt. Zudem werden Oliven auch von Wind selbst gestresst. Es sind vor allem Januarwinde, die Frostschutzeinhüllungen oder -bauten in ausgesetzten Lagen sehr schwierig machen. Dafür bietet der Monat oft schöne Fotomotive, mit Schnee und Eis auf den Schutzverpackungen vor blauem Himmel.

Monatsthema Februar: Dauerfrost
Da der Winter in der Regel im Januar oder Anfang Februar schon mal intensiver pausiert und eine Erwärmungsphase eintritt, wird man als Exotengärtner dazu verleidet, vorzeitig aufzuatmen. Der Februar sollte jedoch als Wintermonat von Olivenhainbesitzern auch im nördlichen Mittelmeerraum sehr ernst genommen werden! Gerade der Februar hat in der Geschichte immer wieder mit fatalen Frostereignissen überrascht. Das verdankt sich vor allem den häufigen lang anhaltenden Ostwindperioden in diesem Monat, die zum Beispiel 1956 die Olivenhaine in Südfrankreich und 1985 die Olivenhaine in der Toskana weitgehend zerstört haben.

Problematisch im Februar sind einmal starke Temperaturdifferenzen, die den Pflanzen zu schaffen machen. Tagsüber kann es gerade unter falsch angelegten Einhüllungen zu enorm hohen Temperaturen bei Sonneneinstrahlung kommen, während es nachts bis in den zweistelligen Bereich bei Strahlungsnächten abkühlen kann. Das zweite gravierende Februarproblem ist der Dauerfrost, der vor allem ohne Schneebedeckung zu massiven Schädigungen auch im Wurzelbereich führen kann. Der Dauerfrost unterkriecht nach etwa fünf Tagen auch die Einhüllungen der Bäume vollständig. Damit entsteht ein zusätzliches Koppelungsproblem aus den beiden Hauptproblemen: Frost im Wurzelbereich und starke Erwärmung im Kronenbereich bei Sonneneinstrahlung.

Es ist also besonders der Februar, der Einhüllungen mit Kunststofffolien/Thermofolien, die sich bei Sonnenbestrahlung stark erwärmen, problematisch macht. Für den Februar sollte gegebenenfalls auch die Bodenabdeckung nochmal überprüft und verbessert werden, um die Auswirkungen von Dauerfrost auf den Wurzelbereich zu mildern. Das kann durch Laubanhäufung geschehen oder durch Vliesabdeckungen - mit einem Radius von mindestens eineinhalb Metern. Allerdings sollte diese Abdeckung dann bei Erwärmung (spätestens im März) wieder entfernt werden, da sie nicht nur den Frost vom Boden zurückhält, sondern natürlich auch anschließend die Kälte im Boden gegen Erwärmung "schützt".

Der Februar macht uns darauf aufmerksam, dass unsere Frostschutzmaßnahmen immer auch eine paradoxe Wirkung haben, insofern sie nicht nur Frost abhalten, sondern umgekehrt auch Kälte konservieren.

Monatsthema März: Trockener oder frostiger Boden
Im Märzen der Bauer und so - aber Vorsicht! Der Temperaturverlauf von Karlsruhe seit 1876 belehrt mich, dass der März durchaus frostige Tücken haben kann. So wurden 2005 am 1. März in der Rheinebene bei der Fächerstadt -14,6 Grad gemessen. Dennoch, in diesem Monat beginnen die Frühjahrsvorbereitungen, die Pflanzen können in der Regel - nach einer kritischen Sicht auf die Prognosen des ECMWF (European Centre for Medium-Range Weather Forecasts) - spätestens Mitte des Monats ausgepackt werden. Dies sollte abends oder bei bewölktem Himmel geschehen, um den Pflanzen die Anpassung an die neuen Verhältnisse zu erleichtern. Nach dem Auspacken gleich pralle Sonne zu erleben, bedeutet Stress für die Pflanzen.

Auch empfiehlt sich nach dem Auspacken das Besprühen mit einer leichten Salz- und Nährlösung, da der Safttransport unter Umständen durch Schädigungen des Xylems reduziert ist. Gegen Rindenrisse durch Temperaturspannungen und zur allgemeinen Vitalisierung der Pflanzen kann ein pflegender Kalkanstrich (Baumanstrich, Kalkmilch) auf die Stämme und Äste aufgebracht werden. Auch dies sollte nicht bei praller Sonne, sondern am besten abends geschehen (natürlich nicht, wenn in der Nacht darauf Frost erwartet wird).

