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TAGEBUCH 2021
>>> CORONA-TAGEBUCH


01. Januar 2021
Bis in die Nähe der Monatsmitte bleibt es nun leicht frostig, danach könnte es milder werden. Zur Sicherheit habe ich heute auch die neu gepflanzte kleine Feige vor dem Haus eingepackt.

08. Januar 2021 Mal wieder Schneefall draußen, aber er bleibt kaum liegen, zu warm. Eine Erwärmung aus dem Südwesten rangelt Mitte des Monats mit einer Kälte aus dem Nordosten, es ist noch nicht entschieden, was sich bei uns durchsetzen wird. Die Prognosen bis März beschreiben insgesamt eine eher kühlere Tendenz. Aber zweistellig negativ dürfte es auch weiterhin nicht werden in diesem Winter.

10. Januar 2021 Es zeichnet sich ab, dass die kühlere Strömung bei uns sich durchsetzt für Januar. Schade für die Oliven. Und heute nacht wirds schon mal kräftig kalt. So kalt dass ich beim Nachwuchs im Gewächshaus die Heizung eingeschaltet habe.
Eingelegte Oliven
              der Ernte 2020
12. Januar 2021 Die Nacht vom 10. auf den 11. Januar machte Bruchsal zu einem der kältesten Orte vergleichbarer Höhenlage in Deutschland. Es ging im Olivenhain Richtung -8 Grad! Ohne Einhüllungen! Heute erstmal Sturm, Indikator für die ambivalente Großwetterlage. Gerade siehts wieder eher mild aus für die zweite Januarhälfte. Am 31. Januar wissen wir dazu mehr ... Aktuell aber droht zum Wochenende eine Mischung aus Nasskalt und Dauerfrost. Das sind keine guten Prognosen für die Oliven.

13. Januar 2021 Der Sturm konnte nur ein wenig die Einhüllung des Granatapfels öffnen. Der Frost hat allerdings einige Olivenblätter geschädigt, bei den französischen Sorten gibt es vollständig verbräunte Blätter, bei den anderen einzelne Blätter mit braunen Erfrierungen vom Blattrand her. Im Gewächshaus erreichte die Temperatur in der Nacht vom 10. auf den 11. Januar in den heizungsfernen Bereichen -5 Grad, das hat bei allen drei Tanche zu Erfrierungen an den Blättern geführt und einzelnem Blattfall. Schade, auf Tanche hatte ich große Hoffnungen gesetzt, da sie in Villeperdrix gedeiht, wo im Winter ähnliche Temperaturen herrschen wie bei uns.

15. Januar 2021 Die beiden Verzola, eine rare Sorte von der SPO Pescia, angebaut v.a. in Umbrien und in den Marken, scheinen diesen Winter bislang geradezu zu genießen! Die Blätter sind extrem vital, groß, tiefgrün, glänzend. Es sind keinerlei Schädigungen durch die Witterung zu erkennen! Auch die Blätter von Bianchera sehen erstaunlich vital aus. Ascolana dagegen leidet sehr.

Gut machen sich die eingelegten grünen Oliven vom 19. Dezember (s. Foto). Allerdings brauchen sie noch Zeit, sie schmecken weiterhin sehr bitter.

21. Januar 2021 Nun also zwei Tage "Frühling", einige Vögel zwitschern vergnügt. Im Weinberg habe ich mit dem Rebschnitt begonnen. Ich lasse drei Ruten stehen - erstens muss ich dann nicht so viel jetzt schon entscheiden und zweitens traue ich diesem Winter noch nicht. Ich erinnere mich mit Gruseln an den Winter 2015/16 - einer der fünf mildesten Winter seit Aufzeichnungsbeginn, und doch gab es in der zweiten Januarhälfte 8 Frostnächte hintereinander, davon 4 an Eistagen, bis -8,5 Grad! Und auch danach brachte er neben frühlingshaften Temperaturen einige kühle Überraschungen. Olivenhain am 29.01.2021 - Wind um 30 km/h,
              Temperatur 11 GradAllerdings wird zumindest bis Ende Januar vom ECMWF kein größeres Frostereignis prognostiziert.

27. Januar 2021 Unverkennbar ist der Winter noch nicht vorbei! Gerade mal wieder Schneefälle - hier allerdings bei Temperaturen knapp über Null. In den nächsten Tagen wirds wieder wärmer, in der zweiten Februarwoche könnte es erneut kühler werden.

29. Januar 2021 Bei Mittagstemperaturen über 11 Grad heftiger Westwind im Hain (s. Foto links). Der Atlantik lässt grüßen, bis Sonntag, dann kommt der Nordostwind wieder bis zu uns her, wird aber Dienstag schon wieder zurückgedrängt, um dann ab Freitag für einige Tage dominierend zu werden und auch wieder Wintergefühle zu bringen. Bis dahin blüht erst mal fleißig der Rosmarin!

Den Oliven geht es recht gut, auch eine der drei Moufla zeigt nun sehr vitale Blätter.

03. Februar 2021 Regen, Regen, Regen. Die LUBW hat 2013 für die zukünftige Klimaentwicklung weniger Regen im Sommer- und mehr Regen im Winterhalbjahr prognostiziert für BaWü. Bislang bestätigt sich das. In den vergangenen Wochen hatte ich öfter den Eindruck, in einer neuen Regenzeit zu leben. Bringt uns die Klimaentwicklung dies: Regenzeiten, die denen am nördlichen Indischen Ozean vergleichbar werden? Allerdings wird gerade beobachtet, dass auch der Monsun in Indien zunimmt.

04. Februar 2021 Seltsame Wettersituation, im Norden hängt die Kälte, der Winter von Nordosten, im Süden haben wir die Wärme, den Frühling von Südwest. Was dazu führen könnte, dass es in der Kölner Bucht einmal über mehrere Tage wesentlich kälter ist als bei uns - kommende Woche.

06. Februar 2021 Vormittag: Ganz so entspannt sieht es jetzt für uns im Süden nicht mehr aus! Ab 11. Februar könnte die Kälte auch dann weiter zu uns herunter kommen. Alles ist wieder offen, auch eine heftige Rückkehr des Winters bei uns ist möglich! Spätwinter I heißt das bei Rüdiger Glaser, Klimageschichte Mitteleuropas. Allerdings mit einem Hoch - eigentlich erst für Spätwinter II vorgesehen, die beiden überkreuzen sich nach bisheriger Prognose.

14:30 Der Wetterbericht ändert sich nun stündlich. Aber nur in einer Richtung: Es wird kälter. Für Stommeln werden in den nächsten Tagen  bis -10 angekündigt, für uns im Landkreis Karlsruhe könnte es mit ein bis zwei Tagen Verzögerung bis -6 gehen. Das schweflige Licht am Himmel verkündet seine eigene berückende Botschaft zur Wetterlage. In der Luft sind auch gelegentlich Schwaden von Sauerkrautgeruch/Geruch nach schwefliger Chemie - hat die Karlsruher Raffinerie wieder Probleme oder hat die Sahara-Strömung den Geruch weiter im Süden aufgenommen? Jedenfalls passen Geruch und Licht seltsam zusammen und zur Katastrophen-Stimmung, die gerade von den Wetterberichten verbreitet wird.

Am Abend hat sich der gelbe Himmel abgesenkt: Die Autos bedeckt mit Saharastaub! Gruß aus dem Süden.

07. Februar 2021 Sonntag. Morgens: Die Prognosen werden immer düsterer. Bald droht ein sehr frostiger Gruß aus dem Nordosten, nach dem Sahara-staubigen Südgruß von gestern. Im Wetterbericht werden gerade -11 Grad auch für unsere Region in den kommenden Tagen angekündigt. EMWF weiß davon allerdings nichts, da bleibt der strenge Frost im Norden. Eigentlich müsste ich nun die Oliven einpacken. Schwere Entscheidung. Denn wenn der Frost tatsächlich so kommt, werden davor auch stürmische Winde kommen, die an den Einüllungen zerren. Vorbereitungen muss ich jedenfalls treffen heute. Die Stahlstangen aufspannen für die größeren Exemplare. Und hoffen ...

Abend: Ich habe 12 Oliven eingepackt, von allen Sorten (Aglandaou, Ascolana, Bianchera, Bouteillan, Leccino, Olivastra Seggianese, Maurino, Moufla, Verzola) mindestens eine. Jetzt werden nur noch -8 für den Raum Bruchsal angekündigt, doch die Strömungsverläufe werden immer undurchschaubarer. Die Hauptfrage ist, wie weit die Frostbombe, die kommende Woche laut aktueller Berechnung des ECMWF, Richtung Süden zieht, auf ihrem Weg nach Westen kommt. Gerade sieht es so aus, als bekämen die Oliven an der Dalmatinische Küsten viel ab. Aber das kann sich noch erheblich ändern. Ich hoffe mal, die Wetterprognostiker wollten lieber etwas düsterer malen um nicht zu hören: Warum habt ihr nicht gewarnt? Es ist ja so: Ein Prophet, der was Schlimmes prophezeit, darf irren, das verzeihen wir eher, es ist ja gleichsam zu unserem Nutzen besser geworden. Wer Gutes prophezeit und das kommt dann nicht, der kriegt Probleme.

08. Februar 2021 Die ab Donnerstag sich formierende Frostkugel wirbelt immer unberechenbarer über Nord-, Ost- und Mitteleuropa in den Prognosen des ECMWF - von Prognosen sollte nicht mehr gesprochen werden, das ist Roulette. Inzwischen geht die Frostkugel nicht mehr nach Süden, sondern zurück in den Nordosten. Hoffentlich stimmt meine der Wettergeschichte abgelauschte Vermutung, dass es nur ca. alle 28 Jahre dazu kommt, dass diese Kugel sich als Riesenschuh entwickelt und ausdauernd über Nord-, Mittel- und Teilen Südeuropas liegt.

Börsenbericht, Wetterbericht, Coronabericht: Die Lust an der Prognose und der tägliche, stündlichen Erstellung eines Bulletins dominiert uns - profanisiertes Erbe der Wahrsagerei?

Am Abend weitere drei Oliven eingepackt. Die Prognosen bei "wetter.com" gehen für Donnerstag bei uns bis -16 Grad! Was ich für wenig wahrscheinlichen worst case halte. Aber klüger sind wir am Freitag ...

09. Februar 2021 "wetter.com" prophezeit jetzt zu Donnerstag (übermorgen) -19 Grad für Bruchsal!! Der gleiche Dienst prognostiziert für die Kölner Bucht am Donnerstag nur -8 Grad. Sieht nach einer richtigen Portion Pech für mich aus. Oder anders: Worst Case mit Großbuchstaben. Allerdings sind andere Wetterdienste nicht so pessimistisch. Und bei ECMWF finde ich kein entsprechendes Szenarium. Die Frostkugel bleibt ECMWF zufolNacht 10. auf 11.
              Februar 2021ge mit ihrem Zentrum östlich von uns und bewegt sich zum Ende der Woche zügig nach Nordost.

Der Olivennachwuchs im Gewächshaus ist doppelt geschützt, zum einen durch einen Heizkörper, zum anderen durch die Schneeauflage auf dem Dach, die als Isolation wirkt.

10. Februar 2021 Die Kölner Bucht blieb verschont, ist an zweistelligen Minustemperaturen gerade so vorbei geschlittert - bei uns dürfte es in der kommenden Nacht jedoch zweistellig werden - wobei noch immer ein breites Spektrum angeboten wird bis runter zu (nur noch) -16 Grad. Und das, obgleich die ECMWF-Charts das nicht hergeben (s. Bild rechts 00:00 Uhr 11.02.21). Liegt das an den berüchtigten "Temperaturen über Schnee"? Über Schnee werden durch die starke "Wärme"-Abstrahlung von Weiß ein paar Grad weniger gemessen als über Erdreich. Für die Pflanzen u.U. mehr als kompensiert durch den Isolationseffekt des Schnees. Was gilt aber für Eingepackte Oliven Februar 2021Bäume, deren Stämme über den Schnee rausragen und die zudem auch sich einen Abstand zum Schnee freischmelzen durch ihre Eigenwärme? Noch Stoff für viele agrometeorologische Forschungsarbeiten.

11. Februar 2021 Nun hat es mich also kalt erwischt, mich und meine Oliven: -16 Grad in der vergangenen Nacht! Die düsteren Prognosen von "wetter.com" sind also eingetroffen, nicht für die Kölner Bucht, aber für uns hier! Ein kleine Verschiebung nach Nordosten und wir wären verschont geblieben. Doch eine kleine Verschiebung nach Südwesten und es wäre noch dicker gekommen. Aus dem Olivenanbau in Brandenburg, den ein Experte der Münchner Rückversicherung 2018 für die Zukunft empfohlen hat, wird wohl auf absehbare Zeit nichts werden. Und in Obergrombach? Ich fürchte, eher auch nichts. Immerhin konnte ich meine Neupflanzungen für dieses Jahr im Kalthaus sichern, die Heizung hat funktioniert, es ging nur bis -6 Grad runter. Und das brauchen die Pflanzen zur Akklimatisierung.

Und nun Sonne! Das ist auch nicht günstig, wenn die Oliven nun unter den Hüllen stehen und aufgeheizt werden. Im Olivenhain um die Mittagszeit -3 Grad Lufttemperatur. Die Schneeoberfläche aber war -12 Grad kalt!

14. Februar 2021 Vier Nächte nun zweistellige Minustemperaturen, minimal -16 Grad. Seit dem Frostfebruar 2012 (Anfang Februar 10 Nächte zweistellige Minustemperaturen, zwei Wochen Dauerfrost) gab es nur im Januar 2017 ein vergleichbares Ereignis, als auch der See in der Günther-Klotz-Anlage Karlsruhe zum Schlittschuhfahren freigegeben wurde. Gestern wurde dort auch gefahren, allerdings war nicht offiziell freigegeben und die Polizei kam gelegentlich vorbei, um die Leute wegzuschicken. 2017 ging es nur runter bis -12, dafür länger. Da hatte ich auch eingepackt. Morgen wirds wieder warm und schon die kommende Nacht bleibt der Frost absehbar über -5 Grad. Auspacken steht an, die Frage ist nur: Heute schon oder erst morgen. Morgen könnte es aber regnen. Nicht gut fürs Auspacken, die nassen Tücher machen weitere Arbeit!

16. Februar 2021 Nun sind alle Oliven wieder ausgepackt, die Tücher einigermaßen trocken, aber mit Eis teilweise noch dran. Es sieht nach einer warmen zweiten Februarhälfte aus. Der Rosmarin aus Seggiano hat leider gelitten am Frost, wo er unter Schnee begraben war sind die Nadeln braun. Von den Oliven im Glashaus haben neben den Tanche auch die Aglandaou braune Blätter bekommen. Auch im Gelände sehen die Aglandaou nicht gut aus, auch die nicht, die eingepackt waren!

