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DATENSCHUTZERKLÄRUNG



CORONA-Tagebuch

Eine Chronik der Ereignisse und Maßnahmen, eine Sammlung von Fakten, Daten und Reflexionen.

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2020


05.03.20 In meinem lokalen Supermarkt am leeren Toilettenpapierregal ein Schild: "Es kommt seit einer Woche zu Abverkäufen, die das 6-fache einer 'normalen' Woche betragen."

Die anti-chinesische Propaganda und die Abwehr gegen das Hamstern scheinen wichtiger als eine Debatte um wirksame Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Ausbreitung.

15.03.20 In Brescia werden fehlende Ventile für Beatmungsgeräte mit einem 3D-Drucker "raubkopiert", da der eigentliche Hersteller nicht so schnell liefern kann.

17.03.20 Ab heute Schulenschließung! Zur Begründung der rigiden Maßnahmen wird auf die Erfahrungen mit der Spanischen Grippe (die treffender "Amerikanische Grippe" heißen müsste) 1918 in den USA verwiesen. Bezug genommen wird auf eine Untersuchung, die im Vergleich Philadelphia-St. Louis überzeugend den Sinn unverzüglicher und rigider Einschränkungen des öffentlichen Lebens in der damaligen Situation zeigt. Der Vergleich ist allerdings mit Vorsicht zu betrachten, da die Spanische Grippe zu 40% die Altersgruppe 20-35 betraf (auch bezüglich der Todesrate) und für die Letalität weniger die Grippe selbst, hohes Alter und Vorerkrankungen, als vielmehr eine nachfolgende Lungenentzündung bei unzureichender medizinischer Versorgung, mangelnder allgemeiner Hygiene und schlechtem Ernährungszustand (in der Summe) ausschlaggebend waren.

Ob später mal die Bilanz erstellt wird, die zeigt, ob die Schulenschließung und andere Schließungen nicht mehr Schaden anrichten als Corona? Eine politisch aktive Bekannte meint, diese Frage sollte man besser nicht laut stellen. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, zunächst einmal die Klassen und damit den Unterricht zu halbieren, damit die Kinder nicht so eng aufeinander hocken?

18.03.20 Menschen mit Bündeln von Blumen in den Armen kommen mir in der Halle des Hauptbahnhofs Karlsruhe entgegen. Der Blumenladen dort, Blume 2000, verschenkt seine Pflanzen, da er schließen muss wegen der Corona-Epidemie! Viele strahlende Gesichter, die Angestellten freundlich. Manche Leute beladen wie beim Hamsterkauf. Gegenüber im Schnellrestaurant Schilder, die erklären, dass aus hygienischen Gründen auf Einwegbecher umgestellt werde; gebeten wird auch darum, mit Karte zu bezahlen, um Infektionen über Bargeld zu vermeiden ("SSP. The Food Travel Experts").

Auffallend ist der hohe Anteil jüngerer Frauen nun im Straßenbild, meist auf dem Fahrrad. Sind Männer ängstlicher? Oder hocken die alle im Auto?

19.03.20 Im Karstadt Karlsruhe bleibt die Lebensmittelabteilung geöffnet, während das restliche Kaufhaus schließen muss. Der Zugang zur Lebensmittelabteilung führt über abenteuerliche Seitenwege. Als ich davon ein Foto mache, empört sich eine ältere Dame mit vielen Einkaufstüten in der Hand (die zufällig vorbeikommt, nichts mit dem Karstadt zu tun hat), ob ich das denn lustig fände. Ich verneine, sie schimpft aber trotzdem lautstark weiter.

Karstadt Lebensmittel 19. März 2020

Heute fallen mir die Raucher auf im Straßenbild, an S-Bahn-Haltestellen. Ihr Anteil steigt, vermutlich aber nicht die absolute Zahl.

Die Berichte aus Italien machen mich nachdenklich, lassen mich an meiner Gelassenheit zweifeln.

20.03.20 Vor dem DM-Markt in Karlsruhe Kaiserstraße eine lange Schlange, es dürfen sich nur noch 15 Personen gleichzeitig im Markt aufhalten. Draußen aber stehen etwa 60 Leute, teilweise in Gruppen. Ich mache einen großen Bogen.

Menschenschlange vor dem DM am 20. März 2020

Vierter Tag seit Schulenschließung. Seltsame Stimmung auf den Straßen in Karlsruhe, wie nach einer Katastrophe, die Überlebenden trauen sich vereinzelt wieder aus dem Haus, schauen einander fragend an oder in geheimer Solidarität. "Wir sind die, die noch da sind." Manche auch mit dem Blick "wir traun uns". Die Stimmung changierend zwischen festlich (durch die Konzentration und Ruhe, weniger Autoverkehr) und beklemmend.

Am Nachmittag kleiner Ausflug zu zweit (familiär) an den Rhein, mit der S-Bahn. Die Bahnen sind weitgehend leer - es mutet absurd an, wenn ich an das Gedränge vor dem DM denke (und wie es auf vielen Wochenmärkten zugeht). Am Rhein ist es ruhig, einzelne Angler, ein paar andere Kurzausflügler, Spaziergänger. Trotz Industrieanlagen sehr erholsam, vergessen für ein paar Stunden was gerade los ist auf der Welt.

Die "verbliebenen" Menschen sind freundlicher zueinander, es gibt eine erhöhte Gesprächsbereitschaft. Die Stadt ist ein wenig zum Dorf geworden, auch die Welt nochmal kleiner, näher.

21.03.20 Ich darf meine Eltern nicht mehr im Pflegeheim besuchen. Emotional unabsehbar.

Die elfjährige Tochter von Freunden erzählt mir eine Geschichte: In der Bahn habe sie nahe bei einem jungen Paar mit asiatischen Gesichtszügen gesessen. Da sei eine ältere Dame gekommen und habe sie gefragt, ob sie denn keine Angst habe, 'von denen' angesteckt zu werden. Laut genug, dass auch das Paar es hören konnte. Und da habe sie laut losgelacht, zur Entrüstung der Frau, das Paar habe mitgelacht. "Wahrscheinlich waren das sowieso Deutsche, hier geboren", meint das Kind.

24.04.20 In der Bahn ein Obdachloser, der seine Habseligkeiten ausbreitet. Die Leere scheint ihn aber auch zu irritieren. Er grüßt mich freundlich. Einige der Leerräume auf Bänken an Haltestellen oder in Parks werden in diesen Tagen von Gruppen Obdachloser belegt. Oder fallen sie nur mehr auf jetzt, da das andere Publikum weitgehend fehlt? Und weil sie (fast) die einzigen sind, die noch in größeren Gruppen zu sehen sind?

Die anhaltenden Schreckensnachrichten aus Italien machen mir Angst. Das Gefühl kam bislang zu Corona noch nicht bei mir. Die grassierenden Erklärungen, schwaches Gesundheitssystem, illegale chinesische Arbeiter in der Textilindustrie Norditaliens, Kultur der Nähe und des öffentlichen Lebens, sind nichtig angesichts dessen, was in Bergamo und anderen Städten der Lombardei geschieht - und was dort an Hilfe geleistet wird!

25.03.20 Auf der Datenseite des Robert Koch-Instituts werden nun mit Orangeton die Dateneinträge des jeweiligen Tages angezeigt. Damit wird deutlicher gemacht, warum die Zahlen sich immer wieder rückwirkend ändern: viele Meldungen erfolgen mit Verzögerung um einige Tage. Auffallend sind auch die "Wochenendeinbrüche", die keine epidemiologischen Hintergründe haben, sondern arbeitsweltliche. 

Die leeren Spielplätze sind bedrückend. Rot-weiße Absperrbänder. Und zu denken, dass all die Kinder sich jetzt in ihren Wohnungen drängen - wie oft mit Nachbarskindern oder verwandten Kindern? Leere Tischtennisplatten - wie ansteckend ist Tischtennisspielen? Auch zuhause im Keller oder im Garten in den Vororten?

Spielfilm am Abend. Rechts oder links oben die Einblendung "#WirBleibenZuhause" bei den Privatsendern. Zuhause bleiben und zum Coach Potato werden? Mit welchen sozialen und psychischen Folgen? Sollte nicht verstärkt das sichere Draußensein "erzogen" werden statt eines stumpfsinnigen Zuhausebleibens? Wir gehen nicht in Theater und Konzert und Museen und Bibliotheken, wir bleiben zuhause bei RTL. Den Dekamerone wird jetzt keiner/keine neu schreiben, bei über 400 deutschsprachigen Programmen auf Astra 19.2 Ost interessiert das auch niemanden.

26.03.20 Videobotschaft des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zur "Corona-Krise". "Nur der Verzicht verhindert, dass wir dauerhaft verlieren, was wir lieben." Der Satz löst zwiespältige Empfindungen in mir aus, klingt falsch. Alle bisherigen Informationen sagen doch, dass wir die Infektionen nicht vermeiden, sondern nur hinauszögern, die Infektionskurve abflachen können, um die medizinische Versorgung mit künstlicher Beatmung zu sichern. Die medizinischen Informationen besagen aber auch, dass von den bei problematischen Verläufen invasiv Beatmeten Corona-Patienten etwa 80% versterben. Und dass die Überlebenden überwiegend unter erheblichem Verlust an Lebensqualität leiden, an Angstzuständen, Depressionen, chronischen Atembeschwerden. Die Behandlung zerstöre Lungengewebe. Aus Untersuchungen zu Intensiv-Beatmungspatienten in anderen medizinischen Kontexten ist bekannt, dass etwa 60% der Überlebenden bereits im ersten Jahr nach der Behandlung versterben. Schlittern wir mit der Corona-Therapie in eine intensivmedizinische Sackgasse? Der Verzicht verhindert, dass wir dauerhaft verlieren, was wir lieben??? Und wie soll es so zu einer Herdenimmunität kommen? Bleibt vor allem die vage Hoffnung auf einen Impfschutz, der in der Verzögerungsphase entwickelt wird.

Die Bahnhofsbuchhandlung - dem Backshop schräg gegenüber - im Hbf Karlsruhe ist noch offen. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

In der täglichen ARD-Corona-Sendung wird heute offen auch die Frage nach den Kosten der Einschänkungen thematisiert.

27.03.20 Am Nachmittag zurück von Karlsruhe nach Untergrombach ist die S-Bahn so voll, dass der Sicherheitsabstand schwer einzuhalten ist. Ein Mitfahrer erklärt mir, dass das jetzt jeden Freitag zum Wochenendfeierabend so sei, die KVV schaffe es nicht, noch einen Wagen anzuhängen.

28.03.20 In Internet-Foren wird jetzt gehäuft angemahnt, wer nicht zuhause bleibe, der gefährde Menschenleben. Bis hin zu Sätzen wie "das ist für mich wie Mordversuch!" wenn jemand eine Gruppe Jugendlicher gesehen hat, die in einem Park zusammenstehen. Niemand käme allerdings auf die Idee, angesichts der noch immer mehr als 3000 Verkehrstoten in Deutschland jährlich - dazu zahlreiche Schwerverletzte, Querschnittsgelähmte, fürs ganze Leben gezeichnete Kinder  - davon zu sprechen, wer morgens in sein Auto steige, gefährde Menschenleben, sei gar ein potentieller Mörder!

In meinem lokalen Supermarkt die ersten Leute mit Mundschutz, ein mittelaltes Paar und eine ältere Frau. Allen dreien gemeinsam ist, dass sie ausgiebig die Waren studieren, auch in die Hand nehmen und zurückstellen, den Kopf ans Regal schieben, den vermeintlich "sicheren" Einkauf sichtlich und demonstrativ so zelebrieren "wie früher". Die fatale Scheinsicherheit bei Schutzmaßnahmen, sicherlich auch mit Rebound-Effekt, von Psychologen oft berichtet, hier war es frappierend ungeschönt zu sehen. Dabei sollte der Mundschutz vor allem andere schützen!

Das seit Wochen (wenn ich am Abend komme) leere Toilettenpapierregal ist mit Haushaltspapier gefüllt. Die Klärwerke werden sich über diesen Einfall nicht freuen! Haushaltspapier löst sich schwer auf, gehört in die Tonne, nicht in die Toilette.

29.03.20 Schweden geht einen eigenen Weg, den ich teilweise respektabel finde. Kindergärten und Schulen bis zur 9. Klasse nicht zu schließen erspart Eltern und Kindern viele Qualen, berufliche Risiken und riskante Alternativsuchen. Restaurants und Einzelhandel offen zu halten dürfte mittelfristig die bessere Entscheidung gewesen sein, in Deutschland gehen zahllose Existenzen gerade in Scherben. Die erste 6-18 Uhr Regelung für Restaurants und klare Abstandsregeln in Restaurants und Einzelhandel (wie in Lebensmittelgeschäften) hätten ein Kompromiss sein können. Der schwedische Appell an Risikogruppen, zuhause zu bleiben, ist langfristig sicher sinnvoller als ein "bleibt alle zuhause". Aber dass bei aktuell exponentiell ansteigenen Fallzahlen zum Lockdown gegriffen wird, ist doch verständlich und in Dänemark konnte man den Effekt unmittelbar sehen. Großveranstaltungen unter 500 Teilnehmern und Gruppenbildungen nicht zu untersagen, wie in Schweden, finde ich fahrlässig - aber da hat auch Deutschland Fehler gemacht mit Zögern und Salamitaktik.

31.03.20 In der Bahn sitze ich in einem sonst leeren Bereich. Da steigen in Durlach zwei junge Frauen ein, mit Pullis "Jugendfeuerwehr", eine setzt sich direkt Rücken an Rücken zu mir, um ihrer Freundin mit Abstand gegenüber zu sitzen. Als ich den Platz wechsle, registriert sie ihren Fauxpas und wechselt auch. Dann hustet sie, mehrmals. Immerhin in die Armbeuge, Maske trägt sie nicht. Ob nach Corona durch höhere Sensibilität und angepasstes Verhalten die Grippeinfektionen abnehmen? Wie lange aber wird das vorhalten?

Die Spielplätze sind inzwischen von den Jugendlichen erobert. Alleine oder zu zweit. Auf der Schaukel, auf den Bänken.

02.04.20 Drostens Podcast beim NDR wird heute ohne ihn gemacht. Er hat eine Nasennebenhöhlenentzündung.

03.04.20 Bislang galt, von Merkel ausgegeben, eine Verdoppelungszeit von 10 Tagen für die Infektionszahlen als Indikator dafür, dass an eine Lockerung der Einschränkungen zu denken sei. Seit 18. März flacht die Kurve der täglichen Neuinfektionen deutlich ab, die 10-Tages-Frist dürfte noch vor Ostern erreicht sein. Und nun ist nicht mehr von 10, sondern, z.B. heute bei NRW-Gesundheitsminister Laumann, von 12 bis 15 Tagen die Rede.

Heute eine Irrfahrt mit der Bahn von Karlsruhe nach Untergrombach, weil von den Bahnen, die in Untergrombach anhalten, einige ausgefallen sind.

Deprimierende Stimmung. In Bruchsal am Hauptbahnhof überwiegend Obdachlose, Heimatlose, zwei verwirrte Frauen, die sich beim Umherirren begegnen und einander ihre seltsamen Botschaften zusprechen, zwei Monologe, die wieder auseinander gehen.

04.04.20 Jetzt wo Ostern vor der Tür steht mehren sich wieder die Aufforderungen, zuhause zu bleiben, von Günther Jauch etwa in den Bahnhofsanzeigen. Wie schon im ersten Video-Appell von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 16.03. wird unterschwellig darauf hingewiesen, dass, wer nicht zuhause bleibe, Leben gefährde. Doch wer so forciert das zuhause Bleiben anmahnt, der frage sich ganz ehrlich, ob er das auch täte, wenn er kein Haus mit Garten außenrum bewohnte, sondern eine Wohnung in einem Hochhaus.

Distanz ja, öfter zuhause bleiben, gebündelter (bezogen auf Erledigungen) weggehen, Leerräume nutzen und natürlich zuhause bleiben bei Verdacht, Quarantäne bei Infektion, ganz klar - aber grundsätzlich zuhause bleiben, das ist auf Dauer eine Forderung, die unwägbare Risiken birgt, für die seelische und auch die körperliche Gesundheit! Vom drohenden Kollaps des Wirtschafts- und Sozialsystems ganz abgesehen. Sicher müssen wir in Deutschland bald die Masken-Aversion ablegen. Und wer niest und hustet, der darf nicht in den öffentlichen Raum! Ich bin immer noch in der Bahn und draußen im Gelände mit Menschen konfrontiert, die ungeniert niesen und husten, ohne Mundschutz. Und ich muss immer wieder ausweichen, den Platz wechseln, weil jemand zu nahe rückt. Ich sehe keine Ordnungskräfte, die an das Distanz-Gebot erinnern oder Hustenden einen mehrsprachigen Info-Zettel in die Hand drücken.

05.04.20 Zwei irritierende Lektüren: Vom wissenschaftlichen Mitarbeiter der Uni Bremen für Mathematik, der am 25.03. mit 42 Jahren im Krankenhaus Heraklion an Corona verstarb, und vom Londoner Chirurgen, der trotz einer Quarantäne-Verordnung seines Arbeitgebers am 25.03. mit Ryan Air nach Potsdam flog und in seiner Zweitwohnung dort an Corona verstarb, seine Leiche wurde am 30.03. gefunden. Es ist skandalös, was im Flugverkehr in Deutschland noch möglich ist! Es scheint so gut wie keine Kontrollen zu geben, nicht einmal Körpertemperatur-Tests. Spektakulär auch die Fotos vor einigen Tagen aus einem überfüllten Passagierraum eines Binnenfluges.

Keine Kondensstreifen mehr am Himmel! Welch ein Gewinn an Lebensqualität, auch wenn uns jetzt öfter die seltsame Mitteilung erreicht, die Wetterprognosen würden ungenauer werden durch den Mangel an Flugverkehr! Immerhin hat noch niemand vermeldet, dass mit dem abnehmenden Autoverkehr eine Zunahme an Gelenkerkrankungen drohe (zu viel Bewegung ...).

06.04.20 Heute lese ich auf "tagesschau.de" von Oliver Neuroth einen Bericht zur günstigen Situation in Portugal (Stand 02.04.: 9000 Erkrankte, 209 Todesfälle) im Vergleich zum Nachbarland Spanien. Der Grund sei, neben portugiesischer Disziplin, das Alter der Gesellschaft, da die über 65jährigen in Portugal zahlreich seien und sich ohnedies überwiegend zuhause aufhalten. Die hohen Opferzahlen in Italien wurden ebenso begründet: Italien sei eine überalterte Gesellschaft und daher gebe es mehr Todesopfer.

Der Autozulieferer Webasto mit Sitz in Bayern sorgte bekanntlich für die ersten Corona-Fälle in Bayern. Eine chinesische Kollegin war zu einer Schulung in der Firmenzentrale, auf dem Rückflug am 23.01. habe sie ihre Infektion bemerkt. Die Erkrankungen von vier bayrischen Kollegen wurden am 28.01. bekannt. Der Autozulieferer Schaeffler, gleichfalls in Bayern ansässig, mit acht Werken in China und einem Logistikzentrum in Wuhan, hatte schon am 23.01. ein Reiseverbot nach China verhängt. Gewiss also waren es nicht nur die Skifahrer aus Südtirol, die Corona in Baden-Württemberg, Bayern und NRW so massiv installierten, sondern auch die Wirtschaftskontakte der Regionen nach China. Hier hat die Bundesregierung versagt, insbesondere bei der Kontrolle des Flugverkehrs. Den Karneval in Heinsberg als Beelzebub hinzustellen, ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Erklärungsbedürftig bleiben auch die hohen Zahlen im Saarland.

Im Supermarkt seh ich wieder ein älteres Paar mit Masken, er hat auch Handschuhe an und untersucht eine Kiste mit Kohlrabi, nimmt jede Kohlrabi in die Hand, weit über die Kiste gebeugt! Ob es wirklich zielführend ist, 'die Deutschen' zu Maskenträgern zu machen?? Da muss sich kulturell noch einiges ändern! Oder beobachte ich da nur eine 'süddeutsche' Spezialität? Ich gestehe, vor Corona habe ich auch manchmal wieder was zurückgelegt.

Ich finde endlich eine plausible Erklärung zur Situation in Italien im "Corriere della Sera", vom letzten dortigen Lehrstuhlinhaber für Virologie, Giorgio Palù: Zu rasch und zu häufig wurde in Krankenhäuser eingewiesen, dann von überfüllten Krankenhäuser in andere verlegt ohne ausreichende Sicherungsmöglichkeiten, zu wenig isoliert.

In den vergangenen Tagen wird zunehmend kritisch, teilweise mit Häme über Schweden berichtet, da auch dort die Todesfälle zunehmen und die Regierung unter Druck gerät, von Seiten einiger Medien und einiger Mediziner im Lande. Die Kurve der "Daily Increases" von der Johns Hopkins University zeigt jedoch für Schweden keinen wirklich signifikanten Unterschied zu Deutschland oder zum Nachbarland Dänemark, der sich durch rigiden Lockdown versus eingeschränkte Offenheit erklären ließe. Wohltuend unaufgeregt ist, was die "taz" am 5.04. zu Anders Tegnell, dem schwedischen "Staatsepidemologen", schreibt, der auf den Vorwurf, mit Schweden "ein Experiment" zu machen, antwortet, nicht Schweden, die anderen Staaten würden mit den erheblichen Freiheitseinschränkungen ein Experiment machen mit wesentlich schwerer zu kalkulierenden Risiken, auch für die Gesundheit.

Schweden und Italien: Beide Lehren müssen verstanden und verarbeitet werden - sobald sie überschaubar sind!

Bei der täglichen Sichtung des Covid-19-Dashboards des Robert Koch-Instituts klicke ich zum ersten Mal auf die Angabe der Alterskohorten-Infektionen pro 100.000. Dabei zeigt sich, dass mitnichten die mittleren Altersgruppen überdurchschnittlich oft infiziert sind. Die Gruppen 35-59 und 80+ weisen ähnliche Infizierten-Anteile auf, ebenso die Gruppen 15-34 und 60-79, wobei die Frauen der Gruppe 60-79 am wenigsten betroffen sind. Auffallend in der Gruppe der 15-34jährigen ist der etwas höhere Anteil von Frauen und in den Gruppen ab 60 der höhere Anteil von Männern. Ich vermute soziale Hintergründe.

07.04.20 Die Neuinfektionen in Deutschland steigen weiterhin nicht signifikant über 6000 am Tag. Es erstaunt daher nicht, dass immer lauter über den Ausstieg aus dem Shutdown diskutiert wird. Ähnliche Entwicklungen andernorts. Österreich verordnet erste Lockerung der Gebietsquarantänen, auch Tschechien lockert, beim Einzelsport. An der Börse gibt es laut "Handelsblatt" eine "Erleichterungsrally". Freuen sich schon die ersten auf die Gewinne bei der "Trümmerbeseitigung" (das Wort habe ich tatsächlich schon in den Medien gefunden)? Dann sollten sie nach Indien und in die USA schauen. Der Begriff "Erleichterungsrally" hat für mich das Zeug zum Unwort des Jahres.

Ein Freund berichtet von seiner Tochter, die mit einer Freundin und ihren insgesamt 5 Kindern auf einer Wiese am Waldrand bei Freiburg zum Spielen war. Zwei Jogger passierten und schimpften über das Corona-unsensible Verhalten. Und riefen die Polizei, die kurz darauf erschien. 500 Euro Bußgeld waren fällig. Als ich anderen Freunden davon erzähle, berichten sie von ähnlichen Erfahrungen in Freiburg. Nicht nur die Bundesländer, auch die Kommunen gehen unterschiedlich mit den Corona-Einschränkungen bzw. Verstößen um. Das Problem beginnt ja schon bei der Definition des Verstoßes. Ist eine Frauen-WG mit ihren gemeinsamen Kindern familienähnlich genug, um sich ungestraft im Außenbereich gemeinsam aufzuhalten? Für andere wird damit allerdings ein Signal gesetzt: Die dürfen das, warum wir nicht?

08.04.20 Mit 4003 Fällen bleiben die Neuinfektionen weiterhin weit unter der 10-Tages-Schwelle. Die Zahl der neu Genesenen nähert sich der Zahl der Neuinfektionen!

Föderalistische Paradoxien werden aus Ulm/Neu-Ulm berichtet: In Bayern ist Ausgehverbot, aber die Eisdielen sind zum Straßenverkauf geöffnet. In Baden-Württemberg gibt es kein Ausgehverbot, aber die Eisdielen sind geschlossen. Folge unterschiedlicher Ideologien. Wie bringt man die Leute dazu, weniger auf die Straße zu gehen. Bayern sagt: Verbieten. Baden-Württemberg sagt: Nudging, Eisdielen zumachen.

Seit Samstag Motorradlärm, Osterferien! Und mir scheint, so aggressiv wie noch nie, als führte der Corona-Frust den Gasgriff. Die üblichen Motorradfahrer-Herdentreffen sind ja untersagt, Biker-Treffs geschlossen. Es sind weniger unterwegs - aber diese umso lauter, sind es die besonders Rücksichtslosen? Oder höre ich sie nur genauer?

Auf einem Plakat eines bekannten Saft-Herstellers: "Wir danken allen, die diese Plakat nicht lesen." Aha. Dankt der Safthersteller also nicht: Seinen Mitarbeitern, die trotz Corona zur Arbeit kommen. Den Auslieferern seiner Säfte. Den Verkäufern seiner Säfte. Den Käufern seiner Säfte. Oder produziert der Saftproduzent wegen Corona nicht mehr? Mitnichten, auf seiner Website ist zu lesen "Voll im Saft. Wir produzieren weiter!" Aha. Nun ja, frisches Obst und selbst gepresster Saft sind eh besser - und nachhaltiger - als die Konfektion dieses - und anderer - Produzenten. Zuhause bleiben und selbst pressen, genau, das tun wir!

Trump kritisiert Schwedens Corona-Politik. Er versucht, sich als Corona-Meister zu profilieren. So peinigend, den Präsidenten eines der wichtigsten Länder des Planeten zu erleben, wie er sich selbst permanent als infantile, narzistische Dumpfbacke vorführt. Dass Trump gegen Herdenimmunität lästert ist verständlich: Ihm genügt seine individuelle Immunität, mit "Herde" verbindet ein anständiger Cowboy das Rindvieh. Und macht sich im gegebenen Falle damit selber zu solch einem.

09.04.20 Während in Italien und Deutschland die (erfassten) Neuinfektionen zurück gehen, steigen sie sowohl in Schweden (locker) als auch in Dänemark (streng) weiter an, laut den Daten der Johns Hopkins University. Es gilt bei Corona mehr denn je: die (medial verbreitete und handlungsbestimmende) Wirklichkeit ist das, was gemessen wird. Ein Land könnte, um ein extremes Beispiel zu nennen, seine Neuinfizierten-Zahlen drücken, indem es nicht mehr diejenigen testet, die einen Husten und Fieber haben, sondern diejenige, die einen Schnupfen haben und über Kopfschmerzen klagen. Natürlich wäre das unsinnig, verwerflich und vor der Öffentlichkeit kaum geheimzuhalten, aber in abgemilderter Form waren und sind die bislang veröffentlichten Zahlen nur grobe Annäherungen und abhängig von der Zahl der Tests und den angewendeten Prinzipien bei der Auswahl der zu Testenden bzw. dem Zugriff auf die Infizierten. Die in Island durchgeführte  Random-Choice-Testung ("repräsentative Stichprobe") von deCode Genetics hat das, nach dem bisherigen Wissensstand keineswegs verblüffende, Ergebnis erbracht, dass 50% der Corona-Infizierten - zumindest in Island - nichts von einer Erkrankung mitbekommen. Und die niedrige Todesrate in Deutschland sei nach Medienberichten u.a. auf die breite Testung zurückzuführen, die eine "statistische Verzerrung" mit sich bringe (wobei eher die Ergebnisse der Länder mit geringerer Testdichte "verzerrt" zu nennen sind).

In Bayern galoppieren die Neuinfizierten-Zahlen seit Anfang April im Vergleich mit BW und NRW davon, trotz Ausgehverbot. Was ist (war ab Ende März) da los? Wird mehr getestet? Rebound-Effekte des Ausgehverbots?

Der verhalten sich bei uns artikulierende Optimismus (siehe u.a. den Bericht des Virologen Hendrik Streeck, der den "Fall Heinsberg" untersuchte) darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den USA, in Indien und andernorts gravierende soziale Katastrophen drohen.

Auf dem Friedhof in Untergrombach eine Beerdigung. Die Trauergäste weit verstreut im Corona-Abstand. Eine Szene wie aus einem Fellini-Film.  Aber jenseits der Ästhetik schmerzlich traurig.

10.04.20 Jürgen Habermas: "So viel Wissen über unser Nichtwissen und über den Zwang, unter Unsicherheit handeln und leben zu müssen, gab es noch nie." (Interview in der Frankfurter Rundschau) Die beiden wichtigsten Banalitäten, die zur "Corona-Krise" zu sagen sind - mit einem obligaten Fragezeichen hinter dem "nie" zu versehen.

11.04.20 Neuinfektionenzahl bundesweit gehen weiter zurück, der Trend ist nun stabil seit etwa 18. März mit dem ersten signifikanten Abflachen des Anstiegs. Ein Oberverwaltungsgericht hebt Strandverbot in Mecklenburg-Vorpommern als unverhältnismäßig auf. Allerdings gilt das nur für Einheimische. Die Rückkehr der Grenzen hat mit Corona den Bereich der Kleinstaaten erreicht. Kommunale Grenzen sind bislang noch nicht neu aufgerichtet, aber bei manchen gedeiht schon das Unbehagen, mit dem "falschen" Autokennzeichen unterwegs zu sein in "fremdem" Stadtgebiet.

"Jeder von ihnen hat Menschenleben gerettet", so Frank Walter Steinmeier in seiner Osteransprache, nur durch das Zuhausebleiben. Welch seltsames Pathos, welche Umwertung aller Werte. Trump bastelt unterdessen sein Image um zum Corona-Helden, der gleich tausende von Leben gerettet habe, "we're the ones that kept China out of here" - seit dem 25. März wird er nicht müde, dies zur Kaschierung seines Versagens vorzutragen.

12.04.20 Ostersonntag mit dem Fahrrad am Rhein. Unterwegs Plakate der Stadt Bruchsal "Wir gegen Corona", unter anderem eines mit dem Appell "Wir bleiben im Nest", Störche zeigend. Störche, das sind Zugvögel die verhungern oder erfrieren, wenn sie im Nest bleiben. In der Psychologie nennt man das "Double Bind", was derzeit pädagogisch exerziert wird. Mama Obrigkeit sagt: Zuhause bleiben. Papa Mediziner sagt: Bewegung, Sorge für die seelische und körperliche Gesundheit, auch durch Ausflüge, sind notwendig. Ganz abgesehen davon würde die Gesellschaft unverzüglich zusammenbrechen, würden tatsächlich alle im Alltag diesem fragwürdigen "Wir"-Appell folgen.

Durch Allgemeinverfügung der Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen darf das Rheinufer zwar besucht werden, doch ist das "Verweilen" untersagt. Ein Polizeifahrzeug patrolliert und Leute die sitzen werden angesprochen. Es gilt: Immer in Bewegung bleiben. Das letzte Mal, dass Verweilen so verteufelt wurde, war bei Goethe: "Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen ..." Klar, hier sollen Gruppenlager unterbunden werden - aber erreicht wird, dass die Leute sich auf dem Promenadenweg öfter begegnen, der Bereich der Uferböschung und die Bänke ungenutzt bleiben. Und Gruppenlager gab es dort auch vor Corona selten, und mit "Verweilen" hatten die weniger zu tun, mehr mit Trinken, Rauchen und laut Musikhören. Wie wäre es mit einem Rauch- und Alkoholverbot in der Öffentlichkeit als Corona-Maßnahme? Reduziert auch den lungengängigen Feinstaub.

Wohltuender Corona-Nebeneffekt: Es waren kaum Motorräder zum Rhein unterwegs und auf dem Rhein tobten keine Jet-Ski-Recken. Aber warum benötigen wir eine derart dramatische Ausnahmesituation, um für etwas mehr Lärmverzicht und Rücksicht im öffentlichen Raum den Rahmen zu schaffen?

13.04.20 Und jetzt wird Trump noch zu dem, der gegen Fauci die USA vor Corona gerettet habe. So peinlich, so durchschaubar - und er wird durchkommen damit! Und er wird Obama-Care als Trump-Care neu erstehen lassen aus den Trümmern, die er selber geschaffen hat.

"Journalismus in der Krise: die fünf Defizite der Corona-Berichterstattung" - Beitrag vom 09.04.20 in "Meedia" von Klaus Meier und Vinzenz Wyss. Klingt ähnlich wie schon die Kritik an der Berichterstattung zur "Flüchtlingskrise", mit dem Tenor, dass der Journalismus zu staatsnah, propagandistisch und unkritisch, zu fokussiert auf bewegende Einzelschicksale ohne Frage nach der Repräsentativität blieb. Zu lange der Verantwortungsethik verpflichtet, nach Auffassung der beiden Journalismusforscher, zu wenig der (journalistischen) Pflichtethik.

14.04.20 Im Deutschlandfunk äußerte sich der Palliativmediziner Matthias Thöns am 11.04.2020 zur falschen Prioritätensetzung in der Behandlung kritischer Corona-Fälle, die "sehr einseitige Ausrichtung auf die Intensivbehandlung". In Italien seien nur 3 von 2.003 Todesfällen bei Patienten ohne Vorerkrankung eingetreten. Es handele sich bei den schwer erkrankten Covid-19-Betroffenen "meist um hochaltrige, vielfach erkrankte Menschen", die üblicherweise palliativmedizinisch behandelt würden und nun zu Intensivpatienten werden. Vielfach werde eine extrem leidvolle Behandlung durchgeführt, die den Tod um einige Tage hinauszögere oder in Schwerstbehinderung münde - bei zusätzlicher hochgradiger Gefährdung des medizinischen Personals. "Es werden alle ethischen Prinzipien verletzt, die wir so kennen." Ich wünschte mir, dass der Bundespräsident diese Tatsachen auch in seinen Ansprachen reflektierte.

Seit einigen Tagen überwiegt die Zunahme der Genesenenzahl die Zunahme der Infiziertenzahl. Allerdings kann es sich dabei um eine statistische Verzerrung durch die Feiertage handeln mit weniger Laboruntersuchungen. Es ist ja regelmäßig seit Beginn der Aufzeichnungen ein erfassungssystemisch bedingter Rückgang der Neuinfiziertenzahlen an den Wochenenden zu registrieren.

Am 31.03. betrug die Zahl der (seit Beginn erfassten) Covid-19-Fälle 61.913, heute, am 14.04., 125.098 Fälle. Eine Verdoppelungszeit von 14 Tagen ist erreicht! Ein großer Erfolg. Interessiert das irgend jemanden? Stattdessen weiter Katastrophenstimmung.

In Schweden steigt die Zahl der Toten im Zusammenhang mit Corona auf den - relativ zur Einwohnerzahl - doppelten Wert gegenüber Dänemark. Was allerdings, vergleicht man die Sterbeziffern von Deutschland im Bezug zu Frankreich oder Schweden, wenig besagt. Überhaupt sind diese ganzen Zahlvergleiche, mit denen wir aktuell konfrontiert werden, wenig gehaltvoll und tragen gespenstisch wettbewerbliche Züge ein Jagd nach bad news (bekanntlich "good news"). Teilweise im Duktus der Börsennachrichten.

15.04.20 Ich musste in den Baumarkt, etwas am Schuppen ist zu reparieren. Eine schockierende Erfahrung. Ich fuhr 13:30, in Erwartung, dass die Handwerker ihre Mittagspauseneinkäufe erledigt und die Anderen noch mit Mittagspause zu tun haben. Welch ein Irrtum. Der Parkplatz war voll! Als seien alle versammelt, die mal wieder was anderes einkaufen wollten als Lebensmittel und Medikamente. Am Eingang ein Schild, dass das Betreten in Gruppen untersagt sei. Drinnen standen an einem Infostand 6 Mitarbeiter als Gruppe zusammen. Unter den Kunden verhielten sich viele so, als gebe es keine Abstandsregel, trotz regelmäßiger Durchsagen. Ich hatte den Eindruck, der einzige zu sein, der Abstand hielt bzw. auswich, wenn jemand zu nahe kam. Keine älteren Menschen. Baumärkte haben sicherlich schon strukturell eine jüngere Besucherschaft, ein bisschen wirkte das Getreibe wie eine Parallelgesellschaft, in der Corona keine Rolle spielt. Jung, unverletztlich. Filmreif, grotesk angesichts der Schilder überall und der Durchsagen.

Die Entscheidung ist gefallen, die Schulen bleiben erstmal zu. Söder hat sich gegen Merkel durchgesetzt, die Helmholtz-Gemeinschaft gegen die Leopoldina. Und da lobt Söder die "stahlharten Nerven" von Merkel. Hat Bayern nicht mit seinen Fall-Zunahmen in den vergangenen Tagen "bewiesen", dass die besondere Strenge nichts bringt? Da wird jetzt argumentiert, Bayern habe seinen Höhepunkt noch vor sich, während NRW ihn schon hinter sich habe - weil der Karneval in NRW für einen frühen Anstieg gesorgt habe. Aber Bayern hatte seine Autozulieferer mit China-Kontakten und den ersten Infektionen schon vor dem 23.01. - da war der Karneval in Heinsberg noch fern, und Ischgls Après-Ski auch!

Wir experimentieren alle. Schweden riskiert mehr Tote in hohem Alter und bei Gesundheitsproblemen, wir riskieren den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Vernichtung zahlloser Selbständigen-Existenzen sowie eine massive allgemeine wirtschaftliche Depression. Aber die jetzige Entscheidung ist nachvollziehbar. Schulen und Läden gleichzeitig wieder aufzumachen (natürlich mit Abstandssensibilität) hätte entweder, wenn die Infektionszahlen nicht wesentlich nach oben gegangen wären, nahegelegt, dass der Lockdown zu rigide war. Oder aber es hätte einen zu massiven Anstieg gebracht. Beides unerfreulich für die Regierungen, letzteres für alle. Also erstmal mit einem beginnen. Klug. Pädagogisch und gesellschaftlich allerdings problematisch.

17.04.20 Am Michaelsberg tummeln sich große Gruppen von Jugendlichen. Lautstark und kontaktfreudig. Auch "Normalbesucher" sind in einer Anzahl und Enge da, die den normalen Museumsbesuch weit in den Schatten stellt. Der Parkplatz ist voll mit Autos, wir suchen mit den Rädern rasch das Weite.

Die elfjährige Tochter von Freunden nennt Jugendliche "Risikogruppe", weil die sich oft nicht an die Abstandsregeln halten. Sie hat den Begriff im Corona-Zusammenhang aufgeschnappt und auf ihre Weise interpretiert. Zur fortdauernden Schulschließung meint sie: "Das geht doch nicht, man kann doch vor Corona nicht weglaufen!"

Zur Schulsituation in Schweden siehe den Erfahrungsbericht der MDR-Redakteurin Christiane Luft: https://www.jumpradio.de/thema/corona/tagebuch-der-schwedische-weg-einundreissigster-maerz-100.html

19.04.20 Heute bin ich zum ersten Mal länger mit Atemmaske unterwegs, im ÖPNV und teilweise auch draußen beim Umsteigen, weil ich das häufige Auf- und Absetzen lästiger finde als das Belassen. Ich gewöhnte mich erstaunlich rasch an das Ding. Auffallend, wie wenige damit unterwegs sind in Karlsruhe. Ich hatte den Eindruck, dass mehr Leute auf Abstand achten wenn ich die Maske trage als ohne.

Ich mache mir große Sorgen angesichts der brisanten Gemengelage von anhaltenden politisch-militärischen Krisen, weltweiten Versorgungskrisen, Flüchtlingsdruck und Corona. Jetzt beginnt Trump noch ein widerliches Propagandafeuer gegen China um von seinem Versagen in den USA abzulenken.

Das RKI hat seine Graphik zu den Covid-19-Fällen ergänzt um "Erkrankungsdatum". Die neue Graphik zeigt (suggeriert?), dass exakt mit der Schulenschließung am 17. März der Anstieg gestoppt wurde. Darunter steht "Mär" (für "März"), ob es eine ist? "Erkrankungsbeginn" ist eine problematische Größe. Sie orientiert sich an den Angaben des Patienten oder des Arztes zur Symptomatik. Da die Symptome zeitlich verzögert nach der Infektion kommen, würde die neue Graphik besagen, dass schon vor der Schulenschließung die Infektionen zurückgingen. Und was bedeutet dies für den Sinn der Schulenschließung? Es gibt noch viele Rätsel um Covid-19 zu lösen. Eine wichtige Statistik wäre auch die zur Zahl der durchgeführten Tests nach Tagen.

Die "normale" Grippewelle endete in diesem Jahr früh - das wird zurückgeführt auf die Schulenschließung, da für diese Grippe(n) Kinder die Hauptüberträger sind (anders als bei Corona).

20.04.20 Meine Nachhilfeschülerin in Mathe bekommt nun von der Klassenlehrerin Aufgaben mit der nachdrücklichen Anmerkung, die Bearbeitung sei "freiwillig". So lautet die Anweisung des Kultusministeriums: Es dürfe kein neuer Stoff eingeführt werden und die Aufgabenlösung sei freiwillig! Aus Gerechtigkeitserwägungen, denn was ist mit den Kindern, die keinen PC zu Hause haben und keine Internet-kompetenten Eltern? Willkommen im Zeitalter des double bind. Ferien seien das aktuell nicht, Schule solle online stattfinden - aber ohne Verbindlichkeit. Gearbeitet werden soll/muss schon noch und Bewegung und Lebensfreude zur Erhaltung des Immunsystems sollen auch sein - aber zuhause bleiben. Klimaerwärmung und Insektensterben erfordern sofortiges Umlenken - aber das Bruttosozialprodukt muss wachsen. Haben wir nicht schon längst eine sanfte Form des Doublespeak von George Orwell erreicht? In besten Absichten, auch bei der Flüchtlingsthematik, wo jede positive Maßnahme die Zahlen ansteigen lässt, negative Maßnahmen vor der Menschlichkeit nicht bestehen können? Wo unschöne Wahrheiten der falschen Seite in die Hände spielen?

Von Jena lernen. Klare Ansagen, rational begründet, konsequentes und gewichtetes Vorgehen. Und von Schweden lernen: Abwägen, nüchtern bleiben. Merkel dagegen droht schon mit dem nächsten Shutdown. Die angeblich rationale Wissenschaftlerin ist die - ganz "sachliche" - Sorgenmacherin Nummer 1. Wir dürften uns "keine Sekunde in Sicherheit wiegen", erklärt sie am 20.04., und spricht wiederholt vom "Anfang dieser Pandemie". Und alles in Blau, Blau ist die Corona-Farbe in Deutschland.

Ich war heute wieder mit Maske in der Bahn und beim Umsteigen unterwegs. Eher einsam. Seltsamerweise fühlte ich mich sicherer mit Maske. Obgleich ich weiß, dass Masken in der Regel wenig zur individuellen, mehr zur allgemeinen Sicherheit beitragen. Inzwischen gibt es keine irritierten oder amüsierten Blicke mehr. Manche Leute scheinen die Nähe von Maskenträgern zu suchen - ob sie sich da selbst sicherer fühlen oder ob sie denken, bei einem Maskenträger muss ich keinen Abstand halten? Manche allerdings machen einen größeren Bogen. Ob sie denken dass ich infiziert sei oder ob sie respektieren wollen, dass ich mir besondere Mühe zur Infektvorbeugung gebe? Ist der sozialpsychologische Effekt (uns an die Sondersituation erinnern, die Aufmerksamkeit wach halten) bei Masken wichtiger als der medizinische?

21.04.20 Beständiges Drohen mit der "zweiten Welle". Statt sachlich mit dem weiter bestehenden Infektionsrisiko zu argumentieren und Masken-/Tuchpflicht in Risikosituationen (ÖPNV, Arztbesuch, Einkauf) konsequent bundesweit einzuführen. Die aktuell 1.800 Toten in Schweden werden in den Medien anschwellend als "Preis'" der schwedischen Liberalität im Umgang mit Corona gewertet. Aber was ist mit den 17.000 in GB, den 21.000 in Frankreich, den 25.000 in Italien? n-tv, nicht gerade bekannt für soliden Journalismus, titelt "Neunmal mehr Tote als Norwegen. Schwedens Sonderweg ist teuer erkauft". Man muss nur die passenden Vergleichszahlen finden, dann lässt sich alles "beweisen". Wie wäre es mit: "Weniger als halb so viele Tote wie in Italien, Spanien oder Belgien. Schwedens Sonderweg zahlt sich aus."

22.04.20 Heute zum ersten Mal eine massive Schwemme von Fatalismus, die mich durchflutete. Ich war nochmal im Baumarkt und die Stimmung war gedrückt, bei den Angestellten und bei den Kunden. Corona wird uns verändern, wird auch Mentalitäten verändern. Wie soll das weitergehen ohne Herdenimmunität oder Impfstoff, ein Leben mit angezogener Handbremse? Allerdings gibt es Hinweise, dass Corona sommerliche Temperaturen nicht mag. Vielleicht verschwindet es auch einfach, wie SARS 2002/03? Dagegen spricht die hohe Zahl weltweit verteilter Infizierter. Aber die Hoffnung bleibt. Die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und psychosozialen Folgen werden ohnedies drastisch, auch wenn die Pandemie im Sommer abklingen sollte.

Wie es sein wird, wenn kommende Woche alle Masken tragen? Heute im Baumarkt wieder das Phänomen, dass viele Maskenträger nicht (mehr?) auf Abstand achten! Vorbild Asien, da sieht man die Leute in den Medienbildern ja auch eng beieinander im Gedränge mit Masken.

23.04.20 "Guten Morgen, Corona" - jeden Tag nach dem Einschalten des Computers der Blick auf die Tabellen und Graphiken des RKI. Auffallend schon seit gut 10 Tagen die grüne Zahl der gemeldeten Genesenen des Vortages: sie liegt nun konstant über der Zahl der neu gemeldeten Infizierten! Was bedeutet: Die absolute Zahl der Infizierten geht zurück.

Von der Tagesschau heute morgen die Meldung zweier Berechnungspannen zur "Herdenimmunität" in Schweden. Offensichtlich liegen die Nerven blank unter dem Druck der weltöffentlichen Meinung, die Schwedens liberalen Weg misstrauisch beäugt. Die Zahl der Corona-Todesfälle in Schweden liege um den Faktor Drei über der in Deutschland. Damit aber im europäischen Vergleich immer noch so, dass der Wert keineswegs ein Versagen des liberalen Weges zeigt. Wenn man sich denn auf die Zahlenvergleiche einläßt. Dann sollte man aber auch damit rechnen, dass die Immunität in Schweden dreimal so hoch ist wie in Deutschland. Und dass wir uns hier zu Recht Sorgen wegen der erwartbaren zweiten Welle machen, da wir entsprechend weniger Immunität haben.