Was häufig vergessen wird: Oliven assimilieren auch im Winter bei Temperaturen ab etwa 5 Grad plus. Das heißt, sie entziehen dem Boden dann auch Feuchtigkeit. Das sollte auch bei Zimmeroliven gebührend berücksichtigt werden. Und natürlich kann der Freilandboden im Winter keine Feuchtigkeit von Niederschlägen aufnehmen, wenn er durch Frostschutzmaßnahmen bedeckt ist! Daher ist nach einer winterlichen großflächigen Abdeckung des Bodens (etwa durch Tunnels oder ausgebreitete Vlieseinhüllungen) nun zu gießen.

Böse Überraschungen kann der März bereiten, wenn sich schon frische Blattknospen gebildet haben und diese dann erfrieren. Für die Pflanzen bedeutet dies einen enormen Stress und als Reaktion darauf warten sie mit den Neuaustrieben zum Frühjahr sehr lange, unter Umständen bis Anfang Juni!

Monatsthema April: Spätfröste
Noch stärker als im März drohen im April Versorgungsmängel durch Bodentrockenheit oder reduzierte Leistung des Xylems. Da Oliven Feuchtigkeit und Nährstoffe gut durch Blätter und junge Rinde aufnehmen können, hilft hier neben Gießen auch Besprühen. Um Spannungen in der Rinde durch Temperaturdifferenzen bei nun schon starker Sonneneinstrahlung zu reduzieren, bietet es sich an, im April die Stämme zu weißen. Die angebotenen Präparate stärken in der Regel auch die Vitalität der Pflanzen. Natürlich ist darauf zu achten, dass nicht vor der Trocknung Frost zu erwarten ist. Auch der April bringt gelegentlich Frostnächte. Besprühen mit leichten Salzlösungen (nicht stärker als 1,5%) empfiehlt sich hier als Unterstützungsmaßnahme. Ein Spätfrost wie der in der Nacht vom 16. auf den 17. April 2012 ist allerdings für frische Blattknospen fatal. Bei -5 Grad sind hier in Obergrombach z.B. die Kiwi-Knospen ganz, Maulbeerknospen teilweise erfroren.

Im April rührt sich die Vegetation auf der Wiese schon kräftig, die Grau- und Brauntöne werden durch frische Grüntöne verdrängt, der Gärtner im Olivenanbauer darf sich schon freuen. Auch bei den Oliven regt sich nun einiges, die ersten Blatt- und Blütenknospen bilden sich, falls der Winter nicht zu streng war. Je nach Witterung können auch schon junge Triebe wachsen. Jetzt sollte - bei Bedarf - auch mineralischer Dünger ausgebracht werden, damit er in der Wachstumsperiode Mai/Juni den Pflanzen zur Verfügung steht. Bei kalkhaltigen Böden empfiehlt sich Kaliumsulfat, bei eher sauren Böden Kaliumcarbonat (Pottasche). Kalium ist wichtig für den Wasserhaushalt und damit auch die Frosthärte. Bei entsprechendem Bedarf des Bodens ist auch Magnesium zu geben. Für Stickstoffgaben ist es in der Regel noch zu früh.

Durch Schnitte an abgestorbenen Zweigen kann schon die erste Schadenskontrolle stattfinden - allerdings bedeutet Vitalität im April keineswegs, dass der betreffende Zweig/Ast/Stamm den Winter tatsächlich gut überstanden hat. Absterben können etwa vitale Zweige oberhalb von Schädigungen auch noch im Mai, wenn der eigentliche Vegetationsschub für Oliven kommt - und damit auch erhöhter Versorgungsbedarf.

April ist eine günstige Zeit für Pfropfungen, da die Säfte nun (vor allem in der zweiten Monatshälfte) fließen und die notwendigen Knospungshormone bereitstehen. Die Pfropfstellen müssen gut gegen Austrocknen geschützt werden, etwa durch Aluminiumfolie, welche Sonne reflektiert und Feuchtigkeit zurückhält. Ein Spätfrost kann allerdings die Pfropfung schädigen, daher ist man erst Ende April auf der sicheren Seite. Auch für Neupflanzungen ist der Monat günstig, aber auch Anfang Mai ist man damit noch gut beraten.

