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TAGEBUCH 2021
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01. Januar 2021
Bis in die Nähe der Monatsmitte bleibt es nun leicht frostig, danach könnte es milder werden. Zur Sicherheit habe ich heute auch die neu gepflanzte kleine Feige vor dem Haus eingepackt.

08. Januar 2021 Mal wieder Schneefall draußen, aber er bleibt kaum liegen, zu warm. Eine Erwärmung aus dem Südwesten rangelt Mitte des Monats mit einer Kälte aus dem Nordosten, es ist noch nicht entschieden, was sich bei uns durchsetzen wird. Die Prognosen bis März beschreiben insgesamt eine eher kühlere Tendenz. Aber zweistellig negativ dürfte es auch weiterhin nicht werden in diesem Winter.

10. Januar 2021 Es zeichnet sich ab, dass die kühlere Strömung bei uns sich durchsetzt für Januar. Schade für die Oliven. Und heute nacht wirds schon mal kräftig kalt. So kalt dass ich beim Nachwuchs im Gewächshaus die Heizung eingeschaltet habe.
Eingelegte Oliven
              der Ernte 2020
12. Januar 2021 Die Nacht vom 10. auf den 11. Januar machte Bruchsal zu einem der kältesten Orte vergleichbarer Höhenlage in Deutschland. Es ging im Olivenhain Richtung -8 Grad! Ohne Einhüllungen! Heute erstmal Sturm, Indikator für die ambivalente Großwetterlage. Gerade siehts wieder eher mild aus für die zweite Januarhälfte. Am 31. Januar wissen wir dazu mehr ... Aktuell aber droht zum Wochenende eine Mischung aus Nasskalt und Dauerfrost. Das sind keine guten Prognosen für die Oliven.

13. Januar 2021 Der Sturm konnte nur ein wenig die Einhüllung des Granatapfels öffnen. Der Frost hat allerdings einige Olivenblätter geschädigt, bei den französischen Sorten gibt es vollständig verbräunte Blätter, bei den anderen einzelne Blätter mit braunen Erfrierungen vom Blattrand her. Im Gewächshaus erreichte die Temperatur in der Nacht vom 10. auf den 11. Januar in den heizungsfernen Bereichen -5 Grad, das hat bei allen drei Tanche zu Erfrierungen an den Blättern geführt und einzelnem Blattfall. Schade, auf Tanche hatte ich große Hoffnungen gesetzt, da sie in Villeperdrix gedeiht, wo im Winter ähnliche Temperaturen herrschen wie bei uns.

15. Januar 2021 Die beiden Verzola, eine rare Sorte von der SPO Pescia, angebaut v.a. in Umbrien und in den Marken, scheinen diesen Winter bislang geradezu zu genießen! Die Blätter sind extrem vital, groß, tiefgrün, glänzend. Es sind keinerlei Schädigungen durch die Witterung zu erkennen! Auch die Blätter von Bianchera sehen erstaunlich vital aus. Ascolana dagegen leidet sehr.

Gut machen sich die eingelegten grünen Oliven vom 19. Dezember (s. Foto). Allerdings brauchen sie noch Zeit, sie schmecken weiterhin sehr bitter.

21. Januar 2021 Nun also zwei Tage "Frühling", einige Vögel zwitschern vergnügt. Im Weinberg habe ich mit dem Rebschnitt begonnen. Ich lasse drei Ruten stehen - erstens muss ich dann nicht so viel jetzt schon entscheiden und zweitens traue ich diesem Winter noch nicht. Ich erinnere mich mit Gruseln an den Winter 2015/16 - einer der fünf mildesten Winter seit Aufzeichnungsbeginn, und doch gab es in der zweiten Januarhälfte 8 Frostnächte hintereinander, davon 4 an Eistagen, bis -8,5 Grad! Und auch danach brachte er neben frühlingshaften Temperaturen einige kühle Überraschungen. Olivenhain am 29.01.2021 - Wind um 30 km/h,
              Temperatur 11 GradAllerdings wird zumindest bis Ende Januar vom ECMWF kein größeres Frostereignis prognostiziert.

27. Januar 2021 Unverkennbar ist der Winter noch nicht vorbei! Gerade mal wieder Schneefälle - hier allerdings bei Temperaturen knapp über Null. In den nächsten Tagen wirds wieder wärmer, in der zweiten Februarwoche könnte es erneut kühler werden.

29. Januar 2021 Bei Mittagstemperaturen über 11 Grad heftiger Westwind im Hain (s. Foto links). Der Atlantik lässt grüßen, bis Sonntag, dann kommt der Nordostwind wieder bis zu uns her, wird aber Dienstag schon wieder zurückgedrängt, um dann ab Freitag für einige Tage dominierend zu werden und auch wieder Wintergefühle zu bringen. Bis dahin blüht erst mal fleißig der Rosmarin!

Den Oliven geht es recht gut, auch eine der drei Moufla zeigt nun sehr vitale Blätter.

03. Februar 2021 Regen, Regen, Regen. Die LUBW hat 2013 für die zukünftige Klimaentwicklung weniger Regen im Sommer- und mehr Regen im Winterhalbjahr prognostiziert für BaWü. Bislang bestätigt sich das. In den vergangenen Wochen hatte ich öfter den Eindruck, in einer neuen Regenzeit zu leben. Bringt uns die Klimaentwicklung dies: Regenzeiten, die denen am nördlichen Indischen Ozean vergleichbar werden? Allerdings wird gerade beobachtet, dass auch der Monsun in Indien zunimmt.

04. Februar 2021 Seltsame Wettersituation, im Norden hängt die Kälte, der Winter von Nordosten, im Süden haben wir die Wärme, den Frühling von Südwest. Was dazu führen könnte, dass es in der Kölner Bucht einmal über mehrere Tage wesentlich kälter ist als bei uns - kommende Woche.

06. Februar 2021 Vormittag: Ganz so entspannt sieht es jetzt für uns im Süden nicht mehr aus! Ab 11. Februar könnte die Kälte auch dann weiter zu uns herunter kommen. Alles ist wieder offen, auch eine heftige Rückkehr des Winters bei uns ist möglich! Spätwinter I heißt das bei Rüdiger Glaser, Klimageschichte Mitteleuropas. Allerdings mit einem Hoch - eigentlich erst für Spätwinter II vorgesehen, die beiden überkreuzen sich nach bisheriger Prognose.

14:30 Der Wetterbericht ändert sich nun stündlich. Aber nur in einer Richtung: Es wird kälter. Für Stommeln werden in den nächsten Tagen  bis -10 angekündigt, für uns im Landkreis Karlsruhe könnte es mit ein bis zwei Tagen Verzögerung bis -6 gehen. Das schweflige Licht am Himmel verkündet seine eigene berückende Botschaft zur Wetterlage. In der Luft sind auch gelegentlich Schwaden von Sauerkrautgeruch/Geruch nach schwefliger Chemie - hat die Karlsruher Raffinerie wieder Probleme oder hat die Sahara-Strömung den Geruch weiter im Süden aufgenommen? Jedenfalls passen Geruch und Licht seltsam zusammen und zur Katastrophen-Stimmung, die gerade von den Wetterberichten verbreitet wird.

Am Abend hat sich der gelbe Himmel abgesenkt: Die Autos bedeckt mit Saharastaub! Gruß aus dem Süden.

07. Februar 2021 Sonntag. Morgens: Die Prognosen werden immer düsterer. Bald droht ein sehr frostiger Gruß aus dem Nordosten, nach dem Sahara-staubigen Südgruß von gestern. Im Wetterbericht werden gerade -11 Grad auch für unsere Region in den kommenden Tagen angekündigt. EMWF weiß davon allerdings nichts, da bleibt der strenge Frost im Norden. Eigentlich müsste ich nun die Oliven einpacken. Schwere Entscheidung. Denn wenn der Frost tatsächlich so kommt, werden davor auch stürmische Winde kommen, die an den Einüllungen zerren. Vorbereitungen muss ich jedenfalls treffen heute. Die Stahlstangen aufspannen für die größeren Exemplare. Und hoffen ...