Die Bundeskanzlerin mahnt gegenüber den Ministerpräsidenten den Schutz von Leben und Gesundheit an. Was glaubt sie denn, was die von ihr bevorzugten strengen Maßnahmen für Leben und Gesundheit bedeuten? Großzügig ist die Kanzlerin im Verteilen von Geld als Corona-Ausgleich. Wie soll aber das Geld erwirtschaftet werden, das sie der Wirtschaft und den ärmeren europäischen Ländern in Hülle verspricht? Ist sie schon in Bernau/Wandlitz angekommen, hinterm Gartenzaun? Ich spüre, wie der Fatalismus von gestern in Wut umschlägt. Aufgepasst!

In Schweden gehen die Aufnahmen in Intensivstationen und die Todesfallzahlen zurück - und zwar einem Kurvenverlauf folgend, der seinen Höhepunkt (geglättet) um den 11./12. April hat. Eine entsprechende tagesbezogene Graphik zu Deutschland finde ich nicht, nur eine Graphik zum Anstieg der Gesamtzahl der Toten.

Corona Todesfälle Schweden

Ein ganz gewichtiges Problem für manche Politiker: Wann geht es weiter mit der Bundesliga? Bald, da sind sich Laschet und Söder einig! Vielleicht hat Merkel doch Recht mit ihrer Ministerpräsidenten-Schelte. Sie sollte aber klarer sagen, was sie meint, nicht stets so allgemein bleiben.

24.04.20 Lars Schade (RKI): "Die Fallzahlen müssen auf wenige hundert pro Tag sinken, damit über weitere Lockerungen nachgedacht werden kann." Siehe dazu aber die Todesfallzahlen im Weltvergleich, relativ zur Einwohnerzahl, mit Schweden (das von Beginn so etwa eingeschränkt hat, wie bei uns nach Lockerung geplant ist) zwischen den Niederlanden und der Schweiz, Deutschland in vergleichsweise sehr guter Position:

Corona-Todesfälle weltweit

Aber ist das ein Erfolg, den die deutsche Politik sich verdient hat? Die deutsche Politik hat versagt bei der Grenz- und Flughafenkontrolle zu Beginn der Pandemie, sie hat versagt bei der Bereitstellung von Masken für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, hat versagt bei der Testung von Ärzten und Pflegepersonal. Dafür hat sie die Kinder weggesperrt und das öffentliche Leben lahmgelegt. Die meisten der Alten und Kranken, die sich aktuell noch an Corona anstecken, stecken sich im Krankenhaus, in der Pflegeeinrichtung, beim Fahrdienst zur Dialyse und ähnlichen Einrichtungen an - nicht bei bösen, unachtsamen Enkeln. Funktioniert hat das deutsche Gesundheitssystem - das seit Jahrzehnten von der Politik systematisch seiner Stärken beraubt wird - mit Hausarztstruktur und Krankenhausvielfalt. Wo - wie in Italien - die Corona-Infizierten sofort ins Krankenhaus kamen und/oder die Schutzausrüstungen in Krankenhaus und Pflege defizitär waren, hat sich die Pandemie besonders massiv und kurzfristig ausgebreitet.

Der wichtigste Schlüssel zur Klärung, weshalb die Todesraten so unterschiedlich hoch sind, dürfte nicht im Grad des Lockdowns liegen, sondern in der Struktur des Gesundheitssystems und in kulturell geprägtem Alltagsverhalten.

27.04.20 Die Tagesschau berichtet aus Singapur. Explosionsartig seien die Zahlen der Corona-Infizierte gestiegen. Doch 90% der Infektionsmeldungen von gestern entfielen auf die eng gepferchten Unterkünfte von Wanderarbeitern - und unklar ist, wieviele der verbleibenden 10% damit im Kontext stehen. Trotzdem nimmt die Tagesschau dies zum Anlass, vor allzu raschen Lockerungen in Deutschland zu warnen. Sie sollte eher vor sozialen Schieflagen bei Aufrechterhaltung der strengen Maßnahmen warnen. Die einen spielen Tischtennis im Garten und lernen über Videokonferenzen oder mit Eltern/Freunden, die anderen langweilen sich, verstehen die Aufgaben nicht und schauen RTL. Und Tausende von Existenzen stehen vor dem Nichts. Während Daimler, Lufthansa & Co. in großem Stil Steuergelder abfischen gehen - und dafür ein paar Masken häkeln, von Kretschmann & Co. applaudiert.

Die aktuellen Zahlen aus Schweden: 18.640 Infektionsfälle, 1.315 Infizierte auf Intensivstation, 2.194 Todesfälle. Auf den Intensivstationen liegen 345 Frauen und 970 Männer - ein Befund, der schon öfter mal auftauchte, dass Männer stärker betroffen seien. Sowohl die Einlieferung auf Intensivstation als auch die Todesfälle gehen in Schweden seit 14/10 Tagen beständig zurück - mit einem nachösterlichen kurzfristigen Anstieg bei den Zugängen zu den Intensivstationen. Das lässt sich nicht mit der geringen Bevölkerungszahl Schwedens wegargumentieren. Hier sehen wir einen epidemiologischen Befund, der von Anders Tegnell auch erwartet wurde. Was nicht heißt, dass er alles richtig gemacht/angeraten habe. Doch Aussagen wie "ich würde Skifahren gehen" (Cicero-Interview am 26. März) wurden in den meisten Medien manipulierend zitiert. Unterschlagen wurde, dass er anfügte, dabei nicht in vielbesuchte Restaurants oder Bars zu gehen und keine verschließbaren Gondeln zu benutzen mit mehreren Menschen auf engem Raum für längere Zeit. Alle Schweden-Kritiker sollten unbedingt dieses Interview lesen! Dort schreibt Tegnell u.a., dass er ein Abflauen im Sommer erwarte aber ein Wiederaufflackern im Herbst. "Wenn genug Menschen immun geworden sind, wird im Herbst womöglich nichts passieren. Wenn es nach dem Sommer noch viele gibt, die für das Virus empfänglich sind (ich ergänze: z.B. im Musterländle Deutschland), wird es die nächste Welle geben."

Es ist erstaunlich, was gerade unter dem Stichwort "zweite Welle" an Befunden kursiert. Laut einer Studie von Kathy Leung, Joseph T. Wu, Di Liu, Gabriel M. Leung sei bei einer Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen mit einer Verzehnfachung der Fallzahlen zu rechnen. Bezogen auf Deutschland müssten wir also bei aktuell 5.750 Todesfällen mit 57.500 Todesfällen rechnen. In Schweden, das diese "Lockerung" von Anbeginn hatte, haben wir aktuell 2.194 Todesfälle. Umgerechnet auf die Bevölkerungszahl entsprächen dem 17.552 Todesfälle in Deutschland. Sind die 30.000 simulierten Todesfälle mehr nun eine Folge der Einschränkungen bei der ersten Welle? Rätselhafte Modellrechnungen, die an die Fehlprognosen bei der Schweinegrippe (u.a. von Christian Drosten) erinnern, die Wolfgang Wodarg von der SPD damals kritisch hinterfragte.

In den USA kommt Lockdown-Kritik aus dem rechten Lager. Denn Corona gefährde Trumps Macht, analysiert ein Beitrag in "Cicero" vom 27. April.

28.04.20 Nicht nur Bayern, auch das Saarland hat strenge Corona-Ausgangsbeschränkungen. Nun hat der Verfassungsgerichtshof des Saarlandes diese als nicht mehr begründet beurteilt - auf die Klage eines Bürgers hin.

Von einer Schulrektorin die Information, dass bis zu den Sommerferien nicht mehr mit normalem Schulunterricht zu rechnen sei! Und nach den Sommerferien? Da kommt dann die vielbeschworene zweite Welle, die Herbstwelle! Aber bis dahin ist das Schwedische Modell ausgewertet und wir wissen auch sonst mehr.

29.04.20 Sitzungen mit drei Meter Abstand, Videokonferenzen, Online-Lernen der Kinder, weiter geschlossene Freizeiteinrichtungen. Relevante Lockerungen sehe ich nicht, nur dass der Einzelhandel wieder Umsätze machen darf. Wie der Schulunterricht mit jederzeitiger Schließungsdrohung, wenn eine Mutter an Corona erkrankt, exorbitanten Hygiene- und Abstandsregeln funktionieren soll, kann ich mir noch nicht vorstellen. Aber versucht werden muss es und wir bekommen jetzt die nächsten Helden: die Rektorinnen und Rektoren sowie die Lehrkräfte, die das stemmen sollen! Wovon viele Lehrer und Eltern schon immer träumten, halb so große Klassen, jetzt wird es Wirklichkeit - allerdings unter widrigen Umständen. Dennoch: vielleicht gibt die Corona-Erfahrung auch einen längst überfälligen pädagogischen Impuls! Und zwar nicht nur zur Digitalisierung.

Heute waren wir zum ersten Mal einkaufen, seitdem die Masken-Regelung in BaWü gilt. Im Baumarkt wars wesentlich ruhiger als in der Zeit, als die anderen Einzelhändler noch nicht aufmachen durften. Insgesamt fand ich die Atmosphäre angenehmer als vor Einführung der Maskenpflicht. Sind mir vorher einzelne Maskenpioniere unangenehm aufgefallen durch eher achtloses Verhalten, schiebt sich heute allerdings ein Drängler in die Reihe, der zur Maske auch noch Handschuhe trägt. Im Stil von "ich bin Arzt, lassen sie mich hier durch!".

Wolfgang Schäuble und Boris Palmer sagen Ähnliches zum Grundrecht auf Leben im Kontext der Corona-Maßnahmen, dass es nicht absolut gesetzt werden dürfe. Der eine wird dafür gelobt, der andere geprügelt. Der eine ist 77, der andere 47. Palmer hatte seine Meinung allerdings auch weit drastischer formuliert: "Wir retten in Deutschland Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären." Dies im Kontext, dass die Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen eine Weltwirtschaftskrise nach sich zögen, in deren Gefolge zahllose Kinder verhungern würden. Schäuble und Palmer können sich auf eine Position berufen, die in Deutschland vor allem von Palliativmedizinern (u.a. Matthias Thöns) und Pathologen (u.a. Klaus Püschel) vertreten wird, wonach die Mehrzahl der Corona-Toten auch ohne Corona-Infektion aufgrund ihres allgemeinen Gesundheitszustandes absehbar bald verstorben wären.

30.04.20 Die Corona-Infektionsentwicklungen erinnern mich an Pilzkrankheiten bei Weinreben: Verpasst du (im Bioanbau) den richtigen Zeitpunkt für die ersten Spritzungen gegen Peronospera oder Oidium, rennst du in der Folge der Entwicklung nur noch hinterher und kannst auch mit den umfangreichsten Maßnahmen nur kleine Verbesserungen erreichen und musst ansonsten auf günstiges Wetter hoffen.

Bei den Daten aus Schweden fällt auf, dass die Zahlen der Neuinfektionen nicht den Rückgang abbilden, der bei Intensivbehandlungen und Todesfällen zu beobachten ist. Werden nun häufiger als zu Beginn (als Schweden eher restriktiv testete) leichte Verläufe durch Tests erfasst?


Corona

Man sitzt nur zuhaus
und kommt nicht mehr raus.
Die Stimmung ist hin,
Ich kratz mich am Kinn.

Ich sitz am Lehrbogen,
die Laune verflogen.
Mach Facetime und Co.,
und langweil mich so.

Die Freunde sind weg,
ach was für ein Dreck.
Ich träum schon von Schule,
ach Domi, du Coole!

(Carla, 11 Jahre - "Domi" ist die unter den Schülern gebräuchliche Abkürzung für ihr Gymnasium)


01.05.20 Absurderweise kommt es in journalistisch eher substanzlosen, aber breitenwirksamen Medien wie dem Nachrichtenportal von "web.de" weiterhin zu Schlagzeilen wie "Schweden in der Coronakrise: Die Todesrate steigt - muss das Land seinen Weg nun anpassen?" (aktualisiert am 30. April 2020, 16:20 Uhr). Die "Todesrate" (eine hier höchst erklärungsbedürftige Kategorie) steigt in allen Ländern, da weiterhin Menschen an Corona oder mit einer Corona-Infektion sterben. Der erste Satz ist also eine Nullaussage. Fakt ist, dass die Kurve der Corona-assoziierten Todesfälle pro Tag in Schweden seit 12. April (geglättet) signifikant sinkt. Siehe Stand vom 30. April auf der Website des schwedischen "Folkhälsomyndigheten":

Todesfälle Schweden 30.04.2020

Und das, wie web.de die Süddeutsche zitiert, bei weitgehender Rückkehr zur Normalität. Wobei auch diese Information nur mit Vorbehalt rezipiert werden sollte. Ein Konnex der sinkenden Todesrate könnte gesehen werden mit dem - auch in Deutschland zu spät erteilten - Verbot von Großveranstaltungen und Gebot von Einschränkungen im Restaurantbetrieb Anfang April.

02.05.20 Ich habe den Eindruck, dass unsere Politiker sich gerade ohne Gesichtsverlust aus der Situation stehlen wollen. Lockerungen kommen, aber mit ganz vielen Warnungen versehen und Auflagen. Der Maskeneinsatz, den ich zu Beginn begrüßt hätte, hat jetzt offenkundig die politische Funktion, zu verhüllen, dass die Katastrophenszenarien überzogen waren, auch die Schulenschließungen (gemessen an den gesellschaftlichen Kosten). Maskenpflicht zur Gesichtswahrung, welche Konstellation! Denn welch ein Rechtfertigungsdruck, wenn auch ohne Masken die Lockerungen zu keinem signifikanten Infektionsanstieg führen würden! Temperaturmessungen an Flughäfen gibt es aber weiterhin nicht. Die Infiziertenzahlen und Sterbefälle gehen massiv zurück, eine zweite Welle ist nicht in Sicht. Sollte dies anhalten - wovon ich ausgehe - kann dies als Erfolg der Maskenpflicht zu den Lockerungen propagiert werden. Auch in Schweden gehen die Intensivstationseinweisungen und Todesfälle weiterhin zurück. Etwas wie eine kleine zweite Welle ist in Schweden um den 23. April bei den Einweisungen auf die Intensivstation zu erkennen - Folge österlichen Leichtsinns?

Das schwedische Konzept wird nun von der WHO gelobt - von Michael Ryan, der die WHO-Maßnahmen gegen Corona koordiniert. Und Drosten scheint sich nach der Schweinegrippe zum zweiten Mal geirrt zu haben. Erstaunlich ohnedies, dass in Deutschland fast ausschließlich Virologen zu Wort kamen und kommen, während in Schweden ein Epidemiologe meinungsführend war und ist. Und der lehnte die Schulenschließung bis zur 9. Klasse ab mit Verweis auf den fraglichen Nutzen und die Belastung für das berufliche Leben der Eltern. Dabei hätten die Schweden online-Unterricht sicherlich besser bewältigt als Deutschland - in Schweden hat jedes Schulkind ab der ersten Klasse ein Schul-Laptop! Während wir im digitalen Neandertal dahindümpeln, die Lehrenden zu einem großen Teil kaum mit dem Medium didaktisch sinnvoll umgehen können.

Der Tagesspiegel glänzt wieder mit einer seiner nichtssagenden Umfragen zum Corona-Thema. Zum - sehr kritischen - Beitrag über Ryans Schweden-Lob wird gefragt "Wie beurteilen Sie die Maßnahmen der Politik zur Bekämpfung der Corona-Pandemie?" Wir müssen wohl ergänzen: der "deutschen" Politik. Und als Antworten dürfen wir wählen von "Eindeutig übertrieben" bis "Eindeutig nicht ausreichend". Vorgesehen ist nicht, dass man etwa die durchgängige Kindergarten- und Schulenschließung für "übertrieben", die Versorgung mit Masken und Schutzkleidung für "nicht ausreichend" hält. Um nur eine Differenzierungsmöglichkeit zu nennen. Und dann bekommen wir wieder zu lesen, dass die Mehrheit der Bürger in Deutschland die Maßnahmen für nicht ausreichend halte - ergo (in der Logik mancher Journalisten) die Lockerungen ablehne.

03.05.20 Unter Heidelberger Leitung wird an vier Kinderkliniken in Baden-Württemberg eine Studie zur Corona-Verbreitung durch Kindern durchgeführt, Start war am 23. April. Da Kinder zur Verbreitung der gewöhnlichen Grippe erheblich beitragen, wurde dies bislang auch für Corona befürchtet - bislang gibt es dazu jedoch keine Belege. Belegt ist lediglich, dass Kinder, obgleich sie weniger häufig infiziert sind und weniger starke Symptome ausbilden, eine Virenbelastung des Rachenraums aufweisen, die der von Erwachsenen entspricht. In einem Gespräch mit "Heidelberg 24" erklärt der Leiter der Heidelberger Kinderklinik, Professor Georg Hoffmann, den Ablauf der Studie. Gesucht werden aktuell noch Kinder, die in der "Notbetreuung" seien. Da diese Kinder mit anderen Kindern in Kontakt seien, erhoffe man sich Aufschluss zur Frage, wie groß das Risiko der Schulenöffnung sei. Der Aufschluss dürfte schwierig zu erhalten sein, denn die Kinder gehören aufgrund der Berufe ihrer Eltern (u.a. Gesundheitswesen, Sicherheitsorgane) bereits zu einer Gruppe mit erhöhtem Infektionsrisiko. Außerdem gibt es Notbetreuungen mit nur ein bis drei Kindern, was der Kontaktsituation mancher Kinder ohne Notbetreuung entspricht. Und warum schaut man nicht nach Schweden, sondern gibt 1,2 Millionen Landesmittel aus für eine Studie mit grundsätzlich fragwürdigem Setting (untersucht werden 2000 Kinder und ein Elternteil nach Aufruf, mit freiwilliger Meldung)?

Es scheint, als diene diese Studie vorrangig der Argumentationsabsicherung der Landesregierung BaWü. Aus der erwartbar dünnen Datenlage dürfte alles ableitbar sein, was der Auftraggeber politisch wünscht. Vielleicht regt diese Studie eine schwedische Studie an, die dann wirklich belastbare Aufschlüsse zu geben vermag. In Schweden liegen doch Daten vor, die relevanter sind als die bei uns unter Bedingungen der Schulschließung in einer nicht repräsentativen, sehr überschaubaren Gruppe zu gewinnenden Befunde.

04.05.20 Aktuelle Daten aus Schweden, links Infektionen nach Altersgruppe, rechts Todesfälle nach Altersgruppe:

Altersverteilung Corona Infektionen Todesfälle
              Schweden 04.05.2020


Der Tagesspiegel wird wieder seiner Rolle als Lockdown-Einpeitscher gerecht. In Berlin hätten sich am 1. Mai Tausende in Kreuzberg gedrängt. Das zeige, "wie gefährdet die Erfolge sind". Klar gefährdet, aber doch nicht durch die Lockerungen, wie der Beitrag suggeriert: "Auch die Schüler kehren teilweise in die Schulen zurück. Doch am Wochenende zeigte sich, wie gefährdet die Erfolge sind, die Deutschland bei der Corona-Bekämpfung errungen hat." Gefährdet durch die Idiotie bestimmter Gruppen - die gewiss eher zurückhaltend den Tagesspiegel rezipieren, durch den also nicht "erzogen" werden könnten. Aber so geriert sich der Tagesspiegel unter Corona-Bedingungen, mit markigen Sprüchen zu Beginn im Stil von "in Bedrohungslagen erst agieren, dann prüfen" bis hin zur aktuellen Schweden-Häme. Wiederholte Hinweise gibt die Zeitung aus Berlin darauf, dass die Schweden so viel schlechter dastünden als die skandinavischen Nachbarn, auch viel schlechter als Deutschland - und was ist mit Belgien, Spanien, Italien, Frankreich, UK, Niederlande, Schweiz? Und warum steht Deutschland so gut da? Nicht wegen der einkommensstarken Regionen. BaWü und Bayern sind mit den Todesraten nahe an Schweden - trotz rigider Maßnahmen.

Und dann erfahren wir noch von einer Harvard-Studie, die nachweise, dass junge Erwachsene die hauptsächlichen Corona-Verbreiter in Deutschland seien - da sie sich weniger an Auflagen halten. Das war zu vermuten und passt es zu dem, was von Anbeginn zu beobachten war. Nicht Kinder haben die Epidemie angetrieben, sondern Party-People, Hardcore-Karnevalisten, Après-Skifahrer und die jüngeren, mobilen Mitarbeiter von Firmen mit Kontakt zur Region Wuhan.

05.05.20 "Erster Schultag" - allerdings nur für höhere Klassen, mit Blick auf das Abitur. Folgen sollen die vierten Klassen - wegen des Übergangs in die weiterführenden Schulen. Das klingt eiskalt wie die Zusammensetzung des kleinen Corona-Kabinetts, dem neben der Bundeskanzlerin laut Auskunft der Bundesregierung auf ihrer Website "die Ministerinnen und Minister der Verteidigung, der Finanzen, des Inneren, des Auswärtigen, für Gesundheit und der Chef des Bundeskanzleramtes" angehören. Trump sagt es laut, in Deutschland ist es implizite: Wir sind im Krieg. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das für Arbeit und Soziales gehören nicht zum Kreis der prioritär Mitspracheberechtigten. Auch nicht das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Ein Argument dafür: Partikularinteressen fernhalten. Aber was dominierte den Lockout, wenn nicht Partikularinteressen? Damit nun das Verteidigungsministerium fürs Große Ganze sorgt?

Zum Friseur darf man auch wieder, allerdings mit erhöhtem Desinfektionsstress für den Salon. Und die Haare müssen nun vor dem Schnitt gewaschen werden! Eine Untersuchung dazu gibt es nicht, lediglich die Erkenntnis, dass das Virus sich auf Haaren nicht sehr lange halte - also eher gegenteilig.

Und der Tagesspiegel übt sich wieder in Kassandra-Rufen: "Die zweite und dritte Corona-Welle könnten schlimmer als die erste werden." Der Vorteil von Katastrophen-Propheten: Trifft es ein, werden sie gelobt. Trifft es nicht ein, freut man sich und vergisst den Fehltritt des Propheten. Und das Hauptproblem: Die Leute, die nach wie vor mit Infektion aus dem Haus gehen, die husten in der Öffentlichkeit ohne Mundschutz, werden nicht erreicht von diesen Rufen. Und das Mittelfeld reagiert wie in der altertümlichen Geschichte vom Kind, das immer rief "der Wolf kommt" - und als der Wolf wirklich kam, glaubte ihm niemand mehr.

06.05.20 Auf den Spielplätzen verschwinden in BaWü die roten Bänder! Kinder sind aber noch kaum zu sehen am ersten Öffnungstag.

Wie schnell die Umstellung auf Maskentragen doch ging! Schon fast eine Selbstverständlichkeit. Und mit dem Maskentragen kommt auch die ältere türkische Wohnbevölkerung wieder verstärkt ins Stadtbild. Ich finde das Maske-Tragen bisweilen durchaus angenehm. Ich fühle mich sicherer, und dies eher allgemein, gar nicht auf Corona bezogen. "Geborgener" wäre wohl angemessener zu sagen. Ich kann meine Stimmung auf der Straße vor fremdem Publikum eher für mich behalten. Man kann mich nicht "auslesen" an meiner Mimik. Zugleich werden die anderen Menschen interessanter, treten nicht plakativ mit ihrem Gesicht entgegen, sondern zeigen nur ihre Augen - und die können sie abwenden, wenn sie für sich sein wollen. Ja, ich muss bekennen: Ich entwickle ein Verständnis für die Faszination des Niqab. Natürlich darf da kein Gleichheitszeichen gesetzt werden, hinter dem Niqab stehen eine kulturelle Tradition, Politik, soziale Regelwerke etc. pp., die Corona-Maske ist eine hygienische Maßnahme. Aber beiden gemeinsam ist, dass sie nicht, wie Karnevalsmasken oder Theatermasken etwa, "Verkleidung", Rollenwechsel, Rollenspiel beinhalten.

07.05.20 Und schon haben die Kinder die Spielplätze wieder, zumindest teilweise, zurückerobert. In Schweden setzt sich der Rückgang bei den Todesfällen fort. Auf dem Dashboard der Johns Hopkins University flacht selbst in Weißrussland die Infektionskurve ab. In Deutschland breitet sich Unbefangenheit aus, auch in meinem eigenen Umfeld muss ich öfter mal abrücken, auch von Hustenden ohne Maske. Bisher war ich in diesem Frühjahr noch nicht erkältet: Folge der Distanzhaltung?

10.05.20 Auffallend bei einem Ausflug an den Rhein: Die Müllhaufen an den Bänken! Die neue Corona-Draußen-Unkultur. Am Schnellimbiss mitnehmen, draußen essen und liegen lassen.

11.05.20 Was mich nervt sind die Leute, denen auch lockere Regeln gleichgültig sind. Die genau das tun, was zu Beginn die Ausbreitung beschleunigt hat, sich in Massen treffen, nahe beieinander - zumindest laut den Berichten aus Berlin. Während die Kindergärten und Grundschulen weiterhin zu sind! Leider fehlen aber vom RKI grafisch aufbereitete Daten, die Auskunft geben über die Entwicklungen in einzelnen Bundesländern. Man müsste sich das selber aufschreiben täglich und errechnen. Mit plus 11 Infektionen gestern wirkt Berlin allerdings nicht gerade wie ein Seuchenpfuhl. Schaut man sich die Landkreis-Seite des RKI an, so fallen andere Hotspots auf mit den Werten der vergangenen sieben Tagen, Landkreis Greiz (Pflegeheime), Landkreis Sonneberg (Gesundheitscampus/Krankenhaus) und Landkreis Coesfeld (Schlachtbetrieb). Der aktuelle Anstieg der Reproduktionszahl geht augenscheinlich nicht auf das Konto von "Lockerungen" und nicht auf das Konto von Berlin.

13.05.20 Die Gereiztheit bei mir und in meinem Umfeld nimmt zu. Dazu trägt nicht nur die Einschränkung der sozialen Kontakte und Freizeitmöglichkeiten bei, sondern nach meiner Einschätzung auch die Zunahme, ja Abhängigkeit von elektronischer Kommunikation. Elektronische Kommunikation fördert bekanntlich unter bestimmten Umständen die Eskalation von Missverständnissen, Unhöflichkeit, Unbedachtheit - das hat jeder schon bei der Kommunikation über Mails oder SMS selbst erlebt. Mit gutem Grund sind die Höflichkeitsregeln in Foren etc. strenger als die in der Alltagskommunikation. Und nun schreibt man ständig Mails und SMS, redet weniger im direkten Kontakt, sitzt ständig in Videokonferenzen, sieht nicht nur Freunde und Kollegen, sondern auch Kinder und Enkelkinder oft nur noch auf dem Bildschirm. Dazu kommt eine Fokusierung auf wenige Menschen, die Rollen übernehmen müssen, die vorher verteilt waren. Wo es zum Beispiel früher für die Kinder mehrere Lehrer, Freunde/Freundinnen, Eltern, Nachhilfelehrer, Nachbarn etc. pp. waren, die für die "Bildung" sorgten, gibt es aktuell noch eine Freundin und ein oder zwei überforderte Elternteile - wenns gut läuft. Der Rest läuft mehr schlecht als recht "online" - was als Ergänzung im "Normalleben" sinnvoll war wird als Kernangebot zur Belastung. Wir sind permanent überreizt, überfordert, un-ausgeglichen. Wie lange geht das gut ohne die Gesellschaft zu sprengen?

15.05.20 Der "Tagesspiegel" berichtet von der repräsentativen Mannheimer Studie zur Wahrnehmung der Corona-Krise und der Maßnahmen durch die Bürger. Dabei wird die Studienleiterin Annelies Blom nicht wörtlich zitiert mit der Angabe, dass die Befragten innerhalb einer Woche einen Infektionsanstieg in ihrer Bevölkerungsgruppe um 4% erwarten. Dabei dürfte ein Stellenfehler passiert sein, statt 4 von 100 dürften wohl 4 von 1000 sich als Erwartung in der Studie ergeben haben. Sonst müssten wir uns ernsthaft Gedanken darüber machen, was in der öffentlichen Kommunikation zu Corona falsch gelaufen ist, wenn solche Fehleinschätzungen sich ergeben. Wobei auch 0,4% als wöchentlicher Anstieg viel zu hoch gegriffen wären. Die Gesamtzahl der Infizierten bisher umfasst gerade mal etwa 0,2%.

18.05.20 Nach Coesfeld gibt es nun weitere Corona-Hotspots in deutschen Schlachtanlagen. Die Ausbreitung erfolgt wohl in den Unterkünften der schamlos ausgebeuteten Billigarbeiter - ähnlich wie in Singapur! Muss die These von der Bedeutung prekärer Arbeitsverhältnisse in der norditalienischen Textilindustrie für die Corona-Entwicklung dort nochmal auf den Tisch zur Überprüfung? Drosten hat in einem Interview mit dem ORF am 24. April die Lockerungen warnend mit einem leichten Infektionsanstieg nach Ostern verknüpft - der weitgehend auf die Schlachthofmitarbeiter zurückzuführen ist, die über Ostern der Einschränkungen wegen in ihren Massenunterkünften geblieben waren.

19.05.20 Die Tochter einer Bekannten war mit Kommilitonen in Mannheim auf einer Gartenparty, zu siebt. Sie wurden angezeigt, für den Gartenbesitzer gab es 1000 Euro Strafe, für die Gäste je 200 Euro!

20.05.20 Mit Datum vom 16. Mai 2020 titel ntv: "Rollt die zweite Corona-Welle auf uns zu?" Und dann wird der "Epidemiologe und Katastrophenschutz-Experte" Timo Ulrichs zitiert mit der Aussage: "Durch die Lockerungen nimmt das Risiko solcher lokalen Ausbrüche zu, wie man aktuell in einigen deutschen Wurstfabriken und Pflegeheimen sehen kann." Was die desaströsen Arbeitsbedingungen und hygienischen Bedingungen in "deutschen Wurstfabriken" oder die Personalproblematik in Pflegeheimen und die zu laschen Corona-Tests von Pflegepersonal mit Corona-Lockerungen zu tun haben sollen, erschließt sich mir nicht. Nur noch zur Erinnerung: In Pflegeheimen wurde erst am 18.05 gelockert. Wer diese Lockerungen im Detail kennt, der wird davon keine Corona-Ausbreitung ernsthaft erwarten. Und angesichts der weiterhin geringen täglichen Neuinfektionen ist auch von einem indirekten Effekt der allgemeinen Lockerungen nicht sinnvoll auszugehen. War hier der Wissenschaftler nachlässig oder das Nachrichtenmedium?

Der Rückgang der Todesfälle in Schweden, die mit Corona verbunden sind, hat die Anfang Mai auf der Graphik des "Folkhälsomyndighen" abzulesende starke Tendenz nicht gehalten. Durch spätere Meldungen zeigt sich nun vorwiegend ein Abflachen des Rückgangs. Auch der Rückgang in den vergangenen Tagen könnte mit späteren Meldungen wieder sich auflösen:

Todesfälle Corona Schweden 200520 


Der "Focus" titelt: "Geheimnis hinter Schwedens Corona-Solo liegt im Jahr 2010." Die Schweden haben 2010, nach der Schweinegrippe, in Malmö Übungen zur Bewältigung einer Grippeepidemie durchgeführt. Beteiligt war Anders Tegnell.

21.05.20 Was wohl Paul Feyerabend zur umfassenden Forschungsgläubigkeit in Corona-Zeiten gesagt hätte? Zuletzt wollte Kretschmann von einer Heidelberger Studie die Entscheidung zur Öffnung der Kindergärten abhängig machen. Nachdem die Studie noch immer nichts Relevantes erbracht hatte, wurden die Kindergärten am vergangenen Montag zu 50% geöffnet. Ohne Erklärung, wie die 50% ausgewählt werden sollen. Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz zu 50%? Die einzelnen Kindergärten entscheiden letztlich praktisch, vor Ort, wer kommen darf/sollte/muß. Und die Pädagogik in den Kindergärten zur Corona-Zeit? Wie in den Schulen häufig, vormodern. Corona als Gehorsamkeitserzieherin.

Auch bei den Pflegeheimen findet jedes seine eigene Lösung im vorgegebenen Rahmen. Mit einer "Öffnung" hat die dabei gewählte Praxis nach meinen Erfahrungen mit zwei Heimen nur sehr eingeschränkt zu tun. Eine Besuchsmöglichkeit für meine Mutter alle drei Wochen für eine halbe Stunde, in einem Besuchszimmer. Wieviele Corona-Fälle in Pflegeheimen kamen von Angehörigen? Ich habe nur von der Verbreitung durch Pfleger gelesen.

22.05.20 Drosten erklärt zum Aufruf von vier medizinischen Fachgesellschaften, Schulen und Kindergärten umgehend mit Normalbetrieb wieder zu öffnen, das sei wissenschaftlich nicht begründbar. "Als Einzelperson" würde er diese Position jedoch unterstützen. Feyerabend sagte einmal über seinen Lehrer Popper, der sei ein Pedant gewesen, kein Philosoph. Ein Zug zur Pedanterie ist gewiss in der Virologie sinnvoll und zielführend. Und als Virologe mag Drosten Recht haben, doch unser Problem ist ein epidemiologisches - und epidemiologisch lag Drosten schon bei der Schweinegrippe falsch. Die Virenfracht im Rachenraum bei infizierten Kindern mag die gleiche sein wie bei infizierten Erwachsenen. Aber alle bislang identifizierten Superspreader oder Superspread-Ereignisse gingen von Erwachsenen aus und unter Erwachsenen. Da gab es in den USA die Chorprobe am 10. März, in der ein Sänger 52 andere ansteckte. Da gab es den Gottesdienst in Südkorea mit 40 Angesteckten durch eine andere Teilnehmerin. Warum haben wir nichts Vergleichbares aus der Kinderwelt gehört? Die schwedische Epidemiologie hätte das doch mitbekommen, wenn Superspread-Ereignisse in den offenen Kindergärten oder Schulen Schwedens stattgefunden hätten. Oder wollen wir den Schweden unterstellen, sie würden sich verhalten wie China zu Beginn der Epidemie (oder Südtirol zu Beginn dort ...) und verschweigen? Aber auch eine Stufe darunter, auf der Ebene von Skifahrerbars und Karnevalsfeiern und Arbeitsmigrantenwohnheimen und Schlachthöfen ist nichts Vergleichbares aus Kindergärten oder Schulen oder Kinderheimen bekannt. Und das sind epidemiologisch, nicht virologisch relevante Befunde. Sicherlich haben sie einen virologisch fassbaren Hintergrund. Doch ehe wir den hinreichend erforscht haben, ist die Gesellschaft kollabiert, falls Lockerungen von wissenschaftlich eindeutigen und bestätigten Befunden abhängig gemacht werden.

Dem Superspread-Phänomen korrespondiert das Phänomen, dass viele Infizierte wohl gar niemanden anstecken. Es gibt sogar Berichte von Paaren, von denen der Infizierte den Partner nicht ansteckt trotz großer Nähe! Aus Tests an älteren Blutproben ist inzwischen bekannt, dass es auch in Europa schon Corona-Infizierte lange vor den bislang erfassten "ersten" Infektionen gab. Funken, die erloschen sind, wie es der Londoner Epidemiologe Adam Kucharski treffend formuliert. Lassen wir also Drosten in Ruhe forschen und überlassen wir epidemiologische Befunde den Epidemiologen. Die allerdings auch daneben liegen können wie etwa Timo Ulrichs mit dem Bezug zwischen Lockerungen und Schlachthofspreads - falls er nicht irreführend zitiert wurde.

In der Karlsruher Fußgängerzone auffallend viele Straßenmusiker. Darunter ein lauthals singender junger Mann. Wissen er und das Ordnungsamt nichts von der Aerosolgefahr? In den Kirchen soll aktuell auf Gesang verzichtet werden. Von reisenden Straßenmusikern nicht? Nur weil sie "draußen" singen? Oje, bin ich da zu pedantisch?

23.05.20 Wird durch die Corona-Maßnahmen gerade eine ganze Generation zu FaceTime-, Skype- und Zoom-Junkies erzogen? Auch wenn gerade gerne die Segnungen der digitalen Kommunikation gepriesen werden, die uns die Krise bewältigen helfen: Der Zwang zur digitalen Kommunikation macht auch vertraut mit deren Schwächen bzw. den Defiziten, die durch ihren massenhaften Einsatz nun im sozialen Feld und im psychischen Haushalt sich auftun.

Der Deutschlandfunk veröffentlicht heute eine sehr lesenswerte und informative Darstellung zum Thema "Übersterblichkeit" unter dem Titel "Übersterblichkeit - wie tödlich ist das Coronavirus wirklich?". Darin ist auch zu erfahren, dass die 25.000 Tote der Grippewelle 2017/18, von denen zur Zeit häufig die Rede ist, als Übersterblichkeit errechnet wurden - labordiagnostisch bestätigt sind lediglich 1.674 Todesfälle. Bei der aktuellen Pandemie könnte sich für Europa das Gegenteil ergeben, dass die Übersterblichkeit geringer ist als die labordiagnostisch bestätigte Zahl - wie von Palliativmedizinern und Pathologen bereits verschiedentlich kritisch angemerkt wurde. Aber das dürfte sich erst zum Jahresende klären. Der Beitrag macht auch darauf aufmerksam, dass selbst aus der Distanz nicht immer zu unterscheiden sein wird, ob und welche Teile der Übersterblichkeit dann dem Corona-Virus selbst, welche den Maßnahmen dagegen zuzuschreiben sind. Wenn etwa mehr Menschen an Herzinfarkt versterben, weil sie nicht rechtzeitig behandelt wurden weil Kapazitäten für Corona freigehalten wurden oder weil sie aus Angst vor Corona-Ansteckung nicht zum Arzt sind. Und grundsätzlich ist die Zuordnung von Kausalitäten bei Übersterblichkeit in Krankheitsfällen ein Problem, da nie ganz ausgeschlossen werden kann, dass es nicht ein Tertium gibt, das an Krankheit und Sterblichkeit ursächlich erheblich beteiligt ist. Eine allgemeine Schwächung des Immunsystems etwa durch Mangelernährung, Hygieneprobleme, Stress oder andere Gründe.

26.05.20 Kretschmann prescht mit ersten Ergebnissen der Heidelberger Studie vor und erklärt, "Wir können ausschließen, dass Kinder Treiber des Infektionsgeschehens sind". Das kann schon längst ausgeschlossen werden, aber sicherlich nicht auf der Basis der sehr dünnen Datenlage der Heidelberger Studie, sondern nach allen bisherigen epidemiologischen Befunden zum Corona-Geschehen. Das Kinder extrem selten an Corona symptomatisch erkranken, ist schon lange bekannt. Und kein einziges signifikantes Ausbreitungsgeschehen bisher ist auf Kinder zurückzuführen. Schon Mitte April wurde eine Studie in "Clinical Infectious Diseases" zu einem beim Skifahren durch den Geschäftsmann Steve Walsh (Starter eines europäischen Infektions-Clusters, nach einer Singapur-Reise) infizierten neunjährigen französischen Jungen mit 172 nicht infizierten, teils sehr engen Kontaktpersonen veröffentlicht.

29.05.20 Die Drosten-Studie zur Infektiosität von Kindern, argumentative Basis dafür, Kindergärten und Schulen geschlossen zu halten, hatte nach einigen Kritikern, die von der Bild-Zeitung sehr forsch zitiert wurden, methodische Fehler. Wozu Drosten nun erklärt, er haben zu seinen "groben Daten" eben ein "gröberes statistisches Werkzeug" gewählt. Allgemein schätzt er in einem Spiegel-Interview vom 29.05., er habe Deutschland 50.000 bis 100.000 Corona-Tote erspart. Dabei bezieht er sich explizite allerdings auf die von ihm entwickelten Tests, nicht auf seine medial verbreiteten epidemiologischen Explikationen. Die Studie unter Drosten ("An analysis of SARS-CoV-2 viral load by patient age") erschien am 29. April 2020.

Aus Frankreich kommt eine Studie, wonach sich die Zahl der plötzlichen Herzstillstände außerhalb von Kliniken in den ersten beiden Wochen des Lockdowns verdoppelt habe. Nur bei etwa 10% der Betroffenen sei eine Corona-Infektion diagnostiziert worden. Die Autoren der Studie, die in "The Lancet" veröffentlicht wurde, gehen davon aus, dass es sich überwiegend um einen Effekt der Corona-Maßnahmen handele. Allerdings kann ein signifikanter Anstieg der Übersterblichkeit hieraus nicht abgeleitet werden, denn die wöchentliche Inzidenz betrug 26,64/1 Mio Einwohner in den Wochen 13 und 14 (Lockdown in Paris begann am 17.03.20).

Im IPG-Journal von heute und im "vorwärts" ein aufschlussreicher Bericht über das schwedische Gesundheitssystem von Enna Gerin, in welchem sie die hohen Corona-Todeszahlen in Schweden auf ein heruntergewirtschaftetes Gesundheitssystem zurückführt, dass längst nicht mehr seinem Ruf als fortschrittlich und sozial gerecht werde. Die "Welt" titelte schon am 11.05.20 "Der Mythos vom schwedischen Paradies" und schrieb "Was die Zahl der Intensivbetten angeht, liegt Schweden auf dem vorletzten Platz im EU-Vergleich".

02.06.20 Feiern von "Großfamilien" verbreiten Corona im Raum Göttingen. Herr Montgomery befürchtet allerdings vor allem in Berlin einen neuen "Superspread" nach den Bootsraves. Und den Grund für die Bootsraves hat er auch schon ausgemacht: Die Unsicherheit wegen unterschiedlicher Regelungen in verschiedenen Regionen. Dazu möchte ich drei Fragezeichen setzen, mindestens.

Die Corona-Verordnung Baden-Württemberg vom 9. Mai sieht für private Feiern/Veranstaltungen eine Aufhebung der Beschränkung auf 5 Personen (seit dem 26. Mai 10 Personen) unter bestimmten Voraussetzungen vor, §3, Absatz 2: "Dieses Verbot gilt nicht, wenn die teilnehmenden Personen ausschließlich 1. in gerader Linie verwandt sind, wie beispielsweise Eltern, Großeltern, Kinder und Enkelkinder, 2. Geschwister und deren Nachkommen sind oder 3. dem eigenen Haushalt angehören sowie deren Ehegatten, Lebenspartnerinnen oder Lebenspartner oder Partnerinnen oder Partner; hinzukommen dürfen Personen aus einem weiteren Haushalt." Es lebe die Großfamilie.

09.06.20 Jucken an den Händen nach der Desinfektion am Eingang zur Kunsthalle Karlsruhe. Hoffentlich bleiben von den Gewohnheiten der Corona-Zeit nicht ausgerechnet der Desinfektions-Wahn und die entsprechenden Hauterkrankungen. Mir wären zurückgefahrener Konsum und weniger Straßenverkehr weit sympathischer - allerdings verträgt sich beides nicht mit den Prämissen unseres Wirtschaftssystems.

10.06.20 Der Landkreis Göttingen bleibt weiter ein Hotspot. Die Berliner Bootsraves dagegen haben bislang noch keinen neuen Hotspot begründet. Ich warte noch vergebens auf eine Erklärung des einen wie des anderen Phänomens, die objektiv und nicht nach den Geboten der Political Correctness oder sonstiger politischer Vorgaben und Nudging Strategien analysiert und informiert. Aber vielleicht ist ja wirklich der Zufall ganz wesentlicher Verfahrensbeteiligter, und ihm kommt man nicht so leicht auf die Spur. Nicht so leicht wie desolaten Arbeits- und Wohnbedingungen bei Schlachtanlagen.

Aus Schweden gibt es leider unerfreuliche Nachrichten. Die Infiziertenzahlen bleiben weiterhin eher gleich, seit Anfang Juni ist sogar ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen, und die Einweisungen auf Intensivstation nehmen nicht mehr weiter ab. Der Infektionsanstieg scheint sich unter anderem touristischen Regionen mit hoher Ferienhausdichte zu verdanken wie Jämtland-Härjedalen - also Freizeit-Importen zwischen Pfingsten und Nationalfeiertag aus den Großstädten? Wann kommt die Analyse? Was wird in den schwedischen Sommerferien passieren, die heute beginnen? Einige europäische Länder haben ja Schweden ausdrücklich ausgenommen von sommerlichen Einreiseerleichterungen für Touristen.

11.06.20 Nun deutet sich an, dass auch in Göttingen vor allem Wohnverhältnisse (IDUNA-Hochhaus) an der Corona-Ausbreitung beteiligt waren. Neben den Schlachthöfen wird nun auch die Gemüseernte zur Problemzone: Erntehelfer auf einem Spargelhof in Aichach-Friedberg haben einen - eng umgrenzten - Corona-Hotspot begründet.

Ich finde zufällig den Beitrag von Heike Klovert in "SPIEGEL Gesundheit" vom 09. Mai zu jungen Menschen mit Vorerkrankungen und ihrem Umgang mit der Corona-Bedrohung. Äußerst lesenswert!

In Magdeburg wird eine Schule vom 12. bis 26. Juni geschlossen, weil eine Mutter und ihr Kind positiv auf Corona getestet wurden. Über Hintergründe ist vorläufig nichts zu erfahren aber es ist zu hoffen, dass Fälle wie dieser genau aufgearbeitet werden. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, in anonymisierten Zusammenfassungen informiert zu werden, wo Menschen sich aktuell noch anstecken, wie Infektionsketten verlaufen - und zwar nicht an herausgepickten Einzelfällen oder Einzelstudien, sondern in repräsentativen Überblicken.

16.06.20 Die Pfingstwelle der erfassten Neuinfektionen in Schweden ebbt wieder ab. Sie spiegelt sich auch nicht in den Einweisungen auf Intensivstation oder in den Totesfällen wider - weshalb vorläufig auch ein "Messeffekt" durch vermehrte Tests angenommen werden kann.

17.06.20 In Magdeburg weitere Schulen geschlossen. Hintergründe könnte in einer Magdeburger Pfingstgemeinde liegen.

18.06.20 Massenausbruch von Corona beim Fleischproduzenten Tönnies. Und was fällt der Kanzlerin dazu ein bzw. was zitiert der Tagesspiegel von ihr zum Thema? Man könne wieder sehen, wie wichtig das Einhalten des Mindestabstandes sei! Welch eine Verschlichtung des Denkens findet derzeit im Schatten von Corona statt! Alle Fakten werden hingedreht auf Nudging-Effekte. Wir werden des eigenständigen Denkens entwöhnt bzw. gewöhnen uns daran, die Übernahme von halbplausiblen Halbwahrheiten für eigenständiges Denken zu halten. Mit welcher Inbrunst haben mir schon viele kluge Leute erklärt, dass Schweden nur das Glück habe, so dünn besiedelt zu sein, sonst hätten sie eine Katastrophe erlebt mit ihrer Unvorsicht. Dass 90% der Schweden in Städten leben - ignoriert. Dann der beständige empörte Vergleich der Corona-Todesfälle Schwedens mit denen der anderen skandinavischen Länder. Dass Schweden in der Nähe der Niederlande und Spaniens liegt (Stand heute - am 23.04. lag Schweden zwischen den Niederlanden und der Schweiz) mit der relationierten Zahl der Corona-Todesfällen - ignoriert. Und nun sind es ganz pauschal fehlende Mindestabstände, nicht Arbeitsbedingungen, nicht eine kurzsichtige, krisenanfällige, politisch entschiedene Konzentration der Schlachtbetriebe in der EU, nicht problematische Arbeitsmigrationen, die Corona-Hotspots produzieren.