Monatsthema Mai: Mäuse und anderes Getier
Nun können die Olivenanbauer in Grenzlagen endlich Aufatmen. Der Winter ist definitiv vorbei, auch für empfindliche Olivenbäume droht nun kein Ungemach mehr, selbst frische Blattknospen sind hier im Badischen Weinbaugebiet nicht mehr durch Spätfröste gefährdet. Erst jetzt ist auch die gültige Bilanz zu ziehen, welche Schädigungen der vergangene Winter jeweils gebracht hat. Denn unabhängig von eventuellen Spätfrösten bringt erst der Mai mit seinen hohen Anforderungen an die Saftleitungsbahnen der Pflanzen zum Vorschein, wo diese zwar nicht zerstört, aber doch erheblich geschädigt wurden. Was nun noch grün ist, wird es für dieses Jahr auch bleiben.

Im Mai bilden sich die Blütenknospen, teilweise entfalten sich auch schon die unspektakulären Blüten, die bei Trocken- oder Windstress häufig abfallen vor der Fruchtbildung. In Trockenperioden sollten Jungbäume daher schon jetzt gelegentlich gegossen werden. Dies hilft auch bei der Bildung von Neuholz, die in unseren Regionen möglichst früh im Jahr erfolgen sollte, um vor dem nächsten Winter Stabilität zu erreichen. Ende Mai kann daher an Stickstoffgaben gedacht werden - am Besten über Kompost, Hornmehl oder Schnittmaterial von der Olivenwiese, das um die Bäume gehäuft wird, mit gebührendem Abstand zum Stamm.

Schermäuse haben nun ihre Wintervorräte aufgefressen und sind unterwegs auf der Suche nach neuer und frischer Beute. Aus diesem Grund sollte daher schon Anfang Mai in etwa 30 Zentimeter Abstand vom Stamm umgegraben werden, vorzugsweise mit einer Grabgabel. Eine Maßnahme, die auch zur biologischen Stickstofffreisetzung dient, winterliche Grabgänge von anderen Mäusen oder Maulwürfen schließt, Regenwürmer aktiviert und förderliche Biomasse in den Boden einbringt. Anschließend sollte bei Schermausvorkommen regelmäßig der Bereich um die Stämme etwa mit einer Grabgabel sondiert werden. Auch an Rindenschutz ist je nach Lage zu denken, etwa gegen fegende Rehböcke oder knabbernde Kaninchen - mit Kunststoffmanschetten oder Schilfmatten.
Monatsthema Juni: Blüte und erste Fruchtknospen

Auch bei jüngeren Pflanzen bilden sich nun bei frühen Sorten die ersten Fruchtansätze, stecknadelkopfgroß. Andere Pflanzen kommen erst jetzt in die Blüte - das ist stark sorten- und witterungsabhängig. Wenn die Fruchtknöpfe eintrocknen, deutet dies meist auf Wurzelschädigung hin. Wurzelschädigungen können ein Resultat des Winters sein oder auf Schermausfraß zurückgehen. Ein leichtes Ziehen am Stamm bringt hier Aufklärung. Sitzen die Wurzeln sehr locker, war wohl eine Schermaus am Werk. Meist können Sie den Baum dann ohne Widerstand aus dem Boden ziehen. Ansonsten bekommen sie mit behutsamem Freilegen der Wurzeln Klarheit. Die Schermaus-Fraßspuren an den Wurzeln sind biberähnlich. In der Regel ist die Wurzel komplett fast bis zur Bodenlinie abgefressen, diese Tierchen machen keine halben Sachen, sondern volle Ernte. Sollten vor allem Feinwurzeln angefressen sein, könnten auch Maikäfer-Engerlinge beteiligt sein - die werden sie dann beim Angraben schnell entdecken.