Abend: Ich habe 12 Oliven eingepackt, von allen Sorten (Aglandaou, Ascolana, Bianchera, Bouteillan, Leccino, Olivastra Seggianese, Maurino, Moufla, Verzola) mindestens eine. Jetzt werden nur noch -8 für den Raum Bruchsal angekündigt, doch die Strömungsverläufe werden immer undurchschaubarer. Die Hauptfrage ist, wie weit die Frostbombe, die kommende Woche laut aktueller Berechnung des ECMWF, Richtung Süden zieht, auf ihrem Weg nach Westen kommt. Gerade sieht es so aus, als bekämen die Oliven an der Dalmatinische Küsten viel ab. Aber das kann sich noch erheblich ändern. Ich hoffe mal, die Wetterprognostiker wollten lieber etwas düsterer malen um nicht zu hören: Warum habt ihr nicht gewarnt? Es ist ja so: Ein Prophet, der was Schlimmes prophezeit, darf irren, das verzeihen wir eher, es ist ja gleichsam zu unserem Nutzen besser geworden. Wer Gutes prophezeit und das kommt dann nicht, der kriegt Probleme.

08. Februar 2021 Die ab Donnerstag sich formierende Frostkugel wirbelt immer unberechenbarer über Nord-, Ost- und Mitteleuropa in den Prognosen des ECMWF - von Prognosen sollte nicht mehr gesprochen werden, das ist Roulette. Inzwischen geht die Frostkugel nicht mehr nach Süden, sondern zurück in den Nordosten. Hoffentlich stimmt meine der Wettergeschichte abgelauschte Vermutung, dass es nur ca. alle 28 Jahre dazu kommt, dass diese Kugel sich als Riesenschuh entwickelt und ausdauernd über Nord-, Mittel- und Teilen Südeuropas liegt.

Börsenbericht, Wetterbericht, Coronabericht: Die Lust an der Prognose und der tägliche, stündlichen Erstellung eines Bulletins dominiert uns - profanisiertes Erbe der Wahrsagerei?

Am Abend weitere drei Oliven eingepackt. Die Prognosen bei "wetter.com" gehen für Donnerstag bei uns bis -16 Grad! Was ich für wenig wahrscheinlichen worst case halte. Aber klüger sind wir am Freitag ...

09. Februar 2021 "wetter.com" prophezeit jetzt zu Donnerstag (übermorgen) -19 Grad für Bruchsal!! Der gleiche Dienst prognostiziert für die Kölner Bucht am Donnerstag nur -8 Grad. Sieht nach einer richtigen Portion Pech für mich aus. Oder anders: Worst Case mit Großbuchstaben. Allerdings sind andere Wetterdienste nicht so pessimistisch. Und bei ECMWF finde ich kein entsprechendes Szenarium. Die Frostkugel bleibt ECMWF zufolNacht 10. auf 11.
              Februar 2021ge mit ihrem Zentrum östlich von uns und bewegt sich zum Ende der Woche zügig nach Nordost.

Der Olivennachwuchs im Gewächshaus ist doppelt geschützt, zum einen durch einen Heizkörper, zum anderen durch die Schneeauflage auf dem Dach, die als Isolation wirkt.

10. Februar 2021 Die Kölner Bucht blieb verschont, ist an zweistelligen Minustemperaturen gerade so vorbei geschlittert - bei uns dürfte es in der kommenden Nacht jedoch zweistellig werden - wobei noch immer ein breites Spektrum angeboten wird bis runter zu (nur noch) -16 Grad. Und das, obgleich die ECMWF-Charts das nicht hergeben (s. Bild rechts 00:00 Uhr 11.02.21). Liegt das an den berüchtigten "Temperaturen über Schnee"? Über Schnee werden durch die starke "Wärme"-Abstrahlung von Weiß ein paar Grad weniger gemessen als über Erdreich. Für die Pflanzen u.U. mehr als kompensiert durch den Isolationseffekt des Schnees. Was gilt aber für Eingepackte Oliven Februar 2021Bäume, deren Stämme über den Schnee rausragen und die zudem auch sich einen Abstand zum Schnee freischmelzen durch ihre Eigenwärme? Noch Stoff für viele agrometeorologische Forschungsarbeiten.

11. Februar 2021 Nun hat es mich also kalt erwischt, mich und meine Oliven: -16 Grad in der vergangenen Nacht! Die düsteren Prognosen von "wetter.com" sind also eingetroffen, nicht für die Kölner Bucht, aber für uns hier! Ein kleine Verschiebung nach Nordosten und wir wären verschont geblieben. Doch eine kleine Verschiebung nach Südwesten und es wäre noch dicker gekommen. Aus dem Olivenanbau in Brandenburg, den ein Experte der Münchner Rückversicherung 2018 für die Zukunft empfohlen hat, wird wohl auf absehbare Zeit nichts werden. Und in Obergrombach? Ich fürchte, eher auch nichts. Immerhin konnte ich meine Neupflanzungen für dieses Jahr im Kalthaus sichern, die Heizung hat funktioniert, es ging nur bis -6 Grad runter. Und das brauchen die Pflanzen zur Akklimatisierung.

Und nun Sonne! Das ist auch nicht günstig, wenn die Oliven nun unter den Hüllen stehen und aufgeheizt werden. Im Olivenhain um die Mittagszeit -3 Grad Lufttemperatur. Die Schneeoberfläche aber war -12 Grad kalt!

14. Februar 2021 Vier Nächte nun zweistellige Minustemperaturen, minimal -16 Grad. Seit dem Frostfebruar 2012 (Anfang Februar 10 Nächte zweistellige Minustemperaturen, zwei Wochen Dauerfrost) gab es nur im Januar 2017 ein vergleichbares Ereignis, als auch der See in der Günther-Klotz-Anlage Karlsruhe zum Schlittschuhfahren freigegeben wurde. Gestern wurde dort auch gefahren, allerdings war nicht offiziell freigegeben und die Polizei kam gelegentlich vorbei, um die Leute wegzuschicken. 2017 ging es nur runter bis -12, dafür länger. Da hatte ich auch eingepackt. Morgen wirds wieder warm und schon die kommende Nacht bleibt der Frost absehbar über -5 Grad. Auspacken steht an, die Frage ist nur: Heute schon oder erst morgen. Morgen könnte es aber regnen. Nicht gut fürs Auspacken, die nassen Tücher machen weitere Arbeit!

16. Februar 2021 Nun sind alle Oliven wieder ausgepackt, die Tücher einigermaßen trocken, aber mit Eis teilweise noch dran. Es sieht nach einer warmen zweiten Februarhälfte aus. Der Rosmarin aus Seggiano hat leider gelitten am Frost, wo er unter Schnee begraben war sind die Nadeln braun. Von den Oliven im Glashaus haben neben den Tanche auch die Aglandaou braune Blätter bekommen. Auch im Gelände sehen die Aglandaou nicht gut aus, auch die nicht, die eingepackt waren!

22. Februar 2021 Montag. Zahlreiche Haselnusskätzchen! Nach dem mageren Haselnussjahr 2020 dürfte es also 2021 eine reiche Ernte geben - falls es nicht wieder zu trocken wird. Die Maibeeren treiben lebhaft aus und auch an anderen Pflanzen öffnen sich die Knospen bereits, die Pfirsichbäume zeigen vereinzelt erstes Rosa an den Knospen, die Thymiane bilden neue Blütenknospen - auch bei dem Seggianese-Thymian, dessen Nadeln fast allesamt verbräunt sind durch den tiefen Februarfrost. Es bleibt warm bis in den März hinein. Nur am Freitag könnte es nachts wieder an die Nullgrad-Grenze gehen. Der Südwind bringt aktuell auch wieder Sahara-Sand.

Die Bouteillan zeigen teilweise massive Frostrisse - die anderen Sorten nicht. Verbräuntes Laub findet sich vor allem bei den französischen Sorten und bei Ascolana. Aber teilweise ist auch grünes Laub nicht mehr zugfest. Es könnte zu massivem Laubfall kommen. Stabil sind die Blätter bei Olivastra Seggianese und Verzola. Bei den Pflanzen im Kalthaus sind alle Blätter zugfest.