Als Gewinn der Corona-Situation wird gelegentlich gepriesen, dass nun endlich bargeldlos bezahlt werde in Deutschland. Ich gehöre auch zu denen, die jetzt vermehrt die Karte einsetzen. Aber meine Kontoauszüge werden damit länger und unübersichtlich. 

24.06.20 Schweden riskierte Corona-Infektionen für das Recht auf Bildung. Deutschland riskierte Corona-Infektionen für das Recht auf ein Nackensteak. Allerdings sollte klar sein, dass es beim "Nackensteak" nicht nur um das "Recht" deutscher Supermarktkunden geht, sondern um den Weltmarkt. Tönnies und andere Großschlächter beliefern u.a. den chinesischen Markt. Gemeinsam mit dem deutschen Bauernverband wollen sie zeigen, dass Deutschland nicht nur mit herausragenden Ingenieursprodukten, sondern auch mit Schweinehälften ganz vorne mit dabei ist. Um den Preis von belastetem Grundwasser, minderwertigem Fleisch, überbordendem Transportwesen, entwürdigenden Arbeitsbedingungen und Mißachtung des Tierwohls schon seit langem, nun auch mit Corona-Lasten.

25.06.20 Focus zeigt im "harten Faktencheck", "Welche Länder die Corona-Pandemie im Griff haben und welche nicht". Und gezeigt werden uns, wir sind im Jargon der Börse, "Chart-Analysen", die Fieberkurven der Corona-Infektionen (wohlgemerkt, aber das werden einige wohl nie lernen, der labordiagnostisch erfassten Infektionen) in ausgewählten Ländern. "Länder, die es geschafft haben könnten" sind nach diesen "Chart-Analysen" unter anderem die Bahamas, Jamaica, Mali, Sri Lanka und Vietnam. Entscheidendes Kriterium? Die Kurve sinkt ab in die Nähe der Anfangszeit. Pech haben die Schweden, sie landen in der dritten Schublade, auf der steht '"Länder, bei denen es noch schwierig ist" - zusammen mit den USA, Nigeria und Brasilien (unter anderem). Dass die Zahl der Einweisungen auf Intensivstation und die Zahl der Corona-Todesopfer in Schweden seit Anfang April kontinuierlich zurückgehen, interessiert nicht.

Das Satiremagazin "Der Eulenspiegel" hat in Heft 6/2020 uneinholbar das halbblinde Klammern an Zahlen und Graphiken seit Beginn der Corona-Krise auf die Schippe genommen unter dem Titel "Die Unbestechlichkeit der Zahlen". Eines der Pflichtdokumente aus der Corona-Zeit, die bleiben sollten im kulturellen Gedächtnis, auch wenn es sich "nur" um Satire handelt!

26.06.20 Laut "Bloomberg" hat Anders Tegnell sich klärend gegen eine Einstufung der WHO gewandt, die im Stile von Focus und Tagesspiegel Schweden den Anstieg der Infiziertenzahlen vorhält und vor einer drohenden Überlastung des Gesundheitssystems warnt. Dieser Anstieg sei, so Tegnell, auf eine erhebliche Zunahme der Tests seit Anfang Juni zurückzuführen. Tegnell verwies auch auf die zurückgehenden Einweisungen zur Intensivbehandlung und stetig abnehmende Todesfälle. Die WHO korrigierte daraufhin ihre Einschätzung, verwies aber darauf, dass unter den Getesteten der Anteil Infizierter bei 12-13% stabil bleibe, nicht zurückgehe.

30.06.20 Fluchtreflexe. Weg von Corona. Von der vagen Bedrohung durch den Virus ebenso weg wie von den Maßnahmen. Es ist schwer, diese extreme Kontingenzsituation zu ertragen. Wobei sie "extrem" nur für uns in einer saturierten Wohlstands- und Sicherheitsgesellschaft ist. Bis 1945 waren die Kontingenzen für den Einzelnen auch bei uns weit größer. Die Unsicherheiten danach waren dann aber eher abstrakt-allgemeiner Natur, für uns vor allem die durch den Kalten Krieg, die Atomkriegsdrohung. Ich bekomme zum ersten Mal ein konkretes Gefühl dafür, was die Pest für Petrarca bedeutet haben mag und bekomme erneut ein Bewußtsein für die Ausnahmesituation von Friede und Wohlstand, in der wir uns seit 1945 befinden im sogenannten "Westen". Eine Komfortsituation, die unsere Krisentoleranz heruntergefahren hat.

Und wie aktuell ist 672 Jahre später noch, was Petrarca zur Pest in einem Brief an den Freund Socrates 1348 schreibt: "Doch sind weder die Unwissenheit noch die Seuche selbst so hassenswert wie die Flausen und Fabeln der Leute, die obgleich sie alles behaupten, nichts wissen".

09.07.20 Was wird die Corona-Generationen, die jetzt gerade zur Schule gehen, auszeichnen? Größere Selbständigkeit? Besondere Medienkompetenz? Soziale Defizite? Eine andere Beziehung zur Schule? Entweder diese höher zu schätzen als etwas nicht Selbstverständliches? Oder sie gering zu schätzen, weil man auch ohne Schulbesuch was lernen kann?

18.07.20 Ich freue mich noch immer über den Himmel mit weniger Kondensstreifen. Über die größere Achtsamkeit vieler Menschen, Gelassenheit. Über Restbestände an Solidarität in gemeinsamer Krisenerfahrung. Aber ich werde zunehmend wütend über das selbstlaufende Verwaltungshandeln, die Verordnungs- und Papierflut, über sinnlos geschlossene Einrichtungen, weil Personal fehlt um jedem Besucher zwei Aufseher an die Fersen zu heften die seine Virenlast kontrollieren - und die, wo es sie gibt, oft die sind, die Abstandsregeln nicht einhalten. Weil sie sich so freuen, dass überhaupt noch jemand kommt. Und ich verstehe doch auch die Sorge, für einen lokalen Ausbruch verantwortlich zu sein. Ich sehe aber auch die Zahlen aus Schweden, die den schwedischen Weg nun durchgängig bestätigen (auf der Website von "Folkhälsomyndigheten") - wobei denkbar ist, dass Schweden lediglich vom saisonalen Abschwung des Virusgeschehens profitiert, nicht von Klugheit. Frühe Aussagen von Tegnell lassen allerdings erkennen, dass er den saisonalen Faktor einbezogen hat. Er war einer der ersten, der auf die Wahrscheinlichkeit eines neuen Ausbruchs im kommenden Winter hingewiesen hat - für die breite Öffentlichkeit bereits im Cicero-Interview am 26. März!

Sonnenbrillen waren noch nie mein Ding. Doch nun kann ich ihnen plötzlich etwas abgewinnen. Wie auch die Corona-Masken fördern sie die Lust am Sich-Verstecken. Eine ganze Gesellschaft versteckt sich, welche psychologischen Prozesse werden hier in Gang gesetzt?

Heute war ich im Botanischen Garten Karlsruhe. Am Eingang zum Schauhaus steht noch immer aus der Vor-Corona-Zeit der Aufsteller mit dem Hinweis auf den Eingang. Der geschlossen ist.

Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass unsere Einschränkungen unverhältnismäßig waren und sind. Aber statt dies zu bekennen, befinden wir uns im Modus des "ohne Gesichtsverlust ausschleifen Lassens". Und ich lasse auch diese Aufzeichnungen ausschleifen. Und hoffe, dass im Herbst wir nicht die Rechnung bezahlen müssen dafür, dass wir zuviele Strukturen zu lange runtergefahren haben. Bereiten wir unsere Immunsysteme gut auf den Winter 2020/21 vor!

27.07.20 Söder erklärt, dass Corona "mit aller Macht" zurückkehre. Er meint die Gemüsefarm in Mamming, Bayern. Wieso zurückkehren? War sie schon mal in Mamming? Und mit welcher Macht? Der Macht einer seit Jahrzehnten verfehlten Agrarpolitik? Der Macht eines unkontrollierten Arbeitsmarktes? Der Macht der politischen Rhetorik? Die Verluderung des Denkens und Sprechens in den Zeiten von Corona hält an. Um nüchtern zu bleiben hilft der Blick auf die Karten des RKI-Institutes und auf die Statistiken aus Schweden.

03.08.20 Während bei uns bei jeder sich bietenden Gelegenheit (Corona-Ausbrüche bei Großfamilienfeiern, bei Freikirchen-Treffen, in der Schlachtindustrie, in der Gemüseindustrie) vor der zweiten Welle gewarnt wird, gibt es in Schweden nach wie vor keine Maskenpflicht. Hier die aktuelle Grafik zu den Fällen der Aufnahme auf Intensivstation in Schweden:


Intensivmedizinische Fälle Corona Schweden 03.
              August 2020

09.08.20 Es ist irritierend, wie anhaltend eine zweite Corona-Welle in Deutschland medial herbeigeredet wird. Verbunden mit der Aufforderung, im Alltag nicht nachlässig zu werden bei Maskenpflicht und Kontakteinschränkung. Folgt das nur der Aufmerksamkeitsregel und dem "bad news are good news"? Die alte Aufklärer-Frage muss aber auch erlaubt sein: Wem nützt das? Keiner der Ausbrüche der jüngeren Zeit (der "Zweiten Welle") ist auf Verstöße gegen Maskenpflicht oder zu geringen Abstand bei Einzelbegegnungen zurückzuführen.

11.08.20 Ich habe bei Google Trends in einem völlig anderen Kontext das Suchwort "Fundsachen" eingegeben. Dabei ist bemerkenswert der steile Abfall Mitte März! Die Corona-Ausgangseinschränkungen haben offensichtlich (und erwartungsgemäß) zu einem massiven Rückgang beim Verlieren von Gegenständen geführt. Inzwischen ist ein Anstieg lediglich etwa auf die Hälfte der Anfragenzahl der Zeit vor einem Jahr erreicht.

04.09.20 Drosten schlägt 5 Tage Quarantäne vor um den Schulbetrieb nicht lahmzulegen. Und warum fragt man nicht einfach mal in Schweden nach? Hier ein Bericht von ntv vom 1. September mit Links zu zwei schwedischen Studien von Mitte Juni (sic!) 2020 (gibt es nichts Aktuelleres? Die ZEIT hat die beiden Studien schon am 9. August zitiert): https://www.n-tv.de/wissen/Schulen-Hotspots-oder-Corona-Bremsen-article22008967.html

23.09.20 Nach den Zahlen der Neuinfizierten  (Quelle: Johns Hopkins University) haben viele Länder eine zweite Corona-Welle, teilweise stärker als die erste (so in Dänemark, Holland, Frankreich, Spanien, Rumänien, Ungarn, Österreich, Tschechien). Auffallende Ausnahmen: Deutschland, Schweden und - mit großem Fragezeichen - Belarus mit nur einem leichten Anstieg verglichen mit dem Sommertiefstand. Die Todesfälle spiegeln den Infektionsanstieg allerdings zumeist nicht wider, entweder haben die Infektionen nun einen schwächeren Charakter (stabilere Immunsysteme als im Frühjahr?) oder die Medizin reagiert wesentlich besser. Eine Risikobewertung muss beide Zahlen in den Blick nehmen. Ich wollte im Herbst gerne mit der Bahn nach Frankreich, Oliven (Tanche) einkaufen. Aber das lasse ich nun doch sein. Zweimal 10 Stunden "öffentlich" durchs ganze Land, einschließlich Paris, und dann bei jedem Husten in Stress geraten, nein.

29.09.20 Die Bundeskanzlerin hat ausgerechnet, dass an Weihnachten täglich 19.200 Neuinfektionen denkbar wären - sollte die Zunahme weiter verlaufen wie von Ende Juni bis Ende September. So wurde auch schon mal ausgerechnet, wann New York in Pferdeäpfeln erstickt und wann Deutschland ausstirbt. Das also ist die nüchtern an Corona herangehende Naturwissenschaftlerin. Glaubt sie, die Bürger mit epidemiologischen Argumenten zu überfordern? Die Epidemiologie kennt keine linearen Entwicklungen. Zu ihrer Entlastung ist nur zu sagen: Sie will eben die Bevölkerung aufrütteln, schlicht und ergreifend. Aber diejenige, die es betrifft, erreicht sie damit nicht, kujoniert nur die anderen. Wie der Lehrer, der angesichts einiger leerer Plätze in seiner Klasse über das Schwänzen schimpft und wie unzuverlässig doch diese Klasse sei. Vor denen, die da sind, vor den Zuverlässigen ... Und sie wird unglaubwürdig. Dabei sollte sie einfach nur die Wahrheit sagen, sagen, wo die Infektionen stattfinden, welches Verhalten Hotspots produziert und wie Hotspots gelöscht werden können. Sollte wie in Schweden auch die Zahlen der Corona-Kranken auf Intensivstationen und der Todesfälle grafisch darstellen lassen auf der Seite des RKI. Sollte den privaten Feierbereich und die Wirtschaft in den Fokus nehmen.

03.10.20 Aus gegebenem Anlass kommt mir der Gedanke, dass wir doch gerade auch im Westen etwas wie den DDR-Lebensalltag erfahren mit der Corona-Situation. Diffuse allgemeine Bedrohung durch das Virus und Behördenkontrolle mit bisweilen willkürlich erscheinenden Auflagen. "Leben unterm Damoklesschwert" - ein Bild, das in diesem Jahr öfter auftauchte, bezogen auf Corona oder die Situation für Flüchtlinge.

07.10.20 "Berlin hat seine Freiheit verspielt", meint der Tagesspiegel in seinem "Checkpoint". Das "Infektionsgeschehen" nehme zu, vor allem wegen Feiern im privaten Kreis. Dafür werden die Bars wieder geschlossen. Und der Tagesspiegel findet das in Ordnung, wie beim Militär, wo es Liegestützen für alle gibt weil einer zu spät zur Übung kommt. Beim Alkoholkonsum anzusetzen, ist sicherlich richtig - aber das hätte schon früher geschehen müssen. Eine Gesellschaft, die kollektive Besäufnisse als Kulturpflege hegt (s. Oktoberfest), Tankstellen (sic!) Alkohol verkaufen lässt und Alkoholwerbung gestattet, kommt da in Erklärungsnot.

Aktuelle Corona-Grafiken einzustellen gebe ich auf. Die kann jeder/jede zu Deutschland beim RKI, zu Schweden bei "folkhalsomyndigheten.de" und weltweit bei der Johns Hopkins University einsehen. Wobei lediglich auf der schwedischen Seite auch die Zahl der Aufnahmen auf Intensivstation und die Todesfälle erfasst werden (warum bei uns nicht?) - und da spiegelt sich für Schweden bislang keine zweite Welle wider, auch nicht in Ansätzen. Bei den Infektionen allerdings schon - wobei inzwischen auch symptomfreie Fälle zunehmend erfasst werden durch breiteres Testen, die in der ersten Welle kaum erfasst wurden und daher die Kurve höchst interpretationsbedürftig machen.

20.10.20 Ich habe mir heute FFP2-Masken besorgt, die Situation in den Bahnen macht das notwendig.

29.10.20 Nun also, seit langem schon zu erwarten und angedroht, zweiter Lockdown in Deutschland. In Italien, das wesentlich stärker betroffen ist von der zweiten Welle, müssen die Gaststätten um 18 Uhr schließen. Bei uns ganz. Ebenso wie "Freizeiteinrichtungen" (die Theater z.B., die gerade wieder mit Spielen begonnen haben, und Sportvereine). Absurd, möchte man meinen. Immerhin ist doch bekannt, dass die meisten Infektionen aktuell bei privaten Feiern stattfinden und auf betrieblichen Meetings. Was sollen also diese Maßnahmen? Nun, sie sollen zumindest vermeiden, dass die privat und beruflich ausgetauschten Viren sich nicht auch noch "draußen" unkontrolliert verbreiten. Aber warum ist dieser Staat nicht in der Lage, zumindest stichprobenartig private Feiern und berufliche Meetings zu kontrollieren und gegebenenfalls aufzulösen statt auf Jahrzehnte hinaus das gesellschaftliche Leben, Alltagskultur, Vereinskultur, Veranstaltungskultur zu schädigen, teilweise zu ruinieren? Gerechtigkeitsdilemma? Rechtsprobleme? Die Abwägung ist sicherlich extrem schwierig und Kubicki macht es sich zu leicht damit, nun seinen Berufsstand zum Aufschlag zu bringen mit der Aufforderung, gegen die Einschränkungen zu klagen. Aber ich habe auch kein Verständnis für die pauschale Schließung von Gaststätten und Freizeiteinrichtungen. Was fehlt ist immer noch eine Alkoholpolitik. Das wagt niemand. Ich bin andererseits sehr froh, dass dieses Mal zumindest die Schulen und Kindergärten nicht betroffen sind - etwas wurde doch gelernt von Schweden! Apropos Schweden, der bayrische "Merkur" schreibt am 28.10. immerhin, die Einweisungen auf Intensivstationen seien in Schweden "relativ niedrig". So ungenau war der "Merkur" bei den Todesfällen der "ersten Welle" nicht, da wurde Schweden an den Pranger gestellt - obgleich die schwedischen Zahlen etwa bei denen von Holland und der Schweiz lagen, "relativ"!

Schaut man sich die Zahlen aus Schweden und Deutschland im Vergleich an, wird klar, warum die Bundesregierung extrem nervös wird. Der "deutsche Weg" verliert gerade erheblich an Glanz, auch im Vergleich mit Ländern wie Japan. Aber Vergleiche sind bei Covid 19 höchst problematisch, wurden und werden von der Bundesregierung und den deutschen Medien jedoch immer wieder zur Stützung eigener Positionen gerne bemüht. Daher hier (ich breche aus gegebenem Anlass meinen Vorsatz vom 7.10.) der Vergleich mit Schweden, Stand 29.10.2020 ("Sjukdom" - Infektion, "Intensivvardade" - Intensivstation, "Avlidna" - Todesfälle):

Corona-Zahlen
              Schweden 29.10.2020

Corona-Zahlen
              Deutschland 29.10.2020


Die Infektionszahlen sind in der Tat besorgniserregend, sie scheinen die Warnung der Kanzlerin von Ende September vor 19.200 Neuinfektionen täglich an Weihnachten zu bestätigen - allerdings muss berücksichtigt werden, dass nur der blaue Bereich Infektionen mit klaren Symptomen erfasst. Im gelben Bereich werden zunehmend auch symptomfreie Fälle gezählt, die bei der ersten Welle nur in sehr geringem Umfang erfasst wurden. Nicht klar ist mir, ob teilweise auch weiter zurückliegende Infektionen hier mit erfasst werden, und wie hoch der Anteil falscher Positivtests ist (von der Charité wird dieser Anteil für den eigenen PCR-Test mit 0,5% angegeben). Wirklich besorgniserregend für die Regierungsposition in Deutschland sind die direkten Todesfallvergleiche. Die Daten stammen von der Seite der JH University, links Schweden (Messraum bis 150), rechts Deutschland (Messraum bis 600):


Todesfälle Schweden 29.10.2020                              Todesfälle deutschland 29.10.2020


Das heißt, wir sind gerade dabei, Schweden beim Anteil der täglichen Todesfälle mit Corona-Bezug zu überholen. Ein Freund von mir, Mediziner, meinte dazu: Die Alten sind in Schweden schon alle gestorben. So tief sitzt die polemische Medienwirklichkeit bei uns in den Köpfen, "die Schweden haben ihre Alten geopfert"! Schweden hat etwa 2 Millionen Bürger der Altersgruppe ab 65. Gestorben sind mit Corona-Bezug bisher etwa 6.000 Menschen. Der Freund könnte allerdings insofern Recht haben, als vermutlich ein höherer Anteil der durch einschlägige Vorerkrankungen Geschwächten und der Moribunden bereits verstorben war vor der zweiten Welle.

In Deutschland spiegelt sich die zweite Welle auch deutlich in der Aufnahme auf Intensivstation wider. Am 18.04 hatten wir zum Höhepunkt der ersten Welle 2933 Corona-Patienten auf Intensivstationen, am 29.10. sind es 1696. Die Daten finden sich auf der Website der DIVI, die seit April 2020 die Belegungssituation erfasst und darstellt. Wobei hier der Vergleich mit Schweden Fragen aufwirft. Schweden verzeichnet die täglichen Neuaufnahmen, das DIVI die Belegung. Rechnet man mit einer durchschnittlichen Verweildauer von Corona-Patienten auf Intensivstation mit 14 Tagen, so ergibt sich für Schweden aktuell eine Belegung von 51 Intensivbetten (Daten FHM), für Deutschland 1696 (Daten DIVI)! Damit läge Deutschland um den Faktor 4 über Schweden, bezogen auf die Bevölkerungszahl!

Und nun kommt der Winter, mit Belastungen für Bronchien, Lungen und Immunsystem durch andere Infektionen, durch feuchte Kühle und Feinstaub! Dass etwas unternommen werden musste, ist klar! Aber auf der einen Seite sind die Maßnahmen zu eng (Gaststätten umfassend schließen, Vereinssport für Kinder verbieten, Theater/Opern schließen, pauschales Beherbergungsverbot), auf der anderen fehlen sie (Rauch- und Alkoholverbot im öffentlichen Raum, Kontrolle im privaten Bereich und im Business-Bereich, Feinstaubpolitik, Maskengebot bei größeren Gruppen in geschlossenen Räumen). Vor allem fehlt eine klare Aufklärung darüber, wo und wie die Ausbreitung wieder Dynamik aufnahm. Und was soll die Beschränkung auf einen Monat besagen? Was wird vom Dezember erwartet? Das Impfstoffwunder? Positive Folgen des Wellenbrecher-Effekts? Auf den kann man hoffen. Auch wenn er sehr spekulativ ist.

Und warum gibt es keine öffentliche Kampagne zur Stärkung des Immunsystems, zum Rauch- und Alkoholverzicht, zu regelmäßigem Sport (Sporteinrichtungen werden gerade wieder geschlossen!) und ausreichend Schlaf etc. pp.? Stattdessen dominieren Knüppelmaßnahmen für alle, Kinderschelte, Angstmache, Warnungen, Sauberkeitserziehung. Und doch: Unser Gesundheitssystem bewährt sich. Und die Politik ist lernfähig. Die Schulen bleiben offen! Wie lange noch?

01.11.2020 Und wieder die Hinweise darauf, dass "zunehmen auch gesunde Jüngere" von schweren Verläufen betroffen seien. Das ist erstmal substantiell wenig aussagestark, es fehlen Angaben zum Begriff "gesund" (Raucher, übergewichtig, stressbelastet etc.??) sowie konkrete Angaben zum Anteil der Altersgruppen an den Intensivfällen (in Schweden ist das selbstverständlich, von Anbeginn). Vor allem aber: Wen erreichen solche Warnungen? Die betroffenen Partypeople eher nicht - dafür uns alle, unabhängig vom Alter ("wenn es schon die Jungen erwischen kann, was ist dann mit mir?"), Leute, die weiterhin zur Arbeit gehen, die den ÖPNV benutzen, die ihr Leben nicht ganz auf Eis legen wollen.

Haupttreiber der Pandemie sind, laut  einem Beitrag in "Science" vom 23.10.20 (Autoren: Elizabeth Lee, Nikolas Wada u.a.) , Haushalte, Superspreader (bekannt geworden sind u.a. Ereignisse auf/bei/in Hochzeiten, Chorproben, Parties, Gottesdiensten, Fleischindustrie, Ernteeinsätze ...) und Reisen.

Bei den Infektionszahlen scheint der Scheitel erreicht, kurz vor dem Lockdown, Ironie des Zufalls? Aber dazu etwas Verbindliches zu sagen ist noch zu früh. Eine Woche abwarten.

Toilettenpapier wird teilweise wieder rar - insbesondere das Recycling-Papier. Warum? Hamstern besonders ökologisch Aufmerksame? Oder liegts am Preis?

07.11.2020 Noch immer wird über Schweden - wie schon bei der ersten Welle - bestenfalls berichtet im Stile von "auch die Schweden verschärfen die Corona-Auflagen". Als seien sie endlich zur Vernunft gekommen, einsichtig geworden, unentwegt. Immerhin ist nun auch zu lesen, dass die Infektionszahlen nicht ganz so stark zunehmen wie in Deutschland. Dass indes Deutschland bei Sterblichkeit und Intensivbehandlung aktuell etwa um den Faktor 4 über Schweden liegt - dazu Schweigen, Schweigen.

09.11.2020 Corona-Bekämpfung im Praxistest, aus meinem unmittelbaren Umfeld: In einer Klasse von S. wurde eine Schülerin positiv getestet. S. hat diese Schülerin vor 6 Tagen zum letzten Mal gesehen, soll nun aber für 14 Tage in Quarantäne (macht 20 Tage nach "Ereignis"). Sie hat heute (Montag) auch einen Corona-Test gemacht, das Ergebnis gibt es am Mittwoch.

Und nun werden Nerzfarmen zu den Produzenten einer neuen Covid-19-Variante, die auf Menschen überspringen kann - zunächst im Juni in Einzelfällen auf niederländischen Farmen, dann vermehrt in Dänemark.

Die Infektionskurve in Deutschland flacht tatsächlich seit Anfang November ab - was kein Effekt des zweiten Lockdown sein kann. Nur ein Zwischenhalt?

22.11.2020 Corona stellt hochentwickelte Gesellschaften und teilweise die Weltgemeinschaft insgesamt vor ähnliche grundlegende Probleme wie andere Zeitphänomene, Überalterung der Gesellschaft, Pflegenotstand, Bevölkerungswachstum, Anspruchswachstum, Klimaerwärmung, Biodiversitätsschwund. Im Kern ist allen gemeinsam ein grundlegendes Thema in zwei Perspektiven. Anthropologisch: Wie ist das Verhältnis von Individuum und Kollektiv langfristig auszuhandeln (ist es z.B. vertretbar, 80 Millionen Menschen in Teilquarantäne zu schicken um einzelne Leben zu schützen? - politisch haben diese Frage Boris Palmer und Wolfgang Schäuble im Blick auf Covid19 schon gestellt). Theodor W. Adorno hat in seinen Vorlesungen von 1963 über "Probleme der Moralphilosophie" angezeigt, dass "durch die Nivellierung der Problematik von Moral auf Ethik (...) das entscheidende Problem der Moralphilosophie, nämlich das Verhältnis des einzelnen Individuums zu dem Allgemeinen, eskamotiert" werde (Ffm 1996, S. 23). In den Reaktionen auf Palmer und Schäuble haben wir ein weiteres Beispiel dafür. Und wie ist das Verhältnis von Menschheit und sonstigen Bewohnern dieses Planeten auszuhandeln (darf der Planet geplündert werden und seine sonstigen Bewohner ausgerottet um möglichst vielen Menschen das Überleben zu sichern?). Fragen, mit denen wir offenkundig überfordert sind, da sie Wertentscheidungen voraussetzen, über die es keinen Konsens gibt, bzw. da tradierte Konsense zunehmend bröckeln.

Ernstzunehmende Ansätze zu einer Debatte hierzu mit Blick auf Corona finden sich z.B. in einem Gespräch des Autors Hannes Koch mit der Ethikrätin Sigrid Graumann in der taz vom 15.11.2020.

Verlagerungen der gesellschaftlichen Wertsetzungen vom Indididuum zum Kollektiv finden wir zeitgenössisch in ganz unterschiedlichen Bereichen, mit vielversprechenden, aber teilweise auch beängstigenden Ansätzen. Religiös begründet etwa in neuen Fundamentalismen, am augenfälligsten im islamistischen Fundamentalismus, völkisch begründet in rechten Strömungen. Politisch meldete die Piratenpartei klare Ansprüche des Kollektivs auf Wissensbestände und Informationsfreiheit an. Die Ökologie- und Tierschutzbewegung hatte schon zuvor Kollektivinteressen über menschliche Kollektive hinaus begründet. Aktuell gibt es im Kunst- und Kulturbereich ganz bemerkenswerte Bemühungen zur Neubewertung des Kollektivs, etwa das "lumbung"-Konzept für die Documenta Kassel 2020.

24.11.2020 Die Pappkrone der Pöbelei gegen den "Schwedischen Sonderweg" setzt sich heute die Südwestpresse Ulm auf. Wieder einmal dürfen wir die - wieder nur rhetorisch gemeinte - Frage lesen "Ist der schwedische Sonderweg gescheitert?" Der Beitrag antwortet lauthals mit "Ja", Schweden würde nun von seinem bisherigen Kurs abrücken. Und dabei wird in den Ausführungen doch faktisch gezeigt, dass Schweden weiterhin bei einem liberalen, evidenzbasierten Kurs bleibt, auch wenn es zu einigen weiteren Einschränkungen kommt (und Einschränkungen hat es auch bisher schon gegeben, auch wenn die swp mit dem Begriff "Kehrtwende" suggerieren möchte, Schweden schränke nun zum ersten Mal ein), die jedoch weit entfernt sind vom deutschen Lockdown. Kurioserweise werden die Grafiken des "Folkhälsomyndigheten" gezeigt, die belegen, dass Schweden bei den Aufnahmen auf Intensivstation und der Zahl der Todesfälle in der zweiten Welle weit besser dasteht als bei der ersten Welle - und auch als Deutschland. Die Zahl der Neuinfektionen ist allerdings in der Tat bedenklich, auch wenn die schweren Auswirkungen wesentlich niedriger liegen als bei der ersten Welle. "115 Menschen starben am Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche an Corona", schreibt die Südwestpresse. Eine erstaunliche Angabe, warum werden zwei Tage genannt? Soll das heißen, am Mittwoch 115 und am Donnerstag 115 - oder zusammen 115? Beides wäre falsch. Am 18.11. starben - nach aktuellen Angaben, Nachmeldungen sind wahrscheinlich - in Schweden an Corona 20, am 19.11. starben 14 Personen. Und so geht es fort in einem auch in sich widersprüchlichen Beitrag. Was ist das, was sich die swp da leistet? Schlamperei, parteiliche Falschdarstellung?

Hinter den 115 Toten der swp stecken vermutlich Meldungen, die auf (zufällig gewählten?) Zahlen der Johns-Hopkins-University basieren. Deren Dashboard fasst oft mehrere Tage zusammen. Danach hätte man aber auch verkünden können "Schwedischer Sonderweg höchst erfolgreich, keine Corona-Toten am 14., 15. und 16. November" (nb: Wochenende plus Montag)!

25.11.2020 In einem Edeka-Supermarkt sitzt am Eingang ein junger Mann und besprüht allen Kunden beim Betreten die Hände mit Desinfektionsmittel - obligatorisch! Viele strecken schon die Hände von weitem hin, bedanken sich, einige werfen beim Rausgehen Münzen in seinen Teller. Mich berührt das unangenehm. Diese Mischung von Sauberkeitswahn (es gibt keinen Hinweis darauf, dass Corona durch Schmierinfektionen übertragen wird), Anpassungsdruck und Ansteckungsangst ist in meinen Augen sehr missbrauchsgefährdet. Und auf der anderen Seite tönt Merz, es gehe den Staat nichts an, wie ich Weihnachten mit meiner Familie feiere - auch wenn ich das mit 20 Leuten auf engem Raum und mit Küsschen ohne Maske mache? "My home is my castle" - und draußen wird das gesellschaftliche Leben stillgestellt, gehen Abertausende von Existenzen zu Bruch um die Infektionen im "Castle" zu kompensieren? Politik unter Pandemie-Bedingungen, wir stochern im Nebel.

06.12.2020 Zum ersten Mal mit Genuss eine Opernaufzeichnung angeschaut, Turandot, The Royal Opera London 2017, mit Roberto Alagna, Aleksandra Kurzak und Lise Lindstrom. Das vermisse ich in der Corona-Zeit für mich persönlich am meisten: Opern-/Theaterbesuche, mehrtägige Wanderungen und das Meer. Es gab gewiss auch vor Corona Jahre, in denen ich ein oder zwei dieser Erfahrungen nicht hatte - aber alle drei per Dekret nicht haben zu können, ist nicht gut. Die Gewohnheiten verändern sich, das hat auch positive Effekte, bringt Lernprozesse in Gang. Aber ich fürchte nun vor allem eines: einen nicht nur individuellen, sondern auch gesellschaftlichen Burnout, Corona-Burnout, der nach dieser Zeit kommen könnte. Ob der Frühling alles richten wird? Es wird sicherlich ein ganz ungewöhnlicher Frühling für uns alle!Gedränge Bahn Weingarten-Karlsruhe, 13:00 Uhr

09.12.2020 Die Bundeskanzlerin hält in einer Rede den Corona-Skeptikern die Wissenschaft entgegen. Aber welche Wissenschaft meint sie denn? Es gibt keine Evidenz, dass die Schließung der Schulen und Kindergärten einen signifikanten Einfluss auf das Infektionsgeschehen habe. Schweden hatte auch bei der ersten Welle alle Schulen und Kindergärten offen gehalten. Und es gibt keinen wissenschaftlich abgesicherten Befund, weder aus Schweden noch von woanders her, der auf ein damit verbundenes Risiko verweist, das die Risiken der Schulenschließung auch nur annähernd rechtfertigt. Die Corona-Risiken stecken woanders. Klar ist, ab 15 sind die Infektionszahlen hoch. Aber 1.: außer Drosten glaubt wohl niemand sonst, dass die ab 15jährigen nur in der Schule die Köpfe zusammen stecken und 2: das böse und leichtsinnige Schweden hat schon von Beginn an die älteren Jahrgänge weitgehend auf online-Lernen umgestellt. In Deutschland, dem schulisch-medialen Entwicklungsland, wären damit die Lehrer hoffnungslos überfordert. Das Kurssystem in den Oberstufen mag noch zur weiteren Virusrotation beitragen. Auf dass Drosten feststellen kann, die Schulen seien Infektionstreiber. Und getriebene Politiker (wovon eigentlich getrieben?) schließen die Schulen. Alle. Differenzierung war noch nie eine Stärke deutscher Politik, das setzt gleich dem Opportunismus- oder Ungerechtigkeits-Verdacht aus.

Heute fuhr ich um die Mittagszeit in einer Bahn in die Stadt. Die Bahn war voll mit Menschen. Hinter mir ein junger Mann ohne Maske, neben mir ein Paar mit Kind, das sich angeregt in hohem Lautstärkepegel unterhielt in einer mir nicht bekannten Sprache, mit Stoffmasken, das Kind hustete, trug keine Maske. Vor mir eine ältere Frau, deren sich hektisch blähender und wieder einfallender Mundschutz befürchten ließ, dass sie hyperventiliere und gleich in Panik gerate. Business as usual. Kein Geld für Extrazüge oder Extrawagons für die Bahnen zu Stoßzeiten? Für die Verteilung von FFP2-Masken an Bahnhöfen? Dafür werden Unsummen ausgegeben zur Kompensation wenig sinnvoller Maßnahmen wie die pauschale Schließung von Gaststätten. Die "wissenschaftlichen" Aussagen der vergangenen Tage zur Bekämpfung der Infektionsanstiege folgen der simplen Gleichung: Weniger Kontakte = weniger Infektionen. Zur Corona-Bekämpfung äußern sich jetzt gar Physiker mit Modellen zum Brechen von Wellen. Gehts noch? Eine Pandemie ist ein medizinisches, infektiologisches, epidemiologisches, soziales und politisches Problem. Aber gewiss kein primär physikalisches. Aber von soziologischen Untersuchungen zur Corona-Ausbreitung ist nichts zu hören. Belastbare Ergebnisse benötigen gewiss Sorgfalt und Zeit. Zeit haben wir nicht so viel, bzw. sie wurde vertan, also begnügen wir uns mit dem "wissenschaftlichen" Befund, dass weniger Kontakte weniger Infektionen bedeuten. Wenn es aber nicht die "richtigen" Kontakte sind? Welches die sind, weiß keiner, will keiner wissen, will keiner publizieren. Es könnte spalten, diffamieren. Die Antwort ist Stillstand. Stillgestanden. Im wissenschaftlichen Niveau des historischen Materialismus, der in der DDR auch schon so allerhand bewiesen hat auf der Basis dessen, was man beweisen wollte. Prinzip Hoffnung anstelle von Analyse und offenem Diskurs. Physik statt soziologisch belehrter Epidemiologie. Am deutlichsten wurde dies bislang von Gerd Antes kritisiert, Medizinstatistiker und ehemaliger Direktor des deutschen Cochrane-Zentrums in Freiburg.

11.12.2020 Nun wird erwogen, am Wochenende zu entscheiden, ob Montag die Schulen schließen! Welches Modell gesellschaftlicher Prozesse wird hier exekutiert? Schalter an, Schalter aus und schauen, obs Licht dann an- oder ausgeht?? Das mutet an wie die Einübung in blinden Gehorsam - der historisch schon öfter im Gefolge von Hilflosigkeit und der panischen Angst vor Kontrollverlust daherkam. Und noch immer werden medial verstärkt die Wortmeldungen eines Infektologen, der zu Beginn der Pandemie Masken für unsinnig erklärte. Und er äußert sich mal so, mal so. Mit irgendwas wird er schon Recht behalten.

Meine Nachhilfeschülerin berichtet mir, eine Klassenkameradin habe gesagt, wenn sie nicht mehr zur Schule gehen, könnten sie 600 Menschen am Tag das Leben retten. Das Helden-Pathos des Bundespräsidenten erreicht immerhin Elfjährige. Auch wenn meine Nachhilfeschülerin Zweifel am Bericht der Klassenkameradin anmeldet und die Schulschließung für schlecht hält, "wir passen viel besser auf als die Jugendlichen!". Womit sie den Kern des Problems trifft. Die Bundeskanzlerin installiert ergänzend den Politikstil der SED. Wahrheit ist, was passt, Helden sind die, die sich anpassen. Der sanfte Lockdown habe nicht ausreichend gewirkt, also eine Schraube anziehen, Physik. Hat der sanfte Lockdown überhaupt etwas bewirkt? Die Abflachung der Infektionskurve zeigt sich Anfang November schon ohne Rückführbarkeit auf den Lockdown. Zeigt sich auch in Schweden. Was, wenn der Infektionsanstieg im Oktober und das Andauern auf hohem Niveau nicht nur von aktuellen Infektionen, sondern auch von "schlummernden" Infektionen/Viren bedingt ist? Herpes kommt/bricht aus mit der Sonne, Covid-19 mit Mangel an Sonnenlicht? Vitaminmangel? Bewegungsmangel? Eine sicherlich laienhafte, ungeschützte Überlegung, aber angesichts der regierungsamtlichen Fehlleistungen und der allgemeinen Hilflosigkeit erlaube ich mir diese Spekulation, deren Konsequenzen niemandem schaden können. Die Kanzlerin hat ja auch schon Kniebeugen empfohlen - allerdings gegen die Lüftungskälte in Klassenzimmern, nicht zur Stärkung des Immunsystems. Und wer fragt nach den extremen Belastungen für das gesellschaftliche Immunsystem? Ohne einem naturalistischem Fehlschluss Vorschub leisten zu wollen: Was vermag diese Gesellschaft noch ohne zunehmende Dysfunktionen und Ausfälle zu ertragen, deren Gesundheitssystem, deren Pflegesystem, deren Schulsystem und deren Verkehrssystem schon vor Covid19 überanstrengt waren?

13.12.2020 Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, Teil 1 Kapitel 2: "Vielleicht ist es gerade der Spießbürger, der den Beginn eines ungeheuren neuen, kollektiven, ameisenhaften Heldentums vorausahnt?" Haben wir das erreicht, wenn jeder zum Helden wird, der nun zuhause bleibt? Wir erleben eine Epochenschwelle, und was mir Angst macht, ist nicht Corona, sondern die Preisgabe von Differenzierung, auch in der Wissenschaft, etwa in der höchst problematischen jüngsten Studie des KIT zu einer Korrelation von Schulenschließungen und Infektionsrückgang. In der Politik schwindet Differenzierung ohnedies. Nun werden die Schulen wieder pauschal dicht gemacht, es wird nicht unterschieden zwischen den Kindern und den infektionstreibenden Jugendlichen (infektionstreibend sofern die aktuell verbreiteten Studien in den Schlußfolgerungen stimmen).

17.12.2020 Am Abend mache ich nach 20 Uhr einen Wald- und Wiesenspaziergang. Ich freue mich auf die Ruhe ohne Autoverkehr. Aber ich habe mich geirrt. Der Lärm von der Autobahn dröhnt herüber wie immer. Nur auf den Bundesstraßen und den kleineren Straßen ist es ruhiger als sonst.

Der Schwedische König erklärte heute im Fernsehen zur Corona-Politik seines Landes: "Wir sind gescheitert." Vom Bundespräsidenten habe ich das noch nicht gehört, obwohl Schweden in der zweiten Welle besser dasteht als Deutschland - mit erheblich weniger Einschränkungen.

18.12.2020 Wegen eines Todesfalles wollte ich in einem Schreibwarenladen mit Poststelle eine Beileidskarte kaufen. Der Bereich war abgesperrt, es dürften nur Postleistungen erbracht werden wegen der Corona-Einschränkungen (60%-Regel). Ich habe die Karte dann im Schreibwarenbereich eines Lebensmittelgeschäftes gekauft.

In manchen Hinsichten erleben wir nun den Alltag in der DDR, dürftige Infrastruktur, (durch Schließungen verfügte) Mangelwirtschaft, Improvisieren als Alltagskompetenz, Rückzug ins Private, kollektive Verhaltenssteuerung. Das bedrohende Virus hieß damals "Kapitalismus". Welchen Einfluß wird dies auf Mentalitäten haben?

20.12.2020 Gegen die "Schlummer-"These spricht das Auftreten einer Virusmutation in Großbritannien, die etwa 60% der Neuinfektionen ausmache!

23.12.2020 Europa hat zu Beginn der Corona-Situation die Abhängigkeit von China bei Masken und Schutzkleidung beklagt. Das wolle man zügig ändern. Gelobt wurden dann Autofirmen, die kurzfristig Masken produziert haben. Die Masken, die nun, 8 Monate später, umsonst verteilt werden, stammen weiterhin aus China!

30.12.2020 Schlange stehen vor dem Lebensmittelmarkt. Ein weiterer Todesfall in meinem Umfeld. Dieses Jahr häuften sich die Todesfälle, auch ganz nahe. Vor allem November/Dezember. Und wenn ich mich umhöre, war das auch bei anderen so. Eine (dann selbstverständlich geringere) Übersterblichkeit wäre in diesem Jahr vermutlich auch ohne Corona eingetreten. Die Ursachen waren Alter, Krebs, Freitod - nur selten, dann assoziiert mit hohem Alter, Corona. Noch immer habe ich keine Antwort gefunden auf die Frage, warum bei uns die Zahl der Patienten mit Corona auf Intensivstation so viel höher in Relation (Faktor 3) ist als in Schweden - bei höheren Infiziertenzahlen in Relation in Schweden (Faktor 2).

31.12.2020 Der Versuchung ist zu widerstehen, sich angesichts der Pandemie einer vermeintlich unentrinnbar zugreifenden Naturgeschichte einzuschreiben. Wird aufgeklärte Vernunft aber nur einseitig dem Impfkarussell (neuer Erreger, neuer Impfstoff, neue Impfung ....) zugestanden, verlieren wir, was Aufklärung ausmacht: das ganze Leben zu verändern, nicht nur partikulare Freiheits-, Überlebens-, Konsum- und Gestaltungsmöglichkeiten zu erschließen. Auf den "archaischen Torso Apollos" haben nur wenige gehört ("du musst dein Leben ändern") - wird es mit Covid-19 anders sein?


Anfang


***


2021


11.01.21 Ab heute ist zum Besuch meiner Mutter im Pflegeheim in Baden-Württemberg ein Corona-Schnelltest notwendig. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Corona-Infektionen in Pflegeheimen vom Pflegepersonal ausgehen, eine seltsam hilflose Regelung, für die auch keine Infrastruktur da ist. Parallel dazu wird über eine Impfpflicht für Pflegepersonal diskutiert und werden die Bewohner der Pflegeheime geimpft (oder eben auch nicht, das zieht sich hin).

Seit Monaten wird auf die Impfung gehofft. Nun ist die Impfung da und das Wunder bleibt aus, Untersuchungen weisen darauf hin, dass erst nach 14 Tagen signifikant Antikörper bei den Geimpften vorhanden sind für einen (statistischen) 50%-Schutz. Und schon wird über die Verlängerung des Lockdowns in den Februar hinein gesprochen. Dabei haben alle bisherigen Maßnahmen in Deutschland nur das dürftige Resultat gebracht, dass wir uns mit rasender Geschwindigkeit der Corona-Gesamtsterblichkeit in den USA annähern. Und noch immer gibt es keine verlässlichen Aussagen zu den wichtigsten Ausbreitungsvektoren, erneut wird gegen alle Erfahrungen und Untersuchungen auf die totale Schulenschließung gesetzt. Und die Jugendlichen treffen sich eben woanders. Und am Arbeitsplatz wird (nicht nur) in den Pausen fleißig kontaktiert.

12.01.21  In Deutschland wird ausreichend Impfstoff erst dann zur Verfügung stehen, wenn mit dem jahreszeitlichen Rückgang der Infektionen zu rechnen ist. In Schweden gibt es Skepsis gegen die Impfung, nach den Erfahrungen mit der Schweinegrippe-Impfung, die mehrere hundert Geimpfte mit unheilbarer Narkolepsie als Nebenwirkung zurückgelassen hat. Die Nebenwirkung trat in den meisten Fällen innerhalb der ersten acht Wochen nach Impfung auf, wurde allerdings erst spät auf die Impfung zurückgeführt, die Frequenz lag bei 1:20.000 Fällen.

13.01.21 Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung kritisiert den deutschen Lockdown seit November, der habe nichts gebracht. Und er mahnt: „Den Unterschied macht nicht die Härte der Maßnahmen, sondern machen die Menschen in ihrem privaten Verhalten.“ An das private Verhalten wurde in Schweden von Anbeginn appelliert, die Maßnahmen evidenzbasiert und utilitaristisch sukzessive eingeführt, nicht in ideologischen Schüben und fragwürdigem Hin und Her wie in Deutschland. Was, wenn die Gruppen, bei denen die Verhaltenssteuerung besonders schlecht funktioniert, von den Maßnahmen gar nicht erreicht werden, sich bei ihnen die Infektionszahlen solange erhöhen, bis sie inhärent gestoppt werden, nicht von den strukturellen Maßnahmen, die immer weiter angezogen werden? Kann es denn nicht auch eine Herdenimmunität in relevanten Unterkollektiven geben, die sich senkend auf die Infektionszahlen auswirkt? Die Abflachung der Infektionskurve Anfang November begann vor dem Lockdown und zeigte sich ähnlich auch in Ländern ohne entsprechendem Lockdown, etwa in Schweden. Gibt es ein identifizierbares Kollektiv potentieller Superspreader, deren Immunität (durch Infektion oder Impfung) sich auf die Infektionskurve signifikanter auswirken könnte als Lockdowns? Ich bin für Maßnahmen, aber gewichtet, wie in Schweden. Und ich beurteile die laxen Maskenvorschriften in Schweden kritisch. Aber Drosten hatte ja auch zunächst gegen Masken argumentiert.