22. Februar 2021 Montag. Zahlreiche Haselnusskätzchen! Nach dem mageren Haselnussjahr 2020 dürfte es also 2021 eine reiche Ernte geben - falls es nicht wieder zu trocken wird. Die Maibeeren treiben lebhaft aus und auch an anderen Pflanzen öffnen sich die Knospen bereits, die Pfirsichbäume zeigen vereinzelt erstes Rosa an den Knospen, die Thymiane bilden neue Blütenknospen - auch bei dem Seggianese-Thymian, dessen Nadeln fast allesamt verbräunt sind durch den tiefen Februarfrost. Es bleibt warm bis in den März hinein. Nur am Freitag könnte es nachts wieder an die Nullgrad-Grenze gehen. Der Südwind bringt aktuell auch wieder Sahara-Sand.

Die Bouteillan zeigen teilweise massive Frostrisse - die anderen Sorten nicht. Verbräuntes Laub findet sich vor allem bei den französischen Sorten und bei Ascolana. Aber teilweise ist auch grünes Laub nicht mehr zugfest. Es könnte zu massivem Laubfall kommen. Stabil sind die Blätter bei Olivastra Seggianese und Verzola. Bei den Pflanzen im Kalthaus sind alle Blätter zugfest.

Stress bedeutet jetzt auch der massive Umschwung zu fast sommerlichen Temperaturen, bei starker Sonneneinstrahlung. Am 11. Februar -16 Grad, am 21. Februar +18 Grad. Ich hoffe, es kommt kein Märzwinter mehr! Merkwürdige kleine Frostwirbel sind beim ECMWF über Frankreich und Deutschland für das Wochenende zu sehen.

25. Februar 2021 Nun sind auch die grünen Oliven der Ernte 2020 genussreif. Ein schönes Gefühl, die eigenen Oliven zu essen! Heute habe ich die letzte schwarze Leccino-Olive vom Busch im Hain gepflückt, ganz eingeschrumpelt, sehr schmackhaft, wenngleich mit pikanter Bitternote. Erstaunliche Entdeckung: Unter einer Mulchschicht, die ich für die nächsten Auspflanzungen ausgebracht hatte, haben sich üppig mehrere Bodenaustrieb aus einer vor Jahren schon abgefrorenen Bianchera entwickelt - sieht intakt aus! Eindeutig keine Bianchera, aber auch keine Wildolive. Eine kleinblättrige Unterlage, und sehr vital!

27. Februar 2021 Wieder Eis auf dem Dach heute morgen. Doch zunächst bleibts insgesamt weiter eher freundlich. In einer Woche könnte aber erneut ein "Arctic Outbreak" kommen, es wirbelt kräftig da oben über uns von Norden her rum.

02. März 2021 Vier Nächte in Folge mit leichtem Morgenfrost. Aber die eigentliche Kaltfront soll erst ab Freitag kommen. Ein Vergleich mit dem strengen Winter 2008/09 relativiert diese frostigen Aussichten. Damals gab es im Februar 16 Frosttage und im März 10. Den März 2009 könnte der diesjährige noch schlagen - aber insgesamt bleibt der Winter doch verhalten. 2008/09 hatten wir insgesamt 81 Frosttage. In diesem Winter sind wir bislang erst bei 49. Für einen milden Winter dennoch recht viel, zumal noch einige dazu kommen dürften. Einige Wetterdienste sprechen gar von einem "massiven Wintereinbruch" oder äußern sich ähnlich. Freundlich sind die Aussichten nicht, Pflanzen und Insekten werden leiden, auch hier im Süden.

07. März 2021 Der März bleibt kühl, aber unter -5 ist nicht mehr zu erwarten, trotz aller Spekulationen über einen fortgesetzten "Märzwinter". Ab Donnerstag kanns sehr stürmisch werden, ich habe gestern die Hüllengestelle für meine sechs "Großen" abgebaut, damit es bei Wind nicht zu abgeknickten Zweigen und Scheuerstellen kommt.

09. März 2021 In früheren Zeiten hätten wir bei den aktuellen Großwetterlagen einen Märzwinter bekommen, der Oliventräumen keinen Raum mehr bietet. Aber nun gibt es noch ein paar frostige Nächte, kühle Tage und das wars dann voraussichtlich mit dem Winter.

19. März 2021 Pünktlich zum Winterende Hagel und Schnee!

20. März 2021 Und zum Frühlingsanfang sonnig! Ich pflanze eine Wildolive um und Lavendel ins Gelände. Bei den Maibeeren startet die Blüte. Auch die Pfirsichbäume röten sich, die Knospen sind allerdings noch nicht ganz auf. Auch die Blüten der Paw Paw schwellen. Und Scharbockskraut geht auf mit seinem leuchtenden Gelb. Wenns nächste Woche warm wird, geht eine Explosion los oben auf der Olivenwiese.

25. März 2021 Häckseln, Mähen, Werkeln - wenn Corona kein Reisen mehr ermöglicht: auf einem "Gütle" hat man immer was zu tun! Kleine Fluchten, umsonst und draußen. Und wenn man sich keinen Stress damit macht (weil man eigentlich nie genug tun kann), auf jeden Fall auch gesund für Geist und Körper! Gestern abend hab ich den Granatapfel geschnitten, der hatte im vergangenen Jahr gut Holz entwickelt und wird nach den jämmerlichen Anfängen inzwischen zu einer respektablen Pflanze. Er hat seinen Platz gefunden, an der Südwand der Hütte. Geholfen hat auch das regelmäßige Einkürzen der Triebe und zurückhaltendes Gießen (um keine Wasserschosse zu provozieren).

Immer noch frostige Nächte - welch ein Frühling! Der Weinberg ist 14 Tage in der phänologischen Entwicklung hinter dem Stand von 2020 zurück.

27. März 2021 Heute habe ich die ersten 6 Neulinge aus der Überwinterungsstation im Kalthaus ausgepflanzt, 2x Aglandaou, 2x Olivastra Seggianese, 2x Ghiacciola. Und Neuanlage im
              Weinberg 2021zwar zwischen die beiden verbliebenen Drahtrahmen der gerodeten Doppelreihe im Weinberg, in etwas weniger windiger Lage mit besserem Boden (s. Bild rechts). Das hat zwei große Vorteile: Die Drahtrahmen ermöglichen eine komfortable Befestigung der Oliven ohne eigene Pfosten. Und über die Drahtrahmen kann ich bei Bedarf in Frostsituationen rasch Thermovlies spannen! Ich muss also im Winter für diese Oliven keine Federstahlstäbe spannen und kann sie problemlos auf 2,50 Meter Höhe wachsen lassen. Ein Olivenhain wird das nicht, es geht eher in Richtung Spalierobst - aber es ist ja nicht als Ersatz des bestehenden Hains gedacht, sondern als Ergänzung. Und zwar primär als Ergänzung zur Fruchterzeugung und zur Zucht. Ich habe die Sorten zusammen gestellt, von denen ich mir am ehesten die Entwicklung einer Sorte mit extremer Frosthärte, Feuchtigkeitstoleranz sowie einigermaßen Fruchtertrag erwarte.

Die Anlage im Weinberg könnte ein Modell abgeben für künftige erste Versuche mit Erwerbsanlagen in Deutschland in abgängigen Rebanlagen. Die Oliven könnten dann direkt im Drahtrahmen gepflanzt werden. Der Frostschutz, das Vlies, wäre dann bei Bedarf noch einfacher anzubringen. Als geeignete Sorte kommt Arbequina infrage, die wenig starkes Holz entwickelt, rasch und buschartig wächst, schnell und reichhaltig fruchtet und darüber hinaus auch schmackhaft ist.

Die ersten Zauneidechsen tauchen auf, wieder nicht an der Trockenmauer, sondern an Mauselöchern (in die sie bei Annäherung verschwinden) und in Mulchhaufen. Im Weinberg und bei den Oliven auffallend viel Behaartes Schaumkraut (das auch "Weinberg-Schaumkraut" heißt). Es profitiert offensichtlich von der Klimaerwärmung.

01. April 2021 Heute die restlichen Oliven gepflanzt. Nun stehen 17 Neulinge im Gelände, 6 davon im Weinberg, 11 im Olivenhain. Die 11 im Olivenhain sind 3x Arbequina, 3x Tanche, 2x Ghiacciola, 2x Olivastra Seggianese, 1x Rosciola. Das Beschneiden hat geschmerzt. Denn leider senden sowohl Gabbianelli als auch Spallacci eher Pflanzen für den Garten, mit Ansatz zur Hochstamm-Erziehung. Daraus Büsche oder niedere Vasen zu bekommen, ist mühsam und fordert teilweise einSt. Martin Ostern
                  2021en radikalen Schnitt, bei dem nur Stamm bleibt! Letzteres habe ich noch nicht gewagt, werde ich ggf. dann im nächsten Jahr machen müssen. Und leider sind die Pflanzen von Gabbianelli durchweg veredelte Exemplare, bei Spallacci scheinen sie teilweise wurzelecht zu sein. Gepflanzt habe ich zum größten Teil "en butte". Gestern hatte ich tatkräftige Unterstützung von einer 12jährigen Nachwuchsgärtnerin, die sich eine Arbequina als Liebling erkoren hat. Arbequina kommt aus Katalonien, aus der Region Arbeca, und fällt durch einen bizarren Wuchs auf. Sie mag kalkhaltigen Boden nicht, daher haben wir viel Kompost und Quarzsand in ihre drei Pflanzgruben und die Aufschüttungen gegeben.

Gestern 25 Grad, heute 24 Grad - es ist kaum zu glauben, dass es morgen schon wieder vorbei ist mit den sommerlichen Temperaturen - und dass kommende Woche nochmal ein richtiger Kältefuß von Norden her zu uns runtertritt! Da könnte es durchaus auch leichten Frost und Schnee geben! Brrrr.

04. April 2021 Osterausflug in die Pfalz, schauen nach den Oliven von St. Martin (s. Bild links). An denen ist nicht der geringste Frostschaden zu sehen, selbst die Blätter sind allesamt intakt! Und das ohne Einhüllungen. Auch die Feige dort hat nur wenige erfrorene Zweigchen. Der bereits reichhaltig blühende Rosmarin zeigt, wie mild das Klima hier am südlichen Kirchhang der Ortschaft ist. Dieser "Biblische Garten" trägt seinen Namen zu Recht.

20. April 2021 Die 17 Neulinge gegossen. Dabei war auffallend, dass der Boden bei den Tanche kaum Wasser aufnahm, während andere Sorten kräftig tranken. Vor allem Olivastra, Rosciola und Arbequina, die auch schon Neuaustriebe zeigen, schluckten viel.

Der erste Salbeiaustrieb ist erfroren in den kühlen April-Nächten, auch die Blüten zweier Maibeeren - Blue Velvet hat die Blüten behalten.

23. April 2021 Das erste Zauneidechsen-Männchen, in prunkenden Farben, auf dem Stapel von Stützpfählen, in voller Sonne. Auffallend in diesem Frühjahr die zahlreichen Ackersalat-Blüten und die Blüten von Vergissmeinnicht. Auf der Olivenwiese hat sich Vergissmeinnicht wohl über die Ameisen so gut verbreitet. Der Staudenlein hat sich nun flächendeckend etabliert. Er scheint wie der Wermut von der Klimaentwicklung zu profitieren. Staudenlein hat keine Verdrängungswirkung auf andere Kräuter (noch nicht?), wird aber aus einem anderen Grund problematisch: Ich habe mir einen tauglichen Akku-Freischneider von Bosch angeschafft, der auf der Olivenwiese bald nicht mehr einsetzbar sein wird. Er arbeitet mit Kunststofffaden, der mit dem älteren Staudenlein nicht mehr zurecht kommt. Lein ist schlichtweg zu zäh! Daher wurde/wird er ja auch für Stoffe verwendet! Ich muss also bald auf Freischneider mit Messer umstellen. Da gibt es aber im Akku-Bereich nur eine enge Auswahl.

29. April 2021 Der kälteste April seit 40 Jahren in Baden-Württemberg. Und auch in den vergangenen Jahren war der Frühling, von kurzen sehr warmen Phasen abgesehen, eher kühl. Auch für die erste Maihälfte zeichnet sich bislang keine anhaltende Wärme ab.

03. Mai 2021 Im April hatten wir 12 Frostnächte und einige nahe dran! Weiterhin nachts Temperaturen nahe dem Nullpunkt. Und das bleibt diese Woche wohl noch so! Inzwischen treibt auch Tanche aus. Rosciola und Ghiacciola sind allerdings noch immer weiter als die anderen. Vom Altbestand treiben v.a. Olivastra Seggianese und Leccino. Fegeschäden bei besonders vitalen und wichtigen Zweigen von Moufla und Olivastra. Ärgerlich!!
Olivastra Seggianese am 05. Mai 2021, rechts
                Leccino zu sehen. Steine auf Absenkern.
Die ersten Maibeeren entwickeln sich. Auf der Wiese blühen die ersten Karthäusernelken, Lein und Skabiosen. Ein Meer von Gänseblümchen und vor allem Ackersalat-Blüten. Erster Austrieb bei Ziziphus, üppig Blüten bei Paw Paw, schöne Entwicklung beim chinesischen Gemüsebaum. Hoffentlich bleibt ihnen ein störender Frost erspart!

Die große Olivastra Seggianese hat den Winter beeindruckend überstanden und beginnt auch schon mit der Bildung neuer Triebe in den Blattachseln. Daher schneide ich noch vor dem Hauptaustrieb. Der Busch ist inzwischen sehr dicht geworden, mit bereits starken Schlitztrieben und Konkurrenztrieben. Ich nehme etwa ein Drittel Holz heraus und lege von zwei tiefliegenden langen Trieben Absenker. Auf die Absenker kommen Steine zur Feuchtigkeitsregulation, wie auf dem Bild rechts zu sehen. Die größte Gefahr für Absenker ist Trockenheit. Daher sind die Absenker auch nach Norden orientiert, Südabsenker sind bisher regelmäßig nicht angegangen.

06. Mai 2021 Manche Pflanzen leiden unter der anhaltend kühlen Witterung mit fast frostigen Nächten. So vor allem die Kaki mit schlappen Blättern. sie trägt auch einige erfrorene Zweige vom Februarfrost, zum Glück nur kleinere. An der großen Feige sind etwa die Hälfte der Triebspitzen im Winter erfroren, die anderen treiben aus. Die kleine Feige ist vollständig erfroren.

An zwei mit Fegeschutz versehenen Neupflanzungen im Olivenhain hat ein Bock die Hüllen hochgeschoben, aber dann offensichtlich die Lust am Fegen verloren.