Stress bedeutet jetzt auch der massive Umschwung zu fast sommerlichen Temperaturen, bei starker Sonneneinstrahlung. Am 11. Februar -16 Grad, am 21. Februar +18 Grad. Ich hoffe, es kommt kein Märzwinter mehr! Merkwürdige kleine Frostwirbel sind beim ECMWF über Frankreich und Deutschland für das Wochenende zu sehen.

25. Februar 2021 Nun sind auch die grünen Oliven der Ernte 2020 genussreif. Ein schönes Gefühl, die eigenen Oliven zu essen! Heute habe ich die letzte schwarze Leccino-Olive vom Busch im Hain gepflückt, ganz eingeschrumpelt, sehr schmackhaft, wenngleich mit pikanter Bitternote. Erstaunliche Entdeckung: Unter einer Mulchschicht, die ich für die nächsten Auspflanzungen ausgebracht hatte, haben sich üppig mehrere Bodenaustrieb aus einer vor Jahren schon abgefrorenen Bianchera entwickelt - sieht intakt aus! Eindeutig keine Bianchera, aber auch keine Wildolive. Eine kleinblättrige Unterlage, und sehr vital!

27. Februar 2021 Wieder Eis auf dem Dach heute morgen. Doch zunächst bleibts insgesamt weiter eher freundlich. In einer Woche könnte aber erneut ein "Arctic Outbreak" kommen, es wirbelt kräftig da oben über uns von Norden her rum.

02. März 2021 Vier Nächte in Folge mit leichtem Morgenfrost. Aber die eigentliche Kaltfront soll erst ab Freitag kommen. Ein Vergleich mit dem strengen Winter 2008/09 relativiert diese frostigen Aussichten. Damals gab es im Februar 16 Frosttage und im März 10. Den März 2009 könnte der diesjährige noch schlagen - aber insgesamt bleibt der Winter doch verhalten. 2008/09 hatten wir insgesamt 81 Frosttage. In diesem Winter sind wir bislang erst bei 49. Für einen milden Winter dennoch recht viel, zumal noch einige dazu kommen dürften. Einige Wetterdienste sprechen gar von einem "massiven Wintereinbruch" oder äußern sich ähnlich. Freundlich sind die Aussichten nicht, Pflanzen und Insekten werden leiden, auch hier im Süden.


(>>>Corona-Tagebuch 2020)

CORONA-Tagebuch. Beobachtungen, Informationen, Reflexionen


11.01.21 Ab heute ist zum Besuch meiner Mutter im Pflegeheim in Baden-Württemberg ein Corona-Schnelltest notwendig. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Corona-Infektionen in Pflegeheimen vom Pflegepersonal ausgehen, eine seltsam hilflose Regelung, für die auch keine Infrastruktur da ist. Parallel dazu wird über eine Impfpflicht für Pflegepersonal diskutiert und werden die Bewohner der Pflegeheime geimpft (oder eben auch nicht, das zieht sich hin).

Seit Monaten wird auf die Impfung gehofft. Nun ist die Impfung da und das Wunder bleibt aus, Untersuchungen weisen darauf hin, dass erst nach 14 Tagen signifikant Antikörper bei den Geimpften vorhanden sind für einen (statistischen) 50%-Schutz. Und schon wird über die Verlängerung des Lockdowns in den Februar hinein gesprochen. Dabei haben alle bisherigen Maßnahmen in Deutschland nur das dürftige Resultat gebracht, dass wir uns mit rasender Geschwindigkeit der Corona-Gesamtsterblichkeit in den USA annähern. Und noch immer gibt es keine verlässlichen Aussagen zu den wichtigsten Ausbreitungsvektoren, erneut wird gegen alle Erfahrungen und Untersuchungen auf die totale Schulenschließung gesetzt. Und die Jugendlichen treffen sich eben woanders. Und am Arbeitsplatz wird (bisweilen nicht nur) in den Pausen fleißig kontaktiert.

12.01.21  In Deutschland wird ausreichend Impfstoff erst dann zur Verfügung stehen, wenn mit dem jahreszeitlichen Rückgang der Infektionen zu rechnen ist. In Schweden gibt es Skepsis gegen die Impfung, nach den Erfahrungen mit der Schweinegrippe-Impfung, die mehrere hundert Geimpfte mit unheilbarer Narkolepsie als Nebenwirkung zurückgelassen hat. Die Nebenwirkung trat in den meisten Fällen innerhalb der ersten acht Wochen nach Impfung auf, wurde allerdings erst spät auf die Impfung zurückgeführt, die Frequenz lag bei 1:20.000 Fällen.

13.01.21 Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung kritisiert den deutschen Lockdown seit November, der habe nichts gebracht. Und er mahnt: „Den Unterschied macht nicht die Härte der Maßnahmen, sondern machen die Menschen in ihrem privaten Verhalten.“ An das private Verhalten wurde in Schweden von Anbeginn appelliert, die Maßnahmen evidenzbasiert und utilitaristisch sukzessive eingeführt, nicht in ideologischen Schüben und fragwürdigem Hin und Her wie in Deutschland. Was, wenn die Gruppen, bei denen die Verhaltenssteuerung besonders schlecht funktioniert, von den Maßnahmen gar nicht erreicht werden, sich bei ihnen die Infektionszahlen solange erhöhen, bis sie inhärent gestoppt werden, nicht von den strukturellen Maßnahmen, die immer weiter angezogen werden? Kann es denn nicht auch eine Herdenimmunität in relevanten Unterkollektiven geben, die sich senkend auf die Infektionszahlen auswirkt? Die Abflachung der Infektionskurve Anfang November begann vor dem Lockdown und zeigte sich ähnlich auch in Ländern ohne entsprechendem Lockdown, etwa in Schweden. Gibt es ein identifizierbares Kollektiv potentieller Superspreader, deren Immunität sich auf die Infektionskurve signifikanter auswirken könnte als Lockdowns? Ich bin für Maßnahmen, aber gewichtet, wie in Schweden. Und ich beurteile die laxen Maskenvorschriften in Schweden kritisch.

14.01.21 Eine neue Maßnahmen-Erfahrung: Ich benötigte dringend Material aus dem Bauhaus für Reparaturen am Haus. Ich musste schauen, in welchem Bauhaus in meiner Nähe das vorrätig ist, dann dort bestellen und abholen. Ein enormer Aufwand, zumal ich zu einem etwas entfernteren Bauhaus fahren musste - ich nahm den ÖPNV, mit FFP2-Maske finde ich das vertretbar. Und ich hielte es für höchst fragwürdig, wegen der Corona-Empfehlungen nun mehr Auto zu fahren, als ich es sonst tue! Auch wenn ich sehe, dass der Staat seine Kontrollaufgaben dürftig erfüllt. In den Bahnen habe ich noch nie Maskenkontrolle erlebt, lediglich einmal vier! junge Polizisten zusammen auf einem! Bahnsteig der Stadtbahn in Karlsruhe gesehen, die an einem! Zustieg zur Bahn kontrollierten. Drinnen in der Bahn saß die übliche wilde Mischung aus Selbstgehäkeltem und "offiziellen" Masken, die wenigsten davon FFP2, ein Fahrgast trug die Maske nur über dem Mund. Und wenn zu einem Apotheker jemand kommt, eindeutig Corona-Symptome beschreibt (einschließlich Geschmacksverlust), aber nicht zur Untersuchung möchte, sondern ein Medikament gegen die Symptome fordert, fehlt die Handhabe. Wie auch, Polizisten werden verprügelt bei Maskenkontrollen.