14.01.21 Eine neue Maßnahmen-Erfahrung: Ich benötigte dringend Material aus dem Bauhaus für Reparaturen am Haus. Ich musste schauen, in welchem Bauhaus in meiner Nähe das vorrätig ist, dann dort bestellen und abholen. Ein enormer Aufwand, zumal ich zu einem etwas entfernteren Bauhaus fahren musste - ich nahm den ÖPNV, mit FFP2-Maske finde ich das vertretbar. Und ich hielte es für höchst fragwürdig, wegen der Corona-Empfehlungen nun mehr Auto zu fahren, als ich es sonst tue! Auch wenn ich sehe, dass der Staat seine Kontrollaufgaben dürftig erfüllt. In den Bahnen habe ich noch nie Maskenkontrolle erlebt, lediglich einmal vier! junge Polizisten zusammen auf einem! Bahnsteig der Stadtbahn in Karlsruhe gesehen, die an einem! Zustieg zur Bahn kontrollierten. Drinnen in der Bahn saß die übliche wilde Mischung aus Selbstgehäkeltem und "offiziellen" Masken, die wenigsten davon FFP2, ein Fahrgast trug die Maske nur über dem Mund. Und wenn zu einem Apotheker jemand kommt, eindeutig Corona-Symptome beschreibt (einschließlich Geschmacksverlust), aber nicht zur Untersuchung möchte, sondern ein Medikament gegen die Symptome fordert, fehlt die Handhabe. Wie auch, Polizisten werden verprügelt bei Maskenkontrollen.

Der Aufwand bei Einkäufen führt aktuell sicherlich dazu, dass man sich genau überlegt, was man braucht. Aber ob das wirklich zu einer anhaltenden Verhaltensänderung führt? Daran habe ich starke Zweifel. Ich erinnere mich mit Grausen an die Zeit nach dem Ende des ersten Lockdowns, als die Leute Schlange standen vor den letzten Ramschläden, gerade vor denen. Als wollten sie sich mit Dekokram entschädigen für die Konsumenthaltsamkeit während des Lockdown. Und die Gesellschaft will ja auch gar kein "vernünftigeres" Einkaufen, gerade bei uns nicht, hat doch die Regierung als eine ihrer desolatesten Corona-Maßnahmen die Mehrwertsteuer gesenkt nach dem ersten Lockdown --- auf dass der sinnlose Konsum steige! Warum rechnet nicht mal einer der seit Pandemie-Beginn aktiven prospektiven und retrospektiven Leichenzähler aus, wieviele Corona-Sterbefälle uns durch einen Verzicht auf die Mehrwertsteuer-Senkung erspart geblieben wären?

Nein, es wird sein wie bei einem Trinker, dem die zerstörte Leber durch ein Transplantat ersetzt wird. Wir setzen uns die Corona-Impfung und leben weiter wie zuvor. Ernsthafter Biotopschutz (nicht nach dem Prinzip, die Böcke/Konventionelle Landwirte, zu Gärtnern zu machen), reduzierter Fleisch-, Milch-, Eier-, Fischkonsum, Verzicht auf Tierfelle und Tierhäute, die nicht Nebenprodukt der Lebensmittelerzeugung sind, nachhaltiger (und das heißt eben auch: weniger) Konsum etc. pp.? Kaum zu erwarten.

Drei Pandemie-Experten, Statistiker und Physiker, verweisen gemeinsam auf Australien, Neuseeland und die Mongolei und erklären, das Virus könne ausgerottet werden ("Zero-Covid"). Man müsse nur Maßnahmen treffen, die hart und konsequent seien. Welch ein Wahnsinn, ohne jede Analyse soziologischer, politischer, infrastruktureller, wirtschaftlicher und geografisch-klimatischer Unterschiede solche Vergleiche anzustellen! Aber diese Position wirkt wie eine Blaupause zum Regierungshandeln, das sich grob auf den schlichten Nenner bringen lässt, "Schraube anziehen".

15.01.21 Es war zu erwarten, die Logik der Regierung im Umgang mit Corona folgt den Regeln der Mechanik: Merkel kündigt einen "Mega-Lockdown" (Bild) an. Und plötzlich erheben sich kritische Stimmen in einer Medienlandschaft, die bisher eher durch eine "right or wrong - my country"-Berichterstattung auffiel und Durchhalteparolen ausgab. Aber auch kritische Journalisten sind eben gerne auf der Seite der Gewinner. Und bis Oktober schien Deutschland zu den Corona-Gewinnern zu gehören. Nun wendet sich seit drei Monaten das Blatt immer zügiger und auch die Stimmung in den Blättern wendet sich. Hätten der Berliner Tagesspiegel und andere ihr kritisches Potential früher gleichmäßiger verteilt, statt die Kritik einseitig über Schweden auszuschütten, wäre manches vielleicht anders gelaufen. Jetzt Sätze zu schreiben wie "Die Politik hält sich an Paragrafen fest, wie ein Ertrinkender einen Halm umklammert" (Tagesspiegel am 08.01.2021) ist Feuilleton und kommt zu spät!

16.01.21 Es ist zu befürchten, dass die Lockdown-Verschärfungen nun den öffentlichen Personenverkehr treffen. Im Berliner Tagesspiegel ist zu lesen, dass der ÖPNV Hauptschuldiger am extremen Infektionenanstieg in Irland sei. Liest man genauer, kommt zum Vorschein, dass es vor allem der Weihnachtsreiseverkehr aus England gewesen sei, sowie offene Pubs und Nachlässigkeit beim Gebrauch der Masken. Aber wenn die Kanzlerin gerade von "Zero-Covid" infiziert ist, wird es dazu kommen, dass nun auch der öffentliche Personenverkehr (der nur im Berufsverkehr Corona-Schutz-widrig belastet ist) ohne Differenzierung stranguliert wird, wie schon das Gastgewerbe, der Kulturbereich und die Schulen. Differenzierung ist dem Zeitgeist zu nahe an der Diskriminierung (engl. "to discriminate" bedeutete einmal nichts weiter als "unterscheiden"), Klagen drohen, dann lieber ganz zumachen. Wo bleibt die ÖPNV-Entlastungs-Initiative, die längst überfällig ist? Stoiber will FFP2-Pflicht bei Einkauf und öffentlichem Personenverkehr - und gleich melden sich Experten kritisch mit Hinweis auf die Gefahren von FFP2-Masken für Lungenkranke. Haben die nicht mitbekommen, dass es erstens Befreiung durch Atteste gibt und dass zweitens die seit Dezember kostenlos in Apotheken u.a. für Lungenkranke ausgegebenen Masken genau dies sind, FFP2-Masken? Allerdings ist es sicher sinnvoll, allgemein auch auf Anwendungseinschränkungen bei den FFP2-Masken hinzuweisen und daran zu erinnern, dass die wirklich nur in notwendigen Situationen und mit Unterbrechungen getragen werden sollten.

17.01.21Wie wundervoll doch die Leere auf den Straßen ist, um wievieles freundlicher die Städte, Dörfer, Landschaften mit weniger Autoverkehr sind. Gerade jetzt bei Schnee ist das ganz zauberhaft, fast wie im Winterurlaub in den Bergen! Nur dass gerade die leeren Straßen oder die Corona-Situation einige psychisch Gestörte jetzt wohl herausfordern dazu, besonders laut und aggressiv zu fahren. Und ihr Lärm fällt nun auch stärker auf. Wie lange müssen wir noch warten, bis endlich nicht nur Geschwindigkeitsbeschränkungen, sondern auch Lärmbeschränkungen an Straßen gelten, bußgeldbewehrt! Und warum sind autofreie Wochenenden nicht möglich, warum brauchen wir eine Pandemie um das Menschenrecht auf Stille in der Landschaft und weniger Verkehr auf den Straßen durchzusetzen? So gibt es immerhin ein relevantes Grundrecht, das Corona nicht einschränkt, sondern erst sichert - vorübergehend.

Die Corona-Situation in Großbritannien eskaliert. Und die neue Variante wurde bereits in Deutschland nachgewiesen. Warum? Wie kam die von England nach Deutschland? Wer reist da hin und her ohne Impfung, Kontrolle, Quarantäne? Nun, sie kann auch aus Dänemark oder der Schweiz kommen, wo sie schon 2% ausmacht. Es geht uns noch gut, im Vergleich, ja, unser Gesundheitssystem bewährt sich, Hausarztstruktur, dezentrale Kliniken - von denen es nicht mehr viele gibt ... Mitleiden mit England, Brexit hin oder her ... Warum auf dieser Insel, wo andere Inseln, Australien, Neuseeland, es so gut geschafft haben?

18.01.21 Antworten auf alle relevanten Fragen nach Corona, der Ausbreitungsdynamik, den Vektoren der Ausbreitung, nach der Bedeutung von Sozialverhalten, Immunisierungen, Vorbeugungen, nach relevanten Gruppen, Wegen, Ausbreitungsfaktoren, Komplikationsvermeidungen, individueller Prädisposition etc. pp. werden wir nie bekommen. Die Herrschaft über die Corona-Maßnahmen haben die Wellenbrecher, Physiker, Statistiker, Informatiker bekommen.

Die Expertenrunde der Bundesregierung setzt sich wie folgt zusammen:

Wieler (Veterinärmediziner), Drosten (Infektologe), Brinkmann (Genetikerin, Virologin), Meyer-Hermann (Theor. Physiker, Systemimmunologe), Krause (Epidemiologe), Betsch (Psychologin), Apweiler (Bioinformatiker), Nagel (Physiker, Verkehrssystemplaner)

Die Psychologin hat sich vor allem mit dem Thema Impfverweigerung (sic!) beschäftigt und der Verkehrssystemplaner macht keine Vorschläge zur Regulation und Ertüchtigung des ÖPNV unter Pandemiebedingungen, sondern rechnet aus, dass die britische Virusvariante schon im März die dominierende sein könnte. Kaum jemand scheint sich mit der Analyse des Geschehenen und den sinnvollen/notwendigen strukturellen Veränderungen zu befassen, aber viele leidenschaftlich gerne mit Prognosen und Spekulationen.

Diskutiert wird als eine der Verschärfungen die FFP2-Pflicht in ÖPNV und Supermarkt (was ist mit Werkskantinen, Pausenräumen?). Wie war nochmal die Meinung von Drosten zu Masken bei der ersten Welle? Die hülfen nur psychologisch - er setzte auf Testen und Impfen. Na dann. Ich trag medizinische Masken seit April '20 und FFP2 seit Oktober '20 in Bahn, Bus, Supermarkt und bei sonstigen Gruppenbildungen. Und kaue mehr Knoblauch als sonst (psychologisch ...).

Ich empfehle weiterhin den Blick nach Schweden, auch auf die Intensivfälle und die Todesfälle: https://experience.arcgis.com/experience/09f821667ce64bf7be6f9f87457ed9aa

Was zeichnet die Länder aus, die besonders erfolgreich waren gegen Covid19 (zu denen ich Schweden nicht zähle): Frühe Schließung der Grenzen, Häfen, Flughäfen. Wenig produktive Industrie und/oder hoher Digitalisierungsgrad (Home-Office). Strenge oder zumindest nicht angefeindete Exekutive. Drei Faktoren, die in Deutschland nicht gegeben/nicht erwünscht sind. Und in fast allen erfolgreichen Ländern galt auch früh eine Maskenpflicht.

19.01.21 Es ist erstaunlich: Ausgerechnet Angela Merkel wird zum Symbol für die Durchsetzung einer Sichtweise im Umgang mit Covid19, die dem historischen Materialismus nahe kommt, genauer dessen Überzeugung, soziale Prozesse seien adäquat naturwissenschaftlich darstellbar und entsprechend steuerbar. Nun ist an der Medizin, im speziellen Falle der Epidemiologie, gewiss ein Aspekt, der Ablauf biologischer Prozesse, die Entwicklung, Veränderung und Ausbreitung von Viren und Bakterien, gesetzhaft beschreibbar. Dazu kommt jedoch auch der sozial-gesellschaftliche Aspekt, bestimmt durch menschliches Verhalten und Gruppenprozesse, der sich zwar in Zahlen nachträglich beschreiben lässt, aber bislang erst in Science Fiction auch adäquat abbilden und prognostizieren. Zu groß ist die Daten- und Simulationsmenge, die verarbeitet werden müßte. Und dennoch wird in der Covid-Expertenrunde aus Physikern und Informatikern so getan, als ließe sich das Ausbreitungsgeschehen rein rechnerisch und durch quantitätenorientierte Eingriffe kontrollieren. Physiker berechnen, wie die Covid-"Welle" gebrochen werden könne. Und daraus werden Maßnahmen abgeleitet.

Und es ist verständlich. versprechen doch Physik, Mathematik, Statistik Auswege aus der Komplexitätsfalle (über komplexitätsreduzierende Modelle) und aus der Gerechtigkeitsfalle (wer kann schon gegen Naturgesetze klagen).

22.01.21 Es ist ja immer wieder zu lesen, die Corona-Situation könne dazu verhelfen, uns wieder auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu besinnen. Ich bekenne, mir gelingt das nicht. Ich bin dazu nicht weise genug. Ich leide unter der ständigen Konfrontation mit neuen Komplikationen des Alltags. Ich kann auch nichts Wesentliches daran erkennen, wenn Eltern ihre Kinder wieder selbst unterrichten müssen und Kinder als Bezugspersonen fast nur noch ihre Eltern haben oder Freundinnen per Facetime & Co. Ich kann mich auch schwer auf das Wesentliche konzentrieren, wenn ich ständig Formulare ausfüllen muss in denen ich bestätige, keine Erkältungssymptome zu haben, wenn ich mit Maske, Brille, Stirnband/Mütze/Kapuze rumfummeln muss, mich vor Quarantäneverfügungen fürchten und mit den beständigen Double Binds der Maßnahmenwirklichkeit arrangieren, z.B. dem abendlichen Ausgehverbot. Oder wenn ich vor dem Besuch bei meiner Mutter im Pflegeheim verpflichtet bin, einen Schnelltest zu absolvieren, und ich dazu lange rumtelefoniere um dann keinen Termin zu bekommen weil die Arztpraxen den nicht anbieten oder hoffnungslos überlastet sind und in vielen die als Corona-Praxen angegeben sind schon niemand mehr ans Telefon geht. Mal abgesehen vom Wissen um die Friseure, Kulturschaffenden, Gaststättenbetreiber, Sportanlagenbetreiber etc. pp., die für mich nicht zum Unwesentlichen gehören und die zu Zigtausenden in ihrer Existenz bedroht sind und nicht mehr ruhig schlafen können. Nein, es gelingt mir einfach nicht, mich "auf das Wesentliche" zu konzentrieren!

27.01.21 Olivenanbau in Deutschland und der Umgang mit Corona haben eines gemeinsam: Beständiges Auf-der-Hut-Sein ist gefordert und langer Atem. Und ein Moment der Unachtsamkeit kann die Achtsamkeit der restlichen Zeit vergebens machen! Wenn die Oliven den ganzen Winter über eingehüllt waren und dann nach Abnahme der Hüllen oder bei Öffnung der Hüllen durch einen Sturm eine heftige Frostnacht kommt, ist alles dahin. Wenn ich monatelang mit FFP2-Maske herumlaufe und Distanz halte und dann einmal der falschen Person zu nahe komme ohne Maske, kann die Ansteckung passiert sein. Im individuellen Fall hilft einem dann die ganze Statistik nichts.

Der Pneumologe Thomas Voshaar nennt die (inzwischen nicht mehr empfohlene) strategische Früh-Intubation bei Covid-19-Patienten "einen der größten Fehler in der Medizingeschichte". Auf die Risiken der Intubation, die geringe mittelfristige Überlebenswahrscheinlichkeit und den massiven Verlust an Lebensqualität in der Folge wurde schon früh im Corona-Kontext hingewiesen (s. meinen Eintrag vom 26.03.2020).

28.01.21 Gestern absolvierte ich den ersten Corona-Schnelltest, um meine Mutter im Pflegeheim besuchen zu dürfen. Angenehm war das Bohren mit Wattestäbchen nicht, einen leichten Nachklang spüre ich heute noch. Aber die Organisation hat mich beeindruckt, zwei Warte-Zelte beim Pflegeheim vor dem Fenster eines Zimmers im Erdgeschoss, das vom Roten Kreuz zur Teststation umfunktioniert ist, aufgebaut. Viel Engagement, Bemühen, die Situation zu meistern. Respekt vor dem Pflegeheim, dem DRK und den ehrenamtlichen Helfern, die das auf die Beine gestellt haben - nachdem das grüne Sozialministerium mit seiner Verordnung vorgeprescht war. Wird man verlässlich erfahren, wieviele Corona-Fälle so aufgespürt wurden? Und werden die Statistiker dann fair ausrechnen, wie hoch dabei die Wahrscheinlichkeit einer Infektion gewesen wäre? Nicht jeder Infizierte ist infektiös und alle Pflegeheimbesucher tragen Masken und Handschuhe. Und sollten das weiterhin tun, auch wenn manche jetzt vielleicht meinen, sie seien ja getestet und damit "ungefährlich" - trügerische Sicherheit, denn infektiös (und damit PoC-testrelevant) ist man nicht sofort nach der eigenen Infektion, es gibt eine statistische Lücke, keine 100%-Sicherheit.

Meine Mutter (88) hat die Impfung im Pflegeheim am Sonntag gut überstanden. Sie sei nur etwas häufiger müde seitdem, berichtet mir eine Pflegerin.

Das Dashboard des RKI zeigt keinen Zusammenhang zwischen dem Abflachen der Infektionskurve und dem Lockdown zum 2. November. Die Kurve flachte bereits in der zweiten Hälfte Oktober ab. Auffallend ist auch der Anstieg vor den Feiertagen, in der ersten Dezemberhälfte:

Infektionskurve
              Corona RKI 29.01.2021

Wie das mit entsprechend ausgewählten Daten ganz anders darstellbar werden kann, zeigt die Tagesschau mit einer Grafik auf Basis der Daten des RKI zur 7-Tage-Inzidenz (https://www.tagesschau.de/inland/coronavirus-karte-deutschland-101.html). Da sieht es so aus, als würde die Infektionskurve im Gefolge des Lockdowns nach einem steilen Anstieg am 7. November abbrechen. Was nur vermittelt mit dem oben dargestellten Infektionsverlauf zu tun hat und an die Hockeyschlägerkurve von Al Gore zur Klimaerwärmung erinnert.

Inzidenz Zusammenhang Lockdown ARD

04.02.21 Das gängige Konzept von Herdenimmunität ist irritierend national verengt. So und so viele Prozent der Einwohner in Deutschland müssten geimpft sein, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Zahlen um die 60% werden gehandelt. Aber natürlich kann es auch eine Berliner Herdenimmunität geben, eine der Pietisten auf der schwäbischen Alb, eine unter Ravern einer bestimmten Region, die sich regelmäßig treffen etc.pp. Aber diese "Herden" sind in der Regel offener nach außen, durchlässiger als aktuell unter Corona-Bedingungen Nationen sind. Wobei die Unterschiede graduell sind, nicht prinzipiell. Wie offen auch die nationalen Grenzen nach wie vor sind, erfährt man als nicht mehr Reisender aktuell eher zufällig, wenn etwa berichtet wird, dass die Arbeitspendler aus Tschechien nach Bayern seit 1. Februar alle drei Tage in ihrem Heimatland einen kostenlosen Antigen-Test bekommen (nebenbei auch andere tschechische Bürger).

Die nationale Verengung des Herdenimmunitäts-Konzepts ist rational durchaus zu begründen, sie dient dem inneren Frieden und verhindert Alleingänge etwa von einzelnen Bundesländern. Aber sie könnte auch blind machen für bestimmte Aspekte der Pandemie, insbesondere ihre soziologisch fassbaren Regelhaftigkeiten.

05.02.21 Was machen jetzt eigentlich die Menschen, die vor dem Schlafengehen einen Spaziergang brauchen? Haben die alle einen Hund? In Italien soll es während des ersten Lockdown ja üblich geworden sein, Hunde auszuleihen. Hunde wurden so oft Gassi geführt wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Wurde mir von Eingeweihten berichtet, aus der Region Bologna. Aber zurück zu meiner Eingangsfrage: Wäre es nicht sinnvoller, menschlicher, nachhaltiger, das Autofahren nach 20:00 Uhr zu untersagen (abgesehen von den bekannt triftigen Gründen) statt das Verlassen des Hauses? Erholung für die Natur und die lärm- und verkehrsgeplagte menschliche Psyche - ohne Spaziergangsverbot.

06.02.21 Befremdlich ist, wie in manchen Medien nun vorbehaltlos der britische Impferfolg und Boris Johnson als dessen Macher gefeiert werden. "Britain first" gilt als Erfolgsrezept und die EU wird abgewatscht. Manche scheinen es gerade doch sehr zu bedauern, dass die EU nicht wie China funktioniert.

Was in Berlin von Regierungsseite gerade als Lockdown-Lockerungen diskutiert wird, ist allerdings auch nicht dazu angetan, das chinesische Beispiel sooo schlimm zu finden: Blumenläden zum Valentinstag und Friseurläden für den internationalen Auftritt wieder aufmachen. Das Konzept dahinter? Weihrauch. Nein, schlimmer noch: Zuckerwatte. Oder, noch bedenklicher: Eine der wenigen Mangelerfahrungen, die die Bundeskanzlerin unmittelbar selbst emotional mitvollziehen kann. Hoffen wir auf Weihrauch.

08.02.21 In einem Pflegeheim im Landkreis Osnabrück, Belm, gab es nach der zweiten Impfung bei Routinetests 14 Covid-Fälle, alle symptomlos oder nur mit leichten Symptomen. Der Tagesspiegel nimmt dies zum Anlass, nicht die Effektivität der Impfung zu betonen oder über die Hintergründe der Infektion aufzuklären, sondern nun die Zero-Covid-Forderung in den Vordergrund zu stellen und Verschärfungen des Lockdown zu fordern! Schärfer als in Pflegeheimen, wie stellt sich der Tagesspiegel das vor? Atmen einstellen? Oder gab es Mängel in Belm - die durch verschärften Lockdown behoben werden können? Ein Mitarbeiter war infiziert - Hintergründe? Die werden wir vermutlich nicht erfahren. Es bleibt zu wünschen, dass zumindest die Corona-Kommission sie erfährt.

10.02.21 In meinem ganzen Bekanntenkreis gab es ein Aufatmen, als es hieß, dass ab Donnerstag die Ausgangssperre in BaWü aufgehoben sei. Und niemand davon wollte sich nun nachts zusammenrotten um in einer Gruppe eng umschlungen Alkohol zu trinken und Viren auszutauschen. Doch aus der gerichtlich verfügten Aufhebung der unbegründeten allgemeinen Ausgangssperre in Baden-Württemberg wird nichts. Kretschmann und "Manne" (der Sozialminister in BaWü) bleiben hart und erklären, dass sie ohnedies schon eine Begründung liefern wollten, ab einer Inzidenz von 50 gilt die Ausgangssperre nun von 21-5 Uhr. Stuttgart hat die Inzidenz 50,4. Was wird Kretschmann dazu einfallen? Die Inzidenz absenken, 49, 48, 47 - wer bietet weniger? Oder Inzidenz erhöhen durch breiteres Testen, z.B. auch in Schulen. Auf dass eine ganze Generation mit chronischer Nasenschleimhautenzündung durch anhaltendes Testen aufwachse? Dazu hat, wieder einmal, der EULENSPIEGEL eine treffende Karikatur veröffentlicht, Kinder vor der Notaufnahme mit Spaghetti in Ohren und Nasen - Selbsttestversuche.

In Frankreich haben im November strenge Ausgangssperren bei offenen Kindertagesstätten und Schulen zu einer massiven Reduzierung der Infektionen auf 1/5 geführt - laut Tagesschau-Überblick zu den Ausgangssperren in Europa vom 06. Januar 2021. Warum macht BaWü beides, Schulen zu und - eher wenig sinnvolle nur nächtliche - Ausgangssperre? Andere Lebensstile als in Frankreich? Soziologen haben viel zu forschen nach und mit Corona. Hoffentlich bekommen sie die notwendigen Daten und Rahmenbedingungen!

Das Pochen auf die Inzidenz entwickelt sich zur deutschen Manie. Im europäischen Vergleich stehen wir doch sehr gut da, nebenbei zwischen Russland und Bulgarien. Und qualitativ sagt die Inzidenz eher wenig aus. Schweden hat eine 2,5mal höhere 7-Tages-Inzidenz, aber weit weniger Todesfälle als Deutschland in der zweiten Welle - auch auf die Bevölkerung umgerechnet. Nichts ist auch ausgesagt über den Anteil symptomloser oder schwach symptomatischer Infektionen. Und nichts über das Verhältnis von Testungen zu Infektionsnachweisen und über die Testungs-Anteile auf 100.000 Einwohnern. 7-Tages-Inzidenz am 10.02.2021 (Quelle: Statista, basierend auf RKI, Johns Hopkins University - https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1180169/umfrage/laender-mit-den-meisten-coronainfektionen-in-der-letzten-woche-in-europa/):

Corona-Inzidenz Europa 10.02.2021 Statista

Montenegro 603,8 Tschechien 473,4 Monaco 396,9 Portugal 376 San Marino 360,4 Andorra 332,7 Spanien 326,2 Estland 288,4 Lettland 285,4 Slowenien 280,7 Albanien 266,8 Slowakei 251,3 Frankreich 201,9 Schweden 189,3 Serbien 186 Moldawien 184,1 Großbritannien 179,9 Luxemburg 175, 5 Malta 171,6 Litauen 142,4 Italien 140,6 Niederlande 140,4 Gibraltar 139,5 Irland 132,4 Belgien 130,7 Kosovo 129,8 Schweiz 113,8 Belarus 107 Nordmazedonien 105,3 Österreich 104,8 Ungarn 96,7 Polen 95 Rumänien 86,1 Zypern 84,5 Russland 76,2 Deutschland 75,5 Bulgarien 75,3 Liechtenstein 74,8 Kroatien 69,9 Griechenland 68,5 Türkei 66,4 Ukraine 65,5 Bosnien und Herzegowina 60 Dänemark 52,6 Finnland 47,5 Norwegen 33,9

Heute wurde ich vor dem Abstrich zum Corona-Schnelltest gefragt: Mund oder Nase? Ich habe Mund gewählt - ich hatte zuvor zuhause auch schon vor dem Spiegel geübt, da ich ohnedies darum bitten wollte, über den Mund getestet zu werden. Denn nach dem letzten Nasenabstrich hatte ich 10 Tage lang eine verstopfte Nase auf der Abstrichseite. Der präventive Sinn der tiefen Abstriche entzieht sich mir ohnedies. Ich trage Maske, ich huste und niese nicht, wie alle, die ins Pflegeheim gehen (sonst dürfte man gar nicht rein) - wie sollen da Viren, die sich gut versteckt nur einem tiefen Abstrich offenbaren, zur Ansteckung gelangen ("viral load" zu gering)? Der Sinn dürfte ein rein medizinstatistischer sein - möglichst jede Infektion zu erfassen.

11.02.21 Es heißt, Gesundheit gehe jetzt vor Wirtschaft. Und was ist mit der Gesundheit derer, die nun völlig aus der Bahn geworfen sind, ihre Existenzgrundlage schwinden sehen, das Wagnis Selbständigkeit verzweifelt bereuen, deren Lebenszeit durch diese Belastungen verkürzt wird, die in 20 Jahren einen Krebs entwickeln, der auf den unhaltbaren Stess, die Existenzangst jetzt zurückzuführen ist? Alle Verfügungen die jetzt getroffen werden kommen von rundum staatlich abgesicherten Personenkreisen. Wer das als Neid-Debatte abtut, ist zynisch. Und wer bezahlt die Corona-Ausgaben später, wo wird gekürzt werden, eingespart, wo werden Steuern erhöht?

Und der Autohandel freut sich, dass das Auto wieder neue Sympathien bekomme, da sich viele vor Ansteckung im ÖPNV fürchten. So im Deutschlandfunk zu hören. Und als neue Inzidenzschwelle wird nun 35 gehandelt. Wer bietet aktuell weniger in Europa? Island, Färöer und Norwegen (letzteres allerdings nur knapp, mit 33,9 am 10.02.2021).

15.02.21 Leben mit Grenzwerten - wir werden unser Verhalten, das was wir tun dürfen, zunehmend an Grenzwerten ausrichten müssen. Kretschmann meinte schon mal, verglichen mit den Einschränkungen, die der Klimaschutz uns auferlegen wird, seien die Corona-Auflagen geringfügig. Die Autoindustrie will er aber nicht überfordern - die Bürger schon?

Ich nehme im Alltag eine zunehmende Gleichgültigkeit vieler gegenüber den Abstandsregeln wahr. Hart aufeinander prallen gerade Bilder einer völligen Verlorenheit, Ladenbesitzer die alleine in ihrem Geschäft stehen, etwas rumräumen, flehende Blicke nach draußen richten, Menschen vereinzelt mit Masken am Bahnsteig - und auf der anderen Seite Gruppen im Park, Rodeln, Schlittschuhfahren, niemand mit Maske, als sei alles wie immer. Sicherlich auch wetterabhängig, Tristess wird gerade noch trister, schwärzer, Freude noch ausgelassener, bunter. Bis hin zu den Feier- und Alkoholexzessen, die aus Polens Skiort Zakopane nach der Öffnung berichtet werden. Und nun ist absehbar die Verlängerung bis nach den Osterferien. Ist das denn mehr als die Spekulation auf den jahreszeitlich bedingten Rückgang der Infektionen? Wieviele wurden geimpft in Deutschland? Stand heute: einmal 2,736 Mio, vollständig 1,410 Mio. Was bringt die Impfung zur Lockdown-Vermeidung? Ich kann keinen Effekt erkennen, auch nicht für Ostern. Die Versprechungen lauteten anders. Das grün-schwarze Musterland BaWü hat gerade mal 1,4% vollständig geimpft, die Rheinland-Pfälzer 2,5%.

Und nun werden detailliert Ansteckungswahrscheinlichkeiten vorgerechnet. Ins Theater gehen sei sicherer als Einkaufen - was ich persönlich zwar erfreulich finde, aber nicht ernst nehmen kann. Geh ich alleine ins Theater? Treffe ich dort Freunde? Wie arbeitet die Klimaanlage? Gehe ich einkaufen wenns leer ist? Rede ich mit Nachbarn beim Einkaufen? Steh ich Schlange am Käseregal (wo viele Kunden die Abstandsregel konsequent ignorieren)? Dürftige Rechenspiele unter weitestgehender Vernachlässigung qualitativ-sozialer Aspekte. Die Relevanz geht gegen Null. Noch so ein Strohhalm, wie die Inzidenz.

Bestürzend auch die Stellungnahmen zur "britischen Mutation". Eine dritte Welle drohe und dagegen würden nur strengere Maßnahmen helfen. Osterurlaub (auch im Inland) sei undenkbar. Eine Bekannte von mir ist der Meinung, die Mutation sei 10x so ansteckend wie die "Ausgangsform". Und die Medienberichterstattung kann diesen Eindruck auch vermitteln. Fakt ist, sie ist 50% ansteckender - zumindest nach dem, was evidenzbasiert zu sagen ist. Daraus lassen sich bedrohliche Hockeyschlägerkurven basteln - doch die Inzidenzverläufe in Irland und Großbritannien sprechen dagegen: Primär Unachtsamkeit, nicht die erhöhte Ansteckungspotenz, hat die Zahlen zu den Feiertagen hochschnellen lassen - und sie sind entsprechend schon wieder massiv zurückgegangen. Und Fakt ist auch, dass von den 14 mit der britischen Mutation infizierten geimpften Bewohnern in einem Pflegeheim bei Osnabrück 13 nicht mehr als leichte Symptome entwickelt haben. Eine Heimbewohnerin ist verstorben, sie war 101 Jahre alt. In der Summe sollte dies zumindest Horrorszenarien verbieten. Aber aktuell dominiert die Panikmache. Über wieviele Mutationen hinweg werden wir uns diese Panikmache leisten können gesellschaftlich? Panik ist keine gute Verhaltenssteuerung.

24.02.21 Jetzt werden großzügig weitere Impfberechtigungen verteilt, an Lehrkräfte, ErzieherInnen. Aber Berechtigung heißt nicht Impfung. Ich weiß von einem Senior Ende seiner 80er, der nach wochenlangen anderweitigen Bemühungen, auch seiner Familie, nun von Konstanz nach Stuttgart reisen muß, um seine Impfung zu bekommen! Akademisches Milieu, also gewiß ist nicht fehlende Ämterkompetenz schuld an dieser Abstrusität! Was ist da faul im Staate Deutschland? Im Musterländle Baden-Württemberg? Wir schaffen das? Irgendwie, irgendwann ... Getestet wird allerdings mehr. An manchen Abstrichstationen wird an den Probanten sowohl ein Mund- als auch ein Nasenabstrich gemacht! Damit die Inzidenz nur nicht zu rasch abfällt, jede noch so minimale Anwesenheit von Corona-Viren entdeckt wird? DocCheckNews schreibt schon vom "Inzidenz-Wahn" - mit Bezug auf die abwägenden Einwände der Berliner Amtsärzte vom 22.02. gegen die aktuelle Koppelung von Maßnahmen an Inzidenzwerten. Für ihre Kritik an der generalisierenden Inzidenz-Orientierung und am No-Covid-Ansatz wurden die Amtsärzte dann auch gleich von einschlägigen ExpertInnen auf Twitter geprügelt. Dabei ist allen klar, wie problematisch die Inzidenz-Orientierung ist. Aussagekräftig sind nur zum einen die Zahlen der symptomatischen Infektionen, die durch Test bestätigt sind, und die Verhältniszahl symptomveranlassungslos durchgeführter Tests zu dabei festgestellten Infektionen. Erstere wird vom RKI unter der Kurve "Erkrankungsbeginn" annähernd erfasst, letztere wird nicht erfasst.

25.02.21 Deutschlands Abstand zum vielgeschmähten Schweden (Tagesspiegel am 14.01.2021, nicht zum ersten Mal: "Schwedens Scheitern - der Sonderweg führt in die Sackgasse") schrumpft rasant. Auf 100.000 Einwohner kommen in Schweden aktuell 122 Todesfälle, in Deutschland 83 seit Beginn der Pandemie. In der ersten Welle lag die Zahl der Corona-Todesfälle in Schweden um den Faktor 4 über der in Deutschland (auch wegen des schlecht aufgestellten Gesundheitswesens), jetzt ist es etwa der Faktor 1,5 in der Gesamtzahl. Bei einem Bruchteil der Einschränkungen in Schweden.

In Schweden scheint es (neben dem schon mal mit ausgetragenen Vor-Wahlkampf um die richtige Corona-Politik) ein Kesseltreiben gegen Anders Tegnell zu geben - dabei ist er einer der wenigen, dessen Wissen, Urteil und Standing/Integrität ich vertraue in Corona-Fragen! Und die Treibjagd wird auch von deutschen Medien mit befeuert. Allen voran mit dem ganzen Gewicht seiner Meinungsmacht als Hauptstadtorgan der Tagesspiegel. Der sich zunehmend als Propagandaorgan der Bundesregierung geriert - sicherlich in bester Absicht. Aber die Bundesregierung versagt seit einem Jahr eklatant, allen voran Merkel und Spahn. Merkel beschwört nun die "dritte Welle" und auf der Seite des RKI gibt es eine neue Rubrik, "Besorgniserregende Varianten". Damit auch der letzte versteht: Besorgniserregend, bleibt zuhause, weiterhin - bis .... Die Funktion der "besorgniserregenden Varianten"? Vom Impfdesaster und vom allgemeinen Maßnahmendesaster ablenken. Die einzige Politikerin, die das rational analysiert und begründet hinterfragt, ist Sahra Wagenknecht.

26.02.21 Heute mal wieder Homeschooling-Nachhilfe mit einer elfjährigen Gymnasiastin, Fach Natur & Technik. Sie hat souverän über Skype mit geteiltem Bildschirm mit mir im virtuellen Gleichstromlabor gearbeitet und wir haben eine Schaltung besprochen, die sie virtuell zusammenbaute. Sie hat in der Corona-Zeit wirklich vieles gelernt, ist selbständiger geworden, auch in der Hausaufgabenbearbeitung - und sie kann souverän mit den neuen Medien umgehen. Nicht alle sind in der glücklichen Lage, da wurde viel versäumt im deutschen Bildungssystem. Sie weiß jetzt aber auch den "analogen" Unterricht mehr zu schätzen. Es sollte nun nicht das eine gegen das andere ausgespielt werden, nicht alles Bildungsheil liegt in den neuen Medien!

27.02.21 Kann mal jemand Merkel klarmachen, dass Corona eher eine gesellschaftswissenschaftliche als eine physikalische Herausforderung ist?? Aber wie sie ja, anscheinend unbelehrbar, bereits einmal im Corona-Kontext erklärte: Sie habe Physik studiert in der DDR, weil sie damit den Gesellschaftswissenschaften entkommen konnte. Keine gute Basis für die Bewältigung der Corona-Krise, wenn sie dies von der DDR in die BRD überträgt!

Man lese nur einmal die gelassenen Ausführungen von Anders Tegnell - ohne das pseudowissenschaftliche Getue unserer Kassandra-Kanzlerin - in der nächsten "Profil"-Ausgabe (österreichisches Nachrichtenmagazin), heute angekündigt auf der Website von "profil". Dort erklärt er unter anderem: "Jedes Land hatte Phasen, in denen alles danebenging und das Virus trotz aller Bemühungen außer Kontrolle geriet." Von unseren über allem Zweifel erhabenen Corona-Chefstrategen ist nichts Vergleichbares zu hören/zu lesen.

04.03.21 Nach der gestrigen Corona-Runde geht, wie zu erwarten war, der Inzidenz-Wahn weiter. Muss ich künftig vor dem Museumsbesuch schauen, wie die Inzidenz gerade steht? Und welche Inzidenz - die meines Wohnortes oder die Inzidenz des Museumsstandortes? "Difficile est saturam non scribere." Dabei ist der Hintergrund ganz nachvollziehbar: Rechtsfestigkeit. Verwaltungsgerichte brauchen die Inzidenz als Anker, um eine Maßnahme als "verhältnismäßig" einzustufen. Und dabei wird die Inzidenz umso willkürlicher, je enger ihr Erfassungsbereich gezogen wird. Welche Gruppen werden getesten, in welchem Umfang? Nicht infizierte Kinder im Homeschooling zu testen senkt die Inzidenz. Gruppen mit hoher sozialer Aktivität und geringem Ansteckungsbewußtsein zu testen lässt die Inzidenz steigen. Weniger zu testen lässt die Inzidenz sinken, mehr lässt sie steigen. Nur als Durchschnitt über ein möglichst großes Gebiet ist die Inzidenz einigermaßen zuverlässig - aber damit auch nicht geeignet zur Beurteilung der Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen in einem Segment.

Einzelhandel und Gastronomie bluten weiter (wie die Herzen von Merkel und Kretschmann). Und die Schulen bleiben zu! Aus der schwedischen Erfahrung möchte niemand lernen. Schweden ist der Corona-Belzebub. Was die machen ist per se falsch, so die Medienwirklichkeit in Deutschland. Die schwedischen Zahlen sprechen eine andere Sprache im europäischen Vergleich. Was ist das Problem in Deutschland mit den Schulen? Dass nicht ausreichend gesichert ist, dass kranke Kinder nicht von ihren Eltern in die Schule geschickt werden? Dass die Lehrerschaft sich vor Ansteckung fürchtet? Dass Merkel keine Kinder hat? Drosten hat ein Kind und befürwortet die Schulschließung "als Wissenschaftler". Dabei argumentiert er (am 8. Januar 2021 auf Twitter) z.B. mit einer Untersuchung aus Großbritannien, die vor allem eines zeigt, dass nämlich in den Weihnachtsferien die Ansteckung steigt. Seltsamerweise behauptet er genau das Gegenteil von dem, was seine (bzw. die britischen) Zahlen zeigen. Dass die Altersgruppe 35-49 einen ähnlichen Kurvenverlauf erzeugt wie die Kinder erklärt er vielsagend mit der Elternschaft (also angesteckt von den Schulkindern - die sich allerdings vor allem in den Weihnachtsferien anstecken ...), nicht z.B. mit der beruflichen oder privaten Aktivität dieser Altersgruppe.

Drosten
              Twitter 08.01.21

Die DM-Drogeriemarkt-Kette bietet zusammen mit dem Land Baden-Württemberg Schnelltests vor seinen Filialen an. BaWüs Sozialminister "Manne" (für "Manfred") Lucha war vor Ort beim Startschuss mit dabei und gab folgenden bemerkenswerten Kommentar ab (ich hörte den Originalton heute im Radio): Nun wissen die Leute, wenn ich positiv bin, bin ich vielleicht infiziert, und sie können sich zurückhalten. - Wie bitte? Der BaWü Sozialminister, zuständig für die Corona-Maßnahmen, macht BaWü zu einem der strengsten Corona-Bundesländer und klopft dann den positiv Getesteten freundschaftlich-sozialintegrativ auf die Schulter im Tenor: Also pass mal auf, du solltest heut besser kein Bier mit deinen Kumpeln im Wohnzimmer trinken! Oh Manne!

05.03.21 Israel hat früh und massiv mit Impfungen durchgestartet und ist jetzt zu 39,5 % vollständig geimpft - die 7-Tages-Inzidenz liegt dennoch aktuell bei hohen 297,2. Zum Vergleich: Schweden aktuell 269,1 - Frankreich 222 - Österreich 167,9 - Deutschland 69.

Die Tagesschau thematisiert den Mangel an qualitativen, soziologischen Analysen zum Corona-Geschehen in Deutschland (https://www.tagesschau.de/investigativ/panorama/corona-soziale-faktoren-101.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE). Und hat Recht. Wir hören immer nur Zahlen. Zu Infektionswegen und -herden, zu sozialen Bezügen hören wir nur in Einzelfällen, hier eine Party, da eine Schule - ohne Hintergründe, ohne repräsentative Einordnung, ohne brauchbare Schlussfolgerungen oder zumindest Arbeitshypothesen, an denen dann gearbeitet würde. Seit einem Jahr gehen auch die "Argumente" zum Infektionsrisiko durch Kinder aneinander vorbei. Die einen zitieren Fälle, wo ein infiziertes Kind niemanden angesteckt habe, die anderen zitieren Untersuchungen, wonach auch Kinder Corona-Viren im Mund und in der Nase haben. Ein Trauerspiel! Interessen-, eitelkeiten-, ängste- und machtspielgesteuerte Argumenteselektion dominiert den öffentlichen Diskurs.

12.03.21 Landtagswahl in Baden-Württemberg am Wochenende. Und die arme Frau Eisenmann, Gegenkandidatin zu Kretschmann, muss sich erneut verteidigen für ihre Position zum Jahresbeginn, Schulen unabhängig von Inzidenzen zu öffnen. Da ist mal jemand vernünftig und rennt nicht dem pauschalen Inzidenz-Diktat hinterher - und kriegt anhaltend Prügel, wenns passt. Die Corona-Politik ihres Amtes war gewiß fehlerhaft, aber die Rahmenbedingungen sind auch sehr schwierig und die Interessenlagen extrem divergierend. Es gab Lehrer, die fürchteten um ihr Leben wegen der Ansteckungsgefahr und andere wollten lieber real als online unterrichten. Es gab Eltern, die Sorgen hatten, dass ihre Kinder aus der Schule Corona nach Hause bringen und andere, die sich vom Homeschooling überfordert fühlten oder sahen, dass die Isolation ihren Kindern nicht guttut, die wollten die Schulen offen haben. Und die in den Medien Zitierten fuhren gerne die vollen Geschütze auf: Leichenberge durch Öffnung, Psychopathien-Wellen durch Schließung. Und die Regierung sowie das RKI haben sich dabei nicht mit Ruhm bekleckert, haben die Konfrontationen angeheizt, haben immer mit den roten Tüchern gewedelt, Kassandra-Rufe ausgestoßen und tun das weiterhin.

17.03.21 Hauptproblem vieler scheint gerade der Osterurlaub auf Mallorca zu sein - in der ersten Welle war es die Bundesliga. Während Bildung, Kultur, Einzelhandel und Gastgewerbe darben! Inzidenz Estland 757, Inzidenz Tschechien 721, Inzidenz Schweden 283, Inzidenz Frankreich 261, Inzidenz Niederlande 225, Inzidenz Israel 167, Inzidenz Schweiz 103, Inzidenz Deutschland 91. Die Welt geht aber nur in Deutschland unter. Was ist mit einem Gesundheitswesen los, das bei 10% Belastung der Intensivstationen durch eine Epidemie an den Rand der Katastrophe geführt wird - wenn man den Warnrufen glauben darf.

19.03.21 Die große Koaliton aus Spahn und Lauterbach sieht die Lockerungsstrategie zum Lockdown kritisch. Welche Strategie? Durch die Lebensmittelgeschäfte schieben sich täglich die Menschen, in Nagelstudiuos (ganz erheblich relevant ...) hocken Reihen von Feilern und Reihen von Befeilten beisammen (ok, mit Maske) und Osterflüge nach Mallorca gehören zum Grundbedarf - während für Museen (bekannte Horte der Infektion - Achtung, Ironie ...) auch mit Maske nur knapp kontingentierte Zeitkarten ausgegeben werden.

20.03.21 Merkel, Spahn und Wieler hocken in der Inzidenz-Falle. Und wir hocken mit ihnen! Die einzige Hoffung: Der Corona-Rückgang mit steigenden Temperaturen. Oder Inzidenz-Umgehungen, die logistisch kaum zu stemmen sind - z.B. permanentes Testen mit unzuverlässigen Schnelltests, denen schon wieder mal die Stäbchen für den Mundabstrich ausgegangen sind? Die Schnelltests für Besucher im Heim meiner Mutter haben bislang allerdings in zwei Monaten nur einen Falschpositiv-Test erbracht (Kompliment nebenbei an das DRK für den enormen Einsatz!), das einzige positive Ergebnis nebenbei. Von einem anderen Schnelltest (Ettlinger Gemeinderat) habe ich desaströse Falschergebnisse (30%) gehört.

Bislang vorgebrachte Argumente zur 50er Inzidenz: Darüber können die Gesundheitsämter nicht mehr die Infektionen zurückverfolgen. Darüber steigen die Infiziertenzahlen exponentiell. Darüber sind die Intensivstationen überlastet.

23.03.21 Eine gut ausgewogene, sachliche Darstellung der Corona-Situation und Corona-Maßnahmen in Schweden im Vergleich mit Deutschland liefert das Online-Magazin zur Sendung "Quarks" des WDR von Annika Franck - leider kommt es beim Vergleich der Todesfallzahlen in der ersten Welle zu einem Darstellungsfehler.