16. Mai 2021 Fast alle Oliven treiben nun gut sichtbar neu aus. Selbst von denen, die in der Februar-Frostwoche bei -16 Grad ohne Schutz blieben, treiben die meisten, allerdings nicht an allen Ästen/Zweigen, manches Holz ist offenkundig erfroren. Es zeigt sich bei den Neuen bei Rosciola (11/21) und Ghiacciola (6/7) ein sehr guter Austrieb. Von drei Tanche (12/15) treibtErfrorene Ascolana mit Neuaustrieb Mai 2021 eine sehr gut aus, zwei zeigen erst winzige Triebspitzen. Von einzelnen Exemplaren lassen sich, wie schon oft erlebt, nur schwerlich Sorteneigenschaften ableiten. So zeigt auch von den beiden Ascolana (42/58), die ohne Schutz verblieben waren, eine teilweise sehr erfreulichen Neuaustrieb (Bild links vom 29.05.), während die zweite völlig abgestorben scheint. Eine Ascolana, die eingehüllt war, zeigt keinen Austrieb.

Die ganze Olivenwiese steht voll mit blühendem Lein. Zusammen mit dem Wiesensalbei dominiert er nun blau das Bild. Gelb eingestreut sehr zahlreich Hopfenklee und auch schon Wundklee. Erste Mohnblüten öffnen sich auch schon, die Blütenknospen sind reichlich, bald dürfte zumindest in einigen Ecken eine Rotexplosion losgehen, unterstützt durch Esparsetten und später Karthäusernelken, die auch schon in den Startlöchern hocken.

Nach dem kältesten April seit 40 Jahren könnte auch der Mai einen Kälterekord aufstellen. Die Kühle bleibt wohl bis Monatsende, in ganz Mitteleuropa!

21. Mai 2021 Nun noch das: Mäuse haben an zwei der Neugepflanzten fein säuberlich die Rinde abgenagt, schön ab der Veredelung, rundum! Und ausgerechnet an zwei besonders vitalen. Ein Jammer. In 13 Jahren ist das bislang noch nicht passiert. Es hat eine Ghiacciola und eine Olivastra Seggianese in der Neuanlage im Weinberg erwischt. Im Weinberg ist die Mäusedichte besonders hoch. Biodiversität hat eben zwei Gesichter, und Landwirte/Winzer/Obstbauern sehen ein anderes Gesicht als Naturschützer.

29. Mai 2021 Massive Erfrierungen auch in älterem Holz bei Ascolana und Bouteillan. Bouteillan zeigt an den geschädigten Exemplaren noch kaum Austrieb, eine Ascolana, die nicht eingehüllt war, beeindruckt jedoch mit schon weit gediehenem Neuaustrieb aus altem Holz (siehe Bild links). Die Skabiosen blühen, aber es fehlen die Schmetterlinge. Die ersten Heuschrecken hüpfen vereinzelt durchs Gelände. Die Blätter des chinesischen Gemüsebaums zeigen erhebliche Schäden durch den kühlen Frühling, Braunfärbung, Kräuselungen, Nekrosen.

06. Juni 2021 Zurück von einem Kurzurlaub. Und ich finde die beiden einzigen verbliebenen Hochstammoliven, eine Verzola und eine Bianchera, am Stamm massiv angefegt, vor allem die Bianchera, die am weitesten vom Waldrand entfernt steht! Beide haben alte Stämme, an denen ich keine Fegungen mehr erwartet hätte. Und in den vergangenen Jahren war an denen auch Ruhe. Der Hopfenklee dominiert nun die Olivenwiese, ein zauberhaftes Bild - allerdings auch ein starkes Signal für die Sonderstellung dieses Frühlings. Das Wetter geht nun Richtung Wärme, bis mindestens Monatsmitte.

13. Juni 2021 Die Neuaustriebe sind sehr beeindruckend. Vor allem erstaunt mich, dass selbst die Oliven, die ohne jeglichen Schutz die -16-Grad am 11. Februar erlebt haben, nun austreiben - bis auf eine der beiden betroffenen Ascolana und eine Bianchera auch am Stamm und aus Ästen! Die Austriebe sind unterschiedlich intensiv, auch bei sortengleichen Pflanzen.

Der Granatapfel hat gelitten unter dem Frost, trotz Hülle an der Südmauer der Hütte. Aber er kommt an mehr als 50% seines Holzes. 2020 hat der Granatapfel am 11. Juni bereits geblüht - jetzt kämpft er noch um den Neuaustrieb. Es bleibt warm bis heiß. Südfrankreich steckt gerade in Temperaturen über 30 Grad, die Mittwoch/Donnerstag auch uns erreichen. Kommt nach dem seit Jahrzehnten kältesten April und ähnlich exzeptionell kaltem Mai nun der heißeste Juni? Das bleibt noch abzuwarten.

19. Juni 2021 Geht der Frühling nun verloren bei uns? April und Mai waren viel zu kalt für Frühlingsgefühle, und dann kam gleich der Hochsommer, die Hitze ist aktuell schwer zu ertragen, zumal jetzt geballt Arbeiten im Freien anstehen, die sonst etwas verteilter kommen, Mähen, Weinberg ausbrechen, Spritzen, Gießen etc. pp. Ab Montag wirds aber etwas kühler wieder, vielleicht sogar bis Ende Juni, mal schauen. Zur Erinnerung: 2019 hatten wir einen noch heißeren Juni (der Schwerpunkt lag allerdings auch später als heuer), die Hitzeextreme scheinen sich nach vorne zu verlagern bei uns. Und woran liegts? Häufiger Süd- und Ostwinde? Geringere Abkühlung im Winter? Größere Bedeutung des Sonnenwinkels?

Die Frage, "warum sind Juli und August heißer, obwohl die Sonne im Juni am steilsten steht", könnte sich bald erledigt haben. Am steilsten steht sie bei uns übrigens am 21. Juni (Sommeranfang), dann erreicht sie den nördlichen Wendekreis.

21. Juni 2021 Der nördliche Einfluss scheint sich bis Anfang Juli durchzusetzen. Erfrischung ist angesagt. Wir sind mitten drin in der Kampfzone zwischen südlichen und nördlichen Strömungen.







(>>>Corona-Tagebuch 2020)

CORONA-Tagebuch. Beobachtungen, Informationen, Reflexionen


11.01.21 Ab heute ist zum Besuch meiner Mutter im Pflegeheim in Baden-Württemberg ein Corona-Schnelltest notwendig. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Corona-Infektionen in Pflegeheimen vom Pflegepersonal ausgehen, eine seltsam hilflose Regelung, für die auch keine Infrastruktur da ist. Parallel dazu wird über eine Impfpflicht für Pflegepersonal diskutiert und werden die Bewohner der Pflegeheime geimpft (oder eben auch nicht, das zieht sich hin).

Seit Monaten wird auf die Impfung gehofft. Nun ist die Impfung da und das Wunder bleibt aus, Untersuchungen weisen darauf hin, dass erst nach 14 Tagen signifikant Antikörper bei den Geimpften vorhanden sind für einen (statistischen) 50%-Schutz. Und schon wird über die Verlängerung des Lockdowns in den Februar hinein gesprochen. Dabei haben alle bisherigen Maßnahmen in Deutschland nur das dürftige Resultat gebracht, dass wir uns mit rasender Geschwindigkeit der Corona-Gesamtsterblichkeit in den USA annähern. Und noch immer gibt es keine verlässlichen Aussagen zu den wichtigsten Ausbreitungsvektoren, erneut wird gegen alle Erfahrungen und Untersuchungen auf die totale Schulenschließung gesetzt. Und die Jugendlichen treffen sich eben woanders. Und am Arbeitsplatz wird (nicht nur) in den Pausen fleißig kontaktiert.

12.01.21  In Deutschland wird ausreichend Impfstoff erst dann zur Verfügung stehen, wenn mit dem jahreszeitlichen Rückgang der Infektionen zu rechnen ist. In Schweden gibt es Skepsis gegen die Impfung, nach den Erfahrungen mit der Schweinegrippe-Impfung, die mehrere hundert Geimpfte mit unheilbarer Narkolepsie als Nebenwirkung zurückgelassen hat. Die Nebenwirkung trat in den meisten Fällen innerhalb der ersten acht Wochen nach Impfung auf, wurde allerdings erst spät auf die Impfung zurückgeführt, die Frequenz lag bei 1:20.000 Fällen.

13.01.21 Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung kritisiert den deutschen Lockdown seit November, der habe nichts gebracht. Und er mahnt: „Den Unterschied macht nicht die Härte der Maßnahmen, sondern machen die Menschen in ihrem privaten Verhalten.“ An das private Verhalten wurde in Schweden von Anbeginn appelliert, die Maßnahmen evidenzbasiert und utilitaristisch sukzessive eingeführt, nicht in ideologischen Schüben und fragwürdigem Hin und Her wie in Deutschland. Was, wenn die Gruppen, bei denen die Verhaltenssteuerung besonders schlecht funktioniert, von den Maßnahmen gar nicht erreicht werden, sich bei ihnen die Infektionszahlen solange erhöhen, bis sie inhärent gestoppt werden, nicht von den strukturellen Maßnahmen, die immer weiter angezogen werden? Kann es denn nicht auch eine Herdenimmunität in relevanten Unterkollektiven geben, die sich senkend auf die Infektionszahlen auswirkt? Die Abflachung der Infektionskurve Anfang November begann vor dem Lockdown und zeigte sich ähnlich auch in Ländern ohne entsprechendem Lockdown, etwa in Schweden. Gibt es ein identifizierbares Kollektiv potentieller Superspreader, deren Immunität (durch Infektion oder Impfung) sich auf die Infektionskurve signifikanter auswirken könnte als Lockdowns? Ich bin für Maßnahmen, aber gewichtet, wie in Schweden. Und ich beurteile die laxen Maskenvorschriften in Schweden kritisch. Aber Drosten hatte ja auch zunächst gegen Masken argumentiert.

14.01.21 Eine neue Maßnahmen-Erfahrung: Ich benötigte dringend Material aus dem Bauhaus für Reparaturen am Haus. Ich musste schauen, in welchem Bauhaus in meiner Nähe das vorrätig ist, dann dort bestellen und abholen. Ein enormer Aufwand, zumal ich zu einem etwas entfernteren Bauhaus fahren musste - ich nahm den ÖPNV, mit FFP2-Maske finde ich das vertretbar. Und ich hielte es für höchst fragwürdig, wegen der Corona-Empfehlungen nun mehr Auto zu fahren, als ich es sonst tue! Auch wenn ich sehe, dass der Staat seine Kontrollaufgaben dürftig erfüllt. In den Bahnen habe ich noch nie Maskenkontrolle erlebt, lediglich einmal vier! junge Polizisten zusammen auf einem! Bahnsteig der Stadtbahn in Karlsruhe gesehen, die an einem! Zustieg zur Bahn kontrollierten. Drinnen in der Bahn saß die übliche wilde Mischung aus Selbstgehäkeltem und "offiziellen" Masken, die wenigsten davon FFP2, ein Fahrgast trug die Maske nur über dem Mund. Und wenn zu einem Apotheker jemand kommt, eindeutig Corona-Symptome beschreibt (einschließlich Geschmacksverlust), aber nicht zur Untersuchung möchte, sondern ein Medikament gegen die Symptome fordert, fehlt die Handhabe. Wie auch, Polizisten werden verprügelt bei Maskenkontrollen.

Der Aufwand bei Einkäufen führt aktuell sicherlich dazu, dass man sich genau überlegt, was man braucht. Aber ob das wirklich zu einer anhaltenden Verhaltensänderung führt? Daran habe ich starke Zweifel. Ich erinnere mich mit Grausen an die Zeit nach dem Ende des ersten Lockdowns, als die Leute Schlange standen vor den letzten Ramschläden, gerade vor denen. Als wollten sie sich mit Dekokram entschädigen für die Konsumenthaltsamkeit während des Lockdown. Und die Gesellschaft will ja auch gar kein "vernünftigeres" Einkaufen, gerade bei uns nicht, hat doch die Regierung als eine ihrer desolatesten Corona-Maßnahmen die Mehrwertsteuer gesenkt nach dem ersten Lockdown --- auf dass der sinnlose Konsum steige! Warum rechnet nicht mal einer der seit Pandemie-Beginn aktiven prospektiven und retrospektiven Leichenzähler aus, wieviele Corona-Tode uns durch einen Verzicht auf die Mehrwertsteuer-Senkung erspart geblieben wären?

Nein, es wird sein wie bei einem Trinker, dem die zerstörte Leber durch ein Implantat ersetzt wird. Wir setzen uns die Corona-Impfung und leben weiter wie zuvor. Biotopschutz, reduzierter Fleisch-, Milch-, Eier-, Fischkonsum, Verzicht auf Tierfelle und Tierhäute, die nicht Nebenprodukt der Lebensmittelerzeugung sind, nachhaltiger (und das heißt eben auch: weniger) Konsum etc. pp.? Kaum zu erwarten.

Drei Pandemie-Experten, Statistiker und Physiker, verweisen gemeinsam auf Australien, Neuseeland und die Mongolei und erklären, das Virus könne ausgerottet werden ("Zero-Covid"). Man müsse nur Maßnahmen treffen, die hart und konsequent seien. Welch ein Wahnsinn, ohne jede Analyse soziologischer, politischer, infrastruktureller, wirtschaftlicher und geografisch-klimatischer Unterschiede solche Vergleiche anzustellen! Aber diese Position wirkt wie eine Blaupause zum Regierungshandeln, das sich grob auf den schlichten Nenner bringen lässt, "Schraube anziehen".

15.01.21 Es war zu erwarten, die Logik der Regierung im Umgang mit Corona folgt den Regeln der Mechanik: Merkel kündigt einen "Mega-Lockdown" (Bild) an. Und plötzlich erheben sich kritische Stimmen in einer Medienlandschaft, die bisher eher durch eine "right or wrong - my country"-Berichterstattung auffiel und Durchhalteparolen ausgab. Aber auch kritische Journalisten sind eben gerne auf der Seite der Gewinner. Und bis Oktober schien Deutschland zu den Corona-Gewinnern zu gehören. Nun wendet sich seit drei Monaten das Blatt immer zügiger und auch die Stimmung in den Blättern wendet sich. Hätten der Berliner Tagesspiegel und andere ihr kritisches Potential früher gleichmäßiger verteilt, statt die Kritik einseitig über Schweden auszuschütten, wäre manches vielleicht anders gelaufen. Jetzt Sätze zu schreiben wie "Die Politik hält sich an Paragrafen fest, wie ein Ertrinkender einen Halm umklammert" (Tagesspiegel am 08.01.2021) ist Feuilleton und kommt zu spät!