Der Aufwand bei Einkäufen führt aktuell sicherlich dazu, dass man sich genau überlegt, was man braucht. Aber ob das wirklich zu einer anhaltenden Verhaltensänderung führt? Daran habe ich starke Zweifel. Ich erinnere mich mit Grausen an die Zeit nach dem Ende des ersten Lockdowns, als die Leute Schlange standen vor den letzten Ramschläden, gerade vor denen. Als wollten sie sich mit Dekokram entschädigen für die Konsumenthaltsamkeit während des Lockdown. Und die Gesellschaft will ja auch gar kein "vernünftigeres" Einkaufen, gerade bei uns nicht, hat doch die Regierung als eine ihrer desolatesten Corona-Maßnahmen die Mehrwertsteuer gesenkt nach dem ersten Lockdown --- auf dass der sinnlose Konsum steige! Warum rechnet nicht mal einer der seit Pandemie-Beginn aktiven prospektiven und retrospektiven Leichenzähler aus, wieviele Corona-Tode uns durch einen Verzicht auf die Mehrwertsteuer-Senkung erspart geblieben wären?

Nein, es wird sein wie bei einem Trinker, dem die zerstörte Leber durch ein Implantat ersetzt wird. Wir setzen uns die Corona-Impfung und leben weiter wie zuvor. Biotopschutz, reduzierter Fleisch-, Milch-, Eier-, Fischkonsum, Verzicht auf Tierfelle und Tierhäute, die nicht Nebenprodukt der Lebensmittelerzeugung sind, nachhaltiger (und das heißt eben auch: weniger) Konsum etc. pp.? Kaum zu erwarten.

Drei Pandemie-Experten, Statistiker und Physiker, verweisen gemeinsam auf Australien, Neuseeland und die Mongolei und erklären, das Virus könne ausgerottet werden ("Zero-Covid"). Man müsse nur Maßnahmen treffen, die hart und konsequent seien. Welch ein Wahnsinn, ohne jede Analyse soziologischer, politischer, infrastruktureller, wirtschaftlicher und geografisch-klimatischer Unterschiede solche Vergleiche anzustellen! Aber diese Position wirkt wie eine Blaupause zum Regierungshandeln, das sich grob auf den schlichten Nenner bringen lässt, "Schraube anziehen".

15.01.21 Es war zu erwarten, die Logik der Regierung im Umgang mit Corona folgt den Regeln der Mechanik: Merkel kündigt einen "Mega-Lockdown" (Bild) an. Und plötzlich erheben sich kritische Stimmen in einer Medienlandschaft, die bisher eher durch eine "right or wrong - my country"-Berichterstattung auffiel und Durchhalteparolen ausgab. Aber auch kritische Journalisten sind eben gerne auf der Seite der Gewinner. Und bis Oktober schien Deutschland zu den Corona-Gewinnern zu gehören. Nun wendet sich seit drei Monaten das Blatt immer zügiger und auch die Stimmung in den Blättern wendet sich. Hätten der Berliner Tagesspiegel und andere ihr kritisches Potential früher gleichmäßiger verteilt, statt die Kritik einseitig über Schweden auszuschütten, wäre manches vielleicht anders gelaufen. Jetzt Sätze zu schreiben wie "Die Politik hält sich an Paragrafen fest, wie ein Ertrinkender einen Halm umklammert" (Tagesspiegel am 08.01.2021) ist Feuilleton und kommt zu spät!

16.01.21 Es ist zu befürchten, dass die Lockdown-Verschärfungen nun den öffentlichen Personenverkehr treffen. Im Berliner Tagesspiegel ist zu lesen, dass der ÖPNV Hauptschuldiger am extremen Infektionenanstieg in Irland sei. Liest man genauer, kommt zum Vorschein, dass es vor allem der Weihnachtsreiseverkehr aus England gewesen sei, sowie offene Pubs und Nachlässigkeit beim Gebrauch der Masken. Aber wenn die Kanzlerin gerade von "Zero-Covid" infiziert ist, wird es dazu kommen, dass nun auch der öffentliche Personenverkehr (der nur im Berufsverkehr Corona-Schutz-widrig belastet ist) ohne Differenzierung stranguliert wird, wie schon das Gastgewerbe, der Kulturbereich und die Schulen. Differenzierung ist dem Zeitgeist zu nahe an der Diskriminierung (engl. "to discriminate" bedeutete einmal nichts weiter als "unterscheiden"), Klagen drohen, dann lieber ganz zumachen. Wo bleibt die ÖPNV-Entlastungs-Initiative, die längst überfällig ist? Stoiber will FFP2-Pflicht bei Einkauf und öffentlichem Personenverkehr - und gleich melden sich Experten kritisch mit Hinweis auf die Gefahren von FFP2-Masken für Lungenkranke. Haben die nicht mitbekommen, dass es erstens Befreiung durch Atteste gibt und dass zweitens die seit Dezember kostenlos in Apotheken u.a. für Lungenkranke ausgegebenen Masken genau dies sind, FFP2-Masken? Allerdings ist es sicher sinnvoll, allgemein auch auf Anwendungseinschränkungen bei den FFP2-Masken hinzuweisen und daran zu erinnern, dass die wirklich nur in notwendigen Situationen und mit Unterbrechungen getragen werden sollten.

17.01.21Wie wundervoll doch die Leere auf den Straßen ist, um wievieles freundlicher die Städte, Dörfer, Landschaften mit weniger Autoverkehr sind. Gerade jetzt bei Schnee ist das ganz zauberhaft, fast wie im Winterurlaub in den Bergen! Nur dass gerade die leeren Straßen oder die Corona-Situation einige psychisch Gestörte jetzt wohl herausfordern dazu, besonders laut und aggressiv zu fahren. Und ihr Lärm fällt nun auch stärker auf. Wie lange müssen wir noch warten, bis endlich nicht nur Geschwindigkeitsbeschränkungen, sondern auch Lärmbeschränkungen an Straßen gelten, bußgeldbewehrt! Und warum sind autofreie Wochenenden nicht möglich, warum brauchen wir eine Pandemie um das Menschenrecht auf Stille in der Landschaft und weniger Verkehr auf den Straßen durchzusetzen? So gibt es immerhin ein relevantes Grundrecht, das Corona nicht einschränkt, sondern erst sichert - vorübergehend.

Die Corona-Situation in Großbritannien eskaliert. Und die neue Variante wurde bereits in Deutschland nachgewiesen. Warum? Wie kam die von England nach Deutschland? Wer reist da hin und her ohne Impfung, Kontrolle, Quarantäne? Nun, sie kann auch aus Dänemark oder der Schweiz kommen, wo sie schon 2% ausmacht. Es geht uns noch gut, im Vergleich, ja, unser Gesundheitssystem bewährt sich, Hausarztstruktur, dezentrale Kliniken - von denen es nicht mehr viele gibt ... Mitleiden mit England, Brexit hin oder her ... Warum auf dieser Insel, wo andere Inseln, Australien, Neuseeland, es so gut geschafft haben?

18.01.21 Antworten auf alle relevanten Fragen nach Corona, der Ausbreitungsdynamik, den Vektoren der Ausbreitung, nach der Bedeutung von Sozialverhalten, Immunisierungen, Vorbeugungen, nach relevanten Gruppen, Wegen, Ausbreitungsfaktoren, Komplikationsvermeidungen, individueller Prädisposition etc. pp. werden wir nie bekommen. Die Herrschaft über die Corona-Maßnahmen haben die Wellenbrecher, Physiker, Statistiker, Informatiker bekommen.

Die Expertenrunde der Bundesregierung setzt sich wie folgt zusammen:

Wieler (Veterinärmediziner), Drosten (Infektologe), Brinkmann (Genetikerin, Virologin), Meyer-Hermann (Theor. Physiker, Systemimmunologe), Krause (Epidemiologe), Betsch (Psychologin), Apweiler (Bioinformatiker), Nagel (Physiker, Verkehrssystemplaner)

Die Psychologin hat sich vor allem mit dem Thema Impfverweigerung (sic!) beschäftigt und der Verkehrssystemplaner macht keine Vorschläge zur Regulation und Ertüchtigung des ÖPNV unter Pandemiebedingungen, sondern rechnet aus, dass die britische Virusvariante schon im März die dominierende sein könnte. Kaum jemand scheint sich mit der Analyse des Geschehenen und den sinnvollen/notwendigen strukturellen Veränderungen zu befassen, aber viele leidenschaftlich gerne mit Prognosen und Spekulationen.