24.03.21 Die Deutschen seien Pandemie-müde, lese ich. Ich bin auch müde. Bin es leid, unsere Corona-Politik in den Händen von Spahn und Lauterbach kollabieren zu sehen. Bin es müde mich mit dem Kontrollwahn und dem Inzidenz-Wahn zu beschäftigen und Schweden rechtfertigen zu müssen gegen die Ignoranz von "die haben ihre Alten geopfert". Müde, für blöde verkauft zu werden mit Inzidenzangaben ohne irgendeine Relation, Relation zur Zahl der Tests und der Gruppen der Getesteten, Relation zu Fällen mit schwerem Verlauf. Wer vor zwei Monaten Korruption, Vetternwirtschaft und Bereicherung hinter manchen Corona-Maßnahmen vermutet hat, wurde des Verschwörungswahns bezichtet. Glaubt aber nun jemand, dass nur ein paar Hinterbänkler aus CDU/CSU die Hände offen gehalten haben und Nachrichten und Maßnahmen nach ihren Interessen lancierten?

Unermüdlich argumentiert und wettert weiter, gewiss ohne Profitabsicht, gegen Corona-Einseitigkeiten, das Magazin "NachDenkSeiten" von Albrecht Müller. Zuletzt am 23. März 2021 zu den Belegungszahlen in deutschen Kliniken 2020: https://www.nachdenkseiten.de/?p=70975. Unter dem Suchwort "Corona" findet sich auch sonst einiges an kritischen Fakten zum Corona-Diskurs, die Schlussfolgerungen kann ich nicht immer teilen. Auch bei Wolfgang Wodag finden sich unter der Empörung viele brauchbare Fakten, etwa zur Berechnung der Effizienz von Impfungen https://www.wodarg.com/ - wobei sowohl die offiziellen Erfolgsangaben als auch die Schlussfolgerungen Wodargs richtig sind, nur entsprechend gewertet/in Relation gesetzt werden müssen. Geschützt sind 95%, aber nur 1% davon kam im Untersuchungszeitraum in das Risiko einer Infektion (grobe Zahlen jetzt, nur im Kontext zu lesen). Lesenswert auch seine Fakten aus Italien - auch mich hat damals zu Beginn der "ersten Welle" Bergamo tief erschüttert - bis ich Genaueres zur Luftverschmutzung und zu Atemwegserkrankungen dort vor Corana erfuhr (was die Erschütterung nicht aufhob, nur anders begründete).

25.02.21 Lange schien mir die Corona-Maßnahmen-Erfahrung wie eine kollektive Einübung in bedingungslosen Gehorsam (bei widersprüchlichen und oft sinnlosen Vorschriften). Unterschätzt werden sollte aber auch nicht die Einübung in Selbstverwaltung. Die Maskenbeschaffung lief auf seltsamen Pfaden, wie jetzt auch die Geschichte mit den Masken von Spahns Ehepartner zeigt (wenn ich die mal freundlich nicht als korruptionsverdächtig, sondern als lösungsorientiert lese). Da wurde improvisiert und bei allem offenkundigen Dilettantismus und Verwaltungsversagen auch viel geleistet. Beim Testen war noch mehr Selbstverwaltung gefordert. Die Pflegeheime in Baden-Württemberg mussten nach einem entsprechenden Erlass des Sozialministeriums selber schauen, wie sie die Testungen ihrer Besucher organisieren. Die Schulen organisieren den Unterricht selbsttätig nach individuellen Modellen/Lösungen. Und nun das Testen in den Schulen: Die einen verteilen Schnelltests für zuhause an die Schüler, die anderen lassen zweimal die Woche in der Turnhalle testen und was der Wege sonst noch sind. Das sind wichtige Lernprozesse und solidarische Erfahrungen - die von einigen korrupten und/oder profilierungsgeilen Ärschen nicht kaputt gemacht werden dürfen!

7-Tage-Inzidenzen heute: Estland 746, Polen 412, Schweden 320, Frankreich 306, Italien 249, Österreich 248, Schweiz 126, Deutschland 115, USA 113, Belarus 89, Irland 78, GB 58, Russland 44, Portugal 32, Island 10.

Das Corona-Tagebuch ist entstanden als "Ableger" meines Olivenhain-Tagebuchs. Das geschah aus pragmatischen Überlegungen, nicht weil ich einen inhaltlichen Bezug zwischen den beiden Themen unterstelle. Inzwischen sind mir allerdings mehrmals interessante Analogien zwischen den beiden so unterschiedlichen Themenfeldern aufgefallen. Über Jahre habe ich mich mit dem Frostschutz im Olivenhain beschäftigen müssen, da gleich nach der Pflanzung 2008 eine Serie strenger Winter kam. Da machte ich eine Erfahrung, die unsere Gesellschaft gerade zu lähmen droht: der Zusammenhang zwischen Schutzmaßnahmen und Erfolg versus Mißerfolg ist komplex vermittelt und nur annäherungsweise zu prognostizieren. Und eine Unachtsamkeit zum falschen Zeitpunkt kann die Anstrengungen einer langen Zeit zunichte machen. Was ich in den Wintern 2008/09 bis 2010/11 an den Oliven hatte retten/bewahren können, ging zunichte im Frostfebruar 2012. Vielfach habe ich mit meinen Frostschutzmaßnahmen andere Schäden bewirkt, etwa durch Einhüllungen mit gärtnerischer Noppenfolie, die zwar gegen Frost schützte, aber auch zu Hitzestaus bei Sonneneinstrahlung tagsüber und zu Pilzerkrankungen durch Kondensat führte. Gelernt habe ich, dass mehrfaches Ein- und Auspacken im Winter schädlicher ist, als leichtere Frostphasen auch mal ohne Einhüllung durchzustehen. "Jojo" ist beim Frostschutz von Oliven so wenig zielführend wie bei Corona. Verblüffend sind für mich auch die Analogien zwischen den Reaktionen auf den Ausbruch der Xylella-Epidemie in Apulien und den Reaktionen auf Corona. Da gibt es Stoff für viele soziologische, politologische, kommunikations- und medientheoretische, psychologische Untersuchungen!

Ich möchte mit diesen Beispielen keinem naturalistischen Fehlschluss das Wort reden. Die Corona-Pandemie und ihre Bewältigung sind eben gerade keine blanken Naturprozesse (als die das Krisenmanagement der Bundesregierung sie überwiegend behandelt), sondern nur angemessen zu verstehen und zu leisten, wenn soziale, kulturelle, politische und psychologische Dimensionen mit berücksichtigt werden.

27.03.21 Indonesien, China und Russland haben zuerst die potentiellen Verbreiter und Superspreader geimpft, Deutschland zuerst die Gruppen mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf. Die Ersteren haben utilitaristisch-pragmatisch geimpft, Deutschland moralisch. Hat das Moralische genutzt? In Heimen kam es weiterhin zu Ausbrüchen, allerdings ohne schwere Verläufe. Aber wieviele schwere Verläufe haben die, die in den Heimen die Ansteckungen starteten, außerhalb der Heime verursacht? Wie soll die Impfung die Ausbreitung stoppen, wenn diejenigen zuerst geimpft werden, die gar nicht an der Ausbreitung beteiligt sind/sein können?

Aber auch unabhängig davon zeichnet sich ab, dass die Impfung die hohen Erwartungen des Beginns nicht erfüllen kann. Es wird so keine Rückkehr zur Normalität geben. Denn erstens werden 5-25% gar nicht geschützt durch die Impfung, zweitens schützt die Impfung möglicherweise weniger als eine überstandene Infektion, drittens ist davon auszugehen, dass auch Geimpfte das Virus weiterverbreiten können, und viertens könnte (was allerdings sehr spekulativ ist) der Impfdruck die Mutationsrate des Virus erhöhen. Viele Fragezeichen.

07.04.21 Die Corona-Kosmetik geht weiter. Merkel möchte Kurz-Lockdown für alle. Vorteil: Nach dem Osterhoch dürfte es runtergehen, der Kurzlockdown könnte eine Abwärtsbewegung erwischen und wäre dann ein "Beweis" für die Wirksamkeit radikaler Lockdowns. Falls es nicht klappt, auch nicht schlimm, dann muss eben verlängert werden.

Nachfolgend eine aktuelle Gegenüberstellung der Infektionsnachweiskurven und der Todesfälle Deutschland-Schweden nach den Graphiken der Johns Hopkins University. Eine Gegenüberstellung der genaueren Angaben von RKI und Folkhälsomyndigheten ist leider nicht möglich, da das RKI die Todesfälle nicht in einer Graphik erfasst, wie das Folkhälsomyndigheten seit Beginn (und nebenbei auch die Belegung der Intensivstationen mit Corona-Patienten).



Infektionskurve Corona Deutschland bis 07. April
              2021  Todesfälle Corona Deutschland bis 07. April 2021

Infektionen Deutschland Stand 07.04.2021          Todesfälle Deutschland Stand 07.04.2021




Infektionskurve Schweden Stand 07. April 2021  Schweden Todesfälle Corona Stand 07. April 2021

Infektionen Schweden Stand 07.04.2021            Todesfälle Schweden Stand 07.04.2021



Schweden Infektionen Folkhälsomyndigheten 07. April
              2021  Schweden Todesfälle Folhälsomyndigheten 07. April
              2021

Infektionen Schweden Stand 07.04.2021          Todesfälle Schweden Stand 07.04.2021



Bei den Grafiken zu Schweden nach JHU muss berücksichtigt werden, dass hier oft mehrere Tage in einer Säule zusammengefügt wurden. Die Grafiken des schwedischen Gesundheitsamtes zeigen den optisch angemesseneren Kurvenverlauf. Berücksichtigt werden müssen auch die unterschiedlich gradierten Koordinatensysteme. Die Johns Hopkins University gradiert die Todesfalllinie für Deutschland in 200er Schritten, die für Schweden in 50er Schritten. Das Folkhälsomyndigheten gradiert die Todesfalllinie in 10er Schritten.

Die Kurve der Todesfälle in Deutschland erinnert an die Kurve von St. Louis bei der Spanischen Grippe - die schon in der ersten Welle dazu dienen sollte, den Lockdown zu begründen. Es kam damals wie heute weniger zu einer Vemeidung der Todesfälle, als zu einer Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt. Der Vergleich Philadelphia-St. Louis hat im ernsthaften Diskurs auch nie die Rolle gespielt, die der populäre Diskurs im zuwies, zu zeigen nämlich, dass in Philadelphia anteilmäßig sehr viele, in St. Louis sehr wenige starben. Diese Auffassung konnte nur gewinnen, wer lediglich die linke Hälfte der Todesfallzahlenkurve (bis zum Schnitt) wahrnahm. Eine Feinanalyse müsste dazu auch die höhere Siedlungsdichte in Philadelphia und andere Faktoren einbeziehen:

Spanische Grippe 1918


Die Kurve von Philadelphia erinnert an die Kurven in Irland und in Portugal zur Jahreswende bzw. Januar/Februar mit abrupten Anstiegen und ebenso abruptem Abfall. Anstieg wie Fall zeigen den Verlauf des Philadelphia-Musters, das wir auch aus Naturprozessen wie etwa der Räuber-Beute-Beziehung kennen. Eine schlichte 1:1-Übertragung verbietet sich aus mehreren Gründen, es ist allerdings sicherlich verkürzt, den Abfall lediglich durch strikte Lockdownmaßnahmen zu erklären, wie häufig geschieht.

Gründonnerstag - keine Kondensstreifen, der Himmel so weit. Karfreitag - gekreuzigt im Motorradlärm.

08.04.21 In Berlin wird schon von den "Freiheiten" durch die Impfung geschwärmt. Wann wird die erste Schlagzeile kommen, die da lautet "Corona-Ausbruch nach Geimpften-Party"?

11.04.21 Erleben wir aktuell wirklich die dritte Welle oder ist das nun erst die zweite Welle analog zum Ausbruch März/April 2020 - während der Anstieg von Oktober 2020ff lediglich die "St.Louis-Nachwelle" des ersten Ausbruchs war? Werden wir bald zu einer korrekten Analyse kommen? Ist das medizinisch-epidemiologisch möglich und politisch gewünscht?

12.04.21 Sie sind auf einer Dienstreise an der Nordsee? Sie würden gerne einen Tagesausflug auf eine der Inseln machen? Natürlich mit Test, anders kommen Sie ohnedies nicht "auf die Insel", auch nicht dienstlich. Doch der Ausflug geht nur mit moralischen Bauchschmerzen. Denn § 1 Satz 4 der niedersächsischen Coronaverordnung besagt: "Jede Person soll zudem private Reisen einschließlich tagestouristischer Ausflüge sowie private Besuche vermeiden." Da hilft nur impfen lassen, dann bekommen Sie vielleicht bald die "Green Card". Das RKI verkündete am 04.04.21: "Aus Public Health-Sicht erscheint das Risiko einer Virusübertragung durch Impfung nach gegenwärtigem Kenntnisstand in dem Maß reduziert, dass Geimpfte bei der Epidemiologie der Erkrankung wahrscheinlich keine wesentliche Rolle mehr spielen." Daraus wurden in den vergangenen Tagen mutige Schlussfolgerungen gezogen. Dabei bleibt die sehr bemühte Stellungnahme des RKI deutlich in der Schwebe mit "erscheint" und "wahrscheinlich".

Erinnern wir uns, Kinder erschienen (nach der Korrektur der anfänglichen Grippe-Analogie) im vergangenen Jahr als unwesentlich beim Verbreitungsgeschehen, da sie selbst kaum stärkere Symptome entwickeln. Je nach politischem Kalkül, Stand des Impf- und Testgeschehens, individuellen Prophezeihungen und aktuellen oder zitierten Untersuchungen wurde dies mal so mal so ausgelegt. Das "scheint" sich jetzt zu wiederholen. Was mein Verständnis für die anvisierten Impflings-Freiheiten gänzlich gegen Null schrumpfen lässt, ist die Situation in Pflegeheimen. Im Heim meiner Mutter sind alle Bewohner vollständig geimpft. Besucher müssen dennoch einen Test absolvieren und dürfen nur mit Maske rein - und die Aufenthaltsräume sind tabu, sitzt meine Mutter dort, wird sie in ihr Zimmer gebracht. Ich verstehe, es geht um eine Hochrisiko-Gruppe. Aber sind die jetzt außerhalb von Pflegeheimen Geimpften nicht auch überwiegend Mitglieder von Risikogruppen (sonst wären die meisten von ihnen noch nicht geimpft)? Und sie sollen alles dürfen? Nein, das kann niemand ernsthaft glauben. Es ist der Köder, um die Impfbereitschaft zu heben. "Nudging" nennt man das. Man könnte auch sagen: Nasenring fürs Volk.

Aber nochmal zurück in den Norden: Sollten Sie doch, mit Bauchschmerzen, auf die Insel fahren, vergessen sie nicht, die Gästekarte zu lösen. Die gibt es weiterhin. Auf der Fahrt nach Norderney ist sie im Tagesticket für die Fähre enthalten.

Die Bundeskanzlerin möchte einen Brücken-Lockdown (Laschets Erfindung?) bis zu einem höheren Impfanteil. Wie hoch? Und wie wahrscheinlich sind die Prognosen? Erinnern wir uns - sofern uns Corona noch nicht die Erinnerung aufgefressen hat: Der erste Lockdown, Frühjahr 2020, sollte auch schon eine Brücke schlagen - bis zur Ertüchtigung des Gesundheitssystems. Dann kam die Brücke bis zur Impfstoffzulassung 2020. Viele Corona-"Brücken" hat es schon gegeben. Noch jede stürzte leise ein.

Leben im Vorbehalt, Leben im Als-ob, Leben mit angezogener Handbremse, Leben im Double-bind, Einschränkungen ohne objektive und repräsentative Daten und Analysen, Einschränkungen im permanenten Wechselspiel von Verbot und Nudging. Welcher Geist wird da gerade eingeübt? Anpassung und explosiver Protest. Kritisches Selbstdenken gerät in die Defensive zwischen "Querdenken" und Denkverzicht.

15.04.21 Der ganz normale Schnelltestwahnsinn I: Die Wahrscheinlichkeit, ein falsch positives Ergebnis zu bekommen, ist bei Symptomfreiheit und Einhaltung der üblichen Regeln höher als die Wahrscheinlichkeit infiziert zu sein. Und dann wird unter ungünstigen Umständen (es kann z.B. nicht umgehend ein Kontrolltest durchgeführt und ausgewertet werden) gleich die ganze Kaskade von Quarantäne und Kontakterfassung losgetreten. Hier wäre ein klares vereinfachtes Verfahren hilfreich: Wer bei Schnelltest positiv getestet wird, erhält sofort einen weiteren Kontrollschnelltest. Ist dieser gleichfalls positiv, wird ein Labor-Test angeordnet und die Person muss sich in häusliche Quarantäne begeben bis zur Vorlage des Labor-Ergebnisses. Erst wenn dieses auch positiv ist, wird das Gesundheitsamt informiert und die Kontaktpersonenverfolgung eingeleitet. Manche machen das auch so, andere anders ... Wer nun meint, das könne dann schon zu spät sein, ignoriert die Realität der Kontaktpersonenverfolgung, die an fehlenden Abwägungen erstickt und an Vermeidungsstrategien scheitert.

Der ganz normale Schnelltestwahnsinn II: Eltern schicken ihren Sohn in Berlin trotz positivem Schnelltest zuhause (Selbsttest) in die Schule. Als es rauskommt, geht die ganze Schule samt zugehörigen Familien in die Quarantäne. Wie lösen die Schweden sowas? Wer fragt mal nach? Die chinesische Antwort ist bekannt: Eltern ins Gefängnis. Ist die deutsche Antwort tauglicher: alle anderen - für kürzere Zeit und nur im übertragenen Sinne - ins "Gefängnis"? Beide Antworten taugen nichts! Ist es angesichts der Quarantäne-Drohungen (die so wenig verlässlich abschätzbar sind wie vieles an den Maßnahmen) nicht nachvollziehbar (ich spreche nicht von entschuldbar), wenn Einzelne ihre Testergebnisse ignorieren? Ein Grundschulkind hat seinen mit mir befreundeten Eltern erklärt: Ich lasse mich nicht in der Schule testen! Wenn ich positiv bin, muss ich mich vor der ganzen Klasse schämen!

21.04.21 Zum Vergleich die Inzidenz-Kurven aus Irland, Portugal, Israel und Deutschland. Zu beachten ist die unterschiedliche Skalierung, in Irland und Portugal geht es bis über 800, in Israel bis über 600, in Deutschland nur bis über 200. Außerdem ist die Kurve aus Deutschland versetzt, sie beginnt bereits am 01. Januar 2020, die anderen beginnen erst am 01. März 2020:

Inzidenzkurve Irland April 2021
Inzidenzkurve Portugal April 2021

Inzidenzkurve Israel April 2021

Inzidenzkurve Deutschland April 2021


22.04.21 Merkel, Laschet und Söder stehen hinter dem Konzept des "Brücken-Lockdowns". Nur Baerbock hält sich zurück, sie bemängelte bislang vor allem die Vernachlässigung der Kinderinteressen bei den Corona-Maßnahmen. Grundsätzlich befürworten die Grünen einen Bundes-Lockdown, es äußert sich aber vor allem Habeck, den Begriff "Brücken-Lockdown" vermeidet er. Den Grünen geht es um eine bundesweite Regelung, sie kritisieren schon lange das Steuerungsmittel der Ministerpräsidentenkonferenz. Allerdings vertreten sie auch einen kurzen, harten Lockdown, so etwa Julia Willie, Fraktionsvorsitzende in Niedersachsen.

Im ZEIT-Magazin "Wissen", Heft 3/21, wird auf "Soziale Distanzierung" als Reaktion auf Krankheiten bei Tieren aufmerksam gemacht. Allerdings hat der Begriff hier wenig mit dem zu tun, was er im Corona-Kontext bedeutet. Kranke Tiere ziehen sich zurück, reduzieren Kontakte oder werden von der Gruppe ausgeschlossen. Das entspricht eher dem Konzept der Quarantäne.

"Schwächste Grippe-Saison seit Jahrzehnten" - rechnet jetzt jemand aus, wieviele der Corona-Toten Grippe-Tote gewesen wären? Corona-Zeit: Zeit der Konjunktive ... Wieviele Senioren konnten nicht nach draußen, weil es keine rasch erreichbaren Toiletten mehr gibt? Wieviele Menschen haben sich erkältet, weil sie vom Regen überrascht keine Zuflucht finden konnten? "Sich auf das Wesentliche besinnen" - was soll das heißen? In der Stadt in die Straßenecke pinkeln? Sich mit nasser Kleidung eine Erkältung holen (keine Grippe, s.o.) und dann schräg angeschaut werden wegen Corona-Verdachtes? Der wesentliche Himmel: Ohne Kondensstreifen, das immerhin ist gut! Was sonst "sich auf das Wesentliche besinnen" für viele heißt, hört man am Motorradverkehr: so viel wie noch nie, die kleine Freiheit auf Kosten der Streckenanwohner wird erbarmungslos ausgereizt, mit "freiheitsliebendem" Fahrstil, laut, auftrumpfend, schnell, jede Sonnenstunde nutzend.

Und ganz überraschend stellen nun viele Medien und auch Politiker fest, dass Joggen nach 20, 21 oder 22 Uhr das Infektionsgeschehen nicht anfeuere. Schon erstaunlich, wie lange Lernprozesse im Corona-Kontext dauern. Auch wurde in Deutschland jetzt erst festgestellt, dass die Angabe der Einweisungen auf Intensivstation relevanter seien als Inzidenz-Zahlen. Der Tagesspiegel titelte gestern, am 21. April: "Epidemiologen fordern Neuaufnahmen auf Intensivstationen als neuen Inzidenzwert". Schweden, vom Tagesspiegel im vergangenen Jahr regelmäßig kritisiert, veröffentlicht die Einweisungen auf Intensivstationen in seinen Corona-Statistiken seit Anbeginn, seit mehr als einem Jahr!

28.04.21 Laut euronews rechnet Ugur Sahin im August mit der Herdenimmunität in Europa.

29.04.21 Tagesschau-Schlagzeile: "Forscher rechnen mit Inzidenz unter 50" - wie sagt "der Schwabe" doch so schön: "Herr, schmeiß Hirn rah!" - und verschone uns vor dem täglichen Börsenbericht.

30.04.21 Die 7-Tages-Inzidenz in Indien liegt heute bei 181,1 - und dennoch hören wir seit einer Woche Horrormeldungen aus Indien. Infektionsrate in Indien 1,4, bei uns 4,1 - was ist da los, was stimmt, wie passt das zusammen? Frankreich hat heute eine Inzidenz von 269,8 und Deutschland eine von 153,4. Am 23.04. versuchte sich die Tagesschau bereits an einer Erklärung und meinte, der bloße Zahlenvergleich täusche. Angeführt wurde als Begründung der schwierigen Situation unter anderem, dass Indien nur ein Viertel der Intensivbetten im Vergleich mit Deutschland habe. Das gilt aber auch für Schweden.

02.05.21 Die doch eigentlich seriöse NZZ titelt am 28.04. "Indien schien auf dem Weg zur Herdenimmunität zu sein, nun ist das Land das Corona-Epizentrum der Welt. Was ist passiert?". Beide Behauptungen klingen falsch. Auf dem Weg zur Herdenimmunität mit einer (laut "corona-in-zahlen.de") Infektionsrate von 1,39% und einer Impfquote von 1,93% (zweite Impfung)?? Corona-Epizentrum der Welt mit einer 7-Tages-Inzidenz von aktuell 159,8?? Die steile These von der Herdenimmunität basiert vor allem auf Untersuchungen in den Slums von Mumbai. Die These vom "Corona-Epizentrum" darauf, dass 1/3 der Neuinfektionen weltweit am 27. April aus Indien gemeldet wurden. Nun leben in Indien 18,5% der Weltbevölkerung und während in anderen Teilen der Welt die Infektionszahlen nach einem Höhepunkt gerade sinken, steigen sie in Indien nach einem anhaltenden Tiefstand. Wer die Zusammenhänge, Kontexte, Differenzierungen ausblendet (die im Beitrag der NZZ und in ihren Grafiken aber durchaus ausgeführt werden), kann so zu den irreführenden (Blendle macht aus "Indien schien auf dem Weg zur Herdenimmunität" ein "Indien war auf dem Weg zur Herdenimmunität") und doch "irgendwie" richtigen Behauptungen der Überschrift kommen. Da ist schon wohltuend sachlich und informativ, was Drosten im NDR-Podcast am 28.04. zu Indien sagt.

Melanie Amann vom Spiegel erkennt in einem Leitartikel in einem "Impfneid" der Deutschen ein typisch deutsches Verhalten, man missgönne den Geimpften Freiheitsrechte! Ich kenne niemanden mit Impfneid. Ich kenne allerdings Leute, die klug genug sind zu erkennen, dass ein Geimpfter in Feierlaune riskanter ist für das Infektionsgeschehen als ein besonnener ungeimpfter Mensch. Und typisch deutsch ist wohl eher das "Typisch deutsch"-Gerede.

Ich finde einen informierten Beitrag in der "Welt" online, Gesundheit, von Alice Lanzke, zum Einfluß von Luftverschmutzung/Feinstaubbelastung auf das Risiko, einen schweren Verlauf von Covid-19 durchzumachen. Nach Untersuchungen einer internationalen Forschergruppe unter Beteiligung von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz könnten 26% der Corona-Todesfälle in Deutschland auf Belastungen mit Feinstaub zurückführbar sein. Die extreme Krisensituation in Bergamo zu Beginn der Pandemie ist eindeutig - und das ist schon länger bekannt - auch auf die dortige Luftverschmutzung zurückzuführen im "Industrie-Dreieck" Bergamo-Lodi-Cremona. In Europa liegen die Nachbarn Brescia und Bergamo an der Spitze der Liste von Städten mit den höchsten Todesfallzahlen durch Feinstaubbelastung - vor Corona!

03.05.21 Es ist nun häufig zu hören, Corona treibe die Digitalisierung der Gesellschaft voran. Dabei sollte aber auch bedacht werden, wie riskant es sowohl psychologisch als auch ganz pragmatisch ist, wenn eine Gesellschaft am Tropf der IT hängt. Es gibt noch ein Leben jenseits der Cloud - nicht vergessen ... Und es sollte auch ein Leben trotz Stromausfall und ohne ständigen Internetzugang möglich sein! Wir steuern allerdings auf eine andere Situation zu. Die Lehre von der Verwundbarkeit unserer hochkomplexen Gesellschaft wird ignoriert, Resilienz in die IT verlagert. Überdies darf an der Digitalisierung dank Corona gezweifelt werden. Wer Kinder im schulpflichtigen Alter hat, die von schlecht ausgebildeten und nach den falschen Schlüsselqualifikationen (Anpassung statt kreativer Eigenverantwortung z.B.) selektierten Lehrkräften digital gequält werden, wird daran mit guten Gründen zweifeln und sich einen langen Atem zulegen - und selbst aktiv werden, sofern irgend möglich. Eine Studie zu den Materialien und didaktischen Aufbereitungen, die aktuell auf Schüler losgelassen werden, könnte lehrreich sein. Da bekommen Kinder in der Grundstufe Gymnasium als "Lösungen" zu ihren Aufgaben für das Homeschooling das geschickt, was im Lehrerhandbuch als Lernzielformulierungen steht. Nur so zum Beispiel.

Die IPG veröffentlicht heute unter dem Titel "Weiße Flecken auf der Corona-Karte" eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Merkelschen Lockdownprinzip "Viel hilft viel", das mit guten Gründen in Frage gestellt wird, und eine bemerkenswert deutliche Kritik an der oft oberflächlichen, schlagzeilenorientierten, undifferenzierten und uninformierten medialen Berichterstattung zu Corona-Fragen.

27.05.21 Ein bemerkenswerter Satz von Angela Merkel geht heute durch die Medien: Unabhängig vom Impfgeschehen werde eine gesicherte Rückkehr zum Schulunterricht stattfinden. Kann sie auf die letzten Meter ihrer Kanzlerschaft nun entspannt sagen, was sie für richtig hält? Während die Lauterbache der Republik und ihre Kommentatoren sich darin überbieten, die Notwendigkeit einer umfassenden Impfkampagne unter Kindern und Jugendlichen zu beschwören. Und dies, man hat ja gelernt, nicht um die Alten zu schützen, sondern die Jungen, so wird versichert, z.B. von einer Kommentatorin des Deutschlandfunkes. Wo die Impfdosen dazu herkommen sollen, wird nicht erklärt. Drosten und andere Mediziner erklären, es sollten doch erstmal die Eltern geimpft werden, was ich sehr vernünftig finde.

03.06.21 Im Karwendel, ein paar Tage in den Bergen. Das neue Mantra: "Geimpft, Genesen, Getestet". Löst AHA ab. Wortmagie. Und die Bild-Zeitung zerlegt Lauterbach, ganz höflich wird sein salopper Umgang mit der Wahrheit als  "10 Corona-Irrtümer des Viren-Experten" vorgeführt und süffisant aufgearbeitet.

15.06.21 Corona zerfrisst alle Diskurse und Diskursmuster. Was auch geschieht, geschieht trotz oder wegen der hohen oder niedrigen Impfraten, trotz oder wegen gelockerter Maßnahmen, trotz oder wegen bestimmter Verhaltensweisen.

18.06.21 Nun sei bekannt, dass der Sommer eine größere Rolle spiele beim Rückgang der Corona-Infektionen als bislang angenommen. Aha. Dabei lag die Verbindung auf der Hand, zumindest für Deutschland und zahlreiche andere europäische Länder. Aber dann hat jemand gefunden, dass es auch heiße Länder gebe mit hohen Inzidenzen. Und das wurde als Gegenbeweis gehandelt. Die Leidenschaft der falschen Vergleiche gehört zur Corona-Pandemie wie die Atemmasken. So wurden gerne auch Inzidenzen verschiedener Länder miteinander verglichen, die sich gerade in unterschiedlichen Jahreszeiten befanden, Inzidenzen von Ländern mit erheblichen Differenzen in der Bevölkerungszusammensetzung, in den Wirtschaftsgrundlagen, im Gesundheitssystem. Niemandem schien aufzufallen, dass Länder mit niedrigen Inzidenzen oft Inseln waren oder Inselkontinente (Australien). Von den skandinavischen Ländern wurde so gesprochen als redete man über die alten Bundesländer, ignorant gegenüber den erheblichen wirtschaftlichen, gesundheitspolitischen, landschaftlich-klimatischen und populationsstrukturellen Unterschieden im Kunstgebilde Skandinavien.

Aber noch ist der Sommer nicht da und schon wird mit tiefen Sorgenfalten vor der vierten Welle mit der indischen Variante gewarnt. Ja, richtig, im UK grassiert sie. Aber was ist mit Indien, wo die Variante doch herkommt? Da ist die Inzidenz weit unter der im UK. Aber wie gesagt: Vorsicht mit Vergleichen. Nun sollten Maßnahmen für den Herbst geplant und vorbereitet werden. Strukturelle Maßnahmen, die schon längst überfällig sind. Die Ausstattung und Ausbildung (der Lehrer v.a.) für den digitalen Unterricht voranbringen. Luftfilter für die Schulen und Büros. Feinstaub bekämpfen, allgemein Ursachen für schwere Verläufe bekämpfen. Das Gesundheitssystem stärken. Dinge angehen, die strukturell langfristig sinnvoll sind, auch ohne Corona. Statt nur auf Impfquoten zu starren und zu hoffen! Analysen und Bearbeitungen der Ausbreitungswege, sozialer Bedingungen, immunologischer Parameter, datenschutzrechtlicher Rahmenbedingungen für effektive Kontrollapps etc. pp. Es gibt einiges zu tun bis zum Herbst!

23.06.21 Fliegt sie nun endlich, die Eule der Minerva? Im zweiten Corona-Jahr erscheinen zunehmend differenzierte Auseinandersetzungen mit den Hysterien und Profilierungsaktionen des ersten Jahres. Der Kardiologie-Kanal von "Doccheck", betreut durch den Kardiologen Stefan Waller, veröffentlicht heute unter dem Titel "COVID-19: Das wahre Herzeleid" eine lesenswerte Stellungnahme zu den panischen Berichten über dramatische Folgen einer Corona-Infektion für das Herz-Kreislaufsystem. So seien "fulminante Virusmyokarditiden - wie sie bei anderen systemischen Infektionen mitunter vorkommen können - bei SARS-CoV-2-Infektionen eher selten. Insbesondere gebe es kaum Hinweise für einen relevanten direkten Virusbefall der Kardiomyozyten." Auf die Mängel der Studien vom Sommer 2020 sei damals schon hingewiesen worden. "Durchgedrungen ist das damals nicht. Sirenen wie Karl Lauterbach amplifizierten die Ergebnisse der Biomarker-Studien, ohne auch nur einen Versuch der Einordnung zu unternehmen."

Dramatisch sind allerdings die Folgen des Lockdowns für Herzpatienten durch schlechtere Versorgung bzw. Versorgungsinanspruchnahme. Nach einer Studie in Hessen ist die Zahl der Herzkathederuntersuchungen dort im Lockdown um über ein Drittel zurückgegangen, die kardiovaskuläre Mortalität um 8% gestiegen und die Gesamtmortalität der Herzpatienten um 12%. Stephan Baldus, Direktor der Klinik für Innere Medizin an der Universitätsklinik Köln: "Herzpatienten haben in dramatischer Weise ärztliche Hilfe nicht aufgesucht. Die Sterblichkeit dadurch ist höher als das, was Covid selbst verursacht hat."

25.06.21 Israel führt die Maskenpflicht wieder ein wegen steigender Infektionen, vorwiegend durch Variante Delta, auch bei Geimpften - mit bislang noch keinen schweren Verläufen. Wird es in absehbarer Zeit wirklich eine Rückkehr zur Normalität geben? Zu welcher Form von "Normalität"?

28.06.21 Merkel schließt neue Grenzschließungen aus. Lieber einen Totallockdown verordnen gegebenenfalls und die Wunderwaffe Impfung beschwören?? Für "Herdenimmunität" wird inzwischen die Zahl 85% Geimpfter gehandelt. Das bedeutete dann mit den Genesenen 100% BürgerInnen potentiell mit Antikörpern bzw. Antikörperbildungskompetenz. Abzüglich derer, die realiter keine Immunität/Widerständigkeit ausgebildet haben oder diese schon wieder abgebaut, kommen wir dann in die Nähe der früher genannten 65%. Die nicht reichen werden, um "Normalität" bei offenen Grenzen zu erreichen. Die - bis vor kurzem - sehr niedrige Inzidenz in Israel wird auf das Impfregime zurückgeführt. Vergessen werden sollte aber nicht: Seit März 2020 dürfen keine Ausländer mehr nach Israel reisen. Und Großbritannien hat sich die Delta-Variante und den sprunghaften Wiederanstieg der Inzidenz seit Anfang Juni trotz hoher Impfquote primär mit einem politisch begründeten Verzicht auf Einschränkungen für Reisende aus Indien eingehandelt.

Im Übrigen: was heißt Rückkehr zur Normalität? Rückkehr zum ganz normalen Konsumwahn? Zu überbordendem Autoverkehr, überbordendem Flugreiseverkehr und überbordender Oberflächlichkeit? Ein Stück von der Un-Normalität zu bewahren würde uns guttun!

01.07.21 Die STIKO empfiehlt nun, nach einer Erstimpfung mit einem Vektorimpfstoff zur Zweitimpfung einen mRNA-Impfstoff zu nehmen, um der Variante Delta besser zu begegnen.

Reiserückkehrer aus Portugal und Großbritannien sollen nach dem Willen der Bundesregierung in jedem Falle in Quarantäne, auch bei vollständiger Impfung. Soviel zur Normalität nach der Impfung. Drosten hat am 12.05.21 in der ZEIT übrigens das genaue Gegenteil propagiert und keinen Grund für eine Quarantäne bei vollständig geimpften Reiserückkehrern gesehen. Das war allerdings vor dem Anstieg von Delta in Portugal, Großbritannien und Russland und ist, wie viele Aussagen Drostens (etwa zur Sinnlosigkeit von Masken), zügig überholt. Nach meiner Überzeugung wird es auch bei einer 95%igen Impfquote in Deutschland keine Normalität geben, solange Corona nicht allgemein weitgehend erloschen ist. So funktioniert Politik nicht. Es dominiert zumindest in Deutschland das Bundeswehr-Disziplinierungsprinzip: Alle machen Liegestützen, weil einer den Spint nicht aufgeräumt hat. Was manchmal durchaus, funktional-gesellschaftlich eingebunden in das Solidaritätsprinzip, Sinn macht.

06.07.21 Die Inzidenz-Fixierung nimmt groteske Formen an: Die Inzidenz steigt! - von 4,9 auf 5,0. Die Inzidenz sinkt wieder! - von 5,0 auf 4,9. Inzidenz Indien: 19,4. Inzidenz Schweden: 19,6. Inzidenz Israel 26,2. Inzidenz Dänemark 44,4. Inzidenz Großbritannien: 259,1.

Mich beunruhigt, wie selbstverständlich nun von vielen schon wieder, auch in Innenräumen mit mehreren Leuten, auf Masken verzichtet wird. Liegt es daran, dass ich mich an die Maske schon gewöhnt habe? Manchmal ertappe ich mich dabei, im Auto alleine noch die Maske aufzubehalten. Sie stört mich nicht, wenn ich mich nicht sonderlich bewege. Und sie gibt mir im Kontakt mit fremden Menschen mehr Sicherheitsgefühl als die Impfquote. Es ist ja inzwischen hinreichend bekannt, dass selbst Geimpfte das Virus weiterhin verbreiten können. Interessant ist noch die Frage, wieweit der Transport über Geimpfte auch riskante Mutationen erzeugen kann. Bislang gibt es darauf keine Hinweise. Sollte sich das aber zeigen, werden wir um den großangelegten Einsatz von geeigneten Luftfiltern nicht herumkommen. Denn Masken auf Dauer in Innenräumen bei der Arbeit oder in Schulen kann dann niemand vertreten.

08.07.21 Einige Politiker, allen voran Saskia Esken von der SPD und Markus Söder von der CSU, machen Druck auf die STIKO, die Impfung von Jugendlichen und Kindern zu empfehlen. Es wird argumentiert, anders könne keine Normalität in den Schulen einkehren. Soll das ein Witz sein? Wo war die Normalität in den Pflegeheimen, als alle Alten geimpft waren? Wo war die Normalität in den Schulen, als wegen eines positiv getesteten Kindes der Betrieb in einer Schule eingestellt werden konnte? Glauben diese Politiker noch immer an Wunder? Wenn 60% der Kinder geimpft sind und weiter Corona-Fälle in Schulen vorkommen wird es heißen, wir brauchten 80%. Und wenn 80% geimpft sind und es kommen Corona-Fälle vor wird es heißen, wir brauchen 95%. Und so weiter, bis wir bei 200% sind .... Difficile est satiram non scribere .... Impfquote Indien 5,3%; Inzidenz 21. Impfquote Israel 60%, Inzidenz 36. Aber wenn erst mal alle Kinder geimpft sind, machen wir die Schulen wieder so richtig auf!

Interessant auch Formulierungen wie "jetzt infizieren sich auch die Jüngeren", mit der nachgeschobenen Begründung, dass die Älteren ja großteils geimpft seien. Dabei belehren verschiedene Publikationen und Statistiken (etwa die des schwedischen Gesundheitsamtes) schon seit Beginn der Pandemie darüber, dass Infektionen auch Jüngere trafen, mit allerdings weniger drastischen Folgen als bei den Älteren, weshalb darüber weniger berichtet wurde bzw. auch seltener Daten durch Tests erhoben wurden.

10.07.21 Der Videochef von t-online, Martin Trotz, zeigt unter dem Titel "Zoff im TV" nach der Konfrontation Lauterbach-Streeck bei Maybrit Illner zum Thema "Kinder impfen" die Panikmache Karl Lauterbachs auf und stellt dagegen die differenzierten Analysen des Infektiologen Hendrik Streeck. Verdienstvoll! Aber als Experte für Gesundheitspolitik-Marketing hat Lauterbach einfach eine bessere PR-Strategie als die medizinischen Experten.

12.07.21 Die neueste Erkenntnis in der deutschen Corona-Politik lautet, dass nicht nur die Inzidenz, sondern auch die Einweisungen in Kliniken eine relevante Größe für die Beurteilung der Gefährdungslage durch Corona seien. Das schwedische Gesundheitsamt informiert darüber schon seit Beginn der Pandemie, in Deutschland brauchten wir für diese Erkenntnis mehr als ein Jahr!

Die Zahl der Grippetoten ist weltweit drastisch zurückgegangen. Nun kann darüber spekuliert werden, ob dies den Masken und der Kontaktreduktion zuzuschreiben sei und ob die Gefährdeten nun nicht an der Grippe, sondern an Corona gestorben seien. Spekuliert wird (etwa vom US-amerikanischen Grippe-Experten Richard Webby und im Gefolge gerade von Anke Hörster bei DocCheck) auch darüber, ob durch die geringere Verbreitung der Grippe-Viren nun eine geringere Grundimmunität bereit stünde für die kommende Grippe-Saison und daher über vermehrte Grippe-Impfungen nachgedacht werden müsse. Vielleicht also von Januar bis März 2022 unabhängig von Covid besser mit Maske im ÖPNV unterwegs sein ohne Grippe-Impfung? Aber nicht immer, um das Immunsystem zu trainieren?

Über die Gefährdung unseres Mikrobioms durch die überzogene Corona-Hygiene werden inzwischen nachdenkliche Befunde und Prognosen veröffentlicht.

17.07.21 Großbritannien hebt bei einer Inzidenz von 408,5 Beschränkungen wieder auf, in Deutschland zündet bei einer Inzidenz, die Richtung 10 zeigt, schon wieder der Alarm. Aber schauen wir doch hin auf andere Inzidenzen: Schweden 17,3. Indien 19,5. Israel 54,6. Und einer der ehemaligen skandinavischen Musterknaben, Dänemark, liegt bei 111,2. Aufs und Abs, bei denen Momentaufnahmen nichts sagen. Doch ständig wird mit Momentaufnahmen argumentiert. Allerdings geben auch Überblicke und Durchschnittswerte nur diffuse Auskunft. Was sagen die Vergleiche von Todesfall-Zahlen ohne Analyse der Erhebungsmethoden, der Altersstrukturen, der Gruppenzugehörigkeiten, des Gesundheitssystems, der Lebenserwartung nach Gesundung etc. pp.?

19.07.21 Folgt dem schwedischen Pragmatismus nun - reichlich spät - der britische? Oder ist das, was da ab heute umgesetzt wird, nämlich der Wegfall aller obligatorischen Corona-Einschränkungen im Vereinigten Königreich, angesichts einer Inzidenz von 466 trotz einer Impfquote von 63% nur eine verzweifelte Flucht nach vorne, ein Brexit aus der medizinischen Rationalität? Anders als die Impfungen erreicht diese "Maßnahme" vielleicht die Immunisierung derer, die das Infektionsgeschehen vorantreiben. Verantwortlich ist das allerdings bestenfalls nach der erfolgreichen Impfung aller gesundheitlicher Risikogruppen.

26.07.21 Impfen wird immer mehr zum moralischen Gebot, vor allem von Seiten der SPD. Berlins Gesundheitssenatorin Kalayci sieht Impfen als "moralische Selbstverpflichtung". Steckt dahinter die Vorstellung des Anfangs, dass "nicht nur die Reichen" sich das Impfen leisten können sollen? Oder ist es der Glaube an technische Lösungen? Der Glaube an den umfassenden "Sieg" gegen Corona wabert bei CDU und SPD. Und was ist mit Masken, Vorsicht, Testen nach Reisen? Und was ist mit dem Lebensstil? Ist mit einem Pieks die Moral gerettet? Dass die Risikogruppen geimpft wurden, war unabdingbar. Aber der Druck jetzt z.B. auf die Schulkinder ist besorgniserregend im Blick auf die politische und die medizinische Kultur. Das Argument der "Herdenimmunität", die anders als mit X (hier folgen wechselnde Prozentangaben, die nur eine Richtung kennen: immer höher) Prozent Impfquote nicht erreicht werden könne, ist längst unglaubwürdig geworden. Bisherige Studien zu Durchbruchinfektionen sind wenig ermutigend, nicht definitiv bekannt ist die Wirkungsdauer der Impfungen und die Intensität der Übertragung durch Geimpfte. Und es gibt keine belastbare positive Beziehung zwischen Impfquote und Inzidenz und auch die zwischen Impfquote und Sterblichkeit nach Infektion ist nur wacklig beleg. Gelegentlich werden amerikanische Staaten wie Mississippi und Arizona genannt, bei denen niedrige Impfquote mit hoher Hospitalisierungs- und Todesfallquote korreliert seien - was wenig relevant ist, da der Anteil von Corona-Leugnern mit entsprechenden Verhaltensweisen in diesen Bundesstaaten auch sehr hoch ist.

30.07.21 Im Vereinigten Königreich sinkt die Inzidenz seit dem "Day of Freedom" massiv. Und die Erklärungsversuche - bis hin zum Betrugsverdacht - sind dürftig. Es gibt eben viele Parameter, die berücksichtigt werden müss(t)en.

04.08.21 Bei Bioscientia in Karlsruhe lasse ich meinen Antikörperstatus zu Covid untersuchen. Dazu wird venöses Blut gezapft, im Internet findet man teilweise Angaben zur Verwendung von kapillarem Blut, entnommen mit Pieks an einer Fingerkuppe. Das Ergebnis (24 Stunden später): negativ. Nicht erstaunlich, betrug doch die allgemeine Wahrscheinlichkeit einer unbemerkten Covid-Infektion 2020 5-10% (die Angaben variieren stark, auch außerhalb dieses Bereichs) und 2021 wurde ich/habe ich mich regelmäßig negativ getestet.  Zudem ist die Aussagekraft dieser Nachweise dürftig laut Lothar Wieler (RKI) Ende Juni. Wir wüssten noch zu wenig. Der erste Schritt für mich zur Impfung.

10.08.21 Ich finde in Geoplus vom 31.03.21 ein lesenswertes Interview mit dem Virologen Florian Krammer. Er warnt vor Unbedacht nach der Corona-Impfung, trägt weiterhin Maske z.B. und vergleicht die Impfung mit dem Sicherheitsgurt im Auto: "Der rettet in ganz vielen Fällen Leben - aber wenn sie mit 200 Stundenkilometer gegen eine Wand fahren, hilft auch ein Gurt nicht." Chapeau!

Aber ungerührt davon verkündet die Corona-Ministerpräsidenten-Konferenz ein schärferes Vorgehen gegen Ungeimpfte. Vor einer "Pandemie der Ungeimpften" wird gewarnt. Und die kostenlosen Bürgertests laufen zum 10. Oktober aus.

11.08.21

10:15 Impfung am linken Oberarm mit Comirnaty. Einstich nicht sonderlich schmerzhaft.