16.01.21 Es ist zu befürchten, dass die Lockdown-Verschärfungen nun den öffentlichen Personenverkehr treffen. Im Berliner Tagesspiegel ist zu lesen, dass der ÖPNV Hauptschuldiger am extremen Infektionenanstieg in Irland sei. Liest man genauer, kommt zum Vorschein, dass es vor allem der Weihnachtsreiseverkehr aus England gewesen sei, sowie offene Pubs und Nachlässigkeit beim Gebrauch der Masken. Aber wenn die Kanzlerin gerade von "Zero-Covid" infiziert ist, wird es dazu kommen, dass nun auch der öffentliche Personenverkehr (der nur im Berufsverkehr Corona-Schutz-widrig belastet ist) ohne Differenzierung stranguliert wird, wie schon das Gastgewerbe, der Kulturbereich und die Schulen. Differenzierung ist dem Zeitgeist zu nahe an der Diskriminierung (engl. "to discriminate" bedeutete einmal nichts weiter als "unterscheiden"), Klagen drohen, dann lieber ganz zumachen. Wo bleibt die ÖPNV-Entlastungs-Initiative, die längst überfällig ist? Stoiber will FFP2-Pflicht bei Einkauf und öffentlichem Personenverkehr - und gleich melden sich Experten kritisch mit Hinweis auf die Gefahren von FFP2-Masken für Lungenkranke. Haben die nicht mitbekommen, dass es erstens Befreiung durch Atteste gibt und dass zweitens die seit Dezember kostenlos in Apotheken u.a. für Lungenkranke ausgegebenen Masken genau dies sind, FFP2-Masken? Allerdings ist es sicher sinnvoll, allgemein auch auf Anwendungseinschränkungen bei den FFP2-Masken hinzuweisen und daran zu erinnern, dass die wirklich nur in notwendigen Situationen und mit Unterbrechungen getragen werden sollten.

17.01.21Wie wundervoll doch die Leere auf den Straßen ist, um wievieles freundlicher die Städte, Dörfer, Landschaften mit weniger Autoverkehr sind. Gerade jetzt bei Schnee ist das ganz zauberhaft, fast wie im Winterurlaub in den Bergen! Nur dass gerade die leeren Straßen oder die Corona-Situation einige psychisch Gestörte jetzt wohl herausfordern dazu, besonders laut und aggressiv zu fahren. Und ihr Lärm fällt nun auch stärker auf. Wie lange müssen wir noch warten, bis endlich nicht nur Geschwindigkeitsbeschränkungen, sondern auch Lärmbeschränkungen an Straßen gelten, bußgeldbewehrt! Und warum sind autofreie Wochenenden nicht möglich, warum brauchen wir eine Pandemie um das Menschenrecht auf Stille in der Landschaft und weniger Verkehr auf den Straßen durchzusetzen? So gibt es immerhin ein relevantes Grundrecht, das Corona nicht einschränkt, sondern erst sichert - vorübergehend.

Die Corona-Situation in Großbritannien eskaliert. Und die neue Variante wurde bereits in Deutschland nachgewiesen. Warum? Wie kam die von England nach Deutschland? Wer reist da hin und her ohne Impfung, Kontrolle, Quarantäne? Nun, sie kann auch aus Dänemark oder der Schweiz kommen, wo sie schon 2% ausmacht. Es geht uns noch gut, im Vergleich, ja, unser Gesundheitssystem bewährt sich, Hausarztstruktur, dezentrale Kliniken - von denen es nicht mehr viele gibt ... Mitleiden mit England, Brexit hin oder her ... Warum auf dieser Insel, wo andere Inseln, Australien, Neuseeland, es so gut geschafft haben?

18.01.21 Antworten auf alle relevanten Fragen nach Corona, der Ausbreitungsdynamik, den Vektoren der Ausbreitung, nach der Bedeutung von Sozialverhalten, Immunisierungen, Vorbeugungen, nach relevanten Gruppen, Wegen, Ausbreitungsfaktoren, Komplikationsvermeidungen, individueller Prädisposition etc. pp. werden wir nie bekommen. Die Herrschaft über die Corona-Maßnahmen haben die Wellenbrecher, Physiker, Statistiker, Informatiker bekommen.

Die Expertenrunde der Bundesregierung setzt sich wie folgt zusammen:

Wieler (Veterinärmediziner), Drosten (Infektologe), Brinkmann (Genetikerin, Virologin), Meyer-Hermann (Theor. Physiker, Systemimmunologe), Krause (Epidemiologe), Betsch (Psychologin), Apweiler (Bioinformatiker), Nagel (Physiker, Verkehrssystemplaner)

Die Psychologin hat sich vor allem mit dem Thema Impfverweigerung (sic!) beschäftigt und der Verkehrssystemplaner macht keine Vorschläge zur Regulation und Ertüchtigung des ÖPNV unter Pandemiebedingungen, sondern rechnet aus, dass die britische Virusvariante schon im März die dominierende sein könnte. Kaum jemand scheint sich mit der Analyse des Geschehenen und den sinnvollen/notwendigen strukturellen Veränderungen zu befassen, aber viele leidenschaftlich gerne mit Prognosen und Spekulationen.

Diskutiert wird als eine der Verschärfungen die FFP2-Pflicht in ÖPNV und Supermarkt (was ist mit Werkskantinen, Pausenräumen?). Wie war nochmal die Meinung von Drosten zu Masken bei der ersten Welle? Die hülfen nur psychologisch - er setzte auf Testen und Impfen. Na dann. Ich trag medizinische Masken seit April '20 und FFP2 seit Oktober '20 in Bahn, Bus, Supermarkt und bei sonstigen Gruppenbildungen. Und kaue mehr Knoblauch als sonst (psychologisch ...).

Ich empfehle weiterhin den Blick nach Schweden, auch auf die Intensivfälle und die Todesfälle: https://experience.arcgis.com/experience/09f821667ce64bf7be6f9f87457ed9aa

Was zeichnet die Länder aus, die besonders erfolgreich waren gegen Covid19 (zu denen ich Schweden nicht zähle): Frühe Schließung der Grenzen, Häfen, Flughäfen. Wenig produktive Industrie und/oder hoher Digitalisierungsgrad (Home-Office). Strenge oder zumindest nicht angefeindete Exekutive. Drei Faktoren, die in Deutschland nicht gegeben/nicht erwünscht sind. Und in fast allen erfolgreichen Ländern galt auch früh eine Maskenpflicht.

19.01.21 Es ist erstaunlich: Ausgerechnet Angela Merkel wird zum Symbol für die Durchsetzung einer Sichtweise im Umgang mit Covid19, die dem historischen Materialismus nahe kommt, genauer dessen Überzeugung, soziale Prozesse seien adäquat naturwissenschaftlich darstellbar und entsprechend steuerbar. Nun ist an der Medizin, im speziellen Falle der Epidemiologie, gewiss ein Aspekt, der Ablauf biologischer Prozesse, die Entwicklung, Veränderung und Ausbreitung von Viren und Bakterien, gesetzhaft beschreibbar. Dazu kommt jedoch auch der sozial-gesellschaftliche Aspekt, bestimmt durch menschliches Verhalten und Gruppenprozesse, der sich zwar in Zahlen nachträglich beschreiben lässt, aber bislang erst in Science Fiction auch adäquat abbilden und prognostizieren. Zu groß ist die Daten- und Simulationsmenge, die verarbeitet werden müßte. Und dennoch wird in der Covid-Expertenrunde aus Physikern und Informatikern so getan, als ließe sich das Ausbreitungsgeschehen rein rechnerisch und durch quantitätenorientierte Eingriffe kontrollieren. Physiker berechnen, wie die Covid-"Welle" gebrochen werden könne. Und daraus werden Maßnahmen abgeleitet.

Und es ist verständlich. versprechen doch Physik, Mathematik, Statistik Auswege aus der Komplexitätsfalle (über komplexitätsreduzierende Modelle) und aus der Gerechtigkeitsfalle (wer kann schon gegen Naturgesetze klagen).

22.01.21 Es ist ja immer wieder zu lesen, die Corona-Situation könne dazu helfen, uns wieder auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu besinnen. Ich bekenne, mir gelingt das nicht. Ich bin dazu nicht weise genug. Ich leide unter der ständigen Konfrontation mit neuen Komplikationen des Alltags. Ich kann auch nichts Wesentliches daran erkennen, wenn Eltern ihre Kinder wieder selbst unterrichten müssen und Kinder als Bezugspersonen fast nur noch ihre Eltern haben oder Freundinnen per Facetime & Co. Ich kann mich auch schwer auf das Wesentliche konzentrieren, wenn ich ständig Formulare ausfüllen muss in denen ich bestätige, keine Erkältungssymptome zu haben, wenn ich mit Maske, Brille, Stirnband/Mütze/Kapuze rumfummeln muss, mich vor Quarantäneverfügungen fürchten und mit den beständigen Double Binds der Maßnahmenwirklichkeit arrangieren, z.B. dem abendlichen Ausgehverbot. Oder wenn ich vor dem Besuch bei meiner Mutter im Pflegeheim verpflichtet bin, einen Schnelltest zu absolvieren, und ich dazu lange rumtelefoniere um dann keinen Termin zu bekommen weil die Arztpraxen den nicht anbieten oder hoffnungslos überlastet sind und in vielen die als Corona-Praxen angegeben sind schon niemand mehr ans Telefon geht. Mal abgesehen vom Wissen um die Friseure, Kulturschaffenden, Gaststättenbetreiber, Sportanlagenbetreiber etc. pp., die für mich nicht zum Unwesentlichen gehören und die zu Zigtausenden in ihrer Existenz bedroht sind und nicht mehr ruhig schlafen können. Nein, es gelingt mir einfach nicht, mich "auf das Wesentliche" zu konzentrieren!

27.01.21 Olivenanbau in Deutschland und der Umgang mit Corona haben eines gemeinsam: Beständiges Auf-der-Hut-Sein ist gefordert und langer Atem. Und ein Moment der Unachtsamkeit kann die Achtsamkeit der restlichen Zeit vergebens machen! Wenn die Oliven den ganzen Winter über eingehüllt waren und dann nach Abnahme der Hüllen oder bei Öffnung der Hüllen durch einen Sturm eine heftige Frostnacht kommt, ist alles dahin. Wenn ich monatelang mit FFP2-Maske herumlaufe und Distanz halte und dann einmal der falschen Person zu nahe komme ohne Maske, kann die Ansteckung passiert sein. Im individuellen Fall hilft einem dann die ganze Statistik nichts.

Der Pneumologe Thomas Voshaar nennt die (inzwischen nicht mehr empfohlene) strategische Früh-Intubation bei Covid-19-Patienten "einen der größten Fehler in der Medizingeschichte". Auf die Risiken der Intubation, die geringe mittelfristige Überlebenswahrscheinlichkeit und den massiven Verlust an Lebensqualität in der Folge wurde schon früh im Corona-Kontext hingewiesen (s. meinen Eintrag vom 26.03.2020).

28.01.21 Gestern absolvierte ich den ersten Corona-Schnelltest, um meine Mutter im Pflegeheim besuchen zu dürfen. Angenehm war das Bohren mit Wattestäbchen nicht, einen leichten Nachklang spüre ich heute noch. Aber die Organisation hat mich beeindruckt, zwei Warte-Zelte beim Pflegeheim vor dem Fenster eines Zimmers im Erdgeschoss, das vom Roten Kreuz zur Teststation umfunktioniert ist, aufgebaut. Viel Engagement, Bemühen, die Situation zu meistern. Respekt vor dem Pflegeheim, dem DRK und den ehrenamtlichen Helfern, die das auf die Beine gestellt haben - nachdem das grüne Sozialministerium mit seiner Verordnung vorgeprescht war. Wird man verlässlich erfahren, wieviele Corona-Fälle so aufgespürt wurden? Und werden die Statistiker dann fair ausrechnen, wie hoch dabei die Wahrscheinlichkeit einer Infektion gewesen wäre? Nicht jeder Infizierte ist infektiös und alle Pflegeheimbesucher tragen Masken und Handschuhe. Und sollten das weiterhin tun, auch wenn manche jetzt vielleicht meinen, sie seien ja getestet und damit "ungefährlich" - trügerische Sicherheit, denn infektiös (und damit PoC-testrelevant) ist man nicht sofort nach der eigenen Infektion, es gibt eine statistische Lücke, keine 100%-Sicherheit.

Meine Mutter (88) hat die Impfung im Pflegeheim am Sonntag gut überstanden. Sie sei nur etwas häufiger müde seitdem, berichtet mir eine Pflegerin.

Das Dashboard des RKI zeigt keinen Zusammenhang zwischen dem Abflachen der Infektionskurve und dem Lockdown zum 2. November. Die Kurve flachte bereits in der zweiten Hälfte Oktober ab. Auffallend ist auch der Anstieg vor den Feiertagen, in der ersten Dezemberhälfte:

Infektionskurve
              Corona RKI 29.01.2021

Wie das mit entsprechend ausgewählten Daten ganz anders darstellbar werden kann, zeigt die Tagesschau mit einer Grafik auf Basis der Daten des RKI zur 7-Tage-Inzidenz (https://www.tagesschau.de/inland/coronavirus-karte-deutschland-101.html). Da sieht es so aus, als würde die Infektionskurve im Gefolge des Lockdowns nach einem steilen Anstieg am 7. November abbrechen. Was nur vermittelt mit dem oben dargestellten Infektionsverlauf zu tun hat und an die Hockeyschlägerkurve von Al Gore zur Klimaerwärmung erinnert.

Inzidenz Zusammenhang Lockdown ARD

04.02.21 Das gängige Konzept von Herdenimmunität ist irritierend national verengt. So und so viele Prozent der Einwohner in Deutschland müssten geimpft sein, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Zahlen um die 60% werden gehandelt. Aber natürlich kann es auch eine Berliner Herdenimmunität geben, eine der Pietisten auf der schwäbischen Alb, eine unter Ravern einer bestimmten Region, die sich regelmäßig treffen etc.pp. Aber diese "Herden" sind in der Regel offener nach außen, durchlässiger als aktuell unter Corona-Bedingungen Nationen sind. Wobei die Unterschiede graduell sind, nicht prinzipiell. Wie offen auch die nationalen Grenzen nach wie vor sind, erfährt man als nicht mehr Reisender aktuell eher zufällig, wenn etwa berichtet wird, dass die Arbeitspendler aus Tschechien nach Bayern seit 1. Februar alle drei Tage in ihrem Heimatland einen kostenlosen Antigen-Test bekommen (nebenbei auch andere tschechische Bürger).