Diskutiert wird als eine der Verschärfungen die FFP2-Pflicht in ÖPNV und Supermarkt (was ist mit Werkskantinen, Pausenräumen?). Wie war nochmal die Meinung von Drosten zu Masken bei der ersten Welle? Die hülfen nur psychologisch - er setzte auf Testen und Impfen. Na dann. Ich trag Masken seit April '20 und FFP2 seit Oktober '20 in Bahn, Bus, Supermarkt und bei sonstigen Gruppenbildungen. Und kaue mehr Knoblauch als sonst (psychologisch ...).

Ich empfehle weiterhin den Blick nach Schweden, auch auf die Intensivfälle und die Todesfälle: https://experience.arcgis.com/experience/09f821667ce64bf7be6f9f87457ed9aa

Was zeichnet die Länder aus, die besonders erfolgreich waren gegen Covid19 (zu denen ich Schweden nicht zähle): Frühe Schließung der Grenzen, Häfen, Flughäfen. Wenig produktive Industrie und/oder hoher Digitalisierungsgrad (Home-Office). Strenge oder zumindest nicht angefeindete Exekutive. Drei Faktoren, die in Deutschland nicht gegeben/nicht erwünscht sind. Und in fast allen erfolgreichen Ländern galt auch früh eine Maskenpflicht.

19.01.21 Es ist erstaunlich: Ausgerechnet Angela Merkel wird zum Symbol für die Durchsetzung einer Sichtweise im Umgang mit Covid19, die dem historischen Materialismus nahe kommt, genauer dessen Überzeugung, soziale Prozesse seien adäquat naturwissenschaftlich darstellbar und entsprechend steuerbar. Nun ist an der Medizin, im speziellen Falle der Epidemiologie, gewiss ein Aspekt, der Ablauf biologischer Prozesse, die Entwicklung, Veränderung und Ausbreitung von Viren und Bakterien, gesetzhaft beschreibbar. Dazu kommt jedoch auch der sozial-gesellschaftliche Aspekt, bestimmt durch menschliches Verhalten und Gruppenprozesse, der sich zwar in Zahlen nachträglich beschreiben lässt, aber bislang erst in Science Fiction auch adäquat abbilden und prognostizieren. Zu groß ist die Daten- und Simulationsmenge, die verarbeitet werden müßte. Und dennoch wird in der Covid-Expertenrunde aus Physikern und Informatikern so getan, als ließe sich das Ausbreitungsgeschehen rein rechnerisch und durch quantitätenorientierte Eingriffe kontrollieren. Physiker berechnen, wie die Covid-"Welle" gebrochen werden könne. Und daraus werden Maßnahmen abgeleitet.

Und es ist verständlich. versprechen doch Physik, Mathematik, Statistik Auswege aus der Komplexitätsfalle (über komplexitätsreduzierende Modelle) und aus der Gerechtigkeitsfalle (wer kann schon gegen Naturgesetze klagen).

22.01.21 Es ist ja immer wieder zu lesen, die Corona-Situation könne dazu helfen, uns wieder auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu besinnen. Ich bekenne, mir gelingt das nicht. Ich bin dazu nicht weise genug. Ich leide unter der ständigen Konfrontation mit neuen Komplikationen des Alltags. Ich kann auch nichts Wesentliches daran erkennen, wenn Eltern ihre Kinder wieder selbst unterrichten müssen und Kinder als Bezugspersonen fast nur noch ihre Eltern haben oder Freundinnen per Facetime & Co. Ich kann mich auch schwer auf das Wesentliche konzentrieren, wenn ich ständig Formulare ausfüllen muss in denen ich bestätige, keine Erkältungssymptome zu haben, wenn ich mit Maske, Brille, Stirnband/Mütze/Kapuze rumfummeln muss, mich vor Quarantäneverfügungen fürchten und mit den beständigen Double Binds der Maßnahmenwirklichkeit arrangieren, z.B. dem abendlichen Ausgehverbot. Oder wenn ich vor dem Besuch bei meiner Mutter im Pflegeheim verpflichtet bin, einen Schnelltest zu absolvieren, und ich dazu lange rumtelefoniere um dann keinen Termin zu bekommen weil die Arztpraxen den nicht anbieten oder hoffnungslos überlastet sind und in vielen die als Corona-Praxen angegeben sind schon niemand mehr ans Telefon geht. Mal abgesehen vom Wissen um die Friseure, Kulturschaffenden, Gaststättenbetreiber, Sportanlagenbetreiber etc. pp., die für mich nicht zum Unwesentlichen gehören und die zu Zigtausenden in ihrer Existenz bedroht sind und nicht mehr ruhig schlafen können. Nein, es gelingt mir einfach nicht, mich "auf das Wesentliche" zu konzentrieren!

27.01.21 Olivenanbau in Deutschland und der Umgang mit Corona haben eines gemeinsam: Beständiges Auf-der-Hut-Sein ist gefordert und langer Atem. Und ein Moment der Unachtsamkeit kann die Achtsamkeit der restlichen Zeit vergebens machen! Wenn die Oliven den ganzen Winter über eingehüllt waren und dann nach Abnahme der Hüllen oder bei Öffnung der Hüllen durch einen Sturm eine heftige Frostnacht kommt, ist alles dahin. Wenn ich monatelang mit FFP2-Maske herumlaufe und Distanz halte und dann einmal der falschen Person zu nahe komme ohne Maske, kann die Ansteckung passiert sein. Im individuellen Fall hilft einem dann die ganze Statistik nichts.

Der Pneumologe Thomas Voshaar nennt die (inzwischen nicht mehr empfohlene) strategische Früh-Intubation bei Covid-19-Patienten "einen der größten Fehler in der Medizingeschichte". Auf die Risiken der Intubation, die geringe mittelfristige Überlebenswahrscheinlichkeit und den massiven Verlust an Lebensqualität in der Folge wurde schon früh im Corona-Kontext hingewiesen (s. meinen Eintrag vom 26.03.2020).

28.01.21 Gestern absolvierte ich den ersten Corona-Schnelltest, um meine Mutter im Pflegeheim besuchen zu dürfen. Angenehm war das Bohren mit Wattestäbchen nicht, einen leichten Nachklang spüre ich heute noch. Aber die Organisation hat mich beeindruckt, zwei Warte-Zelte beim Pflegeheim vor dem Fenster eines Zimmers im Erdgeschoss, das vom Roten Kreuz zur Teststation umfunktioniert ist, aufgebaut. Viel Engagement, Bemühen, die Situation zu meistern. Respekt vor dem Pflegeheim, dem DRK und den ehrenamtlichen Helfern, die das auf die Beine gestellt haben - nachdem das grüne Sozialministerium mit seiner Verordnung vorgeprescht war. Wird man verlässlich erfahren, wieviele Corona-Fälle so aufgespürt wurden? Und werden die Statistiker dann fair ausrechnen, wie hoch dabei die Wahrscheinlichkeit einer Infektion gewesen wäre? Nicht jeder Infizierte ist infektiös und alle Pflegeheimbesucher tragen Masken und Handschuhe. Und sollten das weiterhin tun, auch wenn manche jetzt vielleicht meinen, sie seien ja getestet und damit "ungefährlich" - trügerische Sicherheit, denn infektiös (und damit PoC-testrelevant) ist man nicht sofort nach der eigenen Infektion, es gibt eine statistische Lücke, keine 100%-Sicherheit.

Meine Mutter (88) hat die Impfung im Pflegeheim am Sonntag gut überstanden. Sie sei nur etwas häufiger müde seitdem, berichtet mir eine Pflegerin.

Das Dashboard des RKI zeigt keinen Zusammenhang zwischen dem Abflachen der Infektionskurve und dem Lockdown zum 2. November. Die Kurve flachte bereits in der zweiten Hälfte Oktober ab. Auffallend ist auch der Anstieg vor den Feiertagen, in der ersten Dezemberhälfte:

Infektionskurve
              Corona RKI 29.01.2021

Wie das mit entsprechend ausgewählten Daten ganz anders darstellbar werden kann, zeigt die Tagesschau mit einer Grafik auf Basis der Daten des RKI zur 7-Tage-Inzidenz (https://www.tagesschau.de/inland/coronavirus-karte-deutschland-101.html). Da sieht es so aus, als würde die Infektionskurve im Gefolge des Lockdowns nach einem steilen Anstieg am 7. November abbrechen. Was nur vermittelt mit dem oben dargestellten Infektionsverlauf zu tun hat.