So, ich habe meine individuelle Wahrscheinlichkeit, einen schweren Verlauf von Covid-19 durchzumachen, von etwas unter 1% (das DIW gibt am 6. August 2020 als Wert in Deutschland für ein "lebensbedrohliches Erkrankungsrisiko" 0,6% an) weiter in Richtung 0% gesenkt mit der ersten Dosis Comirnaty (Biontech/Pfizer, mRNA). Und nun harre ich der Nebenwirkungen, die da kommen könnten. RKI: "Die am häufigsten berichteten Impfreaktionen in den Zulassungsstudien waren Schmerzen an der Einstichstelle (mehr als 80 %), Müdigkeit (mehr als 60 %), Kopfschmerzen (mehr als 50 %), Muskelschmerzen und Schüttelfrost (mehr als 30%), Gelenkschmerzen (mehr als 20 %), Fieber und Schwellung der Einstichstelle (mehr als 10 %)." Was das konkret heißen kann: Ein etwa gleichaltriger Verwandter beschrieb die Kopfschmerzen so, "als würde mir die Haut vom Kopf gezogen werden". Allerdings war das bei AstraZeneca.

Schmerzen an der Einstichstelle habe ich schon mal nicht, die Ärztin war routiniert. Aber die eigentlichen Reaktionen kommen ja wenn dann erst später bzw. nach der 2. Impfung.

Gründe für meine Entscheidung:

1. Der politisch-gesellschaftlich-mediale Druck. Wer noch nicht geimpft ist läuft zunehmend Gefahr, von bestimmten Leuten als Charakterschwein, Querdenker, Esoteriker oder sonstwas beschimpft oder zumindest verdächtigt zu werden - ungeachtet der jeweiligen Motivationen und des konkreten Verhaltens. Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) charakterisierte Ungeimpfte pauschal als unmoralisch. Im medizinischen Newsletter von "DocCheck" erschien ein Posting von "Narkosearzt", in welchem Ungeimpfte als "dumme" und "dreiste" Personen bezeichnet werden, die es dem medizinischen Personal zumuten, sie ggf. behandeln zu müssen. Für Motorradfahrer, die sich zu Schanden fahren oder Betrunkene, die einen Unfall verursachen, hat "Narkosearzt" Verständnis, für Ungeimpfte nicht.

2. Drohende Einschränkungen für Ungeimpfte (Museen, Theater, Grenzübertritte). Ich glaube zwar nicht, dass die wirklich kommen. Denn erstens spricht sich nun doch allmählich herum, dass der Risikoabstand zwischen Ungeimpft und Geimpft (abgesehen von Risikopatienten) zu vernachlässigen ist gegenüber dem Risikoabstand Vernünftig-Unvernünftig. Zweitens ist den Entscheidungsträgern klar, dass auch Geimpfte das Virus (welcher Variante auch immer) bekommen und übertragen können. Drittens ist auch bekannt, dass die Geimpften nicht alle eine Immunantwort entwickeln und dass die Immunantwort in ihrer Wirksamkeit zeitlich nachlässt. Viertens werden neue Varianten neue Notwendigkeiten schaffen. Und fünftens gibt es rechtliche sowie ethische Gegengründe.

3. Der Impfdruck auf Kinder. Kluge Leute wie der Kinderklinik-Leiter Christian Bogdan (STIKO-Mitglied) oder der Virologe Hendrik Streeck sehen die Erwachsenen gefordert, sich impfen zu lassen, und wollen die Kinder (abgesehen von Risikopatienten) dafür außen vor halten. Allerdings fürchte ich, dass sie sich nicht gegen die bedingungslosen Impf-Apologeten, gegen die Spahns und Lauterbachs, behaupten können, die sicherlich bald die 100%-Quote fordern werden und die sich nicht damit zufrieden geben, wenn "genügend" (was ohnedies ständig neu - politisch - definiert wird) Erwachsene geimpft sind.

Apropos Quoten: Island Impfquote 75% Inzidenz 212. Israel Impfquote 62,5% Inzidenz 321. Indien Impfquote 8,4% Inzidenz 19,4. Iran Impfquote 3,3% Inzidenz 308.

Die 100%-Apologeten haben innerhalb des Herdenimmunitäts-Denkrahmens sogar Recht, allerdings werden die Gründe verschwiegen, da sie das GGG-Modell im Bereich der ersten zwei Gs erheblich ins Wanken bringen: Faktisch werden erst bei 100% Impfquote die ursprünglich mal avisierten 60-70% zur Herdenimmunität erreicht. Denn die Genesenen der ersten Welle dürften nur noch eine rudimentäre Immunität haben. Und das gilt auch für die erste Welle der Impflinge. Dazu kommen 10% Bevölkerung, die nicht geimpft werden dürfen/können oder bei denen die Impfung nicht anschlägt.

Unser Kanzlerkandidat der CDU plädiert als Ministerpräsident dafür, dass Geimpfte sich nicht mehr testen lassen müssen. Ich stelle mir vor, ein Geimpfter macht Urlaub in Südostasien, zieht dort durch die Bars, sammelt Viren ein und kommt zurück. Testen muss er sich bei der Einreise nicht lassen, er ist ja geimpft. Die Viren verteilt er bei einer feuchten Feier zu seiner Rückkehr. Darf er auch, er hat ja schließlich Leben gerettet dadurch, dass er sich impfen ließ ....

Es ist beschämend, wie die Ungeimpften zu einer Gefahr erklärt werden. Sie gefährdeten die Herdenimmunität, heißt es, gefährdeten die Geimpften, gefährdeten das medizinische Personal, das sich um sie kümmert wenn sie - mit einer Wahrscheinlichkeit von unter 1% - mit schwerer Symptomatik an Corona erkranken. Wieder wird eine falsche Analogie gebildet. Wie zunächst die Kinder bei Corona als Gefahr gesehen wurden in Analogie zur normalen Grippe, für die Kinder als Spreader identifiziert sind. Dass dem bei Corona nicht so ist, wurde spätestens im April 2020 bekannt, aber nicht im Schulkonzept umgesetzt. Und nun argumentiert man mit Analogien zur Bekämpfung der Masern. Da sind Impfausscherer in der Tat ein Problem. Bei Corona nicht. Bei Corona sind Hysterie ein Problem und totalitär anmutende Spaltungs- und Ausgrenzungsrhetorik.

13:45 Linker Oberarm schmerzt im Muskelbereich leicht, dazu leichtes Brennen. Müdigkeit.

18:00 Kurzzeitig schleimige Flatulenzen. Leichter Kopfschmerz links oben, äußerlich-oberflächlich. Eher wie ein Schmerz nach einem Schlag.

20:45 Benommenheit, vorübergehend.

12.08.21

7:30 Die leichten Schmerzen im linken Oberarm haben die Nacht über angehalten. Trotzdem weitgehend guter Schlaf mit zweimaligem Erwachen. Jetzt am Morgen gelegentlich wieder leichtes Brennen. Unterhalb der Einstichstelle leichte kontinuierliche Schwellung, druckempfindlich.

In einem Restaurant in Karlsruhe, wo ich am Dienstag noch gegessen habe ohne "Meldezettel", musste ich heute wieder einen Zettel ausfüllen. Die Luca-App ist hier unbekannt. Auf der Corona-Informationsseite der Stadt finde ich keine Erklärung. Nur eine Warnung, "Wer sich nicht impfen lässt, hat ein hohes Risiko, sich zu infizieren!" Leute, bitte bleibt doch bei der Wahrheit, hört auf mit der Panikmache. Ja, die Wahrscheinlichkeit, sich als Ungeimpfter zu infizieren, ist etwa um den Faktor 5 höher (vage Angabe, nix Genaues weiß man nicht, aber klar ist: Ungeimpft sind unter anderem Jüngere mit höheren sozialen Kontakten und Maskenverweigerer, also Gruppen mit höherem Infektionsrisiko). Ja, die Wahrscheinlichkeit, einen schweren Verlauf zu haben, ist signifikant höher. Aber die Infektionsquote in Deutschland seit Pandemiebeginn liegt aktuell bei 4,58%. Davon war etwa die Hälfte weitgehend symptomfrei oder symptomschwach. Und ein Jahr lang waren (fast) alle ungeimpft. Und die unbemerkten weil symptomfreien und nicht routinemäßig erfassten Infektionen liegen um einen Faktor zwischen 3 und 5 höher! Ein "hohes Risiko" sieht anders aus.

21:30 Keine weiteren Körperreaktionen heute, die auf die Impfung zurückzuführen wären. Lediglich die leichten Schmerzen und die leichte Schwellung mit Druckempfindlichkeit im linken Oberarm sind noch da. Aber das wären sie ähnlich sicher auch, wenn man mir eine leere Nadel in den Muskel gestochen hätte.

Dennoch bleibt ein kleines Unbehagen mit der Frage, was die Lipide und die mRNA jetzt so in meinen Zellen treiben. Die Lipide können in seltenen Fällen allergische Reaktionen unmittelbar nach der Impfung verursachen. Nach bisherigen Veröffentlichungen wird die mRNA nach ca. 50 Stunden abgebaut sein. Das RKI schreibt "nach einigen Tagen". Und was wird das Spike-Protein dann machen? Es ist interessant, mal wieder darauf gestoßen zu werden, was sich in den Körperzellen so alles unbeobachtet tut - auch ohne Corona, Tag für Tag, Stunde für Stunde, Sekunde für Sekunde.

13.08.21

7:30 In der Nacht keine Beschwerden mit dem linken Arm, gut geschlafen. Schwellung zurückgegangen.

Ich erinnere mich an die Aussage von Florian Krammer (Virologe, Geo Wissen Gesundheit 16/2021) auf die Frage, was seine eigene Corona-Impfung für ihn bedeute: "Ich gehe wieder mit einem besseren Gefühl durch die Welt." Ein Wissenschaftler spricht hier vom "Gefühl" - und genau das ist der Punkt! Unser Verstand sagt uns, dass wir auch ungeimpft (in der Regel, d.h. ohne einschlägige Vorerkrankungen oder altersbedingte Immunschwächen oder hohe Exposition) nur ein sehr geringes Risiko tragen, erheblich an Corona zu erkranken. Und er sagt uns, dass die Impfung dieses Risiko nicht auf Null reduzieren wird und wir zudem weiterhin Virenträger für andere sein können. Und er sagt uns auch, dass die Wirkungswege der Impfung und insbesondere der beteiligten Botenstoffe noch nicht hinreichend analysiert sind. Wir hätten also schon vor der Impfung eigentlich (in der Regel) ein gutes Gefühl haben können oder müssten auch nach der Impfung weiterhin ein schlechtes haben. Aber Gefühle funktionieren eben anders. Und ich spüre bei mir selbst jetzt schon, nach der ersten Impfung, die süße Macht des trügerischen Sicherheitsgefühls. Die ich niemandem nehmen möchte, wir brauchen das bisweilen um uns zu regenerieren. Doch wir sollten den Verstand spätestens dann wieder einschalten, wenn wir in größere Menschengruppen geraten oder gar eine kontaktreiche Reise unternehmen. Aber die Bundesregierung hält Sportereignisse mit 25.000 Teilnehmern für vertretbar - macht sie das, weil daran vor allem Jüngere teilnehmen? Um gezielt Immunität durch Infektion herzustellen in Gruppen, die von Impfangeboten schlechter zu erreichen sind? Wer weiß schon, was die Spindoctors so alles aushecken. Wenn, erfährt man erst hinterher davon. Wie etwa vom Spindoctor Otto Kölbl, der die Corona-Politik Chinas für vorbildlich hielt und der im März 2020 ein Strategiepapier der Bundesregierung mit formulierte, in welchem zur öffentlichen Panikmache (vornehmer ausgedrückt zur Darstellung des "worst case") im Umgang mit Corona geraten wurde (welt.de vom 21.02.2021). Bei der Entwicklung von Maßnahmen ging die Bundesregierung damals keineswegs vom Worst case aus, aber bei der Kommunikation, belehrt durch Kölbl, schon.

Zu den Konsequenzen für die "offene Kommunikation" sagt das Strategiepapier im März 2020 Folgendes:


Strategiepapier März 2020 zur Corona-Pandemie


Stückweise wird erhellt, wie eine Corona-Infektion zu lebensbedrohlichen Entzündungen führen kann: Als Reaktion auf die Spike-Proteine kann ein "Zytokinsturm" im Körper entstehen, der massive Entzündungsreaktionen initiiert. Das Spike-Protein (Singular, Plural? Selbst der "Aufklärungsbogen" des RKI zu den mRNA-Impfstoffen ist da nicht eindeutig, welcher Typ, wieviele Typen?) wird auch als Folge der mRNA-Impfstoffe und der Vektor-Impfstoffe produziert. Und Entzündungsreaktionen insbesondere bei jüngeren Männern am Herzen sind als seltene Nebenwirkung einer mRNA-Impfung bereits bekannt. Diese Impfung scheint eine höhere Produktion von Spike-Protein zu induzieren als die mit Vektorimpfstoffen. Klärungsbedarf sehe ich auch noch bei der Frage, weshalb die oft lebensbedrohenden - wenngleich seltenen - Entzündungen bis 14 Tage und länger nach der Impfung auftreten können, wenn doch die Produktion von Spikeproteinen nach wenigen Tagen eingestellt wird. Die Zauberlehrlinge haben noch einiges aufzuarbeiten ...

Ich halte es daher für höchst problematisch, Kindern mRNA-Impfstoffe zu verabreichen. Ich halte es aber auch nicht für angezeigt, sie mit Vektorimpfstoffen gegen Corona zu impfen, sofern keine klare Indikation besteht. Da bin ich ganz bei der STIKO und Kinderärzten wie Stefan Renz (Die Zeit vom 04.08.21). Das kindliche Immunsystem sollte in der Regel - vor dem Hintergrund, dass Kinder nur extrem selten ernsthaft an Corona erkranken und im Blick auf die anhaltende Mutationsgeschichte des Virus - die Chance erhalten, selbst mit seinen Einrichtungen auf Covid-19 zu reagieren, sich dafür fit zu machen, wo es das kann. Zumindest solange die Wirkungswege der Impfungen nicht lückenlos belegt sind und längere Erfahrungen am Menschen vorliegen.

Die anschaulichste Erklärung der beiden Impfstoffarten und ihrer Wirkungsweisen habe ich beim ZDF gefunden:

https://zdfheute-stories-scroll.zdf.de/mRNA_Vektor_Impfstoffe_Mutation/index.html

21:30 Etwa eine halbe Stunde Benommenheit und leichte Übelkeit wie am ersten Tag. Der Kopf fühlt sich seltsam an, leicht schwindelig-aufgeschwollen. Leichter Druckschmerz am Kopf hinten links.

14.08.21 Ich trinke kaum Alkohol und schon bei Kaffee mag ich es nicht, wenn die Wirkungen zu spürbar ausfallen. Ich hatte in der Jugendzeit einige Freunde, die Drogen nahmen und mein Argument dagegen war immer, dass ich nicht weiß, was da in meinem Körper vor sich geht und ich keine Kontrolle über die Prozesse habe, die da in Gang gesetzt werden. Du nimmst etwas und danach gehen die Dinge ihren Lauf. Ich wollte keinen Kontrollverlust bei Substanzen, von denen mir klar war, dass sie Gifte sind, schädigen können. Meine Sorgen zur Corona-Impfung waren ähnlich begründet, die ablaufenden Prozesse werden nur Schritt um Schritt aufgedeckt. Und nun habe ich das Zeug in mir und weiß, noch mindestens 10 Tage kann irgendwas Übles passieren, das sehr selten vorkommt, aber eben doch vorkommt. Und zwar häufiger als ein 6er im Lotto. Auf den doch so viele hoffen.

16.08.21 Nun ist die STIKO eingeknickt, so scheint es. Wie ich in den Nachrichten höre, habe sie ihre Empfehlung "aktualisiert". Zu erwarten war das, die offizielle Captatio sprach ja nur von fehlenden Nachweisen der Unbedenklichkeit im Blick auf Nebenwirkungen. Die lägen nun vor. Damit beginnt der soziale Druck auf die Eltern. Wenn jetzt Schulen geschlossen werden, sind die schuld, die ihre Kinder noch nicht impfen ließen. Zumindest für einige Lautstarke und hinter manch vorgehaltener Hand. Und ein wichtiger Grund meiner eigenen Impfung fällt nun weg. Die von Drosten und anderen vorgetragene Position, es sei hinreichend, wenn die Erwachsenen im Umkreis der Kinder geimpft seien, löst sich in Luft auf.

Zum Nebenwirkungsthema: Stets wird vorgetragen, die Nebenwirkungen von Impfungen würden sich in der ersten Zeit nach einer Impfung zeigen. Die möglichen Nebenwirkungen der seit 80 Jahren in Impfstoffen (u.a. gegen Grippeviren) verwendeten Aluminiumsalze wurden jedoch erst in jüngerer Zeit bekannt: mit Autismus und Alzheimer werden diese in Verbindung gebracht. Wie steht es im Übrigen um die Dunkelziffer von Nebenwirkungen und Impfdurchbrüchen? Gibt es eine Dunkelziffer nur bei den Infektionen?

Ein Freund hat mir folgendes Denkspiel vorgeschlagen: Es ist Krieg, du wirst verfolgt und kommst an zwei Brücken über eine Schlucht. Du musst eine davon nehmen, um dich in Sicherheit zu bringen. Du weißt, auf die eine Brücke werden 100 Kugel in der Zeit abgefeuert, die du brauchst für die Querung, auf die andere nur 99. Welche Brücke nimmst du? Natürlich die mit den 99 Kugeln. Auch wenn die Differenz der Gefährdung nur 1% ausmacht. So sei es mit der Corona-Impfung. Sie sei nur 1% sicherer als die Nichtimpfung, aber das entscheide eben.

Impfquote Israel 63%, Inzidenz 449. Impfquote Indien 9%, Inzidenz 18,5. Wer kann da noch an Herdenimmunität durch Impfung glauben?

Inzidenz Schweden 55,5. Inzidenz Norwegen 67,3. Inzidenz Finnland 96,1. Inzidenz Dänemark 122. Inzidenz Island 213,6. Hat sich schon einer unserer Politiker oder Journalisten bei Schweden entschuldigt für die Prügeleien im vergangenen Jahr?

17.08.21 Der technische Fortschritt hat drei große Versprechen an die Menschheit gemacht: Den Hunger besiegen, die Krankheiten besiegen und das Ausgeliefertsein an Naturgewalten besiegen. Alle drei Versprechen werden aktuell durch drei kritische Entwicklungen heftig attackiert. Neue Hungerdrohungen erwachsen aus dem Biodiversitätsschwund, unsere Souveränität im Umgang mit Krankheiten wird von Covid-19 (und indirekt auch durch den Biodiversitätsschwund) in Frage gestellt und der Klimawandel konfrontiert uns mit Überschwemmungen und Flächenbränden. Und die Antworten der Technokraten? Die ähneln sich strukturell in den Heilsversprechungen: Jährlich aufzufrischende Impfungen gegen Corona, Bestäubungsdrohnen als Insektenersatz und Terraforming gegen den Klimawandel. "Du mußt dein Leben ändern"? - Fehlanzeige. Auf 200.000 neu zugelassene Elektroautos 2020 in Deutschland kamen 200.000 neu zugelassene Motorräder - mit Verbrennungsmotor. Um nur ein Beispiel zu nennen.

Das 99-100-Kugeln-Denkspiel hat eine entscheidende Schwäche. Bei Corona geht es nicht um den Gefährdungsunterschied 99 gegen 100, sondern um den 0 gegen 1. Und 0 ist nicht wirklich Null Risiko, denn die absolute Sicherheit gibt es bei den Impfungen nicht, schon gar nicht angesichts der Delta-Mutante und anderer, die sich vielleicht noch ausbreiten werden. Und dazu kommt das Risiko von Nebenwirkungen der Impfung (ein Holzwurm in der 99er Brücke). Und 1 ist auch nicht einfach Eins, sondern dies nur annähernd und nur unter "Normalbedingungen", wenn keine einschlägigen Vorerkrankungen vorliegen. Und darüber hinaus mit starken individuellen Plus-Minus-Abweichungen.

Der Tagesspiegel schreibt vom "selbsternannten Corona-Bezwinger" Israel. "Selbsternannt"? Keineswegs, deutsche Politiker und Medien haben Israel so gefeiert, ähnlich wie Schweden als Beelzebub verschrieen wurde. Gehört zusammen zum Schwarz-Weiß-Spiel, das den öffentlichen Diskurs in Corona-Zeiten zerfrisst.

18.08.21 Eine heute in "Nature Biotechnology" (https://www.nature.com/articles/s41587-021-01037-9) veröffentlichte Studie an der Charité (nein, kein Drosten, kein Virologe dabei unter den 23 Autoren), auf die der "Spiegel" aufmerksam macht, hat den Grund dafür festgemacht, dass Kinder seltener und schwächer an Covid-19 erkranken: Die Immun- und Epithelzellen der Nasenschleimhaut von Kindern sind wesentlich aktiver und respondierender als die bei Erwachsenen. Es gibt auch - unabhängig von dieser Einsicht - bereits mehrere Impfstoffprojekte, die auf eine Aktivierung der Nasenschleimhaut abzielen, die etwa eine Impfung durch Nasensprays vorsehen. Die Nähe zum Gehirn macht bislang noch Bedenken.

Kommt es nun zu einer Rehabilitation der tropfenden Altersnase? Und zu einem Stop für die medikamentöse Symptomintervention? Stärkt die Tropfnase die Immunabwehr?

Inzidenz in Deutschland 40,8. Inzidenz in Israel 528,5. Wo läuten alle Alarmglocken? Richtig, in Deutschland. Die Impfquote müsse dringend erhöht werden. Impfquote Island 74,82% und Inzidenz 212,8. Aber mit einer Impfquote von 85% werden wir es schaffen. Was genau? Normalität? Die neue Normalität muss heißen: Bewußter und gesünder leben, mehr Bewegung, weniger Feinstaub. Weniger negativen Stress, weniger Mobbing, weniger Lärm. Entschleunigung. Achtsamkeit im Umgang miteinander und mit der Umwelt, der Tier- und Pflanzenwelt. Und dies: ein besseres, besser personell ausgestattetes Gesundheits- und Pflegesystem. Dann wird auch Corona seinen (bei uns stark überzeichneten) Schrecken verlieren.

19.08.21 Liebe STIKO, die Geister, die du riefest .... Nun wollen manche Bundesländer, applaudiert von der GEW, Impfbusse vor Schulen stellen. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Heinz-Peter Meidinger warnt vor der Gefahr durch Infektionen in den Schulen und möchte auch Impfangebote an den Schulen. Die STIKO ist pikiert, fürchtet psychischen Druck auf die Kinder. Aber die SIKO hat gerade verkündet, dass es keinen Grund gebe, Kinder nicht zu impfen, da die Nebenwirkungen zu vernachlässigen seien, der Nutzen (wobei die STIKO auch soziale Faktoren einbezog!) überwiege. Die GEW schließt forsch, dass man nun den Dummen und Faulen oder nur Nachlässigen (so verkündet das immer öfter kommunizierte Bild) ruhig etwas Druck machen dürfe zum allgemeinen Nutzen und dass es ohnedies keinen Druck mache, Impfbusse vor die Schulen zu stellen. Liebe GEW, kennt ihr die Inzidenzen in Ländern mit hoher Impfquote, Malta (92%-108) und Island (75%-201) zum Beispiel? Wen wollt ihr schützen vor wem und womit? Ich kann verstehen, dass Lehrenden graust vor einigen distanzlosen Jungs in der Pubertät, die am Vorabend Party gemacht haben und dann der Lehrerin provozierend auf die Pelle rücken - aber kann man daraus ein Konzept für alle machen? Und werden die vom Impfbus erreicht? Kinder unter 16 zu impfen ohne klare Indikation (Risikopatienten) halte ich schlicht für unzulässig.

Erste Auswirkungen der neuen Corona-Verordnung Baden-Württemberg: In einem Restaurant muss ich für den Innenbereich GGG nachweisen. Die von Kretschmann versprochene Abkehr von der Inzidenzorientierung hatte ich mir anders erwartet, nämlich als - auch - Orientierung an den Belastungen der Intensivstationen. Stattdessen wird nun lapidar verheißen auf der Website des Landes: "Corona-Beschränkungen für Geimpfte und Genesene werden weitgehend aufgehoben." Faktisch passiert etwas anderes: Für Ungeimpfte wird eine weitreichende Testpflicht eingeführt, bei entsprechendem Lebensstil täglich (Gültigkeit 24 Stunden) - Ausnahme: Kleinkinder und Schüler. Und alle Gs müssen einen Nachweis mitführen. Konnte ich vergangene Woche noch ins Restaurant oder Museum mit der Luca-App, muss ich nun einen GGG-Nachweis vorlegen. Museumsbesuch - ein berüchtigter Brandsatz der Corona-Verbreitung - ist nun also inzidenzunabhängig (darin liegt der Fortschritt, bis zur nächsten Corona-Verordnung) nur geimpft, genesen oder getestet möglich. Und weiterhin mit Maske. Was durchaus korrekt ist, den erstens erfasst der Test nicht diejenigen, die sich kurz vor dem Test angesteckt haben. Zweitens sind mindestens 10% der Geimpften und Genesenen nicht oder nicht mehr immun. Drittens können auch die Geimpften Corona übertragen - die Viruslast der Delta-Variante ist bei Geimpften und Ungeimpften weitgehend gleich. Und viertens machen die Impfdurchbrüche zunehmend Sorgen. Das Corona-Doublespeak verkündet Freiheiten, die es faktisch nicht gibt und schafft neue Einschränkungen, die derzeit nicht verhältnismäßig sind. Und die auch die ersten zwei Gs mit Einschränkungen treffen: Impfnachweis vergessen? Museum zu, auch bei einer niedrigen Inzidenz! Wann wird jemand feststellen, dass diese Verordnung erstens nicht wirklich entlastend, zweitens nicht verfassungskonform und drittens seuchenmedizinisch problematisch ist? Bei einer Inzidenz von 300? Oder früher? Aber bei aller Kritik: Es war ein Versuch, von der ständigen Maßnahmenangleichung wegzukommen.

20.08.21 Das Testzelt vor dem Supermarkt ist besucht wie schon lange nicht mehr. Die neue Corona-Verordnung zeigt Früchte. Insbesondere für den Betreiber der Teststation, eine Firma "B.E.K.O. Bau", die im Internet nicht zu finden ist und deren Adresse ein Wohnhaus zeigt. Wie lange wird dieses Zelt mit seinem teilweise hart an der Minderjährigkeit vorbeischrammenden Personal noch bleiben? Die Drogeriekette DM schließt ihre Teststationen zum 30.09.21. Falls die neue Corona-Verordnung nun keine Korrektur bedingt.

Die seit Montag gültige Corona-Verordnung BaWü setzt wieder vermehrt Gespräche "im Vorübergehn" über Corona in Gange. Mir fällt auf, wie genau viele Leute inzwischen Zahlen und Hintergründe kennen, auch aus anderen Ländern. In einem allerdings hat die Impf-PR gewirkt: Es gilt als ausgemacht, dass die Gefahr, an Corona zu erkranken, für Ungeimpfte bei 100% liege. Was, insofern hat die Urquelle Drosten "als Wissenschaftler" Recht (auch wenn das Thema nicht zur Virologie gehört), hochgerechnet auf die Summe der nächsten Jahre bei einer angenommenen Dunkelziffer von 10% unerkannten Infektionen im Jahr und Mehrfachinfektionen eingerechnet, "wohl" gilt, wenn "erkrankt" nur "infiziert" bedeutet, unabhängig von der Symptomatik, und Corona bleibt.

22.08.21 Und hier der tägliche Corona-Börsenbericht: Malta Impfquote vollständig 92,6% - Inzidenz 98,5. Island 74,8% - 174,4. Dänemark 69% - 118,7. Israel 62,9% - 584,5. Deutschland 58,5% - 54,5. Schweden 51,1% - 63,7. Indien 9,3% - 16,8. Quelle: corona-in-zahlen.de. Was lernen wir daraus? Dass die Impfung keine Wunder vollbringt. Und die Nicht-Impfung nicht geradewegs in die Hölle führt. Die Bundesregierung macht unerachtet der Fakten und unerachtet aller Gebote einer liberalen Demokratie weiterhin die Ungeimpften für den Anstieg der Inzidenz verantwortlich - möchte zugleich aber von der Inzidenz als Indikator doch abrücken, zur Intensivbettenbelegung wechseln. Werden dann die Ungeimpften für die Intensivbettenbelegung verantwortlich gemacht? Und der einzige, der gegen solchen Unfug was Substantielles sagt ist Hendrik Streeck.

23.08.21 Heute habe ich eine Terminzusage für eine Veranstaltung am 19. September erhalten mit dem Verweis auf GGG. Vielleicht funktioniert die neue Verordnung ja und ermöglicht Terminplanung? Allerdings gilt die nun 25. Corona-Verordnung der Ministerpräsidentenkonferenz nur bis 11. September ...

Schweden empfiehlt Impfung ab 16, was der Datenlage nach sinnvoll ist, und erlaubt nun normalen Schulbesuch auch ab der 10. Klasse (die anderen waren immer offen unter Corona), ohne Maske! Anders Tegnell sah schon immer einen nur geringen Effekt des Masketragens und berief sich dazu auf fehlende Nachweise der Effizienz und die Erfahrungen in Belgien und Spanien, wo es trotz verordneten Maskentragens im vergangenen Jahr zu rapiden Infektionsanstiegen kam. Ich bin dagegen davon überzeugt, dass die Masken effektiv schützen, auch gegen die Übertragung der Grippe nebenbei, wie die Zahlen nahelegen. Die Reserve gegen das Maskentragen in Schweden wird unter anderem begründet mit der falschen Sicherheit, die das Masketragen biete - und damit zu Leichtsinn verleite, dass etwa Infizierte nicht zu Hause blieben. Was aber ist mit den Infizierten ohne Symptome? Da schweigt der Positivismus. "nature" veröffentlicht am 19.08.21 Studienergebnisse aus China, wonach die Delta-Variante vor den ersten Symptomen bereits stark infektiös sei. Das könnte die raschere Ausbreitung begründen. Und sollte die Schweden doch mal über ihre Maskenstrategie nachdenken lassen.

26.08.21 Maskenstrategie: Söder verkündet Ende der FFP2-Maskenpflicht in Bayern. Nun scheint in Bayern bislang auch draußen im Biergarten Maskenpflicht geherrscht zu haben. Falls die Welt-Autorin Susanne Gaschke Recht hat. Oder waren da nur die Biertische gemeint, an denen einander Unbekannte eng beieinander saßen? Tja, die Unterschiede in den Kulturen der Draußen-Gastronomie sollten natürlich mitbedacht werden, wenn Corona-Verordnungen gemacht werden. Im Übrigen bleibt es in Bayern grundsätzlich bei der Maskenpflicht - nur sollen die medizinischen Masken ausreichen, was insofern sinnvoll ist, als die medizinischen den Fremdschutz weiterhin sichern. Ich persönlich komme mit FFP2 gut zurecht, besser als mit den blauen "medizinischen" Masken, die flächiger aufliegen.

Gestern war ich zu einem Ausflug in der Pfalz, Sommerferien in homöopathischen heimischen Dosen sozusagen. Vorher habe ich noch einen Schnelltest machen lassen. Welch ein Aufwand - und hinterher Nasenrinnen und noch heute Mißempfindungen in der Nase. In der Pfalz wollte dann aber niemand meinen Test sehen, nicht im Restaurant, wo sich alle im mediterranen Innenhof tummelten und ich in der Gaststube alleine war mit einem Gast, der dort zu wohnen schien. Und auch nicht im Museum, wo auf drei Stockwerken außer mir noch zwei (in Zahlen: 2) andere Besucher unterwegs waren. Nur Luca-App oder Zettel-Ausfüllen waren notwendig. Ab heute gilt das GGG da wo ich gestern war - inzidenzabhängig (ab 35).

"Ärzteblatt.de" titelt heute "Myokarditis und andere Komplikationen nach Covid-19 wesentlich häufiger als nach einer Impfung". Die Schlussfolgerung des Beitrages ist sehr zurückhaltend: "Eine Impfung dürfte deshalb auch bezüglich der Kardiomyopathie sicherer sein als eine Infektion mit SARS-CoV-2." Was im Beitrag außen vor bleibt: Die "Wahrscheinlichkeit" einer Impfung liegt nach dem Willen der Bundesregierung bei 85%. Die Wahrscheinlichkeit einer Covid-19 Infektion ist im Horizont der bisherigen Erfahrungen wesentlich geringer, zumal die einer Infektion mit signifikanten Symptomen - und nur solche werden in der Studie aus Israel, die dem Beitrag zugrunde liegt, zum Vergleich herangezogen. Aktuell werden in Deutschland 4,7% genannt als Infektionsrate seit Beginn der Pandemie. Darunter fallen aber auch alle Infektionen ohne signifikante Erkrankung, die bei Routinetests, Tests von Kontaktpersonen, Zugangstests o.ä. erfasst wurden.

28.08.21 Heute wird für Malta eine erheblich geringere Impfquote genannt als noch vor einer Woche mit 92%, nämlich 80%. Daher hier die Zahlen nach heutigem Stand: Malta Impfquote vollständig 80% - Inzidenz 65,6. Island 76,8 - 155,5. Dänemark 71% - 116,8. Israel 62,2% - 641,5. Deutschland 59,9% - 72,1. Schweden 54,5% - 67,2. Russland 24,6% - 92,2. Indien 10% - 18,4. Quelle: corona-in-zahlen.de. Die niedrige Inzidenz in Indien könnte darauf zurückzuführen sein, dass bereits ein Großteil der Bevölkerung eine Infektion durchgemacht hat.

Interview der "Schweiz am Wochenende" heute mit dem renommierten Aids-Forscher Pietro Vernazza, der eine abgewogene Position vertritt, auf die Notwendigkeit des Trainings für das Immunsystem verweist als Korrelat zu Impfungen. Er sieht bei einer Impfquote von 60% bereits die realistische Möglichkeit, Corona unter Kontrolle zu halten. Von Herdenimmunität als Ziel zu reden hält er für irreführend, durch die Veränderbarkeit des Virus im Unterschied etwa zum Masernvirus sei Immunität nicht zu erreichen. Es gehe um die Steigerung der zellulären Immunantwort - auch durch Impfung.

30.08.21 Schulthema: Die Berliner Amtsärzte möchten nur noch infizierte Kinder in Quarantäne schicken, mit medizinischen Argumenten (u.a. auch das von Vernazza vorgetragene, dass es nicht zielführend sei, jede Infektion unterbinden zu wollen) - Teile der Berliner Politik möchten die gesamte Kontaktgruppe für 14 Tage in Quarantäne schicken. Stillstand als linke (Schul-)Politik?

31.08.21 Deutschlandfunk, "Informationen am Mittag", Corona, Moderator um 12:20 Uhr: Wer ungeimpft ist, geht in den kommenden Wochen bewußt ins Risiko und gefährdet die Gesundheit anderer. Nicht geistreicher als das Gerede der Corona-Leugner. Beim Bäcker wird zum Stehkaffee im Innenraum GGG-Nachweis gefordert. Für die Bahn ist das auch schon im Gespräch! Aber wer soll die Kontrollen dann durchführen? Apps mit Bewegungsprofil? Und noch immer ist es sehr schwierig, das eigene Risiko realistisch abzuschätzen. Es wird zwar berichtet, dass nun vor allem jüngere Ungeimpfte auf den Intensivstationen lägen - aber aus Datenschutzgründen erfahren wir keine Details, Vorerkrankungen, Raucheranteil, BMI, Lebensstil, Mobilität (Auslandsreisen) etc. pp. Lediglich ist mal von "die vielleicht ein oder zwei Risikofaktoren mitbringen" die Rede (Intensivmediziner Manuel Wenk, Düsseldorf, in der taz vom 27.08.21). Klar, das kann auch trügerische Sicherheit verhindern helfen. Aber Evidenzbasierung sieht anders aus.

04.09.21 Maskenthema: Inzwischen gibt es genügend Studien und wir können sicher sein, dass Masken vor Corona-Infektionen signifikant schützen. Allerdings muss auch klar sein, dass berufsbedingtes anhaltendes Tragen von Masken gesundheitlich beeinträchtigt. Das war schon vor Corona klar und führte auch zu arbeitsrechtlichen Bestimmungen wie zeitlichen Einschränkungen. Mit der Corona-Masken-Debatte dürfte bald aber auch jemand im medizinischen Sektor an die Burka denken.

In Israel soll es ab 1. Oktober die Erleichterungen für Geimpfte ("Grüner Pass") nur noch geben, solange die letzte (Auffrischungs-)Impfung nicht länger als 6 Monate zurück liegt oder eine Genesung nicht länger als 5 Monate (The Jerusalem Post 30.08.21). Biden forciert in den USA die frühen Auffrischungsimpfungen. Wann werden Drosten und Lauterbach nachziehen? Bisher sprechen beide nur von den Risikogruppen.

Drosten wartet mit düsteren Prognosen für den Herbst auf, es drohe eine Überlastung der Krankenhäuser. Die Impfquote müsse laut RKI 90% der ab 60jährigen und 85% der Altersgruppe 12-59 ausmachen. Drosten hält gesamtgesellschaftlich über 90% für notwendig, um aus der Pandemie zu kommen. So in einem gestern veröffentlichten Podcast des NRD, "Coronavirus-Update".

Malta Impfquote 80,3% - Inzidenz 72,7. Island 77% - 128,7. Dänemark 72,8% - 93,9. Israel 62,6% - 800. Deutschland 61% - 80,7. Schweden 57,3% - 70. Indien 11,1% - 18,2.

08.09.21

11:00 2. Impfung mit Comirnaty. Stich nicht schmerzhaft, keine Beschwerden danach.

Ich wollte schon vergangene Woche die zweite Impfung nehmen, aber dann hatte ich nach einer Zahnpräparation für eine Brückenerneuerung heftige Beschwerden, vor allem nachts, Entzündungsschmerz, Wundschmerz. Da wollte ich erst noch abwarten.

Vor mir im Wartebereich eine Mutter mit zwei Söhnen, 9/14 Jahre etwa. Mutter sportlich, schlank. Söhne einer übergewichtig, einer mit extrem schlechter Haltung. Statt über Impflicht sollte jetzt über Sport- und Bewegungspflicht diskutiert werden. Das würde nicht nur in der Corona-Situation, sondern allgemein den Gesundheitsbereich entscheidend voran bringen!

Der Regierende Bürgermeister Berlin Müller (SPD) verkündete gestern, dass die Stadtregierung über 2G nachdenke. Dabei ist doch medizinisch-epidemiologisch klar, dass von ungetesteten Geimpften eine größere Infektionsgefahr ausgeht als von negativ Getesteten. 2G wäre eine rein politische Maßnahme um Impfdruck aufzubauen, medizinisch nicht gerechtfertigt und verfassungsjuristisch fragwürdig. Bundesligisten haben angeblich 2G bereits bei Spielen angewendet, Hamburg hat es am 28.08. eingeführt. Allerdings ist auch 2G nur bedingt entlastend. Das "Genesen"-Zertifikat hat nur 6 Monat Gültigkeit. Und für die Impfzertifikate dürfte bald das Gleiche gelten - nach den Vorbildern USA und Israel. Und dann wird klammheimlich wieder das Testen einspringen, denn 6-monatige Auffrischungsimpfungen sind in Europa nicht durchzusetzen als Bedingung für die Rückkehr in eine Normalität, die diese Bezeichnung nicht verdient.

Ich verstehe die Aufregung um Impfverweigerer bei einer Impfquote von 61,6% nicht. Dazu kommen die Kinder unter 12 Jahren, dazu kommen die aus medizinischen Gründen nicht Geimpften, dazu kommen die Genesenen plus die Dunkelziffer der Genesenen, die nie durch Tests erfasst wurden, da sie keine Symptome hatten oder aus anderen Gründen. Der verbleibende Rest ist die ganze Aufregung eigentlich nicht wert angesichts der Impfdurchbrüche und anderer Faktoren wie nicht anschlagende Impfungen. Worum geht es? Um Symbolpolitik? Legitimationsbedarf? Aktionismus? Angst vor Gesichtsverlust?

17:00 Schmerzen am linken Oberarm, Bereich Einstich, aber mäßig.

18:00 Kribbeln am Kopf, leichte Übelkeit, leichtes Schwindelgefühl.

20:00 Brennen im Bereich des Einstichs, starke Müdigkeit. Nackensteifigkeit.

09.09.21

06:30 Schmerzen und Brennen im Einstichbereich.

Der Margarine-Forscher und "Einflüsterer" Lauterbach (s. Der Spiegel 14/2004 - https://www.spiegel.de/wissenschaft/der-einfluesterer-a-cac9b0b4-0002-0001-0000-000030346862?context=issue) hält - es war zu erwarten -  die 2G-Regel für gerecht. Politik bricht Recht und Wissenschaft. Gesundheitsminister in spe unter Scholz? Werden wir uns dann nach dem schlicht seinen eigenen Vorteil suchenden Bankangestellten Jens Spahn zurücksehnen?

21:00 Einstichbereich leicht gerötet, druckempfindlich.

10.09.21 Einige Bundesländer wollen die Entschädigung für Verdienstausfall bei einer Quarantäne-Verfügung für Ungeimpfte streichen. Man kann in Deutschland saufen, rauchen, sein Bewegungstraining aufs Betätigen des Gaspedals im Auto beschränken oder sich mit dem Motorrad rasend zerschmettern: Der Schutz der Solidargemeinschaft bleibt gewährt. Wer aber nach Abwägung des persönlichen Risikos und des Nutzens für die Allgemeinheit, angesichts der eklataten Politikdominanz im öffentlichen Corona-Diskurs, angesichts der gerafften Entwicklung von Corona-Impfstoffen durch Genbasteleien, angesichts zahlreicher Pharmaskandale und Impfdesaster in der Vergangenheit (z.B. Lipobay - involviert Lauterbach, Schweinegrippe-Impfungs-Narkolepsie - involviert Drosten und Tegnell) etc. pp. sich gegen eine Impfung zum Schutz vor schwerwiegenden Corona-Infektionsfolgen entscheidet wird als rechtsradikaler Esoteriker, im günstigsten Falle verantwortungsloses Subjekt gebrandmarkt und abgestraft.

2G-Party in Münster, 39 Infizierte bei 380 Gästen. Aber nur leichte Symptome - wie in dieser Altersgruppe auch bei Ungeimpften üblich.

13.09.21

06:30 Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, leichte Übelkeit.

Der typische Impfungs-Kopfschmerz bei mir: eher äußerlich am Kopf, kribbelnd-ziehend, an Haut und Knochen, sagt das Empfinden.

Ein Freund fühlt sich nach der Impfung "pudelwohl". Schön, aber 98% der Bundesbürger D könnten sich auch ohne Impfung pudelwohl fühlen, wären da nicht allgemeine Verunsicherung, unverhältnismäßige Maßnahmen.

Der Ressortleiter "Spiegel Wissenschaft" feierte mit unsauberen Zahlen (vergleicht z.B. die Impfquote Dänemark ab 13 mit der Impfquote Deutschland insgesamt) am 03.09. Dänemark als "Coronaparadies" - dank hoher Impfquote. Was ist mit der massenhaften Tierkeulung, der rigiden Grenz- und Einwanderungspolitik? Und warum feiert er nicht Schweden, wo die Freiheiten, derentwegen er Dänemark preist, in großen Zügen durchgängig galten? Oder Israel, wo es auch einmal tolle Zahlen gab und Freiheiten - und nun anhaltend hohe Inzidenzen und wieder Einschränkungen? Dänemark Impfquote 73,8% - Inzidenz 59,4. Israel 63% - 621,8. Deutschland 61,9% - 81,9. Schweden 60,3% - 73,7.

Intensivbettenbelegung Corona 12.09.2021

Intensivpatienten mit Corona 12.09.2021

Die beiden Kurvendarstellungen von mdr Wissen verweisen eher auf ein Abflachen der aktuellen Welle als auf den prognostizierten weiteren Anstieg. Dagegen spricht, dass ein Reiserückkehrer-Anstieg zu erwarten ist (Pandemie der Geimpften ...). In ein paar Wochen wissen wir mehr.

19:00 Starke Benommenheit.

14.09.21

6:00 Kopfschmerzen, Übelkeit, Nackenschmerzen.

Ich möchte in die Badische Landesbibliothek, ein Buch abgeben, eines holen aus dem Freihandbestand. Am Eingang die große Tafel mit den drei Gs. Geimpft, genesen oder getestet muss man sein, um die hohen Hallen betreten zu dürfen. Mit Maske wohlgemerkt. Erziehung zum Untertan. Körpernahe Dienstleistung Bibliothek?

Baden-Württemberg wollte ab gestern (Montag, 13.09.) die strengste Corona-Verordnung bundesweit starten, mit 2G unter anderem. Im letzten Moment hatte wohl doch noch jemand ein Einsehen - oder war es nur wahlkampftaktische Besorgnis? Die neue Verordnung wurde vorläufig auf Eis gelegt, es gibt "Vorab-Regelungen". Die "alte" Verordnung galt seit 16. August, die von vielen erhoffte "Verstetigung" ist also ausgeblieben, gehalten hat die Verordnung nicht einmal einen Monat.
Schüler drängen sich in der Bahn
15.09.21 In der Bahn darf ich mich dicht an dicht drängen ohne G, aber in die Badische Landesbibliothek darf ich nur mit G-Nachweis! Auch jeden Tag einkaufen wo ich möchte darf ich mit Maske, aber in die Staatliche Kunsthalle: nur mit G-Nachweis - und Maske ohnedies. Und die Kinder sitzen den ganzen Tag mit Maske im Klassenzimmer, atmen gesiebte Luft sogar in der Pause, hängen eng aufeinander in der Bahn und kommen genervt nach Hause. Wie soll man das anders nennen denn Schikane an den wirtschaftlich (vordergründig) nicht schädlichen Stellen? Und es ist beschämend, dass ausgerechnet das grün-schwarze Baden-Württemberg sich besonders hervortut mit abstrusem, paternalistisch-etatistischem Auflagenwust.

Wer wissen möchte, wie es auch anders gehen kann, mit einer Impfquote von aktuell 61,2% und einer Inzidenz von 80,9, der schaue doch mal hier.

https://de.euronews.com/2021/09/09/noch-im-september-schweden-befreit-sich-von-corona-restriktionen

Oder zur Erinnerung, wie der Schulstart in Schweden nach den Sommerferien 2020 verlief:

https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/videos/schweden-schule-corona-video-100.html

Und bitte jetzt nicht wieder kommen mit dem zynischen Satz, die Schweden hätten eben ihre Alten geopfert. Die Corona-Verstorbenenquote war in Schweden zu Beginn in der Tat weit höher als in Deutschland (aber niedriger als z.B. in Belgien, Spanien, Italien, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden), mit angebbaren Gründen in Mängeln von Gesundheits- und Pflegesystem. Sie ist inzwischen aber in der Summe nur noch um den Faktor 1,3 höher als in Deutschland.

In Baden-Württemberg gilt ab morgen, Donnerstag, eine "nachgebesserte" neue Corona-Verordnung. Mit Belegung der Intensivstationen als Maßnahmen-Auslöser, "Hospitalisierungs-Inzidenz" und massiven Einschränkungen für Ungeimpfte. Hoffen wir, dass eine unabhängige Stelle dann die Intensivstationen-Daten sammelt und auswertet. Wobei auch nur gesammelt werden kann, was erhoben wird ... Kontakte mit infizierten Geimpften werden voraussichtlich nicht erhoben. Das könnte ja am Bild von der "Pandemie der Ungeimpften" kratzen.