Manchmal beginnt im Juni schon die sommerliche Holzwachstumsruhe, nach dem ersten Schub im Mai. Das ist kein Anlass zur Sorge, wenn die Wurzeln geschädigt sind, macht sich dies deutlicher durch schlappe Triebspitzen oder trocknende Fruchtknöpfe bemerkbar. Die Wachstumspause im Juni lässt vermuten, dass sich die Pflanze nun auf Wurzelwachstum und Fruchtbildung konzentriert. Nicht zu sehr gießen, das würde die Wurzelbildung negativ beeinträchtigen, Wurzeln nach oben statt in die Tiefe ziehen.

An Neupflanzungen und bei Jungbäume mit Fruchtknospen sollte bei heißem Juniverlauf der Boden auf Trockenheit hin untersucht werden und gegebenenfalls gegossen. Aber bitte nicht einschlämmen oder sonst wie ertränken! Oliven mögen keine Stau- oder Dauernässe. Die Kompost-/Wiesenschnittringe um die Bäume sollten nun gelockert werden, damit sich dort nicht die Mäuse zu wohl fühlen. Machen sie sich keine Sorgen, wenn dort Tausendfüßler, größere Spinnen oder Käfer zu sehen sind. Das sind Zeichen für ein intaktes Ökosystem. Auch Maulwurfsgrillen, die in lockerer Erde und Kompost vorkommen, sind entgegen häufiger Gärtnermeinung unschädlich. Sie ernähren sich von Insekten, lediglich beim Graben können sie mal Feinwurzeln stören.
Monatsthema Juli: Beobachten und sich freuen
Nach strengen Wintern kann es sein, dass erst im Juli nennenswerte Austriebe stattfinden! Hier sollte dann auf keinen Fall ein "Erziehungsschnitt" angewendet werden. Alles wachsen lassen, die Pflanzen brauchen alle Blätter für die Zuckereinlagerung - also den Frostschutz - vor dem Winter! Überhaupt muss bei uns gelten: Zurückhaltend schneiden.

Im Juli entwickeln sich bei guter Blüte im Mai/Juni teilweise schon Früchte zu ansehnlichen Formen, selbst bei Neupflanzungen zweijähriger Heister können sich einzelne Früchte entwickeln. Dabei gibt es große Sortenunterschiede. Bouteillan entwickelt eher bescheiden Blüten, dafür kräftige Früchte. Leccino, in Olivenanbauländern bekannt für seine üppigen Ernten, bildet auch in Deutschland zahlreiche Blütentrauben und viele Stecknadelkopf-Früchtchen. Davon gehen allerdings Juni/Juli schon viele verloren, fallen ab - auch bei ausreichendem Gießen. Es entwickeln sich in der Regel mehr Früchte als bei Bouteillan, dafür sind diese auch kleiner - und wenig schmackhaft. Bei Jungbäumen ist weiter auf den Bodenzustand zu achten und gegebenenfalls während einer anhaltenden Trockenperiode zu gießen.

Ansonsten darf man sich im Juli freuen an den Pflanzen und an der Wiese allgemein! Bei zahlreichen ökologisch bedeutsamen Blütenpflanzen kann man nun schon Saatgut sammeln, je nach Lage etwa von Hain- und Karthäusernelke, Hauhechel, Büschelglockenblume, Lein, Braunwurz, Odermenning, Ziest und Moschusmalve. Das kann an anderen Stellen des Geländes ausgebracht oder weiterverschenkt werden. Es gibt nun auch im Insektenbereich jede Menge zu beobachten, Schmetterlinge tauchen vermehrt auf, Schlangen und Eidechsen sind sehr aktiv. Leider auch die Rehe, die nun ihre Feinschmeckertouren machen und gerne von Triebspitzen knabbern.