Inzidenz Zusammenhang Lockdown ARD

04.02.21 Das gängige Konzept von Herdenimmunität ist irritierend national verengt. So und so viele Prozent der Einwohner in Deutschland müssten geimpft sein, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Zahlen um die 60% werden gehandelt. Aber natürlich kann es auch eine Berliner Herdenimmunität geben, eine der Pietisten auf der schwäbischen Alb, eine unter Ravern einer bestimmten Region, die sich regelmäßig treffen etc.pp. Aber diese "Herden" sind in der Regel offener nach außen, durchlässiger als aktuell unter Corona-Bedingungen Nationen sind. Wobei die Unterschiede graduell sind, nicht prinzipiell. Wie offen auch die nationalen Grenzen nach wie vor sind, erfährt man als nicht mehr Reisender aktuell eher zufällig, wenn etwa berichtet wird, dass die Arbeitspendler aus Tschechien nach Bayern seit 1. Februar alle drei Tage in ihrem Heimatland einen kostenlosen Antigen-Test bekommen (nebenbei auch andere tschechische Bürger).

Die nationale Verengung des Herdenimmunitäts-Konzepts ist rational durchaus zu begründen, sie dient dem inneren Frieden und verhindert Alleingänge etwa von einzelnen Bundesländern. Aber sie könnte auch blind machen für bestimmte Aspekte der Pandemie, insbesondere ihre soziologisch fassbaren Regelhaftigkeiten.

05.02.21 Was machen jetzt eigentlich die Menschen, die vor dem Schlafengehen einen Spaziergang brauchen? Haben die alle einen Hund? In Italien soll es während des ersten Lockdown ja üblich geworden sein, Hunde auszuleihen. Hunde wurden so oft Gassi geführt wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Wurde mir von Eingeweihten berichtet, aus der Region Bologna. Aber zurück zu meiner Eingangsfrage: Wäre es nicht sinnvoller, menschlicher, nachhaltiger, das Autofahren nach 20:00 Uhr zu untersagen (abgesehen von den bekannt triftigen Gründen) statt das Verlassen des Hauses? Erholung für die Natur und die lärm- und verkehrsgeplagte menschliche Psyche - ohne Spaziergangsverbot.

06.02.21 Befremdlich ist, wie in manchen Medien nun vorbehaltlos der britische Impferfolg und Boris Johnson als dessen Macher gefeiert werden. "Britain first" gilt als Erfolgsrezept und die EU wird abgewatscht. Manche scheinen es gerade doch sehr zu bedauern, dass die EU nicht wie China funktioniert.

Was in Berlin von Regierungsseite gerade als Lockdown-Lockerungen diskutiert wird, ist allerdings auch nicht dazu angetan, das chinesische Beispiel sooo schlimm zu finden: Blumenläden zum Valentinstag und Friseurläden für den internationalen Auftritt wieder aufmachen. Das Konzept dahinter? Weihrauch. Nein, schlimmer noch: Zuckerwatte. Oder, noch bedenklicher: Eine der wenigen Mangelerfahrungen, die die Bundeskanzlerin unmittelbar selbst emotional mitvollziehen kann. Hoffen wir auf Weihrauch.

08.02.21 In einem Pflegeheim im Landkreis Osnabrück, Belm, gab es nach der zweiten Impfung bei Routinetests 14 Covid-Fälle, alle symptomlos oder nur mit leichten Symptomen. Der Tagesspiegel nimmt dies zum Anlass, nicht die Effektivität der Impfung zu betonen oder über die Hintergründe der Infektion aufzuklären, sondern nun die Zero-Covid-Forderung in den Vordergrund zu stellen und Verschärfungen des Lockdown zu fordern! Schärfer als in Pflegeheimen, wie stellt sich der Tagesspiegel das vor? Atmen einstellen? Oder gab es Mängel in Belm - die durch verschärften Lockdown behoben werden können? Ein Mitarbeiter war infiziert - Hintergründe? Die werden wir vermutlich nicht erfahren. Es bleibt zu wünschen, dass zumindest die Corona-Kommission sie erfährt.

10.02.21 In meinem ganzen Bekanntenkreis gab es ein Aufatmen, als es hieß, dass ab Donnerstag die Ausgangssperre in BaWü aufgehoben sei. Und niemand davon wollte sich nun nachts zusammenrotten um in einer Gruppe eng umschlungen Alkohol zu trinken und Viren auszutauschen. Doch aus der gerichtlich verfügten Aufhebung der unbegründeten allgemeinen Ausgangssperre in Baden-Württemberg wird nichts. Kretschmann und "Manne" (der Sozialminister in BaWü) bleiben hart und erklären, dass sie ohnedies schon eine Begründung liefern wollten, ab einer Inzidenz von 50 gilt die Ausgangssperre nun von 21-5 Uhr. Stuttgart hat die Inzidenz 50,4. Was wird Kretschmann dazu einfallen? Die Inzidenz absenken, 49, 48, 47 - wer bietet weniger? Oder Inzidenz erhöhen durch breiteres Testen, z.B. auch in Schulen. Auf dass eine ganze Generation mit chronischer Nasenschleimhautenzündung durch anhaltendes Testen aufwachse. Dazu hat, wieder einmal, der EULENSPIEGEL eine uneinholbare Karikatur veröffentlicht, Kinder vor der Notaufnahme mit Spaghetti in Ohren und Nasen - Selbsttestversuche.

In Frankreich haben im November strenge Ausgangssperren bei offenen Kindertagesstätten und Schulen zu einer massiven Reduzierung der Infektionen auf 1/5 geführt - laut Tagesschau-Überblick zu den Ausgangssperren in Europa vom 06. Januar 2021. Warum macht BaWü beides, Schulen zu und - eher wenig sinnvolle nur nächtliche - Ausgangssperre? Andere Lebensstile als in Frankreich? Soziologen haben viel zu forschen nach und mit Corona. Hoffentlich bekommen sie die notwendigen Daten und Rahmenbedingungen!

Das Pochen auf die Inzidenz entwickelt sich zur deutschen Manie. Im europäischen Vergleich stehen wir doch sehr gut da, nebenbei zwischen Russland und Bulgarien. Und qualitativ sagt die Inzidenz eher wenig aus. Schweden hat eine 2,5mal höhere 7-Tages-Inzidenz, aber weit weniger Todesfälle als Deutschland in der zweiten Welle - auch auf die Bevölkerung umgerechnet. Nichts ist auch ausgesagt über den Anteil symptomloser oder schwach symptomatischer Infektionen. Und nichts über das Verhältnis von Testungen zu Infektionsnachweisen und über die Testungs-Anteile auf 100.000 Einwohnern. 7-Tages-Inzidenz am 10.02.2021 (Quelle: Statista, basierend auf RKI, Johns Hopkins University - https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1180169/umfrage/laender-mit-den-meisten-coronainfektionen-in-der-letzten-woche-in-europa/):

Corona-Inzidenz Europa 10.02.2021 Statista

Montenegro 603,8 Tschechien 473,4 Monaco 396,9 Portugal 376 San Marino 360,4 Andorra 332,7 Spanien 326,2 Estland 288,4 Lettland 285,4 Slowenien 280,7 Albanien 266,8 Slowakei 251,3 Frankreich 201,9 Schweden 189,3 Serbien 186 Moldawien 184,1 Großbritannien 179,9 Luxemburg 175, 5 Malta 171,6 Litauen 142,4 Italien 140,6 Niederlande 140,4 Gibraltar 139,5 Irland 132,4 Belgien 130,7 Kosovo 129,8 Schweiz 113,8 Belarus 107 Nordmazedonien 105,3 Österreich 104,8 Ungarn 96,7 Polen 95 Rumänien 86,1 Zypern 84,5 Russland 76,2 Deutschland 75,5 Bulgarien 75,3 Liechtenstein 74,8 Kroatien 69,9 Griechenland 68,5 Türkei 66,4 Ukraine 65,5 Bosnien und Herzegowina 60 Dänemark 52,6 Finnland 47,5 Norwegen 33,9