Die nationale Verengung des Herdenimmunitäts-Konzepts ist rational durchaus zu begründen, sie dient dem inneren Frieden und verhindert Alleingänge etwa von einzelnen Bundesländern. Aber sie könnte auch blind machen für bestimmte Aspekte der Pandemie, insbesondere ihre soziologisch fassbaren Regelhaftigkeiten.

05.02.21 Was machen jetzt eigentlich die Menschen, die vor dem Schlafengehen einen Spaziergang brauchen? Haben die alle einen Hund? In Italien soll es während des ersten Lockdown ja üblich geworden sein, Hunde auszuleihen. Hunde wurden so oft Gassi geführt wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Wurde mir von Eingeweihten berichtet, aus der Region Bologna. Aber zurück zu meiner Eingangsfrage: Wäre es nicht sinnvoller, menschlicher, nachhaltiger, das Autofahren nach 20:00 Uhr zu untersagen (abgesehen von den bekannt triftigen Gründen) statt das Verlassen des Hauses? Erholung für die Natur und die lärm- und verkehrsgeplagte menschliche Psyche - ohne Spaziergangsverbot.

06.02.21 Befremdlich ist, wie in manchen Medien nun vorbehaltlos der britische Impferfolg und Boris Johnson als dessen Macher gefeiert werden. "Britain first" gilt als Erfolgsrezept und die EU wird abgewatscht. Manche scheinen es gerade doch sehr zu bedauern, dass die EU nicht wie China funktioniert.

Was in Berlin von Regierungsseite gerade als Lockdown-Lockerungen diskutiert wird, ist allerdings auch nicht dazu angetan, das chinesische Beispiel sooo schlimm zu finden: Blumenläden zum Valentinstag und Friseurläden für den internationalen Auftritt wieder aufmachen. Das Konzept dahinter? Weihrauch. Nein, schlimmer noch: Zuckerwatte. Oder, noch bedenklicher: Eine der wenigen Mangelerfahrungen, die die Bundeskanzlerin unmittelbar selbst emotional mitvollziehen kann. Hoffen wir auf Weihrauch.

08.02.21 In einem Pflegeheim im Landkreis Osnabrück, Belm, gab es nach der zweiten Impfung bei Routinetests 14 Covid-Fälle, alle symptomlos oder nur mit leichten Symptomen. Der Tagesspiegel nimmt dies zum Anlass, nicht die Effektivität der Impfung zu betonen oder über die Hintergründe der Infektion aufzuklären, sondern nun die Zero-Covid-Forderung in den Vordergrund zu stellen und Verschärfungen des Lockdown zu fordern! Schärfer als in Pflegeheimen, wie stellt sich der Tagesspiegel das vor? Atmen einstellen? Oder gab es Mängel in Belm - die durch verschärften Lockdown behoben werden können? Ein Mitarbeiter war infiziert - Hintergründe? Die werden wir vermutlich nicht erfahren. Es bleibt zu wünschen, dass zumindest die Corona-Kommission sie erfährt.

10.02.21 In meinem ganzen Bekanntenkreis gab es ein Aufatmen, als es hieß, dass ab Donnerstag die Ausgangssperre in BaWü aufgehoben sei. Und niemand davon wollte sich nun nachts zusammenrotten um in einer Gruppe eng umschlungen Alkohol zu trinken und Viren auszutauschen. Doch aus der gerichtlich verfügten Aufhebung der unbegründeten allgemeinen Ausgangssperre in Baden-Württemberg wird nichts. Kretschmann und "Manne" (der Sozialminister in BaWü) bleiben hart und erklären, dass sie ohnedies schon eine Begründung liefern wollten, ab einer Inzidenz von 50 gilt die Ausgangssperre nun von 21-5 Uhr. Stuttgart hat die Inzidenz 50,4. Was wird Kretschmann dazu einfallen? Die Inzidenz absenken, 49, 48, 47 - wer bietet weniger? Oder Inzidenz erhöhen durch breiteres Testen, z.B. auch in Schulen. Auf dass eine ganze Generation mit chronischer Nasenschleimhautenzündung durch anhaltendes Testen aufwachse? Dazu hat, wieder einmal, der EULENSPIEGEL eine treffende Karikatur veröffentlicht, Kinder vor der Notaufnahme mit Spaghetti in Ohren und Nasen - Selbsttestversuche.

In Frankreich haben im November strenge Ausgangssperren bei offenen Kindertagesstätten und Schulen zu einer massiven Reduzierung der Infektionen auf 1/5 geführt - laut Tagesschau-Überblick zu den Ausgangssperren in Europa vom 06. Januar 2021. Warum macht BaWü beides, Schulen zu und - eher wenig sinnvolle nur nächtliche - Ausgangssperre? Andere Lebensstile als in Frankreich? Soziologen haben viel zu forschen nach und mit Corona. Hoffentlich bekommen sie die notwendigen Daten und Rahmenbedingungen!

Das Pochen auf die Inzidenz entwickelt sich zur deutschen Manie. Im europäischen Vergleich stehen wir doch sehr gut da, nebenbei zwischen Russland und Bulgarien. Und qualitativ sagt die Inzidenz eher wenig aus. Schweden hat eine 2,5mal höhere 7-Tages-Inzidenz, aber weit weniger Todesfälle als Deutschland in der zweiten Welle - auch auf die Bevölkerung umgerechnet. Nichts ist auch ausgesagt über den Anteil symptomloser oder schwach symptomatischer Infektionen. Und nichts über das Verhältnis von Testungen zu Infektionsnachweisen und über die Testungs-Anteile auf 100.000 Einwohnern. 7-Tages-Inzidenz am 10.02.2021 (Quelle: Statista, basierend auf RKI, Johns Hopkins University - https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1180169/umfrage/laender-mit-den-meisten-coronainfektionen-in-der-letzten-woche-in-europa/):

Corona-Inzidenz Europa 10.02.2021 Statista

Montenegro 603,8 Tschechien 473,4 Monaco 396,9 Portugal 376 San Marino 360,4 Andorra 332,7 Spanien 326,2 Estland 288,4 Lettland 285,4 Slowenien 280,7 Albanien 266,8 Slowakei 251,3 Frankreich 201,9 Schweden 189,3 Serbien 186 Moldawien 184,1 Großbritannien 179,9 Luxemburg 175, 5 Malta 171,6 Litauen 142,4 Italien 140,6 Niederlande 140,4 Gibraltar 139,5 Irland 132,4 Belgien 130,7 Kosovo 129,8 Schweiz 113,8 Belarus 107 Nordmazedonien 105,3 Österreich 104,8 Ungarn 96,7 Polen 95 Rumänien 86,1 Zypern 84,5 Russland 76,2 Deutschland 75,5 Bulgarien 75,3 Liechtenstein 74,8 Kroatien 69,9 Griechenland 68,5 Türkei 66,4 Ukraine 65,5 Bosnien und Herzegowina 60 Dänemark 52,6 Finnland 47,5 Norwegen 33,9

Heute wurde ich vor dem Abstrich zum Corona-Schnelltest gefragt: Mund oder Nase? Ich habe Mund gewählt - ich hatte zuvor zuhause auch schon vor dem Spiegel geübt, da ich ohnedies darum bitten wollte. Denn nach dem letzten Nasenabstrich hatte ich 10 Tage lang eine verstopfte Nase auf der Abstrichseite. Der präventive Sinn der tiefen Abstriche entzieht sich mir ohnedies. Ich trage Maske, ich huste und niese nicht, wie alle, die ins Pflegeheim gehen (sonst dürfte man gar nicht rein) - wie sollen da Viren, die sich gut versteckt nur einem tiefen Abstrich offenbaren, zur Ansteckung gelangen ("viral load" zu gering)? Der Sinn dürfte ein rein medizinstatistischer sein - möglichst jede Infektion zu erfassen.

11.02.21 Es heißt, Gesundheit gehe jetzt vor Wirtschaft. Und was ist mit der Gesundheit derer, die nun völlig aus der Bahn geworfen sind, ihre Existenzgrundlage schwinden sehen, das Wagnis Selbständigkeit verzweifelt bereuen, deren Lebenszeit durch diese Belastungen verkürzt wird, die in 20 Jahren einen Krebs entwickeln, der auf den unhaltbaren Stess, die Existenzangst jetzt zurückzuführen ist? Alle Verfügungen die jetzt getroffen werden kommen von rundum staatlich abgesicherten Personenkreisen. Wer das als Neid-Debatte abtut, ist zynisch. Und wer bezahlt die Corona-Ausgaben später, wo wird gekürzt werden, eingespart, wo werden Steuern erhöht?

Und der Autohandel freut sich, dass das Auto wieder neue Sympathien bekomme, da sich viele vor Ansteckung im ÖPNV fürchten. So im Deutschlandfunk zu hören. Und als neue Inzidenzschwelle wird nun 35 gehandelt. Wer bietet aktuell weniger in Europa? Island, Färöer und Norwegen (letzteres allerdings nur knapp, mit 33,9 am 10.02.2021).

15.02.21 Leben mit Grenzwerten - wir werden unser Verhalten, das was wir tun dürfen, zunehmend an Grenzwerten ausrichten müssen. Kretschmann meinte schon mal, verglichen mit den Einschränkungen, die der Klimaschutz uns auferlegen wird, seien die Corona-Auflagen geringfügig. Die Autoindustrie will er aber nicht überfordern - die Bürger schon?

Ich nehme im Alltag eine zunehmende Gleichgültigkeit vieler gegenüber den Abstandsregeln wahr. Hart aufeinander prallen gerade Bilder einer völligen Verlorenheit, Ladenbesitzer die alleine in ihrem Geschäft stehen, etwas rumräumen, flehende Blicke nach draußen richten, Menschen vereinzelt mit Masken am Bahnsteig - und auf der anderen Seite Gruppen im Park, Rodeln, Schlittschuhfahren, niemand mit Maske, als sei alles wie immer. Sicherlich auch wetterabhängig, Tristess wird gerade noch trister, schwärzer, Freude noch ausgelassener, bunter. Bis hin zu den Feier- und Alkoholexzessen, die aus Polens Skiort Zakopane nach der Öffnung berichtet werden. Und nun ist absehbar die Verlängerung bis nach den Osterferien. Ist das denn mehr als die Spekulation auf den jahreszeitlich bedingten Rückgang der Infektionen? Wieviele wurden geimpft in Deutschland? Stand heute: einmal 2,736 Mio, vollständig 1,410 Mio. Was bringt die Impfung zur Lockdown-Vermeidung? Ich kann keinen Effekt erkennen, auch nicht für Ostern. Die Versprechungen lauteten anders. Das grün-schwarze Musterland BaWü hat gerade mal 1,4% vollständig geimpft, die Rheinland-Pfälzer 2,5%.

Und nun werden detailliert Ansteckungswahrscheinlichkeiten vorgerechnet. Ins Theater gehen sei sicherer als Einkaufen - was ich persönlich zwar erfreulich finde, aber nicht ernst nehmen kann. Geh ich alleine ins Theater? Treffe ich dort Freunde? Wie arbeitet die Klimaanlage? Gehe ich einkaufen wenns leer ist? Rede ich mit Nachbarn beim Einkaufen? Steh ich Schlange am Käseregal (wo viele Kunden die Abstandsregel konsequent ignorieren)? Dürftige Rechenspiele unter weitestgehender Vernachlässigung qualitativ-sozialer Aspekte. Die Relevanz geht gegen Null. Noch so ein Strohhalm, wie die Inzidenz.

Bestürzend auch die Stellungnahmen zur "britischen Mutation". Eine dritte Welle drohe und dagegen würden nur strengere Maßnahmen helfen. Osterurlaub (auch im Inland) sei undenkbar. Eine Bekannte von mir ist der Meinung, die Mutation sei 10x so ansteckend wie die "Ausgangsform". Und die Medienberichterstattung kann diesen Eindruck auch vermitteln. Fakt ist, sie ist 50% ansteckender - zumindest nach dem, was evidenzbasiert zu sagen ist. Daraus lassen sich bedrohliche Hockeyschlägerkurven basteln - doch die Inzidenzverläufe in Irland und Großbritannien sprechen dagegen: Primär Unachtsamkeit, nicht die erhöhte Ansteckungspotenz, hat die Zahlen zu den Feiertagen hochschnellen lassen - und sie sind entsprechend schon wieder massiv zurückgegangen. Und Fakt ist auch, dass von den 14 mit der britischen Mutation infizierten geimpften Bewohnern in einem Pflegeheim bei Osnabrück 13 nicht mehr als leichte Symptome entwickelt haben. Eine Heimbewohnerin ist verstorben, sie war 101 Jahre alt. In der Summe sollte dies zumindest Horrorszenarien verbieten. Aber aktuell dominiert die Panikmache. Über wieviele Mutationen hinweg werden wir uns diese Panikmache leisten können gesellschaftlich? Panik ist keine gute Verhaltenssteuerung.

24.02.21 Jetzt werden großzügig weitere Impfberechtigungen verteilt, an Lehrkräfte, ErzieherInnen. Aber Berechtigung heißt nicht Impfung. Ich weiß von einem Senior Ende seiner 80er, der nach wochenlangen anderweitigen Bemühungen, auch seiner Familie, nun von Konstanz nach Stuttgart reisen muß, um seine Impfung zu bekommen! Akademisches Milieu, also gewiß ist nicht fehlende Ämterkompetenz schuld an dieser Abstrusität! Was ist da faul im Staate Deutschland? Im Musterländle Baden-Württemberg? Wir schaffen das? Irgendwie, irgendwann ... Getestet wird allerdings mehr. An manchen Abstrichstationen wird an den Probanten sowohl ein Mund- als auch ein Nasenabstrich gemacht! Damit die Inzidenz nur nicht zu rasch abfällt, jede noch so minimale Anwesenheit von Corona-Viren entdeckt wird? DocCheckNews schreibt schon vom "Inzidenz-Wahn" - mit Bezug auf die abwägenden Einwände der Berliner Amtsärzte vom 22.02. gegen die aktuelle Koppelung von Maßnahmen an Inzidenzwerten. Für ihre Kritik an der generalisierenden Inzidenz-Orientierung und am No-Covid-Ansatz wurden die Amtsärzte dann auch gleich von einschlägigen ExpertInnen auf Twitter geprügelt. Dabei ist allen klar, wie problematisch die Inzidenz-Orientierung ist. Aussagekräftig sind nur zum einen die Zahlen der symptomatischen Infektionen, die durch Test bestätigt sind, und die Verhältniszahl symptomveranlassungslos durchgeführter Tests zu dabei festgestellten Infektionen. Erstere wird vom RKI unter der Kurve "Erkrankungsbeginn" annähernd erfasst, letztere wird nicht erfasst.