Ende Juli sollte für die zweite Wachstumsphase, die in der Regel August/September erfolgt, bei Bedarf Stickstoff, Magnesium und Kalium bereitgestellt werden, etwa durch Hornmehl und - falls das nicht schon im April geschehen - Pottasche. Magnesium und vor allem Kalium sind für die Frostfestigkeit des Gewebes wichtig.
Monatsthema August: Hitze und Hacken  Im August kann es nochmal richtig heiß werden, die Oliven freuen sich darüber, das spüre ich immer wieder. Es kann nun, vor allem bei lehmig-lössigen Böden, im Wechselspiel von Regen und Sonnenhitze zu Bodenverdichtungen und oberflächlichem Bodenverschluss kommen. Hier hilft Hacken. Auch sonst empfiehlt es sich, im August mal durchzuhacken, das setzt nochmals Stickstoff für die zweite Holzwachstumsphase frei und vertreibt Mäuse aus der Baumnähe. Doch aufgepasst: die bösen Schermäuse lieben leider lockere Böden. Um sie fernzuhalten, muss der Boden um die Stämme vor allem bewuchsfrei sein oder mit kurz gehaltenem Bewuchs gepflegt. Auch grobe, unterbrochene Erdschollen durchqueren sie ungern, da sie Licht meiden.

Früher hieß es zu Recht: Hacken ist der Dünger des armen Bauern. Heute macht das auch ökologisch Sinn. Kunstdünger ist Oliven in unseren Breiten eher schädlich, verzichten Sie besser weitgehend darauf, das schafft schwammiges Gewebe, welches anfällig ist für Occhio di Pavone (eine Pilzkrankheit) und Winterfrost.

Natürlich kann im August dann auch Trockenstress für die Oliven auftreten. Doch sollte selbst bei Jungpflanzen nun nicht zu oft gegossen werden, um die Wurzelentwicklung nicht negativ zu beeinträchtigen und Wassertriebe zu vermeiden. Auch sollten die Pflanzen Gelegenheit haben, sich an Trockenperioden zu gewöhnen.

Die Nächte können in der zweiten Augusthälfte schon wieder kühl werden, so kündigt sich der Herbst an, vielleicht sammeln sich bei Ihnen (so Sie eine Hügellage haben) auch schon Schwalben zum Vogelzug. Mit den ersten Herbstgefühlen kann man sich langsam Gedanken über den Winterschutz machen und eventuell noch Umbauten im Gelände vornehmen, Stürzpfähle versetzen etwa. Notfalls können nun auch noch einzelne Bäume verpflanzt werden, allerdings nur im Erdballen, nicht wurzelnackt. Das sollte wohlgemerkt in der zweiten Augusthälfte geschehen, wenn es nicht mehr so heiß wird, und kann bis hinein in den September stattfinden.
Monatsthema September: Wachstum, Pflege

Im September wird es dann Ernst mit dem Herbst. Aber an den Oliven können Sie sich vielleicht gerade jetzt erfreuen. Die Verbindung kühlerer Nächte mit warmen, oft um die Mittagszeit immer noch heißen Tagen scheint ihr Wachstum zu stimulieren. Nun sollten Sie aber entschieden nicht mehr gießen, auch bei jungen Pflanzen nicht. Sonst bekommen Sie hypertrophiertes Wachstum, das Ihnen im Winter dann vermutlich erfriert. Verzichten Sie ab nun auch auf das Hacken, da dies Stickstoff freisetzt und das Wachstum zusätzlich anregt.

Auch wenn andere Obstgärtner nun im September an Neupflanzungen gehen, sollten Sie sich bei Oliven dessen enthalten. Es kann gut gehen, dann haben Sie Glück gehabt mit dem Winter. Wahrscheinlicher aber ist, dass Sie die Neupflanzungen gleich im ersten Winter verlieren oder diese zumindest starke Schäden davontragen. In jedem Falle ist natürlich nur Pflanzung von Containerware möglich, also mit Erdballen. Wurzelnackte Oliven sind ohnedies kaum zu bekommen. Sollten Sie aus irgendwelchen Gründen gerade an solche Ware kommen: April bis Mai pflanzen und im Sommer regelmäßig gießen.

Die klassische Wiesenpflegemahd erfolgt im September. Sollten Sie aber wertvolle Spätblüher wie Kalkastern haben, können Sie noch warten bis zu deren Samenreife - oder die entsprechenden Standorte aussparen. In jedem Fall aber müssen Sie nun Kanadische Goldrute mähen, sofern dieser invasive Neophyt auf ihrem Gelände steht - und zwar noch vor oder gleich zu Beginn der Blüte, da diese Pflanze sehr vital ist und es fertig bringt, auch geschnitten noch Samen aus Blüten zur Reife zu bringen. Das Schnittgut der Kanadischen Goldrute können Sie sehr gut verwenden für hochwirksame Kräuteransätze (Kaltauszug, nicht vergären/faulen lassen!), die aufgesprüht gegen Pilzerkrankungen helfen und auch sonst die Pflanzen vitalisieren mit zahlreichen ätherischen Ölen.