Wer sich brav impfen lässt (ich selbst z.B. ja auch), darf mitspielen. Ein gesellschaftliches Muster, das gerade eine neue Dynamik entfaltet. Ich habe beim O2-Servicetelefon mal vergessen, der Aufzeichnung des Gesprächs zuzustimmen. Ich wartete dann endlos auf "einen freien Mitarbeiter". Und dann kam einer, der mich kaum verstand und dessen gebrochenes Deutsch ich kaum verstehen konnte und der mir statt des von mir Gewünschten einen Billigvertrag einer O2-Tochter (Blau) aufschwatzen wollte. Bei manchen Internetseiten komme ich nicht mehr weiter, wenn ich nicht zuerst allen Werbe- und Datensammel-Cookies zugestimmt habe. Und ohne Cloud-Buchung geht bald nix mehr im Computer- und Smartphone-Bereich. Mitspielen - "nie war es so wichtig wie heute" ... Und selten so demokratie-, denk- und aufklärungsfeindlich.

Berlin ist mit Grünen und SPD in der Corona-Politik auch nicht besser als BaWü. Die den beiden Parteien zugehörigen Ressorts haben am Dienstag eine unsägliche 2G-Regel erlassen, mit Lockdown für Kinder. Heute wurde sie wieder kassiert.

Lancet-Bericht: "Selbst angesichts der Delta-Bedrohung sind Auffrischungsimpfungen für die Allgemeinbevölkerung in diesem Stadium der Pandemie nicht angebracht".

20.09.21 Was wohl nach der Wahl kommt? Anschluss an Schweden, Großbritannien und Dänemark - oder Anschluss an USA und Israel in der Corona-Politik? Das breite mediale Gerede von 85-95% Impfquote deutet eher auf USA und Israel hin. Aber das Spiegel-Wissenschaftsressort und andere haben auch schon gezeigt, wie man die Impfquote irgendwie hinrechnen kann. Einfach die Quote über 12 (Dänemark) oder 16 (Schweden) nehmen, und es sieht schon viel besser aus. Für Deutschland könnten wir es mit der Impfquote über 18 probieren und dazu noch einen Faktor für die Genesenen hinzuzählen, und schupps sind wir dann auch bei den 85% - mindestens! Aber erst nach der Wahl. Davor haben zu viele Corona-Protagonisten die Angst, das Gesicht zu verlieren. Als gäbe es da noch etwas zu verlieren.

Es mehren sich auch die Hinweise darauf, dass für Deutschland eine viel zu niedrige Impfquote angesetzt wird, da die Impfungen nur unzureichend erfasst wurden, mit einem überbordenden bürokratischen Aufwand und einer unterbordenden Effizienz. Aber vorläufig hat das keine Konsequenzen, höchstes Ziel scheint ja, Impfdruck aufzubauen. Bis nach der Wahl?

22.09.21 Das tägliche Quotentheater zeigt noch nicht das von den Impfquoten-Apologeten erwartete Anschwellen in Deutschland oder Schweden. Aber der Herbst fängt ja erst heute an:

Malta Impfquote 81,3% - Inzidenz 34.  Island 79,9% - 61,5. Dänemark 74,6% - 40. Israel 63,6% -  540,2. Deutschland 63,2% - 65. Schweden 62,3% - 52,1. Indien 14,8% - 13,5.

Aussagekräftigere Werte als die 7-Tages-Inzidenz wären sicherlich die Zahlen der Aufnahmen auf Intensivstationen und der Sterbefälle mit Corona-Hintergrund. Aber auch damit würden Unterschiede im Sozialverhalten, im Gesundheitssystem, in den Kriterien und Praktiken zur Aufnahme auf Intensivstationen, im Altersaufbau der Gesellschaft etc. pp. nicht einfließen.

Baden-Württemberg veröffentlicht nun die Hospitalisierungsinzidenz (HI). Die 7-Tage-HI liegt am 21.09. bei 2,06 - Auslösewert für die Warnstufe ist 8. Die 28-Tage-HI liegt für Geimpfte bei 3,3 und für Ungeimpfte/Erstgeimpfte/Unklare bei 31,4.

28.09.21 Die SPD hat gewonnen. Und nun wird wohl der "Einflüsterer" (Spiegel) und Margarine-Epidemiologe Karl Lauterbach Gesundheitsminister. Das verspricht leider keinen Abschied von der Corona-Endsiegpolitik, eher das Gegenteil. Die Inzidenz sinkt seit geraumer Zeit, aber anders als beim Anstieg vor einigen Wochen hat dies keine Konsequenzen. Vielmehr wird von manchen Medien alles getan, den Rückgang wegzuschreiben. Als am 20.09. ein kurzer Anstieg um 0,5 auf 71 kam, titelte die Frankfurter Rundschau: "Inzidenz steigt wieder an". Den Text dazu möchte man nicht lesen, das ist schlechtester "only bad news are good news"-Journalismus. Penetrant werden wieder einmal die Totenzahlen aufgelistet und die Ansteckungszahlen, letztere mit einem verschwörerisch geraunten "Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden". Was eigentlich eine gute Nachricht wäre, dass nämlich die meisten Infizierten von der Infektion gar nichts mitbekommen, wird bei der FR zur diffusen Bedrohung: Seht her, der Teufel steckt schon in Euch und Ihr habt es gar nicht bemerkt!

Inzwischen sind wir, acht Tage nach dem FR-Beitrag, mit der Inzidenz bei 60,3 (Angabe "corona-in-zahlen"). Aber was würde auch ein leichter Anstieg sagen, Israel hat 400, Großbritannien 348 und die USA 247 - Werte, bei denen unser Gesundheitssystem, glaubt man dem vielleicht künftigen Gesundheitsminister, schon längst zusammengebrochen wäre.

30.09.21 Heute kam die Nachricht, die ich am 20.09. angekündigt habe: "Die gute Nachricht: 75% der Erwachsenen und ein gutes Drittel der Kinder zwischen zwölf und 17 Jahren in Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch-Institutes (RKI) vollständig gegen das Coronavirus geimpft." (Tagesspiegel - Abendlage). Läge die Volljährigkeit noch bei 21 stünden wir noch besser da ...

Der Himmel wieder mal extrem voll mit Kondesstreifen, kreuz und quer. Auf, auf, wir sind geimpft, machen wir getrost den gleichen Unfug weiter wie zuvor. Nix wie weg mit dem Flieger, da helfen wir auch der Wirtschaft in den Zielländern, die vom Tourismus leben. Die Straßen voll mit Autos, auch das hilft der Wirtschaft, bei uns. Der Katastrophe entronnen bereiten wir die nächste vor, unbelehrt und unbelehrbar. Und wenn die Inzidenz mal wieder ein paar Tage steigt (von 64,4 am 27.09. auf 67,5 am 01.10.) wird gleich von einer zu niedrigen Impfquote und einem drohenden Katastrophenherbst geraunt (meist versehen mit den Namen Drosten oder Lauterbach).

01.10.21 Im Tagesspiegel: Lauterbach könnte sich auch vorstellen, Wissenschafts- und Forschungsminister zu werden. Da könnte er noch mehr Konfusion anrichten mit seiner Wirtschaftsnähe und seiner opportunistischen Profilierungssucht, insofern ist sein Wunsch verständlich.

03.10.21 Heute ist die Inzidenz in Deutschland wieder weiter unten bei 64,2, geraunt wird nix. Es werden ohnedies noch Nachmeldungen kommen. Schweden Impfquote 64,5% - Inzidenz 41,8. Vereinigtes Königreich 65,7% - 353. Es gibt also "wohl" (das "wohl" und das "dürfte" gehört zum Corona-Diskurs wie die "steigende Inzidenz" und die "zu niedrige Impfquote") keinen direkten Zusammenhang zwischen Impfquote und Inzidenz, aber wohl einen zwischen Alkoholkonsum im öffentlichen Bereich und Inzidenz.

06.10.21 Das RKI verkündet nun offiziell, die Impfquote sei höher als gedacht. 80% bei den Erwachsenen (vgl. Einträge vom 20.09. und 30.09.) werden genannt. War das ganze Gerede über die Folgen der - nun also nur vermeintlich - niedrigen Impfquote in Deutschland nur Bullshit? Oder steckt ein Spin doctor mit Grundkenntnissen in Massenpsychologie hinter den 80%, weil er erkannt hat, dass es psychologisch besser sei, eine hohe Impfquote zu nennen, dann wollten viele Ungeimpften mit dabei sein im Boot und sich auch noch impfen lassen. Rechnen mit dem Herdentrieb?

07.10.21 Hier eine kleine, persönliche Lektüreempfehlung aus dem Meer an Tagebüchern, Erfahrungsberichten, Reflexionen und sonstigen in Buchform veröffentlichten fachlichen oder literarischen Auseinandersetzungen mit dem Corona-Thema:

Oliver
              Heilwagen: Mit Rad im Lockdown

Oliver Heilwagen durchquerte im Januar 2021 mit dem Fahrrad die im Corona-Schlaf versunkene Bundesrepublik, von Sassnitz im Nordosten bis Weil am Rhein im Südwesten. 1300 Kilometer durch Winterkälte und Schneetreiben: "Eine abenteuerliche Reportage über unser Land im historischen Ausnahmezustand." Und ein Dokument, das unbedingt Beachtung verdient, auch langfristig! Der Autor hat unser Land auf Haupt- und Seitenwegen genau beobachtet, er erzählt anschaulich und analysiert so klug wie differenziert. Das Resümee des Klappentextes sagt, was Sache ist: "Im Stillstand zeigt das Land deutlicher denn je seine Defizite: leere Landstriche, verödete Innenstädte und eine Gesellschaft im Dauerwinterschlaf, die jedes Risiko scheut." Die Website zum Buch: https://mit-rad-im-lockdown.de/

13.10.21 Infektionsrate Deutschland gesamt Stand heute: 5,21%. Bis zu den 100%, die Drosten den Impfverweigeren im Mai angedroht hat, wirds noch eine Weile dauern. Wieler begründet unterdessen den stark angestiegenen Anteil der "Durchbruchsinfektionen" mit dem Impffortschritt: Weil schon so viele geimpft seien, würde natürlich auch der Anteil der infizierten Geimpften steigen. Der RKI-Chef (wie lange noch?) kennt nur zwei Erklärungsmodelle: Der Impffortschritt zeige sich - oder die Verzögerungen beim Impfen zeigten sich. Dabei zeigt der steil ansteigende Anteil der "Durchbruchsinfektionen" vor allem eines: Nachlässigkeit bei den Geimpften. Dies zu bekennen würde jedoch heißen, anerkennen dass die Pandemie auch eine "Pandemie der Geimpften" ist.

Lauterbach mahnt bei den Sondierungsgesprächen an, Corona nicht aus den Augen zu verlieren. Er pocht auf strengere Regeln und die Ausweitung von 2G. Zur Erinnerung: Am 23. März bezeichnete er auf Twitter die Öffnungspläne Dänemarks als "spektakulären Fehler". Am 17. September erklärte er in einem Stern-Gespräch, den dänischen Öffnungsschritt "könnten wir auch machen" - etwa bei einer Impfquote von 85% bei Erwachsenen.

Lauterbach spricht sich aktuell auch für die Legalisierung von Cannabis aus. Sucht er neue Freunde abseits der Corona-Debatte? "Jahrelang habe ich eine Cannabis-Legalisierung abgelehnt. Mittlerweile komme ich als Arzt aber zu einem anderen Schluss." Lauterbach hat nie als Arzt praktiziert und sein Studium, seine Promotion sowie seine wissenschaftliche Arbeit hatten vorrangig mit Gesundheitspolitik und Gesundheitsökonomie zu tun. Unter anderem mit dem Ersatz von Butter durch Margarine - vorgetragen für Unilever.

17.10.21 "Spektrum" berichtet über die "Superimmunität" gegen unterschiedliche Corona-Varianten, die nachgewiesen worden sei bei Infizierten, die nach ihrer Genesung eine Impfung erhielten. Eine andere Untersuchung wird zitiert, wonach Genesene effektivere Antikörper ausbilden als Geimpfte. Es werde nun untersucht, wieweit die Superimmunität auch durch Booster erreicht werden könne.

28.10.21 Der Tagesspiegel übt sich wieder in Alarmismus und titelt am 23. Oktober: "Nein, nichts wird gut im Corona-Winter". Verglichen wird mit dem Oktober 2020, als die Bundesregierung unbedarft in die zweite Corona-Welle getappert sei. Ja, der aktuelle Anstieg der Inzidenz in Deutschland sollte vor Unbedacht warnen. Aber das liberale Schweden hat eine Inzidenz von 50,5 - und Israel ist von seinem Höchstwert 878 am 15. September wieder runter auf 63,6. Da wirkt es seltsam, wenn der Tagesspiegel hyperventiliert, sobald es bei uns über 100 geht. Aber immerhin legt der Bericht vom 23. Oktober nun den Finger auf die eigentliche Wunde: Mangel an Pflegepersonal, Defizite des Gesundheitssystems - unter anderem durch Einsparungen in den vergangenen Jahren hausgemacht. Den desolaten Zustand unseres Gesundheitssystems kennt jeder, der schon monatelang auf einen Facharzttermin warten musste oder der im Schnelldurchgang durch ein Krankenhaus geschleußt wurde. Aber auch der katastrophale Gesundheitszustand in Deutschland sollte thematisiert werden, Adipositas, Arbeitsstress, Lärmbelastungen, Feinstaub, denaturierte und chemisch aufgepimpte Lebensmittel, schlechte Essgewohnheiten, Bewegungsarmut, Alkoholmissbrauch etc. pp. haben einen Großteil der Bevölkerung zum Dauerpatienten gemacht.

Der Tagesspiegel möchte nun die ganze Welt impfen, um Deutschland zu schützen vor neuen Varianten, die gerade in Afrika ausgebrütet würden. Ist das sachblind, blauäugig, naiv wohlmeinend - oder den Verbindungen der Holtzbrinck-Gruppe zur Pharmaindustrie geschuldet? Eher müsste sich doch Afrika vor neuen Varianten aus Europa, Russland und den USA fürchten (hätte Afrika nicht schon eine auffallende Stabilität auch gegen neue Varianten erreicht):

Inzidenz weltweit 28. Oktober 2021


04.11.21 Spektrum.de veröffentlicht einen ernüchternden Beitrag von Christiane Gelitz zur Wirkungsdauer der Impfungen und zur "Risikokompensation" (wer geimpft ist, geht u.U. höhere Risiken ein, weil er sich sicher fühlt). Danach habe Astrazeneca nach 1-2 Monaten nur noch 50% Effekt und nach 4-6 Monaten Null Effekt. Es zeichnet sich ab, dass mehrere Impfungen im Jahr notwendig sein könnten für ausreichenden pharmazeutischen Schutz von Risikogruppen gegen Covid-19.

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              MDR, inhaltlich identisch mit Spektrum-Grafik


05.11.21 Weder der jetzige, noch der prospektive Gesundheitsminister thematisieren den desolaten Gesundheitszustand in Deutschland, der auch beteiligt ist an den unverhältnismäßig zahlreichen Einweisungen auf Intensivstation mit einer Corona-Infektion. Stattdessen wiederholen sie ihre Mantras von der niedrigen Impfquote, den renitenten Ungeimpften und neuerdings der Booster-Heilsversprechung.

10.11.21 Ein paar Zahlen statt Mantras: Impfquote Malta 83,3% - Sieben-Tages-Inzidenz 51,2. Island 81,3% - 270,3. Dänemark 76% - 287,9. Schweden 68,4% - 48,4. Deutschland 67,3% - 232,1. Israel 61,9% - 38,6. Indien 25% - 5,8. Und wo geht die Welt im Winter unter? Richtig, in Deutschland. Und warum? Richtig, wegen der Impfverweigerer.

Drosten erklärt am 11.11.21, man mache ihn zu Unrecht mit verantwortlich für die Schulenschließung. Ich erinnere mich aber sehr gut an seine Aussage vom 22. Mai 2020, als "Einzelperson" habe er Verständnis für die Proteste gegen Schulschließungen, als Wissenschaftler müsse er aber darauf pochen, dass Kinder die Pandemie entscheidend weitertragen könnten. Eindeutig auch seine Ausführungen in einem Spiegel-Interview vom Und am 8. Januar 2021 hat er nochmal auf Twitter scharf nachgelegt mit einer seltsam ausgelegten Studie aus GB zum Infektionstreiber Schule (abgelegt von mir oben unter dem 04.03.21). Er verhält sich immer noch so wie 2020: Bei Bedarf zieht er sich beleidigt darauf zurück, nur als Wissenschaftler gesprochen zu haben - gibt aber weiterhin beständig politisch relevante und politisch formulierte Einschätzungen, Warnungen, Empfehlungen ab.

12.11.21 Spiegel Wissenschaft, Resortleiter Michail Hengstenberg: "wenn man in Länder wie Dänemark, Spanien oder Portugal schaut und auf das freie Leben, dass die Menschen dort dank ihrer hohen Impfquote führen, kann man nur den Kopf schütteln". Aha! Dänemark hat allerdings eine Inzidenz, die noch über der in Deutschland liegt. Und warum schaut er nicht zum Beispiel auf Schweden oder Israel einerseits bzw. andererseits auf Island? Und warum erwähnt er nicht die Peaks in Spanien (28.01. 551, 26.07. 385) und Portugal (29.01. 884)? Ich kann nur den Kopf schütteln über die Corona-Kommentierungen in Spiegel und Tagesspiegel, die mit der Wirklichkeit wenig, mit Wissenschaft nichts und mit Nudging und Meinungsmache oder einfach Geschwätz sehr viel zu tun haben. Hengstenberg hat sein Volontariat und die ersten Redakteursarbeiten bei "blond" gemacht, "Das Magazin für Girls mit Haltung". Von 2012-2017 war er beim Spiegel Resortleiter Auto. Der kennt sich aus.

15.11.21 Nun kommt also auf breiter Basis die 2G-Regel. Damit endlich bewiesen werden kann, dass das Gerede von der Pandemie der Ungeimpften stimmt und dass es sich auch individuell lohne, sich impfen zu lassen. Der Beweis des ersteren dürfte nach hinten losgehen. Ich erwarte eher, dass 2G+ kommen wird, also auch Genesene und Geimpfte sich testen lassen müssen. Allerdings wird früher oder später auch bei uns diese "Welle" ihren Peak erreichen und die Zahlen werden aus infektionslogischen Gründen zurückgehen. Wie hoch es dazu bei uns gehen muss, ist reine Spekulation. Und es ist Politik, wieweit davor schon mit brachialen Maßnahmen gebrochen wird. Mit der Impfquote hat das nach dem bisherigen Faktenstand nur sehr bedingt zu tun.

17.11.21 Erst eins dann zwei dann drei dann vier .... Das dritte Heilsversprechen, nach Lockdown und Impfung, wird in Stellung gebracht: Boostern. Bis Weihnachten alle ein drittes Mal zu impfen sei die einzige Möglichkeit, Corona noch in den Griff zu bekommen und die Weihnachtsmärkte zu öffnen. Und Nummer Vier wird auch schon offen verhandelt: Alle Jahre wieder. Die Corona-Spritze. Und wer dazu nicht bereit ist, der kann sich schon mal aussuchen, in welche der drei Kategorien er eingeteilt werden möchte: AfD, Esoterik von Steiner bis Nosferatu, Asozial. Dabei sehe ich bei uns in der Region Karlsruhe-Heidelberg-Mannheim eher ein Angebotsproblem als ein Nachfrageproblem bei den Impfungen.

Mit 15% Intensivbettenbelegung durch Corona ist unser Gesundheitssystem an der Grenze angekommen. Und das heißt dann in den Medien: "Die Intensivstationen laufen wieder voll". Wer die Situation an deutschen Kliniken kennt, weiß, auch vor Corona wurde oft hart am Limit gearbeitet auf den Intensivstationen. Gründe? Einsparungen, Personalabbau. Dazu kommt ein erbärmlicher Gesundheitszustand in weiten Teilen der Bevölkerung, u.a. durch permanente Überlastung in der Komplexitätsfalle, Fehlernährung, Bewegungsarmut, "Genussmittel"missbrauch etc. pp. Aber das öffentliche Erkenntnisinteresse fokussiert sich weitgehend auf die Fragen, wie hoch der Anteil an Ungeimpften auf den Intensivstationen ist und wieviele davon AfD wählen oder Rudolf Steiner lesen.

Ich finde bei Recherchen im DPolG Polizeispiegel NRW schon im Mai 2020! eine klare Aussage von Verkehrsexperte Wolfgang Blindenbacher dazu, wie die Corona-Situation zu vermehrter Raserei im Auto- und Motorradverkehr führe (was auch meinem subjektiven Eindruck entspricht): "So berichteten unter anderem nordrhein-westfälische Polizeibehörden im März 2020 eine deutliche Zunahme der punktuellen Geschwindigkeitsüberschreitungen – Zitat: ' ... rund 30 Prozent der Fahrzeuge waren zu schnell unterwegs – normal ist eine Quote von fünf bis acht Prozent.' Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Erich Rettinghaus, führt dazu aus: 'Dies beschreibt eine Schattenseite der Corona-Krise, wobei der individuelle Egoismus über die Interessen der Allgemeinheit gestellt wird, bei einigen Fahrzeugführern vermeintlich gerechtfertigt durch Langeweile'". Eine der Schlussfolgerungen des Beitrages lautet: "Raser konterkarieren die Bemühungen der Entlastung des Gesundheitssystems." Im April 2021 gibt es einen ähnlichen Bericht aus Österreich/Steiermark zu höheren Unfallzahlen mit Todesfolgen bei Motorradfahrern: "Auffallend oft ist laut Experten mittlerweile überhöhte Geschwindigkeit die Ursache für tödliche Motorradunfälle, und sie sehen auch einen Zusammenhang mit der CoV-Pandemie." (ORF 10.04.2021)

Inzidenz Dänemark 411,3 Inzidenz Schweden 58,1 Inzidenz Deutschland 319,4 Inzidenz Israel 32,8. Geordnet nach der Impfquote, im absteigenden Spektrum von 76,2% (Dänemark) bis 62% (Israel).

Allerdings sind diese Zahlen mit Bedacht zu lesen, da sie nur eine Momentaufnahme bieten und in keiner Relation stehen zur Zahl der Tests -  und da die Tests selektiv und nach länderspezifisch teilweise unterschiedlichen Kriterien durchgeführt werden. Auch bei den Impfquoten nur auf die Zahlen zu starren, führt fehl. Es geht vor allem darum, welche Gruppen geimpft sind, welche nicht. Und wie sich die Gruppen verhalten. Eine Bevölkerung, die nach einem Lockdownende die Korken knallen lässt und sich reihenweise um den Hals fällt, "braucht" eine höhere Impfquote als eine Bevölkerung, die auch ohne amtliche Befehle bedachter agiert. Um nur ein Beispiel zu nennen.

18.11.21 Und wieder knickt die STIKO ein, bislang befürwortete sie Boostern ab 70, Spahn will ab 18 - nun will das auch die STIKO. Und niemand hat einen tauglichen Plan, wie das organisiert werden soll.

19.11.21 Wieler hyperventiliert, weil die Inzidenz bei den 5-12-Jährigen über 700 liege. Erstmal: diese Gruppe wird ständig getestet, mehrmals die Woche. Da werden alle Infektionen erfasst. Das weiß er natürlich. Und dann: Verbunden mit der Information, dass es in dieser Gruppe kaum zu Hospitalisierungen und noch weniger zur Intensivbehandlung kommen muss, darf man das auch als gute Nachricht lesen. Was will Wieler, Schulen schließen, Impfung unter 12? Impfpflicht für Lehrkräfte? Er beklagt, dass die Menschen noch nicht verstanden haben, dass die Impfung keinen 100% Schutz vor Infektion biete. Genau das aber wurde (und wird cum grano salis) von ihm und der maßgeblichen Politikebene ständig suggeriert: Impfen und ihr werdet frei.

20.11.21 Ein Grund für die günstige Inzidenz in Schweden: Es wurden und werden die Richtigen geimpft und die Richtigen geboostert. Eine weitere Rolle spielt vermutlich, dass Schweden mit den hohen Inzidenzen November 2020 bis Mai 2021 ein stückweit "durch" ist, viele Schweden aus den kritischen Gruppen durch Infektion plus Impfung eine besonders hohe Immunität erreicht haben. Sozialverhalten und Disziplin werden als weitere Gründe genannt. Auch die dünne Besiedlung, was mich angesichts des Urbanisierungsgrades in Schweden und der hohen Quoten in manchen ländlichen Bereichen Deutschlands allerdings nicht überzeugt.

22.11.21 Ugur Sahin ist der Meinung, dass nach dem Booster künftig eine jährliche Auffrischung ausreichend sei.

25.11.21 Es gibt auch gute Nachrichten. Die Lufthansa hat ihre Corona-Unterstützung zurückbezahlt und Lauterbach wird nicht Minister. Dass aber nach fast zwei Jahren die relevanten Verbreitungswege von Corona mit Bestimmungen und Empfehlungen zur Bedeutung von Gruppen, Lebensstilen, Gesundheitszustand, Verhalten nach Infektion nicht differenziert und offen analysiert und publiziert sind, ist ärgerlich. Aber auch verständlich, unter anderem würde sich ergeben, dass ein Großteil der Verstorbenen sich in Krankenhäusern infiziert hat. Stattdessen sollen wieder breite Maßnahmen helfen, mühsam verschleiert hinter freundlichen Etiketten wie G2+. Und Länder wie Spanien, die schon (mindestens) einen Pittsburgh-Peak hinter sich haben, werden als Corona-Vorbilder gefeiert, weil gerade ihre Impfquote zupasskommt (wobei die Inzidenz schon wieder hoch geht ...). Portugal, am 12.11. noch vom Spiegel Wissenschafts-Ressort hochgepriesen als Land der Freiheit dank hoher Impfquote, hat wieder eine Inzidenz von 171,2, mit steigender Tendenz. Dänemark 483,1, Schweden 81,2, Deutschland 419,7, Israel 18,0 - absteigend geordnet nach Impfquote - wobei sich ein anderes Bild ergäbe, würde die Impfquote nach Drittimpfung berechnet, da steht Israel ganz vorne.

28.11.21 Um zu sehen, was in unserer Gesellschaft falsch läuft, muss man nur analysieren, wie VW jahrelang das Elektroauto verschlafen hat und seine Intelligenz auf Abgasmanipulationen verwendete, um nun mit seiner ID-Serie viel zu spät aufzuschlagen und dies erstmal mit den größeren Modellen zu starten. Der ID.1, der das Zeug zu einem neuen Käfer oder zumindest Polo hat, kommt erst 2023 - wenn viele potentielle Interessenten sich dann schon mit anderen Marken eingedeckt haben. Und man schaue sich den ansprechenden, leicht rustikal beschwingten Entwurf des ID.1 von 2020 an und was die Protzproduzenten der Strategieabteilung daraus inzwischen gemacht haben. So wurde auch der Polo ruiniert, mit großer Fresse. Große Fresse, aber keine Anhängerkupplung für den Einkauf von Großgütern, für Umzug, Grünguttransport und so weiter. Nützliche Autos zu bauen ist offenkundig nicht das vordringliche Anliegen des VW-Managements. Immer noch geht es um Status, PS und Spitzengeschwindigkeiten. Bei BMW sieht es - wen wunderts - nicht besser aus, AHK für den kompakten i3? Fehlanzeige, dafür 183 PS. Gegen solche Viren hilft auch Boostern nichts. AMS berichtete übrigens schon am 23. Mai 2021: "Corona führt zu Ansturm auf Anhängerkupplungen." Die PS-Nerds bei unseren Autobauern haben auch das verpennt.

30.11.21 Welch schräger, großsprecherisch und rigide etatistisch anmutender Einstieg in die Kanzlerschaft: Olaf Scholz will die Gesetzesgrundlage für eine allgemeine Corona-Impfpflicht schaffen und 30 Millionen Impfungen bis Weihnachten umsetzen, "normale" und Booster. Möchte er sich als Bezwinger der Corona-Krise aufstellen? Mit großen Worten? Dies könnte erklären, warum er keinen Gesundheitsminister Lauterbach wollte: Der dürfte ihm rasch die Show stehlen. Und die Chancen stehen gut, dass im Frühjahr 2022, vielleicht schon zuvor, die Inzidenzen wieder deutlich niedriger sind. Was dann als Erfolg zu verkaufen wäre.

Impfpflicht, aber keine Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Autobahnen: Ist das die Zukunftsfähigkeit Deutschlands? Welch bedenkliche Wege die Impfpflicht-Hoffnungen gehen können, zeigt Costa Rica. Da ist die Corona-Impfung Pflicht bei allen Kindern bis 12. Die falsche Masern-Analogie schlägt zu. Allerdings hat Costa Rica im Umfeld eine auffallend geringe Kindersterblichkeit. Etwas machen sie schon richtig!

01.12.21 Ich hatte gestern und heute heftige Erkältungssymptome, extrem rinnende Nase, Niesen und heftige Kopfschmerzen vor allem. Eher eine ungewöhnliche Symptomatik von Erkältungen bei mir (sonst beginnend in Hals/Ohren und Bronchien). Drei verschiedene Schnelltests haben keinen "Impfdurchbruch" ergeben, trotz passender Symptomatik.

02.12.21 Inzidenzen, geordnet nach Impfquote: Portugal 87,8% - 214,7. Island 81,9% - 263. Spanien 80,5% - 134,5. Dänemark 76,7% - 527,1. Belgien 74,8% - 1.095,4. Niederlande 74,1% - 874,2. Italien 73,0% - 147,5. Finnland 72,7% - 154,5. Schweden 70,3% - 126,6. Norwegen 70,1% - 370,1. Frankreich 69,8% - 359,5. Deutschland 68,7% - 439,1. Großbritannien 68,0 - 446,9. Österreich 66,1% - 830,1. Schweiz 65,4% - 623,9. Israel 62,2% - 39,0. Tschechien 59,5% - 1.194,1.

Aber was sagen uns diese Zahlen schon! Inzwischen wird ja deutlich, dass die blanke Impfquote ein dünnes Konzept ist - relevant sind die verwendeten Impfstoffe und vor allem: Wann geimpft wurde! Faktisch müssen wir davon ausgehen, dass ein Großteil der zuerst Geimpften längst seine - eh immer nur relative - Immunität verloren hat! Gemessen an der relevanten Immunität dürfte unsere wirksame Impfquote weit unter 50% liegen! Ein Großteil der Geimpften hat bereits wieder den Immunitäts-Status von Ungeimpften erreicht.

04.12.21 Es hat sehr lange gedauert, bis es in Deutschland dazu kam, dass neben der Infektionsinzidenz auch die Hospitalisierungs- und Intensivbehandlungszahlen in den Fokus gerieten (Schweden hatte letztere schon von Anbeginn publiziert). Es ist also nicht zu erwarten, dass so bald die wirklich relevanten Impfzahlen erscheinen, einmal die Drittimpfungszahlen, einmal die "normalen" Impfungen der vergangenen vier Monate. Vielleicht würden sich dann doch auch relevante Bezüge zwischen Impfquote und Inzidenz ergeben. Die Gesamtimpfzahl ist, das zeichnet sich zunehmend ab, weitgehend irrelevant. Eine andere Gesamtzahl ist allerdings durchaus bedeutsam: Auch nach fast zwei Jahren mit Corona haben erst 7,35% der Bevölkerung bei uns eine dokumentierte Infektion durchlaufen - der größte Teil davon ohne schwerwiegende Symptome.

06.12.21 Omikron: Drosten vertritt die Auffassung, dass Omikron in unkontrollierten Gruppen entstanden sei - und liefert damit eine neue Variante zum "Pandemie der Ungeimpften"-Diskurs, zum neuen deutschen Kontrollzwang. Drosten steht damit allerdings alleine. Die meisten Experten weltweit vertreten mit guten Belegen (von denen Drosten keine hat) die Auffassung, dass Omikron, wie zahllose andere (nicht ausgebrochene) Varianten, in Patienten entstanden sei mit stark defizitärem Immunsystem und/oder solchen, die Immunsuppressiva nehmen.

Und dazu passend wird nun Lauterbach doch Gesundheitsminister. Ein Bürgerentscheid der SPD? Die Mehrheit der Bevölkerung mag ihn ja, zumindest seine Wähler. Ein Hochbegabter mit Neigungen zur Scharlatanerie übernimmt eines der zukunftswichtigsten politischen Ämter in Deutschland. Möge das Amt ihn wachsen lassen. Bei der fallgruppenbezogenen pauschalierten Finanzierung des Krankenhaussektors hat Lauterbach schon mal gezeigt, was das Gesundheitssystem von ihm zu erwarten hat. Der Mangel an Intensivbetten und Krankenhauspersonal ist auch seinem Einsatz zu verdanken. Seine Corona-Fehlleistungen füllen einige Seiten. Staubsaugerbeutel als Atemmasken war fast so gut wie Trumps Desinfektionsmittel-Injektionen. Vom Virchow-Bund kam eine bemerkenswerte Pressemitteilung: "Wir sehen einer guten und konstruktiven Zusammenarbeit optimistisch entgegen, da Karl Lauterbach gezeigt hat, dass er frühere Positionen auf Grund neuer Erkenntnisse verändern und seine Politik an die neuen Gegebenheiten anpassen kann."

09.12.21 Heute wollte ich mit einem Kollegen in einem Bäckereicafé kurz ein Gespräch führen. "Kann ich bitte Ihre Tests sehen?" Wir haben uns dann in ein Auto gesetzt, was meiner noch unterschwellig anhaltenden Erkältung nicht förderlich war. Bäckereicafé, Schnellimbiss, Glühweinstand, Restaurant mit stundenlangem Verweilen: Die Bedingungen sind gleich: vorher testen gehen. Und in der Straßenbahn hockt man dann mit zig fremden Menschen auf engem Raum zusammen bei 3G. Und ganz neu: Testpflicht für Geboosterte entfällt in BaWü. Bis jemandem auffällt, dass Geboosterte nicht immuner sind als Leute mit unlängst abgeschlossener zweiter Impfung, bis zu den ersten Impfdurchbrüchen bei Geboosterten. Als ich am 15.11. 2G+ kommen sah, erwartete ich nicht, dass es so schnell gehen und dann auch für den Kaffee beim Bäcker gelten werde. All das wird die Wut auf willentlich Ungeimpfte weiter anstacheln nach dem Sündenbockprinzip. Manche sind gewiss asoziale "Böcke", aber an der negativen Pandemie-Entwicklung tragen sie nach meiner Einschätzung nur einen geringen Anteil.

Die Inzidenz im Musterland Dänemark (noch am 12.11. vom Spiegel-Wissenschaftsressort gefeiert) liegt bei 643,8. Deutschland 422,2. Island 244,9. Schweden 151,5.

10.12.21 Ein Kandidat für das Unwort des Jahres ist für mich "Pandemie der Ungeimpften". Das Schlagwort war sachlich falsch, verstärkte die Rebound-Effekte der Impfung durch Unachtsamkeit, führte Maßnahmen in die Irre, polemisierte den Diskurs und polarisierte die Gesellschaft.

Noch so ein Sprachproblem: "Boostern" - das bedeutet eigentlich "antreiben", "verstärken". Und so wurde die dritte Impfung auch lange verkauft: Sie verstärke den Immunitätsschutz der ersten beiden Impfungen, weite aus auf neue Varianten. Inzwischen ist klar geworden, dass wir die dritte (und vierte, und fünfte ...?) Impfung nicht zur "Verstärkung" der Erstwirkung benötigen, sondern weil der Schutz durch die "normale" Impfung rasant zurückgeht - nicht nur durch neue Varianten. In Longmans "Dictionary of Contemporary English" von 1978 lese ich unter "booster" bei der Bedeutung "a substance that increases the effectiveness of a drug or medicine" den geradezu prophetisch anmutenden Beispielsatz: "This medicine will protect you against the disease, but after 6 months you'll need a booster." Der irreführende Sprachgebrauch von "to boost" in der Doppelbedeutung "verstärken" und "auffrischen" hat also eine längere Geschichte. Und das "halbe Jahr" bis zur "Auffrischung" hatte schon vor mehr als 40 Jahren Eingang in den populärmedizinischen Sprachspiel-Vorrat gefunden, im Englischen!

13.12.21 Traum von der dritten Corona-Impfung. Wie eine Insulin-Spritze sollte ich sie mir selber geben. Es wurde ein Informationsvideo gezeigt. Hinterher sollte ich ankreuzen, wie ich mit meiner "heutigen Impferfahrung" zufrieden gewesen sei, auf einer Skala von 1-5. Es war unklar, ob 1 der beste oder der schlechteste Wert sei.

Kaum ist Lauterbach Gesundheitsminister, schon sinkt die Inzidenz - scherzo. Der Knick kam bereits am 29. November, bei einem Inzidenzwert von 484,8. Wie poetisch, und Mystiker aufgepasst, die Quersumme ist 24! Aber mal ernsthaft, ohne Quersummen und sonstige Wundertüten: Portugal 270,5. Dänemark 791,0. Belgien 879,5. Niederlande 750,3. Schweden 168,0. Norwegen 611,7. Frankreich 506,0. Deutschland 389,1. Großbritannien 524,7. Österreich 326,8. Schweiz 772,1. Israel 46,3. Tschechien 872,5. Absteigend nach Impfquote.

Wer aber vor Besorgnis zergeht, ist unser Bundespräsident. Nicht Besorgnis um den schlechten Gesundheitszustand in Deutschland (z.B. zuviel Alkohol, zuviel Zucker, zuviel Fleisch, zuwenig Bewegung) oder die Unterversorgung der Krankenhäuser und Pflegeheime, nicht Besorgnis um Verkehrsstress, Lärm und Feinstaub, nicht Besorgnis um den Biodiversitätsschwund - sein einziges Thema ist Corona, sind die Corona-Helden und die Corona-Bösewichter. Ein Kaiser könnte das nicht besser. Helden und Sündenböcke - reicht das immer noch?

14.12.21 Die erste Corona-Großtat von Lauterbach steht an: Geboosterte müssen sich nicht mehr testen lassen, es sei denn sie besuchen ein Krankenhaus oder Pflegeheim. Sozusagen G2+-. Und das, nachdem Israel bereits Mitte November Privilegien für Geboosterte mit Blick auf hohe Infektionsquoten bei dieser Gruppe revidiert hat! Geboosterte bekommen ihren Stehkaffee im Backshop also künftig deutschlandweit ohne Nasenbohren. Wir müssen uns nicht umstellen, es geht weiter mit dem unsäglichen Corona-Gebossele. Am besten immer eine Thermoskanne dabei haben in diesem Winter, auch als geboostert, denn das Regelwerk kann sich stündlich ändern! In Abhängigkeit von der vom Gesundheitsminister gefühlten Inzidenz. Die reale sinkt nämlich bei uns unaufhaltsam. Während sie in Schweden, ungerührt durch die Einschränkungen vom 1. Dezember, seit 22. November kontinuierlich weiter steigt.

Es gibt keinerlei belastbare Evidenz, dass Geboosterte bei einer Infektion weniger infektiös seien als "nur" doppelt Geimpfte. Und doch wird wieder so eine "strategische" Regelung (nun, um das Boostern zu fördern) ins Spiel gebracht, die gewiss bald kassiert werden muss. Was wohl auch noch keiner der Spindoktoren bedacht hat: Wer sich jetzt noch (1. und 2. Mal) impfen lässt, wird - obwohl sein Impfschutz gewiss genau so gut ist wie bei den meisten "Aufgefrischten" - benachteiligt: April April, wer zu spät kommt, den bestraft der Lauterbach! Wann fällt die Testpflicht für pünktliche Steuerzahler?

15.12.21 Der neue, neunzehnköpfige (die SPD liebte schon immer die großen Zahlen) Corona-Expertenrat ist auf den ersten Blick tauglicher aufgestellt als der achtköpfige Rat unter Merkel (s. Eintrag vom 18.01.21). Es ist mehr einschlägige Fachkompetenz versammelt, auch der kontroverse Streeck ist nun mit dabei und neben Wieler auch der Vorsitzende der ständigen Impfkommission, Thomas Mertens.

16.12.21 Mit gemischten Gefühlen schaue ich auf arte die Serie "Diener des Volkes". Sehenswert in den ersten Folgen (später wirds zum Klamauk). Mitautor und Hauptdarsteller ist der jetzige ukrainische Ministerpräsident Wolodymyr Selenskyj. Was dort zu sehen ist, ist das, was sich bei uns immer mehr ausbreitet, Auseinandergehen der Schere Arm-Reich, Desolidarisierung, Bereicherungsmentalität, Ausbeutung des Staates durch die Eliten im Großen, durch Teile der "Normalbevölkerung" im Kleinen. Die deutsche Oligarchenpartei FDP hat gerade mit 8,8% der wahlberechtigten Bevölkerung hinter sich in den Koalitionsvertrag die Förderung von Public Private Partnerships reingedrückt. Auf dass Privatunternehmen sich weiter der basalen gesellschaftlichen Infrastruktur bemächtigen können. Und der Bezug zu Corona? Glaubt wirklich jemand, die Maskenaffäre sei nur ein Ausrutscher gewesen? Sie ist das Symbol für den Weg, den unsere Gesellschaft geht. Die Milliarden, die für die Corona-Bekämpfung ausgegeben wurden, gingen nicht in die Verbesserung des Gesundheitssystems, sondern in die Taschen neuer Impfstoffmilliardäre und Test- sowie Maskenmultimillionäre - und in Kompensationszahlungen.

18.12.21 Zwei Modelle gibt es, Corona zu "besiegen": China mit Totalitarismus, die meisten afrikanischen Staaten und Indien mit Durchlaufenlassen. Bei allen Booster-Versprechungen: Ein dritter Weg zeichnet sich nicht ab. Die von Ugur Sahin für August angekündigte und von vielen noch immer erträumte Herdenimmunität ist ein Trugbild. Das hat der italienische Aids-Forscher Pietro Vernazza schon am 28. August 2021 deutlich gesagt. Was bleibt, ist ein mehr oder weniger peinliches und peinigendes Durchgewurschtel. Der Satz wurde schon öfter gesagt: Wir müssen mit Corona leben lernen. Und es wäre wünschenswert, dass alle Parteien darauf verzichten, Corona zum Stellvertreter für gesellschaftliche Erziehungs- oder Widerstandsprogramme zu machen.

20.12.21 Berlin senkt die Booster-Frist auf 3 Monate. Das ist nur als Angebot gedacht, wohlgemerkt. Aber der Kontext ist klar: Die ersten Veranstalter fordern schon freiwillige Tests ab 3 Monate nach letzter Impfung unabhängig von amtlichen Vorschriften. Das Vertrauen in die Wirksamkeit der Impfungen schwindet, versteckt hinter Omikron-Geraune. Wird die Pille danach (nach Infektion) Entlastung bringen?

In einem Interview mit Le Monde von heute erklärt Ugur Sahin, dass drei Impfstoffdosen nicht ausreichen, um Omikron zu stoppen.

22.12.21 Wieler/RKI fordert Lockdown nach Weihnachten. Er sehe eine Pandemiewelle mit Omikron auf Deutschland zukommen. Mit Überlastung des Gesundheitssystems. Unter Merkel war er zurückhaltender. Scholz und Lauterbach sehen sich plötzlich in der Defensiven. Und Lauterbach wird stiller. Die Zeiten der großen Sprüche sind in der Ministerverantwortung vorbei.

Der Ethikrat befürwortet mit 20 gegen 4 Stimmen eine weitreichende Impfpflicht über medizinisches oder pflegendes Personal hinaus. Allerdings befürworten nur 13 Ratsmiglieder eine "Ausweitung auf alle in Deutschland lebenden impfbaren Erwachsenen". Welche Impfungen sind damit dann gemeint? Nur 1. und 2. - oder auch alle weiteren, die (wer? wann?) für notwendig befindet? Dazu sagt der Ethikrat nichts, er will nur eine Grundlage geben für eine ethisch begründete politische Entscheidung. Er sagt allerdings deutlich: " Die politischen Akteure und staatlichen Instanzen sollten bei der Umsetzung der Impfpflicht bewusst darauf hinwirken, Frontstellungen zwischen geimpften und nicht geimpften Menschen zu vermeiden." (Pressemitteilung des Ethikrates 8/2021). Der genaue Wortlaut der Erklärung ist hier zu finden:

https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Ad-hoc-Empfehlungen/deutsch/ad-hoc-empfehlung-allgemeine-impfpflicht.pdf

Bisherige Untersuchungen gehen von einer weit höheren Infektiosität bei Omikron als bei Delta aus. Der rasante Inzidenzanstieg in Dänemark weist auch deutlich darauf hin. Mehr Disziplin beim Maskentragen könnte sich wieder auszahlen, um heil über den Winter zu kommen! Allerdings scheint der Verlauf auch milder zu sein als bei zurückliegenden Varianten. Wobei dies zu bestimmen schwierig ist, da bislang vor allem größere Ausbrüche bei vollständig Geimpften bekannt wurden, der als milder erscheinende Verlauf also auch ein Impferfolg sein könnte. Drosten kann allerdings keinen milderen Verlauf beim "Oslo-Ausbruch" im Vergleich mit anderen Varianten erkennen, wie er am 19.12. auf Twitter erklärt. Um zu verstehen, was nach Drostens Auffassung kein milderer Verlauf ist: "81 Gäste wurden positiv auf die Omikron-Variante getestet, etwa 91 Prozent davon litten trotz Impfung an milden bis mittelschweren Symptomen wie Husten (83%), einer verstopften Nase (78%), Müdigkeit (74%) sowie Halsschmerzen (72%), Kopfschmerzen (68%) und Fieber (54%). Keiner der Patienten musste hospitalisiert werden." (DocCheck 22.12.2021). Drosten erinnert also daran, dass auch bei der überwiegenden Mehrzahl der Infektionen mit früheren Varianten keine Symtome bis nur mittelschwere auftraten - schon vor den Impfungen im übrigen.

Israel bereitet die 4. Impfung vor, für über 60jährige und MitarbeiterInnen des Gesundheitswesens. Den Booster-Booster also, in der Logik des dominierenden Diskurses. Bei uns wird noch festgehalten am Privileg für einfach Geboosterte: keine Testpflicht. Wie lange noch? So lange, bis auch diese Variante der Illusion, wir könnten durch Impfungen zur Normalität zurückkehren, sich auflöst. Auf Privilegien für Geboosterte zu verzichten bedeutet letztlich, endlich klar zu bekennen, dass die Impfversprechungen überzogen waren. Und es könnte auch bedeuten, eine sachlichere Basis für den weiteren Umgang mit Corona zu finden. Denn noch immer ist auch von durchaus intelligenten und informierten Menschen, auch von JournalistInnen zu hören, die Ungeimpften seien schuld am Fortdauern der Pandemie.

Inzidenzen heute: Portugal 328,6. Dänemark 1202,6. Belgien 422,8. Niederlande 555,5. Schweden 244,8. Norwegen 558,3. Frankreich 561,9. Deutschland 289,0. Großbritannien 896,1. Österreich 209,5. Schweiz 698,1. Israel 66,6. Tschechien 528,2. Absteigend nach Impfquote.