Heute wurde ich vor dem Abstrich zum Corona-Schnelltest gefragt: Mund oder Nase? Ich habe Mund gewählt - ich hatte zuvor zuhause auch schon vor dem Spiegel geübt, da ich ohnedies darum bitten wollte. Denn nach dem letzten Nasenabstrich hatte ich 10 Tage lang eine verstopfte Nase auf der Abstrichseite. Der präventive Sinn der tiefen Abstriche entzieht sich mir ohnedies. Ich trage Maske, ich huste und niese nicht, wie alle, die ins Pflegeheim gehen (sonst dürfte man gar nicht rein) - wie sollen da Viren, die sich nur einem tiefen Abstrich offenbaren, zur Ansteckung gelangen? Der Sinn dürfte ein rein medizinstatistischer sein - möglichst viele Infektionen zu erfassen.

11.02.21 Es heißt, Gesundheit gehe jetzt vor Wirtschaft. Und was ist mit der Gesundheit derer, die nun völlig aus der Bahn geworfen sind, ihre Existenzgrundlage schwinden sehen, das Wagnis Selbständigkeit verzweifelt bereuen, deren Lebenszeit durch diese Belastungen verkürzt wird, die in 20 Jahren einen Krebs entwickeln, der auf den unhaltbaren Stess, die Existenzangst jetzt zurückzuführen ist? Alle Verfügungen die jetzt getroffen werden kommen von rundum staatlich abgesicherten Personenkreisen. Wer das als Neid-Debatte abtut, ist zynisch. Und wer bezahlt die Corona-Ausgaben später, wo wird gekürzt werden, eingespart, wo werden Steuern erhöht?

Und der Autohandel freut sich, dass das Auto wieder neue Sympathien bekomme, da sich viele vor Ansteckung im ÖPNV fürchten. So im Deutschlandfunk zu hören. Und als neue Inzidenzschwelle wird nun 35 gehandelt. Wer bietet aktuell weniger in Europa? Island, Färöer und Norwegen (letzteres allerdings nur knapp, mit 33,9 am 10.02.2021).

15.02.21 Leben mit Grenzwerten - wir werden unser Verhalten, das was wir tun dürfen, zunehmend an Grenzwerten ausrichten müssen. Kretschmann meinte schon mal, verglichen mit den Einschränkungen, die der Klimaschutz uns auferlegen wird, seien die Corona-Auflagen geringfügig. Die Autoindustrie will er aber nicht überfordern - die Bürger schon?

Ich nehme im Alltag eine zunehmende Gleichgültigkeit vieler gegenüber den Abstandsregeln wahr. Hart aufeinander prallen gerade Bilder einer völligen Verlorenheit, Ladenbesitzer die alleine in ihrem Geschäft stehen, etwas rumräumen, flehende Blicke nach draußen richten, Menschen vereinzelt mit Masken am Bahnsteig - und auf der anderen Seite Gruppen im Park, Rodeln, Schlittschuhfahren, niemand mit Maske, als sei alles wie immer. Sicherlich auch wetterabhängig, Tristess wird gerade noch trister, schwärzer, Freude noch ausgelassener, bunter. Bis hin zu den Feier- und Alkoholexzessen, die aus Polens Skiort Zakopane nach der Öffnung berichtet werden. Und nun ist absehbar die Verlängerung bis nach den Osterferien. Ist das denn mehr als die Spekulation auf den jahreszeitlich bedingten Rückgang der Infektionen? Wieviele wurden geimpft in Deutschland? Stand heute: einmal 2,736 Mio, vollständig 1,410 Mio. Was bringt die Impfung zur Lockdown-Vermeidung? Ich kann keinen Effekt erkennen, auch nicht für Ostern. Die Versprechungen lauteten anders. Das grün-schwarze Musterland BaWü hat gerade mal 1,4% vollständig geimpft, die Rheinland-Pfälzer 2,5%. Und Dänemark

Und nun werden detailliert Ansteckungswahrscheinlichkeiten vorgerechnet. Ins Theater gehen sei gesünder als Einkaufen - was ich persönlich zwar erfreulich finde, aber nicht ernst nehmen kann. Geh ich alleine ins Theater? Treffe ich dort Freunde? Wie arbeitet die Klimaanlage? Gehe ich einkaufen wenns leer ist? Rede ich mit Nachbarn beim Einkaufen? Steh ich Schlange am Käseregal (wo viele Kunden die Abstandsregel konsequent ignorieren)? Dürftige Rechenspiele unter weitestgehender Vernachlässigung qualitativ-sozialer Aspekte. Die Relevanz geht gegen Null. Noch so ein Strohhalm, wie die Inzidenz.

Bestürzend auch die Stellungnahmen zur "britischen Mutation". Eine dritte Welle drohe und dagegen würden nur strengere Maßnahmen helfen. Osterurlaub (auch im Inland) sei undenkbar. Eine Bekannte von mir ist der Meinung, die Mutation sei 10x so ansteckend wie die "Ausgangsform". Und die Medienberichterstattung kann diesen Eindruck auch vermitteln. Fakt ist, sie ist 50% ansteckender - zumindest nach dem, was evidenzbasiert zu sagen ist. Daraus lassen sich bedrohliche Hockeyschlägerkurven basteln - doch die Inzidenzverläufe in Irland und Großbritannien sprechen dagegen: Primär Unachtsamkeit, nicht die erhöhte Ansteckungspotenz, hat die Zahlen zu den Feiertagen hochschnellen lassen - und sie sind entsprechend schon wieder massiv zurückgegangen. Und Fakt ist auch, dass von den 14 mit der britischen Mutation infizierten geimpften Bewohnern in einem Pflegeheim bei Osnabrück 13 nicht mehr als leichte Symptome entwickelt haben. Eine Heimbewohnerin ist verstorben, sie war 101 Jahre alt. In der Summe sollte dies zumindest Horrorszenarien verbieten. Aber aktuell dominiert die Panikmache. Über wieviele Mutationen hinweg werden wir uns diese Panikmache leisten können gesellschaftlich? Panik ist keine gute Verhaltenssteuerung.

24.02.21 Jetzt werden großzügig weitere Impfberechtigungen verteilt, an Lehrkräfte, ErzieherInnen. Aber Berechtigung heißt nicht Impfung. Ich weiß von einem Senior Ende seiner 80er, der nach wochenlangen anderweitigen Bemühungen, auch seiner Familie, nun von Konstanz nach Stuttgart reisen muß, um seine Impfung zu bekommen! Akademisches Milieu, also gewiß ist nicht fehlende Ämterkompetenz schuld an dieser Abstrusität! Was ist da faul im Staate Deutschland? Im Musterländle Baden-Württemberg? Wir schaffen das? Irgendwie, irgendwann ... Getestet wird allerdings mehr. An manchen Abstrichstationen wird an den Probanten sowohl ein Mund- als auch ein Nasenabstrich gemacht! Damit die Inzidenz nur nicht zu rasch abfällt, jede noch so minimale Anwesenheit von Corona-Viren entdeckt wird? DocCheckNews schreibt schon vom "Inzidenz-Wahn" - mit Bezug auf die abwägenden Einwände der Berliner Amtsärzte vom 22.02. gegen die aktuelle Koppelung von Maßnahmen an Inzidenzwerten. Für ihre Kritik an der generalisierenden Inzidenz-Orientierung und am No-Covid-Ansatz wurden die Amtsärzte dann auch gleich von einschlägigen ExpertInnen auf Twitter geprügelt. Dabei ist allen klar, wie problematisch die Inzidenz-Orientierung ist. Aussagekräftig sind nur zum einen die Zahlen der symptomatischen Infektionen, die durch Test bestätigt sind, und die Verhältniszahl symptomveranlassungslos durchgeführter Tests zu dabei festgestellten Infektionen. Erstere wird vom RKI unter der Kurve "Erkrankungsbeginn" annähernd erfasst, letztere wird nicht erfasst.