Ob mit Goldrutenauszügen, Auszügen von Schafgarbe oder Kupferpräparaten für den Hausgarten: Jetzt sollten Sie gegen Pilzerkrankungen der Oliven, vor allem Occhio di Pavone, sprühen, wenn Sie größeren Befall festgestellt haben. Bei wenig Befall empfiehlt sich das Abpflücken der betroffenen Blätter mit den charakteristischen runden Verfärbungen. Infektion erfolgt von vitalen Blättern, was also am Boden liegt, muss Ihnen keine Sorge bereiten.
Monatsthema Oktober: Schermausbekämpfung

Falls Sie die Wiese noch nicht gemäht haben, sollten Sie es jetzt tun und aus dem Mähgut Haufen machen, die Ihnen im Winter etwa Material zur Bodenabdeckung liefern oder jetzt schon Schnittgut für Mulchringe um die Bäume (in gebührendem Abstand, mind. 30 cm), die das Bodenleben aktivieren und allgemein die Biodiversität auf Ihrem Grundstück fördern. Einen der Mähguthaufen sollten Sie unberührt belassen zur Kompostbildung und für das Insektenleben. Dort werden sich dann auch Zauneidechsen wohlfühlen, da sie üppig Futter finden.

Andere Tierchen können leider ein echtes Problem für Obstgrundstücke werden: Schermäuse. Da Menschen ihre natürlichen Feinde (Eulen, Greifvögel, Füchse, Mauswiesel, Iltis, Marder, Spitzmäuse) erheblich reduziert oder in ihren Aktionsradien eingeschränkt haben und die moderne Kulturlandschaft ihnen Vorteile bietet, vermehren die sich wacker. 2013 habe ich drei neugepflanzte Oliven (von 16) durch Schermäuse verloren (und noch eine Kiwi dazu). Oktober ist eine gute Zeit zur Bekämpfung. Die kann mit speziellen Fallen (ich verwende Topcat) am ökologieverträglichsten erfolgen. Allerdings ist das sehr mühsam und erfordert einige Übung. Und unbedingt muss man zunächst lernen, Schermausgänge (hochoval, wurzelfrei) von Maulwurfgängen (queroval) zu unterscheiden. Zu erkennen sind Schermausvorkommen auch an plötzlich absterbenden Fenchelpflanzen oder Luzernen, wenn sie solche auf Ihrem Grundstück haben. Gewürzfenchel als Schermausindikator gezielt auszusäen macht durchaus Sinn, zudem verträgt er sich gut mit Oliven, ist schmackhaft und gesund und trägt positiv bei zur Ökologie der Olivenwiese.

Die Oliven wachsen auch im Oktober noch weiter, nun allerdings sehr verhalten. Als wintergrüne Pflanzen stellen sie erst bei Temperaturen unter 5 Grad die Assimilation weitgehend ein. In der zweiten Monatshälfte kann mit Blick auf den Winterschutz behutsam bei älteren Pflanzen auf Kompaktheit hin geschnitten, Überstehendes gekappt werden. Doch bitte nun keinen Auslichtungs- oder Formschnitt vornehmen! Der gehört in den April, sofern überhaupt sinnvoll und notwendig. Eine dichte Krone überlebt den Winter leichter als eine schüttere.
Monatsthema November: Überraschungsfröste

Der November kann bereits mit Frost gefährlich werden, vor allem für junge Bäume und junge Triebe an älteren Bäumen. Problematisch sind vor allem gefrierende Niederschläge, die zur Zerstörung der empfindlichen Rinde führen, zu Rissen und Zerstörungen von Cambium und Xylem. Und zwar schon bei geringem Frost!

Daher sollten Sie nun beginnen, regelmäßig die Wettervorhersagen  zu konsultieren, vor allem auf die Verbindung von Niederschlägen und Frostgefahr hin, besonders geeignet sind die Prognosen des DWD (Deutscher Wetterdienst) und des ECMWF (European Centre for Medium Range Weather Forecasts). Links zu beiden finden Sie unter meinen Informationsquellen.