25.02.21 Deutschlands Abstand zum vielgeschmähten Schweden (Tagesspiegel am 14.01.2021, nicht zum ersten Mal: "Schwedens Scheitern - der Sonderweg führt in die Sackgasse") schrumpft rasant. Auf 100.000 Einwohner kommen in Schweden aktuell 122 Todesfälle, in Deutschland 83 seit Beginn der Pandemie. In der ersten Welle lag die Zahl der Corona-Todesfälle in Schweden um den Faktor 4 über der in Deutschland (auch wegen des schlecht aufgestellten Gesundheitswesens), jetzt ist es etwa der Faktor 1,5 in der Gesamtzahl. Bei einem Bruchteil der Einschränkungen in Schweden.

In Schweden scheint es (neben dem schon mal mit ausgetragenen Vor-Wahlkampf um die richtige Corona-Politik) ein Kesseltreiben gegen Anders Tegnell zu geben - dabei ist er einer der wenigen, dessen Wissen, Urteil und Standing/Integrität ich vertraue in Corona-Fragen! Und die Treibjagd wird auch von deutschen Medien mit befeuert. Allen voran mit dem ganzen Gewicht seiner Meinungsmacht als Hauptstadtorgan der Tagesspiegel. Der sich zunehmend als Propagandaorgan der Bundesregierung geriert - sicherlich in bester Absicht. Aber die Bundesregierung versagt seit einem Jahr eklatant, allen voran Merkel und Spahn. Merkel beschwört nun die "dritte Welle" und auf der Seite des RKI gibt es eine neue Rubrik, "Besorgniserregende Varianten". Damit auch der letzte versteht: Besorgniserregend, bleibt zuhause, weiterhin - bis .... Die Funktion der "besorgniserregenden Varianten"? Vom Impfdesaster und vom allgemeinen Maßnahmendesaster ablenken. Die einzige Politikerin, die das rational analysiert und begründet hinterfragt, ist Sahra Wagenknecht.

26.02.21 Heute mal wieder Homeschooling-Nachhilfe mit einer elfjährigen Gymnasiastin, Fach Natur & Technik. Sie hat souverän über Skype mit geteiltem Bildschirm mit mir im virtuellen Gleichstromlabor gearbeitet und wir haben eine Schaltung besprochen, die sie virtuell zusammenbaute. Sie hat in der Corona-Zeit wirklich vieles gelernt, ist selbständiger geworden, auch in der Hausaufgabenbearbeitung - und sie kann souverän mit den neuen Medien umgehen. Nicht alle sind in der glücklichen Lage, da wurde viel versäumt im deutschen Bildungssystem. Sie weiß jetzt aber auch den "analogen" Unterricht mehr zu schätzen. Es sollte nun nicht das eine gegen das andere ausgespielt werden, nicht alles Bildungsheil liegt in den neuen Medien!

27.02.21 Kann mal jemand Merkel klarmachen, dass Corona eher eine gesellschaftswissenschaftliche als eine physikalische Herausforderung ist?? Aber wie sie ja, anscheinend unbelehrbar, bereits einmal im Corona-Kontext erklärte: Sie habe Physik studiert in der DDR, weil sie damit den Gesellschaftswissenschaften entkommen konnte. Keine gute Basis für die Bewältigung der Corona-Krise, wenn sie dies von der DDR in die BRD überträgt!

Man lese nur einmal die gelassenen Ausführungen von Anders Tegnell - ohne das pseudowissenschaftliche Getue unserer Kassandra-Kanzlerin - in der nächsten "Profil"-Ausgabe (österreichisches Nachrichtenmagazin), heute angekündigt auf der Website von "profil". Dort erklärt er unter anderem: "Jedes Land hatte Phasen, in denen alles danebenging und das Virus trotz aller Bemühungen außer Kontrolle geriet." Von unseren über allem Zweifel erhabenen Corona-Chefstrategen ist nichts Vergleichbares zu hören/lesen.

04.03.21 Nach der gestrigen Corona-Runde geht, wie zu erwarten war, der Inzidenz-Wahn weiter. Muss ich künftig vor dem Museumsbesuch schauen, wie die Inzidenz gerade steht? Und welche Inzidenz - die meines Wohnortes oder die Inzidenz des Museumsstandortes? "Difficile est saturam non scribere." Dabei ist der Hintergrund ganz nachvollziehbar: Rechtsfestigkeit. Verwaltungsgerichte brauchen die Inzidenz als Anker, um eine Maßnahme als "verhältnismäßig" einzustufen. Und dabei wird die Inzidenz umso willkürlicher, je enger ihr Erfassungsbereich gezogen wird. Welche Gruppen werden getesten, in welchem Umfang? Nicht infizierte Kinder im Homeschooling zu testen senkt die Inzidenz. Gruppen mit hoher sozialer Aktivität und geringem Ansteckungsbewußtsein zu testen lässt die Inzidenz steigen. Weniger zu testen lässt die Inzidenz sinken, mehr lässt sie steigen. Nur als Durchschnitt über ein möglichst großes Gebiet ist die Inzidenz einigermaßen zuverlässig - aber damit auch nicht geeignet zur Beurteilung der Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen in einem Segment.

Einzelhandel und Gastronomie bluten weiter (wie die Herzen von Merkel und Kretschmann). Und die Schulen bleiben zu! Aus der schwedischen Erfahrung möchte niemand lernen. Schweden ist der Corona-Belzebub. Was die machen ist per se falsch, so die Medienwirklichkeit in Deutschland. Die schwedischen Zahlen sprechen eine andere Sprache im europäischen Vergleich. Was ist das Problem in Deutschland mit den Schulen? Dass nicht ausreichend gesichert ist, dass kranke Kinder nicht von ihren Eltern in die Schule geschickt werden? Dass die Lehrerschaft sich vor Ansteckung fürchtet? Dass Merkel keine Kinder hat? Drosten hat ein Kind und befürwortet die Schulschließung "als Wissenschaftler". Dabei argumentiert er (am 8. Januar 2021 auf Twitter) z.B. mit einer Untersuchung aus Großbritannien, die vor allem eines zeigt, dass nämlich in den Weihnachtsferien die Ansteckung steigt. Seltsamerweise behauptet er genau das Gegenteil von dem, was seine (bzw. die britischen) Zahlen zeigen. Dass die Altersgruppe 35-49 einen ähnlichen Kurvenverlauf erzeugt wie die Kinder erklärt er vielsagend mit der Elternschaft (also angesteckt von den Schulkindern - die sich allerdings vor allem in den Weihnachtsferien anstecken ...), nicht z.B. mit der beruflichen oder privaten Aktivität dieser Altersgruppe.

Drosten
              Twitter 08.01.21

Die DM-Drogeriemarkt-Kette bietet zusammen mit dem Land Baden-Württemberg Schnelltests vor seinen Filialen an. BaWüs Sozialminister "Manne" (für "Manfred") Lucha war vor Ort beim Startschuss mit dabei und gab folgenden bemerkenswerten Kommentar ab (ich hörte den Originalton heute im Radio): Nun wissen die Leute, wenn ich positiv bin, bin ich vielleicht infiziert, und sie können sich zurückhalten. - Wie bitte? Der BaWü Sozialminister, zuständig für die Corona-Maßnahmen, macht BaWü zu einem der strengsten Corona-Bundesländer und klopft dann den positiv Getesteten freundschaftlich-sozialintegrativ auf die Schulter im Tenor: Also pass mal auf, du solltest heut besser kein Bier mit deinen Kumpeln im Wohnzimmer trinken! Oh Manne!

05.03.21 Israel hat früh und massiv mit Impfungen durchgestartet und ist jetzt zu 39,5 % vollständig geimpft - die 7-Tages-Inzidenz liegt dennoch aktuell bei hohen 297,2. Zum Vergleich: Schweden aktuell 269,1 - Frankreich 222 - Österreich 167,9 - Deutschland 69.

Die Tagesschau thematisiert den Mangel an qualitativen, soziologischen Analysen zum Corona-Geschehen in Deutschland (https://www.tagesschau.de/investigativ/panorama/corona-soziale-faktoren-101.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE). Und hat Recht. Wir hören immer nur Zahlen. Zu Infektionswegen und -herden, zu sozialen Bezügen hören wir nur in Einzelfällen, hier eine Party, da eine Schule - ohne Hintergründe, ohne repräsentative Einordnung, ohne brauchbare Schlussfolgerungen oder zumindest Arbeitshypothesen, an denen dann gearbeitet würde. Seit einem Jahr gehen auch die "Argumente" zum Infektionsrisiko durch Kinder aneinander vorbei. Die einen zitieren Fälle, wo ein infiziertes Kind niemanden angesteckt habe, die anderen zitieren Untersuchungen, wonach auch Kinder Corona-Viren im Mund und in der Nase haben. Ein Trauerspiel! Interessen-, eitelkeiten-, ängste- und machtspielgesteuert.

12.03.21 Landtagswahl in Baden-Württemberg am Wochenende. Und die arme Frau Eisenmann, Gegenkandidatin zu Kretschmann, muss sich erneut verteidigen für ihre Position zum Jahresbeginn, Schulen unabhängig von Inzidenzen zu öffnen. Da ist mal jemand vernünftig und rennt nicht dem pauschalen Inzidenz-Diktat hinterher - und kriegt anhaltend Prügel, wenns passt. Die Corona-Politik ihres Amtes war gewiß fehlerhaft, aber die Rahmenbedingungen sind auch sehr schwierig und die Interessenlagen extrem divergierend. Es gab Lehrer, die fürchteten um ihr Leben wegen der Ansteckungsgefahr und andere wollten lieber real als online unterrichten. Es gab Eltern, die Sorgen hatten, dass ihre Kinder aus der Schule Corona nach Hause bringen und andere, die sich vom Homeschooling überfordert fühlten oder sahen, dass die Isolation ihren Kindern nicht guttut, die wollten die Schulen offen haben. Und die in den Medien Zitierten fuhren gerne die vollen Geschütze auf: Leichenberge durch Öffnung, Psychopathien-Wellen durch Schließung. Und die Regierung sowie das RKI haben sich dabei nicht mit Ruhm bekleckert, haben die Konfrontationen angeheizt, haben immer mit den roten Tüchern gewedelt, Kassandra-Rufe ausgestoßen und tun das weiterhin.

17.03.21 Hauptproblem vieler scheint gerade der Osterurlaub auf Mallorca zu sein - in der ersten Welle war es die Bundesliga. Während Bildung, Kultur, Einzelhandel und Gastgewerbe darben! Inzidenz Estland 757, Inzidenz Tschechien 721, Inzidenz Schweden 283, Inzidenz Frankreich 261, Inzidenz Niederlande 225, Inzidenz Israel 167, Inzidenz Schweiz 103, Inzidenz Deutschland 91. Die Welt geht aber nur in Deutschland unter. Was ist mit einem Gesundheitswesen los, das bei 10% Belastung der Intensivstationen durch eine Epidemie an den Rand der Katastrophe geführt wird - wenn man den Warnrufen glauben darf.

19.03.21 Die große Koaliton aus Spahn und Lauterbach sieht die Lockerungsstrategie zum Lockdown kritisch. Welche Strategie? Durch die Lebensmittelgeschäfte schieben sich täglich die Menschen, in Nagelstudiuos (ganz erheblich relevant ...) hocken Reihen von Feilern und Reihen von Befeilten beisammen (ok, mit Maske) und Osterflüge nach Mallorca gehören zum Grundbedarf - während für Museen (bekannte Horte der Infektion - Achtung, Ironie ...) auch mit Maske nur knapp kontingentierte Zeitkarten ausgegeben werden.

20.03.21 Merkel, Spahn und Wieler hocken in der Inzidenz-Falle. Und wir hocken mit ihnen! Die einzige Hoffung: Der Corona-Rückgang mit steigenden Temperaturen. Oder Inzidenz-Umgehungen, die logistisch kaum zu stemmen sind - z.B. permanentes Testen mit unzuverlässigen Schnelltests, denen schon wieder mal die Stäbchen für den Mundabstrich ausgegangen sind? Die Schnelltests für Besucher im Heim meiner Mutter haben bislang allerdings in zwei Monaten nur einen Falschpositiv-Test erbracht (Kompliment an das DRK!), das einzige positive Ergebnis nebenbei. Von einem anderen Schnelltest (Ettlinger Gemeinderat) habe ich desaströse Falschergebnisse (30%) gehört.

Bislang vorgebrachte Argumente zur 50er Inzidenz: Darüber können die Gesundheitsämter nicht mehr die Infektionen zurückverfolgen. Darüber steigen die Infiziertenzahlen exponentiell. Darüber sind die Intensivstationen überlastet.

23.03.21 Eine gut ausgewogene, sachliche Darstellung der Corona-Situation und Corona-Maßnahmen in Schweden im Vergleich mit Deutschland liefert das Online-Magazin zur Sendung "Quarks" des WDR von Annika Franck - leider kommt es beim Vergleich der Todesfallzahlen in der ersten Welle zu einem Darstellungsfehler.

24.03.21 Die Deutschen seien Pandemie-müde, lese ich. Ich bin auch müde. Bin es leid, unsere Corona-Politik in den Händen von Spahn und Lauterbach kollabieren zu sehen. Bin es müde mich mit dem Kontrollwahn und dem Inzidenz-Wahn zu beschäftigen und Schweden rechtfertigen zu müssen gegen die Ignoranz von "die haben ihre Alten geopfert". Müde, für blöde verkauft zu werden mit Inzidenzangaben ohne irgendeine Relation, Relation zur Zahl der Tests und der Gruppen der Getesteten, Relation zu Fällen mit schwerem Verlauf. Wer vor zwei Monaten Korruption, Vetternwirtschaft und Bereicherung hinter manchen Corona-Maßnahmen vermutet hat, wurde des Verschwörungswahns bezichtet. Glaubt aber nun jemand, dass nur ein paar Hinterbänkler aus CDU/CSU die Hände offen gehalten haben und Nachrichten und Maßnahmen nach ihren Interessen lanciert haben?

Unermüdlich argumentiert und wettert weiter, gewiss ohne Profitabsicht, gegen Corona-Einseitigkeiten, das Magazin "NachDenkSeiten" von Albrecht Müller. Zuletzt am 23. März 2021 zu den Belegungszahlen in deutschen Kliniken 2020: https://www.nachdenkseiten.de/?p=70975. Unter dem Suchwort "Corona" findet sich auch sonst einiges an kritischen Fakten zum Corona-Diskurs, die Schlussfolgerungen kann ich nicht immer teilen. Auch bei Wolfgang Wodag finden sich unter der Empörung viele brauchbare Fakten, etwa zur Berechnung der Effizienz von Impfungen https://www.wodarg.com/ - wobei sowohl die offiziellen Erfolgsangaben als auch die Schlussfolgerungen Wodargs richtig sind, nur entsprechend gewertet/in Relation gesetzt werden müssen. Geschützt sind 95%, aber nur 1% davon kam im Untersuchungszeitraum in das Risiko einer Infektion (grobe Zahlen jetzt, nur im Kontext zu lesen). Lesenswert auch seine Fakten aus Italien - auch mich hat damals zu Beginn der "ersten Welle" Bergamo erschüttert, bis ich zur Luftverschmutzung und Atemwegserkrankungen dort erfuhr (was die Erschütterung nicht aufhob, nur anders begründete).