25.02.21 Deutschlands Abstand zum vielgeschmähten Schweden (Tagesspiegel am 14.01.2021, nicht zum ersten Mal: "Schwedens Scheitern - der Sonderweg führt in die Sackgasse") schrumpft rasant. Auf 100.000 Einwohner kommen in Schweden aktuell 122 Todesfälle, in Deutschland 83 seit Beginn der Pandemie. In der ersten Welle lag die Zahl der Corona-Todesfälle in Schweden um den Faktor 4 über der in Deutschland (auch wegen des schlecht aufgestellten Gesundheitswesens), jetzt ist es etwa der Faktor 1,5 in der Gesamtzahl. Bei einem Bruchteil der Einschränkungen in Schweden.

In Schweden scheint es (neben dem schon mal mit ausgetragenen Vor-Wahlkampf um die richtige Corona-Politik) ein Kesseltreiben gegen Anders Tegnell zu geben - dabei ist er einer der wenigen, dessen Wissen, Urteil und Standing/Integrität ich vertraue in Corona-Fragen! Und die Treibjagd wird auch von deutschen Medien mit befeuert. Allen voran mit dem ganzen Gewicht seiner Meinungsmacht als Hauptstadtorgan der Tagesspiegel. Der sich zunehmend als Propagandaorgan der Bundesregierung geriert - sicherlich in bester Absicht. Aber die Bundesregierung versagt seit einem Jahr eklatant, allen voran Merkel und Spahn. Merkel beschwört nun die "dritte Welle" und auf der Seite des RKI gibt es eine neue Rubrik, "Besorgniserregende Varianten". Damit auch der letzte versteht: Besorgniserregend, bleibt zuhause, weiterhin - bis .... Die Funktion der "besorgniserregenden Varianten"? Vom Impfdesaster und vom allgemeinen Maßnahmendesaster ablenken. Die einzige Politikerin, die das rational analysiert und begründet hinterfragt, ist Sahra Wagenknecht.

26.02.21 Heute mal wieder Homeschooling-Nachhilfe mit einer elfjährigen Gymnasiastin, Fach Natur & Technik. Sie hat souverän über Skype mit geteiltem Bildschirm mit mir im virtuellen Gleichstromlabor gearbeitet und wir haben eine Schaltung besprochen, die sie virtuell zusammenbaute. Sie hat in der Corona-Zeit wirklich vieles gelernt, ist selbständiger geworden, auch in der Hausaufgabenbearbeitung - und sie kann souverän mit den neuen Medien umgehen. Nicht alle sind in der glücklichen Lage, da wurde viel versäumt im deutschen Bildungssystem. Sie weiß jetzt aber auch den "analogen" Unterricht mehr zu schätzen. Es sollte nun nicht das eine gegen das andere ausgespielt werden, nicht alles Bildungsheil liegt in den neuen Medien!

27.02.21 Kann mal jemand Merkel klarmachen, dass Corona eher eine gesellschaftswissenschaftliche als eine physikalische Herausforderung ist?? Aber wie sie ja, anscheinend unbelehrbar, schon im Corona-Kontext erklärte: Sie habe Physik studiert in der DDR, weil sie damit den Gesellschaftswissenschaften entkommen konnte. Keine gute Basis für die Bewältigung der Corona-Krise!

Man lese nur einmal die gelassenen Ausführungen von Anders Tegnell - ohne das pseudowissenschaftliche Getue unserer Kassandra-Kanzlerin - in der nächsten "Profil"-Ausgabe (österreichisches Nachrichtenmagazin), heute angekündigt auf der Website von "profil". Dort erklärt er unter anderem: "Jedes Land hatte Phasen, in denen alles danebenging und das Virus trotz aller Bemühungen außer Kontrolle geriet." Von unseren über allem Zweifel erhabenen Corona-Chefstrategen ist nichts Vergleichbares zu hören/lesen.

04.03.21 Nach der gestrigen Corona-Runde geht, wie zu erwarten war, der Inzidenz-Wahn weiter. Muss ich künftig vor dem Museumsbesuch schauen, wie die Inzidenz gerade steht? Und welche Inzidenz - die meines Wohnortes oder die Inzidenz des Museumsstandortes? "Difficile est saturam non scribere." Dabei ist der Hintergrund ganz nachvollziehbar: Rechtsfestigkeit. Verwaltungsgerichte brauchen die Inzidenz als Anker, um eine Maßnahme als "verhältnismäßig" einzustufen. Und dabei wird die Inzidenz umso willkürlicher, je enger ihr Erfassungsbereich gezogen wird. Welche Gruppen werden getesten, in welchem Umfang? Nicht infizierte Kinder im Homeschooling zu testen senkt die Inzidenz. Gruppen mit hoher sozialer Aktivität und geringem Ansteckungsbewußtsein zu testen lässt die Inzidenz steigen. Weniger zu testen lässt die Inzidenz sinken, mehr lässt sie steigen. Nur als Durchschnitt über ein möglichst großes Gebiet ist die Inzidenz einigermaßen zuverlässig - aber damit auch nicht geeignet zur Beurteilung der Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen in einem Segment.

Einzelhandel und Gastronomie bluten weiter (wie die Herzen von Merkel und Kretschmann). Und die Schulen bleiben zu! Aus der schwedischen Erfahrung möchte niemand lernen. Schweden ist der Corona-Belzebub. Was die machen ist per se falsch, so die Medienwirklichkeit in Deutschland. Die schwedischen Zahlen sprechen eine andere Sprache im europäischen Vergleich. Was ist das Problem in Deutschland mit den Schulen? Dass nicht ausreichend gesichert ist, dass kranke Kinder nicht von ihren Eltern in die Schule geschickt werden? Dass die Lehrerschaft sich vor Ansteckung fürchtet? Dass Merkel keine Kinder hat? Drosten hat ein Kind und befürwortet die Schulschließung "als Wissenschaftler". Dabei argumentiert er (am 8. Januar 2021 auf Twitter) z.B. mit einer Untersuchung aus Großbritannien, die vor allem eines zeigt, dass nämlich in den Weihnachtsferien die Ansteckung steigt. Seltsamerweise behauptet er genau das Gegenteil von dem, was seine (bzw. die britischen) Zahlen zeigen. Dass die Altersgruppe 35-49 einen ähnlichen Kurvenverlauf erzeugt wie die Kinder erklärt er vielsagend mit der Elternschaft (also angesteckt von den Schulkindern - die sich allerdings vor allem in den Weihnachtsferien anstecken ...), nicht z.B. mit der beruflichen oder privaten Aktivität dieser Altersgruppe.

Drosten
              Twitter 08.01.21

Die DM-Drogeriemarkt-Kette bietet zusammen mit dem Land Baden-Württemberg Schnelltests vor seinen Filialen an. BaWüs Sozialminister "Manne" (für "Manfred") Lucha war vor Ort beim Startschuss mit dabei und gab folgenden bemerkenswerten Kommentar ab (ich hörte den Originalton heute im Radio): Nun wissen die Leute, wenn ich positiv bin, bin ich vielleicht infiziert, und sie können sich zurückhalten. - Wie bitte? Der BaWü Sozialminister, zuständig für die Corona-Maßnahmen, macht BaWü zu einem der strengsten Corona-Bundesländer und klopft dann den positiv Getesteten freundschaftlich-sozialintegrativ auf die Schulter im Tenor: Also pass mal auf, du solltest heut besser kein Bier mit deinen Kumpeln im Wohnzimmer trinken! Oh Manne!

05.03.21 Israel hat früh und massiv mit Impfungen durchgestartet und ist jetzt zu 39,5 % vollständig geimpft - die 7-T-Inzidenz liegt dennoch aktuell bei hohen 297,2. Zum Vergleich: Schweden aktuell 269,1 - Frankreich 222 - Österreich 167,9 - Deutschland 69.