Einhüllung im November sollen vor allem Niederschläge abhalten und erste Frostereignisse abpuffern. Empfehlenswert dafür ist z.B. das Thermovlies M85, das schon in doppelter Lage weitgehend regendurchschlagsicher ist und dennoch kein Stauklima schafft. Es trocknet auch nach Nässe zügig ab. Die Anbringung darf nicht stattfinden, wenn die Oliven gerade durch einen Regen nass sind. Sonst kann es unter der Hülle zu Pilzvermehrung oder bei Frost zu Rindenschädigungen kommen. Daher lieber etwas früher einpacken als plötzlich nach einer Regenperiode von Frosteinbruch überrascht zu werden.

Die Einhüllungen sollten auch sturmfest sein, denn das beste Vlies nützt wenig, wenn es vom Wind unterfasst oder davongetragen wird. Daher empfiehlt es sich, die Stützpfähle für die Oliven zur Hauptwindrichtung hin anzubringen, also nach Westen. Ausladende Kronen sind zunächst einmal schwieriger einzuhüllen als schlank-kompakte. Und bei Sturm bieten sie mehr Angriffsfläche. Daher schon beim Pflanzenaufbau und Erziehungsschnitt an die Einhüllungen im Winter denken!

Zur Vorbereitung auf die ersten Fröste empfiehlt sich vor dem Einpacken das Besprühen mit leichter Salzlösung (etwa 1%ig). Damit wird bei den im November üblichen geringen Minusgraden Eisbildung auf der Rinde und in leichten Rissen oder Verwarzungen der Rinde verhindert.

Monatsthema Dezember: Winterschutz ausbauen

Spätestens Ende Dezember muss der "richtige" Winterschutz stehen, der nicht nur Regen abhält und leichte Fröste puffert, sondern noch bei tiefem Frost tauglich ist. Dies gilt auch, wenn der Winter sich bislang mild gezeigt hat und irgendwelche Langfristprognosen einen weiteren milden Verlauf vorhersagen. Im Januar wird es ernst mit der Möglichkeit tiefer Fröste. Alle großen Olivensterben des 20. Jahrhunderts haben im Januar oder im Februar stattgefunden.

Das heißt nicht, dass in unseren Breiten der Dezember harmlos für Oliven ist. Im Dezember 2009 gab es eine Woche Dauerfrost im Kraichgau mit Temperaturen bis in den zweistelligen Bereich. Da musste der Winterschutz schon Anfang Dezember vollständig sein. Vollständig heißt, dass um die Bäume herum der Boden gegen Dauerfrost zu schützen ist mit Laub oder Erde (die aber im Frühjahr wieder entfernt werden muss, da die Wurzeln sonst nach oben wachsen). Zudem muss die Vliesumhüllung bei jungen Bäumen nun mindestens vierlagig sein, am Boden gut abschließen und einen Bereich von mindestens 50 Zentimeter Durchmesser mit dem Stamm als Zentrum abdecken.

Auch der Dezember kann heftige Stürme bringen. 2011 haben Orkan "Joachim" und Konsorten meinen Einhüllungen teilweise Probleme bereitet. Was im November hielt, kann im Dezember noch davonfliegen. Da gilt es, regelmäßig die Verzurrungen des Winterschutzes zu überprüfen und gegebenenfalls nachzubessern. Dazu kann der Dezember auch gewaltige Schneemassen bringen, wie etwa 2010. Dann kann es notwendig werden, die Einhüllungen je nach Bauart vom Schnee freizuräumen.

Ansonsten ist Dezember ein guter Monat, um sich mit den Kapriolen der Temperaturverläufe vertraut zu machen. Für mich war es immer wieder höchst überraschend, die Beziehungen zwischen Temperaturen im Außenbereich und unter den Vlieshüllen zu studieren. Unter bestimmten Bedingungen können die Temperaturen gerade im Dezember mit seinen häufigen abrupten Temperaturwechseln unter dem Vlies niedriger sein als draußen. Denn, das wird gerne übersehen: Alles was gegen Frost schützt, schützt mehr oder weniger auch gegen Wärme.