25.02.21 Lange schien mir die Corona-Maßnahmen-Erfahrung wie eine kollektive Einübung in bedingungslosen Gehorsam (bei widersprüchlichen und oft sinnlosen Vorschriften). Unterschätzt werden sollte aber auch nicht die Einübung in Selbstverwaltung. Die Maskenbeschaffung lief auf seltsamen Pfaden, wie jetzt auch die Geschichte mit den Masken von Spahns Ehepartner zeigt (wenn ich die mal nicht als korruptionsverdächtig, sondern als lösungsorientiert lese). Da wurde improvisiert und bei allem offenkundigen Dilettantismus und Verwaltungsversagen auch viel geleistet. Beim Testen wurde noch mehr Selbstverwaltung gefordert. Die Pflegeheime in Baden-Württemberg mussten nach einem entsprechenden Erlass des Sozialministeriums selber schauen, wie sie die Testungen ihrer Besucher organisieren. Die Schulen organisieren den Unterricht selbsttätig nach individuellen Modellen/Lösungen. Und nun das Testen in den Schulen: Die einen verteilen Schnelltests für zuhause an die Schüler, die anderen lassen zweimal die Woche in der Turnhalle testen und was der Wege sonst noch sind.

7-Tage-Inzidenzen heute: Estland 746, Polen 412, Schweden 320, Frankreich 306, Italien 249, Österreich 248, Schweiz 126, Deutschland 115, USA 113, Belarus 89, Irland 78, GB 58, Russland 44, Portugal 32, Island 10.

Das Corona-Tagebuch ist entstanden als "Ableger" meines Olivenhain-Tagebuchs. Das geschah aus pragmatischen Überlegungen, nicht weil ich einen inhaltlichen Bezug zwischen den beiden Themen unterstelle. Inzwischen sind mir allerdings mehrmals interessante Analogien zwischen den beiden so unterschiedlichen Themenfeldern aufgefallen. Über Jahre habe ich mich mit dem Frostschutz im Olivenhain beschäftigen müssen, da gleich nach der Pflanzung 2008 eine Serie strenger Winter kam. Da machte ich eine Erfahrung, die unsere Gesellschaft gerade zu lähmen droht: der Zusammenhang zwischen Schutzmaßnahmen und Erfolg versus Mißerfolg ist komplex vermittelt und nur annäherungsweise zu prognostizieren. Und eine Unachtsamkeit zum falschen Zeitpunkt kann die Anstrengungen einer langen Zeit zunichte machen. Was ich in den Wintern 2008/09 bis 2010/11 an den Oliven hatte retten/bewahren können, ging zunichte im Frostfebruar 2012. Vielfach habe ich mit meinen Frostschutzmaßnahmen andere Schäden bewirkt, etwa durch Einhüllungen mit gärtnerischer Noppenfolie, die zwar gegen Frost schützte, aber auch zu Hitzestaus bei Sonneneinstrahlung tagsüber und zu Pilzerkrankungen durch Kondensat führte. Gelernt habe ich, dass mehrfaches Ein- und Auspacken im Winter schädlicher ist, als leichtere Frostphasen auch mal ohne Einhüllung durchzustehen. "Jojo" ist beim Frostschutz von Oliven so wenig zielführend wie bei Corona. Verblüffend sind für mich auch die Analogien zwischen den Reaktionen auf den Ausbruch der Xylella-Epidemie in Apulien und den Reaktionen auf Corona. Da gibt es Stoff für viele soziologische, politologische, kommunikations- und medientheoretische, psychologische Untersuchungen!

Ich möchte mit diesen Beispielen keinem naturalistischen Fehlschluss das Wort reden. Die Corona-Pandemie und ihre Bewältigung sind eben gerade keine blanken Naturprozesse (als die das Krisenmanagement der Bundesregierung sie überwiegend behandelt), sondern nur angemessen zu verstehen und zu leisten, wenn soziale, kulturelle, politische und psychologische Dimensionen mit berücksichtigt werden.

27.03.21 Indonesien, China und Russland haben zuerst die potentiellen Verbreiter und Superspreader geimpft, Deutschland zuerst die Gruppen mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf. Die Ersteren haben utilitaristisch-pragmatisch geimpft, Deutschland moralisch. Hat das Moralische genutzt? In Heimen kam es weiterhin zu Ausbrüchen, allerdings ohne schwere Verläufe. Aber wieviele schwere Verläufe haben die, die in den Heimen die Ansteckungen starteten, außerhalb der Heime verursacht? Wie soll die Impfung die Ausbreitung stoppen, wenn diejenigen geimpft werden, die gar nicht an der Ausbreitung beteiligt sind/sein können?

Aber auch unabhängig davon zeichnet sich ab, dass die Impfung die hohen Erwartungen des Beginns nicht erfüllen kann. Es wird so keine Rückkehr zur Normalität geben. Denn erstens werden 5-25% gar nicht geschützt durch die Impfung, zweitens schützt die Impfung möglicherweise weniger als eine überstandene Infektion, drittens ist davon auszugehen, dass auch Geimpfte das Virus weiterverbreiten können, und viertens könnte der Impfdruck die Mutationsrate des Virus erhöhen. Viele Fragezeichen.

07.04.21 Die Corona-Kosmetik geht weiter. Merkel möchte Kurz-Lockdown für alle. Vorteil: Nach dem Osterhoch dürfte es runtergehen, der Kurzlockdown könnte eine Abwärtsbewegung erwischen und wäre dann ein "Beweis" für die Wirksamkeit radikaler Lockdowns. Falls es nicht klappt, auch nicht schlimm, dann muss verlängert werden.

Nachfolgend eine aktuelle Gegenüberstellung der Infektionsnachweiskurven und der Todesfälle Deutschland-Schweden nach den Graphiken der Johns Hopkins University. Eine Gegenüberstellung der genaueren Angaben von RKI und Folkhälsomyndigheten ist leider nicht möglich, da das RKI die Todesfälle nicht in einer Graphik erfasst, wie das Folkhälsomyndigheten seit Beginn (und nebenbei auch die Belegung der Intensivstationen mit Corona-Patienten).

Infektionskurve Corona Deutschland bis 07.
                      April 2021
Infektionen Deutschland Stand 07.04.2021

Todesfälle Corona Deutschland bis 07. April
                      2021
Todesfälle Deutschland Stand 07.04.2021

Infektionskurve Schweden Stand 07. April
                      2021
Infektionen Schweden Stand 07.04.2021

Schweden Todesfälle Corona Stand 07. April
                      2021
Todesfälle Schweden Stand 07.04.2021
Schweden Infektionen Folkhälsomyndigheten 07.
                      April 2021
Infektionen Schweden Stand 07.04.2021 - Folhälsomyndigheten
Schweden Todesfälle Folhälsomyndigheten 07.
                      April 2021
Todesfälle Schweden Stand 07.04.2021 - Folkhälsomyndigheten

Bei den Grafiken zu Schweden nach JHU muss berücksichtigt werden, dass hier oft mehrere Tage in einer Säule zusammengefügt wurden. Die Grafiken des schwedischen Gesundheitsamtes zeigen den optisch angemesseneren Kurvenverlauf. Berücksichtigt werden müssen auch die unterschiedlich gradierten Koordinatensysteme. Die Johns Hopkins University gradiert die Todesfalllinie für Deutschland in 200er Schritten, die für Schweden in 50er Schritten. Das Folkhälsomyndigheten gradiert die Todesfalllinie in 10er Schritten.

Die Kurve der Todesfälle in Deutschland erinnert an die Kurve von St. Louis bei der Spanischen Grippe - die schon in der ersten Welle dazu dienen sollte, den Lockdown zu begründen. Es kam damals wie heute weniger zu einer Vemeidung der Todesfälle, als zu einer Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt. Der Vergleich Philadelphia-St. Louis hat im ernsthaften Diskurs auch nie die Rolle gespielt, die der populäre Diskurs im zuwies, zu zeigen nämlich, dass in Philadelphia anteilmäßig sehr viele, in St. Louis sehr wenige starben. Diese Auffassung konnte nur gewinnen, wer lediglich die linke Hälfte der Todesfallzahlenkurve (bis zum Schnitt) wahrnahm. Eine Feinanalyse müsste dazu auch die höhere Siedlungsdichte in Philadelphia und andere Faktoren einbeziehen:

Spanische Grippe 1918


Die Kurve von Philadelphia erinnert an die Kurven in Irland und in Portugal zur Jahreswende bzw. Januar/Februar mit abrupten Anstiegen und ebenso abruptem Abfall. Anstieg wie Fall zeigen den Verlauf des Philadelphia-Musters, das wir auch aus Naturprozessen wie etwa der Räuber-Beute-Beziehung kennen. Eine schlichte 1:1-Übertragung verbietet sich aus mehreren Gründen, es ist allerdings sicherlich verkürzt, den Abfall lediglich durch strikte Lockdownmaßnahmen zu erklären, wie häufig geschieht.

08.04.21 In Berlin wird schon von den "Freiheiten" durch die Impfung geschwärmt. Wann wird die erste Schlagzeile kommen, die da lautet "Corona-Ausbruch nach Geimpften-Party"?

11.04.21 Erleben wir aktuell wirklich die dritte Welle oder ist das nun erst die zweite Welle analog zum Ausbruch März/April 2020 - während der Anstieg von Oktober 2020ff lediglich die "St.Louis-Nachwelle" des ersten Ausbruchs war? Werden wir bald zu einer korrekten Analyse kommen? Ist das medizinisch-epidemiologisch möglich und politisch gewünscht?

12.04.21 Sie sind auf einer Dienstreise an der Nordsee? Sie würden gerne einen Tagesausflug auf eine der Inseln machen? Natürlich mit Test, anders kommen Sie ohnedies nicht "auf die Insel", auch nicht dienstlich. Doch der Ausflug geht nur mit moralischen Bauchschmerzen. Denn § 1 Satz 4 der niedersächsischen Coronaverordnung besagt: "Jede Person soll zudem private Reisen einschließlich tagestouristischer Ausflüge sowie private Besuche vermeiden." Da hilft nur impfen lassen, dann bekommen Sie vielleicht bald die "Green Card". Das RKI verkündete am 04.04.21: "Aus Public Health-Sicht erscheint das Risiko einer Virusübertragung durch Impfung nach gegenwärtigem Kenntnisstand in dem Maß reduziert, dass Geimpfte bei der Epidemiologie der Erkrankung wahrscheinlich keine wesentliche Rolle mehr spielen." Daraus wurden in den vergangenen Tagen mutige Schlussfolgerungen gezogen. Dabei bleibt die sehr bemühte Stellungnahme des RKI deutlich in der Schwebe mit "erscheint" und "wahrscheinlich".

Erinnern wir uns, Kinder erschienen auch zunächst als unwesentlich beim Verbreitungsgeschehen, da sie selbst kaum stärkere Symptome entwickeln. Je nach politischem Kalkül, Stand des Impf- und Testgeschehens, individuellen Prophezeihungen und aktuellen oder zitierten Untersuchungen wurde dies mal so mal so ausgelegt. Das "scheint" sich jetzt zu wiederholen. Was mein Verständnis für die anvisierten Impflings-Freiheiten gänzlich gegen Null schrumpfen lässt, ist die Situation in Pflegeheimen. Im Heim meiner Mutter sind alle Bewohner vollständig geimpft. Besucher müssen dennoch einen Test absolvieren und dürfen nur mit Maske rein - und die Aufenthaltsräume sind tabu, sitzt meine Mutter dort, wird sie in ihr Zimmer gebracht. Ich verstehe, Risikogruppe. Aber sind die jetzt außerhalb von Pflegeheimen Geimpften nicht auch Mitglieder von Risikogruppen? Und sie sollen alles dürfen? Nein, das kann niemand ernsthaft glauben. Es ist der Köder, um die Impfbereitschaft zu heben. "Nudging" nennt man das. Man könnte auch sagen: Nasenring fürs Volk.

Aber nochmal zurück in den Norden: Sollten Sie doch, mit Bauchschmerzen, auf die Insel fahren, vergessen sie nicht, die Gästekarte zu lösen. Die gibt es weiterhin. Auf der Fahrt nach Norderney ist sie im Tagesticket für die Fähre enthalten.

Die Bundeskanzlerin möchte einen Brücken-Lockdown (Laschets Erfindung?) bis zu einem höheren Impfanteil. Wie hoch? Und wie wahrscheinlich sind die Prognosen? Erinnern wir uns - sofern uns Corona noch nicht die Erinnerung aufgefressen hat: Der erste Lockdown, Frühjahr 2020, sollte auch schon eine Brücke schlagen - bis zur Ertüchtigung des Gesundheitssystems. Dann kam die Brücke bis zur Impfstoffzulassung 2020. Viele Corona-"Brücken" hat es schon gegeben. Noch jede stürzte leise ein.

Leben im Vorbehalt, Leben im Als-ob, Leben mit angezogener Handbremse, Leben im Double-bind, Einschränkungen ohne objektive und repräsentative Daten und Analysen, Einschränkungen im permanenten Wechselspiel von Verbot und Nudging. Welcher Geist wird da gerade eingeübt? Anpassung und explosiver Protest. Kritisches Selbstdenken gerät in die Defensive zwischen "Querdenken" und Denkverzicht.

15.04.21 Der ganz normale Schnelltestwahnsinn I: Die Wahrscheinlichkeit, ein falsch positives Ergebnis zu bekommen, ist bei Symptomfreiheit und Einhaltung der üblichen Regeln höher als die Wahrscheinlichkeit infiziert zu sein. Und dann wird unter ungünstigen Umständen (es kann z.B. nicht umgehend ein Kontrolltest durchgeführt und ausgewertet werden) gleich die ganze Kaskade von Quarantäne und Kontakterfassung losgetreten. Hier wäre ein klares vereinfachtes Verfahren hilfreich: Wer bei Schnelltest positiv getestet wird, erhält sofort einen weiteren Kontrollschnelltest. Ist dieser gleichfalls positiv, wird ein Labor-Test angeordnet und die Person muss sich in häusliche Quarantäne begeben bis zur Vorlage des Labor-Ergebnisses. Erst wenn dieses auch positiv ist, wird das Gesundheitsamt informiert und die Kontaktpersonenverfolgung eingeleitet. Manche machen das auch so, andere anders ... Wer nun meint, das könne dann schon zu spät sein, ignoriert die Realität der Kontaktpersonenverfolgung, die an fehlenden Abwägungen erstickt und an Vermeidungsstrategien scheitert.

