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TAGEBUCH 2019


02. Januar 2019 Starke Verbräunungen der Blätter zeigen eine Verzola und alle Aglandaous. Ergebnis der bisherigen kleineren Fröste bei feuchter Witterung. Moufla, Maurino, Bianchera und Ascolana stehen erstaunlich gut da im Laub, Olivastra Seggianese erwartungsgemäß gut. Die Leccinos haben Blätter in ganz unterschiedlichem Zustand, der vitale große in wunderbarem, die beiden kleinen mit Vergilbungen.

Ich habe heute die ersten 7 Pflanzen eingepackt, den kleinen Leccino von 2008, die beiden Olivastra Seggianese von 2008, den großen Leccino (von 2012), eine Ascolana, eine Verzola und eine Moufla. "Objektive" Gründe fürs Einpacken gab es nicht in den Vorhersagen, aber ich traue den Wetterprognosen derzeit nicht, die sagen ja vor allem, dass nichts Sicheres gesagt werden kann, dass wir uns zwischen zwei Wetterfronten befinden und kleine Verschiebungen die Prognosen rasch kippen lassen können. Gestern Abend hat es im Weinberg nach Winter gerochen und heute hatte ich Zeit, es war trocken, die Sonne schien, also bot sich das Einpacken an. In Villeperdrix (Tanche) und Seggiano (Olivastra Seggianese) werden morgen früh -4 Grad erwartet, bei uns -1 Grad.

03. Januar 2019 Tja, die Wetterprognosen! Statt -1 wurden es bei uns heute morgen -3, in Villeperdrix statt -4 nur -2.
Einpackung 16. Januar 2019
11. Januar 2019 Welch ein Wetter! Kein nennenswerter Frost bislang (und auch weiterhin bis 20. Januar nicht in Sicht), aber beständig Regen, Nieselregen, Schnee, Schneeniesel. Nach dem Sturm am Dienstag musste ich die drei größeren Hüllen wieder festzurren, sogar eine Stahlstange wurde aus dem Boden gezogen. Mittelfristig könnte der Olivenanbau bei uns statt am Frost an der beständigen Feuchtigkeit im Winterhalbjahr scheitern. Dagegen helfen zwar auch Vlieshüllen - aber die sind nur in windgeschützen Lagen eine Lösung. Und für den Erwerbsanbau sicherlich nicht zu machen.

15. Januar 2019 Auf weitere 10 Tage hinaus kein nennenswerter Frost zu erwarten. Ich habe heut trotzdem nochmal 6 Pflanzen eingepackt, es war gerade günstig, trocken, und ein bisschen freie Zeit - und irgendwann wird doch mal ein strengerer Frost kommen, oder? Eingepackt hab ich drei große: Bianchera, Ascolana, Verzola. Und drei kleine: Ascolana, Bouteillan, Maurino. Donnerstag kommt wohl ein weiterer heftiger Sturmwind. Schön wenigstens, dass Stürme bei uns höchst selten mit tiefen Temperaturen verbunden sind. Allerdings muss man dann hinterher die Zeit finden, die Hüllen wieder festzuzurren.

17. Januar 2019 Mitte kommender Woche könnte der Frost tiefer als -5 kommen, also ist es gut, eingepackt zu haben (siehe Bild rechts). Zumal auch mit Niederschlägen zu rechnen ist. Insgesamt sieht die Wetterentwicklung der letzten Jahre so aus, als würden wir uns tatsächlich auf ein kleines Klimaoptimum um das Jahr 2026 herum zubewegen. Mit Wintermonsun ... Dann schlägt die Zeit für Bouteillan und andere feuchtigkeitsstabile Sorten! Und die Zeit für Occhio di Pavone ...

19. Januar 2019 Samstag. Nun habe ich auch die restlichen Edeloliven eingepackt (25 sinds jetzt insgesamt) plus eine Wildolive, die von Maurino 2008 geblieben ist, mit einer vitalen Basisknolle. Hier fand offensichtlich auch ein Gentausch zwischen Sylvestis-Grundlage und Maurino statt, denn in den Anfangsjahren tauchten immer wieder größere Blätter auf unter den kleinen Sylvestris-Blättern. Die anderen Wildoliven bleiben ohne Schutz. Ab Donnerstag/Freitag kommender Woche wirds richtig frostig.