23.12.21 Streeck sagt zum Ende des Jahres deutlich, was ich mir von Drosten erwartet hätte: "Jeder muss sich auf einen positiven Corona-Test vorbereiten." Drosten scheint noch immer im "Pandemie der Ungeimpften"-Diskurs festzustecken, den er wesentlich mitbegründet hat mit seinem Podcast von Mitte Mai des Jahres, wonach Ungeimpfte sicher mit einer Ansteckung zu rechnen haben. Er hatte dabei zwar ausgeführt, dass das Virus auch in Geimpften weiter kursieren werde, aber die Ungeimpften in den Vordergrund gerückt und die Steilvorlage geliefert für die nachfolgende Fokussierung auf die Ungeimpften als vermeintliche Pandemietreiber. Seine Rolle war hier ähnlich ambivalent wie bei der Schulenschließung. Leider von den Medien und auch der Politik weniger klar wahrgenommen, versicherte er schon am 6. September 2021, er rechne selbst fest mit einer Infektion, trotz Impfung. Bemerkenswert auch, was er damals zum Boostern sagt (Boostern durch Infektion mit dem Corona-Virus, nicht durch Impfung, als Perspektive einer neuen Normalität). Unbedingt hochhalten, wenn Lauterbach demnächst von der 5. Impfung schwafelt. Und am 11.11. - Massensitzungen zur Karnevalseröffnung - erklärte Drosten sogar ausdrücklich, "wir haben keine Pandemie der Ungeimpften". Doch er hinkt damit hinterher - durch die normative Kraft des Faktisches gezwungen, den von seinen Positionen mit ausgelösten oder verstärkten Irrwegen zu begegnen.

Lauterbach geht jetzt davon aus, dass eine vierte Impfung notwendig sein werde. Dritte, vierte, fünfte ... - welch ein Possenspiel. Warum nicht endlich klar sagen, dass vorläufig regelmäßige Nachimpfungen zumindest für vulnerable Gruppen notwendig seien - notwendig in deren Interesse und im Interesse eines vulnerabel (auch mit Lauterbachs Konzepten) zusammengesparten Gesundheitssystems.

Die F.A.Z. stellt eine dritte mögliche Herkunft von Omikron vor, mit drastischer Überschrift: "Ursprung der Virus-Variante. Wie Omikron im Tierreich wütet." Die Belege sind allerdings weniger überzeugend als die zur These, dass es in immunschwachen Patienten entstanden sei. Was sich aber nach einem Hintergrundbeitrag in Spektrum der Wissenschaften vom 19.12. deutlich abzeichnet, ist die Fähigkeit Omikrons, den von bisherigen Impfstoffen induzierten Antikörpern zu entkommen. Wie Boostern mit eben diesen Impfstoffen dann gegen Omikron effektiv wirksam sein kann, bleibt fraglich. Ist es nur die allgemeine Stimulation des Immunsystems durch die Impfung, was gegen Omikron stabiler macht? Dann könnte auch ein durchgemachter grippaler Infekt hilfreich sein. Und es würde erklären, warum in Israel, wo der erste "Booster" schon lange verabreicht wird, bereits der nächste für sinnvoll erachtet wird/erachtet werden muss. Also auch offen sein für die nächste stärkere Erkältung - sofern man sich das erlauben kann?

24.12.21 Das Booster-Privileg ist schneller gefallen, als ich erwartete. In Baden-Württemberg gilt G2 (ohne Test) für Geboosterte und Geimpfte, deren zweite Impfung nicht länger als 6 Monate zurückliegt. Sieg der Vernunft.

Es fällt mir schwer, in diesem Jahr die Weihnachtsbotschaft anzunehmen, die Hoffnung auf immer wieder mögliche Erneuerung. Der inflationäre Umgang mit Erlösungshoffnungen in den beiden Corona-Jahren, etwa im Zero-Covid-Gerede, hat das Konzept "Hoffnung" schwer beschädigt. Es braucht wohl eine Pause. Was habe ich nicht selbst alles gehofft in diesen beiden Jahren, dass unser Umgang mit der Gesundheit achtsamer wird, dass wir die naturwüchsige Umwelt sorgsamer behandeln, dass wir unser Konsum- und Mobilitätsverhalten revidieren, dass wir unser gesellschaftliches und individuelles Leben krisenstabiler gestalten. Pause. Auch eine, schlichtere, Weihnachtsbotschaft.

29.12.21 Impfquoten (absteigend) und Inzidenzen: Portugal 89,31% - 685,3. Spanien 80,98% - 956,8. Dänemark 78,07% - 1.567,7. Belgien 75,57% - 390,2. Frankreich 72,78 - 906,7. Schweden 72,31% - 305,0. Norwegen 71,59% - 430,4. Deutschland 70,89% - 205,5. Österreich 70,87% - 161,0. Großbritannien 69,30% - 1.169,4. Niederlande 67,04% -  491,1. Schweiz 66,69% - 832,7. Israel 63,43% - 140,3. Tschechien 61,78% - 444,4. Russland 44,89% - 115,2. Indien 41,63% - 3,6. Ukraine 30,98% - 77,9. Togo 10,95% - 23,6.


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2022


02.01.22 Scholz hat sein Impfziel erreicht, Respekt! Respekt auch vor allem vor denen, die das tätig geschultert haben! Und vor denen, die genügend Impfdosen geordert hatten.

Die Süddeutsche meldet "In der Schweiz explodieren die Fallzahlen bei vergleichsweise niedriger Impfquote." Ich erinnere mich aus den vergangenen Wochen nicht an eine Schlagzeile "In Portugal (Spanien, Dänemark) explodieren die Fallzahlen bei vergleichsweise hoher Impfquote." Warum? Wäre das Defätismus, Rechts, Querdenkerisch? Welche Aufgabe hat Journalismus? Erziehen? Nudging? Allerdings, die 10% Ungeimpften über 12 Jahren in Spanien stellten Ende Dezember 45% der einschlägigen Belegungen auf den Intensivstationen - berichtet die Süddeutsche am 30.12.21. Impfung bringt etwas, das ist offenkundig (doch welchen Anteil haben das sonstige Verhalten der Ungeimpften, ihr sozialer Status, ihr Gesundheitszustand, ihre Lebensumständen daran, dass sie so viel häufiger auf die Intensivstation kommen?), aber bei weitem nicht das, was erwartet wurde. Und die Kehrseite lautet ja: 55% der Corona-Patienten auf Intensivstation sind da in Spanien mindestens doppelt geimpft!

06.01.22 Nur mit einer höheren Impfquote ließe sich die Pandemie beenden, meint Drosten in seinem ersten Podcast im neuen Jahr (Nr. 107). Schon am 30.12. hatte er im "heute journal" die große Gruppe der Ungeimpften ohne Genesungs-Immunität als "deutsches Spezial-Problem" bezeichnet. Hat er den Bezug zur Realität verloren? Im übrigen befeuert er damit wieder den "Pandemie der Ungeimpften"-Diskurs, den er an anderer Stelle als falsch bezeichnet. So hat er immer für beide Positionen ein Zitat bereit, für später, da wird er im Rückblick auf jeden Fall Recht behalten. Die Drostensche These zur Omikron-Entstehung, dass nicht erfasste Gruppen (also Ungeimpfte und andere Asoziale, so klingt das bei ihm) verantwortlich seien, wird allerdings von niemandem weiter verfolgt. Es werden vom Rest der Welt nur die Thesen "Tierische Herkunft" und "Immunschwache Patienten" verfolgt. Dahinter steckt vermutlich auch ein "deutsches Spezial-Problem".

07.01.22 Streeck bezeichnet im STERN die Debatte um eine allgemeine Impfpflicht als "ein bisschen fehl am Platze". Auf welche Impfung sollte die sich auch beziehen, Astrazeneca, das nach einem halben Jahr bei der Wirksamkeit Null angelangt ist? "Booster"-Impfungen, deren Halbwertszeiten beständig nach unten korrigiert werden müssen? (Vgl. Eintrag vom 22.12.21) Streeck fährt eine rational kritische Linie. Während Drosten zwar den strengen Positivisten mimt, aber widersprüchliche Aussagen macht.

08.01.22 Nun explodieren die Fallzahlen auch in Israel, das mit den Auffrischungen bis Ende November 2021 am weitesten voraus war (überholt inzwischen von Chile, Dänemark und Großbritannien - https://observablehq.com/@rnd/impfquote?oetm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.rnd.de%2F&oetm_route=%2F%40rnd%2Fimpfquote -, wobei in Dänemark und Großbritannien die Inzidenzwerte noch nachhaltiger explodiert sind). Omikron ist in der Regel symptomschwächer auch bei Ungeimpften, infiziert andererseits aber auch bis zur Hospitalisierungsstärke frisch "Geboosterte". Zeit für einen Strategiewechsel? Die Inzidenz als Frühwarnsystem für die Krankenhäuser funktioniert nicht mehr, wir haben hohe Inzidenzen, aber keine entsprechend hohen Krankenhauseinweisungen. Die 7-Tages-Inzidenz wäre sinnvollerweise zu ersetzen durch die Hospitalisierung als relevante Orientierungszahl. Ansonsten muss wohl Prophylaxe/Impfung/Auffrischung auf vulnerable Gruppen fokussiert werden, müssen weitere Ansteckungseinschränkungen durch FFP2-Pflicht in ÖPNV und sonstigen öffentlichen Kontaktbereichen erreicht werden und die Krankheitsbehandlung stärkere Aufmerksamkeit medizinisch, politisch und finanziell bekommen. Ich hoffe, dass Omikron schon die Wende zur neuen endemischen Saisonerkrankung markiert. Und Drosten Recht behält mit seiner Prognose vom 6. September 2021, dass die meisten von uns sich künftig durch eine Infektion "boostern" können, wie bei der Grippe.

09.01.22 Inzidenzen, absteigend nach der Impfquote vom 29.12.21: Portugal 1.670,1. Spanien 1.861,5. Dänemark 2.183,9. Belgien 1.086,1. Frankreich 2.409,5. Schweden 1.002,6. Norwegen 800,8. Deutschland 362,7. Österreich 518,7. Großbritannien 1.815,4. Niederlande 951,8. Schweiz 1.727,9. Israel 1.028,3. Tschechien 405,0. Russland 78,0. Indien 45,8. Ukraine 64,4. Togo 44,3. Quelle: www.corona-in-zahlen.de/weltweit/

10.01.22 Der neuen Regierung sei es gelungen, die vierte Welle "mit milderen Mitteln" zu brechen, tönt der neue FDP-Bundesjustizminister. Sein Kollege Lauterbach hält gleichzeitig weitere Einschränkungen für notwendig. Also nur zur Erinnerung für Leute mit kurzem Gedächtnis: "Gebrochen" wurde die 4. Welle am 29.11.2021, da gab es die neue Regierung noch nicht. Inzwischen befinden wir uns allerdings wieder in einem Anstieg (wie die meisten vergleichbaren Länder, nur weit weniger steil).

Relevanter ist eine Meldung aus Israel vom 5. Januar. Nachdem bereits die Effizienz der 3. Impfung im November 2021 in Israel als wesentlich geringer als erwartet festgestellt wurde, weist eine noch unveröffentlichte Studie am Sheba-Krankenhaus zur 4. Impfung darauf hin, dass deren Wirksamkeit noch dürftiger sei und nach kurzer Zeit verpuffe.

Schlagzeilen wie "Corona in Deutschland: Inzidenz steigt sprunghaft an", gefüttert durch Wieler, Drosten und Lauterbach. Und was steckt dahinter? Vergleichen wir die Zahlen vom 27.12.21 mit denen vom 10.01.22:

Deutschland  224,2 zu   375,7
Dänemark   1.165,6 zu 2.378,1
Frankreich   727,1 zu 2.762,0
Israel       101,9 zu 1.162,1

Welche Form von kollektiver Geisteskrankheit hat uns in Deutschland befallen? Glauben wir, auf der Insel der Seeligen zu leben und brechen zusammen, wenn uns gesagt wird, das stimme aber nicht? Erstaunlich ist die vergleichsweise niedrige Inzidenz in Deutschland allerdings schon - und das obgleich die Regierung sich mit weiteren Testauflagen viel Mühe gibt, die Inzidenz hochzutreiben. Zumindest ließe sich das aktuelle Geschehen, verbunden mit dem ewigen Matra Drostens, dass nur eine höher Impfquote uns vor der Katastrophe bewahren könne (gegen alle Evidenz von ihm vorgetragen), so deuten.

Streeck, wieder einmal Stimme der Vernunft, plädiert dafür, aus dem "dauerhaften Alarmzustand" auszusteigen. Dann bleibt dem neuen Gesundheitsminister auch mehr Zeit, sich um die Reparatur der von ihm mit angerichteten Schäden am Gesundheitssystem zu bemühen.

12% der (ohnedies zu knapp bemessenen) Stellen auf Intensivstationen sind unbesetzt.

12.01.22 In den Schulen ein neuer Notstand. Die Schüler sind renitenter als "vor Corona", verletzlicher, unkonzentrierter. Die "schwarze" Pädagogik der Corona-Maßnahmen mit chaotisch wechselndem Belohn- und Strafsystem beeinträchtigt vermutlich gerade den pädagogischen Bereich nachwirkend - mit Übertragungen. Eltern und Erzieher sollten nun bemüht sein, nicht selbst vermehrt wieder und hilflos ungesteuert zur Pädagogik von Belohnen und Strafen zu greifen! Ein Problem sind allerdings auch "renitenter" werdende Eltern! Die Geister, die Positionen wie die im Strategiepapier der Bundesregierung vom März 2020 formulierten riefen, werden uns noch lange verfolgen!

13.01.22 Die Virologin Isabella Eckerle warnt vor blindem Vertrauen auf Schnelltests: "Wer sich jetzt in ein Restaurant setzt, riskiert eine Omikron-Infektion." Nach vielen Mythen, zuletzt dem Booster-Mythos, zerfasert nun auch der Test-Mythos. Was sie dankenswerterweise auch sagt: "Wir hätten mit der Euphorie über die Impfung etwas vorsichtiger sein müssen." Der Satz kommt alledings "etwas" spät. Inzwischen kann er zumindest nicht mehr die Karriere gefährden, zumindest nicht in der Schweiz, wo Eckerle arbeitet. Was bleibt uns, Einzug ins Testlabor?

Zumal wir ja von Drosten - streng positivistisch - in Tweeds vom 29. Dezember 2021 - belehrt wurden, dass unser Lebensstil wurscht sei, nur eine Impfung könne uns schützen (die uns bekanntlich eben nicht so gut schützt wie er nach wie vor propagiert). Ein "Training" des Immunsystems sei unmöglich. Kann Drosten - streng positivistisch - erklären, warum manche Menschen einen schweren Corona-Verlauf haben, andere gar nichts mitbekommen? Warum vor allem gesundheitlich Vorbelastete einen schweren Verlauf haben? Natürlich gibt es auch den gut trainierten Sportler, gesund, vital, der einen schweren Verlauf hat. Als Ausnahme, die im Diskurs der vergangenen Jahre häufig nicht so behandelt wurde. Gewiss ist es sinnvoll, vor falschen Sicherheiten zu warnen. Aber dann gleich das Kind mit dem Bade auszuschütten und zu behaupten, ob wir gesund oder ungesund leben, hätte keinen Einfluß auf unsere Corona-Reaktion, ist fahrlässig. Der arme Pfarrer, den Drosten Anfang des Jahres abkanzelte mit dem Satz, er könne genauso gut behaupten, mit einem Steak könne er seine Verdauung trainieren, hat, sicherlich etwas naiv, von Lebensstil gesprochen, nicht von einmaligen "Trainingsakten". Bezeichnend der Vergleich Drostens mit dem Lernen von Gedichten, das nicht zur Intelligenzsteigerung beitrage. Kein Mensch wird behaupten, das Lernen eines Gedichtes steigere die Intelligenz. Aber das Lernen von Gedichten über einen langen Zeitraum kann zusammen mit anderen Maßnahmen und Tätigkeiten unsere Intelligenz entwickeln helfen. Ebenso wie ein Steak nicht unsere Verdauung trainiert aber natürlich unsere Essgewohnheiten einen Einfluss auf unser Verdauungssystem haben. Schwarz-Weiß-Denken wird uns nicht helfen, die Pandemie erfolgreich zu bestehen.

Der Satz "Ein gesunder Lebensstil bewahrt vor Corona" ist zu widerlegen durch den trainierten Sportler, der Corona mit schwerem Verlauf bekommt. Aber damit ist nicht gesagt, dass ein gesunder Lebensstil sinnlos sei zur Corona-Prävention. Ich weiß, die Nazis haben den "gesunden Körper" zum Fetisch gemacht. Ich weiß, viele Menschen stecken durch ihre Lebensumstände, oft ohne eigenes Verschulden, in ungesunden Lebensweisen fest. Ich weiß, in einem gesunden Körper lebt oft ein eher ungesunder Geist. Und wir alle kennen die Geschichten von Leuten, die nie geraucht haben, gesund lebten, sich viel bewegten - und am Lungenkrebs erkrankten. Dennoch stehen da überall die Warnungen auf den Zigaretten-Packungen.

Drostens Antwort auf den Pfarrer erinnert mich an den Pennäler, der im Biologieunterricht was über Viren und Bakterien gelernt hat und dann der Oma, die ihn im Winter ermahnt, sich wärmer anzuziehen, hochnäsig erklärt, dass Erkältungen von Viren und Bakterien kämen und nicht von der Kälte. Um sich dann in seinem leichten Jäckchen draußen kräftig zu erkälten. Recht haben beide, die Oma und der Pennäler.

14.01.22 Bei einem Friseurbesuch bekomme ich mit, dass in Teilen der Bevölkerung bereits eine Strategieänderung wahrgenommen wird: "Es wird ja jetzt zugelassen, dass Infektionen stattfinden." - Kontaktverfolgung finde nicht mehr statt und Quarantäne gäbe es für Kontaktpersonen auch nicht mehr. Dass die Bundesregierung nur für einige Gruppen die Quarantänepflicht aufgehoben habe, wird abwinkend kommentiert mit: "Die können genauso ansteckend sein!" Die Bevölkerung ist da weiter als die Bundesregierung.

Die Pressekonferenz zur Corona-Lage zeigt, wer weiterhin die Corona-Politik bestimmt: Wieler (Veterinärmediziner), Drosten (Experte für Virennachweise und Testverfahren), Lauterbach (Gesundheitspolitiker mit besonderer Expertise in der Verbreitung des Margarine-Konsums gegenüber dem Buttergebrauch).

16.01.22 Ich habe mich am WE in Ruhe einmal mit dem Drosten-Podcast vom 04. Januar befasst, mit der Nummer 107 seiner Podcasts beim NDR. Und ich registriere einen äußerst großzügig interpretierenden Umgang mit den Fakten. Forsch wird gleich zu Beginn der Rückgang der Inzidenzen zum Jahreswechsel (auf einen Wert von 225,1 am 30.12.21) in Deutschland zurückgeführt auf "natürlich unvollständige" Zahlen, bedingt durch das "Verhalten der Leute" und die "Dienstzeiten von Ämtern". Nun begann der Rückgang allerdings schon am 29.11.21 und vollzog sich weitgehend linear. Waren da alle schon in Weihnachtsferien? Die "Unvollständigkeit" der Zahlen werde sich in den "nächsten zwei Wochen" (d.h. bis 18. Januar) wieder "einpendeln". Wie bei unterstelltem exponentiellen Anstieg dank Omikron ein 'Einpendeln' stattfinden solle, bleibt mysteriös. Dann geht Drosten auf die "Situation in England" ein (Inzidenz am 04.01.2022: 1.740,1). Dort hätten die Erfolge beim Boostern zur Nachlässigkeit verleitet, daher gingen jetzt die Zahlen hoch. Nur zur Erinnerung: Den "Day of Freedom" verkündete Boris Johnson bereits zum 19.07.2021. Da war das Boostern noch fern und die Inzidenz lag bei 465,6  - und blieb in diesem Bereich, mal darunter, mal etwas darüber - bis Anfang Dezember. Dann begann der steile Anstieg, mit einem Vorlauf ab dem 11.11.2021 - da lag der Booster-Anteil in Großbritannien noch bei 17,3%. Drosten aber berichtet von "der erfolgreichen Booster-Kampagne", die die "Krankheitslast" in der zweiten Herbsthälfte herunter gebracht habe, was zu Leichtsinn geführt habe, der wiederum die Omikron-Ausbreitung beförderte. Am 19.12.21, kurz vor dem kalendarischen Winterbeginn, lag in Großbritannien der Booster-Anteil bei 43,8%, der Omikron-Anteil bei 60% und die 7-T-Inzidenz bei 746,7. Gegen Ende des Podcasts kommen erstaunlich politikkritische Aussagen, allerdings verhüllt unter den Nebelkerzen, die zum Schließen der "Impflücke" in Deutschland ermuntern sollen. Drosten beklagt zum einen die "auf beiden Seiten sich zunehmend verhärtenden Fronten" - auf "beiden Seiten" wohlgemerkt, wobei er selbst mit seinem permanenten Lamento über die "Impflücke" und die "besondere Lage" in Deutschland durch die nach seiner Auffassung viel zu geringe Impfquote zur Verhärtung der einen Seite erheblich beiträgt. Und dann sagt er noch etwas, das zur Schließung der "Impflücke" gewiss nicht beiträgt, wozu er sich aber mal wieder auf "die Wissenschaft" zurückzieht, nach mehr als einer Stunde Corona-Politik. Zum wissenschaftlich Festzuhaltenden gehöre: "Wir werden Kinder impfen können. Dazu gehört aber auch, dass Kinder eben nicht so schwer krank werden." Er widerspricht dann aber nicht, als die Interviewpartnerin eine nebulös formulierte Conclusio abgibt: "Sie gehen davon aus, dass es immer noch, auch im nächsten Winter, Menschen gibt, die sich nicht angesteckt haben werden und die aber auch nicht geimpft sind. Das heißt, die Pandemie ist dann auch nicht vorbei?" Also: Solange es Ungeimpfte gibt, ist die Pandemie nicht vorbei. Und im implizierten, den ganzen Podcast über unterschwellig verbreiteten Umkehrschluss: Die Ungeimpften (die "Impflücke") sind daran schuld, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist. Für diese Conclusio eineinhalb Stunden Aufklärung über Covid-19?? Und im kommenden Winter solle es noch Leute geben, die ungeimpft sind und sich nicht infiziert haben? Diogenes z.B.? Oder einige Säulenheilige? Oder ist Omikron doch nicht so ansteckend? Und gibt es keine Dunkelziffer der Infizierten mehr? Die Zahl der registrierten Infektionen liegt noch immer nur bei 9,7% der Bevölkerung in Deutschland. Mit Dunkelziffer also etwa 30% Infizierte. Wieviele doppelt? Wieviele davon geimpft? Was wissen wir darüber? Wenig. Plaudern aber forsch über die "Impflücke". Als sei die unser Hauptproblem. Ist sie mitnichten. Wie groß ist die Astrazeneca-Lücke der Geimpften, deren Immunität nach wenigen Wochen 50%, nach einem halben Jahr gegen Null betrug? Was ist mit den "Impflücken" in Afrika, bei Inzidenzen weitgehend unter 30 und Impfquoten unter 20%?

17.01.22 Inzidenzen, absteigend nach der Impfquote vom 29.12.21: Portugal 2.410,8. Spanien 1.985,5. Dänemark 2.781,9. Belgien 1.539,2. Frankreich 3.061,8. Schweden 1.414,5. Norwegen 1.244,6. Deutschland 528,2. Österreich 1.151,9. Großbritannien 1.093,1. Niederlande 1.325,9. Schweiz 2.102,3. Israel 3.111,1. Tschechien 636,8. Russland 103,8. Indien 120,0. Ukraine 122,5. Togo 24,0. Quelle: www.corona-in-zahlen.de/weltweit/

Deutschland steht also noch immer erstaunlich gut da im europäischen Vergleich. Liegts an den Resten ehemaliger "Sekundärtugenden" - Klopapier kaufen statt Rotwein und Kondome? Liegts an den besonders strengen Regelungen in Deutschland? An der "Erziehungswirkung" durch die Angstmach-Politik im Gefolge des Strategiepapiers vom März 2020? An Drosten, Wieler und Lauterbach? An den Querdenkern - ein gemeinsamer Feind eint? Wir werden viele Erklärungen bekommen, je nach Interessenlage.

21.01.22 Acht Prozent des Personals in Pflege und Medizin stehen der Corona-Impfung skeptisch gegenüber. Vier Prozent davon haben sich inzwischen wegen der zum 15. März kommenden Impflicht die erste Impfung geben lassen, die anderen vier Prozent suchen nach einer neuen Arbeitsstelle. Und die Politik? Schweigt. Und hofft auf Pflegeroboter? Und der Spiegel hat nun endlich herausgefunden, warum Dänemark trotz seiner vom Spiegel oft gelobten Corona-Politik (Hohe Impfquote=niedrige Inzidenz=große Freiheit) gerade eine Inzidenz hat, die auf die 4000 zusteuert (aktuell 3.723,8): Die Dänen testen zu viel. Explizite wird im Beitrag diese Konsequenz allerdings nicht gezogen, die in Dänemark aber durchaus auch kursiert. Der Spiegel berichtet nur über die enormen Kosten des Testens in Dänemark und dass die Auffassungen darüber, ob das Testen geholfen habe, die Pandemie zu kontrollieren, extrem auseinander gehen im Land. Über 3000 ist die Inzidenz auch in Frankreich, über 4000 in Israel. Köln impft, wo die Inzidenz am höchsten ist. Das ist das Ergebnis von zwei Jahren Pandemie-Erfahrung? Immer noch hinterher rennen?

In Dänemark trifft der Omikron-Subtyp BA.2 zunehmend Geboosterte. Dänemark hat das Boostern freigegeben für alle, deren zweite Impfung mindestens 4,5 Monate zurückliegt. Bei uns erklärt selbst der sonst zurückhaltendere Virologe Streeck, er empfehle das Boostern "jedem Menschen", der noch keine dritte Impfung erhalten habe (n-tv Interview am 22. Dezember 2021). Er erklärt die in Studien gezeigte Wirksamkeit der dritten Impfung mit einem Trainingseffekt, sieht den aber bei der vierten Impfung nicht mehr gegeben. Studien aus Israel wecken auch Skepsis an der vierten Impfung. Was nun? Dritte gut aber nicht so gut, dass keine vierte benötigt würde. Aber vierte nicht so gut dass kein angepasster neuer Impfstoff notwendig würde? Afrika ist weiterhin weitgehend Corona-frei, während wir uns von einem Höchststand zum nächsten hangeln und vor der nächsten Variante im nächsten Herbst bangen. Und von der "Impflücke" reden, deren Schließung uns retten könne! Haben wir uns in eine Sackgasse manövriert?

22.01.22 Die Inzidenz in Dänemark liegt heute bei 4.123,2, bei einer Impfquote von 80,96% und einer Booster-Quote von 58,6%. Israel mit einer Booster-Quote von 53,8 hat eine Inzidenz von 4.832,9. Großbritannien mit einer Booster-Quote von 53,7% liegt bei 945,6.

24.01.22 Am heutigen Montag ist wieder einmal Corona-Gipfel in Deutschland. Von den Rekordzahlen bei Neuinfektionen und Inzidenzen ist die Rede und Lauterbach warnt vor Lockerungen. Deutschland 840,2 - Dänemark 4.586,5. Gestern sprach Drosten von der Möglichkeit, dass Omikron sich, mit Teilen des Delta-Genoms, von einer milden zu einer bösen Variante entwickeln könne - nachdem er zum Jahreswechsel die Hoffnung nährte, Omikron könne schon das Ende der Pandemie einläuten. Über "Deltakron" o.ä. wird schon länger spekuliert, auf Zypern wurde eine solche Mischform Anfang des Jahres diagnostiziert, allerdings bisher als "Verunreinigung" der Proben interpretiert außerhalb Zyperns. Und nun warnen Drosten und Lauterbach plötzlich lautstark vor Omikron-Delta-Kombinationen. Sie wollen die Impfquote um jeden Preis hochdrücken - für den Herbst, wenn die neue Variante vielleicht komme! Erinnert sich noch jemand daran, was die Impfungen vom Frühjahr 2021 im Spätjahr 2021 noch wert waren? Sehr wenig. Wovor haben die beiden eigentlich Angst? "Als Wissenschaftler", was sie beide doch bei jeder Gelegenheit gerne hervorkehren, sollten sie zufrieden sein, wenn es eine ungeimpfte Kohorte gibt die für relevante Impf-Evaluationen zur Verfügung steht. Und dass für Corona nun mal andere Regeln gelten als für Masern und Pocken sollte doch auch bei diesen beiden inzwischen angekommen sein? Aber nein, keineswegs, "wegen der Ungeimpften" meint Lauterbach im Herbst dann wieder Kontaktbeschränkungen verordnen zu müssen. Und er rechnet vor: wer als Ungeimpfter sich in den kommenden Wochen mit Omikron infiziere, der sei im Herbst bei einer Omikron-Delta-Mischform nur zu 50% geschützt! Dazu muss man "als Wissenschaftler" sprechen, um 1 durch 2 zu teilen und dabei auf 50% zu kommen! Im übrigen ist 50% Schutz aktuell ein Wert, über den man sich freuen muss. Die mit Astrazeneca im vergangenen Frühjahr Geimpften waren so gut nur sehr kurze Zeit geschützt. Welch ein Glück, dass die Infektionszahl in Deutschland auch nach zwei Jahren erst bei 10,51% liegt. In Frankreich liegt sie bei 24,83% - was an Rotwein statt Klopapier liegen mag. Allerdings hat Frankreich eine Letalitätsrate von lediglich 0,77% - Deutschland 1,34%. Liegt auch dies am Rotwein? Oder wurden in Frankreich nur einfach mehr von denen erfasst, die ohne Symptomatik infiziert waren?

"Jetzt trifft es die Geboosterten" titelt "PraxisVita" nach einer dänischen Untersuchung des Genetikers Ulrich Elling, der eine "Überpräsenz" der neuen Variante Omikron BA.2 bei Geboosterten feststellt.

25.01.22 "We are actually hacking the software of life", erklärte der Moderna-Chefwissenschaftler Tal Zaks in einem Vortrag schon 2017 zu den Möglichkeiten der mRNA-Impfstoffe (zu sehen bei Youtube). Die Computer-Analogie wird weiter ausgeführt, wobei unklar bleibt, ob Zaks die neuen mRNA-Impfstoffe als neues "operating system" versteht oder die Einschleußung der mRNA als Eingriff in das körpereigene "operating system" der Zelle (was dem "hacking" eher entspräche). Somit sei es künftig möglich, für jeden Krebs-Patienten ein Medikament zu kreieren, das seinen individuellen Krebs angreift, indem es der Zelle die Anleitung dazu gibt, was sie als Anwort auf den Krebs zu produzieren habe. Das ist per se sicherlich nicht verwerflich, fügt sich jedoch in den Kontext einer Ideologie, die den Körper als Maschine begreift, der im Prinzip ebenso zu reparieren sei wie ein Auto.

Wir müssen also nicht gesund leben, wir müssen nicht unseren Lebensstil ändern, wir müssen im Extremfall - so eine Konsequenz dieser Ideologie - auch nicht dafür sorgen, dass Umweltgifte so weit als möglich vermieden oder reduziert werden, sondern einfach nur das richtige Werkzeug finden, um nachfolgende Defekte unseres Körpers zu reparieren. Das wäre nicht so interessant, wenn nicht Drosten unlängst (in mehreren Tweeds vom 29.12.21) genau im Sinne dieser Ideologie sich vehement gegen die Vorstellung gewendet hätte, man könne Corona auch durch Stärkung des Immunsystems, Lebensstil und Training begegnen, wie dies - im Kontext einer ganz anderen Ideologie - von einem Pfarrer vorgetragen worden war. Auch Drostens Polemiken gegen das Maskentragen im ersten halben Jahr der Pandemie (Masken tragen sei "höflich") gehört zu dieser Ideologie, die gegen Erkältungen keine Tees, sondern gleich Medikamente verordnet. Unerachtet der konkreten Umstände, da eben Tees, Abhärtung, warme Kleidung oder sonstige Lebensstilmaßnahmen nicht gegen Viren oder Bakterien hülfen.

Und mitten hinein in diese ideologisch aufgeladene Kontroverse kommt nun eine Studie von Forschern am Universitätsklinikum Frankfurt und an der University of Kent, am 21. Januar online in "Springer Nature" veröffentlicht, die an Omikron einerseits seine Fähigkeit, die Corona-Impfungen zu umgehen, berichtet, andererseits aber seine Schwäche gegenüber der Interferon-Antwort des Immunsystems aufdeckt. Die Interferon-Antwort, das ist eine der Leistungen eines unspezifisch "trainierten Immunsystem", über das Drosten sich mit dem Gedichte-Lerner-Vergleich und dem Steak-Esser-Vergleich lustig macht. Wie wirken mRNA-Impfstoffe auf die körpereigene Interferon-Produktion? Es gibt schon Hinweise darauf, dass auch die hohe Immunität von Kindern auf eine starke Interferon-Anwort zurückzuführen sei - auch bei früheren Corona-Varianten! Und vielleicht liegt hier auch eine Antwort auf die Frage, warum der größte Teil der Infizierten bei früheren Corona-Varianten keine Symptome zeigte. Interferone wurden 2013 als Behandlungsmittel gegen Corona-Viren diskutiert (es handelte sich um das Lungenvirus Mers). Mitte 2020 wurde von Ivan Zanoni nach einer Untersuchung am Boston Children's Hospital die Gabe von Interferonen bei Covid-19 bei bereits erfolgter Infektion als kritisch gesehen.

26.01.22 An der allgemeinen Impflicht wird weiter gebastelt, unerachtet der sachlichen Fragwürdigkeiten. Geht es darum, dass Scholz und Lauterbach ihr Gesicht nicht verlieren wollen? Auf drei Impfungen solle die Impflicht eingeschränkt werden. Bislang hat aber noch keiner der Zauberlehrlinge, die "hacking the software of life" auf ihre Fahne geschrieben haben, befriedigen erklären können, warum drei Impfungen notwendig seien, aber die vierte schon nicht mehr viel bringe. Streeck - eher ein Zauberlehrling-Kritiker - spricht davon, dass immer das gleiche Protein anzubieten nicht ausreiche. Aber warum soll es dreimal ausreichen, beim vierten Mal nicht mehr? Hacker sind im allgemeinen die, die einen Ablauf stören können. Ihn verbessen ist eher nicht ihr Anliegen, denn dazu müssten sie den gesamten Ablauf verstehen und kontrollieren können. Sie greifen ein. Und hoffen, das, was dann geschieht, sei in ihrem Interesse. Wenn nicht, wird nachgebessert. Aber auch das gehackte System bessert nach.

Und für welche drei Impfungen gilt dann die Impfpflicht? Für die Impfungen mit dem neuen angepassten Impfstoff, der im 2. Quartal 2022 erwartet wird? Vorher kommt die Impflicht, so sie kommt, ohnedies nicht. So dass dann Geboosterte innerhalb von zwei Jahren sechs Corona-Impfungen erhalten, obligatorisch?

Wie es scheint, gibt es gefakte Stellengesuche von ungeimpftem Pflegepersonal. Aber ändert das etwas am erstaunlich hohen Anteil von Corona-Impfskeptikern bei medizinischem und pflegerischem Personal? Bei den Sozialarbeitern scheint der Anteil noch weit höher zu sein.

27.01.22 Werden wir in 15 Jahren über eine Impfpflicht für Raucher - gegen Lungenkrebs - diskutieren? Denn das ist die eigentliche Zielsetzung der mRNA-Impfstoffentwickler, von Moderna bereits 2017 angekündigt. "Flu and cancer" (also Grippe und Krebs) hat Tal Zaks von Moderna damals als Hauptanliegen ihrer Impfstoffentwicklung vorgestellt und dann vor allem zu Krebs ausgeführt, dabei allerdings "individualisierte" Krebsimpfungen angekündigt, therapeutisch, nicht präventiv, nicht in der Funktion eines Impfstoffs.

In der Imbiss-Ecke des Biomarktes sitzen nur Senioren. Die Begründung findet sich schon von draußen groß an der Scheibe lesbar: Zugang nur Geimpfte und Genese - maximal 3 Monat nach der zweiten Impfung bzw. Genesung. Und Geboosterte. Geboosterte unbeschränkt! Die mit großen Freiheitsversprechen Geimpften haben grad mal drei Monate für die kleine Freiheit zum Kaffee. Selber schuld, das sind ja auch die, die sich erst auf den letzten Drücker zur Impfung entschieden haben. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Sachlich gibt es für diese Regelung keine Begründung. Sie ist Belohnung für diejenigen, die sich boostern lassen. Denn sie beenden die Pandemie, heißt es. In Dänemark (Booster-Quote 60,6) ist davon nichts zu sehen. Die dänischen Infektionszahlen sind exorbitant und verweisen auf eine massive Zunahme des Anteils der hospitalisierten Geimpfen und wiederholt Infizierten. Die ansonsten exzellenten Dashboards des dänischen Gesundheitsminiseriums weisen bislang allerdings die hospitalisierten Geboosterten nicht separat aus:

https://experience.arcgis.com/experience/aa41b29149f24e20a4007a0c4e13db1d

Impfquoten (absteigend) und Inzidenzen: Portugal 90,4% - 3.684,6. Spanien 81,9% - 1.823,5. Dänemark 81,2% - 5.148,2. Belgien 76,1% - 3.130,3. Frankreich 76,0% - 3.792,3. Deutschland 75,6% - 1.017,3. Schweden 74,2% - 2.688,4. Österreich 74,2% - 2.000,9. Norwegen 72,8% - 2.478,5. Niederlande 71,7% -  2.250,9. Großbritannien 70,7% - 945,7. Schweiz 69,5% - 2.810,4. Israel 65,4% - 6.070,6. Tschechien 63,1% - 1.690,3. Indien 49,7% - 154,5. Russland 47,6% - 283,0. Ukraine 33,5% - 313,8. Togo 12,7% - 4,3.

Und Focus schreibt die "Gänsehaut-Liste deutscher Hotspots", angeführt von Berlin-Mitte mit 3.110 gestern.

Freunde ließen ihre 12jährige Tochter boostern. Sie ist sportlich, gesund, hat keine Risiken, ist bei Erkältungen maximal drei Tage angeschlagen - und dann boostern gegen Corona als Kind? Die ortsansässige SPD möchte mit Montags-Gegendemonstrationen dazu beitragen, "die Pandemie in die Knie zu zwingen". Dazu seien drei Impfungen notwendig. Scholzens Impfpflicht lässt grüßen.

Dass eine Herdenimmunität zu Covid-19 nicht zu erreichen sei, wurde öfter schon klargestellt, etwa von Streeck. Und Dänemark scheint das auch zu beweisen. Was aber ist mit Afrika und Indien? Ist eine Herdenimmunität doch zu erreichen - nur durch Infektion? Nicht durch Impfungen? Zu viele Fragen noch, die offen sind, zu viele für flotte Sprüche und Parolen. Und mit "Gänsehaut-Listen" kommen wir da gewiss nicht weiter.

27.01.2022 ZDF: "Nach US-Antwort an Moskau. Position der Beteiligten im Ukraine-Konflikt. Russland wollte Sicherheitsgarantien - die USA haben den Wunsch nicht erfüllt. Jetzt warten alle auf die Reaktion Moskaus. Gibt es einen Krieg oder nicht?"

01.02.22 Die EU gewährt Reisefreiheit mit dem EU-Impfzertifikat noch für 9 Monate - ohne Booster, vernünftig. In Dänemark gelten ab heute keine Corona-Einschränkungen mehr. Bei einer Inzidenz von 5.200 und einem Hospitalisierungsanteil von 0,63% (Baden-Württemberg 0,44% bei einer Inzidenz von 1.200!). Zunehmend liegen Leute als Corona-Patienten (laut Statistik) im Krankenhaus, die zwar positiv getestet sind, aber wegen einer anderen Erkrankung eingewiesen wurden, so im Focus zu lesen. Drosten warnt trotzdem, es sei weiterhin Corona für die Einweisungen dominierend. Er steckt fest im Modus des Strategiepapiers vom März 2020. Streeck warnt allerdings auch - aber nur davor, schon vor dem Frühling zu unachtsam zu werden bei den Kontakten.

03.02.22 Eine Grafik von SWRdata zeigt die Auslastung der Intensivstationen in den Bundesländern. Irritierend ist die Farbwahl der Grafik. Die freien Betten sind im dunkelsten Ton der Skala markiert, mit einer Dunkelheitssteigerung von "Andere" zu "Covid19" zu "Covid19 beatmet" zu "frei". Will SWRdata Optimismus durch einen freundlichen Farbton vermeiden? Die optische Botschaft ist zumindest fragwürdig.

SWR
              Corona Lage Intensivbetten 03. Februar 2022

https://www.swr.de/swraktuell/corona-lage-auf-den-intensivstationen-100.html

04.02.22 Gerne wird erklärt, die hohe Inzidenz in Dänemark sei darauf zurückzuführen, dass "die Dänen" so viel testen. Man könnte im Umkehrschluss folgern, dass wir in Deutschland kein realistisches Bild der Infektionszahlen haben, da wir zu wenig testen. Nun, laut der Excell-Datei des RKI wurden in der 4.Kalenderwoche 2022 in Deutschland 2,54 Millionen laborbestätigte Tests durchgeführt. Knapp 41% (1,03 Mio) der Tests waren positiv. In Dänemark - das seine Zahlen nicht nur in einer popeligen Excell-Datei veröffentlicht - wurden am 03. Februar 2022 laut Dashboard des Gesundheitsministeriums 164.933 PCR-Tests durchgeführt und 127.452 Antigen-Tests. Dabei ergaben sich 40.179 positive Ergebnisse.

https://experience.arcgis.com/experience/aa41b29149f24e20a4007a0c4e13db1d

05.02.22 Die Sauberkeits- und Ordnungsliebe hat ein neues Betätigungsfeld gefunden: die Impflücke! Solange die in Deutschland nicht geschlossen ist, gibts keine Ruhe! Im übrigen gegen alle Evidenz. Es gibt keinen überzeugenden Zusammenhang zwischen Impfquote und Pandemiebewältigung im jetzigen Stadium, auch wenn es unbezweifelt Zusammenhänge zwischen Impfung und Stabilität gegen schwere Verläufe gibt, die allerdings signifikant schwächer werden. Nun ruhen alle Hoffnungen der Lückenschließer auf Novavax. Um das Immunsystem zu aktivieren, werden bei diesem Impfstoff Saponine mitgeimpft. Das klingt wie Drostens (ironisch abgrenzend gemeintes) Training des Verdauungssystems mit Schnitzel. Hoffentlich weiden nun im Sommer einschlägige Kreise nicht das schöne Seifenkraut (Saponaria officinalis) ab.

Inzidenzen (absteigend nach den Impfquoten vom 27.01.22): Portugal 3.301,3. Spanien 1.154,2. Dänemark 5.008,1. Belgien 2.064,2. Frankreich 2.836,1. Deutschland 1.388,0. Schweden 2.139,0. Österreich 2.532,9. Norwegen 2.455,2. Niederlande 3.211,7. Großbritannien 748,0. Schweiz 2.679,6. Israel 4.372,0. Tschechien 2.406,0. Indien 87,7. Russland 646,2. Ukraine 552,6. Togo 1,0.

Eine Zunahme in Deutschland, Österreich, Niederlande, Russland und Ukraine. Sonst Abnahme - mit großen Differenzen im Grad. Ergeben diese Zahlen noch irgendeinen erschließbaren Sinn?

09.02.22 Hendrik Streeck im Focus-Interview: Es gibt keine fachliche Begründung für die Verkürzung der Genesenen-Freistellung von 6 auf 3 Monate. Aber eine politische Begründung gibt es schon, für die ist allerdings sein Kollege Drosten zuständig: "Impflücke" schließen, Druck erhöhen. Von der FDP wurde Wieler wegen dieser Verkürzung kritisiert, von den grünen Gesundheitsexperten Katrin Göring-Eckardt und Janosch Dahmen am 05.02. verteidigt. Lauterbach hat auf Twitter eine wissenschaftliche Begründung: " Die Studie unterstützt die Analyse des RKI, dass 3 Mon nach Genesung bei leichter Omicron Infektion von der Immunität nicht viel übrig bleibt." - Spricht eine leichte Infektion nicht für Immunität? Oder tut sie das nur nach Impfung?

23.02.22 Tagesschau vom 16.02.22: " Der Impfstoffhersteller BioNTech hat transportfähige Produktionsstätten für Impfstoffe entwickelt. Die ersten sollen in afrikanische Länder gehen, um dort den Impf-Nachholbedarf des Kontinents aufzuholen."

Inzidenzen weltweit Stand 23. Februar 2022
Man vergleiche auch mit den Inzidenzen weltweit unter meinem Eintrag vom 28. Oktober 2021.

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02.04.22 Vor ziemlich genau zwei Jahren, am 17. April 2020, meinte die damals elfjährige Tochter von Freunden zur Schulenschließung: "Man kann doch vor Corona nicht weglaufen". Sie hat Recht behalten! Alle, die es vermeintlich geschafft hatten, davonzulaufen, wurden eingeholt. Das rundum desinfizierte Südkorea hat eine Inzidenz von aktuell 4.175, Neuseeland 1.890, Australien 1.549. Andere Länder, die von den Zero-Covid-Apologeten als Vorbilder genannt wurden, haben ihre Peaks schon wieder hinter sich - aber sie hatten sie, etwa die Mongolei. Die einzige Ausnahme ist China - aber um welchen Preis! Und Länder, die nicht "weggelaufen" sind, weil sie nicht wollten (wie Schweden) oder nicht konnten (wie die meisten afrikanischen Länder und Indien) scheinen durch zu sein. Auch das kann sich allerdings wieder ändern. Was sich nicht ändert ist die Wahrheit, die auch Hendrik Streeck schon früh äußerte:"Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben." Unaufgeregt wie Schweden und nicht mit den Drohkulissen, die Drosten und Lauterbach noch immer unentwegt aufspannen mit dem Schreckgespenst "Impflücke" und anderem Popanz.

Früher hätte man die beiden einfach "Pharmaknechte" genannt, heute werden sie zu Lichtgestalten aufgebaut. Wo hier die Wahrheit liegt, ist schwieriger zu bestimmen. Anders Tegnell empfiehlt den zweiten Booster ab 80, Lauterbach ab 60. Lauterbach hat schon vieles empfohlen, z.B. den Konsum von Margarine statt Butter - auf einer von Unilever gesponsorten Konferenz. Und er hat auch immer gerne ausgerechnet, wieviele Leben seine Empfehlungen jeweils retteten. Als Gesundheitsminister könnte er nun öfter mal vorrechnen lassen, wieviele Leben es rette, zum Bäcker um die Ecke mit dem Fahrrad zu fahren statt mit dem Auto. Es sei allerdings auch gesagt, dass er Anhänger einer salzarmen Ernährung ist - und das kommt keiner Industrie zu Gute.


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