Der ganz normale Schnelltestwahnsinn II: Eltern schicken ihren Sohn in Berlin trotz positivem Schnelltest zuhause (Selbsttest) in die Schule. Als es rauskommt, geht die ganze Schule samt zugehörigen Familien in die Quarantäne. Wie lösen die Schweden sowas? Wer fragt mal nach? Die chinesische Antwort ist bekannt: Eltern ins Gefängnis. Ist die deutsche Antwort tauglicher: alle anderen - für kürzere Zeit und nur im übertragenen Sinne - ins "Gefängnis"? Beide Antworten taugen nichts! Ist es angesichts der Quarantäne-Drohungen (die so wenig verlässlich abschätzbar sind wie vieles an den Maßnahmen) nicht nachvollziehbar (ich spreche nicht von entschuldbar), wenn Einzelne ihre Testergebnisse ignorieren? Ein Grundschulkind hat seinen mit mir befreundeten Eltern erklärt: Ich lasse mich nicht in der Schule testen! Wenn ich positiv bin, muss ich mich vor der ganzen Klasse schämen!

21.04.21 Zum Vergleich die Inzidenz-Kurven aus Irland, Portugal, Israel und Deutschland. Zu beachten ist die unterschiedliche Skalierung, in Irland und Portugal geht es bis über 800, in Israel bis über 600, in Deutschland nur bis über 200. Außerdem ist die Kurve aus Deutschland versetzt, sie beginnt bereits am 01. Januar 2020, die anderen beginnen erst am 01. März 2020:

Inzidenzkurve Irland April 2021
Inzidenzkurve Portugal April 2021
Inzidenzkurve Israel April 2021
Inzidenzkurve Deutschland April 2021


22.04.21 Merkel, Laschet und Söder stehen hinter dem Konzept des "Brücken-Lockdowns". Nur Baerbock hält sich zurück, sie bemängelte bislang vor allem die Vernachlässigung der Kinderinteressen bei den Corona-Maßnahmen. Grundsätzlich befürworten die Grünen einen Bundes-Lockdown, es äußert sich aber vor allem Habeck, den Begriff "Brücken-Lockdown" vermeidet er. Den Grünen geht es um eine bundesweite Regelung, sie kritisieren schon lange das Steuerungsmittel der Ministerpräsidentenkonferenz. Allerdings vertreten sie auch einen kurzen, harten Lockdown, so etwa Julia Willie, Fraktionsvorsitzende in Niedersachsen.

Im ZEIT-Magazin "Wissen", Heft 3/21, wird auf "Soziale Distanzierung" als Reaktion auf Krankheiten bei Tieren aufmerksam gemacht. Allerdings hat der Begriff hier wenig mit dem zu tun, was er im Corona-Kontext bedeutet. Kranke Tiere ziehen sich zurück, reduzieren Kontakte oder werden von der Gruppe ausgeschlossen. Das entspricht eher dem Konzept der Quarantäne.

"Schwächste Grippe-Saison seit Jahrzehnten" - rechnet jetzt jemand aus, wieviele der Corona-Toten Grippe-Tote gewesen wären? Corona-Zeit: Zeit der Konjunktive ... Wieviele Senioren konnten nicht nach draußen, weil es keine rasch erreichbaren Toiletten mehr gibt? Wieviele Menschen haben sich erkältet, weil sie vom Regen überrascht keine Zuflucht finden konnten? "Sich auf das Wesentliche besinnen" - was soll das heißen? In der Stadt in die Straßenecke pinkeln? Sich mit nasser Kleidung eine Erkältung holen (keine Grippe, s.o.) und dann schräg angeschaut werden wegen Corona-Verdachtes? Der wesentliche Himmel: Ohne Kondensstreifen, das immerhin ist gut! Was sonst "sich auf das Wesentliche besinnen" für viele heißt, hört man am Motorradverkehr: so viel wie noch nie, die kleine Freiheit auf Kosten der Streckenanwohner wird erbarmungslos ausgereizt, mit "freiheitsliebendem" Fahrstil, laut, auftrumpfend, schnell, jede Sonnenstunde nutzend.

Und ganz überraschend stellen nun viele Medien und auch Politiker fest, dass Joggen nach 20, 21 oder 22 Uhr das Infektionsgeschehen nicht anfeuere. Schon erstaunlich, wie lange Lernprozesse im Corona-Kontext dauern. Auch wurde in Deutschland jetzt erst festgestellt, dass die Angabe der Einweisungen auf Intensivstation relevanter seien als Inzidenz-Zahlen. Der Tagesspiegel titelte gestern, am 21. April: "Epidemiologen fordern Neuaufnahmen auf Intensivstationen als neuen Inzidenzwert". Schweden, vom Tagesspiegel im vergangenen Jahr regelmäßig kritisiert, veröffentlicht die Einweisungen auf Intensivstationen in seinen Corona-Statistiken seit Anbeginn, seit mehr als einem Jahr!

29.04.21 Tagesschau-Schlagzeile: "Forscher rechnen mit Inzidenz unter 50" - wie sagt "der Schwabe" doch so schön: "Herr, schmeiß Hirn rah!" - und verschone uns vor dem täglichen Börsenbericht.

30.04.21 Die 7-Tages-Inzidenz in Indien liegt heute bei 181,1 - und dennoch hören wir seit einer Woche Horrormeldungen aus Indien. Infektionsrate in Indien 1,4, bei uns 4,1 - was ist da los, was stimmt, wie passt das zusammen? Frankreich hat heute eine Inzidenz von 269,8 und Deutschland eine von 153,4. Am 23.04. versuchte sich die Tagesschau bereits an einer Erklärung und meinte, der bloße Zahlenvergleich täusche. Angeführt wurde als Begründung der schwierigen Situation unter anderem, dass Indien nur ein Viertel der Intensivbetten im Vergleich mit Deutschland habe. Das gilt aber auch für Schweden.

02.05.21 Die seriöse NZZ titelt am 28.04. "Indien schien auf dem Weg zur Herdenimmunität zu sein, nun ist das Land das Corona-Epizentrum der Welt. Was ist passiert?". Beide Behauptungen klingen falsch. Auf dem Weg zur Herdenimmunität mit einer (laut "corona-in-zahlen.de") Infektionsrate von 1,39% und einer Impfquote von 1,93% (zweite Impfung)?? Corona-Epizentrum der Welt mit einer 7-Tages-Inzidenz von aktuell 159,8?? Die steile These von der Herdenimmunität basiert vor allem auf Untersuchungen in den Slums von Mumbai. Die These vom "Corona-Epizentrum" darauf, dass 1/3 der Neuinfektionen weltweit am 27. April aus Indien gemeldet wurden. Nun leben in Indien 18,5% der Weltbevölkerung und während in anderen Teilen der Welt die Infektionszahlen nach einem Höhepunkt gerade sinken, steigen sie in Indien nach einem anhaltenden Tiefstand. Wer die Zusammenhänge, Kontexte, Differenzierungen ausblendet (die im Beitrag der NZZ und in ihren Grafiken aber durchaus ausgeführt werden), kann so zu den irreführenden (Blendle macht aus "Indien schien auf dem Weg zur Herdenimmunität" ein "Indien war auf dem Weg zur Herdenimmunität") und doch "irgendwie" richtigen Behauptungen der Überschrift kommen. Da ist schon wohltuend sachlich und informativ, was Drosten im NDR-Podcast am 28.04. zu Indien sagt.

Melanie Amann vom Spiegel erkennt in einem Leitartikel in einem "Impfneid" der Deutschen ein typisch deutsches Verhalten, man missgönne den Geimpften Freiheitsrechte! Ich kenne niemanden mit Impfneid. Ich kenne allerdings Leute, die klug genug sind zu erkennen, dass ein Geimpfter in Feierlaune riskanter ist für das Infektionsgeschehen als ein besonnener ungeimpfter Mensch. Und typisch deutsch ist wohl eher das "Typisch deutsch"-Gerede.

Ich finde einen informierten Beitrag in der "Welt" online, Gesundheit, von Alice Lanzke, zum Einfluß von Luftverschmutzung/Feinstaubbelastung auf das Risiko, einen schweren Verlauf von Covid-19 durchzumachen. Nach Untersuchungen einer internationalen Forschergruppe unter Beteiligung von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz könnten 26% der Corona-Todesfälle in Deutschland auf Belastungen mit Feinstaub zurückführbar sein. Die extreme Krisensituation in Bergamo zu Beginn der Pandemie ist eindeutig - und das ist schon länger bekannt - auch auf die dortige Luftverschmutzung zurückzuführen im "Industrie-Dreieck" Bergamo-Lodi-Cremona. In Europa liegen die Nachbarn Brescia und Bergamo an der Spitze der Liste von Städten mit den höchsten Todesfallzahlen durch Feinstaubbelastung!

03.05.21 Es ist nun häufig zu hören, Corona treibe die Digitalisierung der Gesellschaft voran. Dabei sollte aber auch bedacht werden, wie riskant es sowohl psychologisch als auch ganz pragmatisch ist, wenn eine Gesellschaft am Tropf der IT hängt. Es gibt noch ein Leben jenseits der Cloud - nicht vergessen ... Und es sollte auch ein Leben trotz Stromausfall und ohne ständigen Internetzugang möglich sein! Wir steuern allerdings auf eine andere Situation zu. Die Lehre von der Verwundbarkeit unserer hochkomplexen Gesellschaft wird ignoriert, Resilienz in die IT verlagert. Überdies darf an der Digitalisierung dank Corona gezweifelt werden. Wer Kinder im schulpflichtigen Alter hat, die von schlecht ausgebildeten und nach den falschen Schlüsselqualifikationen (Anpassung statt kreativer Eigenverantwortung z.B.) selektierten Lehrkräften digital gequält werden, wird daran mit guten Gründen zweifeln und sich einen langen Atem zulegen - und selbst aktiv werden, sofern irgend möglich. Eine Studie zu den Materialien und didaktischen Aufbereitungen, die aktuell auf Schüler losgelassen werden, könnte lehrreich sein. Da bekommen Kinder in der Grundstufe Gymnasium als "Lösungen" zu ihren Aufgaben für das Homeschooling das geschickt, was im Lehrerhandbuch als Lernzielformulierungen steht. Nur so zum Beispiel.

Die IPG veröffentlicht heute unter dem Titel "Weiße Flecken auf der Corona-Karte" eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Merkelschen Lockdownprinzip "Viel hilft viel", das mit guten Gründen in Frage gestellt wird, und eine bemerkenswert deutliche Kritik an der oft oberflächlichen, schlagzeilenorientierten, undifferenzierten und uninformierten medialen Berichterstattung zu Corona-Fragen.

27.05.21 Ein bemerkenswerter Satz von Angela Merkel geht heute durch die Medien: Unabhängig vom Impfgeschehen werde eine gesicherte Rückkehr zum Schulunterricht stattfinden. Kann sie auf die letzten Meter ihrer Kanzlerschaft nun entspannt sagen, was sie für richtig hält? Während die Lauterbache der Republik und ihre Kommentatoren sich darin überbieten, die Notwendigkeit einer umfassenden Impfkampagne unter Kindern und Jugendlichen zu beschwören. Und dies, man hat ja gelernt, nicht um die Alten zu schützen, sondern die Jungen, so wird versichert, z.B. von einer Kommentatorin des Deutschlandfunkes. Wo die Impfdosen dazu herkommen sollen, wird nicht erklärt. Drosten und andere Mediziner erklären, es sollten doch erstmal die Eltern geimpft werden, was ich sehr vernünftig finde.

03.06.21 Im Karwendel, ein paar Tage in den Bergen. Das neue Mantra: "Geimpft, Genesen, Getestet". Löst AHA ab. Wortmagie.

15.06.21 Corona zerfrisst alle Diskurse und Diskursmuster. Was auch geschieht, geschieht trotz oder wegen der hohen oder niedrigen Impfraten, trotz oder wegen gelockerter Maßnahmen, trotz oder wegen bestimmter Verhaltensweisen.

18.06.21 Nun sei bekannt, dass der Sommer eine größere Rolle spiele beim Rückgang der Corona-Infektionen als bislang angenommen. Aha. Dabei lag die Verbindung auf der Hand, zumindest für Deutschland und zahlreiche andere europäische Länder. Aber dann hat jemand gefunden, dass es auch heiße Länder gebe mit hohen Inzidenzen. Und das wurde als Gegenbeweis gehandelt. Die Leidenschaft der falschen Vergleiche gehört zur Corona-Pandemie wie die Atemmasken. So wurden gerne auch Inzidenzen verschiedener Länder miteinander verglichen, die sich gerade in unterschiedlichen Jahreszeiten befanden, Inzidenzen von Ländern mit erheblichen Differenzen in der Bevölkerungszusammensetzung, in den Wirtschaftsgrundlagen, im Gesundheitssystem. Niemandem schien aufzufallen, dass Länder mit niedrigen Inzidenzen oft Inseln waren oder Inselkontinente (Australien). Von skandinavischen Ländern wurde so gesprochen als redete man über die alten Bundesländer, ignorant gegenüber den wirtschaftlichen, gesundheitspolitischen, landschaftlich-klimatischen und populationsstrukturellen Unterschieden im Kunstgebilde Skandinavien.

Aber noch ist der Sommer nicht da und schon wird mit tiefen Sorgenfalten vor der vierten Welle mit der indischen Variante gewarnt. Ja, richtig, im UK grassiert sie. Aber was ist mit Indien, wo die Variante doch herkommt? Da ist die Inzidenz weit unter der im UK. Aber wie gesagt: Vorsicht mit Vergleichen. Nun sollten Maßnahmen für den Herbst geplant und vorbereitet werden. Strukturelle Maßnahmen, die schon längst überfällig sind. Die Ausstattung und Ausbildung (der Lehrer v.a.) für den digitalen Unterricht voranbringen. Luftfilter für die Schulen und Büros. Feinstaub bekämpfen, allgemein Ursachen für schwere Verläufe bekämpfen. Dinge angehen, die strukturell langfristig sinnvoll sind, auch ohne Corona. Statt nur auf Impfquoten zu starren und zu hoffen! Analysen und Bearbeitungen der Ausbreitungswege, sozialer Bedingungen, immunologischer Parameter, datenschutzrechtlicher Rahmenbedingungen für effektive Kontrollapps etc. pp. Es gibt einiges zu tun bis zum Herbst!