22. Januar 2019 Von wegen erst ab Donnerstag/Freitag richtig frostig! Gerade hatten wir drei Nächte unter -5 Grad (Rheinstetten 20.01. -7, 21.01. -6 und vergangene Nacht -8!). Wind ONO. Für den weiteren Verlauf steigen die Prognosen aktuell zwar über -5 Grad, der Winter bleibt uns aber erhalten und die Unsicherheit auch. Der Polarwirbel gibt den Meteorologen keine Ruhe.

31. Januar 2019 Es hat mal wieder etwas geschneit in der Nacht hier am Kraichgaurand, aber die Temperaturen bleiben weiterhin moderat, wie schon seit dem 23. Januar. Erst zum 8./9. Februar könnten sie wieder unter -5 Grad sinken.

02. Februar 2019 Die Frostgefahr löst sich gerade in Wohlgefallen auf. Vorhergesagt werden nun frühlingshafte Temperaturen ab dem 9. Februar. Der März wird aktuell als leicht zu warm prognostiziert.

Eine der ohne Hülle verbliebenen Wildoliven, eine Ascolana-Unterlage von 2009, ist in einem hervorragenden Zustand nach den drei Frostnächten von 19. bis 22. Januar, Blätter tiefgrün, zugfest, keine Risse im Holz, auch nicht im letztjährigen! Bemerkenswert übrigens, dass die beiden vitalsten Wildoliven von Pflanzen stammen, die 2008 bzw. 2009 gepflanzt wurden - hier hat möglicherweise bereits eine positive Adaption stattgefunden. Oder liegts einfach am ausgereiften Wurzelwerk?

Zerzauste Hüllen 11. Februar 201908. Februar 2019 Der Frühling ist da! Allerdings nur kurz. Es ist nun an der Zeit, auch mal an die Kräuselkrankheit beim Pfirsich zu denken, die Knospen schwellen. Die Hüllen wird es am Wochenende bei südlich-westlichen Winden kräftig verblasen. Nächste Woche wirds dann aber schon wieder kühler, von Nordwesten her interessanterweise, und auch nur für kurze Zeit.

10. Februar 2019 Heute 14 Grad am Kraichgaurand, in Villeperdrix 7, in Seggiano 11. Inzwischen vedichten sich die Anzeichen, dass es mit diesem Winter bereits zu Ende geht!

11. Februar 2019 Weiter stürmisch, die Hüllen teilweise völlig zerfleddert (s. Bild links), ich nehme drei von den großen Hüllen weg und zurre den Rest wieder fest. Bei günstiger Gelegenheit (trocken, Zeit) könnte ich in den nächsten Tagen die Einpackungen wegnehmen, wenn die Prognosen zu Februar und März sich stabilisieren. Die Rede ist schon von einem "Betonhoch" über Mitteleuropa, teilweise könnte es ringsum kühler werden. Allerdings ist daran zu erinnern, dass es 2018 noch für Mitte März böse Prognosen mit Temperaturen unter -5 Grad gab (die dann aber nicht kamen). Da wir dieses Jahr im Januar keinen soliden Hochwinter hatten, ist für den März "eigentlich" nichts Schlimmes mehr für die Oliven zu erwarten, statistisch gesehen. 2018 hatten wir allerdings auch keinen Hochwinter im Januar - dafür Ende Februar zweistellige Minustemperaturen und einen beunruhigenden Märzwinter!

Wies aussieht, muss ich mich künftig vor allem vor dem Märzwinter fürchten - wie Landwirte schon immer! Wie dem zu begegnen ist, weiß ich noch nicht. Einhüllung bedeutet im März auch Wärmestau. Vielleicht genügt Abdeckung der bodennahen Pflanzenteile? Was doch wieder zumindest Klein-Stammerziehung sinnvoll machte! Denn ein Busch ist unten aufwendiger zu schützen.Angelegte Blätter
              als Reaktion auf Frost

16. Februar 2019 Es ist schon seltsam, zu einer Zeit, in der in anderen Jahren die schlimmen Frosttage noch bevorstanden, nun mit dem Auspacken zu beginnen! Aber gestern hatte es schon 16 Grad Spitzentemperatur im Schatten, dazu relativ kräftige Sonne. Und die kommenden zwei Wochen bleibt es (zu) warm, auch für den März zeichnet sich noch kein massiver Kälteeinbruch ab! So habe ich die großen Pflanzen  in den Kronen freigemacht. Eine anhaltende - allerdings nur schwache - ONO-Windlage beschert uns in den Morgenstunden noch regelmäßig leichten Frost.

19. Februar 2019 Vom 13. bis 18. Februar hatten wir eine ganz ungewöhnliche, ausgesprochen rhythmische Temperaturkurve mit Wärme am Nachmittag bis über 15 Grad und Frost in den frühen Morgenstunden bis -4 Grad. Die Pflanzen haben darauf - auch im Zentrum der Hüllen - mit einem charakteristischen Zusammenfalten/Anlegen der Blätter reagiert (s. Abbildung rechts). Hoffentlich wird daraus kein Frostschaden! Rechtzeitig zum Vollmond kam dann gestern eine Wetterumstellung, mit Verdrehung der Windrichtung um 180 Grad. Demnächst krachen um uns herum allerdings im Osten und teilweise gar Südosten noch einige Eisbomben (22., 23., 24.), noch ist der Winter nicht vorbei - auch nicht für den Olivenanbau in Teilen Griechenlands und Italiens!

21. Februar 2019 Der Frost rutscht freundlicherweise östlich an uns vorbei. Teile Südeuropas dürften mehr davon abbekommen als wir hier in der Rheinebene. Allerdings bis heute weiterhin Frost in den frühen Morgenstunden.

22. Februar 2019 Die Maibeeren-Knospen gehen auf. An einer Maibeere ein großes Loch, das unter die Wurzeln reicht, die Wurzeln abgefressen - eine Maus?? Seit einigen Tagen schon blüht üppig Persischer Ehrenpreis.

24. Februar 2019 Bis Mitte März kein Frost mehr in Sicht. Ich sammle in der rechten Anlagenhälfte den Rest der Hüllen ein - am Nachmittag, damit sie nicht gleich einen Sonnenbrand bekommen! Die tiefste Temperatur in diesem Winter in Rheinstetten gemessen -8,1 Grad am 22. Januar.

27. Februar 2019 Heute die ersten sieben Oliven geschnitten, die teilweise auch noch über Winter kräftig zugelegt haben (1x Leccino, 1x Maurino, 1x Bouteillan, 2x Ascolana, 1x Seggianese, 1x Bianchera)! Dabei sehr überrascht vom guten Zustand des Maurino! Wie alle weniger froststabilen Sorten zeichnet auch er sich jedoch aus durch weichere Blätter - während Seggianese und Leccino derzeit überwiegend sehr harte, ledrige Blätter haben. Auffallend auch: Die weniger froststabilen Sorten verfärben sich in der Rinde gelblich über Winter. Am großen Seggianese werden seit vorgestern teilweise die Blätter gelblich, einige haben braune Flecken - Sonnenbrand? Stress durch den Wechsel von Wärme/Sonne tagsüber und nach wie vor gelegentlich leichtem Frost unter nordöstlichen Windlagen - so am 24. Februar und erneut vergangenen Nacht - in den Morgenstunden? Bouteillan und Olivastra Seggianese entwickelten teilweise über Winter an der Basis übergroße dunkelgrüne Blätter!

Nach wie vor ist nicht klar, ob der Winter schon vorbei ist. Anfang März kommt eine Wetterwende, es könnte schneien oder hageln. Und zum Märzende könnte ein ernstzunehmender Kaltluftvorstoß kommen. Ziemlich schräg, wo die Pfirsichbäume schon kurz vor der Blüte stehen und die Temperaturen sich gestern der 20-Grad-Schwelle näherten!! Die Oliven zeigen auch schon teilweise kleine Neuaustriebe in den Blattachseln. Das könnte bitter werden!

03. März 2019 Wenn ich meine Beobachtungen der letzten Tage, beim Auspacken und beim Schneiden vor allem, zusammenfasse, ergibt sich als Hypothese, dass einige meiner Oliven, vor allem Olivastra S., Maurino, Bouteillan und Ascolana, heftig experimentieren, wie sie mit den klimatischen Bedingungen hier zurecht kommen können. Sie entwickeln unterschiedliche Blattformen und Wuchsformen sowie unterschiedliche Stoffwechselreaktionen (erfahrbar etwa an der Blattkonsistenz, der Blattfärbung und der Holzbildung) - auch an der gleichen Pflanze! Ich sehe anschaulich, was Hairi Ismaili und Antonio Cimato in ihrer Untersuchung zur Standortanpassung von Kanina/Kalinjot empirisch belegt feststellen konnte: Welche enorme Variabilität zumindest bestimmte Olivensorten aufweisen.

Puh, zur Monatsmitte könnte es wieder Frost geben - auch wenns bislang so aussieht, als würde er östlich an uns vorbeiziehen! Jetzt aber erst mal Wind, Wind, Wind - und Regen!